Der CEO findet seine Liebe - Anya Brenner - E-Book

Der CEO findet seine Liebe E-Book

Anya Brenner

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Beschreibung

Als Enrico- wie in den vergangenen Jahren- nach Irland reist, um mit seinem Studienkollegen Torin das alljährliche Festival zu besuchen, hat er mit seinem Mietwagen unterwegs eine Panne. Mave, die zufällig vor Ort ist, nimmt ihn bis zu seinem Hotel mit. Zum Dank lädt er sie in ein irisches Pub ein. Beide spüren dieses Kribbeln, wenn sie sich in die Augen sehen. Doch wie sollen sie einen Zukunft miteinander aufbauen, wenn Enrico in Italien, Mave aber in Irland lebt? Als Enrico dann in Italien spurlos verschwindet, hält es Mave in Irland nicht mehr aus und reist nach Italien, um ihn mit Hilfe seiner Familie aufzuspüren. Werden sie sich wiedersehen?

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Seitenzahl: 182

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Der CEO findet seine Liebe

Kapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Über die Autorin

Kapitel 1

„Nein, nein, nein“- dachte Mave, „das fühlt sich jetzt aber ganz falsch an!“

Henry kniete gerade vor ihr, das Kästchen mit dem Ring vor sich haltend.

„Hast du gehört, was ich dich eben gefragt habe?“ Abwartend sah Henry sie an….

„ Aää…also… ja…ich habe dich gehört!“ stammelte sie. „Aber….“ Mave, die lockige, lange, flammend rote Haare hatte, strich sich ihre Strähnen, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten, hinter ihre Ohren. Ihre großen, grünen Augen schauten entsetzt.

„Henry, ich kann dich nicht heiraten“, stotterte sie.

Henry stöhnte enttäuscht auf. „Warum nicht? Wir sind ein gutes Team, leben seit fast zwei Jahren in einer Wohnung und gestritten haben wir uns auch noch nie.“

Oje, jetzt drehte er durch….

Mave war eine Frau, wie man sich eine richtige Frau mit Kurven vorstellte:

170 m groß, schlank, aber an den richtigen Stellen rundete sich ihr Körper weiblich. Sie selbst hasste es, in Hosen stets eine Kleidernummer größer kaufen zu müssen als bei den Oberteilen. Der Kleiderkauf geriet jedes Mal wieder zu einer Qual….Was oben passte, war an den Hüften zu eng, was an den Hüften passte, war an ihrem Busen, den man nicht klein nennen konnte, zu weit….

Henry, den sie sie seit ihrer Kindheit kannte, war ein groß gewachsener und durchtrainierter Mann, seine dunkelbraunen Augen bildeten einen Kontrast zu seinen fast blonden Haaren. Seine Gesichtszüge, normalerweise entspannt, hatten sich zu einer schmerzhaften Grimasse verzogen.

„So langsam tun mir meine Knie weh, Liebes, bitte, sag ja!“ hörte sie ihn verzweifelt ausrufen.

„Henry, du weißt, dass du deine Beziehung zu Adam nicht mehr lange geheim halten kannst, du wirst ihn verlieren! Mich zu heiraten ist da der falsche Weg.“

Dabei sah sie ihn vorwurfsvoll an.

Mave konnte nicht nachvollziehen, warum Henry nicht zu seiner Homosexualität stand. Heutzutage war das doch kein Problem mehr. Und Adam war ein toller Mann, total und rettungslos verliebt in Henry. Henry liebte Adam ebenfalls aus tiefstem Herzen. Und doch hatten sich beide in ihren vier Jahren Beziehung noch nicht einmal zusammen als Paar blicken lassen. Auf jeder Party, auf jedem Ausflug, überall waren sie zusammen und doch nicht zusammen. Mave war so oft dabei, dass schon gemunkelt wurde, sie hätten eine Dreierbeziehung. Sie sorgten in jedem Fall für Verwirrung, wenn sie gemeinsam auftauchten.

Mave prustete….“Dreierbeziehung…Klar!“

Seit sie vor drei Jahren von Michael ohne ein Wort der Erklärung oder des Abschieds verlassen worden war, hatte sie ab und zu einen One- Night- Stand, aber eine Beziehung konnte sie sich nicht mehr vorstellen. Von Männern hatte sie die Nase gestrichen voll. Vertrauen konnte sie nur noch Henry, Adam , Nara-ihrer besten Freundin- und sich selbst. Ansonsten war ihr Alltag eintönig geworden.

Unter der Woche arbeiten gehen, am Samstag mit Nara tanzen und Sonntag dann ausschlafen….

Die Arbeit als Zahnarzthelferin machte ihr normalerweise Spaß, aber seit in der Gemeinschaftspraxis ein neuer Zahnarzt hinzu gekommen war, war alles anders geworden.

Der junge Arzt wurde von den Kolleginnen angehimmelt und angebetet. Sie selbst fand ihn nur arrogant, überheblich und selbstverliebt.

Nun ja, mit seinen 1,92m war er beeindruckend, seine halblangen, lockig schwarzen Haare, die er bei der Arbeit stets zusammengebunden hatte, waren ein interessanter Kontrast zu seinen blauen Augen. Die sportlich durchtrainierte Figur tat ihr Übriges, um bei der Frauenwelt bemerkt zu werden.

Bei der Erinnerung an Dr. Davin Burke schnaubte Mave auf. Dieser ungehobelte, eingebildete Kerl hatte tatsächlich schon mehrmals versucht, sie zum Abendessen einzuladen. Sie schüttelte den Kopf. „Da kann er lange warten“, dachte sie bei sich selbst.

Denn der nette Herr Doktor war bereits mit zwei ihrer drei Kolleginnen Essen gewesen und es hatte bittere Tränen gegeben, da er lediglich an einem One-Night-Stand interessiert gewesen war. Von keiner der Frauen hatte er sich bisher bekehren lassen.

Und wo konnte man sich leichter bedienen als bei der Arbeit, wo die jungen Frauen quasi auf dem Silbertablett serviert wurden.

Muriel, ihre Lieblingskollegin und sie aber waren eisern geblieben.

Muriel, weil sie in einer Beziehung zu Glen O`Duinn sehr glücklich war und sie, weil sie keine Trophäe für eine Nacht sein wollte.

Ansonsten ärgerte sie sich immer, wenn sie nicht bei ihrem Chef, Dr. Ainsley Nolan, assistierte, sondern in Davin´s Zimmer geschickt wurde, da ihr Herz etwas anderes sagte als ihr Kopf. Dieses verräterische Ding klopfte und pochte ganz laut und schnell, wenn er sie bei der Begrüßung in den Arm nahm und erst recht, wenn er, während er die Patienten behandelte, ihr ganz tief in ihre Augen sah!

Sie verstand es selbst nicht genau, warum das so war. Doch sie wollte auch nicht darüber grübeln, sondern durch möglichst viel Abstand und dem Ablehnen der Einladung weiterhin dafür sorgen, dass ihr Herz verschont blieb.

„Henry, sag deinen Eltern doch endlich, dass du zwar eine Beziehung hast, so wie sie es als Voraussetzung für die Überschreibung der Hotels erwarten, aber eben nicht mit mir, sondern mit Adam als Mann an deiner Seite …“

Henrys Eltern hatten einen Familienbetrieb, der seit Generationen an den ältesten Sohn weitergegeben wurde.

Seit inzwischen drei Generationen, vier, wenn er die Nachfolge antreten würde, war das „Bellingwood Castle“ nun schon in Familienbesitz!

Die alte Burg wurde immer wieder renoviert und restauriert und sah einfach beeindruckend aus, wie sie hoch oben auf dem Felsen von Portney stand und der Blick ins Tal war auch für Henry jedes Mal erneut faszinierend.

Sein Vater hatte vor 20 Jahren noch das 30 Kilometer entfernte, heruntergekommene Strandhotel gekauft, das nun sein neues Aushängeschild in Calmin war.

Benannt hatte er es nach seiner Urgroßmutter, Kilkeeda, und wurde von den Einheimischen anstatt „Kilkeeda Beach Resort“ nur liebevoll Kilkee genannt.

Er sollte beide Hotels leiten, sich aussuchen, ob er in Calmin oder Portney leben wollte. Und er hatte auch schon mit Adam darüber gesprochen . Sehr gerne würden sie gemeinsam in Portney leben wollen, so wie auch seine Eltern es taten. Spätestens dann müsste er die Karten auf den Tisch legen.

Da Henry Einzelkind war, kam es nicht in Frage, an ein Geschwister abzugeben. Doch so konservativ wie seine Eltern waren, würden sie die Hotels wohl eher an seinen Cousin Rival abgeben als an ihn und alles, wofür er bisher gelebt hatte, wofür er die letzten Jahre hart gearbeitet hatte, wäre umsonst gewesen. Außerdem war Rival ein Mensch, der nur auf sein Wohl aus war, der ein Leben in Luxus führen wollte. Aber dafür arbeiten? Das wollte er nicht…

Schneller als sein Vater sehen könnte, würde er alles Geld verprassen und nacheinander beide Hotels verkaufen müssen, um den luxuriösen Lebensstil weiter finanzieren zu können.

Seufzend stand Henry auf.

„Ach Mave, du weißt, wie sehr ich Adam liebe, aber für meine Eltern würde die Welt untergehen!“ Da war sich Henry sicher.

Seine Freundin blickte ihn mit strengem Blick an…..

„Henry, du weißt, dass deine Eltern nicht mehr lange warten wollen, du kannst sie nicht mehr ständig vertrösten. Wenn du so weiter machst, werden sie die beiden Hotels doch an deinen nichtsnutzigen Cousin überschreiben….“

Ein Schauer lief Mave über den Rücken. Brrrr…. Dieser Rival hatte einmal versucht, sie zu küssen… niemals, so schwor sie sich, niemals würde sie das zulassen….

Nachdenklich saßen beide im Wohnzimmer, still und in sich gekehrt….als Adam zur Tür herein kam. Schon lange wollte er der Welt zeigen, dass Henry und er zusammen gehörten, hatte aber Rücksicht auf seine große Liebe genommen.

Sie beide hatten sich auf der Uni kennen gelernt, als sie sich gleichzeitig auf denselben Stuhl in der Mensa setzen wollten.

Lächelnd dachte Adam an diesen Tag zurück….Wie er Henry in die Augen gesehen hatte und Henry ihn anstarrte ohne Luft zu holen, mit geöffnetem Mund….es war sprichwörtlich die Liebe auf den ersten Blick gewesen…Ab diesem Moment gab es nur noch sie beide…

Nur ein Wochenende hatten sie sich trennen müssen, das erste freie Wochenende nach Beginn des Studiums. Da hatte Henry`s Mutter Feena ihren Geburtstag gefeiert und er hatte nicht den Mut besessen, Adam mit nach Hause zu nehmen…..Doch dort, bei seinen Eltern, hatte er wenigstens von ihm erzählt, als Freund und Kommilitone.

Mave hatte ihm gleich dazu geraten offen zu sein, aber nun, nach all den Jahren, war es für ihn nicht mehr so einfach…

Adam begrüßte Mave mit einer Umarmung und Henry mit einem zärtlichen Kuss.

„Denkst du an deinen Vater?“ Fragend sah er seinen Liebsten an.

Henry schnaubte.

„Ja, schon den ganzen Tag und nun hat Mave „auch noch nein zu meinem Antrag gesagt!S

eufzend strich er sich eine Strähne aus den Augen. „Na hoffentlich! Das ist doch eine Schnapsidee….und ich möchte nicht mehr ständig von dir als Partner verleugnet werden…“ereiferte sich Adam.

Henry sah ihn ratlos an.

Und nun? Die Zeit drängte, denn sein Vater würde in wenigen Tagen seinen 60. Geburtstag feiern und zu diesem Anlass wollte er offiziell seinen Nachfolger bekannt geben…..

Und nun übte auch noch Adam Druck auf ihn aus. Henry schwirrte der Kopf. Was sollte er nur tun?

Mave sah beide Männer ganz genau an. Ach, wenn sie doch nur helfen könnte!

Doch Moment! Das konnte sie! Sie würde mit seinen Eltern sprechen! Diesen Dienst konnte sie ihren beiden besten Freunden erweisen.

Schon immer hatte sie ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern Adair und Feena gehabt und sie würden mit Sicherheit wollen, das ihr Sohn glücklich ist, auch wenn es mit einem Mann war, da war sie sich sicher. Genau so würde sie es machen.

Sie räusperte sich und fragte ganz leise an beide gewandt:

„ Was haltet ihr davon, wenn ich bereits morgen nach Portney fahre und mit Feena und Adair spreche?“

Unsicher sah Henry sie an.

Was meinst du, Adam?“ wollte er leise von seinem Freund wissen.

„ Das ist das Einzige, was ich mir vorstellen kann, wenn du weiterhin die Ohren anlegst“…zwinkerte ihm Adam zu.

„Mach dir keine Sorgen, die beiden fressen Mave praktisch aus der Hand, sie ist wie eine Tochter für sie“ Kannten sie sie doch seit ihrer frühen Kindheit.

Am nächsten Morgen war Mave schon sehr früh unterwegs. Die Strecke nach Portney war zwar wunderschön, denn sie führte an der Küste entlang, aber von Trilee, wo sie lebte, dauerte die Fahrt knapp zwei Stunden.

Die Klippen an Irlands Westküste waren schroff und zum Teil hoch, sie liebte aber die salzige Brise, die hereinwehte, sobald sie das Autofenster öffnete.

Summend begleitete sie eines ihrer Lieblingslieder im Radio und fühlte sich, als wäre sie unterwegs in den Urlaub! Die nächsten 14 Tage hatte sie frei-die Praxisräume wurden wegen „Dr. Wichtig“ umgebaut- und sie konnte einfach so in den Tag hineinleben. Herrlich!

Sie hielt an ihrer Lieblingsstelle an, um die Aussicht auf den tosenden Atlantik zu bestaunen. Jedes Mal, wenn sie auf dieser Strecke unterwegs war, musste sie einfach hier anhalten.

Die schroffen, meterhohen Klippen fielen fast senkrecht ins Meer hinein, wo die Wellen Gischt spritzend abprallten. Hätte sie Höhenangst, dürfte sie hier nicht stehen und nach unten sehen….

Weiter draußen auf dem Meer sah sie vereinzelt Boote schaukeln. „Wahrscheinlich Touristen mit ihren geliehenen Jachten“, dachte sie und schmunzelte. Es wären nicht die ersten Besucher, die grün und taumelnd von Bord gingen. Der Seegang war hier, an dieser Seite der Insel, doch mächtig stark.

Obgleich ihr der Atlantik zu kalt zum Baden war, gab es doch tatsächlich Verrückte, die am Strand des Kilkee´s tatsächlich laut juchzend ins Wasser sprangen. Sie zitterte allein vom bloßen Gedanken daran….Nein, zum Schwimmen müsste sie schon ins warme Meerwasser gehen ! Und da dies in ihrer Heimat nicht möglich war, müsste sie mit dem Schiff oder dem Flugzeug die Insel verlassen und in südliche Gefilde reisen. Aber das kam für Mave nicht in Frage, sie war patriotisch, sie würde ihr hart verdientes Geld nur im eigenen Land ausgeben…

Bald schon fröstelte Mave, der Wind war hier, direkt an den Klippen, noch einmal deutlich stärker zu spüren, er zerrte an ihrer Jacke und zerzauste ihre Haare.

Ihre lange Naturkrause war sowieso schwer zu bändigen, aber jetzt würde sie aussehen, als wäre ein Derwisch hindurchgefegt….

Lächelnd machte sie sich auf den Weg zurück zu ihrem kleinen Auto. Von weitem schon sah sie, dass inzwischen noch ein weiteres Auto an dem Aussichtpunkt geparkt hatte. Neben diesem riesigen SUV sah ihre kleine „Emma“, wie sie ihr Auto liebevoll nannte, noch viel kleiner und unscheinbarer aus. Wäre die pinkfarbene Lackierung nicht, hätte man Emma glatt übersehen können.

Als sie näher kam, sah sie einen Mann hektisch im SUV telefonieren. Er gestikulierte wild mit den Händen und sein Gesichtsausdruck erschien ihr angespannt und entnervt.

Davon unbeeindruckt, lief sie zu ihrem Auto und wollte gerade einsteigen, als eben dieser Mann aus dem Auto stieg und sie ansprach.

„Hallo? Entschuldigung? Verstehen Sie mich?“, fragte er mit sehr außergewöhnlichem Akzent.

„Tourist“, dachte Mave sich, „was der wohl will?“

„Ja, ich verstehe Sie“, antwortete sie und setzte ein „kann ich Ihnen helfen?“ hinterher.

Der Mann strahlte sie an.

„ Und ob! Seit knapp einer Stunde stehe ich hier und dieser Mietwagen will und will nicht mehr anspringen. Ich wollte nur kurz ein Foto von diesem fantastischen Ausblick machen und als ich zurück kam, machte es nur noch leise Klick, als ich den Schlüssel im Zündschloß drehte!“….

Mit erwartungsvollen Augen sah er Mave an.

„Haben Sie schon den Mietwagenverleih informiert?“ wollte sie wissen.

Er nickte, schnaubte aber

„es kann mich momentan kein Mitarbeiter abschleppen, da durch das Festival in Guleen sämtliche Wagen vermietet sind.“

Mave schluckte. Sie würde diesen fremden Mann jedoch nicht dem Schicksal überlassen. Aber war er vertrauenswürdig genug?

Sie sah ihn an und antwortete:

„ Eigentlich nehme ich keine Fremden mit und schon gar keine fremden Männer, aber hier ist die nächsten fünf Kilometer kein Haus und so will ich Sie nicht hier stehen lassen.“

Der Mann sah sie dankbar an und machte Anstalten, wieder zum Mietwagen zu laufen.

Kapitel 2

„Halt, ich nehme Sie doch mit!“ rief Mave und er drehte den Kopf mit einem

„Ich hol nur meinen Koffer aus dem Auto“ zu ihr um.

Sie sah ihn mit leicht geröteten Wangen an. „Natürlich! Gepäck!“ sie war ganz durcheinander.

Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb ihr nicht, denn schon stand der Mann vor ihr. Oh, ihr war zuvor gar nicht aufgefallen, wie groß er war.

Er sah sie freundlich an und reichte ihr die Hand: „Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Enrico Conti, ich komme jedes Jahr aus Italien zu diesem Festival, aber ihre Sprache spreche ich noch nicht so gut. Deshalb meine Frage vorhin. Ich hoffe, es ist in Ordnung so. Vielen Dank nochmal, Sie retten mir gerade das Leben, das ist Ihnen bewusst, oder?“ zwinkerte er ihr zu.

Sie ergriff seine Hand und stotterte.

„Ich bin Mave O´Brien und unterwegs nach Portney. Das liegt doch ganz in der Nähe von Guleen! Ich nehme Sie gerne mit und bringe Sie zu ihrem Hotel. Sie haben doch schon ein Zimmer gebucht?“ Ansonsten sähe es schlecht für diesen attraktiven Italiener aus….Innerlich schüttelte sie sich. So gestottert hatte sie schon lange nicht mehr. Es war ihr unangenehm, denn durch ihren Beruf war sie den Umgang mit fremden Menschen an und für sich gewohnt.

„ Ja, im Bellingwood Castle in Portney “ antwortete Enrico.

„Was für ein Zufall. Genau zu diesem Hotel bin ich unterwegs. Die Besitzer sind die Eltern meines besten Freundes“ gab sie überrascht zurück. Enrico schmunzelte und zwinkerte ihr zu.

„Wenn das mal nicht Schicksal ist, dass wir uns hier treffen müssen? Und…. Bester Freund oder Freund wie Freund?“ fragte er nach. Sie lief rot an und ihre Hände begannen zu schwitzen. Was war nur mit ihr los? So kannte sie sich nicht….

„Nun ja, bester Freund. Sein Partner Adam ist mein zweitbester Freund“ schmunzelte sie verlegen und zitternd.

Er holte tief Luft und meinte,

„Na, dann lass uns mal losfahren!“

Uns? Seit wann waren sie beim du? Naja, egal jetzt.

Sie hoffte, dass sie die Strecke bis Portney heil überstehen würde, so durcheinander wie sie war. So etwas war ihr noch nicht passiert. Sie hielt sich für eine routinierte und sichere Autofahrerin, aber schon beim Losfahren vergaß sie die Handbremse zu lösen und der Motor ging in ein lautes Heulen über, bevor er erstarb. Verlegen blinzelte sie Enrico an, startete den Motor neu und fuhr langsam auf die Küstenstraße zurück.

„Was soll ich nur mit ihm sprechen?“ überlegte Mave. Da nahm er ihr die Entscheidung auch schon ab und begann zu fragen, wo sie her sei und wo sie arbeite und ob sie einen Freund oder Mann hatte. Das waren definitiv zu viele Fragen auf einmal und ein wenig überrumpelt dachte sie bei sich, dass das auch sehr intime Fragen waren. Sie hatten sich schließlich erst vor wenigen Minuten das erste Mal gesehen.

Nach einem kurzen Moment antwortete sie daher: „Ich komme eigentlich aus Portney, da leben meine Eltern noch. Iich arbeite als Assistentin bei einem Zahnarzt in Trilee und lebe dort mit meinem besten und dem zweitbesten Freund zusammen. Nun, da ich quasi alles auf einmal beantwortet habe, möchte ich aber unbedingt auch von dir mehr wissen. Warum kommt ein Mann aus Italien nach Irland, wo es kalt ist und viel regnet, um ein Festival zu besuchen? Und was machst du beruflich, wenn du dir ein Zimmer im Bellingwood leisten kannst?“ Erschrocken hielt sie inne. „Das…das, entschuldige, das Letzte war sehr indiskret“ flüsterte sie leise zu Enrico.

Der aber lachte:

„ Kein Problem, cara mia, ich bin Anwalt von Beruf, 34 Jahre alt, lebe und arbeite in Bibbilane in der schönen Toskana. Ich bin Single und liebe dieses Festival einfach. Seit ich vor zehn Jahren zum ersten Mal einen Freund begleitet habe, lässt es mich nicht mehr los! Diese Atmosphäre, diese Stimmung, jeder singt und tanzt und man bemerkt das Lebensgefühl, die Freiheit, kann Regen und Meer gänzlich auf der Haut spüren!“

Er sah sie mit Begeisterung in den Augen an, „außerdem lasse ich mir danach bei meinem Lieblingstätowierer in jedem Jahr mein Tattoo erweitern!“

Da sie auf die Straße achten musste, konnte sie ihn nicht mustern. Wo auf diesem heißen Körper sich dieses Tattoo wohl befand? Da sie ihm nicht antwortete, fragte er besorgt nach

„ Ist es, weil ich ein Tattoo habe? Du musst keine Angst vor mir haben! Ich bin ganz zahm“.

Lächelnd sah sie kurz zu ihm….

„ Gut!“ wisperte sie leise und ergänzte „wir sind gleich da.“

Aufatmend stellte sie ihr kleines Auto auf dem Privatparkplatz der Familie McLiam ab.

Doch anstatt auszusteigen, musterte sie Enrico.

Wo er wohl dieses erweiterbare Tattoo versteckte? Sie konnte es auf jeden Fall nicht entdecken.

Er grinste leise in sich hinein. Wie sie ihn eben gemustert hatte…Sie überlegte sich sicher, an welcher Stelle seines Körpers sich dieses Tattoo befand…Ja, da müsste sie sich schon näher an ihn herantrauen, eventuell noch sein Hemd…

Nein, da sollte er lieber nicht darüber nachdenken, denn er bemerkte, wie sich ein Kribbeln in seinen Lenden ausbreitete….der Gedanke war zu köstlich!

Er räusperte sich und bedankte sich herzlich bei Mave.

„Darf ich dich als Dank für deine Hilfe heute Abend in das hoteleigene Restaurant einladen? Ich weiß aus Erfahrung, dass es dort hervorragende Fischspezialitäten gibt.“

Er liebte die geräucherten Lachsfilets ebenso wie den Hummer oder die Fischpasteten, die hier fangfrisch verarbeitet wurden!

Mave wand sich, wusste nicht, was sie antworten sollte. Sie hatte nur ein ausgehtaugliches Outfit mitgebracht und das wollte sie an Adairs großer Geburtstagsfeier tragen. Was nun?

„ Ich habe leider nichts zum Anziehen für dieses vornehme Restaurant“, merkte sie an. Enrico begann zu lachen.

„Oje, das war DER Spruch“, lachte Mave mit ihm, als ihr bewusst wurde, was sie soeben gesagt hatte…..Das war so typisch Frau….

Er sah sie an und meinte dann:

„ Wenn du weißt, wo man hier in der Nähe gutes Essen und guten Wein bekommt, dann gehen wir eben dorthin.“

Sie musste nicht lange überlegen.

„Direkt im Zentrum von Portney gibt es einen Pub, der auch Kleinigkeiten zum Essen anbietet. Da kocht die Mutter des Besitzers und das schmeckt so richtig hausgemacht!“ schwärmte sie Enrico vor.

„Na, dann gehen wir in diesen Pub, wie heißt der nochmal?, wollte Enrico wissen.

Mave grinste und sagte:

„Ich hab es dir noch gar nicht verraten, aber er heißt -The Red Lion- und ist überall bekannt“

„Gut, dann treffen wir uns vor dem Haupteingang um 19 Uhr?“ wollte Enrico wissen.

Nachdem Mave zugesagt hatte, machte sie sich daran, ihren Koffer aus dem Auto zu holen, dabei betrachtete sie Enrico heimlich von der Seite.

Anwalt, hmmm, soso….aber durchtrainiert wie ein Sportler, dachte sie sich.

Sie war ganz in Gedanken versunken und erschrak deshalb, als jemand an ihrem Koffer zerrte. Sie wollte schon anfangen zu schimpfen, da bemerkte sie, dass Enrico in einer Hand seinen Koffer hielt und offensichtlich im Begriff war, ihr ihren Koffer abzunehmen und ließ los.

Schweigend gingen sie nebeneinander in Richtung Haupteingang, als von weitem ein lautes

„Mave- Schätzchen ,da bist du ja endlich“

zu hören war.

Sie sah Feena, eine rundliche Frau Anfang 50, nur 1,52m groß , wallende, rote Haare und das Gesicht voll mit Sommersprossen, auf sich zurennen.

Sie öffnete ihre Arme und Mave ließ sich hineinfallen. Wie Feena duftete…..

Mave war bei ihrer Großmutter aufgewachsen, da ihre Eltern schon früh bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Ihre Granny war leider im vergangenen Jahr mit fast 90 Jahren gestorben und sie vermisste sie unendlich.

Ihren Großvater hatte sie nie kennen gelernt, er war lange vor ihrer Geburt an einem Herzinfarkt verstorben. Sie hatten nur sich gehabt, Granny und Mave…..

Und Feena duftete wie Granny, nach Brot, Kuchen, Fleischpastete, alles auf einmal.

Sie holte noch einmal tief Luft und löste sich dann von ihr.

Da fiel Feena der Mann neben Mave auf. Neugierig betrachtete sie ihn und wollte natürlich sofort wissen, wen sie da wohl mitgebracht hatte. Niemand hatte von einem Freund gesprochen bei den letzten Telefonaten.

„Und wer ist dieser attraktive, junge Mann, liebe Mave? Du hast gar nicht gesagt, dass du in Begleitung kommen wirst!“

Doch Mave beruhigte sie schnell und erzählte, wie es zu ihrer Begegnung und somit der gemeinsamen Fahrt nach Portney gekommen war.

„Sie sind Gast bei uns? Ich dachte auch noch, das Gesicht kommt mir bekannt vor“, erwiderte Feena sogleich.

„Ja, schon seitzehn Jahren bin ich immer während des Festivals in Guleen Gast in ihrem wunderschönen Hotel“,

antwortete Enrico ihr.

„Darf ich mich noch einmal vorstellen? Mein Name ist Enrico Conti . Ich komme aus Italien und freue mich jedes Jahr wieder, hier zu sein.“

„Wie charmant, ein Südländer“, schwärmte Feena auch sofort los. Sie zwinkerte Mave zu

„wäre das nicht ein Flirt wert?“

Bevor Mave antworten konnte, berichtete Enrico auch schon von ihrem Plan, abends in den Pub –The Red Lion- zu gehen.

Feena lachte.

„Ja, da müsst ihr unbedingt das Irish Stew oder den Shepard’s Pie probieren, der ist göttlich!“

Neidlos musste sie anerkennen, dass Moira, ihre Klassenkameradin, diese Gerichte besser kochen konnte als sie. Natürlich gab es im Privaten auch Eintöpfe oder Auflauf, doch in ihrem Hotel war es nicht üblich, Hausmannskost zu servieren. Die Gäste erwarteten edle Fischgerichte und beste Steaks.

Sie zog Mave an der Hand.

„Komm, Adair wartet auch schon auf dich, er konnte dich nur nicht mit mir gemeinsam begrüßen, da ein Gast sich über den Zimmerservice beschwert hat“ Natürlich nahm Adair solche Beschwerden ernst und kümmerte sich dann auch selbst darum.