Der Domschatz - Johann Gottfried Kinkel - E-Book

Der Domschatz E-Book

Johann Gottfried Kinkel

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Beschreibung

Johann Gottfried Kinkels Erzählungen aus der Vergangenheit spiegeln eine tiefe Liebe zur Natur und zu den Menschen wider. Enthalten sind: Der Hauskrieg, Margret, Ein Traum im Spessart, Die Heimatlosen und ein Nachwort, das eine interessante, kurze Biografie des Autors bietet.

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Table of Contents

Titel

Der Hauskrieg

Margret

Ein Traum im Spessart

Die Heimatlosen

Nachwort

Titel

Johann Gottfried Kinkel

 

Der Domschatz

Erzählungen

 

 

 

 

Basel, 2014

[email protected]

Der Hauskrieg

Eine Geschichte vom Niederrhein.

Friede ernährt, Unfriede verzehrt! Das ist ein altes, wahres Wort! aber manche Leute mögen nicht dran glauben.

Am Niederrhein liegt ein kleines Dorf, hübsch und reinlich, und wohnen wohlhäb'ge Leute darinnen, denn Äcker und Wiesen sind ergiebig und das Volk ist fleißig und ordentlich. Der reichste Bauer aber war der alte Andres, dessen Haus und Stallungen zunächst beim Strome liegen, vorn wo der Leinpfad am Dorfe vorbeizieht. Als der zu sterben kam, ging all sein Gut bloß auf zwei Söhne über: der älteste hieß Kaspar, der jüngste Sebulon.

Der Kaspar war von Jugend auf ein gesunder baumstarker Kerl gewesen, der mit fünfzehn Jahren seinen Pflug leitete und seine Sense führte wie ein Alter; und wenn er abends nach Hause kam, verstand er's gleichfalls, in Kartoffeln und Klötze einzuhauen wie der beste Meisterknecht. Der Sebulon aber hatte in seiner Jugend die englische Krankheit gehabt und Lebertran drei Jahre trinken müssen statt Bier. Auch alle andern Kinderkrankheiten machten ihm's Leben sauer. Zwar erkriegte er sich nach dem vierzehnten Jahr, aber krumme Wackelbeine behielt er, und der Barbier hat nie viel von ihm verdient, weil er keinen Bart bekam. Zum Vieh und Ackergerät hatte er kein Gemüt; am liebsten lag er hinterm Ofen, spielte mit Nachbarskindern, die viel jünger waren als er und tüftelte ihnen allerhand Spielzeug zusammen, setzte den Tierchen aus der Arche Noa abgebrochene Köpfe und Beine vom Wachs wieder an und nähte Puppenkleidchen. Der alte Andres sah, daß er im Felde nichts taugte, und gab ihn zu einem Schneider in die Lehre. Er lernte auch sein Handwerk rechtschaffen und kam noch eh' der Vater starb in gute Kundschaft herein. Nur die Mädchen wollten nichts von ihm wissen, auch die nicht, denen er ehemals Puppenhemdchen gemacht hatte; sie spotteten eher über ihn und ärgerten ihn mit dem Spitznamen Meister Scherenbein, den sie ihm wegen seiner kreuzweis gewachsenen Untertanen anhängten. Dadurch verlor er ordentlich den Mut, sich zu verlieben und hing sich desto mehr an seinen Bruder Kaspar. Der aber nahm sich schon früh, wie's gute Sitte ist auf dem Lande, eine Frau und kriegte mit der richtig alle Jahr ein Kind.

Als nun der alte Andres Todes verblichen war, da einigten sich die Brüder ganz leicht und gutwillig wegen der Erbschaft. Der Kaspar übernahm alle Ackergüter, der Sebulon das Haus mit dem großen Gemüsegarten und die Wiesen, die dabei liegen. Seinem Bruder räumte er das Erdgeschoß ein und ging dafür bei der Schwägerin in die Kost. Er selber wohnte im Oberstock; dort hatte er eine große nette Stube, deren Fenster über einen Wiesenfleck nach dem Rhein und der Hauptstraße des Dorfes gingen. Hier saß er auf seinem Tisch und nähte tapfer zu; alles was in der Nachbarschaft geschah, konnte er gut sehen, und mit jedem Schiffer, der unten am Wasser anlegte, sprach er und fragte ihn, was es Neues gäbe zu Mainz oder zu Emmerich. So führte er ein ganz vergnügtes Leben und wurde, ohne daß er's recht merkte, ein alter Junggeselle dabei.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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