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In einer kalten, sternenklaren Nacht am Ufer des Rheins begegnet der astronomiebegeisterte Protagonist einem geheimnisvollen Mann mit verunstaltetem Gesicht. Der Unbekannte offenbart sich als Sternenreisender aus einem fernen Sonnensystem im Sternbild Orion. Er räumt ein, dass sein Gedächtnis gelitten hat auf seiner langen Reise durch die Nacht. An seine Heimat kann er sich nicht mehr erinnern, wohl aber an einen bösen Traum, der ihn in seinem tausendjährigen Schlaf heimgesucht hat. In diesem Traum hat ein Feuersturm seine einst blühende Heimat in eine Wüste verwandelt. Allerdings vermag der Sternenreisende nicht zu sagen, ob dieser Traum auf Bruchstücken von Erinnerungen beruht oder nur die furchtbare Vision eines im eisigen Schlaf gefangenen Weltraumfahrers gewesen ist. Er möchte daher zurückkehren, um zu erfahren, welches Schicksal seiner Heimat wirklich zuteilgeworden ist. „Der Flug zum Feuerstern“ ist nicht nur eine Reise zwischen den Sternen, sondern auch eine Erkundung von Verlust und Hoffnung, eine Suche nach Wahrheit.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Trivocum Verlag präsentiert:
Frank Breuer
Der Flug zum Feuerstern
Geschichte eines Traums
Science-Fiction Roman
Impressum:
1. Auflage Oktober 2024
© 2024 by Frank Breuer TP
c/o 85244 Egling, Herterleite 8Lektorat: Rael WissdorfKorrektorat: Shara Whitfield, Anette Breuer
Umschlagdesign: Schmidt Design, Ulm
Satz: Trivocum Publishings
ISBN Printausgabe: 978-3-946797-53-1
Für N.
„But through eternal night
the twinkling of starlight… “
Zager & Evans
In the year 2525
Seit jeher habe ich es geliebt, die Sterne zu betrachten. Ich habe mich gefragt, ob es auch dort oben Wesen gibt, die so aussehen wie wir, die Bücher lesen und Musik hören und so wie wir mit großen Fernrohren den nächtlichen Himmel erforschen; oder ob das Leben dort andere Formen hervorgebracht hat, quirlige grüne Kobolde vielleicht mit Rüsseln und spitzen Ohren oder hohe, spindeldürre Gestalten mit langen schmalen Köpfen. Auch Echsen mit schuppiger Haut und dolchzahnbewehrtem Maul, die auf zwei kräftigen Beinen voranschreiten und furchtbare Waffen in ihren Klauen halten, sind damals durch meine Träume gespukt. Ja, als ich jung war, habe ich mir vorgestellt, in einem großen Raumschiff zu den Sternen zu fliegen und all diesen Dingen auf den Grund zu gehen. Städte wollte ich sehen, deren schlanke silberne Wolkenkratzer und gläsernen Türme im Licht einer anderen, viel helleren Sonne erglänzen, und in deren Straßenschluchten Fluggleiter mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Lüfte sausen. Galaktische Raumflotten, deren gewaltige Schiffe den Feind aus großer Entfernung mit Laserkanonen unter Beschuss nehmen. Sternenkrieger in makelloser Uniform auf der Kommandobrücke, zuckende Blitze in der Schwärze des Alls, lautlose Explosionen, in denen die finsteren Mächte des Universums ihr Ende finden. Nicht zu vergessen das sanfte Lächeln, welches der glückliche Ausgang der interstellaren Schlacht auf das liebliche Antlitz der furchtlosen Sternenprinzessin zaubert. Und gab es da nicht auch jene Welten, in denen die Zeit stehen geblieben war? In denen noch die mächtigen Dinosaurier durch dampfende Dschungel stapften und mit martialischem Brüllen ihren Anspruch auf Herrschaft über jene vergessene Welt geltend machten? Wehe dem Raumfahrer, der aufgrund widriger Umstände gezwungen war, auf einem solchen Stern zu landen.Er würde sich in dieser urzeitlichen Welt behaupten müssen und konnte nur hoffen, dass der feine Strahl seiner Laserpistole heiß genug sein würde, um die Panzerhaut der schrecklichen Monster zu durchdringen.Raumschiffe und Reisen zu fernen Sternen, ja, darüber hatte ich viel gelesen. Und all diese Dinge, über die Bücher und Filme auf die eine oder andere Weise erzählten, beschäftigten damals meine Phantasie. Heute weiß ich, dass die strahlenden Helden meiner Jugend sich zumindest in einem Punkt geirrt haben: Man kann nicht einfach in ein Raumschiff steigen, auf den Startknopf drücken und erwarten, dass man in wenigen Stunden seinen Fuß auf den sandigen Boden eines fernen Wüstenplaneten setzen wird. Selbst wenn das Sternenschiff, in das du steigst, ungeheuer schnell ist. Denn die Entfernung zwischen den Sternen, die du überbrücken musst, ist noch unglaublicher. Darum ist die Zeit, die vergeht, bis du deinen Stern erreichst, unendlich lang. All deine kleinen Tricks, die du auf Lager hattest, um den unvorstellbar tiefen Abgrund zu überwinden, die Wurmlöcher, Hyperräume, Teleportationssprünge und was immer du ersonnen hast: Sie funktionieren nicht. Du kannst nicht schneller sein als das Licht. Und selbst die Strahlen des Lichts brauchen Jahre, Jahrhunderte, Jahrtausende, um den fernen Stern zu erreichen, von dem du träumst.Und doch… habe ich mich auf die lange Reise begeben. Wider alle Vernunft, ich gestehe es gern. Denn der Traum meiner Jugend ist zu verlockend gewesen. Lange bin ich nun schon unterwegs. Und wenn ich jetzt hinausschaue aus dem riesigen Ausguck meines Sternenschiffes, dann sehe ich - in weiter Ferne allerdings - die drei hellen Sterne leuchten, mit denen sich Orion, der große Jäger gürtet. Zugegeben, ich bin ein wenig älter geworden auf dieser Reise.Mein Haar hat sich gelichtet, meine Zähne wackeln schon ein wenig, und in meinem Gesicht zeugt die eine oder andere tiefe Falte von den Anstrengungen lebenslangen Grübelns und Suchens. Ja, ich bin älter geworden auf meinem Flug zu den unendlich fernen Sternen, habe mir sogar trotz karger Kost ein kleines Bäuchlein zugelegt. Orion, der Jäger, aber hat seinen Gürtel nicht lockern müssen in all den Jahren. Die drei leuchtenden Sterne stehen noch immer in gleichem Abstand zueinander wie zu Beginn meiner Reise, sie haben ihren angestammten Platz nicht verlassen und werden dies wahrscheinlich auch im Verlauf der nächsten Jahrtausende nicht tun. Orion wird in immerwährender Schönheit leuchten, während ich in meinem bequemen, mit verstellbarer Rückenlehne und Fußablage versehenen Sitz langsam alt und fett und runzlig werde. Orion, lieber alter Freund, deine Erhabenheit und meine Hinfälligkeit, das sind Gegensätze, die sich anziehen, und so habe ich mich auf den Weg zu dir gemacht. Auf den weiten Weg… muss ich wohl hinzufügen. Denn bislang bin ich dir kaum nähergekommen. Du verweilst in unermesslicher Ferne, obgleich meine Reise nun schon beinahe ein Menschenleben dauert. Obschon ich mich spute, mit Tausendmeilenstiefeln voranschreite, vor Jahren schon unser Sonnensystem verlassen habe und nun geschwinder als eine Gewehrkugel den leeren dunklen Weltraum durcheile. Was ist man bereit zu opfern für seinen Traum? Darüber denke ich nach, während ich diese Zeilen schreibe. Aber ich muss wohl von vorn beginnen, mich auf den Anfang meiner Reise besinnen. Ich muss die vielen Jahre zurückeilen bis zu der Begegnung mit jenem Mann, der meinem Leben eine andere Richtung gegeben hat. Ohne den ich heute friedlich vor dem flackernden Kaminfeuer in meinem Wohnzimmer säße, irgendein Buch für Hobbyastronomen in meinen Händen und ein bauchiges Glas uralten Riojas in Griffweite.
Dimitri…
Wann ist das gewesen, wann bin ich ihm begegnet?Es muss mehr als vierzig Jahre her sein… ein Winterabend am Rhein. 2023 glaube ich. Oder war es 2024? So genau weiß ich das schon gar nicht mehr.Erinnern kann ich mich nur daran, dass ich mit zwei Freunden in einem recht noblen Restaurant recht gut gegessen und die eine oder andere Flasche Wein geleert habe. Und dass wir verdammt viel gelacht haben an jenem Abend. Damals konnte ich ja noch nicht wissen, dass wir uns niemals wiedersehen würden. Und so war die feierliche Verabredung eines baldigen nächsten Treffens ein Trinkspruch, der ins Leere ging. Ich bin dann noch allein auf die Terrasse gegangen, weil ich eine Zigarette rauchen und für einen Moment die Stille der Winternacht genießen wollte. Eine sternenklare Nacht, daran kann ich mich erinnern. Heller als sonst schien der silberne Mond zu leuchten, und jenseits der dunklen Fluten des Rheins konnte ich das andere Ufer sehen, die sanft ansteigenden Wiesen und die lange Reihe dicht nebeneinanderstehender kleiner knorriger Bäume, die den Gipfel der Anhöhe säumten und sich schwarz vor dem Nachthimmel abzeichneten. Es war bitterkalt. Ein scharfer Wind wehte vom Rhein herüber. Ein frostiger Gruß aus polaren Gefilden, so schien es mir, der mich auf einen Schlag wieder nüchtern werden ließ. Rasch knöpfte ich meinen Wintermantel bis zum Kragen zu und zog den Schal fester um den Hals. Aber erst als ich mich nach einem Aschenbecher umsah, bemerkte ich, dass ich nicht allein auf der Terrasse war. In einiger Entfernung stand ein Mann am Geländer und schaute hinaus in die Nacht. Ein kleiner Mann, dessen weißes, zu einem Pferdeschwanz gebundenes Haar auf einen dunklen Mantel fiel, der ihm bis zu den Knöcheln reichte. Er hielt, soweit ich das erkennen konnte, eine Zigarette in der Rechten und hatte einen Standascher neben sich positioniert. Eines von den Dingern, nach denen ich gesucht hatte. Ich schlenderte auf das Geländer zu und überlegte dabei, wie ich ihn ansprechen sollte. ´Guten Abend, darf ich Ihnen Gesellschaft leisten? ´ hätte ich sagen können, oder: ´Hallo, ziemlich kalt heute Nacht. ´ Aber ich beschloss, erst mal gar nichts zu sagen, stellte mich wortlos neben ihn und zündete mir eine Zigarette an. Auch der Mann mit dem Pferdeschwanz schwieg und wandte seinen Blick nicht ab von der Nacht. So standen wir eine Weile am Geländer und taten nichts anderes als den Rauch unserer Zigaretten Richtung Rhein zu blasen. Zwischen uns der Standascher, der in gewisser Weise die fehlende Kommunikation ersetzte und eine wenn schon nicht enge so doch stabile Verbindung zwischen uns schuf.Dann wandte mir der kleine Mann sein Gesicht zu. Und ich muss gestehen, dass ich bei seinem Anblick nicht wenig erschrak. Beinahe wäre ich einen großen Schritt zurückgewichen. Sein bleiches Gesicht sah, ich kann es kaum anders beschreiben, auf eigenartige, ja furchterregende Weise zusammengeflickt aus. Als habe man seine Haut in Fetzen gerissen und diese sodann wieder zusammengefügt mit dem schaurigen Ergebnis, dass gezackte dunkle Risse quer über sein Gesicht liefen. Allein seine hellen und klaren Augen, die mich nun eindringlich musterten, ließen mich hoffen, es mit einem Exemplar der Gattung Mensch und nicht mit einer Kreatur der Finsternis zu tun zu haben.„Ich nehme an, Sie gehören eher zu den wortkargen Intellektuellen“, so eröffnete er damals das Gespräch.Wobei er sehr langsam sprach mit einer seltsam heiseren, knirschenden Stimme, die beinahe so klang, als würde er beim Sprechen Sand zwischen den Zähnen zermahlen. Ich hingegen hatte mich von meinem Schreck noch nicht erholt und war im ersten Moment um eine Antwort verlegen. Aber er ließ sich nichts anmerken, obwohl er gesehen haben musste, welchen Eindruck seine äußere Erscheinung auf mich gemacht hatte. Vielmehr half er mir höflich aus meiner Verlegenheit, indem er fragte: „Was halten Sie davon, wenn wir einfach weiter die Sterne betrachten? Belangloses Gerede stört dabei nur.“ So viel freundliches Entgegenkommen hatte ich von dem Mann mit dem Flickengesicht ehrlich gesagt nicht erwartet. Und obwohl ich zunächst vorgehabt hatte, mich unter irgendeinem Vorwand zu verabschieden, meine Zigarette auszudrücken und möglichst rasch das Weite zu suchen, entschied ich mich nun, mir die seltsame Gestalt ein wenig näher anzuschauen.„Interessieren Sie sich für Astronomie?“ fragte ich ihn, um erstmal ein harmloses Gespräch zu beginnen, und hielt dabei seinem eindringlichen Blick stand.„Nun,“ lächelte er mit bläulichen Lippen, offenbar hatte er sich schon recht lange in der Kälte hier draußen aufgehalten, „sagen wir, mit astronomischen Entfernungen kenne ich mich aus. Damit habe ich mich eine Weile beschäftigt.“Das klang nicht uninteressant. War mein hässlicher Gesprächspartner etwa Astrophysiker, hatte er bei einer Weltraumbehörde gearbeitet, um die Entfernungen zwischen Sternen zu vermessen? Ich nahm einen tiefen Zug aus meiner Zigarette und blies den Rauch weit an seinem Gesicht vorbei. „Dann können Sie mir bestimmt sagen, wie viele Kilometer ich abspulen muss, wenn ich zum Mars fliegen möchte“, forderte ich ihn scherzhaft heraus und zeigte nach oben, dorthin, wo ein besonders großer und hell leuchtender Stern am nächtlichen Himmel zu sehen war. Das Flickengesicht sah ebenfalls nach oben.„Jetzt ist er gar nicht so weit weg“, erwiderte er, und ich begann, mich an das Knirschen in seiner Stimme zu gewöhnen. „Alle sechzehn Jahre kommt er uns auf seiner Umlaufbahn recht nahe“, fuhr er fort, „so etwa fünfundfünfzig Millionen Kilometer ist er dann nur noch entfernt. Ein kosmischer Katzensprung sozusagen. Dann gehen sie wieder auseinander, die Erde und der Mars. Also müssen Sie noch heute Abend starten, mein Lieber, dann können Sie in einem halben Jahr da sein. Aber vergessen Sie Ihren Tabak nicht. Soviel ich weiß, gibt es auf dem Mars noch keine Zigarettenautomaten.“ Dann lachte er. Offenbar fand er seine Bemerkung urkomisch. Und der Teufel soll mich holen, wenn das nicht das merkwürdigste Lachen war, das ich in meinem Leben je vernommen habe. Es klang wie das Zischen einer alten Dampflok. Einer von diesen grandiosen Lokomotiven mit den markanten roten Kuppelstangen an den mächtigen Rädern und dem großen schwarzen Schornstein auf dem Dach, die Dampf ablassen, wenn sie im Bahnhof zum Stehen kommen. Mit einem Zischen, wie es ähnlich nun auch der Flickengesichtige von sich gab. Er schnaubte die Luft in kurzen Stößen aus, bevor er wieder Atem schöpfte, und krümmte und verbog sich dabei. Das war das eine. Das andere war, dass er sich offenbar ein wenig auskannte, was Reisen zu anderen Planeten anbelangte. Jedenfalls hatte mich seine spontane Auskunft beeindruckt, und mein anfängliches Unbehagen war nun endgültig einer wachsenden Neugier gewichen. Zumal ich als alter Science-Fiction-Fan diesem Thema gegenüber durchaus aufgeschlossen war.„Ein halbes Jahr braucht man bis zum Mars?“ vergewisserte ich mich noch einmal. Das war in der Tat eine neue Erkenntnis für mich. Nicht, dass ich in Sachen Raumfahrttechnik völlig ahnungslos war, aber ich hatte angenommen, mit der Schubkraft moderner, gewaltiger Antriebe würde es doch ein wenig zügiger gehen. „Dann werden wir andere Sonnensysteme wohl nicht so schnell erreichen“, murmelte ich enttäuscht, „wenn der Flug zum Mars schon eine halbe Ewigkeit dauert.“Der kleine Mann nickte und drückte seine Zigarette sorgfältig im Ascher aus. „Genauso ist es, mein lieber Freund. Wenn Sie weiter wegwollen, müssen Sie sich schon ein wenig Zeit nehmen. Ein paar tausend Jahre, würde ich sagen; und wenn unser Verständnis der Naturgesetze keine tiefgreifende Wandlung erfährt, wovon ich im Augenblick nicht ausgehe, wird sich die Reisezeit auch mit künftigen Antrieben kaum verkürzen lassen. Ich fürchte, der Menschheit wird nichts anderes übrigbleiben, als es sich in ihrem kleinen Sonnensystem so bequem wie möglich zu machen. Wir haben nur diese eine Sonne“, schloss er mit ernster und knirschender Stimme, „erfreuen wir uns daran. Eine andere wird uns nicht scheinen.“Ich schluckte. Wenn mein Freund mit dem Flickengesicht recht hatte, war das natürlich eine bittere Pille für einen begeisterten Leser von Science-Fiction-Romanen wie mich, der in der Erkundung fremder Welten stets mehr gesehen hatte als eine fantastische Träumerei. Die Aussicht auf Reisen durch die Galaxis, nicht heute und nicht morgen, aber vielleicht in hundert oder zweihundert Jahren, hatte ich eingedenk der unendlichen Neugier und der fanatischen Fortschrittsgläubigkeit der Menschen vielmehr für einigermaßen realistisch gehalten. Allerdings musste ich mir eingestehen, dass sich die ungestümen Helden aus meinen Zukunftsromanen nie große Gedanken über Entfernungen oder Reisezeiten gemacht hatten. Sie waren einfach in ihre futuristisch gestylten Raumschiffe geklettert und standen alsbald vor dem Halbrund einer riesigen Instrumententafel, über die auf ganzer Breite flimmernde Monitore, metallisch schimmernde Kippschalter und Tasten mit allerlei seltsamen Symbolen verstreut waren. Dann hatten sie entweder einen kleinen Startknopf gedrückt oder der Maschinenleitstelle ein kleines Kommando zugeraunt.Und nur kurze Zeit später - ungefähr die Zeit, die man braucht, um ein kleines Schwätzchen mit der hübschen Sternennavigatorin zu führen - konnten sie durch das enorme Panoramafenster über all den summenden und singenden Instrumenten messerscharf die Umrisse des Zielplaneten erkennen. Ja, die unvorstellbaren Entfernungen und die Zeit, die man braucht, um sie zu überwinden, sie hatten seltsamerweise keine Erwähnung gefunden bei all den flotten Fahrten durch den Weltenraum. Möglicherweise hatten die Autoren geglaubt, dass kosmische Geschwindigkeiten in jener fernen Zukunft, in der ihre Geschichten spielten, kein großes Problem mehr darstellten. Sehr wahrscheinlich würde man die leidige Antriebsfrage dann auf die eine oder andere Weise geklärt haben. Oder aber die Erzähler von Weltraumstories wollten einfach nur rasch zur Sache kommen: Zu den Außerirdischen und ihrem Gebaren einer friedliebenden Menschheit gegenüber. Da störte eine lange Flugdauer nur. Aber vielleicht bot sich ja jetzt die Gelegenheit, das Thema zu vertiefen, das bei den Erzählungen über die unendlichen Weiten des Weltalls stets zu kurz gekommen war. Vielleicht konnte ja der Flickengesichtige meine Perspektive in dieser Hinsicht weiten. Und bei der Klärung der für mich nicht ganz unbedeutenden Frage helfen, ob bei optimistischer, ja enthusiastischer Betrachtung der Dinge nicht vielleicht doch die Möglichkeit bestünde, eines fernen Tages zu den Sternen zu fliegen. Oder - auch diese Variante musste ich leider in Betracht ziehen - die unverrückbaren Gesetze der Physik diesen hochfahrenden Plänen für immer entgegenstehen würden. Mein nächtlicher Gesprächspartner hatte sich mittlerweile eine neue Zigarette angezündet und sog den Rauch genussvoll in sich hinein. Zusammen mit der kalten Luft der Nacht.
Prolog
1. Kapitel: Abgrund
2. Kapitel: Fackelträger
3. Kapitel: Totenschiffe
4. Kapitel: Nimmermehr
5. Kapitel: Rabenschwarz
6. Kapitel: Ferne
7. Kapitel: Tribunal
8. Kapitel: Zwerg
9. Kapitel: Traumfänger
Epilog
Cover
