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Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Der schmale, dürre Mann taumelte aus dem Dickicht rechts der Straße und schwankte auf unsicheren Beinen quer über die Fahrbahn. Er fiel auf die Knie, stemmte sich mühsam wieder hoch und torkelte auf das Gebüsch links der Straße zu. Parker verlangsamte sicherheitshalber die Geschwindigkeit. »Der scheint aber mächtig geladen zu haben«, sagte Rander kopfschüttelnd. »In der Tat, Sir«, gab Parker gemessen zurück, »vielleicht sollte man Hilfestellung anbieten.« »Fahren Sie mal näher ran, Parker!« Der Butler beschleunigte sein hochbeiniges Monstrum und fuhr auf die Gegenseite der Fahrbahn. Der schmale, dürre Mann stolperte und stürzte fast kopfüber in den sumpfigen Straßengraben. Parker wollte gerade aussteigen, als er die ersten Bluthunde sah, die auf der Fährte des dürren Mannes zu sein schienen. Sie brachen hechelnd und bellend aus dem dichten Buschwerk rechts der Straße und jagten den Mann, der sich gerade wieder aus dem Straßengraben erhob. »Ich bitte, Sir, mich für einen Augenblick entschuldigen zu wollen«, sagte Parker und stieg aus seinem Wagen. Er ging die wenigen Schritte zum Straßengraben und erreichte ihn zusammen mit den Bluthunden, die ihn überhaupt nicht zur Kenntnis nahmen. Die Tiere waren ganz auf den dürren Mann fixiert, der inzwischen wohl eingesehen hatte, daß es für ihn kein Entkommen mehr gab. Josuah Parker, ein Butler, trickst Ganoven aus. Mit angezogenen Beinen vor einem kleinen Baumstamm sitzend, starrte er aus glasigen, blutunterlaufenen Augen auf die Hundemeute, die sich auf ihn stürzen wollte. Wogegen Josuah Parker allerdings etwas hatte. Und zwar sofort.
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Seitenzahl: 127
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Der schmale, dürre Mann taumelte aus dem Dickicht rechts der Straße und schwankte auf unsicheren Beinen quer über die Fahrbahn. Er fiel auf die Knie, stemmte sich mühsam wieder hoch und torkelte auf das Gebüsch links der Straße zu.
Parker verlangsamte sicherheitshalber die Geschwindigkeit.
»Der scheint aber mächtig geladen zu haben«, sagte Rander kopfschüttelnd. »In der Tat, Sir«, gab Parker gemessen zurück, »vielleicht sollte man Hilfestellung anbieten.«
»Fahren Sie mal näher ran, Parker!«
Der Butler beschleunigte sein hochbeiniges Monstrum und fuhr auf die Gegenseite der Fahrbahn. Der schmale, dürre Mann stolperte und stürzte fast kopfüber in den sumpfigen Straßengraben.
Parker wollte gerade aussteigen, als er die ersten Bluthunde sah, die auf der Fährte des dürren Mannes zu sein schienen. Sie brachen hechelnd und bellend aus dem dichten Buschwerk rechts der Straße und jagten den Mann, der sich gerade wieder aus dem Straßengraben erhob.
»Ich bitte, Sir, mich für einen Augenblick entschuldigen zu wollen«, sagte Parker und stieg aus seinem Wagen. Er ging die wenigen Schritte zum Straßengraben und erreichte ihn zusammen mit den Bluthunden, die ihn überhaupt nicht zur Kenntnis nahmen. Die Tiere waren ganz auf den dürren Mann fixiert, der inzwischen wohl eingesehen hatte, daß es für ihn kein Entkommen mehr gab.
Josuah Parker, ein Butler, trickst Ganoven aus.
Mit angezogenen Beinen vor einem kleinen Baumstamm sitzend, starrte er aus glasigen, blutunterlaufenen Augen auf die Hundemeute, die sich auf ihn stürzen wollte.
Wogegen Josuah Parker allerdings etwas hatte. Und zwar sofort. Der Butler hatte bereits einen seiner Spezial-Kugelschreiber in der Hand, dessen Spitze er auf die Hundemeute richtete. Parkers schwarz behandschuhter Finger drückte auf den Halteclip, worauf aus der Spitze des Kugelschreibers eine weißlich gefärbte Wolke zischte.
Was die Bluthunde gar nicht schätzten, wie sich prompt zeigte. Die Tiere begannen im Chor zu husten und Tränen zu produzieren. Sie setzten sich auf ihre Hinterläufe, vergaßen ihr Opfer und wischten sich mit ihren Vorderpfoten die Augen aus. Dabei stießen sie ein Geheul aus, als wollten sie den noch nicht erschienenen Mond anjaulen.
Parker, der die Wirkung seines Patent-Kugelschreibers kannte, kümmerte sich nicht weiter um die Hundemeute, die einen völlig irritierten Eindruck machte. Er stieg würdevoll über den sumpfigen Straßengraben und widmete sich dem dürren Mann, der ihn ungläubig anstarrte und dazu trocken aufschluchzte.
Bei dieser Gelegenheit bemerkte Parker auch die alkoholträchtige Fahne, die diesem Mann voranflatterte. Der dürre Mann schien weit über das normale Maß hinaus getrunken zu haben.
»Es empfiehlt sich, diese ungastliche Stätte zu verlassen«, sagte Parker zu dem dürren Mann, »darf ich Ihnen den Wagen anbieten?«
Der Mann nickte wie ein Automat.
Nur mit Parkers Hilfe vermochte er aufzustehen. Er rutschte auf dem Weg hinüber zum Wagen einige Male haltlos in die Knie, wurde aber von Parker gestützt und erreichte endlich die hintere Wagentür des hochbeinigen Monstrums. Als Parker diese Wagentür öffnen wollte, spürte er plötzlich einen ungemein harten Gegenstand, der gegen seine Wirbelsäule gepreßt wurde.
»Flossen hoch!« sagte eine rauhe Stimme.
»Aber gewiß doch«, erwiderte der Butler in seiner unnachahmlich höflichen Art und wandte sich halb um. Er sah sich einem kompakten Burschen gegenüber, der eine Winchester schußbereit in der rechten Hand hielt.
»Was haben Sie mit meinen Hunden gemacht?« fauchte der Kompakte ihn wütend an.
»Mein Name ist Parker … Josuah Parker«, stellte der Butler sich vor. Dann schaute er betont und gespielt überrascht an dem Mann vorbei hinüber zu den Hunden und erreichte damit, was er bezweckt hatte. Der Kompakte ließ sich täuschen und verzichtete dummerweise für einen Moment auf die Blickkontrolle.
Diese Sekunde reichte Parker vollkommen aus.
Mit seinem Universal-Regenschirm, den er nach wie vor korrekt über dem linken Unterarm trug, drückte er den Lauf der Winchester derart nachhaltig nach oben, daß die Waffe anschließend aus der Hand des Kompakten glitt.
Der Besitzer der Büchse wurde daraufhin ausgesprochen ärgerlich und unmutig. Er ließ einen gereizten Schnaufer vernehmen und wollte seine Faust auf die Magenpartie des Butlers legen. Was ihm auch bis auf eine kleine Panne durchaus gelang. Die Panne allerdings bestand darin, daß seine vorschnellende Faust sich auf die Wölbung von Parkers Melone legte.
Der Faust bekam das überhaupt nicht.
Sie konnte ja nicht wissen, daß Parkers korrekte Kopfbedeckung mit Stahlblech gefüttert war. Die Faust knirschte also gegen diese Spezialfüllung und verformte sich leicht, worauf der Kompakte einen stechenden Schmerz in seinen Fingerknöcheln registrierte.
»Sicher nur eine kleine Verstauchung«, tröstete Parker sein Gegenüber, »in solchen Fällen empfehle ich stets kalte Kompressen.«
Der Bursche hörte nicht konzentriert zu, da er mit einigen Tanzschritten beschäftigt war, die man auf keinen Fall als elegant bezeichnen konnte. Er erinnerte an einen ungelenken Tanzbären, der von einem Bein auf das andere hüpfte und dabei Töne ausstieß, die einem Nebelhorn ähnlich waren.
»Wir sollten losfahren«, ließ Rander sich in dem Augenblick vernehmen. Er tauchte hinter dem Kompakten auf. Ohne Parkers Antwort abzuwarten, schob er den dürren Mann auf den Rücksitz des Wagens.
Der Dürre rülpste unfein und grinste Rander an.
»Mann«, sagte er dann fast stolz, »Mann, bin ich besoffen!«
*
»Wir sollten verschwinden, bevor wir uns noch unbeliebter machen«, sagte der Anwalt und nickte seinem Butler nervös zu.
Was seine Berechtigung hatte, wie sich bereits zeigte. Aus dem dichten Unterholz rechts der Straße erschien ein zweiter Mann, mittelgroß, schlank, der ebenfalls der stolze Besitzer einer Feuerwaffe war. Dieser Mann hatte den Kompakten, der vom Wagen verdeckt wurde, noch nicht gesehen, doch er wirkte irritiert, weil die Hundemeute sich so gar nicht seinen Vorstellungen gemäß verhielt. Die lieben Tierchen saßen nach wie vor auf ihren Hinterläufen und nahmen übel. Dazu weinten sie dicke Tränen und niesten.
Josuah Parker, der um den Lack seines hochbeinigen Wagens fürchtete, gab zugleich Gas und schickte aus der Düse neben dem Auspuff eine schwarze, ölige Rauchwolke in die Luft. Gewiß, er trug damit zwar zu einer kleinen Umweltverschmutzung bei, aber er hinderte den Gewehrschützen daran, gezielt zu schießen. Was dieser Mann nämlich automatisch tat. Er fragte nicht lange, sondern schoß erst mal auf den Wagen, der in der Rußwolke verschwand. Die Schrotkugeln pfiffen durch diese dunkle Wolke, richteten aber kein Unheil an.
»Ungewöhnlich reizbare Menschen«, stellte Mike Rander kopfschüttelnd fest, nachdem sie aus der Gefahrenzone waren.
»Ein tadelnswertes Benehmen«, gab Parker zustimmend zurück, »aber vielleicht hängt dies mit unserem Gast zusammen, Sir.«
»Möglich, aber im Augenblick werden wir von ihm nichts erfahren. Er schläft wie ein Murmeltier.«
Rander hatte richtig beobachtet. Der dürre Mann hatte es sich ungemein bequem gemacht und gab Schnarchtöne von sich. Der Alkohol schien ihn restlos übermannt zu haben.
»Darf ich vorschlagen, Sir, Lemmon Bay erst mal zu meiden?« erkundigte sich Parker bei seinem jungen Herrn.
»Einverstanden«, sagte Rander sofort, »erst müssen wir wissen, was mit dem Mann hier los ist. Suchen Sie irgendein nettes Plätzchen!«
Parker entdeckte nach etwa einer Meile einen Feldweg, in den er hineinfuhr. Sicherheitshalber ließ er sein hochbeiniges Monstrum seitlich im Buschwerk verschwinden und stellte dann den Motor ab.
Rander, der ausgestiegen war, betrachtete die Autokarte.
»Bis Lemmon Bay sind es höchstens noch drei Meilen«, stellte er fest.
»Demnach dürfte man unterstellen, daß die beiden Gewehrschützen aus Lemmon Bay stammen?«
»Denke ich auch, Parker. Den richtigen Vorgeschmack auf dieses Städtchen haben wir ja jetzt bekommen. Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.«
»Ein Auto, Sir!« Parker hatte sich nicht verhört. Über den Feldweg, den sie eben noch benutzt hatten, kam ein Wagen auf sie zu, den sie aber noch nicht sehen konnten, da der Weg eine Biegung machte.
Rander und Parker verschwanden schnell im Buschwerk und beobachteten dann einen Jeep, an dessen Steuer eine junge Frau saß, die knapp über zwanzig Jahre war. Sie trug Stiefel, Reithose und eine einfache Polobluse. Sie sah nicht links noch rechts, sondern preschte in Richtung Hauptstraße und war bald hinter einem Knick verschwunden.
»Judy Malone«, sagte eine Stimme hinter Rander und Parker. Sie gehörte dem Dürren, der gerade schwerfällig und unsicher aus dem Wagen stieg.
»Judy Malone?« wiederholte Rander.
»Nettes Mädchen«, redete der Dürre weiter und rülpste, »die hat wenigstens noch Herz …«
»Im Gegensatz zu wem?« wollte Rander wissen.
»Zu ihrem Alten … John Malone«, sagte der Dürre und verzog angewidert sein Gesicht.
»Sie geben zu erkennen, daß Sie besagten Mister John Malone nicht mögen?« fragte Parker höflich.
»John Malone ist ein Schwein«, stellte der Dürre schlicht und nachdrücklich fest, »John Malone ist ein – ein … mir fällt nichts Passendes ein. Schwein ist noch zu wenig!«
»Spielt er eine gewisse Rolle in Lemmon Bay?« erkundigte sich Rander.
»Er ist der ungekrönte König von Lemmon Bay und Umgebung«, lautete die Antwort des Dürren, »sein Wort ist hier bei uns Gesetz.«
»Womit Sie sich möglicherweise nicht abfinden wollen?« Parker fragte höflich-reserviert.
»Genau«, stellte der Dürre fest, »darum sind sie ja auch alle hinter mir her.«
»Zum Beispiel die Hundemeute und die beiden Gewehrträger?«
»Mike Crampel und Jess Linton«, antwortete der Dürre und nickte nachdrücklich, »alles Kreaturen von Malone. Wenn Malone erkältet ist, husten sie für ihn.«
»Sie mögen Malone nicht?« Rander lächelte.
»Er ist mir gleichgültig, solange er mich in Ruhe läßt.«
»Und warum läßt er Sie nicht in Ruhe, Mister …?«
»Rudy Shrimp«, stellte der Dürre sich vor und lehnte sich erschöpft gegen den hochbeinigen Wagen, »Berufstrinker … asoziales Element … Beachcomber … Narr und Blitzableiter!«
»Sie scheinen sehr vielseitig zu sein«, gab Rander zurück.
»Ich hau jetzt ab durch die Mitte«, sagte Rudy Shrimp, »ich verdrück’ mich, bevor Sie wegen mir Ärger bekommen. Ich gebe Ihnen ’nen Rat. Fahren Sie so schnell wie möglich durch Lemmon Bay! Gehen Sie bloß kein Risiko ein! Vergessen Sie, daß es ein Kaff wie Lemmon Bay gibt.«
»Und was werden Sie jetzt tun?«
»Ich gehe erst mal auf Sehrohrtiefe«, sagte Rudy Shrimp, »irgendwann wird Malone sich wieder beruhigen. Bis dahin suche ich mir eine Gegend aus, die gesünder für mich ist.«
»Darf man sich vorher noch erkundigen, aus welchen Gründen man Bluthunde auf Sie gehetzt hat?« warf der Butler gemessen ein.
»Weil ich mal wieder geklaut haben soll«, gab Shrimp ungerührt zurück, »aber ausgerechnet diesmal habe ich die Finger wirklich nicht lang gemacht!«
*
Lemmon Bay, südlich von Tarpon Springs an der Westküste von Florida gelegen, sah reizvoll aus. Es gab durchweg nur ein- und zweistöckige Holzhäuser, die sehr gut in Farbe standen. Daneben gepflegte Vorgärtchen, bunt bemalte Zäune und sattgrüne Rasenflächen. Es gab eine Art Marktplatz, der zum Golf hin geöffnet war und den Blick auf den weiten Strand gewährte. Umsäumt wurde dieser Marktplatz mit der Holzkirche von einem Drugstore, einer Bank, einigen kleinen Bars und Hotels und von zwei mittelgroßen Supermärkten.
»Wirkt ziemlich verträumt«, sagte Rander, »hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.«
»Falls man gewisse Bluthunde vergißt«, bemerkte der Butler, »ein recht ungewöhnliches Verfahren, einen kleinen Dieb mit einer Hundemeute von dieser Gefährlichkeit zu jagen.«
»Vielleicht hat dieser Shrimp mehr Dreck am Stecken, als wir ahnen.«
»Diesen Eindruck, Sir, machte er allerdings nicht«, widersprach der Butler, »ich möchte unterstellen, daß er ein Trinker ist, aber ein Verbrecher dürfte er auf keinen Fall sein.«
Während Parker noch sprach, ließ er seinen hochbeinigen Wagen vor dem Lemmon Bay Hotel ausrollen, das einen gepflegten Eindruck machte.
Dabei erregten Parker und sein hochbeiniges Monstrum wieder mal Aufsehen.
Hinter der breiten Scheibe rechts vom Hoteleingang tauchten einige irritiert und amüsiert aussehende. Gesichter auf. Was Parker zwar zur Kenntnis nahm, sich aber nicht anmerken ließ. Er drückte die Tür zur Hotelhalle auf und schritt gemessen zur Rezeption, die aus einem Tresen rechts neben einem Treppenaufgang bestand.
»Mister Rander hat zwei Zimmer telefonisch reservieren lassen«, sagte der Butler und lüftete höflich seine schwarze Melone.
Der etwas schüchtern wirkende Mann hinter dem Tresen war etwa 50 Jahre alt, hüstelte nervös und blätterte in einem dicken Kontobuch.
»Hier haben wir s«, sagte er dann. »Zwei Einzelzimmer für zwei Tage, nicht wahr?«
»Dies entspricht genau der Vorbestellung«, antwortete Parker, »darf ich bei der Gelegenheit gleich nach einem gewissen Mister Tony Ritchel fragen, der hier in Lemmon Bay wohnen soll?«
»Tony Ritchel?« Der Angestellte hinter dem Tresen hüstelte erneut.
»Mister Tony Ritchel«, wiederholte Parker würdevoll, »falls ich recht informiert worden bin, muß er hier in Lemmon Bay wohnen.«
»Was … was wollen Sie von ihm?« rutschte es dem Angestellten ungewollt heraus.
»Ihn sprechen«, sagte Rander, der jetzt hinter seinem, Butler erschien. »Als Wohnort hat er nur Lemmon Bay angegeben.«
»Mister Ritchel wohnt draußen am Stadtrand, gleich vor dem Sumpf.«
»Ich denke, ich fahre mal zu ihm«, sagte Rander zu Parker, »Sie können ja inzwischen auspacken, Parker.«
»Sehr wohl, Sir. Ich fürchte allerdings, daß es hier kaum ein Taxi geben wird.«
»Ist es weit?« fragte Rander den Angestellten.
»Zu Fuß etwa 15 Minuten«, sagte der Mann mit dem schüchternen Aussehen. »Sie brauchen nur die Hauptstraße entlang zu gehen.«
»Dann werde ich mir jetzt mal die Füße vertreten«, erklärte Rander seinem Butler, »bis gleich!«
»Ich könnte Sie selbstverständlich in einem Minimum der eben geschätzten Zeit zu Mister Ritchel bringen«, schlug der Butler schnell vor.
»Nee, danke, Parker! Ich will mal wieder spüren, daß ich Beine habe.« Rander nickte seinem Butler zu und verließ die kleine Hotelhalle. Parker, der mit dieser Lösung überhaupt nicht einverstanden war, ließ sich natürlich nichts anmerken, sondern kümmerte sich um das wenige Reisegepäck und trug es hinauf in die beiden Zimmer, die durch eine Tür miteinander verbunden waren. Er trat hinaus auf einen der kleinen Balkone und genoß den Blick hinunter auf den nahen Strand und auf den Golf. Es war früher Nachmittag und der Abend schien traumhaft schön zu werden.
Parker wollte gerade wieder zurück in sein Zimmer gehen, als er von einem kurzen Lichtblitz aufmerksam gemacht wurde. Die Sonne schien sich entweder in einem Spiegel oder in einer Optik gespiegelt zu haben.
Parker ließ sich nichts anmerken, obwohl er sofort wußte, daß dieser Lichtblitz nur mit einer Person im Zusammenhang stand. Gemessen schritt er zurück ins Zimmer, um dann hinter der Gardine stehen zu bleiben.
Da war wieder dieser Lichtblitz.
Er kam vom Flachdach eines zweistöckigen Hauses.
Parker öffnete seine private Reisetasche und holte ein leistungsstarkes Fernglas hervor. Damit suchte er das Flachdach ausgiebig ab. Doch zu seiner Enttäuschung konnte er nichts ausmachen. Das Dach war leer.
Parker wollte sich gerade seinen schwarzen Zweireiher aufknöpfen, als plötzlich die Tür zu seinem Zimmer jäh aufgedrückt wurde. Ein breitschultriger Mann von vielleicht 30 Jahren schob sich herein und baute sich vor dem Butler auf.
*
Mike Rander hatte den Kern des kleinen Städtchens bereits hinter sich gelassen.
Die Häuser standen weniger dicht beieinander und sahen auch etwas schäbiger aus. Hier zeigte sich die Kehrseite von Lemmon Bay. Von Gepflegtheit und Farbe war hier kaum noch etwas zu sehen: In diesen Häusern, die sich bis zum Sumpfgürtel hinzogen, nistete die Armut. Es gab viele Autowracks und Unrat. Diese Gegend schien so etwas wie der Müllplatz von Lemmon Bay zu sein.
Hier wohnten Mexikaner, Schwarze und Weiße, die den Anschluß an die Norm wohl nicht geschafft hatten, die es vielleicht nicht gewollt hatten oder denen man nie eine echte Chance gegeben hatte.
