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Der Krieg hatte das Fliegen gelernt! Als der Erste Weltkrieg 1914 ausbrach, war der Himmel noch leer. Ein Raum ohne Seeschlachten. Doch sollte sich das schnell ändern. Innerhalb weniger Jahre wurden aus dem wackligen Doppeldecker ein Kriegsinstrument entwickelt das Aufklärung, Angriff und Zerstörung aus der Luft ermöglichte. Der Himmel wurde zur neuen Front. Dieses Buch erzählt die Geschichte dieser dramatischen Entwicklung vom ersten Einsatz der Zeppeline, einfacher Aufklärungsflugzeuge bis hin zu strategischen Bombardierungen ganzer Städte. Es schildert die technischen Sprünge über die Entstehung neuer Flugzeugtypen wie Aufklärungsflugzeuge, Jagdmaschinen, Wasserflugzeugen, Torpedoflugzeuge und Bombern. Gleichzeitig erfolgt die Beleuchtung der Taktiken und Kämpfe, die sie bestimmten. Ergänzt wird die Analyse durch einen Blick auf bedeutende Protagonisten wie Manfred von Richthofen und Max Immelmann. Doch der Luftkrieg veränderte nicht nur das Schlachtfeld, sondern auch die Psyche der Besatzungen der Flugzeuge und Zivilbevölkerung, ebenso wie die sich wandelnde militärische Auffassung von Luftmacht. Dieses Buch eröffnet einen packenden Einblick in ein oft unterschätztes Kapitel des Ersten Weltkrieges und verdeutlicht, wie der Luftraum zu einem eigenständigen Kriegsschauplatz wurde.
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Seitenzahl: 161
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Viele der Entwicklungen, die bis heute die Kriegsführung in der Luft und aus der Luft bestimmen, begannen im Ersten Weltkrieg:
das strategische Bombardement,
die Lenkung des Feuers auf dem Boden und aus der Luft,
die Dominanz der Luftaufklärung,
die Doktrin der Luftüberlegenheit als Voraussetzung für erfolgreiche Operationen auf dem Boden und
die Verlagerung des Luftkrieges auf das Meer und gegen Schiffsziele
(bereits im Ersten Weltkrieg gab es eine Art Flugzeugträger).
Zunächst griffen die Piloten mit Pistolen, Gewehren oder sogar mit Ziegelsteinen an. Doch bald wurden Maschinengewehre in die Flugzeuge eingebaut.
Dies steigerte die Effizienz und die Zerstörungskraft der Luftkämpfe erheblich.
Je weiter der Erste Weltkrieg fortschritt, desto klarer wurde, dass er nicht nur wegen der Dominanz der Artillerie und der Maschinenwaffen der erste industriell-technologisch geführte Krieg der Neuzeit war, sondern auch, weil eine neue Teilstreitkraft, die Luftwaffe, den Krieg und die Kriegsdoktrin revolutionierte.
Erst im Laufe des Ersten Weltkrieges bildeten sich spezifische Flugzeugtypen für bestimmte Einsatzbereiche des Luftkrieges heraus.
Im kollektiven Gedächtnis blieben insbesondere die Jagdflieger.
Das Konzept, man könne in der Luft andere Flugzeuge bekämpfen, spielte 1914 noch keine große Rolle. Zum einen war die Zahl der Flugzeuge insgesamt klein, zum anderen sah man als Ziele in der Luft eher die Fesselballons, in deren Gondel Artilleriebeobachter saßen und das Feuer lenkten.
Der Krieg hatte das Fliegen gelernt.
Mit dem militärischen Einsatz des Flugzeuges erhielten Armee und Flotte eine neue Waffengattung.
Es waren die Fliegerkräfte.
Der Krieg in und aus der Luft wurde in diesem Moment zu einer völlig neuen Entfaltungsmöglichkeit der Kriegsführung.
Mit Fokker-Modellen gewannen die deutschen Luftstreitkräfte von August 1915 bis ins Jahr 1916 hinein eine Luftüberlegenheit an der Westfront.
Die Flieger hatten damit Aufgaben übernommen, die Jahrhunderte lang der Kavallerie vorbehalten waren.
Es kam nicht von ungefähr, dass sich ein nicht unerheblicher Teil des Offizierskorps der neuen Truppe aus der Kavallerie rekrutierte.
Bei Kriegsbeginn verfügten die größeren Mächte über ein jeweiliges nur wenige Hundert Maschinen zählendes Sammelsurium von Fliegereinheiten, die in erster Linie der Aufklärung und der Nachrichtenübermittlung dienten.
Mit der zunehmenden Nutzung von Flugzeugen veränderten sich die Dynamik und die Strategie der Kriegsführung erheblich.
Vor 1914 waren Flugzeuge als Waffensysteme noch kaum erforscht, und die Möglichkeiten schienen begrenzt. Doch im Verlaufe des Krieges wurden sie zu wichtigen Werkzeugen für Aufklärung, Bombardierungen und schließlich Luftkämpfen, die das Bild des Krieges stark beeinflussten.
Neben dem Luftkampf begann man auch mit strategischen Bombardierungen.
Luftschiffe (Zeppeline) und Bomber wurden eingesetzt, um Städte, Infrastrukturen und industrielle Ziele anzugreifen.
Die deutschen Zeppeline bombardierten beispielsweise London.
Am Anfang des Krieges bestand die Hauptaufgabe der Flugzeuge, die Bewegungen der feindlichen Truppen zu überwachen und die Artillerie durch präzise Zielangaben zu unterstützen.
Die genaue Beobachtung der feindlichen Linien aus der Luft half dabei, Bewegungen und Stellungen genau zu erfassen, was einen strategischen Vorteil darstellte.
Mit der Zeit erkannten die Militärstrategen den Wert der Zerstörung gegnerischer Aufklärungsflugzeuge, um die eigene Armee zu schützen.
Dies führte zur Entwicklung von Jagdflugzeugen, die speziell für den Luftkampf entwickelt wurden.
Mit der Weiterentwicklung der Flugzeuge begann man, Bombardierungen aus der Luft durchzuführen.
Anfangs waren es nur leichte Bomben, die abgeworfen wurden, doch die Zerstörungskraft nahm im Laufe des Krieges zu.
Zivile und militärische Ziele wurden zunehmend ins Visier genommen.
Die Bombenangriffe waren auch eine Form der psychologischen Kriegsführung, da diese Angst und Schrecken unter der Bevölkerung verbreiteten.
Die offenbar berühmteste Rolle des Luftkrieges spielten die Luftkämpfe zwischen Jagdflugzeugen.
Die Flugzeuge wurden mit Maschinengewehren ausgestattet, und so entstanden die ersten „Luftasse“ - Piloten, die eine hohe Zahl an Luftsiegen erzielen konnten.
Die Kämpfe waren oft kurze, intensive Auseinandersetzungen, die eine hohe Präzision und Flugkünste verlangten.
Die Erfolge der „Luftasse“ wurden für die heroisierende Kriegspropaganda instrumentalisiert.
Der Luftkrieg führte zu einer rasanten technologischen Entwicklung.
Die Flugzeuge wurden im Verlaufe des Krieges schneller, wendiger, stabiler und waren besser bewaffnet.
Auch der Einsatz von mehrmotorigen Bombern entwickelte sich, um schwerere Bomben über größere Entfernungen zu transportieren.
Obwohl der Luftkrieg im Ersten Weltkrieg noch nicht so entscheidend war wie in späteren Konflikten, legte er den Grundstein für die militärische Luftfahrt.
Der Erste Weltkrieg war ein Katalysator für enorme technologische Fortschritte im Flugwesen.
Es entstanden neue Flugzeugtypen wie Jagdflugzeuge, Bomber und Aufklärungsflugzeuge, die jeweils spezifische Aufgaben erfüllten.
Die Motortechnik, Bewaffnung und Flugzeugkonstruktionen wurden kontinuierlich weiterentwickelt.
Bis Ende des Krieges im November 1918 wurde die Luftwaffe zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen Kriegsführung.
Die Fliegerkräfte im Ersten Weltkrieg veränderten nicht nur die Art und Weise, wie Kriege geführt wurden, sondern hatten auch einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Luftfahrt insgesamt.
Die Erfahrungen und Lektionen, die während des Ersten Weltkrieges gesammelt wurden, bildeten den Grundstein für die Luftkriegführung des 20. Jahrhunderts.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Die Gefechte der Fliegerkräfte im Ersten Weltkrieg markierten den Beginn des modernen Luftkampfes und veränderten die Kriegführung grundlegend. Der Einsatz von Flugzeugen in militärischen Operationen entwickelte sich rasant von einfachen Aufklärungsflügen hin zu komplizierten Luftgefechten, strategischen Bombardierungen und Luftüberlegenheit.
Die Deutschen bauten allerdings nicht nur auf die fragilen Ein-und Doppeldecker, sondern auch auf das gelenkte Luftschiff.
Anders als die Motorflugzeuge blieb das Militärluftschiff nur ein kleines Zusatzkapitel in der Geschichte der Luftkriegsführung.
Aber selbst unter rücksichtslosem Einsetzen der Luftschiffe wären diese niemals in der Lage gewesen, ganze Städte dem Erdboden gleichzumachen, auch nicht im Jahre 1914, wo die Gefährdung durch feindliche Flieger noch gering war.
Zeppeline konnten nicht nur viel weiter Fliegen als Flugzeuge, sondern auch nahezu 40 Stunden lang in der Luft bleiben.
Zu Beginn des Krieges verfügte Deutschland über ein knappes Dutzend Luftschiffe.
Die starren, gasgefüllten Zeppeline wurden als ideale Fernkampfmaschinen gesehen.
Diese Luftschiffe spielten insbesondere in den Anfangsjahren eine Rolle, wurden jedoch durch die Weiterentwicklung der Flugzeugtechnik und der Luftabwehr zunehmend verwundbarer.
Zumindest zu Kriegsbeginn erreichte kaum ein Flugzeug jene Höhe, in denen Zeppeline durch die Lüfte fuhren.
Der erste Luftangriff im Ersten Weltkrieg erfolgte durch einen Zeppelin.
„LZ-6“ warf über dem belgischen Lüttich am 6. August 1914 modifizierte Artilleriegranaten ab.
Dazu passte, dass sich der erste Luftangriff gegen Deutschland, geflogen von vier englischen Flugzeugen, die in Antwerpen gestartet waren, gegen einen der Heimathäfen der Zeppeline richtete.
Am 22. September 1914 bombardierten britische Marine-Flieger Zeppelin-Hangars in Düsseldorf, später wurde auch die Zeppelin-Basis Köln angegriffen. Sogar Friedrichshafen am Bodensee wurde Angriffsziel von britischen Doppeldeckern, die man, in Kisten verpackt, durch halb Frankreich transportiert hatte.
Die englische Zeppelinphobie rührte vor allem daher, dass die Deutschen mit ihren Luftschiffen bis 1917 immer wieder Angriffe auf England flogen, vor allem nachts auf London.
Bild 1: Zeppelin „L 49“
Die starren, gasgefüllten Zeppeline wurden als ideale Fernkampfmaschinen wahrgenommen. Zumindest zu Kriegsbeginn erreichte kaum ein Flugzeug jene Höhe, in denen Zeppeline durch die Lüfte fuhren.
Zwar waren die Schäden und Zahl der Opfer bei ihren Angriffen relativ gering.
Das deutsche Marineluftschiff „L-49“ war ein Zeppelin des Typs „Q-Klasse“, der während des Ersten Weltkrieges von der deutschen kaiserlichen Marine eingesetzt wurde.
Zeppeline dieser Klasse wurden zu Aufklärungs- und Bombardierungsmissionen über feindlichem Territorium verwendet.
„L-49“ startete zu einer Mission im Oktober 1917, als es im Rahmen eines größeren Luftschiffangriffes auf Paris eingesetzt wurde.
Allerdings wurde es während dieses Angriffes von französischen Flugzeugen abgefangen und musste notlanden.
Das Luftschiff wurde von seiner Besatzung aufgegeben und von den Franzosen unbeschädigt erbeutet.
Bild 2: Marineluftschiff „L 49“ kehrt von einem Angriff auf England in die Luftschiffhalle zurück.
Dies war ein wichtiger Erfolg für die Alliierten, da sie auf diese Weise die deutsche Zeppelin-Technologie untersuchen konnten.
Die „L-49“ war Teil des Versuches der deutschen Marine und des Heeres, strategische Bombenangriffe tief ins Feindesland vorzunehmen, vor allem auf Städte wie London und Paris.
Die Schwäche der Zeppeline, insbesondere ihre Anfälligkeit für Flugabwehrfeuer und feindliche Jäger, wurden im Laufe des Krieges jedoch immer deutlicher.
Bild 3: Angebrachte Bomben unter den Rumpf und Flügeln eines Gotha-Bombers zum Angriff auf London.
Mehr Unheil richteten die deutschen „Gotha-Bomber“ an, zweimotorige Ungetüme, die für taktische Angriffe gegen Stellungen, Artillerie oder Depots an den Fronten ebenso Verwendung fanden wie als Langstrecken-Bomber gegen die britische Kanal-Ostküste und gegen London.
Ihr Pedant auf der Seite der Alliierten waren Bomber des Typs „Handley Page“, mit denen die Briten 1918 zum Beispiel Ludwigshafen und Kaiserslautern bombardierten.
Der letzte deutsche „Gotha“-Angriff auf London fand im Mai 1918 statt.
Dennoch sind eher weniger die „Gothas“, sondern die Zeppeline in der kollektiven Erinnerung der Briten haften geblieben.
Die Angriffe der zunächst unerreichbaren, nicht Abwehrbaren Luftschiffe bedeuteten einerseits die Ausweitung der Kriegsführung auf das tiefe Hinterland und auf die Zivilbevölkerung.
Bild 4: Deutsches Bombenflugzeug während eines Bombenangriffs auf London bei Nacht.
Andererseits durchbrachen die Zeppeline erstmals seit Jahrhunderten, eigentlich seit der normannischen Eroberung 1066, jene als unverletzbar empfundene Sicherheit der Britischen Inseln, die weder die spanische Armada 1588 noch der Erzfeind Napoleon hatte beschädigen können.
Der Einsatz von Zeppelinen und Flugzeugen über den Städten Europas hatte auch eine psychologische Wirkung auf die Zivilbevölkerung.
Besonders die Bombardierung durch die Zeppeline auf London und anderen britischen Städten sorgten für Schrecken und demonstrierten, das die Heimatfront nicht sicher war.
Diese Angriffe zielten darauf ab, die Moral der Zivilbevölkerung zu schwächen und den Druck auf die politische Führung auszuüben, da die zivile Bevölkerung direkt betroffen war.
Die Zeppeline hatten im Krieg enorm hohe Verluste.
Diese Verluste rührten durch die Feindeinwirkung und durch die vielen Unfälle her.
Dadurch ging die „Zeppelinwaffe“ de facto zugrunde.
Der Nachruhm der Zeppeline verglühte endgültig mit der Explosion des zivilen Amerika Zeppelins „LZ 129 Hindenburg“ am 6. Mai 1937 in Lakehurst in seiner Halle, rund 100 km südwestlich von New York City.
Tiefschwarz lag die Nacht über dem Meer und der Insel. Gewaltige Wogenberge, aufgewühlt vom Nordoststurm, wälzten sich gegen die Dünen und steinigen Klippen von Helgoland.
Die Insel ragte gigantisch, wie eine ungeheure, felsige Faust zum schwarzen Firmament empor.
Nichts regte sich in der weiten Runde.
Selbst das Geschrei der immer gefräßigen Möwen war nicht zu hören.
Nur die Brandung, die an die unbezwingbaren felsigen Ufer donnerten, war der einzige Naturlaut, der sich hören ließ und der sich mit dem Nordostwind vermischte.
Allmählich flaute der Sturm von Osten her ab.
Ein wetterkundiger Offizier prüfte die veränderte Windrichtung.
Als er meinte, dass der Wind anhalten würde, gab er telefonisch, das Ergebnis an den Kommandanten weiter.
Der Kommandeur war nicht zur Ruhe gegangen.
Gerade nachts zog er es vor, kein Auge zuzumachen. Dafür pflegte am Tage einige Stunden zu schlafen.
Auf sein Alarmzeichen hin wurde es im Kommandanturgebäude lebendig.
Seeoffiziere eilten herbei.
Signale der Pfeifen der Bootsmannsmaate schrillten durch die Nacht.
Matrosen tauchten aus dem gespenstischen Dunkel auf und verschwanden wieder.
Geheimnisvoll bereitete sich etwas vor.
Was das war, wusste man jedoch nicht.
Bild 5: „L 41“ vor der Halle.
Aber es gab keinen Zweifel, eine Aktion gegen den Feind, gegen England, war im Gange.
Der Ostwind hielt an.
Wie ein riesiges Raubvogelnest, so lag die englische Insel, von der Silbersee umspült da.
Ihre Küsten starrten wohlbewehrt jedem entgegen.
Dieser sicheren, unzugänglichen Insel sollte sich da etwa ein Gegner finden, der sie endlich niederzwingen sollte.
Zwei gewaltige Tore einer lang gestreckten Halle öffneten sich leise quietschend mit ihren Rädern auf einer Schiene aus Metall.
Ein Lichtstreifen, vom Licht der abgedämpften Glühlampen, die das Innere der Halle erhellten, fiel durch das geöffnete Tor.
Ein Schlachtkreuzer, ein Zeppelin, lag an Seilen gefesselt in der mächtigen Halle.
Im Luftschiff wurde es lebendig.
Mannschaft und Offiziere hatten die Gondel bestiegen und ihre Plätze eingenommen.
Noch war Zeit bis zur Abfahrt.
Rege Betriebsamkeit an der hinteren Gondel.
Sie musste noch eine kostbare Ladung aufnehmen.
Es waren zahlreiche Bomben, bestimmt für England.
Auf ein Signal hin lief das Bodenpersonal zu den Leinen, die das Luftschiff an die Erde fesselte.
Kaum waren die Leinen aus den Verankerungen gelöst und der riesige Flugkörper von seinen Fesseln befreit, da glitt er langsam schwebend aus der Halle, um außerhalb, in der freien Luft mit eigener Kraft davon zufliegen.
Der starke Ostwind drückte den Zeppelin sofort auf Ostkurs, Richtung englische Insel.
Die Motoren sprangen an und die Propeller fingen an zu surren.
Pfeilgeschwind schoss das Riesenschiff durch die Nacht, ins Schwarze, Ungewisse dahin.
Beklommen sahen die Zurückbleibenden dem mächtigen Vogel nach, der sich in den dunklen Äther schwang.
Unter sich die schäumenden Wogen der Nordsee, über sich das dunkle, ausgedehnte Wolkenmeer, so steuerte der Zeppelin durch die sinkende Nacht, den jungen Morgen entgegen.
Höher, immer höher stieg das Flugschiff, bis es für jeder Manns Auge unsichtbar wurde.
Hoch über den Wolkenmassen flog der zigarrensförmige Schlachtkreuzer vom Winde um rauscht, Richtung England.
Herauf zog der junge Tag.
Die aus dem Meer aufsteigende Sonne machte sich bemerkbar, und flugs teilten die goldenen Strahlen die undurchdringliche Wolkendecke.
Die blaue, von langen dahingleitenden Wellen, mit weißen Schaumkronen besetzte Wasserfläche der Nordsee kam wieder zum Vorschein, aber auch die englische Küste mit ihren Kalkfelsen wurde sichtbar.
Immer kleiner wurde der Abstand zwischen der weißen Küste und dem blauen Wasser.
Und da, landeinwärts, tauchten die Kirchtürme von Hull auf, die unweit dem Ausfluss des Humber lag.
Immer höher stieg die strahlende Sonne und tauchte die friedlich befestigte Stadt in ihr helles Licht.
Jetzt fuhr der Zeppelin nur noch mit halber Kraft dahin.
Dann schwebte das graue glänzende Schlachtschiff über den Befestigungen der Stadt.
In der hinteren Gondel wurde es lebendig.
Bomben wurden zum Abwurf bereit gemacht.
„Abwurf!“, kam da der Befehl.
Eine Bombe nach der anderen löste sich von dem zylinderförmigen Rumpf des Schiffes.
Trudelnd schwebten die Sprengkörper der Erde entgegen.
„Bum - Krach!“
„Bum - Krach!“
Zum Tode erschrocken fuhren die Schläfer, der da unten liegenden Ortschaft, aus dem Morgenschlummer empor.
Wieder schlug es krachend ein.
Nochmals!
Wieder und immer wieder!
Zahlreiche Häuser gingen in Flammen auf.
Die Hafenbefestigungen lagen in Trümmern.
Bild 6: Zeppelin im Einsatz.
Überall riesige Rauchwolken, durchzuckt vom hellen rot glühenden Schein des hellen Flammenmeeres.
Eine Schiffswerft wurde zerstört.
Viele Häuser der High Street nur noch ein Trümmerfeld.
Über Hunderte Menschen getötet und verwundet.
Der mächtige Vogel setzte sich in Bewegung, nahm mit voller Kraft die Fahrt nach Süden auf.
London entgegen.
Noch schlief alles zu dieser Zeit in der Stadt an der Themse.
Noch war alles still!
Und jene oft angekündigten Abwehrkanonen gegen die gefürchteten Zeppelinluftschiffe schliefen ebenfalls.
Der majestätisch dahinfliegende Kreuzer näherte sich gleichmäßig dahingleitend der Hauptstadt Britanniens.
Tief unter ihm breitete sich das gewaltige Häusermeer, und ein breites silbernes Band, das zwischen den Häusermassen glänzte, aus.
Auf jenem Band zog eine riesige Kauffahrteiflotte dahin, die die Schätze und Waren aus allen Ländern brachte und an ferne Gestade trug.
An Größe die Kauffahrteischiffe überragend, glitten die riesigen Dreadnoughts die Themse hinunter, dem offenen Meer zu.
Da ragte das lang gestreckte Parlamentsgebäude mit seinen vielen Türmen und Zacken in die Luft, die gewaltige Tower Brücke tauchte auf, das königliche Schloss in Windsor mit seinen weitläufigen Parks und da, das Wahrzeichen Londons, die kolossale St.-Pauls-Kathedrale.
Tiefer neigte sich der graue mächtige Vogel, als wollte er all die Wahrzeichen Londons besser in Augenschein nehmen.
Ein dumpfer Knall erschütterte die Luft.
Noch einer!
Ein Dritter!
Rauchsäulen stiegen empor.
Feuergarben züngelten gen Himmel.
Als ob das den Zeppelin in seiner Höhe gar nichts anginge, schwebte er langsam weiter und sandte seine Tod und Verderben speienden Bomben in die Tiefe.
Auf einer Riesenbrücke, über die zahllose Eisenbahngleise führten, schlug eine Bombe nach der anderen ein, bis diese zerstört war.
Mächtige Dockanlagen gingen in Flammen auf und blieben als ein Haufen von Trümmern zurück.
Beim weiteren Flug hinterließ der Luftkreuzer, durch den Abwurf seiner Bomben ein Bild der Verwüstung.
Große Vorräte, für den Krieg bestimmt, wurden ein Raub der Flammen.
Angehäufte Munition explodierte.
Kasernen gingen in Flammen auf.
Soldaten wurden getötet und verwundet.
Bild 7: „L-55“ landet.
Ehe noch die Londoner Bürger sich von diesem furchtbaren Schrecken erholt hatten, ehe die Militärbehörden zu ihren Abwehrkanonen und Maschinengewehren eilen konnten, war das deutsche Luftschiff bereits unbeschädigt dem Bereich der feindlichen Kugeln entschwebt.
Über die Themsemündung zog es von tannen.
Machtlos, etwas tun zu können, lag unweit davon, bei Sherneß, ein Teil der großen englischen Flotte.
Tatenlos sahen sie zu, wie der feindliche Luftkreuzer davon flog. Hörten seine Propeller surren und standen in ihrer ohnmächtigen Wut da und wussten nicht, wie sie den Zeppelin aufhalten konnten.
Unter sich die stahlblauen Wogen der Nordsee, zog der große Vogel heim, von weiten schon gesichtet von dem freudig harrenden Kommando auf Helgoland.
Die rötlichen Felsen Helgolands rückten näher und näher.
Die deutsche Flotte sandte Salutschüsse in den heraufziehenden Morgen.
Es dauerte nicht mehr lange, da lag der Zeppelin wohlbehalten und geborgen in seiner Halle.
Die Berechtigung der Verwendung bombenwerfender Zeppeline wurde von feindlicher Seite, wie von England lebhaft bestritten.
Auf jeden Fall waren die Luftschiffe ein sehr wertvolles Mittel für die Aufklärung über See auf große Entfernungen.
Flugzeuge standen zwar in ausreichender Zahl zur Verfügung. Die damaligen Typen waren aber noch nicht in der Lage, weite Strecken über das offene Meer mit Sicherheit zurückzulegen.
Torpedoboote und Kreuzer besaßen zwar die erforderlichen Geschwindigkeiten; sie waren aber auf ihren Fahrten ständig und im steigenden Maße der Minen- und Unterseebootsgefahr ausgesetzt.
Bei seiner großen Abhängigkeit von der Halle war das Luftschiff jedoch nicht imstande, jederzeit aufsteigen zu können.
Die Luftschifflandeplätze hatten mit einer Ausnahme, Drehhalle Nordholz, feste Hallen.
Bei Windstärke von mehr als 5 Metern in der Sekunde quer zur Hallenrichtung war es nicht mehr möglich, ein Luftschiff ohne Gefahr heraus auf den Platz zu bringen.
Infolge seiner großen Abmessungen bot es dem Winde eine zu große Widerstandsfläche, und wer die Nordsee kennt, wusste wie leicht der Wind auffrischte.
An allen Tagen, wo sich die Fahrmöglichkeit bot, waren bei Tag und Nacht Luftschiffe unterwegs zur Aufklärung in der engeren und weiteren Deutschen Bucht.
Bis in den englischen Kanal, nach Schottland und bis nach Norwegen führte sie der Flottenbefehl.
Bild 8: Beschädigter Zeppelin wird in Ostende eingeschleppt.
Alle Fahrzeuge, die in Sicht kamen, und sonstige Vorkommnisse wurden drahtlos gemeldet.
Bei dickem Nebel und schwerer See, wenn die Luftschiffaufklärung unmöglich war, verließen englische leichte Streitkräfte freilich ihre Häfen, um unbemerkt Minensperren legen zu können.
Eine Frage von besonderer Bedeutung wurde mit dem Fortschreiten des Krieges die Bekämpfung feindlicher Unterseeboote in der Deutschen Bucht.
Nördlich der holländischen Inseln kam es mehrfach zu erbitterten Kämpfen deutscher Flugzeuge und Luftschiffe mit englischen Unterseebooten.
Am 3. Mai 1915 stieß das Luftschiff „L-9“ auf vier englische Unterseeboote.
Aus einer Höhe von 800 Metern wurde das vorderste, lebhaft feuernde Boot angegriffen, während die drei anderen schleunigst tauchten.
Vier 50 kg-Bomben mit Verzögerungszünder schlugen dicht neben dem Turm ein.
Aufsteigenden Luft- und Ölblasen ließen mit Sicherheit auf die Vernichtung des Unterseebootes schließen.
In der berechtigten Annahme, dass die drei anderen Boote unter Wasser den Kurs nach der Deutschen Bucht fortsetzen würden, bog das Luftschiff ab, um sich der Periskop-Beobachtung zu entziehen und die Gegner Glauben zu machen, dass sie der Gefahr entronnen seien.
Die Vermutung traf zu.
Zwei der Unterseeboote wurden bei ihrem Auftauchen überrascht und das Luftschiff ging sofort zum Angriff in geringer Höhe vor und vernichtete mittels Bomben einen zweiten Gegner, der spurlos in der Tiefe verschwand.
Auch bei der schwierigen, gefahrvollen Arbeit der deutschen Minensuchflottille leisteten Luftschiffe wertvolle Dienste.
