Der Einzelkämpfer - W P Beseler - E-Book

Der Einzelkämpfer E-Book

W.P. Beseler

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Beschreibung

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und erzählt vom Leben eines Einzelkämpfers, der in geheimer Mission in den Libanon gereist ist, um seinen besten Freund zu retten. Bewegende Schicksale, außergewöhnliche Ereignisse und mutige Entscheidungen sind der Stoff aus dieser Autobiografie. Nach dem geheimen Eindringen einer israelischen Antiterroreinheit in West-Beirut im April 1973, die sich ›Operation Frühling der Jugend‹ nannte, brodelte es derart im UNO-Sicherheitsrat, so dass Israel ab diesem Zeitpunkt keine geheimen Aktivitäten mehr ausführen durfte. Der Nahost-Konflikt hatte sich durch die Einsätze bereits gefährlich zugespitzt. Bei ihrem letzten Einsatz wurde ein israelischer Elitesoldat namens Levi gefangen genommen. Es war der Sohn des Kommandeurs dieser Einheit. Eine Befreiungsaktion ist der israelischen Regierung von der UNO untersagt worden. Diese Entscheidung konnte ich jedoch nicht akzeptieren und so unternahm ich eine geheime und riskante Befreiungsaktion, zusammen mit der Mossad-Agentin Sarah. Dieser Einsatz geschah auf eigene Faust und ohne jegliche Unterstützung. Für mich, dem Nahkampf-Ausbilder der neu gegründeten Spezialeinheit GSG9, war es eine große Herausforderung, gemeinsam mit der Mossad-Agentin in den Libanon, getarnt als Urlauber, einzureisen. In eigener Verantwortung wollte ich Levi aus den Klauen der PLO-Terroristen befreien und ihn nach Israel zurückbringen. Das war mein erster Einsatz auf Leben und Tod.

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Seitenzahl: 185

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Vorwort

Gewidmet an Esmeralda, die mich inspiriert und

unterstützt hat, meine Autobiografie aus dieser

Zeit niederzuschreiben.

*13.07.1984 15.06.2018✝

In Gedenken an Sarah, die durch diesen Terrorakt

ihr Leben verlor.

Das ist eine der Lebensweisheiten von dem ehemaligen

britischen Staatsmann Winston Churchill und passt

zu dieser wahren Begebenheit.

Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.

Bewegende Schicksale, außergewöhnliche Ereignisse und mutige Entscheidungen sind der Stoff aus dieser Autobiografie.

Von diesem Einsatz der Befreiung eines israelischen Elite-soldaten, -der von PLO- Terroristen hingerichtet werden sollte ist nie an die Weltöffentlichkeit gelangt.

Durch die eigenwilligen und geheimen Operationen der israelischen Anti-Terroreinheit spitzte sich der Nahost-Konflikt gefährlich zu.

Nach dem geheimen Eindringen einer israelischen Anti-Terroreinheit in West- Beirut im April 1973, die sich »Operation Frühling der Jugend« nannte, brodelte es derart im UNO- Sicherheitsrat, so dass Israel ab diesem Zeitpunkt keine geheimen Aktivitäten mehr ausführen durfte.

Bei diesem Einsatz wurde ein israelischer Elitesoldat gefangen genommen. Es war der Sohn des Kommandeurs dieser Einheit. Eine Befreiungsaktion ist der israelischen Regierung von der UNO untersagt worden.

Diese riskante und geheime Befreiungsaktion unternahm ich mit der Mossad-Agentin Sarah – auf eigene Faust.

Für mich, dem Nahkampf-Ausbilder der neu gegründeten Spezialeinheit GSG9, war es eine große Herausforderung, in Geheimhaltung in den Libanon, getarnt als Urlauber einzureisen. In eigener Verantwortung, mit eigener Vorgehensweise und Planung wollte ich Levi aus den Klauen der PLO- Terroristen befreien und ihn nach Israel zurückbringen.

Dies war mein erster Einsatz auf Leben und Tod.

W P Beseler

Der Einzelkämpfer

Band 1

“Die geheime Mission“

Autobiografie in zwei Teilen

Teil 1

Die Befreiung

Es waren noch dreißig Minuten bis zwanzig Uhr. Diese Zeit nutzte ich, um das Umfeld bis zu dem Camp der Terroristen zu überprüfen. Es durften keine unerwünschten Schwierigkeiten bei der Befreiung auftreten und der Rückweg musste Gefahrenlos und frei sein. Alles war bereit.

Bei Einbruch der Dunkelheit verschwand ich aus Sarahs Blickfeld und machte mich auf dem Weg. Nach einem kurzen Marsch sah ich bereits von weitem das Camp der Terroristen und auch das Gefangenenlager war von meinem Standort aus gut sichtbar. Bei der hervorragenden Deckung, die mir durch das umliegende Gebüsch gegeben war, konnte ich das Camp unbemerkt beobachten. Vor dem Eingang des Lagers befand sich, ein Mann mit Vollbart. Er hatte ein Palästinensertuch um seinen Kopf gewickelt und saß bequem auf einem Stuhl im Mundwinkel eine Zigarette. Ein Sturmgewehr war um seine Schulter gebunden. Seine Aufmerksamkeit galt einer Zeitung.

Nach wenigen Minuten öffnete sich die Türe und es traten vier Männer heraus. Kurz unterhielten sie sich mit dem dort sitzenden Wachmann auf Arabisch und gingen danach den Weg entlang, auf welchem ich hierhergekommen war. Bei einer Weggabelung bogen sie rechts ab. Dieser Weg würde sie in die Stadt führen. Ich entschied mich dazu, sie mit Abstand zu verfolgen, um herauszufinden, was ihr Ziel sein würde.

Wie der Mossad-Agent uns schon berichtet hatte, gingen sie zum Beten zur Moschee. Als ich mir dessen sicher war, ging ich schnellstens zurück zu Sarah, um ihr von diesen Ereignissen zu berichten.

Dann war die Zeit gekommen. »Pass auf dich auf und beobachte die Umgebung hier«, sagte ich ihr. Das waren meine letzten Worte, bevor ich in die Dunkelheit verschwand, um die Befreiungsaktion zu starten.

Ich hörte noch, wie sie mir etwas in leisem Tonfall hinterherrief, jedoch war es aufgrund meiner bereits zurückgelegten Distanz nicht mehr zu verstehen. Die Zeit drängte, um 22 Uhr sollten wir mit Levi am Strand sein, um mit einem Fischerboot, das auf uns wartete, den Rückweg zur israelischen Küste anzutreten. Ich hatte also noch etwa zwei Stunden.

Die Information, dass sich nur vier Terroristen im Camp aufhielten, machte die Sache jedoch nicht weniger schwierig. Ich war mir noch nicht sicher, wie ich diese vier ausschalten sollte. Ein Plan war noch nicht vorhanden.

‚Kommt Zeit, kommt Rat‘- ein altes Sprichwort, welches ich mir im Geist aufsagte.

Auf dem Weg zum Camp war meine Überlegung, wie der Wächter vor dem Eingang schnell und geräuschlos unschädlich gemacht werden könnte. Es blieben meine zwei einzigen Waffen zur Auswahl, die für die Befreiung von Levi besonders lautlos sein mussten: das Messer oder die Shuriken, auch ‚Ninja Sterne‘ genannt. Der Stern war meine favorisierte Waffe, da die Zielgenauigkeit präziser war als ein Wurf mit dem Messer. Das war mir bereits im Ausbildungscamp aufgefallen und diese Information war in dieser Situation äußerst hilfreich.

Jedoch war es eine Sache, im Ausbildungscamp damit zu üben und eine ganz andere, auf einen Menschen zu zielen, mit der Absicht, ihn zu töten. Dies sollte das erste Mal für mich werden und ich betete, dass meine Nerven es aushalten würden.

Als nächstes überlegte ich, wie ich vorsichtig und geräuschlos aus der Deckung herauskommen könnte, um mich dem Wächter ein paar Meter zu nähern. Langsam und geduckt machte ich einen Schritt. Und danach den nächsten.

Nach einigen Schritten war die Entfernung und der Winkel zum Wächter perfekt. Ich musste jedoch aus der Dunkelheit heraustreten, um mein Ziel zu treffen. Und so tat ich es. Glücklicherweise war der Überraschungseffekt auf meiner Seite. Als der Terrorist mich erblickte, sah er aus, als hätte er einen Geist gesehen. Irritation und Überraschung standen ihm ins Gesicht geschrieben.

Dieser kurze Moment, die wenigen Sekunden zwischen Verwirrung und Handeln, war für mich ausschlaggebend. Ich musste handeln, und zwar schnell, bevor er sich aus diesem Zustand erholen und die anderen warnen konnte. Ich zückte meinen Stern und warf ihn dem Wächter voller Wucht entgegen. Die harte Arbeit im Ausbildungscamp machte sich bezahlt: Der Stern traf sein Ziel mitten auf der Stirn und fror seinen überraschen Gesichtsausdruck ein, bevor er leblos auf seinem Stuhl zusammensackte.

Nun waren es nur noch drei, die überwältigt werden mussten.

Die Tür war ein wenig geöffnet und so konnte ich etwas lauschen, was darin vor sich ging. Vielleicht hatten die Terroristen meinen Angriff gehört, doch es blieb alles ruhig. Vorsichtig sah ich durch den Türspalt, um mir einen Überblick zu verschaffen. Ich erblickte einen der Wächter. Er hatte mir den Rücken zugewandt und stand an einem Tisch. Ein deutlicher Kaffeeduft stieg mir in die Nase. Er hatte sich wohl frischen Kaffee gemacht und war soeben damit fertig geworden. Es roch sehr gut, stellte ich fest.

Bei meinem vorsichtigen Eintreten in dem Raum hinterließen die morschen Dielenbretter Geräusche. Der Terrorist drehte sich zu mir um und hielt mich für eine Sekunde für seinen – mittlerweile toten – Partner. Diese Sekunde nutzte ich aus. Mit meinem linken Arm umklammerte ich seinen Hals, um ihn zu fixieren. Mit der rechten Hand umfasste ich seinen Kopf und einen kurzen Ruck später lag er leblos am Boden. Soweit, so gut.

Ich schaute mich um. Ein dicker Berbervorhang hing vor einem großen Durchgang, der zu einem anderen Raum führte. Aus diesem Raum drangen Gesprächsfetzen zu mir durch und ich hörte, wie jemand geschlagen wurde. Zu meinem Glück schienen sie zu vertieft in ihre eigenen Angelegenheiten, so dass sie nicht mitbekommen hatten, was in diesem Raum vorgefallen war.

Langsam schob ich den Vorhang ein wenig zur Seite, um in den Raum hineinsehen zu können. Beide Terroristen standen mit dem Rücken gekehrt zu mir. Deren Aufmerksamkeit war auf eine Liege gerichtet, auf die jemand gefesselt war. Levi.

Die Terroristen unterhielten sich sehr angeregt mit ihm, versuchten wahrscheinlich, Informationen aus ihm herauszubekommen. Doch Levi weigerte sich und so schlugen sie ihm jedes Mal, wenn er keine Antwort gab, heftig ins Gesicht. Er sah ziemlich mitgenommen aus. Dieses Prozedere musste er wohl schon sehr lange über sich ergehen lassen. Ich war also im richtigen Augenblick dort erschienen, denn viel länger hätte mein Freund nicht mehr durchgehalten.

Langsam und angespannt ging ich auf sie zu. Dabei hatte ich beide Terroristen im Blick und war voll und ganz auf ihre Bewegungen fokussiert. Levi sah mich zuerst. Überrascht riss er seine Augen auf. Mit seinem Blick verriet er mich zwar, für meine Feinde war es dennoch zu spät. Beide fuhren herum, doch mit wenigen Schritten war der erste Terrorist erreicht. Ich trat ihm mit voller Wucht auf seine linke Wade. Er knickte mit schmerzverzerrtem Gesicht seitlich ein. Um ihn völlig außer Gefecht zu setzen, nutzte ich einen kurzen, aber sehr kräftigen Handkantenschlag auf seinen unteren Hals. Daraufhin brach er zusammen. Ein kurzes Röcheln kam noch von ihm herüber, bevor er schließlich keinen Ton mehr von sich gab.

Mir blieb keine Zeit, um mich zu Levi umzudrehen, denn keine Sekunde später stand der zweite Terrorist vor mir, in seiner rechten Hand ein Kampfmesser. Seine Augen funkelten bedrohlich und er schien sich sehr sicher damit zu sein, mich zu töten. Seine Messerhaltung verriet mir jedoch, dass er kein geübter Kämpfer war und dies machte ich mir zunutze.

Seine unbeholfenen Angriffe waren es, die ich so oft mit meinem Freund in der Sportschule trainiert und perfektioniert hatte. Bei dieser Abwehr gab es für mich keine Schwachstellen, die der Terrorist hätte ausnutzen können.

Dies war meinem Gegner zu dem Zeitpunkt aber noch nicht bewusst, aber Sekunden später fiel auch bei ihm der Groschen. Er änderte seine Taktik, bedrohte mich nun mit dem Messer und versuchte, mit der Klinge in meinen Oberkörper zu stechen. Genau in dieser Sekunde vollführte ich eine seitliche Drehung und kickte ihm gegen sein Handgelenk. Durch die Wucht des Trittes verlor er sein Messer und es fiel zu Boden. Ungläubig starrte der Terrorist auf das Messer und ihm war anzusehen, dass er sich unbewaffnet plötzlich gar nicht mehr wohl fühlte. Er versuchte schließlich zu fliehen, doch diese Chance vereitelte ich sofort. Ich schlug ihm kurz, aber sehr kräftig mit meiner hohlen Hand gegen den Brustkorb, zielgenau gegen seine Herzspitze. Sogleich kippte er um und lag leblos auf dem Boden. Alles war für ihn beendet. Sein Licht war erloschen.

Solch einen Schlag hatte ich vorher noch nie bei einem Menschen ausgeführt. Richtig eingesetzt war die Wirkung dieses Schlages für den Gegner sofort tödlich.

Als die beiden Terroristen tot am Boden lagen, wurde mir bewusst, wie wahnsinnig schnell alles gegangen war. Mein Körper hatte die meisten Bewegungen automatisch ausgeführt, wie eine Maschine, die im Ausbildungscamp dazu abgerichtet worden war. Zurecht, immerhin ging es hier um Leben oder Tod.

Levi konnte nicht fassen, was soeben geschehen war. Er schüttelte nur seinen Kopf und sagte: »Unfassbar, wie schnell du sie ausgeschaltet hast! Mit dir habe ich aber am allerwenigsten gerechnet. Wo ist denn deine Verstärkung? Sind noch weitere Soldaten hier, um dich zu unterstützen?«

Mit wenigen Worten erzählte ich ihm schnell, was alles vorgefallen war und dass ein Mossad-Agent im Auto auf uns warten würde. »Du wirst sie kennen-«

Levi konnte noch immer nicht glauben, was sich da vor seinen Augen abgespielt hatte. Doch er nickte. »Die kleine Sarah«, sagte er leise zu mir.

Schnell befreite ich ihn von seinen Fesseln und sagte, dass die Terroristen ein Stück hinter dem Camp versteckt werden müssten. Wenn die anderen aus der Moschee zurückkommen, sollten sie die Lage nicht sofort überblicken können.

Ich trug die drei Terroristen nacheinander aus dem Gebäude und legte sie neben den Wächter, in dessen Stirn noch immer mein Shuriken steckte. Ich zog ihn heraus und zog die vier Terroristen anschließend hinters Camp. Dort angekommen nahm ich mir den Hosengürtel einer der Terroristen und bedeckte sie anschließend mit allem, was in der Umgebung zu finden war. Auf dem Weg zurück zu Levi, welcher im Raum zurückgeblieben war, kam ich an der Kaffeemaschine vorbei und nahm davon zwei Tassen mit. So ein Kaffeedurst war stets vorhanden und noch dazu roch er auch verdammt gut. Ich trank einen Schluck und stellte fest, dass es ziemlich guter Kaffee war.

»Wie kannst du nur solch eine Ruhe besitzen und jetzt an Kaffee denken!-«, schnaubte Levi undeutlich, als ich den Raum betrat. Sein Gesicht war von den ganzen Verletzungen, die sie ihm zugefügt hatten, angeschwollen. Dadurch konnte ich ihn kaum verstehen.

»Wenn guter Kaffee da ist, trinke ich ihn auch, egal wo. Selbst in der Hölle«, antwortete ich mit einem leichten Grinsen.

Ich stellte die beiden Tassen ab und sah ihn mir genauer an.

Sehr zu meinem Bedauern war es nicht nur bei den Gesichtsverletzungen geblieben. Er hatte einen Durchschuss im Oberschenkel, dessen Wunde sich bereits entzündet hatte und zu eitern begann. Aus diesem Grund hatte ich den Gürtel des Terroristen an mich genommen, denn die Schusswunde war mir bereits direkt am Anfang aufgefallen. Oberhalb vom Schenkel klemmte ich das Bein ab. Danach sah ich ihm ins Gesicht und stellte fest, dass er ein wenig fieberte. Darüber hinaus schien er jedoch nichts weiter Ernstes zu haben, auch wenn sein Gesicht ziemlich schlimm aussah. Zumindest war sein Nasenbein nicht gebrochen, wie ich dank meiner Boxerfahrungen erkannte.

Ich fragte Levi, ob er aufrecht stehen und laufen könne. »Wird schon gehen«, betonte er und ich glaubte ihm. Wir tranken schnell unseren Kaffee und verließen anschließend das Camp.

Nach einer Weile erkannte ich jedoch, dass er nicht mehr eigenständig laufen konnte. Um ihn zu entlasten und zu stützen legte ich seinen Arm um meine Schulter. Gemeinsam gingen wir in einem leichten Bogen um den Hauptweg herum, in Richtung unseres abgestellten Autos, in dem Sarah warten würde.

»Es ist nicht mehr allzu weit bis dorthin«, munterte ich Levi auf. Er benötigte dringend eine Ladung Optimismus, um nicht auf der Stelle zusammenzuklappen. Doch auf halber Strecke hörten wir plötzlich laute Stimmen. Sofort gingen wir in Deckung und lauschten. Laut dem Zeitplan des Mossad-Agenten war es eigentlich noch zu früh. Aber wann lief schon einmal etwas nach Plan? Die vier Terroristen kamen früher als geplant aus der Moschee zurück.

Levi und ich verharrten einige Zeit in unserer sicheren Deckung, bis wir sicher waren, außer Hörreichweite zu sein. Ich hob meinen Freund über die Schulter, damit wir schneller vorankamen und wenige Minuten später erreichten wir das Auto. Ich sah hinein, aber Sarah war nicht zu sehen. ‚Wo mag sie wohl sein?‘, ging es mir durch den Kopf. Ich hievte Levi hinein, damit er sich etwas ausruhen konnte. Er sah mich an und sagte: »Such sie-«

Dies ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich gab ihm mein Messer, damit er sich im Notfall verteidigen konnte und ging anschließend auf die Suche.

Nicht weit entfernt, höchstens einige Meter, fand ich eine Armbanduhr auf dem Boden. Sofort erkannte ich sie. Es war Sarahs Uhr. Und es kam noch schlimmer: Es waren eindeutig Spuren eines Kampfes sichtbar. Plötzlich dränge sich ein grauenhafter Verdacht auf: Die lauten Stimmen vorhin - die Terroristen hatten das Auto und Sarah entdeckt, sie überwältigt und verschleppt.

Sofort eilte ich zurück zu Levi und erzählte ihm von meiner Entdeckung. Erst als ich damit fertig war, bemerkte ich, dass sich sein Zustand verschlimmert hatte. Er hatte sich auf den Rücksitz geschleppt und dort hingelegt.

In meinem Kopf raste es. Was sollte ich tun? Mein Blick wanderte hastig zu meiner Uhr. Mir blieben noch fünfundvierzig Minuten, um zum Fischerboot zu gelangen. Dort würde der Mossad-Agent auf uns warten, um uns zur Küste Israels zu bringen.

»Verdammt, was soll ich machen?-«, fluchte ich laut. Levi redete mit schwacher Stimme auf mich ein. »Sie hatten sich darüber unterhalten, dass es noch ein Camp in der Nähe von Srifa gäbe und sie heute Abend dorthin gebracht werden sollten. Das Haus dort soll wohl größer und „geeigneter“ sein.« Er machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr. »Sie hatten anscheinend noch allerhand mit mir vor, zumindest war von einer Filmkamera die Rede und so wie ich es verstanden habe, sollte ich vor laufenden Kamera hingerichtet werden-« Beim letzten Satz merkte ich, dass Levi einen Kloß im Hals hatte und mir ging es nicht anders.

»Da bin ich aber froh, dass ich rechtzeitig hier hergekommen bin und dich befreien konnte. Die Terroristen werden Sarah dann bestimmt auch zu diesem Haus bringen, um mit ihr das zu tun, was sie mit dir vorhatten.« Allein der Gedanke daran jagte mir einen gewaltigen Schauer über den Rücken.

Ich war hin und hergerissen, was ich tun sollte. Sarah ihrem Schicksal überlassen und mit Levi fliehen? Nein, das konnte ich nicht. Nach kurzer Überlegung stand mein Entschluss also fest. Wenn ich mich beeilen würde, könnte ich Sarah vielleicht noch retten. Aber zuerst musste ich Levi in Sicherheit wissen und dafür blieb mir nicht mehr viel Zeit. Ich breitete meine Straßenkarte aus und richtete meinen Blick darauf. Ich musste die kürzeste und gleichzeitig schnellste Strecke zum Naqoura-Strand nehmen und prägte mir den Straßenverlauf ein.

Vierzig Minuten betrug die Fahrzeit und Levi hatte währenddessen keinen Ton von sich gegeben. Am Strand angekommen sah ich, dass ein Fischerboot dort geankert hatte. Da es sehr finster war, musste ich mich erst vergewissern, ob das auch tatsächlich unser Mann war. Bevor ich aus dem Auto stieg, blickte ich zu Levi, welcher noch immer auf der Rückbank lag. Er öffnete seine Augen und ich fragte ihn, wie es ihm gehe. Er murmelte nur: »Geht so. «

Diese Antwort reichte mir. Ich stieg aus und machte mich auf dem Weg zum Fischerboot. Die Entfernung betrug rund hundert Meter, Levi würde es also schaffen. Ein kleines Schlauchboot mit einem Mann besetzt ruderte zu dem Strand, dabei rief er zu mir herüber: »Ich habe dich schon mit dem Nachtglas gesehen und erwartet.«

Erleichtert sagte ich ihm, dass ich Levi aus dem Auto holen müsse und er kurz warten solle. Der Mann gab sein Okay und so rannte ich zum Auto zurück, um meinen Freund zu holen. Ihn stützend liefen wir zurück zum Schlauchboot und ich half Levi, ins Boot zu steigen.

Der angebliche Fischer, der ein Agent vom Mossad war, sah sich Levis Schusswunde genauer an. »Es wird schon alles wieder gut werden mit ihm«, sagte er. Später wollte er sein Bein behandeln. Seine Frage war aber noch, wo Sarah sei und ich erzählte ihm, dass sie von den Terroristen überrascht worden sei und verschleppt wurde.

»Ich muss also so schnell wie möglich wieder zu diesem Camp zurück. Vielleicht sind sie ja noch dort und ich kann sie retten. Hast du eine Landkarte vom Libanon und eine Schusswaffe für mich?«, fragte ich den Agenten.

Ohne eine Antwort zu verlieren brachte er meinen Freund ins Unterdeck, doch nach kurzer Zeit kam er wieder zurück. Er gab mir eine Walther PP Super mit zehn Magazinen und eine große detaillierte Karte vom Libanon. Außerdem nannte er mir eine Adresse von einem Mossad-Agenten aus Sidon. Wenn ich irgendetwas bräuchte, solle ich ihn aufsuchen, meinte der vermeintliche Fischer. »Ich muss mich jetzt sehr beeilen, denn die Küstenwache der Libanesen wird in fünfundvierzig Minuten wieder hier aufkreuzen und die Küste Richtung Israel absuchen Dann muss ich wieder in israelischem Gewässer sein.«

Schließlich übermittelte ich ihm meinen Dank, bevor ich zurück zum Auto rannte, bereit, Sarah aus den Klauen der Terroristen zu befreien.

Während der Fahrt zu dem Camp gingen meine Gedanken unwillkürlich zu dem Zeitpunkt zurück, an dem alles angefangen hatte. Ich dachte darüber nach, welche Entscheidungen und Erlebnisse schließlich zu dem Punkt geführt hatten, an dem ich nun war ...

Auf einmal war alles anders!

Nach dem Abschluss meiner Berufsausbildung wurde ich zum Grundwehrdienst in die Bundeswehr einberufen. Ich hatte eigentlich, wie viele andere auch, ganz andere Pläne. Doch wie so oft kam alles ganz anders und den Verlauf meiner Zukunft hätte ich mir selbst in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Die Grundausbildung während des Wehrdienstes fiel mir konditionell gesehen sehr leicht, da ich früh mit dem Boxsport begonnen hatte. Als Kind war ich sehr schwächlich und wurde oft gehänselt, bis ins Jugendalter hinein. Schließlich sprach mich ein Freund an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, in seinem Boxverein mitzumachen. Dadurch würden sich ein paar Muskeln aufbauen und es würde mein Selbstvertrauen steigern, so dass ich bei zukünftigen Prügelleien nicht mehr weglaufen müsste

Ich dachte darüber nach, doch nach einiger Zeit befolgte ich seinen Rat und wurde in den folgenden Jahren zu einem sehr guten Boxer. Das Ergebnis waren viele erfolgreiche Kämpfe und sogar gewonnene Meisterschaften. Dementsprechend war ich gut durchtrainiert und konnte die sportlichen Anforderungen der Grundausbildung mit Leichtigkeit bewältigen.

Der „Spieß“ unserer Kompanie war ebenfalls ein ehemaliger Boxer und wenn Sport angesagt war, hatte er jeden einzelnen dazu aufgefordert, mit ihm zu boxen, um seine Fähigkeiten demonstrieren zu können. Als ich eines Morgens an der Reihe war, sollte er jedoch eine Überraschung erleben. Denn unser Kompaniefeldwebel hatte keinerlei Kenntnis darüber, dass ich nicht nur im Boxen bewandert war, sondern auch in der Bundesliga boxte. Ihm fiel lediglich mein durchtrainierter Körper auf, woraufhin er meinte, dass ich wohl härtere Schläge einstecken könnte. Und mit diesen Worten hatte er den Kampf begonnen, der felsenfesten Überzeugung, mich besiegen zu können. Jedoch hatte er sich gehörig verkalkuliert. Ich wich seinen Angriffen gekonnt aus, entweder nach hinten oder zur Seite. Somit schlug er lediglich in die Luft, was dazu führte, dass ihm bereits nach kurzer Zeit die Puste ausging. Ich konnte ihm ansehen, dass er nicht verstand, warum ich ihm jedes Mal ausweichen konnte. Als er sich wieder gefangen hatte, sagte ich ihm, dass ich nun in die Offensive gehen würde. Schlag um Schlag traf ich ihn, wie aus dem Lehrbuch. Meine Schläge waren für ihn unvorhersehbar, so dass er nicht ausweichen konnte. Schließlich beendete ich den Kampf mit einem Treffer auf seine Nase. Erst danach schaute er mich genauer an und ihm wurde bewusst, wer ich war: Der jüngste Bundesliga-Boxer aus dem guten, alten Kohlenpott. Nun verstand er auch, weshalb ich ihm so überlegen war.

Nach dieser Kampfeinlage gab er mir den Rat, nach Abschluss der Grundausbildung in die Bundeswehrsportschule nach Sonthofen zu wechseln. Er war ganz begeistert von mir und meinte, dort würden meine Fähigkeiten besonders gefördert werden können. Ich beherzigte seinen Rat und meldete mich bei der Sportschule an, die mich daraufhin nach Süddeutschland versetzte. Außerdem hatte ich mich dazu entschieden, Z4 - Zeitsoldat auf vier Jahre - zu werden. Die Voraussetzungen dafür brachte ich auf jeden Fall mit.

Für mich stellte diese Entscheidung einen wichtigen Schritt dar, da ich mich dadurch der Bundeswehr verpflichtet hatte und sehr viel Zeit mit Sport verbringen würde. Und damit war ich nicht allein: Es gab dort viele Sportler, die sehr erfolgreich im deutschen Spitzensport waren. Mir wurde schnell bewusst, dass ich von den verschiedenen Kampfsportarten, die in der Sportschule ausgeführt wurden, noch sehr viel dazulernen könnte.

Nach einiger Zeit lernte ich einen Judoka-Meister kennen, der eine sehr erfolgreiche Laufbahn vorweisen konnte. Er hatte bereits viele nationale und internationale Auszeichnungen gewonnen. Wir wurden Freunde und gemeinsam trainierten und kämpften wir gegeneinander, wann immer wir konnten.