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Hauptfigur: Ein Lesbenkind, Kevin, der Fischdosenjunge von zwei Frauen in das Leben hineingeliebt möglich durch eine Eizellen- Samenspende und Leihmutter. Er geht in den Kindergarten, geht zur Schule und schleppt seine Fischdose immer mit. Er wird getauft und konfirmiert, sozusagen Gottes Kind. Er lernt seine Großeltern kennen und Rudolf fährt zur grünen Woche, wo ihm Imke, seine Frau begegnet. Imke, aus großem Haus ist Familienpflegerin und wie Kevin, lässt sie sich berühren von allen Ungereimtheiten dieser Welt. Schlussendlich lernt er seinen Samenspender und auch seine Leihmutter kennen. Eine spannende Geschichte.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2018
Hildegard Kiunke
Der Fischdosenjunge
© 2018 Hildegard Kiunke
Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7469-8990-7
Hardcover:
978-3-7469-8991-4
e-Book:
978-3-7469-8992-1
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Allen Kindern dieser Welt
Inhalt
Vorwort
Die Vorgeschichte
Kevin hat einen neuen Freund.
Kevin wird aufgeklärt
Petra und Marlis erinnern sich
Kindergeburtstag und Antwortversuche
Kevin und Christoph lernen Posaune
Großer Familientreff nach dem Konzert.
Die neue Familie hält Beratung.
Gymnasium
Kevins Geburtstag und ernste Gespräche
Der Sommerferienrest.
Die große Aufklärung
Im neuen Haus.
Kevin und Christoph bekommen den Preis.
Kevin wird getauft
Viel Neues in Kevins Leben.
Nach der Ernte
Der Winter hält Einzug.
Kevin bereitet sich auf die Grüne Woche vor
Auf der Grünen Woche in Berlin
Annäherung auf der Grünen Woche.
Wieder daheim.
Kevin und Imke.
Kevin und Imke bekennen Farbe
Kevin und Imke fahren nach Amsterdam
Hochzeit und vieles mehr
Hochzeitsnachklang
Das V.M.K-Haus
Ein glücklicher Mensch geht zu den Engeln
Viel Neues beginnt
Die Zeit bleibt nicht stehen.
Eine Schülerin ist schwanger
Ganz Unerwartetes
Michas Brief.
Nachwort
Vorwort
Ein Fischdosenjunge
Aus der Fischdose ins Leben hineingeliebt.
Wie lebt es sich als solcher?
Vier Fastmütter, keinen Vater.
Teilen Sie dieses Leben mit Kevin.
Machen sie seine Fragen zu ihren Fragen.
Finden Sie Antworten sich selbst und der Gesellschaft.
Wenn es diesem Buch gelingt, Fragen und Antworten
herauszufordern, hat es seinen Sinn erfüllt
Die Vorgeschichte
Er war nicht zu übersehen, der kleine Thiel-Möller mit den sorgfältig gescheitelten braunen Haaren und genauso sorgfältiger Kleidung. Kamen die anderen Kinder fast alle in Jeans und irgendwelchen grau-rot gemusterten Pullis in den Frühlingskindergarten, hatte Thiel-Möller immer irgendwie ins Braune tendierende Klamotten an, zu seinen braunen Haaren passend. Hätte man gefragt, was das für ein gepflegtes Kind ist, könnte die Antwort gewesen sein: ein Kindermodel für den Otto-Katalog. Wie seine Kleidung und sein Haar, schien auch er selbst durch und durch in Ordnung zu sein oder doch nicht so ganz. Konnten im Kindergarten die Jungens mit ihm nichts anfangen, ging er in die Mädchengruppe und interessierte sich immer ganz besonders für die Vaterfiguren, ob bei den Playmobilfiguren oder in anderen Spielsituationen. Es konnte sein, dass er mitten in ein Spiel hinein fragte, „hast du einen Vater?“ Er merkte wohl, dass Erwachsene, wenn sie ihre Kinder brachten oder abholten, sich über ihn unterhielten, mit der Hand auf ihn zeigten und einmal hörte er, dass eine zur anderen sagte “Das da, das ist er.“ Als er zu Hause bei Petra und Marlis, seinen Fastmüttern, nachfragte, was an ihm sei, dass sich andere über ihn unterhalten, bekam er eine sehr einfache Antwort, die ihm schnell einleuchtete und auch schmeckte, nämlich die: „Du bist eben ein ganz besonders hübscher Junge und siehst gepflegter aus als alle anderen.“
Ja, Kevin schmeckte diese Erklärung, aber Marlis, die vor einigen Tagen mit ihm auf einem Spielplatz gewesen war, machte sich doch Gedanken darüber, wie es weiter gehen sollte. Auf dem Spielplatz hatte Kevin einfach zu einer jungen Frau, die auf dem Rand des Sandkastens saß, Mama gesagt und die hatte geantwortet: „ich bin doch nicht deine Mama!!“ Zum Glück hatte Kevin nicht weiter gefragt, wo denn seine Mama sei. Er hat auch nichts dazu gesagt, als er einen Vater angesprochen hat und der ihm antwortete: „Das hättest Du wohl gern!“ mit einem Blick zu ihr herüber, den sie noch viele Tage danach spürte. Kevin hat einfach weitergespielt, weil er wohl gar nicht verstanden hatte, was der angesprochene Vater meinte.
Als Petra und Marlis sich zum Schlussgespräch mit der Kindergartenleiterin unterhielten, kam die Sprache natürlich auch auf diese Situation. Beide entschieden aber, dass eine Aufklärung zum jetzigen Zeitpunkt für Kevin noch viel zu früh sei, obwohl sie sich in dieser Meinung nicht einig waren. Dennoch, sie schoben die Aufklärung vor sich her, weil sie nicht wussten, wie sie vorgehen wollten.
Kevin hat einen neuen Freund.
Die Kindergartenzeit ging dem Ende entgegen und auf einem Nachhauseweg lernte er Christoph kennen. Sie waren gleich groß, obgleich Christoph mehr als ein Jahr älter war als Kevin. Gleich am ersten Ferientag haben sie sich am Nachmittag getroffen. Eigentlich ging Kevin am Nachmittag immer zu einer Tante, die war Witwe und hatte an diesem hübschen, wohlerzogenen Jungen ihre Freude. Sie tat alles, um es diesem Jungen schön zu machen. Sie gingen in den Wald, beobachteten die Tiere und Vögel. Kevin wusste die Namen von allen Tieren, Bäumen und Pflanzen. Oft kehrten sie gemeinsam in ein Café ein und je nach Jahreszeit gab es Eis oder ein Glas Schokolade.
Nun aber traf er sich mit einem Jungen seines Alters, mit dem er sich auf den letzten gemeinsamen Heimwegen vom Kindergarten angefreundet hatte und das wurde aufregend. Als sich herausstellte, dass Kevin weder ein Fahrrad hatte noch, dass er Rad fahren konnte, wusste der Freund Rat. Sie gingen auf einen Platz in der Nähe, auf dem kaum mal eine Menschenseele anzutreffen war. Der Platz wies eine geeignete Länge auf und also begannen die Fahr-Übungsstunden mit dem Rad. Zuerst mal das Aufsteigen, um in Gang zu kommen und das Gleichgewicht zu halten. Ein paar Beulen gab es natürlich, aber keine schlimmen. Schon nach einer kleinen Stunde konnte Kevin ganz gut fahren. Das war ein Heidenspaß für beide und Kevin fragte gleich, ob an dieser Sache denn auch alles in Ordnung sei für die Umwelt. Weil es nicht gut für die Umwelt ist, haben wir nämlich kein Auto, sagen Petra und Marlis. „Aha, und dein Vater, was sagt der dazu?“ - „Das weiß ich nicht.“ - „Na egal, mit dem Fahrrad richtest du keinen Schaden an und wir fahren jetzt beide mit dem Fahrrad zu mir, das ist ein Weg, auf dem kein Auto fährt.“ Also fuhren sie nach der „Bäumchen wechsle dich Manier“ los. Zuerst fuhr Christoph bis zum großen Telegrafenmasten und ließ das Fahrrad dort stehen. Jetzt war Kevin an der Reihe und fuhr bis zum verabredeten Punkt. Das letzte Stück gingen sie gemeinsam zu Fuß. Sie redeten noch eine Weile mit Christophs Eltern und Birgit, seiner Schwester. Kevin verabschiedete sich höflich von der Mutter und etwas zögernd vom Vater. Als er Grüße an seine Eltern bestellen sollte, platzte es aus ihm heraus, wie aus einem zu prallen Fußball „NEIN! Und ob ich noch einmal wiederkomme, weiß ich auch nicht.“, drehte sich auf den Fersen um und lief wie gejagt davon. Die Eltern waren baff: „Was war das denn jetzt??“
Sie konnten es sich nicht erklären. Der Junge machte doch einen so wohlerzogenen Eindruck und schien auch sonst keine Probleme zu haben.
Die Familie unterhielt sich noch lange über Kevin. Christoph erzählte, dass die Familie kein Auto hätte, weil Autos umweltschädlich seien. Im Übrigen schienen das seine Schwestern Marlis und Petra zu bestimmen. Als ich ihn nämlich fragte, was denn sein Vater dazu sagen würde, war seine Antwort „Das weiß ich nicht.“
„Vielleicht liegt da der Hund begraben.“ meinte Christophs Vater. „Womöglich ist der Vater abgehauen und seine Mutter ist, wie heute fast modern, alleinerziehend. Wo arbeitet die Mutter denn wohl, wenn er mit den Schwestern alleine zu Hause ist? Vielleicht hat sie einen auswärtigen Job, um das Geld für die Familie herbeizuschaffen. Wisst ihr, wir regeln das heute nicht mehr. Geht ihr beiden schon mal Richtung Bett, Birgit muss morgen noch mal in die Schule, Zeugnisse abholen. Aber du Christoph, guck auf Kevin, wenn der dir nicht zu unsympathisch ist, und kümmere dich ein bisschen um ihn, wenn du ihn morgen siehst. Vielleicht hat er deine Freundschaft nötiger, als wir ahnen.“
Marlis stand in der Haustür und nahm ihren Kevin glücklich in die Arme. Er kam zwei Stunden später nach Hause als üblich, mit glühendem Gesicht und das nicht nur vom Rennen. Sogleich, als sie sich zum Abendbrot an den Tisch gesetzt hatten, ergriff Kevin das Wort. Das war ebenfalls anders als sonst.
„Wisst ihr was – ich möchte zu meinem Geburtstag ein Fahrrad haben und damit fahre ich zur Schule – mit Christoph zusammen.“
„Wieso das denn? Du kannst doch noch gar nicht fahren. Außerdem fährt ein Schulbus, deswegen haben wir doch diese Schule ausgesucht!“
„Doch, ich kann, das habe ich heute mit Christoph gelernt. Wir sind zusammen mit dem Rad schon von der Wiese zu ihm nach Hause gefahren, zu seinen Eltern, jawohl, zu seinen Eltern.“
Dass er nicht das Tischtuch samt dem Geschirr vom Tisch gerissen hat, war ein Wunder, denn so schnell hat er den Abgang in sein Zimmer genommen. Was war heute nur mit dem Jungen los. Jetzt hat er auch noch die Tür nicht nur hinter sich zugeknallt. Nein, er hat auch noch den Schlüssel rausgezogen, von innen eingesteckt und abgeschlossen.
Ob ihm der Christoph irgendetwas erzählt hat.
Kevin wird aufgeklärt
„Marlis, ich sage es dir schon die ganze Zeit, bevor der Junge in die Schule kommt, müssen wir ihn kindgerecht aufklären. Er muss erfahren, warum er keinen Vater hat und eben auch keine Mutter. Das können wir nicht bis zum Schulbeginn aufheben. Er muss es zum Schulbeginn verarbeitet haben.“
„Wie sollen wir ihm das nur erklären, gibt es denn gar niemanden, der uns helfen könnte? Das Jugendamt werden wir auf gar keinen Fall zu Rate ziehen.“ „Mensch Marlis, du hast doch eine Freundin gehabt, die Pastorin geworden ist.“
„Ja aber, das ist doch ewig her, da war ich fünf Jahre. Als du und ich eng wurden, hat sich die Freundschaft aufgelöst. Die schreibt mir nicht mal mehr. Ich in keiner Kirche und nicht mal getauft. Ich kann nicht mal mehr ein Vaterunser beten und jetzt soll ich bei ihr anfragen, was wir beiden Lesben mit unserem Jungen machen sollen. Die flippt total aus und bekommt wohl möglich noch ein schlechtes Gewissen, weil sie sich nicht besser um mich gekümmert hat. Schließlich war sie drei Jahre älter als ich und hat immer den Ton angegeben. Nee du, das will ich nicht, die hat Schwierigkeiten mit sich selbst genug. Da muss eine andere Lösung her, aber jetzt lass uns erst mal schlafen gehen.“
Sie gingen schlafen, nur der Schlaf stellte sich nicht ein. Kevin konnte ebenfalls nicht schlafen, er musste nur denken, immer nur denken. Warum nur hatte er keinen Vater. Petra und Marlis waren ja toll, aber seine Mütter schienen sie auch nicht wirklich zu sein. Ja, und wenn, warum dann zwei. Zwei Mütter und keinen Vater! Das Frühstück nach dieser schlaflosen Nacht verlief in aller Stille und dabei lagen die Fragen und nicht gegebenen Antworten so schwer in der Luft wie eine gemästete Gans im Gras. Es war allen dreien der Appetit vergangen
Christoph stand mit seinem Rad vor Kevins Haustür. “Hallo, kommst du mit, mir mein Geburtstagsfahrrad auszusuchen, beim Fahrrad-Losse im Dorf?“
„Ja, warte, gleich! Christoph, du hast doch einen Vater, eine Mutter und eine Schwester. Wieso habe ich Petra und Marlis, aber keinen Vater, keine Schwester und ich glaube, ‘ne ganz richtige Mutter habe ich auch nicht. Weißt du, warum das so ist?
„Nicht richtig! Aber meine Mutter kann es Dir vielleicht erklären, wenn du magst, heute Nachmittag.“
Sie saßen in der Küche am großen Tisch, Birgit musste nach draußen gehen, Kevin saß da, gespannt wie ein Flitzebogen.
„Kevin, es ist schwierig für mich, dir zu erklären, warum du keinen Vater hast. Ich weiß auch nicht, was deine Mütter sagen… oder wie nennst du die zwei Frauen, die so gut für dich sorgen, wenn ich dir die komplizierten Zusammenhänge erkläre.“
„Da geht es doch schon los, Leo und Heinz sagen, keiner hat zwei Mütter, auch dann nicht, wenn er keinen Vater hat.“
„Petra und Marlis haben dich doch offensichtlich sehr lieb und sie lieben sich, wie mein Mann und ich uns lieben. Nur kann man kein Kind bekommen, wenn man sich als Frau nicht in einen Mann verliebt hat, sondern in eine Frau. Da haben sie einen Weg gesucht und gefunden, ein Kind zu bekommen, ohne dass ein Mann dabei ist und so bist du zu ihnen gekommen. Du bist ihnen am allerwichtigsten. Glaub mir, es gibt viele Kinder, die Vater und Mutter haben und werden nicht so geliebt wie du von Petra und Marlis. Mehr kann und will ich dir nicht erzählen, mehr noch und Genaueres müssen dir deine beiden Mütter erzählen. Es wäre auch nicht recht, wenn ich ihnen das alles vorwegnähme. Dann noch eins Kevin, sag und denk: Es seien deine Mütter, sie haben es verdient.“
Nach dieser langen Erzählung stand Kevin ganz ruhig auf, so als wäre er um Jahre älter geworden und um eine schwere Erfahrung reicher. Sagte leise tschüs und ging.
Helga Röper hatte ein schlechtes Gewissen, dass sie sich überhaupt zu diesem Gespräch hatte hinreißen lassen, aber der Kevin hatte ihren Sohn darum gebettelt, dass sie dachte, handeln zu müssen, bevor er es auf gemeine und hässliche Art von sonst wem erfahren würde, was Sache ist - aber mehr ging nicht. Nun konnte sie nur abwarten und beten, dass alles gut wird.
Zu Hause bei Petra und Marlis ließ er sich nichts anmerken, lieb und gesprächig wie immer. Als Marlis an sein Bett kam, ihm gute Nacht zu sagen, antwortete er mit „Mutter“ und schaute sie dabei liebevoll und fragend an. Marlis war baff und wusste nichts zu sagen als nur staunend „Kevin“!
In der Küche aber gab es lange und ernste Gespräche zwischen den beiden Frauen. Hatte ihn jemand aufgeklärt? Aber gerade dann hätte er doch eigentlich nicht „Mutter“ gesagt.
Petra und Marlis erinnern sich
Es begann alles schwierig zu werden. Sie wollten ein Kind. Eine richtige Familie wollten sie sein, vielleicht sogar mit zwei Kindern, wenn es gehen würde. Auch sie fragten sich, wie wohl der Vater sein mochte, aus dessen Samen ihr Sohn entstanden ist und wie die Mutter, die ihn ausgetragen hat. Sie wussten von beiden gar nichts, außer, dass sie aus gesunden Familien stammen. Wie gerne hätte Marlis ihn in ihrem Leib ausgetragen, aber nach zweimaliger Fehlgeburt hat kein Arzt sich zu einer weiteren künstlichen Befruchtung bereit erklärt. Also musste eine Leihmutter her und die wurde in Holland gefunden. Genau so gerne hätten sie gehabt, dass der Bruder von Petra als Vater hätte erwählt werden können oder sie hätte eben ihr gemeinsames Wunschkind ausgetragen, aber der Bruder von ihr und ein Bruder ihrer Mutter litten am Downsyndrom, da wollten sie das Risiko nicht eingehen, dass das auf ihr Kind vererbt worden wäre.
Die Ärzte mussten von dem infrage kommenden Vater ganz strenge Gesundheitszeugnisse aus zwei Generationen seiner Familie herbeibringen. Genauso musste die Leihmutter Gesundheitszeugnisse vorlegen. Schließlich bekamen beide viel Geld und die Universitätsklinik ebenfalls. Das war auch der Grund dafür, dass es im Hause Thiel-Möller so sparsam zuging.
Petra hätte eigentlich ein kleines Erbe von zu Hause bekommen müssen, aber da hielt das Fürsorgeamt seine Hand drauf, wegen ihres pflegebedürftigen Bruders. Dazu kam noch, dass ihre Eltern jeglichen Kontakt mit ihr abgebrochen haben. Der Bruder behindert und sie lesbisch, das war einfach zu viel. Der Vater hätte es wohl noch verschmerzt, aber für die Mutter ging es gar nicht.
Kindergeburtstag und Antwortversuche
Morgen sollte nun der große Geburtstag von Christoph gefeiert werden. Kevin war vor Freude ganz aus dem Häuschen, sie waren alle drei eingeladen, dazu die Tante und noch zwei andere Freunde von Christoph. Wenn das Wetter mitspielt, sollte die ganze Party im Garten stattfinden. Es war für Kevin der erste Kindergeburtstag in dieser Art. Marlis und Petra hatten allen Kontakt zu anderen Familien immer verhindert. Gestern hatten sie schon bei dem Fahrradhändler eine ganz tolle Klingel für das neue Rad von Christoph gekauft. Kevin hatte sich daraufhin zu seinem Geburtstagsrad im Herbst ebenfalls so eine schöne Klingel gewünscht. Aber aus dem Geburtstagsrad wurde nichts und er hat es dann mit den Worten eingesehen, indem er sagte: „Ach, eigentlich bekommt Christoph das Rad ja auch erst jetzt, wo er sieben wird. Dann habe ich ja noch ein Jahr Zeit und vielleicht leiht er mir bis dahin sein altes Rad und ich mache die Klingel daran, die ich vielleicht zum Geburtstag bekommen werde.“
