Der blaue Saphir - Uwe Tillmann - E-Book

Der blaue Saphir E-Book

Uwe Tillmann

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Beschreibung

Eine rasante Geschichte in einer phantastischen Welt. Mit berauschender Geschwindigkeit wird die Geschichte von Ok und seinen Hauptdarstellern erzählt, der Kampf von Gut gegen Böse auf die Spitze getrieben. Eine Geschichte, die Türen öffnen soll zu den Geistern von Ok und ihren Verbündeten, in der immer wieder der Zerstörung anheim fallenden Welt. Eine Geschichte die die Hoffnung niemals aufgibt.

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Seitenzahl: 247

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Der blaue Saphir

Die Geschichte von OK

Teil I

Für Birgit, Jana und Julia

Prolog

„Mutter, wie lange leben wir nun schon hier?“

„Seit 5 Zeitaltern, mein Kind. Zehntausend lange und wunderbare Jahre, Lyanna.“

„Wie die Zeit vergeht. Wird es je wieder wie vorher?“

„Nein, denn wir sind entrückt und der blaue Stein ist bei uns und niemand kann ihn mehr für seine Zwecke missbrauchen und so viel Leid über die Wesen dieser Welt bringen, wie es Grist einst tat.“

„Das ist gut und ich bin so froh darüber.“ –

Lyanna ging hinaus zum Weber der Winde, um ihr Tagwerk zu verrichten und alles war gut. –

Inhaltsverzeichnis

1

Das Universum der Steine

Vom Anbeginn der Zeit

2

Der Hüter des Landes

3

Die Königin des Feuers

4

Die Maer

5

Die Quar

6

Der Weber der Winde

7

Der Herr der Wasser

8

Skyrrtis der Weise

9

Maia die Fee

10

Die Wanderung zur Quelle der Zeit

11

Freunde und Verbündete

12

Widersacher

13

Letzte Beratungen

14

Erwartete und unerwartete Hilfe

15

Das Tor zur Nacht

16

Hollgreen der Magier des Lichts

17

Heimkehr

18

Epilog

19

Danksagung

20

Glossar

21

Abbildungen

1

Das Universum der Steine

Vom Anbeginn der Zeit

Aus den Tiefen der Zeit kam ein Flüstern:

„Höret ihr Feenvolk! Höret ihr Sterblichen! Das Ende des Lichts ist gekommen! Die Zeit des Glücks ist vorüber, die Horden der Dunkelheit sind befreit, euer Glück zu zerstören, auf Gedeih und Verderb!“ –

Und nur wenige Wesen vernahmen das Flüstern.

Etwas stimmte nicht.-

Maia erwachte aus einem traumlosen Schlaf. Sie horchte in die Dunkelheit ihres Schlafgemachs. Es lag im ersten Stockwerk unterm Dach. Außer einem kleinen Nachtschränkchen aus Wurzelholz und einer Kerze darauf und ihre große Kleidertruhe zierte nur das Bild eines riesigen Baumes das Zimmerchen, dass sie seit dem Fortgang ihrer Großmutter bewohnte. Alles roch nach uraltem Holz und nur das leise Flüstern des Windes mäanderte durch die Nacht.

Etwas stimmte nicht. –

Sie wohnte in einer kleinen Waldhütte nahe dem Weg nach Fröstra. Hier wohnte sie seit vielen Jahren als Heilerin und lebte davon Reisenden am Wegesrand Heilmittel und Kräuter feil zu bieten, die sie wiederum mit Lebensmitteln und Nachrichten aus aller Welt erkenntlich zeigten. Einmal im Monat zog sie mit ihrem kleinen Karren an die Wegkreuzung, die Fröstra mit den anderen drei Dörfern in Fairywaith verband, legte ihre Waren aus und wartete einfach auf die Reisenden, die hier mehrmals am Tag vorbeikamen. Natürlich konnte sie die Silberlinge für ihre Tinkturen und Kräuter gut gebrauchen, wichtiger jedoch waren ihr die Nachrichten aus der Welt, jenseits ihres Waldes. Erst letzte Woche hatte ein Kaufmann aus Whylland berichtet, dass die Grenzen nicht mehr sicher seien und man nicht wüsste, wann und ob man sich wiedersehen würde. Maia machte sich selten Sorgen, denn viele gaben ihren Geschichten mehr Gewicht durch nicht ganz wahrheitsgetreue Details.

Die Liebe zum Wald, der Natur, den Tieren des Waldes und den vielen Pflanzen, die alle irgendetwas Besonderes boten, hatte sie von ihrer Großmutter Uri geerbt und ihr Wissen über die Kräuter dieser Welt war gewaltig. Uri hatte sie auch das Geheimnis der Steine gelehrt, was diese ihr, wie sich herausstellen sollte, eben für diesen Moment vorausschauend in ihren Wissensschatz hineingelegt hatte.

Etwas stimmte nicht. –

Maia suchte etwas Mooskraut und 7 Grindbeeren, eine Zauberbeere, die nur im Mondschatten der Waldseen von Thyr wuchsen. Diese Zutaten waren notwendig um das Gesicht der Steine zu beschwören.

Wo war der Stößel, wo die kupferne Schale, sie hatte eine solche komplexe Beschwörung seit Jahren nicht durchgeführt. Sie musste nicht lange suchen. In der hintersten Ecke der Kräuterküche fand sie was sie suchte.

Die Beschwörungsformel wusste sie immer noch auswendig, solange hatte Großmutter Uri es ihr eingeflüstert. Jeden Abend, wenn sie von ihr zu Bett gebracht wurde hörte sie die Formel aus dem Mund von Uri, genauso, wie andere Kinder Gute Nacht Geschichten.

Leise summte sie die dazugehörige Melodie, dann mischte sie ein Drittel Beeren mit zwei Drittel Moos und begann beides mit dem Stößel in einer Schale zu zerreiben. Nachdem sie es für gut befand, füllte sie einen kleinen Topf aus reinem Kupfer mit Quellwasser und den nun zerriebenen Zutaten und hielt alles zusammen über ein kleines Herdfeuer bis es köchelte. Dann sprach sie folgende Worte:

Was keiner weiß wird selten klar,

man sieht es nicht, ist trotzdem wahr,

sechs Ecken besetzt mit sechs Steinen,

entfernt voneinander durch viele Meilen.

Acht gleiche Formen bilden die Welt,

vier Stämme geben ihr Sinn.

Doch alles fällt in die Dunkelheit

wenn der blaue Saphir die Mitte nicht hält.

Wenn das Böse erwacht und die Hoffnung erlischt,

muss der Träger dieses Wissens sich sputen,

die Weisen aufsuchen und finden die sechs

um den blauen Saphir zu suchen.

Wenn alle beisammen, gefunden die Form,

kann nur der Hüter des Lichts,

verloren geglaubtes, in den Nebeln verschwundenes,

das Böse bannen

und die entrückende Welt, entreißen dem Nichts.

Vor Ihrem Auge begann eine Vision Gestalt anzunehmen. Da waren schreckliche Wesen mit langen Tentakeln und furchtbaren Mäulern, geflügelte Schrecken und Riesen. Zu tausenden entwichen sie einem tiefen schwarzen Grund um die Welt zu vernichten. Dann kam ein Leuchten, ein kleines Licht nur aber mit Kraft, sie bemerkte eine kleine Frau mit rotem Gewand, es schien, dass sie ihr zuwinkte, dann verblasste sie, ein schrecklicher Dämon überlagerte das Geschehen, dann sah sie acht Wanderer, einer von diesen Acht war sie selber. Sie gingen entlang einer steilen Klippe immer höher und höher hinauf bis zu einem dunklen Tor, vor dem ein Drache wachte. Dann war es vorbei.-

Etwas stimmte nicht.-

Sie war erschöpft. Was sollte ihr dieses Gesicht sagen?

Die Geschichten von Uri fielen ihr ein. Was hatte Uri ihr noch erzählt vor fast fünfzehn Jahren auf den Tag genau?

Und Uri sprach:

„Du musst nun sehr gut zuhören, Maia. Dies ist das Angesicht der Welt. Acht Länder, sechs Ecken mit sechs Steinen, und in der Mitte der Weltenstein, der blaue Saphir, der, der alles zusammenhält und mit den anderen spricht. Nur dann bleibt die Ordnung bestehen und alles auf seinem Platz. Jeder Stein hat einen Hüter gemäß seinen Fähigkeiten und hier ihre Hüter:

Der Rote Rubin: Seine Hüterin ist die Königin des Feuers.

Der schwarze Diamant: Sein Hüter ist der Hüter des Landes.

Der grüne Beryll: Sein Hüter ist der Weber der Winde.

Der farblose Diamant: Sein Hüter ist der Herr der Wasser.

Der violette Topas: Sein Hüter ist Skyrrtis der Weise.

Der gelbe Feueropal: Sein Hüter bist du.

Der blaue Saphir: Sein Hüter ist vergessen.

Ist die Welt in Gefahr müssen die Hüter aus allen Ländern den Hüter des blauen Saphirs finden, nur er kann die Welt wieder zusammenfügen, die zerbricht. Nur du, der Hüter des gelben Feueropals kannst das tun.

Du wirst wissen wann es soweit ist, mein Kind.“

֎

Was sollte das bedeuten. Maia fühlte sich unruhig, ja eine kalte Angst schlich ihr den Nacken hoch. Das mit den Steinen, ja daran konnte sie sich jetzt erinnern, das hatte sie immer ganz besonders gepackt. Aber was sollte das mit dem, " der gelbe Feueropal: Sein Hüter bist du"......sie konnte sich an nichts erinnern. Was hatte Großmutter Uri damit gemeint?

Sie sollte sich einen starken Erinnerungstee brühen und sich dann schlafen legen. Vielleicht kamen die Erinnerungen dann wieder, sie sah keine andere Möglichkeit.

Sie zündete sich eine Kerze an und brühte das Getränk auf. Ein Erinnerungstee war keine einfache Sache, da sie immer wieder verschiedene Beschwörungsformeln anwenden und mit den richtigen Zutaten verbinden musste, zuerst Feenstaub, dann getrocknete Kollinderbaumbeeren, Myrrthe und zu guter Letzt Seegras aus Wasserburg. Erst als allen richtig zubereitet war, nahm sie es zu sich und legte sich zurück in ihr Bett und schlief alsbald ein.

Schnell fiel sie in einen traumlosen Schlaf. Der Morgen graute. Sie träumte von aufsteigendem Nebel an den Wunschmooren, gleich hinter der Hütte, dann sah sie die Silhouette eines kleinen scheinbar alten Mannes mit langem Bart, dunkel blauem Umhang und schwarzem Hut, scheinbar über das Wasser schwebend, langsam auf sich zu gleitend. Sie hörte seine Stimme in ihrem Kopf:

"Kind von Uri der Alten, höre was ich zu sagen habe und mache dich auf den langen beschwerlichen Weg. Nimm den Feueropal aus deinem geheimen Versteck, schließe deine Hütte, und nimm so viele deiner Kräuter mit, wie du tragen kannst auf den Weg, denn du wirst sie brauchen. Folge deinem Herzen und suche die Hüter, die Hüter der Steine, denk an die Form des Landes und du wirst sie finden und bedenke wer du bist. Wir sehen uns wieder, auch wenn du meinen Namen nicht kennst, wirst du ihn vor dem Ende noch lernen. Leb wohl, Maia die Hoffnung der guten Wesen, bis bald."-

Die Gestalt verschwand so schnell wie sie erschienen war, dann wachte Maia auf.-

Der Morgen war weit fortgeschritten, als Maia aufwachte. Was war geschehen? War es Traum oder Wirklichkeit gewesen, gab es den alten Mann, was hatte er über den Feueropal gesagt? Sie war verwirrt.

Sie tauschte ihre Alltagskleidung mit ihrem dunkelblauen Wandergewand, füllte ihren Rucksack mit allen gesammelten Heil- und Zauberkräutern, die sie vorrätig hatte, dann setzte sie sich vor die Hütte und dachte nach.

Seit vielen Jahren hatte sie die Hütte nur für kurze Reisen nach Fröstra und einmal in die Hauptstadt von Skylland unternommen und das nur, weil sie Myrrthe und Steinkraut benötigte, dass in dieser Gegend nicht wuchs.

Seit langem war sie lieber alleine im Wald und im Moor unterwegs, stand morgens in der Frühe auf, half verwundeten Pflanzen, Tieren und müden Wanderern, verfeinerte ihre Sinne und Fähigkeiten und besuchte nur selten bewohnte Gebiete, nur mit Aron dem Jäger und Malu der Fee traf sie sich regelmäßige in der Dämmerung, Treffen, die sie auch nicht missen wollte. Am Abend, wenn man genau hinsah, konnte man sie an ihrem kleinen Teich sitzen sehen in tiefer Kontemplation verweilend und ein tiefer Frieden lag über der Welt.

Und nun? Sollte sie auf das Traumgesicht hören. Alles verlassen und ins Nirgendwo verschwinden und was und wo war eigentlich ihr geheimes Versteck?

Lange grübelte sie darüber nach. Malu würde sagen:" Du musst wo anders hinsehen, wenn du etwas finden willst, also suche in der Zukunft, wenn du etwas im Vergangenen suchst."

Und so dachte sie an ferne Länder, alle hatten die selbe Größe aber von unterschiedlicher Beschaffenheit, an Whylland und die Weiten von Thyr, an die Berge Zydlands und die weiten türkisen Seen von Wasserburg, die Wüsten von Kost und die Weidenlande von Phyrra und natürlich an die eisigen Gestade von Nörland und auch an die dichten Wälder, Wiesen und Moore ihrer Heimat Fairywaith.

Sie sah Uri als sie selber noch ein Kind war und gemeinsam mit ihr durch den Wald wanderte. Da war eine Ahnung, das musste es sein. Großmutter Uri hatte mit ihr gespielt, es war eine Art Versteckspiel, oder war es mehr gewesen.

Sie sollte Dinge, Dinge, die ihr lieb und teuer waren, im Wald verstecken und Uri hatte ihr erklärt, sie solle immer andere Stellen aussuchen, die sonst niemand finden kann, auch Uri nicht.

„Diese Dinge können große Macht besitzen und dürfen niemandem als dir in die Hände fallen.“

Sie hatte sie gelehrt immer wachsam zu sein. Das musste es sein.

Es gab da eine uralte Wurzel eines Kollinderbaums, das war ihr bestes Versteck gewesen und, ja, da gab es auch einen Stein, aber war der gelb gewesen? Das war alles schon so lange her.

Sie musste mit Malu und Aron reden. Da sie nicht auf die Freunde warten wollte, benötigte sie eine Herbeirufung.

Sie ging wieder hinein, füllte den kleinen Kessel mit Hollkraut, Myrrthe und Kaiserdorn, mixte einen Sud und trank alles in einem Zuge aus. Dann konzentrierte sie sich auf ihre Gefährten und rief sie im Geiste zu sich. Diese Herbeirufung würde allerdings nur dann funktionieren, wenn die Gerufenen nicht allzu weit entfernt waren.

Dann suchte sie nach Gegenständen, die ihr bei einer vielleicht langen Reise hilfreich sein könnten. Sie fand ihren alten Feendolch Ymris, aus Nörlandstahl, der bei Gefahr zu ihr sprach, ja und dann den Stab der Heilung, den hätte sie jetzt fast vergessen, ohne ihn, waren ihre Kräfte und ihr Wissen nur ein Schatten ihrer selbst. Ein Stab aus uraltem Holz der Fairywaithulme, ein Zauberstab großer Macht, der bewahren und heilen konnte, alles und jedes Wesen in dieser Welt, das nicht böse war. Wer war sie, dass jetzt hier stand und keinerlei Zweifel hatte, was zu tun sei, wenn auch nicht wirklich konkret? Die Hüter der Steine suchen aber wo sollte sie beginnen?

Sie war Maia die Heilerin, Maia die Fee aus der Familie der Yllonen von Fairywaith und Thyr, sie musste sich besinnen, zu lange war sie nun in Einsamkeit gewandert, sie musste sich erinnern, wer sie war und sie musste einen Weg finden –

Da klopfte es an der Tür. Sie öffnete und da stand Malu, lachend und fröhlich wie fast immer, ging sie an ihr vorbei und setzte sich in ihren alten Sessel.

"Ich grüße dich, Freundin. Was gibt es so dringliches, haben die Kräuter aufgehört zu wachsen? Und da kommt auch schon Aron, der König des Unterholzes, gegrüßt seist du, Wanderer!"

Aron umarmte beide herzlich und nahm dann auf dem alten Schemel von Großmutter Uri Platz, Fragezeichen in den Augen.

" Was ist Furchtbares passiert? Du hast uns ja seit Jahren nicht auf diese Weise gerufen."

"Ich brauche euren Rat." Sie erzählte Ihnen alles von ihren Erinnerungen, dem Gesicht und von all dem, woran sie sich bisher erinnern konnte.

Dann schwiegen die drei Freunde.

"Je nun, es schein klar was zu tun ist", sagte Aron, „zuerst einmal müssen wir den Stein finden und dann müssen wir uns so schnell wie möglich auf den Weg machen."

"Nun mal langsam, ich kann euch unmöglich damit hineinziehen und ihr werdet in Fairywaith benötigt. aber das mit dem Stein hört sich richtig an. Kennst du die Stelle der alten Kollinderbaumwurzel im Wald? Ich habe es vergessen, leider."

"Hm, ja ich glaube ich weiß wo sie sich befindet. Es ist gar nicht weit. Hinter dem Teich, eintausend Fuß in Richtung Sonnenuntergang, da sieht man ihn schon von weitem."

"Ich werde die Familienoberhäupter der Yllonen aufsuchen und sie informieren und um Hilfe bitten, das wird aber etwas dauern, wenn ich auch die schnellen Wege des Geistes nehmen kann. Ich finde dich dann, wenn ich das erledigt habe", sagte Malu. Sie wirkte nicht sonderlich besorgt.

"Gut, ich gehe mit Aron zur Wurzel und wir sehen uns dann wieder. Ich glaube, das ist der beste Weg", Zweifel nagten an Maia, vielleicht hätte sie die Freunde nicht informieren sollen, so wie diese nun ohne darüber nachzudenken in ihr eigenes Unglück rannten. Nun war es zu spät. -

Malu machte sich sofort auf den Weg zum verborgenen Eingang nach Thyr, wo die Oberhäupter der Yllonen lebten, es würde nicht leicht werden, die Geister zu wecken. Die Hitze ihres Aufbruchs zeigte Maia allerdings, dass Malu sie sehr ernst nahm.

Aron führte Maia durch den alten Fairywaithulmenwald, der hier schon stand als Großmutter Uri jung war, viertausend Jahre standen einige Bäume hier schon und wenn man genau horchte, konnte man ihren Geschichten zuhören.

Viel konnte man von ihnen lernen, wenn sie einen mochten, sonst konnten sie auch sehr unfreundlich sein.

Plötzlich öffnete sich eine Lichtung in deren Mitte ein gewaltiger abgestorbener Kollinderbaumstamm stand. Ja, das war es, hier hatte sie oft gesessen und über die Beschaffenheit der Welt und die vier Stämme und die Geister und die Vielfalt des Lebens nachgedacht. Wie lange war das her?

"Komm! Lass uns suchen, was du einst versteckt hast. Ich gehe links und du rechts herum."

Der Stamm hatte einen Umfang von sicherlich achtunddreißig Fuß und so suchten sie Stück für Stück den Wurzelrand sorgfältig ab. Aber sie fanden nichts.

" Es sollte nicht gefunden werden", sagte Maia "wir müssen die Erde aufwühlen und etwas tiefer schauen."

Sie nahmen harte alte Äste zu Hilfe und wühlten den Boden auf aber auch jetzt war nichts zu entdecken.

"Es muss etwas Anderes sein" warf Maia schließlich ein. Sie erinnerte sich. wie würde sie einen Hinweis setzen, bei so vielen Verstecken, die sie damals benutzte, damals vor vielen Jahrhunderten, als sie jung war. Sie hätte das Versteck einen Hinweis geben lassen.

Sie verließ die Stelle und ging einige Schritte rückwärts und schaute an dem alten knorrigen toten Holz hinauf und da sah sie es. Ein abgestorbener Ast war rechtwinklig abgebogen und zeigte gerade herunter auf eine Stelle etwas abseits der Wurzel.

"Aron! Da ist es!"

Sie stellten sich direkt unter den Zeigefinger des Schicksals und gruben mit bloßen Händen an der Stelle in die Tiefe und dort fanden sie etwas. eine kleine braune Kiste mit einem Verschluss und dem Zeichen der Yllonen von Fairywaith und Thyr, eine Schleiereule auf einem Ulmenast.

Maia war ganz aufgeregt und eine unbestimmte Angst bemächtigte sich ihrer.

Wenn sie das jetzt öffnete, würde die Welt eine andere sein. Sie wusste es.

"Aron. Komm mit wir bringen es nach Hause und sehen es uns an."

"Ja, Maia, machen wir es in Ruhe. Vielleicht hast du ja auch noch ein Fläschchen von deinem besonders schmackhaften Honigwein."

Er vernichtete die Zeichen, die darauf hinweisen würden, dass an dieser Stelle kürzlich gegraben wurde, seinen Jägerinstinkt folgend und beide gingen langsam zurück zur Hütte.

֎

Die Welt, dachte Maia, wie wir sie kennen, ja so vieles gab es über sie zu wissen. Am Anfang formten die großen 6 Geister Alyr, der Geist der Weisheit, Hollys, der Geist des Feuers, Gwinnyth, der Geist der Erde, Ryth, der Geist des Wassers, Thyr, der Geist der Luft und Waith, der Geist des Lichts die Sterne und das Universum. Und dort hinein setzten sie das Oktaeder, diese Welt. Und es war gut so.

Jedoch bemerkten sie bald, dass die Fähigkeiten jedes Einzelnen von Ihnen nicht immer nur zusammen strebten, sondern ab und zu auch auseinanderflossen, ja sogar gegeneinander. So konnte das Feuer den Wald vernichten, wie das Wasser das Feuer, das Wasser konnte der Erde seine Gunst entziehen und das Land verdorrte und Chaos entstand dort, wo einst Ordnung war.

Da beschlossen die Geister dieser Welt eine festere Struktur zu geben und sie taten dies indem sie an jede, der sechs Ecken der Welt einen Edelstein setzten, starke mindere Geister die die Aufgabe hatten ihren Teil des Landes zu schützen und zu bewahren, um aber alle sechs in Einklang zu bringen hängten sie in die Mitte der Welt, den blauen Saphir, den mächtigsten von Ihnen, der mit allen anderen über die Weisheit, Vernunft, Freude und das Leid dieser Welt sprach und zusammen konnten sie die Kräfte des Chaos im Zaum halten. Das war von Anbeginn der Zeit das Gefüge der Welt. So hatte es Großmutter Uri ihr vor langer Zeit erzählt.

Und dies waren die Wesen dieser Welt:

Zuerst genannt werden die sechs großen Geister, die Erbauer der Welt, die den vier Stämmen die heilige Flamme des Lebens einhauchten. Sie sind entrückt.

Ihre Statthalter auf der Welt sind die sieben Hohen Zauberer und Bewahrer der Steine. Nach der Reihenfolge ihrer Macht werden genannt, Alena, die Königin des Feuers, die Feldherrin von OK, Fenn, der Weber der Winde, schnellstes Wesen von OK und berüchtigter Spaßmacher, Lyth, der Hüter des Wassers, der Undurchschaubare, Gor, der Hüter des Landes, der Freund aller Wesen, Maia, die Hüterin des Lebens, Heilerin von OK und Skyrrtis der Weise, das Bewusstsein von OK.

Der siebte Zauberer ist vergessen, er trägt den blauen Saphir und bezeichnete eines der Hauptprobleme von Maia.

Die Hohen Zauberer hielten sich gewöhnlich in der Spitze ihres Landes in der Nähe ihres Hütersteins auf obwohl sie nicht daran gebunden waren. Schließlich hatte sie selber unendlich viel Zeit in ihrem Wald verbracht.

Das alles hatte ihr Großmutter Uri beigebracht und sie auf ihre Bestimmung vorbereitet. All das war in den langen Jahrhunderten von Ok, wie diese Welt genannt ist, in Vergessenheit geraten und erst langsam besann Maia sich wieder.

֎

Nach der Reihenfolge ihrer Geburt werden die vier Stämme von Ok genannt. An erster Stelle die Yllonen von Fairywaith und Thyr, das Feenvolk. Sie waren direkt verwandt mit den Geistern der Welt und lebten im verborgenen Tal von Thyr. Nur selten trafen sie auf Mitglieder anderer Stämme, wenn sie ihnen in der Regel auch wohlgesonnen waren aber diese hatten meist Angst vor ihnen und ihren Fähigkeiten zur Gestaltwandlung und der Kraft der Weissagung und Heilung. Was sie aber wirklich von den anderen Wesen trennte, war ihre Unsterblichkeit und ihre Liebe zu OK und allem, was lebte. Es gab nur wenige von Ihnen, insgesamt vier Familien mit etwa jeweils einhundert Angehörigen und sie mühten sich dieser Welt wo es ging Heilung zu verschaffen und sie hatten die Möglichkeit dieser Welt zu entsagen, wenn sie müde waren von der Last der Jahre, denn nicht alles war von Anbeginn gut gewesen. -

Der zweite Stamm waren die Quar, die Knorrigen. Sie bewohnten die Wälder von Whyland und Phyrra, in denen sie kleine Reiche in den großen Wäldern gründeten. Sie waren sehr groß gewachsen, waren sechsarmig und sehr robust und liebten alle Bäume und die Lebewesen, die auf ihnen lebten. Wie sie die Bäume liebten, so waren auch sie baumartig und trugen keine Kleidung außer ihrer rindenartigen Haut. Sie wurden bis zu 600 Jahre alt, wenn sie nicht durch Krankheit oder Gewalt ihr Leben lassen mussten. Der Handel mit ihresgleichen, den Maer und den Kyrth waren ihr Steckenpferd und sie überbrückten oft lange Wege, um auf den verschiedensten Märkten von Ok ihre Waren, zumeist Früchte der Bäume, feil zu bieten. Im Gegenzug erhielten sie Getreide und Feldfrüchte der Maer und von den Kyrth Perlen aus dem Wasser, die sie sehr liebten aber immer wieder verloren, da sie keine Reichtümer horteten. Sie waren ansonsten am liebsten unter sich, waren stur, aber treu in ihren Freundschaften und unerbittlich im Kampf. An keiner Festlichkeit kamen sie vorbei, solange ihr Oberhaupt keine Einwände dagegen hatte oder ein heiliges Fest bevorstand. Den größten Teil des Tages verbrachten sie mit der Ernte von Baumfrüchten jeder Art und dem Sammeln von Altholz. Hieraus schnitzten sie filigrane Kunstwerke und allerlei Gebrauchsgegenstände, die sie zum Ausbessern ihrer wundersamen Behausungen benötigten. Ihre liebste Beschäftigung aber war das Spielen mit ihren Stammesgenossen, wobei es in der Regel ums Kräftemessen ging. Ihr Herrscher war Gwyth, der Träger des heiligen Kollinderbaumstabs, ein Schamane und mächtiger Zauberer.-

Der dritte Stamm war das Volk der Maer. Sie waren ein zahlreiches Volk, anfällig für Krankheit, aber auch Neid und Zweitracht waren ihnen nicht fremd. Aber ebenso waren unter ihnen so manche tapfere und heldenmutige, ehrliche und dem Mitleid aufgeschlossene Geschöpfe zu finden. Es waren Zweibeiner, hochgewachsene Geschöpfe, die unermüdlich neue Dinge erfanden um ihren Lebensalltag zu erleichtern. Sie gründeten viele Städte und Reiche in Skylland und Phyrra, trieben Handel mit anderen Städten und Reichen der Quar und Maer. Sie wurden nicht älter als etwa einhundert Jahre und ihre Sterblichkeit empfanden viele von ihnen eher als Fluch denn als Segen.-

Der vierte Stamm waren die Kyrth. Das seltsamste Volk in OK. Sie bevölkerten zumeist die Moore - und Seenlande von Wasserburg, waren Fischer und Seeleute, wie alt sie werden konnten wissen die Weisen nicht, aber sie konnten unter Wasser atmen, wenn sie ansonsten den Maer sehr ähnlich waren, lebten sie doch in eher kleineren und friedlicheren Gemeinschaften und mieden die anderen Stämme. In der Regel wählten sie einen Dorfweisen, der ihre Angelegenheiten in einem regelmäßig stattfindenden Thing regelte. Sie lebten bescheiden und waren ein fröhliches Völkchen.-

Nicht zu den Stämmen werden gezählt alle Tiere dieser Welt, da sie eigenen, den meisten Wesen undurchsichtige Lebensziele verfolgen, manche sind den Wesen fremd, ja feindlich gesonnen, mache leben in Eintracht und gegenseitigem Gewinn zusammen mit ihnen oder auch aus Liebe und Freundschaft. Sie sind oft wild und frei und kennen keinen Neid und keine Missgunst.-

Von den Wesen der Dunkelheit sprechen die wenigsten offen. Sie kamen, als der Saphir noch nicht die Welt behütete und viele Wege nach Ok führten und die Welt noch keine Sonne und keinen Mond kannte. Und sie waren böse. Getrieben von einem Wesen, was von Übel getrieben und die großen Geister der Erschaffung um ihr Werk beneidete und es beherrschen wollte. Dieses Wesen war einst ein Großer unter den Geistern, wurde aber von den sechs Erbauern von Ok abgewiesen, warum wissen die Weisen nicht. Nur seinen Namen, den können sie nicht vergessen: Grist. Grist der schattenlose Magier, Grist der Dämon aus der Dunkelheit, Grist der Feind der Welt.

So kamen die Schrecken nach OK, obwohl gebannt durch den blauen Saphir suchten sie Zuflucht in den weiten Wüsten von Kost und erbauten die große Festungsanlage von Hoja. Und dort wurden sie gebannt und in den Kerkern von Kost warteten sie.

Bis jetzt.-

֎

Sie hatten die Hütte erreicht. Maia befreite sich von ihren Gedanken und machte Aron und sich selbst ein aufmunterndes Erfrischungsgetränk aus getrockneten Äpfeln und Weidenrinde gekocht und sogar eine letzte Flasche Honigwein hatte sie finden können. Sie war wieder klar. -

"Lass es uns öffnen, Maia", sagte Aron "es wird nicht besser, wenn wir uns die Schachtel nur ansehen."

Und Maia öffnete das Gefäß und irgendwie wusste sie ja auch, was sie finden würde. Ein goldener Glanz strahlte aus der Öffnung und ein magisches Knistern erfüllte den Raum. Sie entfernte ein paar Blätter, zwei Haarbüschel und vier Rezepte von Tränken. Die würde sie sich später ansehen. Auf dem Grund der Schachtel lag etwas, eingewickelt in eine Lederhülle. Behutsam nahm sie es heraus und legte es vor sich auf den Tisch.

Sie faltete das Leder auseinander und ein Amulett kam zum Vorschein, leuchtend gelb und ein leises Flüstern umfing sie. Es bestand aus einer runden goldgelben Fassung, die einen Drachen darstellte, dessen Kopf neben seinem Schwanz lag. Filigrane Streben hielten eine innere Fassung, die einen unscheinbaren schwarzen Stein barg.

"Leg mich an. Hüterin! Mach dich auf den Weg und vertraue!"

"Hast du das gehört, Aron?"

"Nein", hast du was gesagt?"

"Es hat mit mir gesprochen, ich soll es anlegen, hm."

"Dann tue es, ich glaube uns bleibt da keine Wahl. Sieh, was auf der Innenseite des Ledertuchs geschrieben steht."

"Liebe Maia! Wenn du diese Nachricht liest, ist die Stunde gekommen. Vertraue auf das Amulett. Es ist das Sucheramulett. Lege es an und gehe deiner Bestimmung entgegen und hab Vertrauen in das Gute auf der Welt."

Uri

Sie nahm es auf und es vibrierte in ihrer Hand, dann legte sie es sich um den Hals.

Augenblicklich leuchtete der Stein gelbgolden auf und verblasste dann, behielt aber seine Farbe als ob es nun seinen lagersehnten Platz gefunden hätte. Die Schwärze war verschwunden, als ob ein Verbergungszauber auf ihm gelegen hätte.

"Was ist nun zu tun, Aron?"

"Du weißt es genau, Maia. Wir müssen uns auf den Weg machen. Malu wird dann bald zu uns stoßen."

"Ich bin nicht sicher, dass du mitkommen solltest. Deine Aufgabe scheint mir eher darin zu liegen, die Tiere des Landes zu schützen und zu informieren, wenn möglich die Quar, Kyrth und Maer zu warnen, dass etwas bevorsteht. Kein anderer kann das momentan tun. Ich kann auf mich selber aufpassen. Komm nach, wenn du deine Aufgaben erledigt hast."

Schweren Herzens gab Aron zu, dass Maia Recht hatte, umarmte sie zum Abschied mit allen guten Segenswünschen der Waldwesen und Feen und lief hinaus in die Wildnis.-

֎

2

Der Hüter des Landes

Das Land war groß und unendliche Weiten fasste der Horizont. Die Grenzen der jeweiligen acht Länder wurden fließend durch natürliche Grenzen wir Gebirge und Flüsse, Wüsten oder Wälder oder große Seen und Meere getrennt.

Die Reisen von einem ins andere Land einer Weltseite konnten unendlich weit aber auch sehr nah sein, es kam immer darauf an, wohin man gelangen wollte. Nur die wenigsten Wesen konnten von jedem Ort in OK zu einem beliebigen anderen Ort reisen, ohne die Grenzsteine zu benutzen.

Während Maia sich auf den Weg machte, macht sie sich gleichzeitig einen Plan, wenn man es einen Plan nennen konnte.

Sie hatte also die Aufgabe die Hüter der Steine zu finden. Aber wo sollte sie beginnen? War es wichtig eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten? Davon wusste sie nichts. Also ließ sie das Land entscheiden und

nahm dies als Anlass, eben den Hüter des Landes zuerst aufzusuchen, nicht nur, weil er wahrscheinlich am nächsten aufzufinden war, sondern so schien es ihr, einfach am besten passte, da das gesamte Land in Gefahr war.

Sie sollte auf jeden Fall Kontakt mit den Hütern aufnehmen, um sie schneller zu finden. Das würde sie bei ihrer ersten Rast versuchen. –

So erreichte sie nach zwei Wegstunden in Richtung der Grenze durch die Wälder Fairywaith die Landspitze Dun, die durch einen alten Steinkreis am Fuße plötzlich auftauchender Felswände, der Grenze zu den Nachbarländern Skylland, Phyrra und Nörland markierte, ein heiliger Ort.

Hier regt sich kein Lüftchen. Stille war hier Gesetz. 8 säulenartige Monolithen standen in einem exakten Kreis geordnet und exakt durch seine Mitte floss ein klarer kalter Bach. Dort stand eine Steinschale auf einem Sockel. Im Inneren der Schale stand etwas in Altfairywaith geschrieben, einer Sprache, die sonst nur die Weisen kennen und kaum noch jemand kannte, geschweige denn zu sprechen vermag:

Acht Steine für acht Länder

Füll das Gefäß und

sprich die Formel.

Dann kannst du gehen

Maia füllte die Schale mit dem kalten klaren Wasser des durch den Steinkreis fließenden Bach und bildete die Worte im Geiste, die jedes Wesen in OK schon im Kindesalter lernte:

Ich bin ein Wanderer

Blauer Saphir

gedenke meiner Taten

und gib mir die Hand

und bringe mich nach

Skylland

Doch nichts geschah.

Sie wiederholte die Formel noch einige Male, sie war sich sicher, dass sie richtig war, aber es geschah nicht. Sie stellte die Formel um, nannte andere Zielorte, aber nichts hatte Erfolg. Sie kam hier nicht über die Grenze.

Erschöpft setzte sie sich neben das kleine Feuer, was sie entfacht hatte und grübelte still vor sich hin.

Es wurde Nacht. Sie hüllte sich in ihre warme Reisedecke, formte aus ihrem Rucksack eine Art Kopfkissen und sah zu den Steinen hoch. Nach einer Weile nahm sie ein leises flüsterndes Geräusch wahr. Nebel stieg auf aus den Windungen des Baches.