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»Sie erzählen wunderbar und das Thema ist so ungewöhnlich. Solange Ihnen das Erzählen nicht zu viel wird, möchte ich sehr gerne zuhören.« Ein Treffen auf dem Friedhof, eine Gelegenheit einem seltsamen Fremden bei seinen Geschichten über das Leben und vor allem über den Tod zuzuhören, zog sie in seinen Bann. Das Thema Tod wird gern vermieden. Aber nichts ist uns so gewiss wie - irgendwann - der Tod. Daher ist es besser, sich beizeiten dem Thema zu nähern. Und nicht der schlechteste Weg ist es, dies mit Humor zu tun. Das ist kein Widerspruch. Es gibt diesbezüglich viele Geschichten, bei denen sich zum weinenden ein lachendes Auge gesellt. Die Geschichten in dieser Sammlung sind alle wirklich passiert. Und der geheimnisvolle Fremde ist sehr weise, wenn er sagt: Weinend gedenken wir der Verstorbenen als tot, lachend gedenken wir ihrer als lebend.
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Seitenzahl: 70
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Der heitere Totentanz
Rosemai M. Schmidt
Buchbeschreibung:
»Sie erzählen wunderbar und das Thema ist so ungewöhnlich. Solange Ihnen das Erzählen nicht zu viel wird, möchte ich sehr gerne zuhören.«
Ein Treffen auf dem Friedhof, eine Gelegenheit einem seltsamen Fremden bei seinen Geschichten über das Leben und vor allem über den Tod zuzuhören, zog sie in seinen Bann.
Das Thema Tod wird gern vermieden. Aber nichts ist uns so gewiss wie – irgendwann – der Tod. Daher ist es besser, sich beizeiten dem Thema zu nähern. Und nicht der schlechteste Weg ist es, dies mit Humor zu tun. Das ist kein Widerspruch. Es gibt diesbezüglich viele Geschichten, bei denen sich zum weinenden ein lachendes Auge gesellt. Die Geschichten in dieser Sammlung sind alle wirklich passiert. Und der geheimnisvolle Fremde ist sehr weise, wenn er sagt: Weinend gedenken wir der Verstorbenen als tot, lachend gedenken wir ihrer als lebend.
Über die Autorin:
Rosemai M. Schmidt, Jahrgang 1950, ist pensionierte Grundschullehrerin und lebt in Tübingen. Es reizt sie, sich an verschiedenen Genres zu versuchen, ihre Liebe gilt neben der Kurzgeschichte und der Lyrik vor allem Texten für Kinder.
Impressum
© 2022 Baltrum Verlag GbR
BV 2214 – Der heitere Totentanz
Umschlaggestaltung: Baltrum Verlag GbR
Graphiken: Sarah Locher
Lektorat, Korrektorat: Baltrum Verlag GbR
Herausgeber: Baltrum Verlag GbR
Verlag: Baltrum Verlag GbR, Weststraße 5, 67454 Haßloch
ISBN: 978-3-910388-06-2
Internet: www.baltrum-verlag.de
E-Mail an [email protected]
Druck: BoD
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Der heitere Totentanz
Rosemai M. Schmidt
Baltrum Verlag
Weststraße 5
67454 Haßloch
Gewidmet
all jenen,
die uns vorausgingen,
uns,
die wir gerade unser LEBEN leben,
denen,
die uns nachfolgen werden
und allen, die unter Tränen lachen können.
Vorwort
Man redet nicht gerne vom Tod. Ja, am liebsten hätte man gar nichts damit zu tun. Aber eigentlich ist das sehr seltsam, denn wenn es eines gibt, was jedem früher oder später im Leben begegnen wird, so ist es der Tod.
Und darin sind wir Menschen uns alle gleich.
Der beste Weg dazu, die Angst vor etwas zu überwinden, ist, sich dem, was Angst macht zu stellen. Es sich – sozusagen – zum Freund zu machen. Das ist im Zusammenhang mit dem Tod schwierig, das muss ich zugeben.
Wer weiß schon, was danach kommt, ob überhaupt etwas kommt, ob der eigene Tod schwer sein wird oder nicht. Lauter Unbekannte und was unbekannt ist, macht Angst.
Unsere Vorfahren hatten damit nicht so große Probleme wie wir heute. Sie nahmen das Leben eher wie es kam, und das beinhaltete auch den Tod, der damals viel häufiger an die Tür klopfte als heute und auch viel früher.
Vielleicht hängt das damit zusammen, dass das ganze Leben damals eine unsichere Sache war. Lebens- oder Sterbeversicherungen gab es nicht.
Da fiel es vielleicht leichter, die Unsicherheit des Nichtwissens, um das wahre Wesen des Todes auszuhalten. Was war schon sicher damals.
In unserer heutigen Welt, in der man dem Wahn verfallen ist, man könne sich gegen alles absichern und sei damit dann auch sicher, wird die Unsicherheit bezüglich des Todes und die unbeantwortete Frage, was dieser denn nun wirklich ist, unerträglich.
Gerade gegen das Schrecklichste, Unaussprechlichste, das es im Leben der Menschen gibt, kann man sich nicht schützen? Das darf doch nicht wahr sein!
Und auf diesem Hintergrund nehmen die Anstrengungen der Menschen nicht wunder, mit Hilfe der Gentechnik den finsteren Gesellen zu überlisten.
Hoffentlich wird eines Tages die Erkenntnis dämmern, dass man dem Tod auf diese Weise nicht beikommen kann. Und Gott sei Dank ist das so. Was es für Folgen hätte, wenn der Mensch auch in dieser Sache noch herumfuhrwerken könnte, ist gar nicht auszudenken. Vielleicht liegt die Kunst darin zu erkennen, dass es viele Wege gibt, sich diesem Thema zu nähern.
Und das lachend zu tun, ist vielleicht ein sehr ungewöhnlicher, aber mit Sicherheit nicht der schlechteste Weg.
Geschichten nähren unsere Seelen und unsere Imagination und das Leben lächelt in ihnen.
Und wenn es in den vorliegenden Erzählungen hin und wieder schallend lacht, dann könnte das ein Indiz dafür sein, dass die scheinbar unvereinbaren Brüder Leben und Tod in Wahrheit vielleicht sogar eineiige Zwillinge sind.
Eine besondere Begegnung
Die Ruhe des verwunschenen Friedhofs in der schwäbischen Kleinstadt hüllte mich ein.
Wie stets, wenn ich eine Pause vom Trubel brauchte, flüchtete ich mich in das Dämmerdunkel des alten Gottesackers, unter dessen mächtigen Baumfittichen ich mich geborgen fühlte und geschützt wie nirgendwo sonst.
Niemand begegnete mir auf dem vertrauten überwachsenen Pfad in den ältesten Teil des Friedhofs, wo in einer vergessenen Ecke sich mein Bänkchen an den rauen, zerfurchten Stamm einer alten Trauerweide schmiegte.
Doch heute hatte der stille Winkel schon einen Besucher. Unschlüssig blieb ich stehen und überlegte, ob ich nicht umkehren sollte, denn ich wusste, wie unwillkommen eine Störung sein konnte.
»Kommen Sie ruhig«, sagte der Mann auf dem Bänkchen, »kommen Sie. Wer den Weg in diesen Winkel findet, hat ein Recht darauf, hier zu sein.« Er rückte einladend zur Seite.
Zögernd nahm ich Platz. Der Mann machte mich neugierig. Die Heiterkeit im klaren Blick seiner Augen in Verbindung mit einem Ausdruck stiller Wehmut faszinierte mich.
Das etwas wirre, altertümlich bis zum Kragen reichende graue Haar und die saloppe Kleidung, verwaschene Jeans und Wildlederjacke, schienen nicht zu der fast physisch spürbaren Gelassenheit und zentrierten Ruhe zu passen, die von ihm ausgingen.
Es war ein rätselhafter Mensch, der da neben mir saß und meine Neugier wuchs.
Der Mann hatte mich ebenso offen gemustert wie ich ihn und er begann zu lächeln.
»Es ist schön, eine verwandte Seele zu treffen«, sagte er nun, »das geschieht nicht oft.«
Ich hatte kurz die Augen geschlossen, als er zu sprechen begann und die tiefe, volltönende, etwas raue Stimme schien direkt aus der Trauerweide hinter uns zu kommen. Fast erschrak ich, den Mann noch neben mir zu sehen, als ich die Lider wieder hob.
»Verwandte Seele?«, fragte ich erstaunt, »wie können Sie das so sicher sagen?«
Das Lächeln wurde breiter. »So was spürt man einfach. Aber das wissen Sie selbst, nicht wahr?«
In seine Augen schlich sich ein amüsiertes Blitzen. Ich hatte das Gefühl zu erröten, doch schließlich nickte ich: »Ja, ich weiß, man spürt solche Dinge. Und worin sind unsere Seelen verwandt?«
»Wir wissen beide, dass Weinen und Lachen die beiden Seiten derselben Münze sind. Wir wissen, dass im Weinen das Lachen schwingt und im Lachen das Weinen.«
»Im Weinen das Lachen«, wiederholte ich leise, »ja, das ist wohl wahr. Vielleicht sogar mehr als umgekehrt. Die Seele sehnt sich nach dem Lachen, wenn sie trauert, aber nicht nach dem Weinen, wenn sie lacht.«
»Sehen Sie«, sagte der Mann zufrieden, »ich hatte recht. Sie wissen darum.«
Ich nickte und wies auf eines der alten Gräber vor uns: »Es ist doch eigenartig, dass die Leute den Tod und alles, was damit zusammenhängt, so scheuen. Dabei ist es doch das Einzige, was jedem Menschen mit Sicherheit bestimmt ist.«
»Da haben Sie Recht. Dabei denke ich oft, dass das vielleicht anders wäre, wenn die Menschen in unserem aufgeklärten Abendland den Trost des Wissens um die Wiedergeburt hätten, so wie die Hindus. Es gibt auch Kulturen, in denen eine Beerdigung das größte Fest ist.«
Ich lächelte und eine Weile schwiegen wir.
»Ich glaube«, fuhr ich schließlich fort, »dass die Hinterbliebenen mehr um ihres eigenen Verlusts und Schmerzes willen weinen, als um den Verlust des Lebens dessen, der gehen musste. Wie oft hört man sagen: 'Der Glückliche hat es hinter sich' oder 'Ihr geht es jetzt gut.' Das ist merkwürdig. Mir ist auch aufgefallen, dass große Denker viel über den Tod und das Sterben nachgesonnen haben und über die Frage, ob wir nicht nur einmal leben.«
»Ja!«, bestätigte mein Nachbar, »man muss sich mit dem Tod vertraut machen. Solange man Angst davor hat, lässt man sich nicht wirklich auf das Leben ein. Dabei gibt es nicht nur Trauer und Verzweiflung im Zusammenhang mit diesem Thema. Es gibt eine Unzahl merkwürdiger und komischer Geschichten dazu, bis hin zu Beerdigungen voller Lachen.«
Ich blickte ihn zweifelnd an.
