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England, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Der Ich-Erzähler, ein Junge in der Pubertät, lebt in abgeschiedener ländlicher Idylle. Eines Tages lernt er die doppelt so alte Kay kennen, Tochter der Familie Demarest. Kay ist schüchtern und still, extravagant und erotisch. Die beiden werden Freunde. Im anderen Garten - ein formaler Garten, den der Vater des Jungen mit großer Hingabe stutzt und hegt - findet die ruhelose Kay für kurze Zeit einen Platz zum Sonnen. Sie kann sich ihren Tagträumen hingeben und sie selbst sein, was ihr in ihrer Familie und im Leben verwehrt bleibt.
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Seitenzahl: 158
Veröffentlichungsjahr: 2014
Francis Wyndham
Der andere Garten
Roman
Aus dem Englischenvon Andrea Ott
DÖRLEMANN
Die Originalausgabe »The Other Garden« erschien 1987 bei Jonathan Cape Ltd. in London.eBook-Ausgabe 2014 Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten © 1987 by Francis Wyndham © 2010 by Dörlemann Verlag AG, Zürich Covergestaltung: Mike Bierwolf unter Verwendung eines Fotos von Nick M Do Autorenporträt: © The Estate of Chris Garnham / National Portrait Gallery, London Lektorat: Andrea Groll Satz und E-Book-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde ISBN: 978-3-908778-29-5www.doerlemann.com
Für David und Judy
»Faut-il partir? Rester? Si tu peux rester, reste;Pars, s’il le faut.«Charles Baudelaire, Le Voyage
1»Wann ist das Essen fertig?«, fragte mein Vater immer. In der Annahme, er sei ungeduldig vor Hunger, antwortete meine Mutter dann, sich eifrig entschuldigend: »Oh, jeden Moment– es muss gleich eins sein.« Aber sie hatte ihn missverstanden. In Wirklichkeit wollte er nur wissen, ob ihm noch Zeit für einen Blick in den anderen Garten blieb, bevor er sich zu Tisch setzte. Bestürzt sah sie zu, wie er sich einen alten grauen Trilby aufstülpte, einen Stock auswählte, entschlossen durch die vordere Haustür schritt, gelassen die kurze Auffahrt hinunterspazierte und auf der Landstraße verschwand. Fast genau gegenüber führte eine weiß gestrichene Holztür in einer roten Ziegelmauer in diese geliebte Erweiterung seines Besitzes, unaufdringlich, aber eindeutig getrennt vom Haus und seinen nichtssagenden Rasenflächen. Im anderen Garten war er in Sicherheit und außer Hörweite– allerdings wurde ich wenige Minuten später immer losgeschickt, ihn zu suchen und heimzuholen, denn seine doppeldeutige Frage hatte ungewollt die Fertigstellung des Essens beschleunigt; dabei hatte er doch auf einen Aufschub gehofft.
Er hatte den anderen Garten selbst entworfen. Es war eine formale Anlage von künstlich geometrischer Form, die Mitte der dreißiger Jahre schon nicht mehr modern war und später vollends außer Mode kam. Ein nahezu vollkommenes Quadrat mit zu Tierformen gestutzten Eiben, niedrigen Buchshecken, gekrümmten und ovalen Blumenbeeten, kreisrunden und dreieckigen Rasenflecken, verziert mit steinernen Vogelbädern und geraden, symmetrischen Wegen, die in der Mitte bei einer Sonnenuhr zusammenliefen. An den Ecken dieses komplizierten Musters standen vier verschnörkelte Bänke; Gemüsegarten und Geräteschuppen waren vom rein dekorativen Bereich durch hohe Wicken und Himbeerranken abgeschirmt. Das Ganze lag an einem Hang über der Hauptstraße des Dorfes, so dass der Blick nach Süden über die Hausdächer bis zum Fluss schweifte, dann über die feuchte, grüne Aue und wieder hinauf zu dem steileren Berg jenseits des Tales. Diese gebieterische Lage führte zu einem leichten Schwindelgefühl, als habe der Boden sich plötzlich geneigt und bringe einen ins Wanken, und auch zu dem aufregenden Bewusstsein, ungewöhnlich exponiert zu sein: Es konnte ja sein, dass jemand aus dem Dorf gerade zu den Gartenbesuchern hochschaute.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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