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Auch ohne große Schicksalsschläge ist das Leben selten berechenbar, vorhersehbar. Sich dem Leben aussetzen und die Komfortzone vorm Fernseher verlassen, ist die wesentliche Erkenntnis und Voraussetzung für ein gefühlt angefülltes Leben. Überall ist Zauber, man muss ihn nur "wahr" nehmen, dann kann man auf die Märchen der Unterhaltungsindustrie gut verzichten. Texte um Liebe und Besonderes im Alltäglichen suchen Gleichgesinnte.
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Stefan Schillert
Der aufrechte Gang
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Wortgeplänkel
Liebes Leben
Liebesleben
Impressum neobooks
Nur ein Wort
Vielleicht ist mein Wort
Es ist zum Ausdruck meiner Natur geworden.
Dennoch liebe ich es nicht,
denn es ist nicht präzis.
Vielleicht bietet Möglichkeiten, aber keine Entscheidungen.
Vielleicht lässt mich in meiner Unsicherheit zwischen Möglichkeiten stehen
Und Unsicherheit beengt.
Dabei ist es ein schönes Wort - Vielleicht
Mit viel Schwung erklimmt es die Spitze
um dann leicht zu Tal zu gleiten
Fil-leieieicht
Vielleicht hat Phantasie für das Undenkbare
Vielleicht hat Mut
Vielleicht befreit
Aber es nimmt auch zurück.
Vielleicht meine ich das alles nicht so,
was ich über Vielleicht schreibe?
Vielleicht verhöhnt mich,
wenn es sagt das Vieles leicht ist!
Wo ich doch alles so schwer nehme.
Vielleicht ist Vielleicht auch nur ein Wort
Vielleicht
Das Netz
Ein Fischer steht am Ufer und wirft sein Netz aus. Mit zurückgelegtem Oberkörper und weit nach hinten gespanntem Arm holt er aus und schleudert das Netz in weitem Bogen von sich. Körper und Arm folgen dem Netz ein wenig, während das rechte Bein ausbalancierend nach hinten gestreckt wird.
Die Bewegungsabfolge ist ruhig und sicher. Es gibt nichts an ihr zu verändern, nichts zur verbessern. Sie basiert auf jahrhundertealtem Wissen, an dem sich nichts geändert hat und nichts ändern wird. Ich spüre eine große Sehnsucht nach solchem einfachen, doch sicheren Leben Vielleicht haben wir Menschen die Befriedigung, die man aus einer vollständig beherrschten Tätigkeit zieht, für immer verloren. Immer müssen wir weiterlernen, Neues aufnehmen und umsetzen. Immer gibt es Anforderungen, die einen vorwärts treiben.
Ich möchte die Zeit anhalten, dem tanzenden Regentropfen zuschauen, dem Lauf der Sonne folgen, dem Rauschen des Windes in den Baumwipfeln lauschen, das Wachsen und Vergehen der Jahreszeiten einatmen.
Ich würde gerne mein Netz auswerfen und das Leben fangen, doch mir scheint, ich bin eher der Fisch im Netz.
Individualismus
Ein Schwarm von Krähen bevölkert drei kahle Bäume des Parks. Von weitem sehen sie wie schwarze Blüten aus, ein Trauerflor.
Aus der Nähe kann man dann ihre Schnäbel und ihre runden Rücken sehen, alte Ratsmitglieder. Die Kälte zwingt sie in schwarze Umhänge. Und so hocken sie da und diskutieren. Einer erhebt seine Stimme ein kurzer Moment des Besinnens, zwei antworten gleichzeitig und lösen einen Sturm der Entrüstung aus.
Einige Minuten erfüllt aufgeregtes Gekrächze die Luft. Schließlich wird es einem zu bunt. Er lässt sich unter unsonorem Protest der anderen vom Ast fallen, gleitet über hundert Meter, schlägt noch dreimal mit den Flügeln und landet schließlich in der Nähe eines Blätterberges.
Mit großen, ungelenken Schritten stakst er durch das Gras, sichtlich in Gedanken versunken, den Kopf in Ablehnung hin und her schüttelnd, nur kurz, einmal nach links, nach rechts und wieder in der Mitte verharrend.
