Der Fluch von Orioli - Nanni Falconi - E-Book

Der Fluch von Orioli E-Book

Nanni Falconi

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Beschreibung

Der alte Pedru Soro erzählt am Faschingsabend die Geschichte seiner Reise in das verlassene Dorf Orioli. Ein Dorf, das so versteckt ist, dass selbst er es einst nur durch einen Zufall gefunden hat. Man sagt, dass ein Fluch auf dem Dorf lastet.
Seine Reise führt ihn nicht nur nach Orioli, sondern auch in die Vergangenheit. Er erinnert sich auf seinem Weg an die Geschichten, die ihm sein Großvater immer erzählt hat. Die Geschichten der Helden aus Orioli.
Niemand weiß jedoch, was in dem Dorf geschehen ist. Die Neugier, die Ruinen zu finden, treibt Pedru Soro an. Wird die Begegnung mit einem alten Greis das Geheimnis um den Fluch von Orioli lüften?

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Veröffentlichungsjahr: 2013

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Nanni Falconi

DER FLUCH

VON ORIOLI

Übersetzung von Alexandra Porcu

ISBN 978-88-7356-828-5

Condaghes

www.condaghes.it

Vorwort

Ich habe Nanni Falconi 2001 in dem Chat-Forum „sa-limba“ kennengelernt. Damals hatte ich gerade angefangen Sardisch zu lernen. Es war ein Forum, das von Prof. Guido Mensching und seinen Mitarbeitern der Universität Köln ins Leben gerufen worden war, um die sardische Sprache zu fördern. Als der Roman „Su Cuadorzu“ (eigentliche Übersetzung „Das Versteck“) erschien, schickte Falconi mir diesen per Mail. Er schickte mir zudem eine Übersetzung von Gianfranco Unali in englischer Sprache, die jedoch bis heute unveröffentlicht blieb. 2005 fing ich aus Spaß an den Roman zu übersetzen, um besser Sardisch zu lernen. An vielen Stellen war mir die englische Übersetzung sehr hilfreich. Allerdings verwendete ich sie irgendwann nicht mehr, da ich möglichst nah am Text bleiben wollte und direkt aus dem Sardischen übersetzen wollte. Mich hat die Geschichte von Anfang an fasziniert, da sie einfach geschrieben war und trotzdem darin viel erzählt wurde. Was mit einer Übung anfing, endete irgendwann mit der Idee, die Übersetzung tatsächlich zu veröffentlichen.

Aus dem langjährigen Kontakt mit Nanni Falconi entstand eine Freundschaft. Ich habe ihn einige Male in den Bergen besucht. Viel faszinierender als der Roman an sich, ist die Tatsache, dass Nanni Falconi ein einfacher Hirte ist, der keine höhere Schulbildung genossen hat. Er ist Autodidakt und Sardisch ist seine Muttersprache. Er wollte einfach nur schreiben, konnte dies jedoch nicht in Italienisch tun. Als ich ihn 2005 besuchte, zeigte er mir den Ort, der ihn dazu inspiriert hatte „Su Cuadorzu“ zu schreiben. Es war ein verlassenes Dorf, direkt in der Nähe von seinem Geburtsort Pattada. In Sardinien existieren viele solche Geisterdörfer und oft weiß niemand, warum sie verlassen worden sind. Nanni Falconi hat einfach seiner Phantasie freien Lauf gelassen. Erzählerisch ist er augenscheinlich insbesondere von Joseph Conrads „Heart of Darkness“ geprägt worden, dessen Roman er zuvor ins Sardische übersetzt hatte. Die Intertextualität in der Erzählweise ist nicht von der Hand zu weisen.

Die Akteure und die Handlung von „Su Cuadorzu“ spiegeln die sardische Mentalität wider, an manchen Stellen in übertriebener und ironisierender Art und Weise. Ich habe versucht dies beizubehalten, ebenso wie den Charakter der sardischen Sprache, die sehr direkt und analytisch ist. Den Titel des Romans habe ich verändert, da „Das Versteck“ im Deutschen nicht viel über den Inhalt der Geschichte aussagt. Die Eigennamen im Roman habe ich beibehalten, außer wenn der Name für die Geschichte von Bedeutung war. Dem ist hinzuzufügen, dass die meisten Namen der Akteure häufig eine Bedeutung haben. So entstammt die Frau von Bachis der Familie Delinna (aus Holz) und sein Widersacher heißt Fele (Galle). Der Name Soro läßt sich zurückführen auf die Wörter „Serum“ oder „Schatz“.

Mein Dank gilt allen, die mich inspiriert haben Sardisch zu lernen: Meine Mutter Felicita Porcu, mein Professor Thomas Stehl, Guido Mensching und alle Menschen, die in der Mailingliste „sa-limba“ geschrieben haben. Des Weiteren danke ich dem Circolo Sardo di Berlino e.V. und natürlich Nanni Falconi selbst. Auch Manuela Mereu und Markus Fritsche, die den Roman korrigiert haben, sowie Frantziscu Cheratzu vom Verlag Condaghes danke ich für die Unterstützung.

Abschließend lässt sich zum Roman sagen, dass trotz der Ironie die sardische Mentalität ziemlich klar zum Ausdruck gebracht wird und man auch heute noch Spuren des mythischen Geistes auf Sardinien finden kann... in den Gesichtern der Menschen, in ihren Erinnerungen und in den Sagen, die den Kindern immer noch auf Sardinien erzählt werden.

Alexandra Porcu

Der Fluch von Orioli

Im Morgengrauen hatte eine Wolke, die eilig über den blauen Himmel gezogen war, einen Sprenkel von Hagelkörnern hinterlassen, die im Gemäuer der Häuser kleben geblieben waren und sich auf den Dächern und Fensterbrettern niederlegt hatten. Die Kälte hatte sie zunächst gefrieren lassen, und nun waren sie eins geworden mit den Flocken des Schnees. Ein leichter Wind wehte durch die Straßen und legte einen leuchtenden Schleier auf die Pflastersteine. Dem alten Pedru Soro gelang es nicht, eingesperrt in seinen vier Wänden zu verharren. Obwohl er weder der Kälte, dem Frost, noch den Übeln des Alters wohl gesonnen war, nahm er es mit ihnen auf und ging hinaus, um etwas Luft zu schnappen. Ihn überkam die Lust, ein wenig Zeit mit seinen Freunden zu verbringen, weil er sich mit ihnen wenigstens für eine Weile ablenken konnte. Seitdem er sich von der Landarbeit zurückgezogen hatte, gab es nichts mehr zu tun für ihn, so dass nun Traurigkeit und Einsamkeit seine einzigen Begleiter geworden waren. „Man muss schon verrückt geworden sein, wenn man an solch einem Abend herumirrt“, murmelte er. Er hatte Angst davor auszurutschen, da die Strecke bergab ging und sich gerade in einen eisigen Spiegel verwandelte. Er zitterte am ganzen Körper, rückte seinen Kragen zurecht und klebte förmlich an den Häuserwänden, um sich vor dem heftigen Wind zu schützen. Obwohl er nach dem Zwiebelschalenprinzip gekleidet war, fraß sich die kühle Luft langsam durch seine dünne Haut. Die Straße und die Gegend waren verlassen, da sich an diesem besonderen Tag niemand die Gelegenheit entgehen ließ, einen Schlenker in die Kneipe zu machen, wo man versuchte, die Kälte und den Durst mit Rauch und Wein zu bekämpfen. Er hatte seine Freunde nicht einmal angerufen. Wahrscheinlich wären sie wegen des Wetters ohnehin nicht aus dem Haus gegangen. Auch nicht schlecht, wenn er niemanden angetroffen hätte, dann wäre er einfach wieder umgekehrt. Doch nun war er schon mal auf dem Weg und folgte ihm bis zur Kneipe der Schwestern Farinas, um nachzusehen, ob dort jemand war. Er war tief in Gedanken versunken, als er sah, wie aus einer dieser Pinten eine Gruppe herauskam; es waren junge, maskierte Männer in merkwürdigen Kostümen. Eine Rauchwolke, ein Schwall von Dunst und Stimmengewirr begleitete sie hinaus. Sie feierten Karneval. An der anderen Ecke des Hauses hatte sich gerade ein betrunkener Bursche die Seele aus dem Leib gekotzt. Sein Gesicht war mit Staub und Blut verschmiert, aus seinem Mund triefte noch der Rest des eben Erbrochenen. Sein weißes Hemd und seine gelbe Jutejacke waren auch davon betroffen. Er versuchte wieder auf die Beine zu kommen, indem er sich mit der linken Hand an der Hauswand abstützte. Mit gespreizten Beinen und gesenktem Kopf suchte er nach seinem Glied, weil er dringend pinkeln musste. Er war sichtlich durcheinander, bewegte sich, als hätte er keinen festen Boden unter den Füßen. Ihm schien es, als würde sich die Welt gnadenlos im Kreise drehen und keinen Moment lang damit aufhören. Die Erde versuchte ihn mit ihren Wellen abzuschütteln. Der Boden hob und senkte sich, und es hatte den Anschein, dass er nicht wusste, wo er sich festhalten sollte, weil für ihn alles in Bewegung war. Dieses Summen in seinen Ohren war schlechter zu überwinden, als jenes, das er aus seiner Kindheit kannte, als er sich im Kreis so lange um seine eigene Achse gedreht hatte, bis ihm schlecht geworden war. Diesmal jedoch war es das Spiel mit dem Wein und nicht der Schabernack, den Kinder treiben. Das schallende Lachen, das er in seiner Nähe hörte, war nicht das Gelächter seiner Spielgefährten, sondern gehörte zu den jungen, maskierten Burschen, die ihn nun umzingelten. Zwei von ihnen nahmen ihn unter die Arme und sagten, dass sie ihm helfen wollten. „Wir bringen dich nach Hause, wo du dich hinlegen kannst“, sagten sie, während sie ihn unter den Achseln packten. Der Betrunkene brachte, trotz seines trockenen Mundes, ein „Danke“ heraus und wunderte sich über diese Freundlichkeit. Er vertraute ihnen wie ein unschuldiges Kind, welches das Böse nicht kennt. Kurz nachdem sie sich von der Hauswand entfernt hatten, ließen die beiden jungen Männer ihn plötzlich los. Da er nun keinen Halt mehr hatte, schwankte er einen Moment lang, fiel hin und prallte mit dem Gesicht auf den Boden. Er hatte es nicht einmal mehr geschafft, seine Hände auszustrecken. Die ganze Gruppe fing schadenfroh und närrisch zu lachen an. „Nur Dummheiten im Kopf, diese Kinder“, murmelte Pedru und verließ verärgert das Spektakel.

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