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Junger Mann mit künstlerischen Ambitionen antwortet auf eine Annonce für eine Artistenstelle. Die Partner verstehen sich nach dem Engagement nicht nur auf der Bühne. Als jedoch mehr als Sympathie erwartet wird, kommt es zur Gewalttat.
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Seitenzahl: 35
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Christian Lunzer - Henner Kotte
Der Fall Henjes
Kollegen
© 2016 cc-live
Kreittmayrstr. 26, 80335 München
Cover: cc-live
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-95616-582-5
www.cc-live.net
Inhalt
Kollegen
Quellen
Lust auf mehr?
Mütter, Töchter, Ehefrauen
Gift & Galle
Auf Messers Schneide
Weibliche Tugenden
Mörderische Arbeitsmarktverwaltung
Mord am Arbeitsplatz
Arbeitsplatz und Ausbildung
Die Autoren
Der Verlag
Impressum
Name: HenjesVorname: BernoGeboren: 27. 2. 1933Geburtsort: GelsenkirchenGröße: 161 cmBeruf: ohne erl. BerufGestalt: schlankHaar: dunkelblondBart: ohneSchulterneigung: waagerechtGesicht: ovalStirn: hoch, senkr. Augen: dunkelbraunAugenbrauen: dichtNase: mittelOhren: mittel abstehendMund: vollKinn: rundHaltung: geradeSprache/Mundart: hochdeutschMerkmale: rechts an der Stirn eine Narbe
Urteilsbegründung vom 12. Oktober 1950: „Nach dem Gutachten des Psychiaters handelt es sich bei dem siebzehnjährigen Henjes um einen Jugendlichen, dessen Gefühle sich an der Oberfläche befinden und nicht in die Tiefe gehen. Er sei Kokett wie ein Mädchen und achte sehr auf sein Äußeres. Dieser Eindruck wurde auch durch sein Verhalten vor Gericht weitgehend bestätigt, wenn auch die Tat und die Gerichtsverhandlung ihn beeindruckten. Eine Geistesstörung oder eine Geistesschwäche konnte der sachverständige Psychiater nicht feststellen, bejahte jedoch trotz genügender Intelligenz seine Unreife. Auch sei er oberflächlich, spielerisch, egozentrisch und leichtsinnig. Das fand das Gericht im Auftreten ohne Engagement und den Nachfolgendem „dezenten Einsammeln“ bestätigt. Der vom Psychiater behaupteten Gefühlskälte widerspricht der rege Briefwechsel zwischen ihm und seinen Angehörigen. Er scheint sich gern als Beschützer zu fühlen. Wahrscheinlich hat es in den vergangenen Jahren an einem festen Halt und einer sachgemäßen Erziehung gefehlt. Weitkamp ist moralisch nicht verloren. Er wird, unterstützt von geeigneten Erziehungsmaßnahmen, sich in ein geordnetes Leben zurückfinden, zumal mit zunehmenden Alter eine gewisse sittliche Reife zu erwarten ist ... Die Tat ist vorsätzlich geschehen. Er ist jedoch kein Mörder, da er weder aus Mordlust noch aus Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen tötete, vielmehr wusste er sich in seiner jugendlichen Unreife keine andere Möglichkeit als diese Tat. Trotzdem wurde auch der mildere Fall, verneint, da Henjes nicht ohne eigene Schuld gehandelt hatte, und er weder durch eine Misshandlung oder schwere Beleidigung auf der Stelle zur Tat hingerissen wurde ..."
Zwei Wochen vor Weihnachten, Dezember 1949: Vielleicht saß Berno Henjes in einem Café. Vielleicht las er Zeitung bei Muttern daheim. Vielleicht lag die „Berliner Palette“ in der Kantine des Meininger Theaters. Berno ist im Hause Eleve beim Ballett. Auch in anderen Stücken hat er bereits dort auf der Bühne gestanden. Im letzten Schuljahr war jemand in seine Klasse gekommen und hatte die Kinder vom Theater begeistert. Berno ist stimmbegabt und hat sich für die Aufführung des „Wildschütz“ gemeldet. „In der Folgezeit habe ich dann weiter als Tanzeleve im Meininger Landestheater mitgespielt. Später wurde dann in Meiningen eine Ballettschule gegründet, und nur Schüler dieser Schule wurden für die Aufführungen im Theater herangezogen. Für diese Schule musste ich ein monatliches Schulgeld von DM 20,- aufbringen. Ich habe für andere Leute Holz gehackt, Wege besorgt usw. , nur um mir dieses Schulgeld zu erarbeiten. Ich wollte Schauspieler werden. Ich habe nie einen Tag Berufsschule besucht, man hat mich auch nie dazu angehalten. Ich weiß nicht, wieso ich darum gekommen bin." Am Theater fühlt sich der Junge aufgehoben, akzeptiert. Auch ist er erwachsen, eine ältere Balletteuse zeigte dem Eleven Liebe. Die Mutter kann ihren „Großen“ finanziell nicht unterstützen. Vier Kinder hat sie zu ernähren. Seit zehn Jahren lebt sie in Meiningen. Seit zehn Jahren ist Bernos Vater vermisst. Auch ihr zweiter Ehemann blieb im Krieg. Die Familie lebt von der Wohlfahrt. Mit Stricken verdient die Mutter ein wenig hinzu. Berno hat fünf Jahre die Schule besucht, für seine Familie ist er jederzeit da. Er liebt die Mutter, die Geschwister. Aber eines war Berno gewiss: Nirgendwo anders als auf einer Bühne möchte er arbeiten. Für diesen Traum tut er alles.
