Gemeine Feldmaus, Genosse Major! - Tim Bodan - E-Book

Gemeine Feldmaus, Genosse Major! E-Book

Tim Bodan

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Beschreibung

Dass eine kleine Feldmaus das Regime der DDR ins Wanken gebracht hat, war bisher nicht vielen Menschen bekannt. Hier nun wird die Geschichte erzählt. Die Geschichte eines einfachen Soldaten in der glorreichen Nationalen Volksarmee der mit Hilfe dieses kleinen Nagers zum Symbol des Widerstands gegen die Tyrannei wurde. Eine humorvoll geschriebene Widerstandsgeschichte gegen Massen-Formierungs-Psychosen und Totalitarismus.

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Allen Kindern, die sich nicht verbieten lassen selbst zu denken…

auch wenn das manchmal schwer ist oder gar weh tut

Inhalt

Vorwort

Seelingrad

Der Soldat

Die Wahl

Appell

Ausbildung Extra

Arme Offiziere

Zeitungsgeld

Schikanen

Zur großen Gefechtsübung

Falschmeldungen

Beschäftigung

Verstärkung

Die Versehrtenkompanie

Wehrhafte Versager

„Gemeine Feldmaus, Genosse Major!“

Spaniens Himmel

und die Freiheit

Der Feind siegt und entpuppt sich als Waffenbruder

Das Verhör

Triumpf

Das letzte Aufgebot

Fünftausend Mann im Panzerschritt

Entlassung

Bescherung

Der Schrei nach Freiheit

Und Ende

Weitere Werke des Autors

Vorwort

Diese Geschichte hat sich tatsächlich so zugetragen, aber es kann durchaus sein, dass wir den einen oder anderen Namen nicht nennen oder die eine oder andere Episode ein klein wenig verändert darstellen müssen. Dies hat nur bedingt mit unserem Gedächtnis zu tun, als vielmehr mit der Tatsache, dass die Helden von damals nicht unbedingt mit einem Schild „ich war ein Held in Seelingrad“ herumlaufen wollen und die viel zahlreicheren Pfeifen und Duckmäuser des DDR-Regimes sich hoffentlich auch so schon blöd genug vorkommen. Also auch ohne, dass sie mit Dienstgrad, Name und Tageszahl benannt werden.

Die Führung der DDR fand es eine tolle Idee alle ihre männlichen Studenten Anfang des zweiten Studienjahres zur Reserve einzuberufen um sie einerseits massiv auf die allgegenwärtige militärisch-politische Linie zu bringen, und ihnen andererseits das Rüstzeug für eine partei- und systemtreue Karriere als Offizier der Reserve der Nationalen Volksarmee NVA zu vermitteln.

Im Herbst des Jahres 1987 ging dies jedoch massiv daneben. Zwei Jahre später fiel die DDR. Schuld – so wissen jedoch nur Eingeweihte – war ein kleiner Nager, eine „Gemeine Feldmaus“.

Seelingrad

Der Ort heißt eigentlich nicht wirklich so. Auf keiner Landkarte kann man ihn daher finden und da wir nicht wissen wie die Leute, die heute dort wohnen, darauf reagieren, dass nun, nach über 25 Jahren endlich die wahre Rolle dieses ehemaligen Bollwerkes des DDR-Regimes offenbart wird, wollen wir die Lokalität auch nicht nennen. Dabei lag die Kampfkraft des Ortes nie in der Stärke der dort stationierten Garnison, sondern stets in der psychologischen Tiefe der dort indoktrinierten Denk- und Verhaltensweisen. Dass dabei die bewusst konservierte Trostlosigkeit der Gegend, die insbesondere im Herbst an depressiver Kapitalität kaum zu überbieten war, gnadenlos genutzt wurde um die Köpfe der jungen Studenten so klein und gleichzeitig so fies und unmenschlich wie nur irgend möglich zu bekommen, lag in der tiefen Logik der DDR-Führung. Dabei hatte die Gegend einiges zu bieten, aber es kostete unglaubliche Mühe und einiges an Widerstandskraft, den Kopf überhaupt so weit aus dem Dreck zu erheben, dass man mehr sah, als die schlamm- und lehmverschmierten Spitzen der eigenen Stiefel oder den schweren Munitionsgürtel des Vordermannes. Wer es jedoch schaffte, bei den alltäglichen Gewaltmärschen und Sturmübungen auf mehr zu achten, als die Schreie der Vorgesetzten, der konnte beeindruckende Sonnenauf- und Untergänge bestaunen. Wem es gelang, der Gegend mehr zu entlocken als den nächstbesten trockenen Fleck um sich beim Befehl „Volle Deckung!“ hinzuwerfen ohne dabei allzu nass zu werden, der sah eine beeindruckende Fülle an seltenen Pflanzen und Getier und der hörte eine wunderbare Vielfalt an Vogelstimmen… selbst im Herbst. Innerhalb des Bollwerkes, auch Ausbildungsstützpunkt genannt, jedoch gab es keine solchen Entspannungsmomente und akustisch-visuelle Fluchtpunkte. Hier hatte man psychologisch perfekt und ideologisch bewusst auf maximale Leere und Trostlosigkeit geachtet, um Ausbilder und Auszubildende in höchster Depression gefangen und damit politisch fokussiert zu halten.

Dennoch, als kleinen geografischen Hinweis mag man erfahren, dass es durchaus Sinn machte, als ein frustrierter Wachmann namens Martin Konrad F. am 7.10.1987, zum Tag der Republik also, den Spruch „Besser Sperma im Sperrmüll, als Uran im Urin!“ in einen der volkseigenen Wachtürme ritzte.

Der Soldat

Er war anderes. Er fiel auf. Dabei wäre es einem Außenstehenden wohl nie ohne Hilfe klar geworden, was der Grund für dieses Auffallen, das offensichtliche Herausragen aus der Masse war. Zugegeben, gemessen an vielen seiner Kommilitonen war er mit gut 2,04 Metern Größe und seinem gewaltigen Oberkörper schon eine stattliche Erscheinung, aber keineswegs so ungewöhnlich, dass man sich das fortwährende Drehen der Köpfe und das achtungsvolle Gemurmel in seiner Nähe hätte erklären können. Überhaupt, sah der Außenstehende, der Uneingeweihte, das Besondere wohl eher nur im Verhalten seiner Umgebung, als im Erscheinungsbild des Soldaten selbst. Auch wenn man dann bei genauerem Blick durchaus feststellen konnte, dass der Typ irgendwie anders war. Er lief anders, er trug seine Sachen, insbesondere aber seine schwere Waffe, als wären sie für ihn gemacht. Vor allem aber hielt er den Kopf anders, nämlich hoch erhoben. Während all seine Studienkollegen bunt und individuell in das „Bekleidungs- und Ausrüstungslager“ hinein gingen um anschließend einheitlich grün und beklemmend gedrückt wieder herauszukommen, bemerkte man bei dem Soldaten irgendwie keinen rechten Unterschied. Es schien als hätte man ihm auch einen Sack überstülpen können und er wäre dennoch einfach nur er geblieben… auch äußerlich. Wirklich sichtbar und wenn man so will greifbar, wenn man von dem Umstand absah, dass nur dieser Soldat eine schwere RPG6 und nicht, wie alle seine Kommilitonen, das leichte Kalaschnikow Maschinengewehr trug, war einzig der Umstand, dass der Soldat unter all den tausenden Studenten den niedrigsten Dienstgrad besaß. Er war Soldat, während alle anderen es in der obligatorischen und regulären Dienstzeit der Nationalen Volksarmee der DDR vor dem Studium mindestens zum Unteroffizier „gebracht“ hatten. Das war eigentlich vollkommen unmöglich, denn man schaffte es als Soldat in der DDR faktisch eigentlich nicht auf einen vernünftigen Studienplatz. Jedenfalls nicht ohne, dass man sich nicht gleichzeitig vor dem Studium in der NVA so „bewährte“, dass man auch befördert wurde. Hier sollte man anmerken, dass bewähren in der DDR und erst recht in der NVA einfach nur hieß, dass man nicht aus der Reihe tanzte. Überhaupt sah das militärische System die automatische Beförderung mindestens zum Gefreiten selbst für die widerspenstigsten „Genossen“, wie alle NVA-Angehörigen sich gegenseitig zu nennen hatten, vor. Demnach musste schon etwas ganz Besonderes vorgefallen sein, was es diesem Soldaten hier erlaubt hatte einfacher Soldat zu bleiben und dabei trotzdem, und das war das total Verrückte daran, die Kennung der Fallschirmjäger zu tragen und obendrein auch noch zu studieren. Es war nur ein winziges schmales, orangenes Farbband um seine ansonsten leeren und vor allem streifenlosen Schulterstücken und doch war dies der Inbegriff des Unglaublichen, Unmöglichen, des: „das kann nicht sein“, ja der Rebellion.

Aber nicht nur die eigenen Kommilitonen zeigten sich erstaunt. Die Ausbildungsoffiziere, welche hier eigentlich standen um die „Bande verweichlichter Akademiker“ anzutreiben, stoppten ihr Geschrei und starrten auf den Neuankömmling mit der schweren Waffe, welche er lässig über der Schulter baumeln hatte. Eigentlich hätten sie jetzt einschreiten und zur „Anzugs- und Marschordnung“ mahnen, ja brüllen müssen, aber sie waren einfach nur stumm und verstanden ganz offensichtlich die Welt nicht mehr. Einzig die „Altgedienten“, also die echten Soldaten, welche hier auf dem Ausbildungsstützpunkt dienen mussten, benahmen sich anders. Bei ihnen gab es kein starres Erstaunen, sondern eine Art lockeres Grinsen, ein begrüßendes Nicken, das man einem hochgeachteten Kampfgefährten schenkt. Sie alle trugen Kampfanzug und das gute alte AK47 im Anschlag. Die Führung des Objektes hatte die Alten hier zur Einschüchterung aufgestellt und offenbar funktionierte das sonst auch, denn keiner von ihnen mochte die „Studies“. Das waren für sie alles eingebildete Affen, die nach sechs Wochen wieder nach Hause konnten, während man selbst noch mindestens gut hundertneunzig Tage und mehr in diesem widerlichen Loch vor sich hatte. Die Führung wollte und förderte diesen Hass auf die Studentenrekruten und jeder der „Alten“ hier war – ohne dass ihm dies natürlich je bewusstwurde – exakt für diesen Zweck sorgfältig ausgesucht worden. Nicht selten handelte es ich um Strafversetzte oder echte Knackies und dies galt in hohem Maße auch für die Offiziere. Als die Alten jedoch den Soldaten sahen, vergaßen sie ihren Hass für einen Moment. Sie grinsten und – das war schon an der Grenze zur Meuterei – salutierten als der „Akademische Soldat der Reserve“ an ihnen vorbeischritt. Der Soldat nickte ihnen einfach nur zu, während er dem restlichen Gestarre und Gestiere keinerlei Aufmerksamkeit schenkte. Am Ende des Spaliers der Ausbilder scherte er, ohne auf den dortigen Offizier zu achten, aus der Reihe der Gedrückten aus und sprach einen der Altgedienten an. Man hörte nicht was er sagte, aber die Umstehenden sahen den Alten in „Hab-Acht“ springen und eine knappe Antwort geben. Der Soldat nickte, drehte sich um und begab sich zielstrebig zu seinem Quartier, welches ihm der Alte gewiesen hatte. Hinter ihm salutierte der Alte mit knallenden Hacken.

Die Wahl

Dank der Abkürzung, die ihm der Alte gewiesen hatte, war der Soldat der erste in seinem Quartier. Er suchte sich ein Bett nahe dem Fenster – es gab dort sechs Doppelstockbetten – und einen Spind in der Nähe. Selbstverständlich schlief er oben. Auf dem Tisch entdeckte er die „Armeerundschau“ und das „Neue Deutschland“. Angewidert schob er die Zeitungen zur Seite und warf seinen Seesack auf den Tisch. Als seine Zimmergenossen einrückten hatte er bereits seinen Spind eingeräumt, lag auf seinem Bett und kritzelte Formeln von einem Buch über Kernphysik auf einen kleinen Zettel.

„Hi Sven“, rief eine dem Soldaten wohlbekannte Stimme, „wie es aussieht haben sie uns doch nicht komplett auseinandergerissen.“

Der Soldat sah auf. Tatsächlich, da stand einer seiner Kommilitonen, einen den alle nur Schmitti nannten, der Beste des Jahrgangs und daneben noch sechs weitere aus seinem Studiengang. Alles Physiker, beziehungsweise Studenten, die es werden wollten. Der Soldat grinste und antwortete: „Nein, die haben sicher gedacht, dass du etwas Benimm und Ordnung bei mir durchsetzen wirst.“

Schmitti lachte nur heiser auf und machte eine abwehrende Handbewegung. Sein Nebenmann, ein sehr unmilitärisch aussehender, zarter Unteroffizier namens Jan, wollte gerade den Mund öffnen, als ein schallendes „ACHTUNG!“ ertönte. Einer der Alten war eingetreten, unmittelbar gefolgt von einem Leutnant, und hatte den Vorgesetzten lauthals angekündigt. Selbst hier drinnen liefen die Alten mit ihren Sturmgewehren im Anschlag herum. Alles sprang ins Stillgestanden. Nur der Soldat blieb auf seinem Bett liegen und vertiefte sich wieder in sein Buch. Der Leutnant sah kurz zu ihm rüber und rief dann eher desinteressiert: „Rühr‘n Männer!“ Er war einer von den wenigen Aufrechten, die aus Überzeugung eine Offizierskarriere bei der NVA begonnen hatten und die dann viel zu spät bemerkten, was für ein verlogener und menschenverachtender Verein diese Armee war.

„Machen wir uns das Leben hier nicht gegenseitig schwer, Leute. Ihr wollt eure sechs Wochen rumbekommen und ich will im Wesentlichen meine Ruhe, verstanden?“

„Verstanden!“, kam ein allgemeines Gemurmel, doch der Offizier wiederholte die Frage. Als diesmal niemand reagierte, sah der Soldat auf und erkannte, dass alle Blicke auf ihn gerichtet waren. Er musterte den Offizier und nickt ihm nach einer gefühlten Ewigkeit nicht unbedingt unfreundlich, ja fast aufmunternd zu. Der Offizier schien erleichtert und erläuterte die Aufgaben des Tages: „Ihr müsst einen Gruppenführer bestimmen. Dazu sollte ich euch jetzt eigentlich ein paar Hinweise geben, aber wie ich sehe seid ihr ja alle mindestens Unteroffiziere und da braucht ihr solche Belehrungen nicht. Außerdem braucht ihr einen Kassierer, der das Zeitungsgeld einsammelt.“

„Welche Zeitungen?“, fragte einer der vier, die der Student nicht aus seinem Studiengang kannte.

„Die hier!“, Der Leutnant deutete auf die „Armeerundschau“ und das „Neue Deutschland“.

„Die haben wir aber gar nicht bestellt!“, protestierte Schmitti.

„Kommt Leute, macht keinen Ärger und liefert bis Ende der Woche das Geld ab.“ Der Leutnant schien bereits genervt. Dennoch war sein Ton eher versöhnlich, auf Überzeugung bedacht und mit nur einem winzigen Anflug von „Ihr habt doch sowieso keine Chance!“

„Wir wissen doch alle…“, doch weiter kam er nicht, denn in diesem Moment trat ein weiterer Offizier ein, ein Oberleutnant, also einen Dienstgrad über dem Leutnant.

„Was ist denn hier los?!“, brüllte er, „wieso liegt der Soldat dort auf dem Bett?“

Der Soldat maß den Neuankömmling mit einem Blick und wusste, dass dieser Fuzzi einer von den „Tagessäcken“ war, die ihre Studienplätze nur bekommen hatten, weil sie sich für ewig und drei Tage zur NVA verpflichtet hatten. Beim Studium regelmäßig die Schlechtesten, konnten sie nun hier den „jungen Akademikern“, die ihnen sonst fachlich weit voraus waren, zeigen, dass sie die Herren waren und das Sagen hatten. Im wütenden Sturmschritt durchmaß der kleine Wichtigtuer den Raum und baute sich am Kopfende des Bettes auf, in dem der Soldat noch immer seelenruhig lag und ihn musterte. Offenbar in der Annahme, dass sein hier fest dienender Offizierskollege Unterstützung bräuchte, brüllte der „Oberspinner der Reserve“, wie man diese Typen heimlich nannte, den Soldaten nun direkt an.

„Wieso liegen Sie hier im Bett?

Und dann noch mit Stiefeln!

Ein Offizier ist im Raum.

Scheren Sie sich gefälligst runter und machen Sie Meldung!“

Wie Maschinengewehrfeuer kreischte er jeden seiner Sätze. Er spuckte fast, so erregt war er.

„EIN OFFIZIER IST ANWESEND!

Was fällt Ihnen ein, Sie…“

Langsam setzte sich der Soldat auf. Sein beindruckender Oberkörper und der kahle Kopf taten ihre Wirkung. Der Oberleutnant verstummte mit halbgeöffnetem Mund. Der Soldat lehnte sich nach vorn, griff das Bettgestänge und langsam aber flüssig, kam er mit einem umgekehrten Feldaufschwung direkt vor dem Reserveoffizier zu stehen. Eine solche Bewegung so langsam auszuführen kostete normale Menschen, so sie das überhaupt schafften, unheimlich viel Kraft und Energie. Bei Bodan sah es aus, als würde er nie anders Betten besteigen oder sie verlassen. Er stand ganz locker, die Augen auf den Oberleutnant gerichtet und zog dabei langsam seine Kopfbedeckung aus der Hosentasche. Dem wütenden Offizier klappte die Kinnlade herunter als sein offenbar sehr kräftiger und geschickter Gegenüber sich ohne die Augen auch nur einen Deut von seinem Gegner zu nehmen, das Barett der NVA-Fallschirmjäger aufsetzte und betont ruhig auf seinem kahlen Kopf ausrichtete. Als er fertig war riss er urplötzlich seine Hände nach unten, knallte die Hacken zusammen, dass es nur so krachte und brüllte dem unmittelbar vor ihm Stehenden ins Gesicht:

„Richtig KOLLEGE!

EIN Offizier ist anwesend.“

Dann wandte er sich ab, dreht sich gekonnt und zackig zum Leutnant, dessen Rang formal gesehen ja eigentlich unter dem des Oberleutnants steht, und dem „Alten“ Gefreiten, der den Leutnant begleitet hatte, knallte nochmals die Hacken, rief lautstark und sicher, „Genossen, Achtung!“ und grüßte militärisch so akkurat, dass in diesem Moment keiner mehr Zweifel hatte, dass hier einer über „hinreichende Praxiserfahrung“ verfügen musste. Unwillkürlich, so als hätten sie einen elektrischen Schlag bekommen sprangen alle Anwesenden ins Stillgestanden, selbst der vermickerte Oberleutnant. Der, als er seinen Fehler bemerkte, peinlich berührt versuchte die Bewegung zu kaschieren, was ihn noch alberner aussehen ließ. Der so geehrte Leutnant griente.

Der Alte war der Einzige, der offenbar keinerlei Probleme mit der Situation hatte. Er machte eine zackige Drehung hin zum Soldaten, schulterte das Gewehr in Paradestil und grüßte, ohne auch nur eine Miene zu verziehen, zurück. Es trat ein betretenes Schweigen ein, aber nur für einen kurzen Moment. Dann drehte sich Schmitti ebenfalls betont akkurat, wenn auch nicht so perfekt wie der Alte in Richtung Bodan, knallte auch seine Hacken lautstark und hob gleichfalls die Hand. Umgehend folgten die anderen Kommilitonen. Der Leutnant schien zu überlegen. Schließlich hob auch er die Hand an die Mütze und grüßte in Richtung des Soldaten.

„Wie ist Ihr Name, Genosse Soldat?“, fragte er.

„Bodan, Genosse Leutnant.“

„Danke Genosse Soldat… Genosse Bodan, Sie dürfen es sich wieder bequem machen!“

Damit heftete der Soldat seinen Blick wieder starr auf den Reserveoffizier vor ihm, steckte ruhig das Barett in die Hosentasche und machte dann einen Feldaufschwung zurück auf sein Oberbett, ebenso, wie er heruntergekommen war.