Der blaue Bien - Enka Wiese - E-Book

Der blaue Bien E-Book

Enka Wiese

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Beschreibung

Janna hat mit ihrem neuen Job als selbstständige Restauratorin alle Hände voll zu tun. Gerade als ihr die Arbeit über den Kopf wächst und ihre Selbstzweifel sie zu überwältigen drohen, fliegt ihr ein geheimnisvoller Honigbienenschwarm zu. Janna ist fasziniert von den Bienenwesen, doch ihr wird schnell bewusst, dass es sich um keinen gewöhnlichen Schwarm handelt. Sie beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Sind die Bienen wirklich zufällig in ihrer Obhut gelandet? Wohl kaum. Schließlich versetzt eine Reihe mysteriöser Zwischenfälle Janna in Alarmbereitschaft: Ist der Bien gefährlich?

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Seitenzahl: 240

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

1. Aufruhr

2. Schwärmen

3. Dunkelhaft

4. Beute

5. Orientierung

6. Stiften

7. Einnisten

8. Brut

9. Larve

10. Metamorphose

11. Nymphe

12. Puppe

13. Imago

14. Modif ikation

15. Spur(biene)

16. Raubzug

Enka Wiese

1. Auflage August 2023

© 2023 OCM GmbH, Dortmund

Gestaltung, Satz und Herstellung: OCM GmbH, Dortmund

Verlag:OCM GmbH, Dortmund, www.ocm-verlag.de

ISBN 978-3-949902-12-3

Illustration Biene: © Enka Wiese

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über portal.dnb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages. Dies gilt auch für die fotomechanische Vervielfältigung (Foto­kopie/Mikrokopie) und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Der blaue

Bien

Enka Wiese

Die zähe Masse verflüssigt sich und beginnt zu stinken. Auf der Gallerte bildet sich ein Kranz aus Schaum, der sich am Rand des Glases sammelt. Von dort aus weitet er sich über die gesamte Fläche aus und wird immer dichter. Als das Wasser seinen Siedepunkt erreicht, tanzt das Glas im Topf, steigt im sprudelnden Wasser auf und ab und klopft gegen die Innenwände. Die stumpfe Flüssigkeit dampft und wirft Blasen, die schnell größer werden und laut zerplatzen. Das Geräusch des klappernden Topfes lässt Janna hochschrecken. Sie springt vom Stuhl auf und rennt zur Herdplatte im Nebenraum. Heiße Tropfen spritzen auf ihren Arm und beißen wie Nadelstiche, als sie den Topf greift und unsanft auf einem Brett absetzt. Der Wärmequelle entnommen, beruhigt sich das Wasser schnell, der Knochenleim dagegen blubbert auch dann noch, als Frau Eller in der Tür steht. Sie schaut angewidert und presst ihr Halstuch vor den Mund.

„Was zur Hölle stinkt hier so erbärmlich nach Verwesung?“

Mit Besuch hat Janna heute nicht gerechnet.

„Das ist nur der Knochenleim“, erklärt sie hastig und ärgert sich, dass er nach dem Aufkochen nicht mehr zu gebrauchen ist. Sie schaltet mit der einen Hand die Herdplatte aus und greift mit der anderen zum Fenster, um durchzulüften.

„Haben Sie die Ornamente mittlerweile gefunden? Oder sind die in Ihrem Chaos endgültig verloren gegangen?“ Frau Eller lässt ihren Blick missbilligend über den überquellenden Mülleimer, die staubige Schreibtischplatte und die vielen Töpfe, Tiegel und Becher gleiten, die auf den Arbeitsplatten und dem Boden herumstehen.

„Kein Wunder, dass Sie hier nichts finden!“

Die Werkstatt ist aufgeteilt in zwei Räume. In dem kleineren stehen mehrere Tische, von denen einer als Bürotisch dient. Auf einer aufgebockten Holzplatte steht die unfertige Madonnenstatue von Frau Eller. In pastelligen Farbtönen sieht sie aus wie eine kitschige Jahrmarktfigur. Neben der Statue reihen sich Becher und Dosen, die mit diversen Utensilien und Flüssigkeiten gefüllt sind.

Auf einem anderen Tisch liegt ein Gemälde. Abgedeckt mit einem feinen Tuch, ruht es unter einem Mikro­skop, das an einem schwenkbaren Arm angebracht ist.

Im größeren Raum, zu dem eine Flügeltür führt, stehen Regale, in denen volle und leere Eimer neben Werkzeugen aller Art liegen. Auf einer Staffelei wartet ein Landschaftsgemälde aus einem Raucherhaushalt, das eine Reinigung dringend nötig hat. Bei genauer Betrachtung zeigen sich im vergilbten Firnis feine Risse und Farbabplatzungen. Mitten im Raum steht eine abgelebte Kommode, die wirkt, als hätte sie Jahrzehnte auf einem staubigen Speicher verbracht. Sie scheint das Schicksal mehrerer Menschenleben getragen zu haben. Eine der Säulen, die zur Zierde neben den Schubladen angebracht sind, fehlt.

Das braune Holz knarzt müde, als sich Janna dagegenstemmt und den Korpus zur Seite schiebt. Sie blickt einmal mehr kontrollierend darunter und öffnet jede Schublade, doch sie findet nichts als Leere. Selbst im Mülleimer neben dem Waschbecken bleibt die Suche erfolglos.

Frau Eller dreht sich um ihre eigene Achse und scannt jeden Winkel der Werkstatt. Ihr Blick ist strenger als sonst. Trotz ihrer geringen Körpergröße hat sie etwas Angsteinflößendes. Während sie fortlaufend ihren Unmut zum Ausdruck bringt, pirscht sie Janna hinterher und zeigt auf beliebige Ecken im Raum.

„Dort vielleicht?“ Ihr schmaler Mund ist ebenso spitz wie der Klang ihrer Stimme. Am liebsten würde sie wohl selbst zur Tat schreiten, wäre die Werkstatt mit all den herumstehenden Kunstschätzen und Werkzeugen nicht so unübersichtlich. Das Chaos, das hier herrscht, ist zwar ein Grund für den Ärger der Kundin, hält sie aber davon ab, sich tiefer in die Räumlichkeiten zu wagen und selbst Hand anzulegen.

Als sie sich auf dem Absatz umdreht, knirscht es verdächtig. Ihr Gesicht ist angespannt. Man könnte glauben, das reibende Geräusch käme von Frau Ellers aufeinandergepressten Zähnen, tatsächlich aber stammt es von den Gipskrümeln unter ihrer Schuhsohle. Bei jeder ihrer Drehungen zerkrümeln sie feiner und enden als weitere Staubschicht auf dem Fußboden.

Janna ist seit geraumer Zeit nicht dazu gekommen, die Werkstatt aufzuräumen. Putzen ist zum Fremdwort geworden, was ihr bei diesem Überraschungsbesuch einmal mehr bewusst wird. „Die Verzierungen können nicht weg sein“, beteuert sie. „Ich finde sie bestimmt.“

Frau Eller wendet den Kopf und sieht Janna mit scharfem Blick an. Ihr Mund entspannt sich. Die Spitze ihrer Zunge blitzt hervor und verharrt einen Moment zwischen ihren Lippen, um dann zurückzuschnellen.

„Bei Andrea gab es so eine Unordnung nicht. Ich bin davon ausgegangen, Sie verstehen Ihr Handwerk. Nur deshalb habe ich mir keine neue Restaurationswerkstatt gesucht. Wenn Sie das nicht wieder in Ordnung bringen, garantiere ich Ihnen, bin ich zum letzten Mal hergekommen!“

„Das verstehe ich, geben Sie mir ein paar Wochen, dann habe ich die Ornamente gefunden und den Rahmen restauriert. Versprochen!“ Im selben Augenblick beißt Janna sich auf die Lippen. Die schwierigen Gespräche mit dieser Kundin gehören zu den Aufgaben, denen sie am liebsten aus dem Weg gehen würde. Sie weiß, dass es mehr als unklug ist, ein Versprechen abzugeben, das sie vermutlich nicht wird halten können. Um Frau Eller wieder loszuwerden und der Situ­ation zu entfliehen, würde sie alles sagen. Sie war noch nie so wortgewandt wie Andrea Miramis, für die der Kundenkontakt stets an oberster Stelle stand und ein Kinderspiel war. Janna dagegen will sich ausschließlich mit dem Handwerk beschäftigen.

Frau Eller und Janna stehen vor einem auffälligen ovalen Rahmen aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert, der mit vergoldeten Holzschnitzereien umfasst ist. Er ruht gut gepolstert auf einer Staffelei. Die floralen Ornamente winden sich asymmetrisch an den Seitenrändern aufwärts. Am oberen Rand, an dem sich Blüten und Blattwerk zu einer prunkvollen Rocaille auftürmen, fehlen einige dieser Verzierungen. An den Abbruchkanten blitzt blankes Holz hervor. Den Schaden, mit dem dieser Rahmen geliefert wurde, hätte Janna schon längst restaurieren können, wären ihr die Ornamente nicht abhandengekommen.

Frau Eller lässt sich Zeit mit ihrer Antwort. Sie scheint es zu genießen, die Nervosität ihres Gegenübers zu verstärken. Janna kann es sich nicht leisten, weitere Auftraggeber zu verlieren. Sie hat die Restaurationswerkstatt erst vor einem halben Jahr übernommen und mutmaßlich schon jetzt mehr Kundschaft verloren, als sie finanziell auffangen kann.

Andrea Miramis hatte die Werkstatt in zweiter Generation geführt und galt als eine der besten Adressen, wenn es um die Restaurierung von Gemälden und Skulpturen ging. Über die Jahre hatte sie sich einen treuen Kundenkreis im In- und Ausland aufgebaut, und ihre Kundschaft nahm zum Teil lange Anfahrtswege in Kauf, um Antiquitäten in Miramis‘ Werkstatt restaurieren zu lassen. Schon vor ihrem Studium hatte Janna ein Praktikum in der Werkstatt absolviert und war dabei durch ihr Feingefühl und ihre Detailgenauigkeit aufgefallen. Aufgrund dieser Voraussetzung und Jannas wachsender Erfahrung ließ Andrea sich darauf ein, die junge Restauratorin als Aushilfe einzustellen. Mit fortschreitendem Alter zog sich die Koryphäe immer mehr zurück und gab die handwerklichen Arbeiten zunehmend an Janna ab. Als sie wenig später überraschend verkündete, sich zur Ruhe zu setzen, wollte sich Janna zunächst nach einer anderen Arbeitsstelle umsehen. Das Vertrauen ihrer Chefin aber und die Aussicht auf eine vorhandene Werkstatt samt Kundenstamm beflügelten sie, und so willigte Janna nach langem Überlegen ein. Als sie nach der Übernahme der Werkstatt auf sich allein gestellt war, verstrickte sie sich zunehmend in der ungeliebten Bürokratie und geriet mit ihren Aufträgen in Verzug. Nicht nur die verschobenen Abholtermine, auch die sich einschleichenden Flüchtigkeitsfehler führten zu Unmut bei der Kundschaft.

Dass sie ausgerechnet jetzt die abgebrochenen Holzschnitzereien einer Stammkundin verlegt hat, ist ihr mehr als peinlich. Frau Eller ist bekannt für ihre Pingeligkeit und ihre chronisch schlechte Laune. Eins muss man ihr jedoch lassen – im Gegensatz zu vielen anderen gibt sie der unerfahrenen Inhaberin zumindest eine Chance. Den Rahmen hat sie schon vor acht Wochen angeliefert und die Verzierungen in einem Plastikbeutel mitgebracht. Ohne diese Originale ist es für Janna unmöglich mit der Restauration des Unikats anzufangen. Die Aussicht auf den Ärger, der daraus noch entstehen mag, versetzt sie in eine lähmende Schockstarre.

„Die Madonnenstatue ist schon so gut wie fertig!“ Janna versucht, die Aussage mit einem Lächeln zu untermalen, und deutet auf die hüfthohe Figur auf dem Tisch nahe der Fensterfront.

Frau Ellers Blick bleibt eisern. „Ich warte jetzt schon so lange, da kommt es auf die ein oder andere Woche auch nicht mehr an!“, verkündet sie endlich. „Außerdem habe ich gleich noch Termine und möchte meine Schätze unter keinen Umständen im Auto lassen. Das nächste Mal, wenn ich herkomme, hole ich sie ab, ob sie fertig sind oder nicht. Wenn sie nicht vollständig sind, ersetzen Sie mir den Schaden!“

Ohne Jannas Antwort abzuwarten, wendet sie sich ab, schreitet durch die Stahltür und verschwindet im Treppenhaus. Ihre Schritte hallen nach, bis die Tür ins Schloss fällt. Was bleibt, ist der Geruch ihres Parfüms. Er steht im Raum wie eine Drohung.

Auf einmal ist es still in der Werkstatt. So still, dass Janna das Blut in ihren Ohren pulsieren hört. Ihr Kopf ist heiß. Der Kloß in ihrem Hals drückt ihr die Luft ab. Sie lässt sich auf den Schreibtischstuhl fallen, rutscht tief unter den Tisch und vergräbt ihr Gesicht in den Händen.

Der heutige Tag ist mit Abstand der furchtbarste, den sie seit ihrer kurzen Selbstständigkeit erlebt hat. Eine so wichtige Kundin zu verlieren, ist das Letzte, was sie gebrauchen kann. Schon jetzt deckt sie mit ihren Aufträgen nur so gerade eben die laufenden Kosten und die Monatsraten des Kredits, den sie aufgenommen hatte, um Frau Miramis das vorhandene Inventar in der Werkstatt abzukaufen. Was geschieht, wenn sich ihr Fauxpas herumspricht, will sie sich gar nicht erst ausmalen. Andrea, die in weiter Ferne ihre Seele baumeln lässt, soll unter keinen Umständen erfahren, dass Janna auf dem besten Wege ist, alles gegen die Wand zu fahren. Was Tim dazu sagen würde, kann sie sich denken. Er stand der Idee, die Werkstatt zu übernehmen, von Anfang an skeptisch gegenüber.

Als Janna am frühen Abend nach Hause kommt, steht Tims Auto schon in der Einfahrt vor der Garage. Sie öffnet das Törchen zum Vorgarten, lehnt ihr Fahrrad an den Zaun und kramt den Schlüssel aus der Tasche, bevor sie die erste Stufe zur Haustür emporsteigt. Gerade als sie den Schlüssel in das Schloss stecken will, kommt Tim ihr zuvor und öffnet die Tür von innen.

„Alles bekommen?“, fragt er und tritt ihr entgegen.

„Klaro!“, erwidert sie und deutet auf den Rucksack auf ihrem Rücken. Tim lächelt. Endlich beugt er sich zu ihr herunter und gibt ihr einen Kuss. Er hat seinen Anzug gegen Alltagskleidung getauscht und sieht dennoch aus, als hätte er heute noch einen förmlichen Termin.

„Hattest du einen erfolgreichen Tag?“, fragt er und begutachtet die Weinflaschen und den Single Malt, den Janna auf dem Heimweg beim Fachhändler besorgt hat.

„Klar. Alles super!“, antwortet sie und huscht an ihm vorbei, um die Einkäufe in die Küche zu bringen. Vom Stress mit Frau Eller erzählt sie ihm erst einmal nichts. Um die Situation zu schildern, bräuchte sie mehr Zeit, als sie jetzt hat. Außerdem freut sich Tim schon die ganze Woche auf diesen Abend, und den will sie auf keinen Fall mit einem unangenehmen Thema beginnen.

Nachdem Janna sich den Staub und den Ärger des Tages abgewaschen hat, wählt auch sie eine schickere Garderobe.

Zum ersten Mal seit die beiden eingezogen sind, bekommen sie Besuch von Tims Studienfreund und dessen Frau, die auf Heimatbesuch sind. Ingo und Madeleine sind vor einiger Zeit nach Frankreich gezogen, wo Ingo mittlerweile sein eigenes Architekturbüro führt. Er, Tim und Janna hatten einige Zeit im selben Büro gearbeitet, als sie hauptberuflich Bauzeichnerin war. Ob die beiden Männer tatsächlich eine tiefe Freundschaft verbindet oder vielmehr der Wettbewerb, sich gegenseitig zu übertrumpfen, fragt sich Janna schon lange nicht mehr.

Zurück in der Küche lenkt sie das Gespräch auf Tim und seine Projekte. Er kann ohnehin ausschweifender erzählen als sie, und wenn er erst in Fahrt ist, braucht sie nicht zu befürchten, dass er sich ein weiteres Mal nach ihrem Arbeitstag erkundigt.

Wie erwartet klingelt es pünktlich an der Tür. Ingos Stimme ist laut und raumfüllend, aber angenehm. Madeleine ist nicht weniger leise, dafür aber schrill, genau wie das bonbonfarbene Kleid, in dem sie steckt. Sie begrüßt sowohl Tim als auch Janna mit einer Umarmung, als ob sie die beiden schon seit Jahren kennen würde, wobei sie geschickt ihren übergroßen Bauch zur Schau stellt. Im Gegensatz zu Janna fällt es Madeleine leicht, die Aufmerksamkeit immer wieder auf sich zu lenken und die Gespräche der Männer gekonnt zu unterbrechen. Madeleines Schwangerschaft wird neben Janna und Tims Hausumbau zum Gesprächsthema des Abends. Der Tatsache, dass in dem Haus schon Jannas Großvater geboren wurde, kann der Besuch anscheinend nicht viel abgewinnen. Stattdessen verfallen Madeleine und Ingo in endlose Schwärmereien über Tims Glasanbau und den Ausbau des Daches.

In dieser Gegend ein Haus zu bekommen, ist ein Glücksgriff. Nach dem Tod ihres Großvaters erbte Janna das Haus, in dem sie aufgewachsen war. Auch wenn Tim am liebsten ein Grundstück gekauft und neu gebaut hätte, einigten sich die beiden darauf, das alte Haus mit einer Sanierung zu modernisieren. Zwar sind die beiden in ihren gestalterischen Vorlieben über antik und modern meist unterschiedlicher Meinung, das Endergebnis jedoch kann sich sehen lassen. Der Anbau mit den großen Fenstern und Blick auf den Garten vergrößert den Wohnraum. Dank des Durchbruchs zur Küche wirkt das Untergeschoss größer. Die alte Holztreppe zum Obergeschoss hat Janna so aufwendig restauriert, dass sie der Blickfang im Wohnzimmer ist. Tim erkannte den Charme der abgelebten Elemente an und akzeptierte die Möbel, von denen Janna sich nicht trennen wollte. Sie dagegen hat gelernt, dass moderne Technik nicht nur kompliziert ist, sondern einem den Alltag durchaus erleichtern kann. An einem aber hält sie fest. Kein Kaffeevollautomat der Welt kann ihr einen besseren Start in den Tag bereiten als die einfache hölzerne Handkaffeemühle. Das mahlende Geräusch der Kaffeebohnen und der sich entfaltende Duft gehören fest zu ihrem morgendlichen Ritual.

Nach einer Hausbesichtigung und einer Reihe von Fachgesprächen über Architektur findet sich der Besuch schließlich im Wohnzimmer ein. Die Männer sind in ihre Gespräche vertieft.

„Ja, die Handwerker haben gute Arbeit geleistet“, meint Tim. „Aber man muss ihnen ständig auf die Finger schauen.“

Ingo nickt zustimmend.

Madeleine bleibt vor dem Vertiko stehen. Sie streicht mit der Hand über die Holzplatte und sieht zu ihrem Mann. „Wunderschöne Möbel habt ihr!“, sagt sie. „Haben wir nicht auch irgendwo so ein altes Ding rumstehen?“

Ingo zuckt mit den Schultern. „Im Keller vielleicht.“

„Es sind Familienerbstücke von meinen Großeltern“, nickt Janna stolz und möchte gerade auf den Esstisch verweisen.

„Aus Alt mach Neu“, unterbricht Tim. „Janna hat einiges in diesem Haus restauriert.“ Er verteilt drei Gläser Sekt und reicht Madeleine eines mit Orangensaft.

„Richtig, Ingo hat mir erzählt, dass du Restauratorin bist. Und du leitest sogar einen eigenen Betrieb, nicht wahr?“

„Ja, ich bin Restauratorin, aber genau genommen bin ich in meiner Werkstatt allein und leite nur mich selbst“, gesteht Janna.

„Das goldene Handwerk“, schwärmt Madeleine zu Jannas Überraschung. „Es ist wunderschön, wenn man etwas mit seinen eigenen Händen schaffen kann. Ich selbst habe erst letzten Monat einen Keramikkurs besucht.“ Sie prostet Janna zu und nippt an ihrem Saft, während Janna die künstlichen Fingernägel ihrer Gesprächspartnerin begutachtet.

„Genau genommen erschaffe ich nur selten etwas, ich erhalte es …“, beginnt Janna zu erklären, da unterbricht Tim sie erneut. „Janna ist nicht nur Handwerkerin, sie hat studiert“, betont er und legt den Arm um ihre Schultern. „Sie verkauft sich nur allzu oft unter Wert!“

Auch wenn er damit recht hat, ist es Janna im Grunde nicht wichtig, welche Qualifikation sie hat. „Nun, man kann schon sagen, dass es ein Handwerk ist …“, schafft sie gerade noch zu betonen, ehe Madeleine das Wort ergreift: „Sie könnte auch unsere Möbel verschönern. Ich könnte meine Keramik darauf abstellen.“

Ingo antwortet nicht und spaziert durch das Haus. „Ihr habt es wunderbar gemeistert, das Rustikale mit dem Modernen, Offenen zu kombinieren. Lasst uns in den Garten gehen, ich würde den Anbau gern von außen betrachten.“

Janna zieht sich höflich aus der Gesprächsrunde zurück und bereitet den Tisch für das Abendessen vor. Gerade heute ist sie froh darüber, nicht im Mittelpunkt zu stehen und sich unter dem Vorwand der Küchenarbeit abseits halten zu können. Die Abende mit Tims Freunden empfindet sie meistens als anstrengend, und davon hatte sie heute schon zur Genüge. Sie kümmert sich freiwillig um das Essen und die Bewirtung, um sich zwischendurch heimliche Ruheinseln und einen Schluck Wein zu gönnen.

Tim dagegen versteht es, sein Umfeld mit Worten zu verzaubern und eine Konversation so zu gestalten, dass seine Zuhörerschaft an seinen Lippen hängt. Wäre er Makler, würde er Ingo und Madeleine noch heute Abend dieses Haus verkaufen, auch wenn er ursprünglich nicht einmal von der Idee begeistert war, hier einzuziehen.

Janna blickt aus dem Küchenfenster in den kargen Garten. Der Bauernjasmin direkt neben dem Fenster ist noch unbelaubt und gibt die Sicht auf die Terrasse preis. Tim und der Besuch philosophieren sichtbar über Architektur. Ingo zeichnet die Umrisse des Hauses mit dem Finger in der Luft nach. Erst jetzt bemerkt Janna, dass Tim für diesen Abend nicht nur sich selbst, sondern auch die Wiese frisiert hat. Bis zur Gartenhütte im hinteren Bereich des Grundstücks ist der Rasen frisch gemäht. Um den Garten kümmert er sich sonst eher selten. Janna wiederum verzichtet bewusst auf die ihrer Meinung nach überflüssigen Mäharbeiten, um für Bienen und andere Insekten blühenden Klee und Löwenzahn stehen zu lassen. Im Bereich zwischen der Hütte und dem Birnbaum ist die Erde mit dichtem Moos bewachsen. Als sie ein Kind war, hatte ihr Großvater dort Bienenstöcke stehen, bis ihre Großmutter zunehmend erkrankte und die Pflege der Völker zu zeitraubend war. Janna schraubt den Deckel des Honigglases ab, tunkt den Löffel ein und verrührt ihn mit Öl und Senf. Das süße Dressing zergeht im Mund und erinnert sie an früher. Jeden Sommer durfte sie ihren Großeltern bei der Arbeit an den Bienen über die Schulter sehen. Nach der Honigernte gab es zum Frühstück immer frisch geschnittene Honigwaben. Janna kann sich noch genau daran erinnern, wie der Honig auf ihrer Zunge zerflossen ist, wenn sie ihn aus den Zellen geschlürft hat. Der Anblick der aufgeschnittenen Waben faszinierte sie. Ganz bewusst zerkaute sie jede Wabe, spürte mit der Zunge, wie das dünne Wabengerüst brach und der Honig herausfloss. Nachdem der Honig in ihrem Mund zerschmolzen war, blieb nur ein Klümpchen Wachs übrig. Sie rollte es zu einer kleinen Kugel und platzierte es auf dem Teller. Beeindruckt stellte sie jedes Mal aufs Neue fest, wie wenig Wachs nötig war, um daraus ein so kompliziertes, gleichmäßiges Wabengerüst zu schaffen.

Das Klacken der sich öffnenden Terrassentür, gefolgt von Schritten und lachenden Stimmen, reißt sie aus ihren Erinnerungen. Janna atmet einmal tief durch und legt den Löffel in die Spüle.

Nachdem sie den halben Tag damit verschwendet hat, die Ornamente von Frau Ellers Bilderrahmen zu suchen, öffnet Janna die Fenster, um durchzuatmen. Draußen ist es mild. Ein Luftstoß wirbelt Staub auf. Er schwebt durch einen Lichtstrahl, der im Raum steht wie eine goldene Säule. Sie lässt sich auf den Stuhl vor die Madonna fallen, schnappt sich den Watteballen und tunkt ihn in eine klare Flüssigkeit.

Das Rauschen eines Automotors dringt durch die gekippten Fenster und übertönt den Frühlingsgesang einer Meise.

Eine Autotür wird zugeschlagen, dann tönen Stimmen aus dem Innenhof. Sie werden lauter und hektischer, sind bald tumultartig.

„Was zur Hölle …?!“, ruft ein Mann.

„Laufen Sie!“, ruft eine weibliche Stimme.

Janna rollt auf ihrem Stuhl zu einem der Fenster und sieht hinaus, auf die Magnolie, die mitten im Hof steht und über und über mit rosafarbenen Blüten geschmückt ist. Die Sonne blendet. Die weiße Backsteinwand des Innenhofs, den sich mehrere Gewerke des Häuserblocks teilen, reflektiert das Licht.

Ein paar Schreiner stehen am Rand der Mauer, den Kopf in den Nacken gelegt, als hätten sie eine Entdeckung am Himmel gemacht. Als sich Jannas Augen an die Helligkeit gewöhnt haben, entdeckt sie über dem Gebäude eine düstere Wolke. Sie erhebt sich von ihrem Stuhl und verharrt regungslos, während sich der Innenhof mit einer Art dunklem Nebel füllt, der schnell dichter zu werden scheint.

„Rauch …?“ Sie stürzt in den Vorraum der Werkstatt und reißt den Feuerlöscher von der Wand, mit dem sie durch das Treppenhaus ins Erdgeschoss eilt. Als sie durch die Tür ins Freie läuft, schlägt ihr die Wärme entgegen, die sich während des Tages im Hof gestaut hat. Von einem Brand fehlt jedoch jede Spur. Die Wolke, die unmittelbar über Janna und den anderen Personen schwebt, bewegt sich. Sie verbreitet ein lautes, sonores Brummen. Der Dunst sieht aus, als würde er aus einzelnen Flecken bestehen, die orientierungslos durcheinander schwirren. Erst als Janna einzelne Individuen erkennen kann, versteht sie, was es mit diesem dunklen Nebel auf sich hat. Sie stellt den Feuerlöscher beiseite und geht in die Mitte des Hofs, den Blick nach oben gerichtet.

Ein Bienenschwarm sinkt allmählich zwischen den Backsteinwänden nieder und legt sich auf die parkenden Autos, die Magnolie und die immergrünen Büsche.

„Geh lieber wieder rein, Mädchen!“, sagt Ulrich, der Schreinermeister, der mit seinen Kollegen vor dem Tor auf der anderen Hofseite steht. Doch daran mag Janna gar nicht denken. Sie ist fasziniert vom Anblick Tausender Flugbienen und beobachtet, wie sich der Schwarm allmählich um den Baum sammelt, Blütenblätter und Äste besetzt.

Die Hintertür des Kiosks ist verschlossen. Innen, hinter der vergitterten Glastür, steht wild gestikulierend die Inhaberin. Sie bedeutet Janna, Abstand zu halten. Herr Ahmad, der Mechaniker aus der Autowerkstatt, sitzt immer noch in seinem Wagen. Er muss unmittelbar vor dem Schwarm eingetroffen sein. Der Motor läuft. Als sich eine der Bienen auf die Windschutzscheibe setzt, betätigt er panisch den Scheibenwischer. Die Männer aus der Schreinerei können sich ihre Belustigung darüber nicht verkneifen und spotten aus sicherer Entfernung. In seiner Hektik erwischt Herr Ahmad zusätzlich die Hupe, was zur Folge hat, dass ein Mechaniker die Autowerkstatt öffnet und seinen Kopf in den Hof streckt. Er starrt auf die schwarze Wolke, die in Kombination mit dem eindringlichen Brummen apokalyptische Züge annimmt. Unmittelbar danach zieht er die Tür wieder zu. Es dauert nicht lange, bis der Mann im Blaumann die Tür wieder öffnet und herausstürmt. Dieses Mal mit einem Wasserschlauch bewaffnet. Er eilt seinem Meister zur Hilfe, dreht das Wasser auf und spritzt mit einem scharfen Strahl erst in die Luft und dann auf das Auto. Ein Summen wie ein Aufschrei geht durch den Schwarm. Einige Bienen werden im Flug herabgeschossen. Von der Windschutzscheibe fließen leblose Körper und tropfen in die Pfützen auf dem Boden. Wieder quietscht der Scheibenwischer auf und ab.

„Wartet, bitte, stopp …!“, ruft Janna, die Arme schwenkend.

Sie hat sofort erkannt, dass es sich hierbei um ein Honigbienenvolk handelt, das auf der Suche nach einer neuen Behausung ist. Janna eilt durch den Hof, zwischen dem Geschwader hindurch. Aufgebrachte Insekten umkreisen sie, schwirren um ihren Kopf, sie klingen vor Aufregung fast schrill. Einige landen auf den Ärmeln ihres Pullovers. Der Mann im Blaumann wird auf Janna aufmerksam und dreht endlich den Wasserstrahl ab.

„Sie tun doch nichts, sie wollen sich nur sammeln!“, ruft sie ihm zu, selbst erschrocken vom Ausmaß des schwärmenden Volkes. Im Grunde weiß Janna, dass Bienen auf Heimatsuche nicht gefährlich sind. Das Volk ist so sehr damit beschäftigt, die Gemeinschaft und die Königin zu schützen, dass es nicht im Sinn hat, jemanden anzugreifen. Und dennoch macht die Hektik der Insekten auch sie nervös. Ratlose Blicke ruhen auf Janna. Die Aufmerksamkeit, die sie auf sich zieht, ist ihr unangenehm.

Nur langsam lichtet sich der Bienennebel im Hof. Um den krummen Ast der Magnolie hat sich eine Gruppe Bienen gebildet. Die Traube schwillt minütlich an, begleitet von einem stetigen Brausen. Immer mehr Tiere sammeln sich, krabbeln auf- und übereinander, bis sie den Ast einhüllen. Die Ausbauchung hängt bald tropfenförmig herab. Die Kioskbesitzerin hat sich hinter der Tür hervorgewagt und eilt Janna mit einer Dose Insektenspray zur Hilfe. Einige Meter vor dem Baum bleibt sie stehen, streckt den Arm weit aus und hält entschlossen die Luft an. Gerade als sie auf die Bienen zielt, geht Janna dazwischen.

„Warten Sie doch, bitte!“, fleht sie und stellt sich zwischen die Dame und den Baum.

„Wir müssen etwas tun, bevor die Biester uns angreifen!“, entgegnet die Frau, den Finger voller Tatendrang auf dem Kopf der Sprühdose.

Janna hebt beide Hände schlichtend in die Höhe. „Die Bienen werden Ihnen nichts tun, solange Sie sie nicht angreifen!“

„Woher wissen Sie denn, dass es Bienen und keine Wespen sind?“, ruft der Mann mit dem Wasserschlauch in der Hand.

„Na, das sieht man doch, du Depp!“, pöbelt der Schreinermeister.

„Aber die stechen doch auch!“, weiß die Frau mit der Sprühdose.

Während der Diskussion lichtet sich der Nebel allmählich. Nur noch wenige der Tiere fliegen umher. Die Schwarmtraube hat mittlerweile die Form einer unregelmäßigen Ellipse gebildet.

Janna versucht, all ihr Wissen aus dem vergangenen Imkerkurs zu aktivieren. Auch wenn Bienen im Grunde bei jedem Kind beliebt sind, eine solche Massenansammlung krabbelnder und fliegender Insekten ist nicht nur für Städter ungewohnt und wirkt bedrohlich. Die meisten kennen ein Bild wie dieses höchstens aus dem Fernsehen. In den Nachrichten haben Ansammlungen von Sechsbeinern immer etwas mit Unheil zu tun. Sie nerven Gärtner, rufen Ekel hervor und vernichten Ernten.

„Es sind ganz sicher ausgeschwärmte Bienen. Wenn ein Volk zu groß wird, dann teilt es sich und sucht sich ein neues Zuhause. Das ist alles, was sie gerade wollen.“

„Ein Zuhause finden?“ Endlich senkt sich der Arm mit dem Gift. „Heißt das, die bleiben jetzt für immer hier?“

„Nein. Ich habe einen Bekannten, der sich mit Honigbienen auskennt. Geben Sie mir etwas Zeit, ich rufe ihn an. Bis dahin wäre es schön, wenn alle Ruhe bewahren würden.“

„Geh ruhig“, sagt Malte, der Kollege von Ulrich. Beide beäugen neugierig die wabernde Traube. „Wir passen auf.“

Janna rennt zurück in ihre Werkstatt zu ihrem Bürotisch, wo ihr Handy liegt. Sie scrollt durch das Adressbuch, bis sie Armins Nummer findet. Ab und an wirft sie einen Blick aus dem Fenster und versucht, durch die rosa Blütenpracht einen Blick auf die Menschengruppe zu erhaschen.

Es ist einige Zeit her, dass Janna einen Imkerkurs besucht hat, um mehr über Bienenhaltung zu lernen. In den Theoriestunden hatte Armin das Thema Schwarmfang behandelt. Bei den Praxisworkshops, die bei ihm im Garten an der offenen Bienenbeute stattfanden, kam dies jedoch zu kurz. Ein schwärmendes Volk zu einem bestimmten Termin zu bestellen, um es dann einzufangen, ist schlicht unmöglich. Genau dieses Wissen hätte sie nun jedoch gut gebrauchen können.

Die Praxiserfahrungen waren für Janna wie eine Meditation. Nur mit Ruhe und Bedacht konnte man an den Völkern arbeiten. Ihr erworbenes Wissen und die Einkehr, die sie fühlte, gerieten nach dem Seminar schnell in Vergessenheit. In der Stadtwohnung, in der sie damals lebte, war kein Platz für Bienenhaltung, und dazu kam, dass Janna sich auf ihr Studium konzentrieren wollte.

Seitdem sie sich um das Haus kümmert, erwischt sie sich immer wieder bei dem Gedanken, es ihrem Großvater gleich zu tun und eines Tages ein Bienenvolk im Garten zu halten.

Als Armin ans Telefon geht, kann er sich sofort an die aufmerksame Schülerin erinnern, die mehr Geschick hatte, als sie sich eingestehen wollte. Er hatte ihr damals angeboten, ihm auszuhelfen, was sie aber nur ein paar Mal tat, weil ihr Studium und die Arbeit bei Frau Miramis ihre volle Aufmerksamkeit forderten.

„Ich bin gerade auf dem Weg zu den Völkern außerhalb der Stadt. So schnell schaffe ich es nicht, bei dir zu sein“, erklärt Armin. „Vielleicht in zwei Stunden.“

„Solange kann ich nicht warten, die Meute im Hof steht schon mit Insektengift bereit. Und wer weiß, ob der Schwarm bis dahin nicht weitergezogen ist.“

„Wie hoch sitzen sie im Baum?“

„Vielleicht zwei bis drei Meter“, grübelt Janna.

„Ach, dann brauchst du nur ’ne Leiter.“

„Ich?“, sie schüttelt den Kopf, bis ihr einfällt, dass Armin sie nicht sehen kann. „Das kann ich nicht! Ich habe so etwas noch nie gemacht!“

„Da ist nichts Großes dabei. Sei froh, dass sie nicht noch höher hängen. Einen Schwarm einfangen kann jeder, du brauchst nur einen geeigneten Behälter und musst darauf achten, dass du die Königin erwischt. Dann ist das Gröbste schon geschafft.“

„Aber wie soll ich es schaffen, unter all den Bienen die Königin ausfindig zu machen?“