Der Erbsenjongleur - Christian Futscher - E-Book

Der Erbsenjongleur E-Book

Christian Futscher

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Beschreibung

Satire reiht sich an Märchen, E-Mails an ein Dramolett, ein Tagebucheintrag an eine groteske Weltreise: »Der Erbsenjongleur« ist melancholisch und humorvoll, ein buntes und irrwitziges Sammelsurium von kurzen und weniger kurzen Erzählungen, das Appetit macht auf Leben. Die Geschichten spielen im Wald, in der Stadt oder im Himmel, sie spielen vor allem in der Gegenwart, aber auch 1934 in Seekirchen oder 1480 in Otranto, Apulien. Zwischen den Buchdeckeln tanzen Melancholie und Humor miteinander und Sinn und Unsinn halten Händchen. Der Erzählband ist eine reiche Fundgrube an Geschichten über das Leben. Christian Futscher versteht es, Alltagsbeobachtungen in sprachliche Kunstwerke zu verwandeln, wo das Wilde wild sein darf, das Sanfte sanft, das Unsinnige unsinnig und das Schöne schön. »›Der Erbsenjongleur‹ ist ein Futscherarium – und das ist, gepaart mit der Poetologie des Schweifens, genau die richtige Form.« (Arne Rautenberg)

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Seitenzahl: 191

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Christian Futscher

DER ERBSENJONGLEUR

Christian Futscher

DER ERBSENJONGLEUR

Czernin Verlag, Wien

Gedruckt mit Unterstützung der Stadt Wien, Kultur und des Landes Vorarlberg

Futscher, Christian: Der Erbsenjongleur / Christian Futscher

Wien: Czernin Verlag 2024

ISBN: 978-3-7076-0830-4

© 2024 Czernin Verlags GmbH, Wien

Lektorat: Florian Huber

Autorenfoto: Katharina R.-Fröschl

Umschlaggestaltung und Satz: Mirjam Riepl

Druck: Finidr, Český Těšín

ISBN Print: 978-3-7076-0830-4

ISBN E-Book: 978-3-7076-0831-1

Alle Rechte vorbehalten, auch das der auszugsweisen Wiedergabe in Print- oder elektronischen Medien

Alle Kunst beruht auf einem Verlangen nach

Kommunikation, auf einer Liebe zur Schönheit,

einem Bedürfnis, aus dem Durcheinander eine

Ordnung zu schaffen.

PATRICIA HIGHSMITH

Sind Sie eine Lehrerin? Sie sind keine Lehrerin.

Sie sind eine enge Straße. Sie sind eine Erbse. Sie sind

voller Essig. Sie sind eine Lehrerin? Sie haben ein

Schimpfwort erfunden, weiter nichts, aber das reicht schon!

Sie wissen auch, was ich sagen will.

GÜNTER BRUNO FUCHS

Ein Weihnachtswunder

Es lebte einmal ein Mann, der hatte vier Söhne.

Die Mutter der vier Söhne war an einem 6. Dezember mit dem Nikolaus und dem Knecht Ruprecht durchgegangen. Anfangs hielten es alle für einen Scherz, als sie vor den Augen ihrer Familie in den Sack von Knecht Ruprecht stieg, der daraufhin den Sack schulterte und die Wohnung verließ.

Der Nikolaus folgte den beiden. Die Frau kehrte nicht zurück.

Die Jahre vergingen, die Söhne wuchsen heran und erlernten verschiedene Berufe.

Karl, der älteste Sohn, wurde Sänger.

Peter, der zweitälteste Sohn, wurde Schlagzeuger.

Max, der drittälteste Sohn, wurde Trompeter.

Jussuf, der jüngste Sohn, wurde Dirigent.

Die vier Brüder lebten sich auseinander, denn sie hatten einen recht unterschiedlichen Musikgeschmack. Dass sie auch recht unterschiedliche Einkommen hatten, sorgte ebenfalls immer wieder für Streit.

Der Vater, Josef, war nicht glücklich darüber, dass sich seine Söhne, wenn sie sich trafen, oft in die Haare gerieten. Hatte er nicht schon genug Kummer damit, dass seine Frau verschwunden war?

Niemand wusste, wo sie sich aufhielt.

Es waren zwanzig Jahre vergangen seit dem Verschwinden der Frau. Zu diesem runden Jubiläum lud der Vater seine vier Söhne, die längst ausgezogen, aber alle ledig geblieben waren, zu sich zum Weihnachtsfest ein. Zufällig hatten die vier nichts Besseres zu tun. Sie dachten sich zwar, das wird wieder eine Streiterei, aber was soll’s, machen wir dem Vater die Freude.

Der Vater hatte folgende Geschenke für seine Söhne gekauft:

Eine goldene Stimmgabel für Karl.

Ein goldenes Schlagzeug für Peter.

Eine goldene Trompete für Max.

Einen goldenen Taktstock für Jussuf.

Das gemeinsame Geschenk der Söhne für ihren Vater war ein Aquarium mit vier Goldfischen, die ihn immer an sie erinnern sollten.

Als nun die fünf Männer am Weihnachtsabend das Zimmer betraten, in dem der hell erleuchtete Christbaum stand, trauten sie ihren Augen nicht. Zwischen den noch eingepackten Geschenken lag die lange vermisste Frau und Mutter auf dem Boden, den Kopf lässig auf eine Hand gestützt. Sie hatte sich kaum verändert.

»Mama!«, riefen die vier Söhne wie aus einem Mund.

»Maria!«, rief der Vater, denn so hieß die Frau.

Maria stand auf, breitete die Arme aus und sagte: »Kommt her, ich habe euch vermisst!«

Das ließen sich die vier Söhne nicht zweimal sagen, sie stürmten auf die Mutter zu.

Karl sang ihr ein Weihnachtslied ins Ohr.

Josef klopfte ihr auf den Kopf.

Max blies ihr in die Nasenlöcher.

Jussuf dirigierte sie schließlich zum Vater, der ihr nach kurzem Zögern Küsse auf die Augen gab.

Seit jenem Weihnachtsabend glaubten Josef und seine vier Söhne wieder an das Christkind.

Wer zuletzt lacht