Der Geist der Adlerschwinge - Daniel Schlegel - E-Book

Der Geist der Adlerschwinge E-Book

Daniel Schlegel

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Beschreibung

Eine Gruppe Jugendlicher, die mit ihren Familien in einer postapokalyptischen Industrieregion leben, ist auf Abenteuer aus. Also machen sie sich auf zu den Metallkryten, den Ruinen einer riesigen Produktionsanlage. Diese zu betreten gilt seit alters her als eine ungeheure Mutprobe. Leonard will diese Mutprobe bestehen – und verschwindet spurlos. Darion und Theodor machen sich auf die Suche … Steampunk – nicht nur für Jugendliche.

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Veröffentlichungsjahr: 2013

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BookRix GmbH & Co. KG81371 München

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Daniel Schlegel – Der Geist der Adlerschwinge

1. eBook-Auflage – Dezember 2013

© vss-verlag Hermann Schladt

 

Titelbild: Armin Bappert unter Verwendung eines Fotos von http://www.freepik.com/

Lektorat: Werner Schubert

 

 

Daniel Schlegel

 

Der Geist der Adlerschwinge

 

 

1. Der Treffpunkt

Die Tür schwang auf, protestierte dabei mit knarrendem Ächzen.

Licht fiel in den Flur, als Theodor die Wohnung betrat. Kleine Staubpartikel tanzten in der Luft, verwirbelten, während er eiligst in die Küche huschte. Seine Schuhe zog er nicht aus; der alte, verfilzte Teppich war ohnehin nicht mehr zu retten. Lediglich seine Tasche und die Geldbörse legte er auf der Kommode ab. Dem selbst gemalten Bild, das nicht so recht zu der vergilbten Tapete passte, schenkte er keine Beachtung. Die Küchenwände präsentierten sich in einem ähnlichen Farbton – ein gelblicher Stich, über dem Ofen dagegen rußgeschwärzt. In der Mitte stand ein Tisch, flankiert von einigen Stühlen; ein Waschbecken, Schränke. Wenn man aus dem Fenster schaute, konnte man weitere Wohnquartiere sehen, und in einiger Entfernung sogar die Rauch speienden Ausläufer der Industrieanlagen.

Er setzte sich an den gedeckten Tisch und nahm Messer und Gabel zur Hand. Drei Augenpaare sahen ihn an, die seiner beiden jüngeren Brüder und das seiner älteren Schwester. Zwei der sieben Plätze blieben leer. Auf ihnen standen zwei Fotografien, eingerahmt und mit einem schwarzen Band verziert.

»Da kommst du ja doch noch«, ertönte hinter ihm die fürsorgliche Stimme seiner Mutter. »Wir haben dich schon vermisst und dachten, du würdest gar nicht mehr zum Mittag erscheinen.«

»Die Schutzübungen haben etwas länger gedauert, Frau Mutter«, erwiderte er.

Die Hand seiner Mutter strich ihm durch die Haare. Ihr warmes Lächeln konnte die tiefen Sorgenfältchen in ihrem Gesicht jedoch nicht verbergen. »Möchtest du nicht deine Uniform ausziehen, bevor du isst?«

Er begriff die versteckte Aufforderung, nickte und stand auf. Im Flur öffnete er die linke Tür. Drei Doppelstockbetten und ein breiter Schrank verstärkten den klaustrophobischen Eindruck eines viel zu kleinen Zimmers – hier schliefen sie, er und seine Geschwister. Eines der Doppelstockbetten war unberührt, Laken und Decke waren glatt gestrichen und akkurat angeordnet, auf dem Kissen fand sich kein einziges Haar. Darüber hing eine Fotografie, dieselbe, die auch auf dem Essenstisch stand, ebenfalls mit einem schwarzen Band verziert.

Ein kurzer, nachdenklicher Blick.

Dann kramte er seine Alltagskleidung aus dem Schrank, an deren Stelle er seine Uniform legte. Er richtete Kragen und Ärmel und wischte die Fusseln von den Schultern.

Ein Geräusch lenkte seinen Blick zum Fenster. Ein Kind in seinem Alter klopfte gegen die trübe Glasscheibe. Weit aufgerissene Augen und ein aufgeregtes Auf-und-ab-Gehüpfe nahmen die Brisanz der Botschaft bereits vorweg.

»Theodor? Theodor!«, hallte es dumpf von draußen.

Er öffnete das Fenster, sah, wie sich augenblicklich die Erleichterung im Gesicht seines Freundes breitmachte. »Ja, Spendrin? Was gibt’s denn?«

»Gesegnet seien die Götter, du bist hier! Du musst sofort mitkommen!«, stammelte Spendrin, vor Begeisterung außer sich. »Leonard hat damit angegeben, dass er die Metallkrypten betreten möchte! Er hat geschworen, dass er mindestens drei Minuten in völliger Dunkelheit und ohne zu schreien oder zu flennen aushalten wird. Du musst mitkommen! Sofort!«

»Was? Jetzt?«

»Natürlich, jetzt! Wann denn sonst? Komm, beeil dich, Theo, sonst verpassen wir alles!«

»Ich weiß nicht so recht …«

»Ach, Theo, dass man für dich immer noch eine Predigt halten muss, bevor du dich aufraffst. Das wird ein Ereignis, sage ich dir! In zehn, zwanzig, wenn nicht gar dreißig Jahren wird man noch davon sprechen – und du willst nicht dabei sein?«

»Hm, na gut«, besann er sich, von Spendrins Enthusiasmus angesteckt. »Aber warte einen Moment, ja? Ich muss erst essen, dann komme ich.«

Sein Freund trampelte im Freudentaumel. »Ja, ja, wunderbar! Iss, aber beeil dich! Ich sag den anderen Bescheid, wir treffen uns dann am alten Dampfwerk! Bring am besten noch jemanden mit, je mehr wir sind, desto besser!« Und schon rannte er davon.

»Hast du eine Ahnung, wen ich mitbringen könnte?«, rief Theodor, doch Spendrin war bereits hinter der Hausecke verschwunden. Sein Herz begann aufgeregt zu klopfen, als eine Idee in sein Bewusstsein drängte – und mit ihr das Gesicht von Luise.

Theodor vergeudete keine Zeit, rauschte durchs Zimmer bis in die Küche – und vernahm noch, wie seine Mutter sagte: »Jetzt, da wir endlich vollzählig sind, können wir anfangen zu essen.«

Er schlang seine Mahlzeit hinunter. Anschließend schnell eine glaubwürdige Lüge ersonnen, die Sachen gepackt und raus aus der Haustür.

»Wann kommst du wieder?«, hörte er hinter dem sich schließenden Türspalt.

»In den Abendstunden«, antwortete er, schloss die Tür und trat auf die Straße.

Trockener Sand knirschte unter seinen Sohlen. Bräunlich gelbe Rauchschwaden dämpften das Sonnenlicht, diffuse Schatten auf die Häuser werfend. Ein altbekannter, stechender Geruch stieg ihm in die Nase. Der Wind hatte gedreht, nun wehten die Abgase der Fabriken über die Mietskasernen.