Der Engelsdrache - Noah Calhoun - E-Book

Der Engelsdrache E-Book

Noah Calhoun

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Beschreibung

Es war einmal ein ehemaliger Fußballprofi, der Nicklas hieß, der aufgrund einer schweren Knieverletzung in jungen Jahren seine Fußballkarriere beenden musste und entschied als Flugbegleiter die Welt zu bereisen. Auf einem seiner spannenden Reisen verliebte Nicklas sich in einer seiner Kolleginnen, was in ihm ein emotionales Feuerwerk auslöste. Fühlte seine Kollegin genauso wie er? Waren sie emotional auf einer Wellenlänge? Wusste Nicklas mit seinen Gefühlen umzugehen? War ihm klar, dass Menschen die Liebe unterschiedlich lebten? Nicklas Wunsch war es nach Jahren des Misserfolgs bei sich und im Leben anzukommen. Vieles im Vorfeld war nicht für ihn bestimmt. In Sachen Liebe sollte es unbedingt anders werden. War die Kollegin, die "Eine" die ihn komplettieren würde? Würde sein Herz nun endlich das langersehnte zu Hause finden? Eine emotionale Reise voller Abenteuer und tiefen Erkenntnissen, wo sich zeigen wird, ob Traum und Wirklichkeit eins werden.

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Seitenzahl: 314

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Zu diesem Buch

Es war einmal ein ehemaliger Fußballprofi, der Nicklas hieß, der aufgrund einer schweren Knieverletzung in jungen Jahren seine Fußballkarriere beenden musste und entschied als Flugbegleiter die Welt zu bereisen.

Auf einem seiner spannenden Reisen verliebte Nicklas sich in einer seiner Kolleginnen, was in ihm ein emotionales Feuerwerk auslöste. Fühlte seine Kollegin genauso wie er? Waren sie emotional auf einer Wellenlänge? Wusste Nicklas mit seinen Gefühlen umzugehen? War ihm klar, dass Menschen Liebe unterschiedlich lebten? Nicklas Wunsch war es im Leben endlich anzukommen. Vieles im Vorfeld war nicht für ihn bestimmt. In Sachen Liebe sollte es unbedingt anders werden. War die Kollegin, die „Eine“ die ihn komplettieren würde? Würde sein Herz nun endlich das langersehnte zu Hause finden?

Eine emotionale Reise voller Abenteuer und tiefen Erkenntnissen, wo sich zeigen wird, ob Traum und Wirklichkeit eins werden.

Noah Calhoun, geboren 1971, arbeitet als Flugbegleiter und beschäftigt sich darüber hinaus mit den wichtigen Fragen des Lebens, um diese sich und seinen Lesern zu beantworten. Das Buch „Der Engelsdrache“ ist sein Erstlingswerk. Er lebt in Moers

Jede Begegnung die unsere Seele berührt, hinterlässt eine Spur, die nie ganz verweht.

Lac-Lilian Boden

Gewidmet all jenen,

die Nicklas inspiriert haben.

Philosophische Gedanken zur Liebe

Liebe tilgt jeden Eigennutz. (Voltaire)

Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann. (Mahatma Gandhi)

Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen. (Albert Schweitzer)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1981

Jahre später - 2005

Gedanken

Nicklas auf der Suche nach dem Sinn

Juni 2005

Flug PA 446 nach Denver

Los Angeles

Der Tag danach

Reflexion

Das erste Treffen nach ihrem gemeinsamen Denver

Die Neugier der Eltern

Nicks Urlaubszeit

Julia und Nicklas reisen nach Mexiko

Die Sonnenpyramide Teotihuacan

Aufstieg auf die Pyramide

Julias Sprachurlaubstage in Mexiko

Julias Besuch in Moers

Julia zurück in Wiesbaden

Julias Auszug

Alltag

Die Ankündigung

Nicklas hat Geburtstag

Stonehenge

Vorbereitungen für die Rückkehr nach Hessen

Der Umzug

Nicklas erste Eindrücke in seiner neuen Umgebung

Die Rückkehr des Alltags auch in Frankfurt

Treffen mit Nicks Flieger Freunden

Die Hölle über Nick

Das 1 x 1 der Paartherapie

Nicklas 2. Bewährungsprobe

Drei Monate später

Eine neue Hoffnung

Die Chance

Der Moment des Innehaltens

Sonntag, zweiter Seminar Tag

In der Wohnung

Die Zeit nach Nicklas persönlichem Alptraum

Die große Aussprache

Nicklas in Moers

Nachwort

Vorwort

Liebe ist das beste Gefühl, das es gibt. Sie erwischt uns mit Haut und Haar, reißt uns mit, benebelt unseren Kopf und wirbelt unser Leben gehörig durcheinander. Wenn sie erwidert wird, macht sie uns glücklicher als kaum etwas anderes auf der Welt.

Liebe ist, wenn man den anderen so akzeptiert, wie er ist.

Liebe ist, wenn man dafür sorgt, dass es dem anderen gut geht.

Liebe ist, wenn man dem Partner zuliebe ab und zu auf eigene Wünsche verzichtet.

Liebe ist, wenn man in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhält.

Liebe ist, wenn man sich mehr auf die positiven Seiten des Partners konzentriert, als auch auf die negativen und Störsender – so wie am Anfang der Beziehung.

Liebe ist das, was man daraus macht.

Liebe ist ein wichtiger Bestandteil eines erfüllten Lebens, denn

Glauben ohne Liebe macht fanatisch,

Ordnung ohne Liebe macht kleinlich,

Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart,

ein Leben ohne Liebe macht krank.

www.partnerschaft-beziehung.de

Liebe bedeutet nach dem Duden „ein starkes inniges Gefühl der Zuneigung, des Hingezogenseins“.

Ein sozialpsychologischer Ansatz würde Liebe so beschreiben:

„Liebe ist die Einstellung, die eine affektive (Zuneigung, Zärtlichkeitsgefühle, Leidenschaft, Freude in Bezug auf die geliebte Person) und Verhaltenskomponente

(Annäherung an und Umarmung der geliebten Person) aufweist.

Ein jeder Mensch strebt in seinem Leben danach Liebe, Freude, Glück und Harmonie zu finden. Dabei ist die Liebe eines der grundlegendsten Bedürfnisse des Menschen.

Das ist der innere Antrieb, der uns Menschen einen Sinn verleiht, eine treibende Kraft, die tief in der Seele eines jeden verankert ist.

Auf der Suche nach diesen Attributen gehen wir die unterschiedlichsten Wege. Für einige steht die Gesundheit an höchster Stelle, andere sehen den Sinn des Lebens in einer glücklichen Beziehung, darin eine Familie zu gründen, in der das Wohlergehen der Partner und Kinder das eigene Leben beflügelt. Wiederum andere sehen das höchste zu erreichende Glück in dem Verdienen von sehr viel Geld, welches inneren Frieden und Gelassenheit mit sich herbringen soll. Dabei gehen Menschen in ihrem Beruf oder ihrer Berufung auf und lieben das was sie schaffen.

Menschen haben also sehr unterschiedliche Bestrebungen von dem, was sie glücklich macht und was sie lieben.

In meinem Buch geht es um partnerschaftliche Liebe und ihre Facetten.

Romantische Liebe stellt eine der tiefsten emotionalen Erfahrungen dar. Bleibt für die Verliebten oft schwer zu erklären. Sie wirkt nicht rational.

In Forschung und Lehre erfolgt eine grundsätzliche Unterscheidung in eine evolutionspsychologischen und einer kulturellen Perspektive. Evolutionäre Anpassungen sind im Verhalten bei der Partnerwahl und während der Partnerschaft gekennzeichnet. Diese sind für Männer und Frauen teilweise ähnlich, aber können auch sehr unterschiedlich sein.

Eins jedenfalls haben Männer und Frauen gleichermaßen als Bedürfnis, sie suchen zum Beispiel nach verständnisvollen, vertrauenswürdigen und hilfsbereiten Partnerinnen beziehungsweise Partnern.

„Männer orientieren sich bei der Partnerwahl eher an physischer Attraktivität und Jugendlichkeit, Frauen eher am sozialen Status.“

Während Frauen bei der Begegnung mit hoch attraktiven Rivalinnen besonders eifersüchtig reagieren, sind es bei den Männern die Konfrontation mit dominanten, mächtigen Rivalen, die ihr Gemüt hoch kochen lassen.

Über verschiedene Kulturen, Bevölkerungsschichten und historischen Epochen hinweg, lassen sich unterschiedliche Modelle der Liebe feststellen. In westlichen Ländern trat eine zunehmende Betonung romantischer Zuneigung, eines romantisierten Ideals in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Voraussetzung für die Bildung einer Partnerschaft auf.

Die romantische Liebe entwickelte sich zu einem Hauptkriterium für die Auswahl einer Partnerin oder eines Partners.

In den letzten drei Jahrzehnten fand ein großer Umbruch im Verständnis von Ehe und Familie statt. Dies fußte aus der Verminderung der normativen Verbindlichkeit der klassischen Familienstruktur (Mutter/Vater/Kind-er). Dieses Bild galt als „Normalfamilie“ der Nachkriegsjahrzehnte. Als ein verbindliches Leitbild der Familie.

Dieses Leitbild wurde über die Jahre mehr und mehr in Frage gestellt. Ein Indikator dafür waren die steigenden Scheidungsraten und der Geburtenrückgang.

Durch den kulturellen Wandel veränderte sich auch die Verwirklichung von Partnerschaft. Anstelle von lebenslangen Ehen, die im jungen Erwachsenenalter geschlossen wurden, sind mehr und mehr „Patchworkbiographien“ getreten, welches von größerer Komplexität, nur noch vorläufigen Bindungen und später Eheschließung geprägt sind und somit das Leitbild der Normalfamilie der 1950er/1960er Jahre unterwandert und verdrängt haben.

Viel deutlicher lassen sich heute die unterschiedlichsten Muster der Liebe und damit verbundenen Liebesstile differenzieren.

Determinanten für die Liebesstile lassen sich an den Einstellungen zum Partner oder zur Partnerin, die wiederum durch persönliche Vorstellungen und kulturellen Vorgaben festmachen.

Insgesamt lassen sich sechs verschiedene Formen der Liebe unterscheiden, die in einer gegebenen Partnerschaft relativ stabil, über mehrere Jahre, ausgeprägt sind.

Romantische Liebe beinhaltet die folgenden typische Merkmale: Die Partner fühlen sich körperlich angezogen, erleben Liebe auf den ersten Blick, sind physiologisch erregt und entwickeln schnell die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen. Sich ineinander hineinzuversetzen und für sich persönlich jeweils emotionalen Gewinn zu ziehen. Diese Partner erleben sich auf gleicher sexueller Wellenlänge.

Spielerische Liebe beruht auf der Idee von sexueller Freiheit. Die Verwirklichung von sexuellen Wünschen im Hier und Jetzt, ist das zu verwirklichende Ziel dieses Liebesstils. Täuschung, Manipulation und Versteckspiel gehören dazu. Diese Form der Liebe ist nicht auf Bindung ausgerichtet. Die Anbahnung zusätzlicher Beziehungen neben der mit einem festen Partner(in) geht damit einher.

Freundschaftliche Liebe entsteht durch lange Bekanntschaft oder Freundschaft. Gemeinsame Interessen und Aktivitäten stehen im Mittelpunkt der Beziehung. Anziehung sexueller Natur, entwickeln sich über die Zeit. Im Verhalten dominiert emotionale Gelassenheit. Toleranz und Respekt kennzeichnen eine solche Liebe.

Besitzergreifende Liebe ist eine höchst emotionale Liebe – sehr unterschiedlich zu der freundschaftlichen Liebe.

Die geliebte Person erscheint als einmalig und unersetzbar, strahlt Vollkommenheit aus.

Charakteristisch für diese Form der Liebe ist Eifersucht, die mit einer ängstlich-ambivalenten Bindung zusammenhängt. Im Hintergrund schwelt immer die Angst verlassen zu werden.

Pragmatische Liebe beschreibt die nutzenorientierte Liebesform. Dementsprechend ist das emotionale Niveau niedrig und das bewusste Abwägen von Vor- und Nachteilen hoch ausgeprägt. Hier wird von einer analytischen/rationalen Vorgehensweise gesprochen.

Der ideale Partner erscheint als solide und talentiert.

Der Fokus liegt auf der Abwägung - was bringt mir eine solche Liebesbeziehung mit diesem Partner beziehungsweise Partnerin ein.

Die altruistische Liebe zeichnet aus, dass das Wohl der geliebten Person im Vordergrund der Aufmerksamkeit steht. Eigene Bedürfnisse stehen dabei hinten an. Die Frage der Liebe wird mit Opferbereitschaft für den Partner beantwortet. Gelegentlich kann auch eine Kluft zwischen Einstellung und Verhalten auftreten, vor allem dann, wenn die Opferbereitschaft mehr ein Lippenbekenntnis als eine handlungsleitende Einstellung ist.

Menschen entscheiden sich nicht unbedingt für einen bestimmten Liebesstil und gegen die anderen. Vielmehr können Menschen mehrere Liebesstile gleichzeitig leben.

So lässt sich zum Beispiel ein positiver Zusammenhang zwischen romantischer und altruistischer Liebe ableiten.

Wer romantisch orientiert ist, tendiert auch eher zur altruistischen Liebe.

Die Akzeptanz bei Liebenden für die vorgenannten Liebesstile fällt deutlich unterschiedlich aus:

Die romantische Liebe erfreut sich dabei der höchsten Zustimmung. Eine durchschnittliche Zustimmung wurde für die freundschaftliche, besitzergreifende und altruistischer Liebe festgestellt.

Wenig Akzeptanz zeigte sich dagegen bei der spielerischen und pragmatischen Liebe.

www.forschung-und-lehre.de

Wie hängt Liebe mit der Persönlichkeit zusammen?

Neuere Forschung hat gezeigt, dass der Narzissmus für die Beantwortung dieser Frage eine Schlüsselrolle spielt.

Übertriebene Selbstliebe kombiniert mit einer ausgeprägten Anspruchshaltung versteht man im Allgemeinen unter Narzissmus. Dazu kommen Merkmale wie ein Gefühl der Überlegenheit und der Bereitschaft, Führung zu übernehmen. Narzissmus passt zu einem aufwendigen Lebensstil, der sich unter dem Motto „mehr Schein als Sein“ zusammenfassen lässt.

Empirische Ergebnisse aus den 1990er Jahren legen die Schlussfolgerung nahe, dass das Niveau des Narzissmus in westlichen Gesellschaften angestiegen ist.

Der Aufstieg des narzisstischen Lebensstiles wurde durch die sozialen Medien gefördert. Die Selbstdarstellung der Nutzer spielt immer mehr eine wichtige Rolle und wird auf diversen Plattformen gefördert.

Narzissmus steigert den Wunsch, soziale Vergleiche mit anderen Nutzern durchzuführen.

Dabei gibt es unterschiedliche Dimensionen und Ausprägungen:

Grandiose Narzissten: Sie charakterisieren sich durch ein anmaßendes Selbstbildnis, der Neigung sich selbst zur Schau zu stellen, dem Streben nach Bewunderung von anderen und hohes Selbstwertgefühl. Sie sind besonders bei dem Liebesstil der spielerischen Liebe zu finden.

Vulnerable Narzissten: Sie berichten gerne über die Fantasien der eigenen Großartigkeit. Schwanken aber zwischen den Gefühlen der Über- und Unterlegenheit und haben darüber hinaus ein schwaches

Selbstwertgefühl. In der empirischen Betrachtung findet man diese Art von Narzissten in den unterschiedlichsten Liebesstilen. Insgesamt lässt sich bemerken, dass der vulnerable Narzissmus sowohl mit positiven – beziehungsförderlichen, als auch mit störsendenden Liebesstilen zusammenhängt.

Denn romantische Liebe korreliert positiv mit der Partnerschaftszufriedenheit, während der Zusammenhang für spielerische Liebe sich negativ auswirkt.

Es ist nicht immer leicht, sich selbst einzuordnen. Aber eine Visualisierung kann dabei helfen sich zu finden.

Paare, die langfristig es schaffen glücklich miteinander zu sein, haben sich entschieden den gemeinsamen Weg zu gehen, egal was kommt und was ihnen dabei im Weg stehen mag.

Für eine langfristige, glückliche Partnerschaft beziehungsweise Liebesbeziehung muss jeder der Partner den Standard an sich selbst erhöhen und nicht den an den Partner. Was uns dabei im Wege stehen könnte, ist der Narzissmus.

Jedenfalls Paare, die eine dauerhafte Liebesbeziehung leben und Jahrzehnte miteinander glücklich sind, stellen sich gegenseitig an die erste Stelle.

„Nichts macht mich glücklicher als ihn oder sie glücklich zu machen.“ Wenn ein Paar so liebevoll miteinander umgeht, steigert dies das WIR Gefühl – über ständiges Geben und Nehmen. Darüber wird die Liebe stetig wachsen, sich vergrößern und vertiefen.

Fragen Sie sich jetzt: <<Wo stehe ich?>> ist das gut und gewünscht. Eine Reflexion kann sich unterstützend auf die Erhöhung des eigenen Standards auswirken.

Alles Liebe, Ihr Noah Calhoun

1981

Julia war 7 Jahre alt. Hatte zwei jüngere Geschwister, eine Schwester und einen Bruder. Sie lebte mit ihren Eltern und Geschwistern in einem kleinen Dorf am Niederrhein. Nach außen eine Bilderbuchfamilie mit christlichen Werten und in ihrer Gemeinde sehr angesehen. Aber hinter der Fassade zeichnete sich ein völlig anderes Bild ab. Gewalt zwischen ihren Eltern stand auf der Tagesordnung. Ständig bekämpften sich ihre Eltern, prügelten sich teilweise, bis Blut floss.

Mittendrin Julias Geschwister und sie selbst. Manchmal versuchte sie sich dazwischen zu schieben und zu schlichten, oder sich einfach schützend vor ihre Geschwister zu stellen, aber das machte auch sie zu einem Angriffsziel. Oft wurde sie selbst geschlagen, psychisch terrorisiert und misshandelt. Besonders ihr Vater wollte sie brechen und gefügig machen, nicht sexuell, aber zumindest sollte sie sich seinem Willen unterwerfen. Aber Julia war eine starke Persönlichkeit, eine Kämpferin, eine Rebellin, ein Mädchen, welches sich dagegen auflehnte.

Diese Situation änderte sich in den folgenden Jahren nicht, sie war gefangen, gedeckelt von den eigenen Verwandten die die Situation zu Hause kannten, aber nichts unternahmen, um Julia und ihre Geschwister aus der Schusslinie zu nehmen. Auch das Dorf schaute weg, war doch ihre Familie so vorbildlich in der Außenwirkung.

Julia fühlte sich in der Hölle, niemanden konnte sie sich wirklich anvertrauen, nur ihre Oma bemühte sich zeitweise um Schadensbegrenzung, was aber nur selten gelang. Oma selbst war der Situation nicht gewachsen und wusste nicht, wie sie gegen ihren eigenen Sohn und seinem aggressiven Verhalten vorgehen sollte.

Julia litt, fraß vieles in sich hinein. Fing an ihre Eltern zu hassen und verlor viel Vertrauen in Menschen, verlor das Vertrauen in die Liebe. Sie baute einen Schutzpanzer um sich herum und ließ niemanden, absolut niemanden mehr an sich heran. Emotionale Versuche der Nähe machten sie aggressiv und abweisend. Innerlich schrie das kleine Kind in ihr nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Zärtlichkeit, aber nach außen erschien ihr Herz erkaltet.

Jahr für Jahr verging, ohne dass sich die Situation änderte.

Julia wollte nur raus, weg von ihren Eltern. Weg von ihren Verwandten, weg von ihrem scheinheiligen Dorf, welches Schutzbefohlenen über so viele Jahre dem Fegefeuer der Hölle ausgesetzt ließ.

Als sie ihr sechzehntes Lebensjahr erreichte, war es endlich so weit, sie fand einen Ausbildungsplatz, der es ihr erlaubte von zu Hause auszuziehen. Mehr als 100 Kilometer von zu Hause entfernt, in Köln, fand sie einen Platz und ein kleines Zimmer im Studentenwohnheim, der sie vor den Übergriffen ihrer Eltern schützen und ihr Frieden bringen würde. Sie war überglücklich als sie das <<Okay>> zum Gehen von ihren Eltern bekam.

Eine große Befreiung und zugleich fühlte sie sich auf einmal sehr schlecht, musste sie dafür ihre Geschwister dem Schicksal und ihren Eltern ausgesetzt lassen, ohne dass sie sich weiterhin als große Schwester schützend vor sie stellen konnte.

War das zu egoistisch von ihr? Sie war hin- und hergerissen. Kann sie das verantworten? Sie fühlte sich in der Pflicht und trotzdem wollte sie selbst dem Ganzen entfliehen. So entschloss sie sich trotz des ungeheuren schlechten Gewissen, ihre Ausbildung in Köln anzutreten.

Es kam zu Hause zum Abschied. Nie würde sie den hilferufenden, ängstlichen und mit tränenangereicherten Blicken ihres Bruders und ihrer Schwester vergessen. Sie fühlte sich mies und zugleich glücklich, selbst ihrer Hölle entkommen zu sein.

Jahre später - 2005

Zeilen an eine Geliebte, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Nicklas leben getreten war:

<<Mein geliebter Engel!

Im Laufe der Zeit treten viele Menschen in dein Lebennur wenige hinterlassen Spuren in deinem Herzen.

Ich möchte mehr als nur eine Spur hinterlassen… Ich möchte dein Herz mit meiner Liebe wärmen, dich trösten und tragen, wenn es dir schlecht geht, dir Beistehen, wenn du mich brauchst, mit dir lachen und freuen, wenn es die verschiedenen Anlässe es zulassen! Für immer möchte ich an deiner Seite sein und in deinem Herzen wohnen.

In tiefer Liebe, dein Verzauberer>>

In einer kleinen, sehr alten Kapelle am Rande von Moers, aus dem 15. Jahrhundert, Nicklas kniend, die Hände gefaltet, traurig, um Hilfe suchend, flüstert er nach einem Gebet sein Anliegen an Gott:

<<Lieber Gott!

Ich bin traurig, weil ich keine Frau finde, die meine Gefühle und Empfindungen erwidert. Gibt es denn keine Frau für mich?

Ich möchte gerne mit und bei einer großartigen Frau ankommen. Kannst du bitte eine tolle Partnerin schicken - ihre Seele für mich berühren und sie auf mich aufmerksam machen? Du würdest mich sehr glücklich machen.

Öffne dieser Frau ihr Herz für mich.

Öffne ihr die Augen für eine tiefe Verbundenheit, für tiefe Gefühle, für ein immer loderndes Feuer. Verbinde unsere Seelen miteinander.

Hilf uns ein Paar zu werden. Miteinander glücklich zu werden, um ein Leben lang bis zum Tod zueinander zu stehen und füreinander da zu sein.

Ich danke dir, dass ich mich mit meinen Bitten, Wünschen und Sorgen an dich wenden darf.

In Liebe, dein Sohn Nicklas.

Amen.>>

Gedanken

Unsere größte Schwäche ist das Aufgeben.

Der sicherste Weg zum Erfolg besteht darin, immer wieder einen neuen Versuch zu wagen und an sich zu arbeiten.

Nicklas auf der Suche nach dem Sinn

Über ein Jahr war Nicklas mittlerweile von seiner Frau und seiner süßen Tochter Zoe getrennt. Er fiel in ein tiefes Loch. Wer hätte mal gedacht, dass sich seine Frau von ihm trennen würde? Schließlich wollten beide nur einmal heiraten. Aber leider veränderte sich ihre Beziehung innerhalb der sechseinhalb Jahre Ehe zueinander so sehr, da machte es keinen Sinn sie fortführen zu wollen. Als Nicklas merkte, in ihrer Ehe stimmte was nicht und er anfing die Beziehung retten zu wollen, war es schon zu spät. Seine Frau Bettina hatte dieses Kapitel ihres Lebens schon für sich abgeschlossen und wollte einfach nicht mehr mit ihm zusammen sein.

Hier saß er nun in seiner Wohnung. Suchte den Sinn seines Daseins, bedauerte sich selbst. Viele Dinge hatten nicht den glücklichen Ausgang genommen, wie er sich es gewünscht hatte. Nicklas fragte sich, wo ist eigentlich der Nicklas, der in seiner Jugend so große Erfolge im Fußball feiern durfte? Der schon früh, mit vierzehn, von zu Hause auszog, um seinen Traum zu leben und Fußballprofi wurde?

Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Der innere Antrieb fehlte. Kein Ehrgeiz, nicht die Motivation irgendetwas zu bewegen. Nicklas verbrachte sehr viel Zeit mit sich allein oder bei seinen Eltern, war häufig deprimiert, einsam.

Zum Glück wohnten seine Eltern nur fünf Minuten zu Fuß von ihm entfernt und er konnte dankbar sein, dass sein Verhältnis besonders zu ihnen, sehr freundschaftlich war. Viele Male hatten sie ihn schon in seinem Leben wieder aufgerichtet und ihn unterstützt bei der Suche seines persönlichen Weges. Dafür war er ihnen sehr dankbar!

Wenn Nicklas nicht gerade seinem Beruf als Flugbegleiter nachging und um die Welt flog, verbrachte er viel Zeit mit ihnen. Sie waren seine Anlaufstelle, sein Halt. Mit ihnen konnte er reden, konnte er seine Sorgen erzählen, ohne Angst haben zu müssen, Schwächen, Nöte und Ängste gegen sich verwendet zu sehen. Durch seine Fußballkarriere hatte er lernen müssen, dass es nicht viele Menschen gab, denen man sein Vertrauen schenken sollte. Wenn er Schwäche zeigte, wurde es in der sich nächstbietenden Situation gnadenlos gegen ihn ausgenutzt. Und obwohl er immer an das Positive im Menschen glauben mochte, zeigte ihm die Erfahrung, dass man sich Vertrauen verdienen musste. Dieses Gefühl übertrug sich leider mittlerweile auf alle Lebensbereiche. Nicklas war kritisch geworden und glaubte nicht einfach was man ihm so erzählte. Es bedurfte der Erfahrung und der Kontinuität im Handeln, um Menschen vertrauen zu können. Seine Eltern gaben ihm seit vielen Jahren das Gefühl hinter ihm zu stehen und ihn zu unterstützen. Auf sie war und ist Verlass. Auf ihr Urteil konnte er sich bisher immer verlassen. Sie haben ihm Dinge nicht schöngeredet, um Nicklas zu schonen, sie zeigten ihm, wie er auf den Boden bleiben konnte, ohne in eine Traumwelt abzudriften. Sein Wesen macht es ihm jedenfalls nicht leicht dort hinzuwollen, in seine kleine eigene Welt. Es war so schön Luftschlösser zu bauen und sich seinen Fantasien und Illusionen hinzugeben. Nur die Landung auf den Boden der Tatsachen war meist sehr unangenehm und schmerzhaft. Das Leben in der Vergangenheit und Nachtrauern von Dingen, die nicht wieder kommen, tun ihr Übriges. Seine Eltern waren immer wieder bemüht, seinen Fokus nach vorne auszurichten und die Vergangenheit, Vergangenheit sein zu lassen.

Trotz ihrer Gradlinigkeit waren seine Eltern auch sehr spirituelle Menschen. Seine Mutter trug diese Seite schon sehr lange in sich. Ihr Vater war schon ein sehr guter Kartenleger gewesen, was sowohl seiner Mutter aber auch seinen Vater sehr beeindruckte und ängstigte.

Spätestens als sein Opa seinen eigenen Tod voraussagte und kurz darauf wirklich durch einen Unfall verstarb, sagte seine Mutter, sie möchte mit Kartenlegen nichts zu tun haben. Über viele Jahre unterdrückte sie ihre eigenen Fähigkeiten und Neigungen. Die Zeit läuterte sie, brachte ihr eine andere Sichtweise und ein neues Grundverständnis für den Blick in die Zukunft. Wie eine Welle überrollte sie dieses neue Gefühl und seine Eltern beschäftigten sich von nun an Tag ein und Tag aus mit Karten und deren Bedeutung.

Nicklas war in dieser Zeit besonders häufig zum Essen bei seinen Eltern. Daraus resultierte, dass er schnell Proband fürs Kartenlegen wurde. Vor oder nach dem Essen hat seine Mutter ihm häufig die Karten gelegt. Dieses Unterfangen kam ihm sehr entgegen. Wer will nicht wissen wie sich sein Leben weiter gestalten würde? So viele spannende Fragen, die täglich in seinem Kopf umherirrten, auf der Suche nach Antworten. Viele Male hoffte er auf eine schönere, bessere Zukunft, in einem glücklichen und angenehmen Rahmen. Eine Zeit voller Erfüllung und Zufriedenheit. Nach einem Jahr der Traurigkeit und Einsamkeit, lag ihm ein Thema immer besonders am Herzen, das Thema <<Liebe>>. Seine Mutter sprach aber mehr über <<Arbeit>>, um seine berufliche Zukunft sollte er sich kümmern. Aber Liebe ließ Nicklas nicht los. Er wollte unbedingt die Frau kennenlernen, mit der er wirklich alt werden würde. Also richtete er beim Kartenlegen seine Aufmerksamkeit auf die Liebe. Andauernd stellte Nicklas die Frage in den Raum, ob er bald seiner <<Traumfrau>> begegnen würde? Und tatsächlich, eines Tages, zeichnete sich ein neues Bild in den Karten ab. Er würde eine Frau auf der Arbeit kennenlernen, die seine neue Partnerin werden würde. Nicklas war überrascht, eher geschockt. Auf der Arbeit? Das hielt Nicklas doch für sehr weit hergeholt, praktisch für aussichtslos. Nicht weil in seinem Job nicht genügend Frauen arbeiten. Es sind wahrscheinlich mehr als 10.000, aber nach sieben Jahren im Konzern, hatte Nicklas nie jemanden kennengelernt, die ihn wirklich angesprochen hätte. Zu oberflächlich erschien ihm sein Business. Shopping, Beauty-Salons oder stundenlange Massagen standen und stehen ganz oben auf dem Programm der Damen. Die Gespräche, die im Allgemeinen geführt wurden, begrenzten sich auch mehr oder weniger nur darauf. Das gab ihm eine gewisse Tristesse. Viele Male ist er bereits abends mit der Crew nicht einmal mehr zum Essen gegangen. Denn schlimmer ging immer. Die Gespräche in der Abendrunde begrenzten sich schwerpunktmäßig auf die Firma. Airline hier, Airline da. Was ist an Bord passiert? Welche Passagiere hatten Mitarbeiter durch ungewöhnliches, auffälliges Verhalten genervt oder auf Trapp gehalten? Ist jemand aus der Crew unangenehm durch seine Art aufgefallen? War Cockpit beim Essen dabei, war es des Öfteren der Fall, dass sich die Herren auch gerne mal beweihräucherten. Was sie alles als Kapitäne und Copiloten zu leisten hatten, was sie Spannendes erlebt hatten, was sie vor allem erreicht hatten. Nach dem Motto mein Haus, mein Auto, meine Kinder. Vielen von ihnen waren die Golfplätze der Welt keine Unbekannten.

Sehr spannend, wirklich.

Wirklich?

Natürlich gab es auch andere Cockpit Besatzungen. Aber die Gespräche wiederholten sich einfach und irgendwann wollte Nicklas dem nicht mehr beiwohnen.

Unter all der Oberflächlichkeit sollte er eine Frau kennenlernen, die anders war, die ihn sah, die auch sein Leben mit ihm teilen wollte und nicht den ganzen Tag darüber redete, wo man in der Welt am besten Shoppen konnte? Das schien ihm aussichtslos. Ergänzend stand immer wieder ein weiteres dominantes, prekäres Thema für Frauen im Raum: "Was konnte er als Flugbegleiter finanziell einer Frau als Rückhalt bieten?" Da konkurrierte er mit Cockpit, Managern, Ärzten, Unternehmern, die seine Kolleginnen bevorzugt als Partner hatten. Der Wert der "Versorgung" und des "Heraufschauens" <<mein Mann ist...>>, steht dort bei vielen im Vordergrund.

Es gab auch noch einen Typ Frau, dem das egal war, leicht zu finden oder kennenzulernen war dieser nicht. Zumeist war diese Art von Frau vergeben.

Gesellschaftlich geht es vielen Frauen wohl immer noch darum, zu ihrem Mann herauf schauen zu können. Ist man kein toller Mensch, weil man <<nur>> Flugbegleiter ist? Einige Male stellte er sich diese Frage. Was macht den Unterschied aus? Meistens ging es um Reputation und Geld, da kann er mit seinem Gehalt und Ansehen in unserer Gesellschaft schwerlich konkurrieren.

Irgendwann wollte Nicklas dies auch nicht mehr. Er wollte die Frau finden, die ihn seiner Selbstwillen liebte und mit ihm alt werden wollte. Dieses erschien ihm unmöglich in seinem Job.

Viele Tage und Wochen vergingen und regelmäßig legte ihm seine Mutter die Karten. Immer wieder erzählte sie ihm, dass er auf der Arbeit <<die Frau>> kennenlernen würde. Reise um Reise verging, aber eine Frau fürs Leben konnte Nicklas nicht sehen. Der Frustrationspegel stieg stetig. Er fraß immer mehr in sich hinein, sowohl im übertragenen Sinne als auch im wahrsten Sinne des Wortes. Im Trennungsjahr von seiner Frau hatte er über 20 Kilogramm zugenommen. Die Waage zeigte jedenfalls ein Gewicht jenseits von Gut und Böse an. Nicklas war geschockt. Über 100 Kilogramm! Genau 104 Kilogramm.

Früher als Kind hatte er seinen Vater immer belächelt.

"So dick wie du werde ich nie", wie oft hatte er ihm diesen Satz unter die Nase gerieben. Und nun wog Nicklas mehr als er. Na klar, er ist nicht davon ausgegangen, dass er so abrupt seine Sportkarriere beenden würde, aber ist dies eine Berechtigung sich so gehen zu lassen? Die Antwort ist klar: NEIN! Aber ihm war alles egal. Irgendwie hatte sein Leben keinen wirklichen Sinn mehr. Für seine Exfrau und Tochter spielte er schon länger keine größere Rolle mehr.

Arbeiten musste er, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, aber wirklich glücklich machte ihn die Fliegerei nicht. Neben der Oberflächlichkeit litt und leidet er viele Male unter extremer Einsamkeit. Als Mitarbeiter des fliegenden Personals ist man, obwohl man mit so vielen Menschen zu tun hat, im Hotel oder am Zielort sehr viel mit sich allein. Kam er dann nach Hause von seiner Reise und hatte frei, bedeutete dies nicht, dass alle anderen Menschen um ihn herum dann auch frei und für ihn Zeit hatten. Im Gegenteil. Viele aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis führten ein ganz <<normales>> Leben, wo sie von montags bis freitags arbeiteten und am Wochenende auch anderen sozialen Verpflichtungen, wie zum Beispiel dem Fußballspielen für ihren Verein nachgingen, familiäre Verpflichtungen hatten etc. Somit keine Zeit hatten, wenn er gerade mal zu Hause war. So vergingen Tage, manchmal Wochen, bis Nicklas seine Freunde wiedersehen konnte. Denn zwischendurch weilte er dann schon wieder in New York, Rio, Tokio oder aber auch in Delhi.

Seine Heimatstadt Moers hatte einen schönen Schloss-und Freizeitpark. Dort ging er viel spazieren. Nicklas liebte die Ruhe, die der Park ihm gab, weit weg von der Hektik und Lautstärke der Großstädte dieser Welt. Er fühlte sich dort immer gut aufgehoben und auf irgendeine Weise auch geborgen. Es gibt dort eine alte Mühle, vor ihr einen Teich mit einer Sitzbank. Viel Zeit verbrachte er dort, dachte und philosophierte über sein Leben. Stunde um Stunde, manchmal bis in den Abend hinein saß er dort, bis der Sternenhimmel das Areal um die Mühle erleuchtete. Des Öfteren gingen an solchen Tagen seine Gefühle mit ihm durch, die emotionale Aufgewühltheit ließen ihm Tränen in seine Augen schießen, wie kleine Wasserfälle. Die Tränen befreiten Nicklas, aber eine gewisse Traurigkeit und Unzufriedenheit blieb.

Nicklas hatte das Gefühl, dass nichts von dem eintraf, was seine Mutter in den Karten sah. Es hörte sich doch alles so gut an. Fragen kamen in ihm hoch. Wollte seine Mutter ihn nur aufbauen? Die Tage vergingen und umso länger die Phase andauerte und die Voraussetzungen sich nicht bestätigten, desto trauriger machte ihn dies.

War er so abhängig davon unbedingt jemanden kennenlernen zu müssen? Würde dann alles in seinem Leben besser? Wohl kaum! Aber Nicklas war es satt in ihm das Gefühl der Einsamkeit tragen zu müssen.

Gefangen in sich selbst, konnte er weder vor noch zurück, Nicklas trat immer wieder auf der Stelle. Was sollte nur aus ihm werden, fragte er sich? Kann er sein Glück von einem anderen Menschen abhängig machen? Im Verhältnis zu vielen anderen Menschen auf der Welt ging und geht es ihm gut. Nicklas lebte im Wohlstand der deutschen Gesellschaft, musste nicht, wie viele Inder, Afrikaner etc. an Hunger leiden. Hatte ein Dach über seinem Kopf. Wie oft erschrak er, wenn die Crew mit dem Crewbus von indischen Flughäfen Richtung der Crewhotels fuhr. Menschen, am Straßenrand liegend, schlafend ohne irgendetwas. Im Verhältnis ist er reich.

Aber wusste Nicklas selbst es zu schätzen, wie gut es ihm ging? Vielleicht ist es auch zu oberflächlich anhand von Wohlstand seinen Gemütszustand beurteilen zu wollen.

Der Wohlstand unterwegs war für ihn in dieser Dimension nur geliehen.

Die Nächte in den 5 Sterne Hotels, die sein Arbeitgeber für die Mitarbeiter buchte, vermittelten kurz die Illusion des Jetsetters. Illusion deshalb, weil er sich privat viele Aufenthalte gar nicht hätte leisten können. In dem Augenblick war es egal, die Außenwirkung war schließlich eine andere.

Wie es innerlich in Nicklas aussah, konnte er immer gut überspielen.

Leider gab es auch eine geistige und seelische Armut, die einen verkrüppeln lassen konnte.

Dagegen die am Straßenrand liegenden Inder. Sie hatten bei weitem nicht die Annehmlichkeiten, kämpften Tag für Tag für bzw. um ihr Überleben und beklagten und bemitleideten sich nicht mal ansatzweise, wie Nicklas es tat. Es war erschreckend. Wir leben in einer paradoxen Welt.

Menschen wie Nicklas, die eigentlich materiell alles hatten, die ihren Geist auf Grund ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten bilden und weiterentwickeln konnten, ihren Horizont zu öffnen und zu erweitern, alle Voraussetzungen mitbrachten, ein glückliches Leben zu führen, waren nicht in der Lage es umzusetzen.

Gefangen in der Spirale der <<Wohlstandsdenke>>. Jeden Tag konfrontiert mit dem suggestiven Marketing der Großunternehmen, die der Gesellschaft einredeten, was Menschen brauchen, um im Leben glücklich zu sein.

Es machte Nicklas nicht nur traurig, es machte ihn wütend, am meisten über sich selbst. Schließlich hatte er es in der Hand, Nicklas selbst gestaltete sein Leben. Er konnte sich nicht immer hinter seinem Schicksal verstecken und hadern. Ja, die Vergangenheit hatte ihn so manche Niederlage hinnehmen lassen müssen. Aber es oblag ihm wieder aufzustehen und sein Leben in die Hand zu nehmen und es positiver zu gestalten. Nicklas war für sein Glück verantwortlich und nur er war in der Lage sich Freude zu geben und Freude am Leben zu finden. Nicklas wollte seinen Lebensweg bewusster – selber- gestalten. Also ging er es an.

Juni 2005

Seit einem Jahr lebte er nun in einem Zweifamilienhaus in seiner Heimatstadt Moers.

Moers, er liebte seine Heimatstadt über alles. Ca. 115.000 Einwohner, beschaulich.

Vieles konnte man hier zu Fuß erledigen. Die Innenstadt war geprägt durch die Altstadt mit einigen süßen Cafés, wo man in den Frühlings- und Sommermonaten teilweise bis in den Herbst draußen sitzen konnte.

Um Menschen zu beobachten ideal. Nicklas war immer gern in der Stadt, hier und da traf man ein bekanntes Gesicht aus der Vergangenheit und konnte dann über Anekdoten gemeinsamer Tage lachen.

In jenem Jahr war alles anders.

Seine Konzentration galt seinem Garten. Zu seiner Wohnung gehörte ein Garten von ca. 120 qm Fläche. Bei der Übernahme war dieser in einem verheerenden Zustand. Alles war zugewachsen, verwildert und ungepflegt. Das sollte sich ändern. Er wollte sich ein richtiges zu Hause schaffen, dazu gehörte ein gepflegter Garten. Nicklas sah sich dort zukünftig beim Grillen mit seinen Freunden und die schönen warmen Tage bis abends bei einem Glas Rotwein sitzend und das schöne Ambiente genießen.

Nachdem nun die gröbsten Arbeiten erledigt waren und Rasenfläche zum Vorschein kam, ging es dann darum alle Unebenheiten und Schlaglöcher zu beseitigen. Als Perfektionist schmiedete Nicklas die größten und besten Pläne für dieses Stück Grün.

Geld hatte er zwar keins, aber träumte von Rollrasen und englischen Garten, so dass seine Tochter Zoe spielen konnte, ohne mit den Füßen in einem dieser Löcher umzuknicken.

Seine Eltern boykottierten seine Pläne permanent. <<Ob sich das lohnte, was Nicklas da planen würde? <<Gebe nicht so viel Geld für deinen Garten aus. Du sitzt doch später mehr bei uns als in deinem eigenen Garten.

Glaubst du ernsthaft, dass du für immer dort wohnen wirst? Irgendwann hast du wieder eine Partnerin und ob die dann dort wohnen will, auf 55 Quadratmetern, ist wohl mehr als fraglich?>>

Es war einfach schrecklich für ihn. Ständig wurde dagegen geredet seitens seiner Eltern und trotzdem war er dickköpfig und wollte seinen Plan kostengünstig in die Tat umsetzen.

Dafür wollte Nicklas einen Experten konsultieren, jemanden, der sich damit tagtäglich beschäftigte.

Sein Freund Marc war so ein Experte, der ihm bei seinem Wunsch weiterhelfen konnte. Er hat eine eigene Gärtnerei und mehrere Blumenläden, welche er mit seiner Schwester betrieb. Ein alt- eingesessener Familienbetrieb in der Nähe von Köln. Wer hätte gedacht, dass er mal mit einem solchen Anliegen an Marc herantreten würde? Lange hatten sie sich nicht gesehen. Vieles hatte sich in den letzten Jahren verändert. Mitte der 80´iger Jahre wurden beide als Talente im Fußball vom 1. FC Köln entdeckt und von Anfang an entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Viel Zeit verbrachten sie in den folgenden 2 Jahren zusammen und im Kreise Marcs Familie.

Beide verfolgten sie ein Ziel:

Sie wollten unbedingt Fußballprofi werden.

Einen Traum, den sie wohl mit vielen Kindern und Jugendlichen in Deutschland teilten. Nur sie hatten es erreicht, nicht nur davon zu träumen, sondern die Aussicht darauf, es auch zu schaffen.

In Marcs Familie wurde Nicklas wie ein Sohn aufgenommen, wie ein echtes Mitglied der Familie.

Dies änderte sich als feststand, dass der 1. FC Köln sich außerstande sah, Nicklas, eine für ihn adäquate Lehrstelle, wo er dann parallel zum Fußball eine Ausbildung hätte machen können, zu vermitteln.

Das war seinen Eltern sehr unrecht!

Nicklas Eltern zeigten sich nicht <<amused>> über diese Situation. Viel hatte man im Vorfeld Nicklas Eltern, aber auch Nicklas versprochen. Das mit dem Ausbildungsplatz wäre kein Problem. <<Ihr Sohn wird dann eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Stadtsparkasse Köln machen. Kein Problem!>>

Und obwohl Nicklas noch Jugendspieler war, sprachen seine Eltern mit dem Manager der Lizenzspieler Abteilung, Michael Meier, über seinen zukünftigen Werdegang im Verein und dessen Unterstützung bei der Suche eine Absicherung außerhalb des Fußballgeschäftes.

Die Zeit verging und nichts tat sich. Seine Eltern fühlten sich vereinsseitig hingehalten. Mitspieler von Nicklas hatten längst Ausbildungsverträge in der Tasche oder planten ihr Abitur zu machen.

Nur er wusste noch nicht, wo die Reise hingehen sollte. Seine Eltern und er beschlossen sich umzuhören. Gab es weitere Optionen? Musste Nicklas sich vielleicht neu orientieren? Einen neuen Verein finden, der mehr Möglichkeiten hatte als der 1. FC Köln. Schließlich konnte eine Fußballkarriere abrupt durch eine Verletzung beendet werden.

Klar sollte einem auch immer sein:

Es wird noch ein Leben nach dem Sport und der Fußballkarriere geben!

Dabei ist es völlig egal wie erfolgreich man auch war. Mit Mitte 30 war für die meisten im bezahlten Fußball Schluss. Und was kam dann danach? Viele Menschen haben nur die Bilder im Kopf von den Besten, die es geschafft hatten durch ihre Einnahmen aus dem Sport nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber was geschieht mit den vielen anderen Spielern? Die zwar in der Zeit als Aktive einen überdurchschnittlichen Lebensstandard führen konnten, aber nicht genug verdient hatten, um ausgesorgt zu haben? Was kam für sie dann danach? Der soziale Absturz?

Nachdem dann die aktive Zeit als Spieler beendet war und man nicht mehr im Blickpunkt der Medien stand, gingen die einzelnen Werdegänge von den damals erfolgreichen Profispielern unter. Nicht jeder kann und konnte dann Trainer werden und viel Geld damit verdienen.

Oder bekam gut dotierte Werbeverträge und durfte als Co Moderator bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern Großereignisse, wie Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft arbeiten.

Hinter vorgehaltener Hand hörte man über einzelne Schicksale, die im Anschluss der Profikarriere nicht mit ihrem Leben klarkamen. Die dann Hilfsarbeiter wurden, weil sie keine Ausbildung hatten.

Oder erfolglos Sportgeschäfte und Lottoannahmestellen betrieben, bis sie in den Konkurs gingen, weil sie nie gelernt hatten, wie man kaufmännisch erfolgreich sein konnte.

Dies wollten seine Eltern nicht für Nicklas!

Also wurden Kontakte zu Vereinen geknüpft, die Interesse hatten Nicklas zu verpflichten und ihm gleichzeitig ermöglichen konnten, eine Ausbildung neben dem Fußball spielen, zu organisieren. Schnell zeigten sich einige Fußballclubs interessiert, schließlich galt Nicklas als eines der größten Talente Deutschlands.

Der VFB Stuttgart sprach vor, aber die Entfernung von seinem Zuhause war seinen Eltern und ihm zu groß.

Würde irgendetwas Außergewöhnliches vorfallen in Stuttgart, hätten seine Eltern einen sehr großen Aufwand betreiben müssen, um ihm unterstützend zur Seite zu stehen.

Auch Bayer 04 Leverkusen interessierte sich für ihn. Und Reiner Calmund, damaliger Manager des Vereins, machte Nicklas wirklich eine sehr ansprechende Offerte.

Vorvertrag für die Lizenzspielerabteilung, ein sehr lukratives monatliches Einkommen, eigene Wohnung finanziert durch den Verein, die regelmäßige Teilnahme am Trainingsbetrieb der Profi-Mannschaft und das was seinen Eltern am wichtigsten war, eine vernünftige Ausbildungsstelle adäquat seiner Fähigkeiten im Bayerwerk in Leverkusen.

Die Koordination zwischen Ausbildung und Fußball war in Leverkusen einzigartig, was ganz Besonderes in Deutschland.

Diesem Angebot konnte Nicklas nicht widerstehen. Seine Eltern befanden diese Möglichkeit als das Beste für ihn und seine weitere Entwicklung.

Allerdings hatte dieser Wechsel auch einen Haken.

Nicklas musste den 1. FC Köln verlassen und Freunde zurücklassen.

Viel Schweiß, viele harte Trainingsstunden lagen hinter ihnen. Niederlagen wurden beweint und Erfolge gefeiert. Sie waren eine verschworene Gemeinschaft und Bayer 04 Leverkusen war der stärkste Konkurrent.

<<Die Pillendreher>>, wo viel Geld hinter stand gegen eine Mannschaft aus Köln, wo mit viel Herz gearbeitet wurde, um den wirtschaftlich weit überlegenden Verein von der anderen Rheinseite Paroli zu bieten.