Der flotte Herzog - O. T. Mahl-Reich - E-Book

Der flotte Herzog E-Book

O. T. Mahl-Reich

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Beschreibung

Mantua, eine blühende Handelsstadt in der Poebene, war einst die Hauptstadt eines gleichnamigen Fürstentums. Dieses wurde im 16. und 17. Jahrhundert von Herzögen regiert. Es gab insgesamt zehn Herzöge, der wohl interessanteste davon war der vierte, Vinzenz von Gonzaga. † 1612. Er regierte 25 Jahre lang und war nicht nur ein großer Kunstfreund – Musik, Gemälde –, sondern liebte auch das Leben und ganz besonders die Frauen. Von diesem prachtliebenden Renaissancefürsten und seinen verschiedenen, stellenweise fast unglaublichen Erlebnissen handelt dieser biografische Roman. Das Buch hält sich ganz eng an die historischen Gegebenheiten, sodass man statt von »biografischer Roman« beinahe auch von einer »Biografie« sprechen könnte. Das »Flott« im Titel »Der flotte Herzog« hat verschiedene Bedeutungen, darunter auch »lebenslustig, leichtlebig, verschwenderisch« – und gerade diese Eigenschaften lassen sich auch im Leben und Gehabe dieses bemerkenswerten Renaissancefürsten feststellen.

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Seitenzahl: 218

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Der flotte HerzogEr liebte das Leben,die Kunst und die Frauen

Derflotte Herzog

Er liebte das Leben,die Kunst und die Frauen

Biografischer Roman umHerzog Vinzenz von Gonzaga,Fürst von Mantua, † 1612

von O. T. Mahl-Reich

Copyright: © 2019: O. T. Mahl-Reich

([email protected], [email protected])

Umschlag & Satz: Erik Kinting – www.buchlektorat.net Bild auf der Rückseite des Covers:

Herzog Vinzenz von Gonzaga, Goldmünze (Ducatone), 1595. Umschrift: Vincent: D: G: DVX M. IIII [Vincentius, Dei Gratia Dux Mantuae IIII - Vinzenz, durch Gottes Gnaden Herzog von Mantua, der Vierte.]

Verlag und Druck:

tredition GmbH

Halenreie 40-44

22359 Hamburg

978-3-7497-1439-1 (Paperback)

978-3-7497-1440-7 (Hardcover)

978-3-7497-1441-4 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Über das Buch

Im nördlichen Italien gab es einst, ebenso wie auch in Deutschland, zahlreiche kleinere Herrschaftsgebiete.

Einige davon wurden als Republiken bezeichnet, so Venedig und Genua, sie wurden von gewählten Räten geführt. In anderen aber vermochten sich im Lauf des späteren Mittelalters angesehene Familien oder Persönlichkeiten nach oben zu arbeiten und übernahmen sodann die Herrschaft, die dann auch im Besitz ihrer Nachkommen blieb. So etwa herrschten in Florenz die Medici, in Ferrara die Este, in Verona die Scala, in Mailand die Visconti, im Piemont die Savoyer.

Auch Mantua, eine Stadt in der mittleren Poebene, war so ein kleines Fürstentum. In dieser Stadt und dem umliegenden Gebiet (das ungefähr die heutige Provinz Mantua umfasste) herrschte seit dem frühen 14. Jahrhundert eine aus dem Stadtadel hervorgegangene Familie. Sie nannte sich „Corradi di Gonzaga“, seit ungefähr 1300 aber nur mehr „di Gonzaga“. Diese Gonzaga wurden später Grafen, seit 1432 aber führten sie den Titel „Markgrafen“. Seit 1530 waren sie „Herzöge“.

Es gab dann insgesamt zehn Herzöge, bis die Familie erlosch. Alles ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, einige davon sehr angesehen, andere weniger. In dem Werk „GONZAGA. Auf und Ab einer berühmten italienischen Fürstenfamilie der Renaissancezeit“ des Verfassers werden diese Herzöge (und auch die früheren Markgrafen) eingehend dargestellt (ein sehr interessantes Werk, jedem historisch-genealogisch Interessierten als Lektüre zu empfehlen).

Der wohl interessanteste dieser Herzöge war der vierte, Vinzenz von Gonzaga, † 1612. Sein Vater war der dritte Herzog von Mantua, seine Mutter aber war eine Prinzessin (Erzherzogin) aus dem Kaiserhaus. Er regierte sein kleines Fürstentum 25 Jahre lang und war nicht nur ein großer Kunstfreund - Musik, Gemälde -, sondern liebte auch das Leben und ganz besonders die Frauen.

Von ihm handelt dieser „biografische Roman“, zu dem alle Angaben aus dem vorerwähnten Werk über die Fürstenfamilie Gonzaga entnommen wurden.

Nicht jeder aber will vielleicht ein so umfangreiches Werk wie das über das gesamte Geschlecht der Gonzaga von Mantua von ihrem Anfang 1328 bis zu ihrem Erlöschen 1708 (fast vier Jahrhunderte) lesen, obwohl es wirklich sehr interessant und lesenswert ist, und so wurde also aus diesem Buch das auf Herzog Vinzenz und seine Söhne Bezügliche herausgezogen und stellenweise gekürzt oder sonst wie bearbeitet.

Das Buch hält sich ganz eng an die historischen Gegebenheiten, sodass man statt „biografischer Roman“ beinahe auch „Biografie“ hätte sagen können. Aber weil das eine und andere bewusst „lesbarer“ formuliert und auch da und dort der Text - an weniger wichtigen Stellen - erweitert wurde, soll es doch beim „biografischen Roman“ bleiben.

Dazu passt auch der Titel „Der flotte Herzog“. „Flott“ bedeutet „rasch, zügig, ohne Verzögerung“, aber auch „elegant, modisch, lebenslustig, leichtlebig, unbekümmert, verschwenderisch“ - und diese letzteren Eigenschaften lassen sich auch im Leben und Gehabe dieses bemerkenswerten Renaissance-Fürsten feststellen.

Viel Vergnügen bei der Lektüre der Lebensgeschichte dieses „flotten Herzogs“! Wobei aber nicht verschwiegen werden soll, dass neben Licht und Glanz auch manches Harte und weniger Helle vorkommt, neben Schönem und Erfreulichem auch manches Traurige. (Für unter 18-Jährige deshalb weniger geeignet.)

O. T. M. R.

Inhalt

„Der kleine ‚Duca‘ ist da!“

Eine Inschrift im Kloster

Der Papst Taufpate des kleinen „Duca“

Eine Statue aus Silber für die Muttergottes

Fürst, Bischof, Kriegsmann

Auch Federico di Gonzaga hielt sich an „Fürst, Bischof, Kriegsmann“

Francesco III., der zweite Herzog – ganz jung verstorben

Der Kaiser als Heiratsstifter

Auch schon offiziell belehnt

Hochzeit und früher Tod

Guglielmo, der dritte Herzog – ein strenger und tüchtiger Fürst

Der Herzog will sich verheiraten

Eine Prinzessin (Erzherzogin) aus dem Kaiserhaus

Hochzeit in Mantua

Die Eltern Vincenzos – ein ganz ungleiches Paar

Drei Kinder

Der „Duchino“ (junge Herzog)

Er wächst gut heran

Mit dem Vater aber gab es manchmal Schwierigkeiten

Die ältere Schwester wird, noch ganz jung, verheiratet

Ausgerissen!

Karnevalstage in Ferrara

70 Kurtisanen in Ferrara

Meist adeliger Herkunft

Barbara Sanseverino, contessa di Sala

„Abstecher“ nach Ferrara

Vier entfesselte „Damen“

Die „Markgrafschaft Colorno“

Die „Accademia degli Amorevoli“

Vinzenz von Gonzaga auch zu Gast in Colorno

Hippolita

Ein unguter Brief

„Missraten vom Kopf bis zum Fuß“

Heiratsangebot aus Florenz

Bianca Cappello

Die Cappello geheiratet!

Eheliche Verbindung Florenz - Mantua?

Höflich abgesagt

Gäbe es vielleicht eine Braut für Vinzenz?

„Unsere Nichte Eleonora in Florenz?“

Oder die Margareta Farnese?

Auf den Zahn gefühlt

Margareta Farnese

Eine Heirat wird beschlossen

Schwerer Abschied von Hippolita

Unvermutete Hochzeitsgäste

Einige Zeit später aber erfuhr er es doch

Die Hochzeitsnacht verläuft anders als gedacht

Die Braut schrie vor Schmerz

Ein ungewöhnlich starkes Jungfernhäutchen

Schmerzhafte Öffnungsversuche

„Man könnte das Hymen mit dem Seziermesser aufschneiden, aber das wäre sehr schmerzhaft und nicht ungefährlich“

Auf und Ab der Meinungen

Herzog Guglielmo fordert die Annullierung der Ehe

Margareta wird heimlich aus Mantua nach Parma gebracht

Untersuchung zusammen mit vier gleichaltrigen Mädchen aus dem Waisenhaus

Parma will die Öffnung der Frau mit dem Seziermesser – Mantua aber will die Annullierung der Ehe

Der schwierige Fall wird dem Papst zur Lösung übertragen

Margareta Farnese entscheidet sich für die Annullierung der Ehe und geht ins Kloster

Ehe annulliert

Die jüngere Tochter Gonzaga heiratet nach Innsbruck

Der Brautführer macht in Innsbruck einen sehr guten Eindruck

Der „Admirable“ James Crichton aus Schottland

In Italien

In Mantua

Der Herzogssohn aber hatte für diesen englischen Alleswisser nicht viel übrig

Critonios Tod

Wie Crichton wirklich zu Tode kam

Ein Mann mit Kapuze

Der zu Tode getroffene Critonio kann dann noch davonlaufen

Wo ist der Critonio?

„Nur ein zufällig entstandener Streit, keine persönliche Schuld des Herzogssohnes“

Auf der Suche nach einer neuen Frau für Vinzenz

Jetzt wäre Eleonora de‘ Medici auf einmal recht gewesen

„Vincenzo di Gonzaga impotent!“

Nachweis der „potentia et attitudine al matrimonio“!

Bianca Cappello aber besteht darauf

Mantua wendet sich an den Papst

Ein bemerkenswertes Schreiben

Der Virilitätsnachweis

Suche nach einem für diesen Nachweis geeigneten Mädchen

Noch garantiert Jungfrau

Eine unvermutete Begegnung

Giulia

In Venedig

Der erste Versuch fehlgeschlagen

Der zweite Versuch

Herr Vinta vergewissert sich

Es tat Giulia ein bisschen weh

Herr Donati lächelt

Herr Vinta will alles genau wissen

„Intime“ Fragen

„Noch ein weiteres Mal - für alle Fälle …“

Herr Vinta kann nur Positives berichten

Wie es mit Giulia weiterging

Abstieg und Ende von Barbara Sanseverino

Hinrichtung in Parma

Tod des Herzogs Guglielmo

Kurze Charakteristik des Herzogs

Gar keine Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn

„Madama Lionora“

1587: Vinzenz von Gonzaga wird Herr von Mantua

Ein Zepter aus Elfenbein

Gold- und Silbermünzen ausgeworfen

Der heilige Aloisius von Gonzaga

Eintritt in den Jesuitenorden

Ein ganz anders gearteter Bruder

Exkommunikation!

Verscharrt wie ein Hund

Agnese di Argotta

Zwei Familien

Herzog Vinzenz zieht gegen die Türken

1595

Der „Bassà di Mantova“

Sein zweiter Einsatz gegen die Türken (1597)

Zum dritten Mal in Ungarn

Kanischa

„Kaiserlicher Generalleutnant“

Regen, Schlamm, Kälte

Oberst Rosswurm

Mit deutscher Gründlichkeit

Alles auf in Richtung Heimat!

Künstler am Hof Herzog Vincenzos

Torquato Tasso

Claudio Monteverdi

Zwei flämische Maler in Mantua

Noch ein paar Anmerkungen zu Herzog Vinzenz

Goldenes Vlies für den Herzog von Mantua

Sehr in die Breite gegangen

Silvio, der Liebling des Vaters

Gusanum

Wallfahrt ins Heilige Land

Auf einem marmornen Thron sitzend

Tod des Herzogs und der Herzogin

Tod der Herzogin

Tod des Kaisers

Tod des Herzogs

Die Kinder des Herzogs

Drei Söhne - aber kein Sohn

Der 5. Herzog: Francesco IV. † 1612

Der 6. Herzog: Ferdinando † 1626

Der 7. Herzog: Vincenzo II. † 1627

Ein 22-Jähriger heiratet eine fast Vierzigjährige

Eine Hexe?

„Am nächsten verwandt …“

Guastalla?

Dieser Herzog verschepperte die halbe Gonzagische Kunstsammlung

Hochzeit am Weihnachtstag

Trauriges Ende

„Der kleine ‚Duca‘ ist da!“

Am Nachmittag des 21. September 1562, das war ein Montag, ritt Herzog Guglielmo, Fürst von Mantua, zu dem nur wenige Kilometer von der Stadt Mantua entfernten kleinen Kloster der Eremiten „di San Girolamo“ [des heiligen Hieronymus].

Dieses Kloster hatte 1420 ein Gonzaga gegründet, nämlich Guido, genannt „il Grosso“ [der Dicke]. Er war noch sehr jung, als er 1415 zum Kanonikus der Kathedrale in Mantua ernannt wurde. Fünf Jahre später beschloss er dann, auf einem ihm gehörigen großen Grundstück unweit des Lago Superiore [des nördlichen „Sees“] ein kleines Kloster zu errichten und dieses den Eremiten „di San Girolamo“ zu schenken. Er sorgte auch für den Bau der Klostergebäude und der Klosterkirche, für den Lebensunterhalt aber mussten die Mönche durch Bearbeiten des zum Kloster gehörigen Grundbesitzes selber aufkommen. Für außergewöhnliche Spesen aber sorgte der Stifter. Er starb 1459, und weil er wohl von dem damaligen Markgrafen von Mantua - es war dies Ludovico III., genannt „il Turco“ - die Zusage erbeten und auch erhalten hatte, sich nach seinem Tod des kleinen Klosters der Eremiten anzunehmen, blieb diese Obsorge für das Kloster also bei den Herren von Gonzaga weiter bestehen (und wurde von diesen auch bis zum Erlöschen der Herzöge von Gonzaga in Mantua eingehalten).

Was jetzt, 1562, in diesem Kloster für außergewöhnliche Arbeiten anstanden, ist nicht bekannt. Jedenfalls ritt Herzog Guglielmo an diesem Tag zum Kloster und verblieb dort auch bis sehr spät in den Abend hinein.

Dann aber - es mag wohl schon elf Uhr nachts gewesen sein - kam ein Diener des Herzogs in den Klosterhof geritten und rief: „Eccellenza, Eccellenza!“

Die Mönche wurden auf den späten Besucher aufmerksam und fragten ihn, was er denn wolle.

„Ich muss dem Duca [Herzog] etwas ausrichten, und zwar sofort und auf der Stelle!“

Überrascht führte man den Mann in das Kloster, wo sich Herzog Guglielmo noch immer aufhielt, und da sagte er, ganz aufgeregt: „Eccellenza - der kleine Duca [Herzog] ist geboren!“

Jetzt bekam es der Herzog eilig, er verabschiedete sich nur kurz von dem Prior des Klosters und ritt gleich zusammen mit dem Diener zurück in die Stadt.

Im Palazzo Ducale [Herzogspalast] angekommen wurde er gleich zu seiner Gattin geführt, die noch von den Hebammen betreut wurde (die Geburt war gottlob ohne Schwierigkeiten verlaufen) - und konnte dann den kleinen Schreihals - den „Duca“ - in die Arme nehmen.

Viel Übung im Kinderhalten hatte er wohl noch nicht - aber man kann sicher annehmen, dass er vor Freude weinte. Und vor Freude und Dankbarkeit wird er bestimmt auch seine Gattin geküsst haben.

Der kleine Duca war da!

Eine Inschrift im Kloster

Einige Zeit später ließ der Herzog im Kloster der Eremiten „di San Girolamo“ gerade dort, wo er die Nachricht von der Geburt seines Sohnes erhalten hatte, eine Inschrift auf der Mauer anbringen. Diese war in lateinischer Sprache - der damaligen Sprache der Gebildeten - gehalten und besagte, in unsere Sprache übersetzt:

„Am 21. September 1562, gegen dreiviertel zehn Uhr Abend, gebar die hochedle Eleonora, Tochter des Kaisers Ferdinand und Gattin des dritten Herzogs von Mantua, Guglielmo von Gonzaga, ihren ersten Sohn.“

Der Name des kleinen „Duca“ wird in der besagten Inschrift nicht angegeben. Die Eltern entschieden sich aber dafür, ihn Vincentius (Vincenzo - Vinzenz) zu nennen.

Der Papst Taufpate des kleinen „Duca“

Als Taufpaten hatte der Herzog keinen Geringeren als den Papst ausersehen. Es war dies Pius IV. (1559-1565, ein Medici aus Florenz). Dieser nahm die Einladung des Fürsten von Mantua an, kam dann aber natürlich nicht selbst nach Mantua, sondern ließ sich von einem Kardinal vertreten.

Eine Statue aus Silber für die Muttergottes

Wie auch schon andere Gonzaga vor ihm ließ auch Herzog Guglielmo für seinen Erstgeborenen eine Statue aus Silber anfertigen, die gleich groß und gleich schwer war wie das Kind. Diese wertvolle Statue ließ er dann in der Wallfahrtskirche „Nostra Signora delle Grazie“ vor Mantua am Altar aufhängen.

Fürst, Bischof, Kriegsmann

Herzog Guglielmo war der zweite Sohn der Eheleute Federico di Gonzaga und Margareta Paleologa di Monferrato.

Federico di Gonzaga (1500-1540) war der 5. Markgraf von Mantua und wurde dann 1530 von Kaiser Karl V. zum Herzog erhoben, indem dieser die Markgrafschaft Mantua zum Herzogtum erhob.

Federico war der erstgeborene Sohn des Francesco di Gonzaga (1466-1519), vierten Markgrafen von Mantua. Dieser hatte sich 1490 mit Isabella d’Este aus Ferrara verehelicht. Sie hatten drei Söhne: außer dem schon genannten Federico auch noch Ercole und Ferrante (Ferdinando).

Damals war es in diesen italienischen Fürstenfamilien üblich, dass der erstgeborene Sohn nach dem Tod des Vaters die Herrschaft im Fürstentum übernahm, also der neue Markgraf oder Herzog wurde.

Der zweitgeborene Sohn aber sollte die geistliche Laufbahn einschlagen und, wenn irgend möglich, Bischof werden und vielleicht sogar noch mehr.

Der drittgeborene Sohn sollte sich möglichst gut für das Kriegswesen ausbilden und Kondottiere (Söldnerführer) werden und sich als solcher durch das Leben schlagen, bis es ihm vielleicht gelänge, zu einem größeren Besitz zu kommen oder bei einer wohlhabenden Adelstochter einzuheiraten.

So hielten das auch die Eheleute Francesco di Gonzaga und Isabella d’Este und ließen also ihren erstgeborenen und den dritten Sohn möglichst gut im Kriegswesen ausbilden (Fechten, Reiten, Kämpfen, auch der zukünftige Fürst musste sich als Kondottiere betätigen, weil er ja, bis er Fürst wurde, keine anderen Einkünfte hatte). Den zweiten Sohn aber gaben sie ins Studium und dann auch noch auf die Hochschule, wo er sich für seine Laufbahn als höherer Geistlicher ausbilden sollte.

Die drei Söhne hielten sich an das, was man von ihnen erwartete, und so wurde Ercole dann Geistlicher und schon ganz jung Kardinal (und wäre 1559 um ein Haar sogar zum Papst gewählt worden, es fehlten ihm angeblich nur fünf Stimmen).

Ferrante aber wurde ein tüchtiger Kriegsmann und Heerführer im Dienst des spanischen Königs, auch spanischer Vizekönig von Sizilien und dann Gouverneur von Mailand. Es gelang ihm, eine reiche Erbtochter aus dem südlichen Italien zu heiraten, Isabella di Capua (1529), und konnte dann 1539 die bedeutende Herrschaft Guastalla kaufen (er wurde damit der Stammvater der Gonzaga-Nebenlinie zu Guastalla, die später noch eine bestimmte Rolle spielen sollte).

Auch Federico di Gonzaga hielt sich an „Fürst, Bischof, Kriegsmann“

Federico di Gonzaga, der älteste Sohn des Markgrafen Francesco von Mantua, wurde, wie schon erwähnt, 1530 Herzog und heiratete als solcher 1531 die Erbtochter der reichen Markgrafschaft Monferrato, in Piemont gelegen. Sie hieß Margareta Paleologa und war die Letzte der hoch angesehenen Adelsfamilie Paleologo, die die Markgrafschaft Monferrato schon seit Generationen innegehabt hatte.

Aus dieser Ehe stammten dann vier Söhne: Francesco, Guglielmo, Ludovico und Federico.

Nach Meinung Federicos - und auch seiner in dieser Hinsicht gleich denkenden Gattin - sollte also Francesco dereinst Herzog von Mantua werden, der Zweitgeborene, Guglielmo, ins Studium gegeben und später Bischof (?) werden, der dritte aber sollte ein Kriegsmann werden und entsprechend ausgebildet werden. Was man mit dem vierten Sohn machen sollte, das würde man dann schon sehen, Kriegsmann oder auch Geistlicher, das sollte einmal offen bleiben.

Aber Herzog Federico - der erste Herzog von Mantua - konnte das Aufwachsen und Werden seiner Söhne dann nicht miterleben, weil er nämlich schon ganz jung starb - 1540, erst vierzig Jahre alt (angeblich an der „Franzosenkrankheit“ [Syphilis], was aber wohl nicht zutreffen dürfte).

Weil die Kinder noch sehr klein waren, als der Vater starb - geboren 1533, 1538, 1539 und 1540 -, wurden sie unter Vormundschaft gestellt. Auf Wunsch Herzog Federicos sollten ihre Mutter und seine beiden Brüder, Ercole und Ferrante, diese Vormundschaft gemeinschaftlich führen bis zur Volljährigkeit der Kinder.

So war es dann auch. Aber weil Ferrante von Gonzaga meist abwesend war (von 1535 bis 1546 war er Vizekönig von Sizilien und lebte mit seiner Familie in Palermo) und die Witwe oder Mutter meist alles für gut befand, was ihr Schwager Ercole, der Kardinal, vorschlug, war also dieser der eigentliche Vormund der Kinder.

Und er war ein guter Vormund und führte auch die Geschäfte des Herzogtums Mantua und der Markgrafschaft Monferrato sehr klug und verständig. Nicht weniger als 19 Jahre lang, bis 1559, war Kardinal Ercole di Gonzaga der Vormund der Kinder und auch der eigentliche Landesfürst.

Im Sinne seines verstorbenen Bruders und auch der Witwe und wohl auch in seinem eigenen Sinne sollte Francesco einmal Herzog von Mantua werden, Ludovico, der Drittgeborene, aber im Kriegswesen ausgebildet und ein Kondottiere oder Söldnerführer werden.

Und Guglielmo, der zweite Sohn, sollte sich der geistlichen Laufbahn widmen. Und zwar umso mehr, als er missgebildet war - er hatte nämlich einen Buckel -, was bei einem Geistlichen aber am wenigsten ins Gewicht fallen würde. Außerdem war er auffallend hochbegabt und lernte sehr leicht.

So wurde er also den entsprechenden Lehrern übergeben und kam er später zur weiteren Ausbildung in ein Kloster.

Francesco III., der zweite Herzog – ganz jung verstorben

Francesco, geboren am 10. März 1533, war der älteste Sohn des Herzogs Federico II. von Mantua und dessen Gattin Margareta Paleologa. Er war beim Tod seines Vaters erst sieben Jahre alt. Eine Woche nach dem Tod des Vaters, am 5. Juli, wurde er, wie es Sitte war, mit dem Herzogsmantel angetan und dann vom „Massaro di Mantova“ (Ökonom der Stadtgemeinde Mantua) vor dem Tor der Kathedrale von Mantua zum Herzog ausgerufen.

Alsdann ritt er, begleitet von seinem Onkel und Vormund Ercole di Gonzaga, dem Kardinal, durch die Straßen der Stadt, und alle konnten den neuen Herzog sehen.

Weil er noch so klein war, stand er unter Vormundschaft. Seine Vormunde waren, so wie das sein seliger Vater gewünscht hatte, die Brüder seines Vaters, seine Onkel Ercole di Gonzaga, Kardinal, und Ferrante di Gonzaga, und seine Mutter.

Der Kaiser als Heiratsstifter

Kaiser Karl V. - der seit 1516 auch König von Spanien war - schätzte Ferrante di Gonzaga sehr, und so kam er auf den Gedanken, Ferrantes Neffen Francesco, Herzog von Mantua, erst zehn Jahre alt, mit einer Nichte von ihm - einer Tochter seines Bruders Ferdinand, des deutschen (Römischen) Königs - zu verheiraten.

Er trug diesen Gedanken Ferrante vor, und dieser zeigte sich sehr geehrt und erfreut. Und als dann einige Zeit später Ercole di Gonzaga, der Kardinal, in Mailand dem Kaiser seine Aufwartung machte, trug er auch diesem vor, was er sich in Bezug auf seinen Neffen ausgedacht hatte. Auch Ercole fühlte sich geehrt und versprach, sich mit der Mutter des Knaben zu besprechen.

Schon nach kurzer Zeit konnte Ferrante dann dem Kaiser mitteilen, dass sowohl die Mutter des Knaben als auch sie, Ercole und er, als Mitvormunde, mit dieser vom Kaiser vorgeschlagenen Heirat einverstanden seien und sich sehr geehrt fühlten.

Der Kaiser setzte sich sodann mit seinem Bruder in Wien in Verbindung, und weil auch von dort her kein Einwand gegen diese geplante Verheiratung seiner Tochter kam, wurde dann zwischen Kaiser und den Brüdern Gonzaga alles Weitere vereinbart.

Standesrechtliche Hindernisse gab es gegen diese Verbindung nicht. Denn seit der Erhebung Mantuas zum Herzogtum zählten deren Inhaber zum Hochadel und war es also möglich, dass sich ein Herzog von Mantua mit einer Kaisertochter oder -nichte verehelichte (ebenso wie es jetzt auch möglich gewesen wäre, dass ein Kaiser oder kaiserlicher Prinz eine Tochter des Herzogs von Mantua zur Gemahlin genommen hätte).

Der Heiratsvertrag sollte schon jetzt abgeschlossen werden, „konsumiert“ werden sollte die Ehe aber erst, sobald Francesco und Katharina das sechzehnte Lebensjahr vollendet haben würden (beide waren 1533 geboren, Francesco am 10. März, Katharina am 15. September).

Auch schon offiziell belehnt

Der Kaiser wollte dem kleinen Herzog aber selber sagen, dass er ihn als Ehemann seiner Nichte Katharina sehen wolle, und gleichzeitig wollte er ihn auch mit dem Herzogtum Mantua und der Markgrafschaft Monferrato (beides Lehen des Heiligen Römischen Reiches) belehnen.

Im Juni 1543 wollte der Kaiser nach Deutschland reiten, wo er Wichtiges zu erledigen hatte. Er schlug daher vor, dass ihm der kleine Herzog auf seiner Durchreise seine Aufwartung machen solle. Als Ort der Begegnung bestimmte man das Dorf Canneto, das am Fluss Oglio (westlich von Mantua) gelegen war.

Die Witwe von Herzog Federico begab sich zusammen mit dem Kardinal, ihrem Sohn Francesco und den beiden jüngeren Söhnen, Guglielmo und Ludovico, nach Canneto und wurde dort am 27. Juni freundlich vom Kaiser empfangen. Auch Onkel und Mitvormund Ferrante war zugegen.

Der Kaiser kam herbei, küsste zuerst den kleinen Herzog und dann auch noch seine Brüder - fünf und vier Jahre alt - auf die Stirn und umarmte sie und sprach dann freundlich mit ihrer Mutter, der Herzogswitwe.

Sodann führte er Mutter und Söhne sowie Ferrante und Ercole Gonzaga in einen Saal, wo zahlreiche vornehme Mitglieder seiner Begleitung, Fürsten und Barone, versammelt waren, und sagte: „Das ist Francesco di Gonzaga, der Herzog von Mantua und Markgraf von Monferrato, der älteste Sohn des vor drei Jahren leider zu früh verstorbenen Herzogs Federico von Mantua.“

Dann zog er einen goldenen Ring, den er an einem Finger hatte, ab und steckte diesen an einen Finger des zehnjähriges Herzogs und sagte: „Ich belehne dich damit mit dem Herzogtum Mantua und der Markgrafschaft Monferrato, Lehen des Heiligen Römischen Reiches, mit allen Rechten und Zugehörungen und Ehren, so wie sie schon dein Vater innegehabt hat.“

„Und außerdem“, wandte er sich nun an den kleinen Herzog, „gebe ich dir auch meine Nichte Katharina, die Tochter meines Bruders Ferdinand, des Königs, zur Frau. Katharina soll wie meine eigene Tochter sein, und du sollst wie mein eigener Sohn sein. Die Hochzeit wird stattfinden, sobald ihr sechzehn Jahre alt geworden seid.“

Francesco dankte dem Kaiser mit „wohlgesetzten Worten“ für die erfolgte Belehnung und dafür, dass er ihm seine Nichte zur Ehegattin gegeben habe, und versprach, ihm in allem gehorsam („ubbidientissimo“, gehorsamst) zu sein.

So waren also Belehnung und Verlobung öffentlich gemacht, vor all den vornehmen Herren der Begleitung des Kaisers als Zeugen, und damit in Wirksamkeit gesetzt worden.

Hochzeit und früher Tod

Sechs Jahre später, im Herbst 1549, wurde die verlobte Braut sechzehn Jahre alt und konnte also, wie vereinbart, die längst beschlossene Hochzeit vorgenommen werden.

Am 21. Oktober 1549 traf Erzherzogin Katharina von Habsburg, die Gattin des Herzogs, von Wien her kommend in Mantua ein. Sie wurde von ihrem Bruder Ferdinand und einer großen Anzahl deutscher Fürsten und Grafen begleitet. Der Empfang in Mantua war dementsprechend großartig und festlich. Schon am nächsten Tag, dem 22. Oktober, fand in der Basilika San Pietro die kirchliche Trauung statt.

Aber diese Ehe sollte nur von sehr kurzer Dauer sein. Am 27. Jänner 1550, einem sehr kalten Wintertag, begab sich der Herzog mit befreundeten jungen Edelleuten auf die Jagd nach Wasservögeln. Als er mit ein paar jungen Begleitern in einem kleinen Boot zwischen Poggio Reale und der Brücke San Giorgio unterwegs war, vergnügte man sich damit, das kleine Boot zum Schwanken zu bringen - und da geschah, an was niemand gedacht hatte: Der junge Herzog verlor das Gleichgewicht und fiel kopfüber in das Wasser. Seinen Begleitern gelang es eine Weile nicht, ihn aus diesem ins Boot zu ziehen, und so musste er viel eiskaltes Wasser schlucken. Er war überdies völlig durchnässt und musste in diesem Zustand nach Hause geführt werden (die nassen Kleider gefroren sogar am Leib, wie es heißt).

Er wurde wohl rasch entkleidet und getrocknet und mit Tüchern gerieben, aber das nützte nicht viel. Er bekam hohes Fieber, und trotz aller Pflege starb er (wahrscheinlich an Lungenentzündung) am 21. Februar 1550. Er wurde nicht einmal ganz siebzehn Jahre alt (auf dem Epitaphium wird sein Alter mit „16 Jahre, 11 Monate und 12 Tage“ angegeben).

Seine Gattin war nicht schwanger, als er starb, und so wurde sie - wie dies damals üblich war - „entrichtet“ (bekam sie alles, was sie in die Ehe eingebracht hatte, wieder zurück, und erhielt sie zudem auch noch eine „Entschädigung“ in Geld, die sogenannte Morgengabe, für die in die Ehe eingebrachte Jungfräulichkeit).

Hundert Tage nach dem Tod des Mannes - nachdem sich also mit Sicherheit gezeigt hatte, dass sie nicht schwanger war - verließ sie den herzoglichen Palast und kehrte zu ihren Eltern nach Wien zurück.

Drei Jahre später verehelichte sie sich mit dem König von Polen, der vorher mit ihrer Schwester verheiratet war. Aber als dieser merkte, dass sie an Epilepsie litt, wollte er sie nicht länger haben und die Ehe annullieren lassen. Das aber sah die Kirche nicht als ausreichenden Annullierungsgrund an und blieb die Ehe also aufrecht. Später aber zahlte ihr der König eine größere Summe, damit sie ihn verlasse, und so zog sie nach Linz, wo sie 39-jährig starb. Auch die zweite Ehe war kinderlos geblieben.

Guglielmo, der dritte Herzog – ein strenger und tüchtiger Fürst

Nach dem unerwarteten Tod seines ältesten Bruders, der keine Kinder hinterließ, ging die Herzogswürde auf ihn als den nächstjüngeren Bruder über. Guglielmo war aber noch nicht volljährig, und so blieben die Vormunde der Brüder, die schon seit dem Tod ihres Vaters Federico eingesetzt waren, auch weiterhin bestehen.

Guglielmo war, wie erwähnt, missgestaltet, und deshalb wollte weder seine Mutter und noch viel weniger sein Onkel Ercole, dass er Herzog werde. Der große Buckel verunstalte ihn sehr. Sie wollten daher, dass er auf den Herzogshut verzichte und dass sein nächstjüngerer Bruder, Ludovico, Herzog würde. Dieser war schön und gerade gewachsen und hatte ein sehr gutes Auftreten.

Guglielmo schlugen sie vor, die geistliche Laufbahn zu ergreifen, so wie das auch schon bisher geplant gewesen sei. Bei einem Kleriker habe es nur geringe Bedeutung, ob er ein stattliches Äußeres und gewinnendes Wesen habe, und außerdem könne er dann fette Pfründen [Jahreseinkommen] bekommen und ein gutes Leben führen usw.

Doch Guglielmo lehnte es ab, auf die Herzogswürde zu verzichten, und sagte, für einen Zwölfjährigen schon etwas überraschend: „Durch den Tod meines Herrn Bruders lässt mich Gott zum Herzog von Mantua werden, und deshalb will ich auch nicht diese mir zugefallene Gnade ablehnen.“