Der flammende Kreuzzug - Martin J. J. Stark - E-Book

Der flammende Kreuzzug E-Book

Martin J. J. Stark

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Beschreibung

Sein Stamm wurde vernichtet. Seine Ausrüstung ist verloren. Sein Körper ist gezeichnet. Allein und ziellos versucht er nun lediglich am Leben zu bleiben und das Beste daraus zu machen. So beginnt seine Reise über den östlichen Kontinent. Bald schon wird er in politische Machtspiele verwickelt und zu allem Überfluss erhält er ein sonderbares Amulett. Was es damit auf sich hat und wie er seinen Kindheitstraum erfüllt, hat er in seinem Tagebuch niedergeschrieben. Dies ist seine Geschichte.

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Seitenzahl: 175

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Martin J. J. Stark

Der flammende Kreuzzug

Drachenjäger

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Tag 1: Der Anfang

Tag 34: Schuldgefühle

Tag 42: Erste Abenteuer

Tag 46: Das Weingut

Tag 48: Abreise

Tag 51: Neues Lager, neue Aufträge

Tag 52: Weitere Informationen

Tag 53: In die Hauptstadt

Tag 54: Zwangseinberufung

Tag 60: Bericht im Westen

Tag 61: Der Sturm

Tag 62: Die Mine der Gehängten

Tag 63: Angriff und Flucht

Tag 75: Unerwartete Hilfe

Tag 85: Eine lange Reise

Tag 88: Die Länder des Nordens

Tag 89: Das flammende Kloster

Tag 118: Neue Bekanntschaften

Tag 131: Ein geordnetes Leben

Tag 132: Die finale Aufgabe

Tag 137: Aufbruch

Tag 150: Das Vorgebirge

Tag 152: Vor dem Gipfel

Tag 153: Vor der letzten Schlacht

Tag 154: Das Ende des Drachen

Tag 169: Rückkehr zum Kloster

Tag 182: Aufbruch nach Norden

Impressum neobooks

Tag 1: Der Anfang

Ich bin ein Barbar. Bis vor Kurzem lebte ich mit meinem Stamm im nördlichen Roterzgebirge. Das änderte sich alles vor einigen Wochen.

Wir wurden in der Nacht überrascht. Einige Orks stürmten unser Lager an einem kleinen See. Bis wir erkannten was passierte, war bereits die Hälfte meines Stammes abgeschlachtet. Ich habe es irgendwie geschafft zu überleben. Damit bin ich wahrscheinlich die einzige Zukunft für meinen Stamm und der Letzte, der unsere Traditionen lebt. Damit diese erhalten bleiben und nicht vergessen werden, beschloss ich dieses Tagebuch zu führen.

Die Bevölkerung in den Tälern nennt uns Barbaren. Wir sind stark und berühmt für unsere Kampfkunst. Unser Leben wird durch die Natur bestimmt. Wir leben mit den Jahreszeiten und bleiben die meiste Zeit unter uns. Nur im Herbst kommen wir in die Täler, um in den Städten unsere Jagdbeute gegen Kleidung und Proviant für den Winter einzutauschen.

Mein Stamm spezialisierte sich auf die Jagd nach jungen Drachen. Die ausgewachsenen Großdrachen, die tiefer in den Bergen leben, lassen ihren Nachwuchs in den milderen Gebieten aufwachsen, bis sie stark genug sind sich ein eigenes Revier zu sichern. Glücklicherweise ist die Bindung zu ihren Jungen nicht besonders stark, so dass sie sich noch nie für uns interessiert haben.

Die Schuppen der ausgewachsenen Drachen sind widerstandsfähiger als Stahl und können größter Hitze trotzen, ohne auch nur ansatzweise an Härte zu verlieren. Die Schuppen ihrer Jungtiere sind nicht ganz so zäh, bieten aber ebenfalls ausgezeichnetes Material für Rüstungen. Zudem ist ihr Leder und die Sehnen gesuchtes Handwerksmaterial, um damit Riemen für Belagerungsmaschinen und Sehnen für Bögen zu fertigen. Der wirkliche Reichtum liegt jedoch in ihren Lungen. Da bereits die kleinsten Drachen die Fähigkeiten haben Feuer zu speien, besitzen sie in ihrer Brust eine kleine Blase, die eine hoch entzündliche Flüssigkeit produziert. Diese Substanz bringt bei Alchemisten eine stattliche Summe ein.

Mein Stamm lebte also in gewissem Wohlstand. Wir mussten nie hungern und auch unsere Ausrüstung konnten wir direkt mit den gejagten Schuppen und Sehnen ausstatten. Leider half uns das alles nichts, als wir von den Orks angegriffen wurden. Die Erinnerung an diese Nacht brannte sich in mein Gedächtnis ein und ich werde sie wohl nie mehr vergessen. Allein beim Gedanken daran kann ich den Rauch riechen und das Blut schmecken.

Ich sprang von meinem Lager auf und fasste mein altes Schwert, das ich immer in der Nähe hielt. Den ersten Ork spaltete ich mit einem Hieb in der Mitte durch. Die Klinge war scharf wie ein Rasiermesser und das Gewicht des Zweihänders erledigte den Rest. Mit einem Sprung schloss ich mich den anderen an und wir bildeten eine solide Linie. Wir waren vielleicht fünfzehn Personen. Jeder mit einem ähnlichen schweren Schwert ausgestattet wie meines. Jeder geübt im Umgang damit und ein bewährter Drachenjäger. Die schiere Masse an Orks drängte uns dennoch immer weiter zurück.

Plötzlich merkte ich, wie der Boden hinter mir abfiel. Wir waren an den Rand des Plateaus getrieben worden. Damit saßen wir in der Falle. Jeder Ork, der es wagte, zu nah an unsere Linie heran zu treten, bekam unseren Stahl zu spüren. Die Lage war jedoch aussichtslos. Zu allem Überfluss begannen sie dann uns mit Pfeilen zu beschießen, denen wir mit unseren schweren Waffen nicht viel entgegensetzen konnten. Ich selbst wurde an der Schulter getroffen und ein anderer Pfeil ragte aus meinem Oberschenkel. Ich dachte jedoch keine Sekunde daran einzuknicken.

Mit einem letzten Ansturm ihrer Schildträger versetzten uns die Orks den Rest. Wer nicht von ihren Äxten zerhackt wurde, fiel die Klippe hinab. Ich verlor bei einem letzten verzweifelten Abwehrversuch das Gleichgewicht. Einer der grünhäutigen Bastarde hatte mir einen Schlag mit der Schildkante verpasst. Das nächste, was ich spürte, war der Wind wie er um mich herum pfiff und ich mich bedrohlich schnell dem Fluss im Tal näherte. Dann wurde alles schwarz und mein Bewusstsein verließ mich.

Die Heiler sagten, sie hätten mich vor drei Wochen aus dem Bach gefischt. Mehr tot als lebendig und mit tiefen Wunden, aber noch atmend. Sie haben sich daraufhin um mich gekümmert und mich so gut es ging zusammengeflickt. Nun bin ich im Kloster des heiligen Windes gestrandet. Ich kenne mich nur oberflächlich mit den religiösen Bräuchen aus. Soweit ich weiß, wurde südlich des Gebirges irgendein Gott des Windes verehrt. Ein gigantischer Vogel, der vor langer Zeit die Völker in diesem Teil der Welt anleitete. Heute ist er kaum mehr als ein Symbol der Freiheit und des Glaubens. Seine Geschichten werden an Lagerfeuern erzählt, um die Stimmung zu heben. Mehr aber auch nicht.

Meinen Stamm gibt es nicht mehr. Meine Ausrüstung ist verschwunden. Die Verletzungen und die Zeit im Krankenbett haben mich geschwächt. Zu allem Überfluss konnten die Heiler zwar die Wunden schließen, nicht aber die volle Funktionsfähigkeit wiederherstellen. Anscheinend waren einige Sehnen und Bänder gerissen, die sie nur mit Hilfe von Magie wieder zusammenfügen konnten. Ob das die Spuren der Schlacht oder des Sturzes sind, konnte keiner sagen. Ich muss nun vieles von neuem lernen. Meine Bewegungen sind unsicher und zittrig, so dass mir sogar das Schreiben schwerfällt. Meine Stärke hat mich verlassen und ich bin nun kaum kräftiger als ein pubertierender Junge. Die Heiler sagen es wird wieder, ich müsse mich nur gedulden. Hoffen wir also, dass sie recht behalten.

Tag 34: Schuldgefühle

Es sind weitere fünf Wochen vergangen. Meine Wunden sind verheilt und ich konnte mit einem leichten Training anfangen. Es tut gut, mich wieder zu bewegen, auch wenn ich zwischendurch einen stechenden Schmerz im Arm spüre. Ich begann anfangs der Woche damit, jeden Morgen einige Übungen auszuführen. Es zeigt auch schon Wirkung, so dass ich jeden Tag ein Stück weiter in den Wald rennen kann, bevor ich mein Frühstück auf dem Boden verteile.

Bei den Mahlzeiten habe ich mitbekommen, dass es in dieser Gegend einige Probleme gibt. Der Prior der Abtei erzählte mir, dass das Weingut auf dem Hügel von einer Bande Krimineller eingenommen wurde. Er war ein Mann mit beachtlicher Leibesfülle. Trotz des bescheidenen Lebens eines Mönches hatte er es geschafft, fast so breit wie hoch zu werden. Seine vom Alter faltigen Züge strahlten jedoch eine gewisse Ruhe und Zufriedenheit aus, die nur durch die Sorge um seine Brüder und das Weingut getrübt wurde.

Die Banditen würden die Mönche in Ruhe lassen und sich nur an den Trauben satt essen. Seine Sorge bestand mehr darin, ob er genügend Früchte zum Keltern haben wird. Immerhin scheint der Wein dieser Abtei einen großen Teil der nötigen Einnahmen zu generieren. Ich habe ihm meine Hilfe angeboten, was er jedoch mit einem müden Lächeln abtat. Sein Gesicht verriet mir jedoch, dass er bei dieser Sache dringend Hilfe brauchen könnte.

Die Stallmeisterin Llane hat mir wiederum erzählt, dass sie ein Rudel Wölfe in den Wäldern vermutet. Sie war eine noch recht junge Frau, der man die Arbeit in den Ställen ansah. Ihre Hände waren rau von der schweren Arbeit und ihre Figur zeigte deutlich, dass sie anpacken konnte. Ihr weibliches Gesicht und der schlanke Körper mit den deutlichen Rundungen wogen ihre etwas männliche Art jedoch mehr als auf.

Sie verriet mir, dass ihre Stuten jeden Abend unruhig seien und sie hat von komischen Geräuschen in der Nacht berichtet. Auch ihr habe ich meine Hilfe angeboten. Sie meinte aber nur, dass sie bereits den Jägern aus der Stadt Bescheid gesagt hat.

Ich kenne diese Jäger. Sie blickten immer auf meinen Stamm hinab, da wir mit unseren schweren Klingen kaum die Finesse der Jagd verstehen würden. Das sind aber dieselben Menschen, die bei einem anstürmenden Wildschwein die Hosen voll haben. Ich würde mich nicht auf diese Typen verlassen.

Zuletzt hat mir heute Morgen beim Training die Wache Eagan erzählt, dass die nahe gelegene Mine Gerüchten zufolge von Kobolden überrannt wurde. Eagan ist ein durchschnittlicher Soldat. Er hat kräftige Schultern, kurz geschorenes, braunes Haar und einen immerzu steinernen Gesichtsausdruck. Seine Arbeit nimmt er sehr ernst und er kann auch ganz passabel mit dem Schwert umgehen. Seit Anfang der Woche trainieren wir gemeinsam nach meinem Lauf im Wald. Seine Technik ist gut genug, um mich wieder etwas in Form zu bringen. Allerdings schadet es ihm genau so wenig wie mir wieder einmal die Waffe in die Hand zu nehmen.

Die Kobolde, die er erwähnte, werden von allem angezogen, das glänzt. Sie sehen mit ihren kleinen Laternen, den langen Nasen und den Spitzhacken wie aufgeblasene Ratten aus. Allerdings verteidigen sie ihr Eigentum bis in den Tod. Selbst dann, wenn sie es erst vor Kurzem jemand anderem geraubt haben. Eagan war auch der Einzige, der mein Hilfsangebot angenommen hat. Ich soll für ihn bei einem meiner Trainingsläufe nachsehen, ob die Gerüchte stimmen, damit er entsprechende Verstärkung anfordern kann. Einfach nur nachsehen klang nicht gerade nach einer schweren Aufgabe. Wenn es ihm jedoch hilft schaue ich gerne vorbei.

Ich habe das Bedürfnis, den Menschen hier etwas zurück zu geben. Sie haben mir das Leben gerettet, mich zusammengeflickt und mich wochenlang versorgt. Das alles, obwohl sie wissen woher ich komme und was für eine Art Mensch ich bin. Ihre Hilfsbereitschaft kann ich nicht ohne Weiteres hinnehmen. Zudem haben sie allem Anschein nach genügend eigene Probleme, um die sie sich kümmern müssen.

Ich werde sehen, dass ich mir irgendwo eine Waffe und einen Bogen beschaffen kann. Bisher kam jede zweite Woche eine kleine Handelskarawane vorbei. Vielleicht kann ich da einige Dinge eintauschen. Im Wald habe ich das eine oder andere Kraut gesehen, welches für Alchemisten oder Köche interessant sein könnte. Das bildete eine gute Basis für ein Tauschgeschäft. Vielleicht kann ich mich so ausrüsten und den Menschen hier etwas zurückgeben. Wenn ich nur eines der drei Probleme aus der Welt schaffen könnte, wäre ihnen wahrscheinlich schon sehr geholfen. Ab morgen sammle ich jedenfalls Kräuter und trockne sie in meinem Zimmer. Dann fühle ich mich vielleicht auch nicht mehr nur wie unnötiger Ballast.

Tag 42: Erste Abenteuer

Ich habe mich wieder verletzt. Diesmal ist es aber nicht so schlimm und die Heiler sagen, ich sollte in einigen Tagen wieder auf den Beinen sein. Am besten beginne ich jedoch am Anfang der Geschichte.

Wie geplant habe ich im Wald Kräuter gesammelt. Neben Beulengras und Königsdorn fand ich auch eine Wasserwurzel. Diese allein ist schon einiges wert. Als dann endlich die Karawane ankam, habe ich meinen Vorrat gegen Ausrüstung getauscht. Sie hatten einen leichten Kurzbogen mit einigen Pfeilen, sowie ein Kurzschwert und einen kleinen Rundschild im Angebot. Der Bogen sollte seinen Zweck erfüllen. Das Kurzschwert hat den Namen jedoch kaum verdient. Ich hatte schon Jagdmesser, die grösser waren. Zudem war es stumpf und auch mit dem Schleifstein des Kochs konnte ich es nicht wirklich schärfen. Der minderwertige Stahl würde höchstens für zwei oder drei Schläge scharf bleiben. Zudem hätte ich lieber etwas Größeres gehabt, aber man muss nehmen was man bekommt und das Beste daraus machen.

So ausgerüstet bin ich dann an einem Abend in den Wald gegangen, um die Wölfe zu suchen. Ich hatte bereits bei meinen Trainingsläufen die unterschiedlichen Spuren gesehen und wusste ungefähr, worauf ich mich einließ. Den Pfotenabdrücken zu Folge waren es vier bis fünf Wölfe. Keine besonders große, weshalb ich davon ausging, dass es ein Rudel von Jungwölfen war, das sich vor Kurzem von ihrem Elternrudel getrennt hatte. Wahrscheinlich stammten sie aus den Bergen und suchten nun in den Tälern nach leichter Beute.

Bereits nach kurzer Zeit fand ich das Rudel auch. Es waren wie erwartet fünf Tiere. Alle waren sie recht klein und schmal, was meine erste Einschätzung bestätigte. Mit dem Bogen erlegte ich zwei von ihnen, was die anderen drei zur Flucht trieb. Immerhin beeinträchtigten die Verletzungen meine Zielgenauigkeit nicht. Ich ging davon aus, dass sie sich nun etwas zurückziehen und die Abtei in Ruhe lassen würden. Zum einen ist ihr Rudel dezimiert und zum anderen wissen sie, dass sie hier nicht erwünscht sind. Die Pferde in den Ställen sind auf jeden Fall zu groß, als dass drei Wölfe sich daran wagen würden.

Mit den beiden Kadavern über der Schulter machte ich mich auf den Weg zurück zum Kloster. An einer seichten Stelle des Flusses, etwas abseits des Klosters, zog ich ihnen mit geübten Griffen die Haut ab und zerlegte das Fleisch in einzelne Portionen. Nicht jeder war dafür geschaffen, dieses blutige Handwerk auszuüben. Ich kannte es jedoch seit meiner Kindheit.

Das Fell der Wölfe gab ich Llane, damit sie es bei den Händlern für etwas Schönes eintauschen konnte. Vielleicht eine Halskette oder ein neues Paar Schuhe. Das Fleisch habe ich in der Küche abgegeben. Damit sollten sie zwei oder drei Tage alle Mäuler stopfen können. Ich bat die beiden nur darum nicht zu erzählen, dass ich dafür verantwortlich war. So wie ich die anderen hier einschätze, würden sie nur Schuldgefühle haben und sich bei mir bedanken wollen.

Llane ließ es sich nicht nehmen und umarmte mich zum Dank. Der Geruch von Stroh und Pferdeäpfel drang in meine Nase, doch ich erwiderte die Umarmung. Solange sie eine Sorge weniger hatte und glücklich war, hatte ich alles richtig gemacht.

Am Morgen nach der Jagd machte ich mich auf zu den Minen. Eagan hat mir die grobe Richtung gezeigt und gesagt, dass es etwa einen halben Tagesmarsch entfernt wäre. Das Training zeigte Wirkung und ich schaffte es in der halben Zeit. Nachdem ich angekommen war und mir eine kurze Verschnaufpause gönnte, schlich ich mich an den Höhleneingang an. Ich sah recht schnell, dass die Gerüchte stimmen mussten. Vor dem Eingang lagen haufenweise aufgebrochener Kisten und Werkzeuge verstreut. Zudem zeichnete sich deutlich ab, wo die Viecher ihre Notdurft verrichteten. Mit dieser Information hätte ich bereits zurück zu Eagan gehen können. Wahrscheinlich wäre das auch sinnvoller gewesen. Ich wollte aber noch herausfinden, mit wie vielen Rattenmenschen wir es hier zu tun hatten.

Kobolde sind auf eine gewisse Weise intelligent, so dass sie die Verwendung von Werkzeugen verstehen. Allerdings schlagen ihre Instinkte durch, wenn sie etwas Glänzendes sehen und sie verlieren jede Vernunft. Da in diesen Minen vor allem Silber für die Münzstätten der Hauptstadt abgebaut wird, gab es genügend Glänzendes, das ihre Aufmerksamkeit erregte. Dementsprechend ungesichert war der Eingang und ich konnte ohne Weiteres hineinschleichen.

Darin angekommen verfluchte ich mich dafür, dass ich mich nicht zuerst mit der Aufteilung der Schächte vertraut gemacht hatte. Eagan hätte mir sicher eine grobe Karte geben können. Da der Bergbau nun schon einige Jahre vorangetrieben und immer neue Adern gefunden wurden, sind die einzelnen Gänge in einem weiten Netz ohne wirkliche Logik gewachsen. Umso schwerer war es für mich, einzuschätzen was nun der Hauptstollen war und wo ich nur in eine Sackgasse geraten würde.

Nach wenigen Minuten in den Höhlen erreichte ich eine solide Wand. Irgendwo musste ich also falsch abgebogen sein. Interessanterweise hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Kobold gesehen. Ich nahm einen Schluck Wasser aus meiner Feldflasche, bevor ich mich auf den Rückweg machte. Das Klimpern des Deckels hallte durch den leeren Stollen und klang unnatürlich laut. Wahrscheinlich war das auch ein Grund, weshalb ich auf dem Rückweg überrascht wurde.

Etwa auf halbem Weg zurück zum Eingang hörte ich ein verräterisches Schnauben gefolgt vom Rasseln einer kleinen Kette. Ich drückte mich in eine Nische und konnte an einem Balken vorbei die lange Nase eines Kobolds erkennen. Er schnüffelte, dass die Schnurrhaare bebten und drehte sich dann in meine Richtung. Einen Moment später sprang er hervor und stieß ein aggressives Zischen aus. Gleichzeitig flog mir die Spitze seiner Hacke entgegen.

Kobolde sind nicht besonders stark, weshalb ich den Angriff leicht mit dem Schild abwehren konnte. Allerdings war das Stück Holz noch nie besonders gut gefertigt gewesen und schon gar nicht für die Masse einer Spitzhacke konzipiert. Der Schlag hinterließ eine tiefe Schramme und brach sogar ein kleines Stück aus der Kante. Aus der Drehung schwang ich mein Kurzschwert und schlitzte dem Mistvieh die Kehle auf. Mit meinem alten Schwert wäre der Kopf durch die Höhle gerollt.

Alarmiert durch den Lärm des Schlages und das Fauchen des Kobolds erwachte die Mine zum Leben. Ich hörte, wie sie sich durch die Gänge drängten und aufgeregt quiekten. Ich nahm also die Beine in die Hand und rannte los. Das ging so weit gut, bis ich zur ersten Kreuzung kam. Im Hintergrund schimmerte das Tageslicht hinein und aus den anderen beiden Gängen strömten immer mehr Kobolde in die kleine Halle. Sie schnitten mir den Weg ab.

Ich sah mich einer Wand von stinkenden und rasenden Riesenratten gegenüber. Sie drängten sich so nah aneinander, dass kaum mehr Licht bis zu mir drang. Ich musste mich entscheiden. Mit meiner Ausrüstung hatte ich keine Chance, mich hindurch zu kämpfen. Zudem sah es nicht so aus, als würde der Nachschub an Kreaturen bald versiegen. Hinter mir lag ein Stollen, der in eine Sackgasse führte. Ich musste mir also etwas einfallen lassen.

In dem Moment hatte ich eine Idee. Ich warf meinen Schild und das Schwert mit voller Kraft in die Menge. Ich glaube, zwei oder drei der Viecher hatten das Pech im Weg zu stehen und brachen zusammen. Mit zwei freien Händen konnte ich mich nun an den verstreuten Werkzeugen und der Bergarbeiterausrüstung bedienen. Ich schnappte mir einen Stützbalken, der an einer Wand lehnte und wohl für einen kleinen Nebenstollen bereitgestellt wurde. Mit dem Stück Holz bewaffnet rannte ich auf die Menge zu.

Wie bei einem Schneepflug wurden die Kobolde auf die Seite gefegt. Ich ließ nicht nach und drückte weiter gegen die Masse an. Ein paar von ihnen schlüpften unter dem Holz hindurch und waren nun in meinem Rücken. Glücklicherweise hatten sie keine wirklichen Waffen und attackierten mich stattdessen mit ihren Krallen und Zähnen. Es brannte überall und meine Arme drohten zu versagen, doch das Licht des Eingangs kam immer näher. Nach einer gefühlten Ewigkeit trat ich ins Freie und stieß dabei eine Horde dieser Ratten mit hinaus. Ich ließ den Balken fallen und rannte weiter.

Die Kobolde hatten sich auf das Zwielicht im Stollen eingestellt und waren durch das grelle Tageslicht beeinträchtigt. Auch meine Augen schmerzten, doch trieb mich das Brennen nur weiter an. Sie rannten noch einige Zeit hinter mir her, doch irgendwann verstummte ihr Geschrei und ich erlaubte mir, mein Tempo etwas zu drosseln. Ich lief weiter und erreichte in neuer Rekordzeit die Abtei. Dort angekommen übergab ich mich lautstark und brach vor Erschöpfung zusammen.

Als Nächstes wachte ich wieder auf einem Bett der Heiler auf. Die Wunden waren nicht tief, dafür umso zahlreicher. Sie mussten diesmal keine Magie einsetzen, um mich zusammen zu flicken, wollten mich jedoch einige Tage beobachten, damit sich keine Entzündung bildet. Irgendwann besuchte mich Eagan und ich berichtete ihm, was ich in Erfahrung bringen konnte. Mit besorgter Miene nickte er und murmelte etwas davon, dass er die Elite aufbieten wird. Mir soll es recht sein.

Ich für meinen Teil werde nie wieder einen Fuß in eine Mine setzen. Ich gehöre in die Natur. Am besten auf einen Berg. Diese Höhlen sind mir einfach zu riskant. Sobald mich die Heiler entlassen, werde ich mich noch um die dritte Aufgabe kümmern. Mit dahergelaufenen Räubern sollte ich weniger Probleme haben.

Tag 46: Das Weingut

Ich hatte Glück. Die Wunden verheilten gut und es bildete sich keine Entzündung. Die Heiler waren jedenfalls sehr zufrieden mit ihrer Arbeit und entließen mich bereits zwei Tage früher als geplant. Ich konnte mich nun also auf die nächste Aufgabe vorbereiten.

Da ich nur noch meinen Bogen besaß, musste ich mir zunächst überlegen, wie ich an neue Waffen komme. Wieder auf die Händler zu warten dauerte zu lange. Ich wollte nicht noch länger warten als unbedingt nötig war. Glücklicherweise fand ich bei einem Trainingslauf einen abgebrochenen Ast. Dieser war kerzengerade und hatte an einem Ende eine leichte Verdickung. Mit einem Küchenmesser schälte ich die Rinde ab und härtete das Holz über dem Feuer. Das war vielleicht nicht so schön ausbalanciert wie mein altes Schwert, doch konnte ich mit dem beidhändigen Griff mehr anfangen als mit dem kleinen Schwertchen, das wohl immer noch im Stollen lag. Die zusätzliche Masse am Ende sollte zudem ausreichen, um eine gewisse Durchschlagskraft und Nachhaltigkeit zu erzeugen.