Der Fall Pöffel - Christian Lunzer - E-Book

Der Fall Pöffel E-Book

Christian Lunzer

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Beschreibung

Die wilden 1920er Jahre des letzten Jahrhunderts: Dieses Duell zweier Arbeitnehmer in einem Zeitungsverlag endete für den einen mit der völligen Vernichtung seiner Existenzgrundlage, für den anderen mit einer tödlichen Revolverkugel.

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Seitenzahl: 24

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Christian Lunzer - Henner Kotte

Der Fall Pöffel

Arbeitsvertrag

 

 

© 2016 cc-live

Kreittmayrstr. 26, 80335 München

Cover: cc-live

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-95616-576-4

www.cc-live.net

 

Inhalt

Arbeitsvertrag

Quellen

Literatur

Lust auf mehr?

Mütter, Töchter, Ehefrauen

Gift & Galle

Auf Messers Schneide

Weibliche Tugenden

Mörderische Arbeitsmarktverwaltung

Mord am Arbeitsplatz

Arbeitsplatz und Ausbildung

Die Autoren

Der Verlag

Impressum

 

Arbeitsvertrag

Die außerordentliche Redaktionssitzung im „Neuen Wiener Journal“ am Nachmittag des 12. März 1925 verlief äußerst stürmisch und turbulent. Bruno Wolf, Betriebsratsobmann und leitender Lokal- Redakteur des Blattes hatte sie einberufen. Anlass war, wie schon des Öfteren, ein für den Journalismus und das Pressewesen der Zeit typisches Problem, die Verbindung, besser Trennung, von Geschäft und Nachricht, von bezahlten und daher tendenziösen Anzeigen und Artikeln zu objektiven, redaktionellen Meldungen.

Naturgemäß werden gute Anzeigenkunden und Finanziers generell nicht mit für sie negativen Meldungen gequält. Und dass Nachrichten und die Art, wie und ob sie gebracht werden, profitabel sein können, war auch damals schon keine neue Erkenntnis. In derartig wirtschaftlich labilen Zeiten aber musste das Problem besonders virulent werden, die Grenzen von professionell Erklärbarem zu kriminellem Verhalten, zu Betrug und Erpressung, fließend. Wie sehr sich mit gelenkten Nachrichten ganze Industrie-Imperien aufbauen ließen, zeigte das Beispiel des österreichisch-ungarischen Spekulanten Imre Békessy, dessen Machenschaften Karl Kraus zuerst bekämpft und dann zu Fall gebracht hatte.

Auch das neue Wiener Journal, schon vor der Jahrhundertwende als „gehobene“ Boulevardzeitung gegründet und durchaus erfolgreich, hatte diesbezüglich keinen guten Ruf. Die Arbeiterzeitung hatte sie mehrmals unwidersprochen der Korruption beschuldigt. Für Karl Kraus war der Herausgeber Jacob Lippowitz direkter Nachfolger Békessys, ein „Krämer, der glaubte, sich für sein Geld alles, auch jede Feder, kaufen zu können. „ Kaum eine Nummer der Fackel ohne „Geschichten von Lippowitz“.

Daher musste die Zeitung, zumindest nach außen hin, alles tun, um die Glaubwürdigkeit seiner Redaktion zu verteidigen, allen voran der Betriebsratsobmann Bruno Wolf, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit vom notwendigen Ethos des Journalisten und von der moralischen Verantwortung der Presse und der Unvereinbarkeit von Kommerz und Nachricht sprach. Daher musste er auch entschieden auftreten, als ein einschlägiger Fall in der eigenen Redaktion ruchbar wurde:

Der erst seit einem Jahr im Dienst stehende Redakteur der volkswirtschaftlichen Abteilung Oskar Pöffel hatte angeblich nicht nur Gefälligkeitsartikel für Inseratenkunden geschrieben und veröffentlicht, was nicht unüblich und nicht unmoralisch war, sondern darüber hinaus bei potenziellen Kunden direkt um Anzeigen geworben, mit dem Hinweis auf redaktionelle Ergänzungen im Text oder unter Androhung unvorteilhafter Meldungen zu Inseraten genötigt. Dabei habe Pöffel aber durchaus auch für sich selbst und die eigene Tasche, und nicht nur für die Kasse seiner Zeitung gearbeitet, sich, nach den Worten des Betriebsratsobmanns und – einfacher gesagt – bestechen lassen, und, schlimmer noch, Kunden erpresst.