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Der imaginäre Dirigent Old Tommy glaubt, drei Hunde, zwei Katzen, zwei Pferde, ein Haus mit Garten, einen Job als Fummelverkäufer, drei Kinder und eine Ehefrau zu beherrschen und zu dirigieren, und muss einsehen, dass eigentlich er der Haussklave ist. Er berichtet humorvoll bis sarkastisch von Pleiten und Pannen, von Banalitäten und Trivialitäten aus dem Alltag eines Kaffee-, Zigaretten- und Bierjunkies.
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Seitenzahl: 222
Veröffentlichungsjahr: 2020
Old Tommy
geboren am 3. Mai 1961 in Berlin,
zählt heute zu den exzentrischen Autoren Deutschlands.
Bekannt wurde er durch seine eigenwillige Lyrik, die bereits 2004 in sechs Bänden im Jerry Music Verlag erschien. Nach insgesamt 17 Gedichtbänden überraschte er sein Publikum mit skurrilen Kurzgeschichten, die 2008 erstmals bei Edition Nove unter dem Titel „Wie jeder weiß“ veröffentlicht wurden.
Prolog
Teil I
Also mal ganz ehrlich
Lyrisches Schnarchen
Ein Trip ins Einkaufszentrum
Rollenspiel
Die Katze
Die Dampferfahrt
Das romantische Abendessen
Vom Fall und anderen Grausamkeiten
Ein Geschenk der Götter
Echt lecker
Das sonntägliche Frühstück
Die lebende Bettdecke
Der Fuß von Frau Unbekannt
Vom Berühmtsein und anderen Peinlichkeiten
Die Katze II
Vom Fluchen
Selbstbildnis
Die Handtasche
Die Katze III
Ohne Frühstück
Falsch verkabelt
Das Wesentliche
Mein Leben in einem Stall
Der Handwerkergürtel
Der Fohlenkindergarten
Ohne Gutenachtkuss
Ende Teil I
Nachsatz
Teil II
Was ich euch noch nicht mitgeteilt habe
Nach dem Ende ist vor dem Ende
Nur zwei Hände
Der Drucker und andere Missgeschicke
Die Nervensägen
Der Schrittzähler
Eben erst daheim angekommen
Vor der Küche
Der imaginäre Raumteiler
Festgenagelt
Ein Trip ins Einkaufszentrum II
Der Drucker und andere Missgeschicke II
Die Tropfschale
Zu früh gefreut
Der Weihnachtsbaum
Festgenagelt II
Mit Hinterlist und Tücke
Eine Stunde früher
Echt mutig
Dicke Luft
König Tommy der Erste seines Namens
Klimawandel
Gleichberechtigt
Lange und sinnlos reden
Die Odyssee
Jahreswechsel
Eine kleine Liebeserklärung
Wie ein Elfmeter
Soweit will ich einfach nicht denken
Ende Teil II
Nachsatz
Teil III
Wusstet Ihr eigentlich schon
Ein neuer Titel
Das Holzscheit und seine Folgen
Zu wenig Zeit
Das Handy
Vor der Küche II
Die Wahrheit
Gesprächsgezappel
Inspiration und ihre Folgen
Die Geschichte von den Filtertüten
Störfaktor Fahrrad
Das Tattoo
Fit und gesund
Ohne Kassenbon
Die Firmenfeier
Total verkatert und dämlich
Tage, die man im Bett verbringen sollte
Das Problem einer jeden Generation
Normal und langweilig
Viel Zeit zum Nachdenken
Störfaktor Fahrrad II
Der süchtige Handwerker
Die imaginäre Schlagzeile
Die Geschichte vom gefallenem Baum
Das Tattoo II
Ein kurzer Gedanke
Die üblichen zehn Minuten
Kurz vor dem Ende
Ende Teil III
Nachsatz
Epilog
Der imaginäre Dirigent betritt das Podium und dirigiert das nicht vorhandene Orchester.
Der imaginäre Dirigent sitzt irgendwo im Hintergrund und zieht die Fäden der Marionetten.
Der imaginäre Dirigent bist du, bin ich, sind wir.
Der imaginäre Dirigent lebt in jedem von uns.
Also mal ganz ehrlich, ein Buch zu schreiben, ist schon eine spannende Geschichte.
Also setzte ich mich an meinen PC, mein Dichtertisch wurde leider bei der letzten Pfändung meines minimalen Eigentums ein Opfer der Bänker und Geier. So saß ich nun an meinem PC voller Tatendrang, voller Erwartung an mich selbst, voll von meinen eigenartigen Gedanken, bloß leider ohne greifbare, verwendbare Idee. Hatte ich doch in der Zeit des sinnlosen, einsamen Dahinvegetierens so viel genialen Mist der Nachwelt hinterlassen. Und nun die totale Gehirnpleite! Langsam aber mit der Sicherheit eines kontrollierten Nervenzusammenbruchs brodelte es mal wieder tief in mir.
Verdammt, ich hatte es doch schon einmal geschafft, aus dem Nichts einen Haufen leerer Blätter zu beschreiben. Nächtelang saß ich nun da, in stummer Erwartungshaltung hoffend, wenigstens ein paar kleine Ideen zu erhaschen, sie zu halten und auf Papier zu bändigen, aber irgendwie fühlte ich mich völlig ausgebombt. Wie bereits erwähnt, tief in mir brodelte es, wuchs zu einem Meer des totalen Untergangs meines dichterischen Lebens, doch der Dichter in mir schrie. Nun eigentlich schrie er nicht, er flüsterte ganz sanft und leise, ja fast könnte man sagen, er flehte wortlos.
Tief in Selbstmitleid versunken, kurz vor dem lyrischen Suizid, erwachte etwas in mir und ließ mich aufhorchen. Ein leises, fast zärtliches, hingehauchtes Schnarchen erinnerte mich daran, dass ich ja nicht mehr alleine lebe. Daher also meine Schreibblockade.
Bitte, jetzt nicht falsch verstehen! Seit ich wieder mit einer Frau zusammenwohne, hat mein Leben erst wieder einen Sinn bekommen, besonders nachts.
Langsam, aber mit der Zielsicherheit eines Scharfschützen änderte sie ihre Schlafstellung und ließ noch einmal ein leichtes Schnarchen in dem sonst ruhigen Raum ertönen. Und genau in diesem Augenblick explodierte etwas in meinem Kopf und hinterließ eine Menge sinnloser Ideen und kleiner Geschichten, die wahrscheinlich niemanden wirklich interessieren. Doch trotz alledem habe ich nun alles aufgeschrieben; denn das Schnarchen meiner Freundin soll der Nachwelt erhalten bleiben. Ich glaube, das bin ich ihr schuldig.
Also mal ganz ehrlich, als allein erziehender Vater ist das Leben wie eine Wüste.
Treibsand lässt jeden eigenen Wunsch auf immer verschwinden.
Nun gut, damit kann Mann vielleicht noch leben.
Doch diese Alltäglichkeit, dieses ständige Waschen, Aufräumen, sich um das Essen kümmern, all dieser Stress!
Aber da war auch noch ein Kühlschrank. Ständig leer, trotz wöchentlichen Auffüllens.
Der Kühlschrank war durch viele Gespräche auf ein Minimum eingestuft.
Mann muss ja auch einer Maschine sagen, wo es momentan langgeht.
Der Kühlschrank hatte es verstanden, das heißt: Tiefkühlpizza, Toast, Butter, Marmelade und Bier. Mehr hat dieses Gerät nicht akzeptiert. Als eine entfernte Freundin mal gekochtes Essen vorbeibrachte und dies in unseren Kühlschrank legte, rülpste das Gerät und spuckte dieses für ihn Unverständliche wieder aus.
Diese Frau kam nie wieder vorbei.
Nicht wirklich ein Verlust, aber der Kühlschrank war immer leer, egal wie oft ich ihn auffüllte.
Also den Jüngsten an die rechte Hand, den Älteren an die linke Hand, den Rucksack mit Pfandflaschen auf dem Rücken, und mal wieder einkaufen.
Eigentlich kein Problem, du weißt, was du brauchst, sorry, was der Kühlschrank einfordert.
Aber Kinder sind wie Frauen, schauen rechts und links und entdecken tausend Sachen, die nicht auf deinem Einkaufszettel stehen.
Und dann stehst du da. „Nein, nein , nein!“, sagst du zu deinen Kindern, „brauchen wir nicht, wollen wir nicht, mag der Kühlschrank nicht.“
Dann packst du ein, und da liegen die Dinge, die du bezahlt hast, aber nicht haben wolltest.
Unmut macht sich bei dir breit, trotz aller Liebe, das war mal wieder eine Nummer zu viel.
In dir brodelt es.
All das Zeug von Süßigkeiten bis zu total Sinnlosem.
Innerlich fasziniert von der Gemeinheit meiner Jungs mir und meiner Brieftasche gegenüber, brüllte ich sie liebevoll an: „Ich ramme euch ungespitzt in den Erdboden!“
Meine Jungs kennen mich, das heißt, sie nehmen mich nicht wirklich ernst. Aber da war eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter an ihrer Hand. Könnten Blicke töten, hätte ich euch dieses Erlebnis nicht mehr mitteilen können.
Also mal ganz ehrlich, allein zu leben, ergibt nun wirklich keinen Sinn.
Mir persönlich fiel es sehr schwer, allein zu leben, war ich es doch über zwei Jahrzehnte gewohnt, immer einen Menschen an meiner Seite zu haben, in Form einer Frau natürlich. Also, allein leben, ergibt einfach wirklich keinen Sinn.
Nun lebte ich ja nicht lange allein. Kurze Zeit, nachdem meine Ex ihre Freiheit für sich entdeckte, zog mein großer Sohn zu mir. Viele Nächte saßen wir beisammen und planten unsere von der Weiblichkeit verlassene Zukunft. Nun, da wir beide Männer sind, mussten wir uns irgendwie arrangieren; denn irgendwie musste ja der Haushalt geregelt werden. Gut, er geht in die Schule, hat seine Hausaufgaben, aber ich bin noch immer kein frei lebender Schriftsteller und habe daher nun mal einen Job, wie vielleicht der eine oder andere bereits weiß oder sich vielleicht erinnern kann, im textilen Einzelhandel.
Also besprachen wir die täglichen Aufgaben in unserem Zusammenleben und teilten die Aufgaben der fehlenden, weiblichen Person zwischen uns auf. Hat auch super funktioniert, für ihn; denn ich kochte und er hat genussvoll gegessen. Nun, genussvoll vielleicht nicht, aber er hatte Angst zu verhungern, also stopfte er sich meine bescheidene Kochkunst in seine Futterluke.
Was ein pubertäres männliches Etwas in sich reinstopfen kann, ließ mir doch irgendwie den Angstschweiß von der Stirn tropfen; denn ich kannte meinen Kontostand. Alleinerziehend, im Einzelhandel beschäftigt, das heißt, pleite am 10. des Monats.
Also, unser Zusammenleben hat wirklich super funktioniert. Wir haben viel geredet. Endlich hatte ich ein Ohr für ihn. War ja kein anderer da. Aber mit der Zeit drängte er mich in die Rolle der Hausfrau; denn dieses kleine pubertäre Arschloch hat sich ganz allmählich die Rolle der Männlichkeit zu Eigen gemacht und drängte mich somit in eine weibliche Position.
Ja, er hat seinen Dreck in jeden Winkel der Wohnung verstreut, und ich war die gute Fee und räumte ihm alles nach. Viele Nächte habe ich mit ihm gesprochen, doch seine Ausrede war immer die gleiche: „Papa ich bin doch nur ein Kind! Wie soll ich meiner Bestimmung entfliehen?“
Wie soll Mann sich solchen Argumenten entziehen? Also habe ich weiter den Sand aus seinen Fußballschuhen, den er mitten im Wohnzimmer auskippte, mit dem Besen besiegt. Jeden Abend bat ich meinen Sohn, doch bitte den Dreck mit unserem Staubsauger zu beseitigen, er wisse doch, wo er steht.
„Ja, wo er steht weiß ich. Aber wie er funktioniert, habe ich keine Ahnung!“
Ja unser Leben war nicht einfach für mich, aber nach männlichen Normen gestrickt.
Nun habe ich aber wieder eine Freundin, eine weibliche Person, in unserem primitiven Haushalt. Ja, wir haben wieder eine Frau in unserer bescheidenen Höhle des männlichen Wahnsinns.
Durch die Erfahrung mit meinem pubertären Sohn habe ich viel gelernt. Ja, ich habe heute eine große Hochachtung vor Hausfrauen; denn über Monate war ich selbst in diese Rolle gedrängt. Ich habe viel über die Sorgen, Nöte und Ängste von Frauen gelernt. Niemals wieder werde ich meine dreckigen Socken mitten in der Küche liegenlassen. Nein, ich verstehe emanzipierte Frauen heute besser. Niemals wieder werde ich meinen Dreck mitten im Raum verteilen. So etwas ist unfair dem Partner gegenüber. Ab jetzt lege ich meinen Dreckwäsche an die Seite, damit sie nicht stolpert und eventuell hinfällt.
Wegräumen kann sie meinen Dreck dann irgendwann später, wenn sie Zeit hat. Nur sollte sie sich beeilen. Wenn ich nach Hause komme, möchte ich gerne eine aufgeräumte, saubere Wohnung. Ich bin halt nun mal Ästhetiker und liebe eine gewisse Ordnung. Da kann Frau noch so emanzipiert sein, ich bin es auch, und emanzipierte Männer können gefährlich werden.
Also mal ganz ehrlich, Haustiere sind wichtig für das Wohlbefinden von Kindern.
Auch bei der Erziehung erfüllen Haustiere ihren Zweck. Zum Beispiel lernen Kinder bei eigenen Haustieren Verantwortung zu übernehmen, so dass sie, sollten sie endlich einmal erwachsen sein, sich um uns arme Eltern kümmern können, uns ernähren, uns kleiden und uns wickeln.
Also, Haustiere sind hilfreich bei der freien Erziehung eines Kindes, solange die Haustiere nicht in der Überzahl sind. Zehn Tiere, drei Kinder, wie bitte soll man sich da als hilfloser Mann im Familienleben noch behaupten?
Soviel zu den erzieherischen Gedanken eines von Sorgen geplagten Vaters. Zurück in die Realität.
Ich für meinen Teil einer gleichberechtigten Partnerschaft wollte nie wieder Haustiere, hatte ich doch schon zweimal eine Katze gehabt, und die Erfahrungen waren eher schmerzhaft als prickelnd, besonders nachts, wenn die Blase drückt und Mann mit seinen über sensiblen, nackten Füßen in einen Teppich aus Katzensteinen tritt. Wie gesagt, ich für meinen Teil wollte nie wieder Haustiere. Jetzt habe ich zehn Tiere, Frau und Kinder nicht mitgezählt, obwohl sie sich manchmal wie eine Horde wild gewordener Affen benehmen.
Jetzt wird sich jeder fragen, ist dieser Kerl nicht Manns genug, wenn er keine Tiere mehr in seinem Haushalt möchte, sich dagegen auch zu wehren?
Nun, ich glaube, ich sollte bei dieser Geschichte ein wenig in die Vergangenheit entgleiten. Schnallen Sie sich bitte an, verstauen Sie ihr Handgepäck sicher unter dem Sitz und nehmen Sie sich ein wenig Zeit! Es könnte eventuell etwas länger dauern.
An einem grauen, regnerischen Tag X wurde aus meiner Familie ein Männerhaushalt, bestehend aus einem Vater, einem pubertären Möchtegernmann und einem ich-wachse-noch Mann.
Ja, unsere kleine männliche Welt funktionierte perfekt. In der Küche ein leerer Kühlschrank, im Wohnzimmer jede Menge Spaß, im Schlafzimmer tote Hose, doch vor allem keine Haustiere. Nun, so perfekt auch unsere kleine, männliche Welt war, es fehlte eine Frau. Ein Leben ohne Frau ist definitiv sinnlos, ein Leben mit einer Frau ist allerdings verdammt anstrengend.
Ich kommunizierte mit meiner Freundin zu Beginn unserer gemeinsamen Zukunft im Internet. Nun, nach einigen Mails telefonierten wir. Da hatte ich bereits meinen ersten Fehler begangen, denn ich rief sie an, ohne die letzte Mail von ihr gelesen zu haben. In dieser Mail zählte sie alle ihre Tiere auf, keine Stoffteddys, nein, echte, lebende Tiere. Noch sehr bescheiden und zurückhaltend fragte ich sie, woher sie die Zeit nimmt, sich um so viele Tiere zu kümmern. „Ach! “, meinte sie am Telefon, „ich lebe mit meiner Tochter allein, da habe ich sehr viel Zeit.“ Nun seit einigen Monaten leben wir gemeinsam. Und die Tiere leben auch noch immer! Ein Zeitfaktor, der mir entzogen wird.
Aber, ich liebe meine Patchworkfamilie.
Eine Frau, zwei Söhne, eine Tochter, ein Pferd, einen Hund, zwei Kaninchen und vier Wellensittiche, sowie seit neuestem eine Katze
Ja, eine Katze. Ich wollte doch nie wieder eine Katze! Nun, die Katze, dies ist eine besondere Geschichte, die ihren Lauf an einem sonnigen Sonntag nahm.
Meine Freundin und unsere Tochter fuhren zu einem Open Air Concert, zu zweit, doch nach Hause kamen sie zu dritt, meine Freundin, unsere Tochter und eine Isoliertasche, die sich bewegte.
Nun, ich kenne das gute Herz meiner beiden Frauen, so fragte ich etwas beklommen: „Schatz, hast du ein tiefgefrorenes, lebendes Steak vor dem Verzehr gerettet?“
„Nein“, war ihre ruhige Antwort, „komm setz dich, magst du ein Bier trinken?“
Eine solche Frage lässt bei mir sämtliche Alarmglocken um die Wette läuten. Wenn eine Frau einem Mann freiwillig und ohne Zeugen ein Bier anbietet, will sie entweder Geld oder hat ein schlechtes Gewissen. Nun, um es kurz zu machen, in der Isoliertasche war kein tiefgefrorenes lebendes Steak, sondern eine warme, lebende Katze.
„Ach, Schatz“, säuselte sie, „das arme Tier war so ganz allein im Wald, da haben wir es mitgenommen. Wer weiß, welch herzloser Mensch diese kleine süße Katze so allein an der Straße im Wald ausgesetzt hat. Sie ist doch auch ein Lebewesen. Wir konnten es doch nicht dort unbarmherzig untergehen lassen.“
Nein, das kann man nicht, dachte ich mir. Doch verdammt, warum lief nicht ein anderer, mir völlig fremder diesen Weg, warum ausgerechnet meine beiden warmherzigen Frauen?
Innerlich von diesen beiden großen Katzenaugen befangen, tat ich nach außen noch immer hart. „Ja, mein Engel, da hast du natürlich recht. So ein kleines Lebewesen kann man nicht irgendwo, irgendwie seinem Schicksal überlassen. Doch hast du auch bedacht, dass ich den ganzen Tag allein war? Keine gute Fee kam mit einer Isoliertasche, um mich in ihr Himmelbett zu führen. Irgendwie stimmt hier was nicht.“
Nun, nach einem kurzen dreistündigen Gespräch über Gott, die Welt und die Katze als für diesen Augenblick wichtigsten Teil unseres partnerschaftlichen Gespräches, einigten wir uns auf einen Kompromiss. Doch hatten wir unsere Rechnung ohne den Wirt gemacht, und der Wirt war in diesem Fall diese aus der Isoliertasche geborene Katze.
Ich in meiner männlichen Naivität glaubte noch an eine elegante Lösung des Katzenproblems: Etwas Futter auf die Terrasse streuen, Terrassentüre zu, Katze frisst sich satt und faul, streunt noch etwas in der Gegend herum und sucht sich spätestens morgen ein neues Zuhause, und Tommy hat nicht nur Ruhe, sondern auch ein reines Gewissen.
Aber nein, das schlaue Vieh rührt das Futter erst gar nicht an, sondern saust blitzschnell durch die noch offene Terrassentür ins Wohnzimmer. Ein herzerweichendes Miau. Shit, das war das Ende vor dem Anfang.
Freunde, ich bin ein Mann, somit sensibel und ein totaler Versager im Gefühlsbereich. Ja, ich nahm dieses kleine Katzenbaby auf den Arm. Und nun trete ich jede Nacht wieder auf einen Teppich aus Katzensteinen.
Nun gut, dies alles könnte man ja noch ertragen, auch dass die Nachbarn mich mittlerweile als Herrn Zoodirektor begrüßen. All dies könnte ich wirklich ertragen, doch mein kleiner Sohn möchte ein Meerschweinchen, meine Tochter wünscht sich eine Bartagame und mein großer Sohn möchte endlich eine feste Freundin
Manchmal frage ich mich, ob ich nicht ein wenig überfordert bin.
Also mal ganz ehrlich, eine Dampferfahrt ist ab einem gewissen Alter entspannend.
Als Kind fand ich Dampfer fahren völlig langweilig und öde. Gut, Schlafen fand ich als Kind auch langweilig und öde. Heute freue ich mich jeden Abend auf mein Bett.
Auf einem Dampfer genieße ich die Sonne, den Wind, rechts und links ist alles grün und unter dir ist Wasser. Vor allem aber genieße ich, nicht reden zu müssen.
Dies war bei meiner ersten Dampferfahrt mit meiner Freundin allerdings ganz anders. Erst ein paar Wochen zusammen, frisch verliebt, da endete der Redefluss auch bei einer sechs stündigen Fahrt nicht.
Sechs Stunden auf dem Wasser, bewölkt, kühl und windig. Ich glaube, so viel Körperkontakt hatte ich über Jahre nicht wie in diesen sechs Stunden. Da es mitten in der Woche war, fuhren auf dem Dampfer außer uns nur ältere Frauen mit und ein junger Mann mit Kopfhörer und einem Richtmikrophon, um Aufnahmen von Vogelstimmen zu machen.
Bedingt durch die kühle Kälte setzte sich meine Freundin wie ein kleines Kind immer wieder auf meinen Schoß. Ich weiß nicht, ob die Blicke der älteren Frauen, die sie mir zuwarfen, mit Sehnsucht oder Verachtung getränkt waren.
Sechs Stunden auf einem Dampfer, eine begrenzte Räumlichkeit, von wo man nicht so einfach fliehen kann, außer durch einen Sprung ins Wasser. Bei der Kälte ein Trip ins Nasse, nein, dann doch lieber sechs Stunden reden.
Nachdem die Themen der Vergangenheit einzeln sowie der gemeinsamen Zukunft insgesamt abgearbeitet waren, entstand ein Stillstand in unserer Kommunikation.
Da meine Freundin aber nicht länger als drei Atemzüge den Mund halten kann, begann sie meine Ideen für neue Geschichten mit mir mündlich auszuarbeiten.
Nun, ich bin ja manchmal schon etwas gemein, aber ihre Ideen übertrafen meine Bosheit um Längen.
Die Blicke der älteren Damen, die mich eben noch leicht sehnsüchtig anschauten, verwandelten sich in geschockt.
Auch ich, der ich gedanklich bestimmt recht sexistisch und gemein bin, war schockiert begeistert.
Doch auch sechs Stunden vergehen. Als der Dampfer anlegte, ließen wir die älteren Damen als erste ausstiegen, nicht aus Höflichkeit, sondern weil wir unsere Kuschelstellung nicht aufgeben wollten. So gingen wir denn als letzte von Bord. Die älteren Frauen waren schon außer Sicht, nur der junge Mann mit dem Richtmikrophon stand noch an der Reling, den Kopfhörer locker um den Hals hängend.
Ich habe noch nie einen Menschen so schmutzig grinsen gesehen.
Also mal ganz ehrlich, da freut man sich auf ein romantisches Abendessen mit seiner neuen Freundin und dann …
Gut gelaunt und bester Dinge geht man gemeinsam in eine Lokalität, sorgfältig vorher selbst ausgesucht, der Romantik wegen; denn das Geld, das man ausgibt, soll sich doch auch rechnen, nicht das Mann umsonst investiert.
Also zwei Wochen freut man sich nun auf dieses Highlight des kulinarischen Aktes, sozusagen den ersten Teil des Vorspiels. Nun, wie bereits gesagt, das Restaurant nach allen Kriterien ausgesucht. Der Heimweg sollte zu Fuß zu bewältigen sein wegen Händchen halten, Knutschen und schon mal die Hände an ihr kreisen lassen.
So steht Mann denn voller Erwartung vor der Tür des Restaurants, öffnet höflich, doch vor allem galant, die Tür für sie, folgt langsam ihrem wunderschönem Körper, doch plötzlich droht man zu ersticken, Schweißperlen tropfen von der Stirn. Die Luft in diesen Raum so sauber und rein wie ein frisch gepuderter Babyhintern, keine Aschenbecher auf den Tischen – Rauchverbot.
„Ist doch nicht so schlimm!“, sagt meine neue Freundin zu mir, „drei bis vier Stunden halten wir es ohne Zigarette schon aus.“
Mir stockt erneut der Atem; denn erstens wollte ich nicht so lange bleiben, dieses kulinarische Vorspiel sollte doch recht zügig über die Bühne gebracht werden, und zweitens drei bis vier Stunden ohne gemütlichen Nikotinschub, nein, das kann ich nicht.
Normalerweise erleide ich nicht so schnell eine Panikattacke, doch dieser Abend sollte etwas Besonderes werden, da kann man doch nicht ständig vor die Tür zum Rauchen gehen. Jetzt war guter Rat teuer. Nun, ich bin ein Mann und somit organisiert, entscheidungsfreudig und spontan.
Nach zehn Sekunden signalisierte mir mein Gehirn die Lösung. Es flüsterte mir ins innere Ohr: „ Junge, stell einen Tisch draußen vor die Tür!“
Gedacht, getan, ich nahm einen Tisch, stellte ihn vor die Tür, zwei Stühle und fünf Kerzen auf den Tisch.
Nun konnte ich rauchen. Die Atmosphäre war verdammt romantisch; denn in dieser dunklen Gegend traut sich eigentlich nach Sonnenuntergang keiner mehr vor die Haustür. Somit waren wir für uns allein.
Der Abend war nicht nur gerettet, er wurde auch noch völlig genial; denn meine Freundin war zu Hause noch total durchgefroren. Sie bettelte mich regelrecht an, sie in den Arm zu nehmen, um sie zu wärmen. Ganz nebenbei brachte ich noch ihren Kreislauf auf höhere Ebenen, so dass sie nach fünf Stunden warm und kuschelig einschlief und ich völlig befriedigt vor mich hin träumte, während ich sie verliebt anschaute.
Also mal ganz ehrlich, wer nicht mit beiden Beinen im Leben steht, sollte das Haus nicht verlassen.
Ich meine mit beiden Beinen fest im Dasein verankert, ohne zu fallen. Gefallene haben nicht nur den Nachteil, dass sie liegen, nein, die anderen lachen auch noch boshaft über das Missgeschick.
Aber es gibt auch Situationen, wo ein Stehender seine Lebenslage blitzschnell ändert, sich gemütlich auf den Pflastersteinen räkelt, ein völlig Unbeteiligter aber, der sich Einhundert Meter entfernt in Sicherheit wiegt, durch den Haltungswechsel dieser einen Person schwer verletzt wird.
Ja Freunde, dies ist eurem Erzähler widerfahren, an einem kalten Sonntag in einer rauchfreien Kneipe.
Gemütlich saßen wir bei einer Tasse Bier und plauderten. Meine Freundin, ein Freund mit seiner Frau, sowie einige Andere, die ich bereits vergessen habe. Nun wie gesagt, es war eine rauchfreie Kneipe, eine neue Mode per Gesetz erzwungen. So saßen wir und plauderten, tranken, philosophierten halt über das Leben von Pferden. Ja, wir besitzen ein Pferd, obwohl dies mit der Geschichte nichts zu tun hat; denn das Pferd hat vier Beine und ist recht standsicher.
Zurück zu meinem traumatischen Erlebnis an diesem Sonntag, welches beinahe mein Leben in seiner männlichen Art für immer hätte verändern können. Zurück zum Tisch in dieser rauchfreien Kneipe.
Irgendwann befällt einen Raucher das Gefühl, dass die Luft in seiner Lunge sauberer ist als ein frisch gepuderter Babyhintern und sein Gehirn signalisiert ihm, dass sein Nikotinspiegel weit unter Null liegt. Jetzt gibt es für einen notorischen Raucher nur eins, Päckchen aufreißen, Feuerstein aus der Hosentasche und tief inhalieren.
So ähnlich erging es nun einer Bekannten meiner Freundin. Da aber im Raum nicht geraucht werden durfte, begab sie sich nach außerhalb. Bis hierher verlief der Tag noch immer in seiner Normalität, doch dann…!
Die Bekannte meiner Freundin war der Meinung, dass sie Faxen vor den großen Fenstern machen müsse. Tja, nun nahm das Unglück seinen Lauf; denn plötzlich war sie verschwunden. Nun, dies wäre noch nicht wirklich ein Unglück; denn Frauen verschwinden nun mal, eigene Erfahrung, und sie gehen nicht nur mal kurz Zigaretten holen wie wir Männer. Nein, Frauen verschwinden meist in den Armen eines anderen männlichen Trottels. Gut, das verschafft ein ruhiges Gewissen; denn als Mann weiß man ja, ist sie von dir weg, geht sie auch vom anderen. Ich glaube, an Frauen ist die Evolution vorbeigegangen. Wir sind heute kein Wandervolk mehr, doch sie wandern von einem Arm in den anderen, was uns Männern allerdings die Freiheit gestattet, mit ruhigem Gewissen in unterschiedlichen Zeitabständen das Bett zu wechseln.
Doch nun zurück zu dem unglückseligen Sonntag in dieser rauchfreien Kneipe. Wie bereits gesagt, die Bekannte meiner Freundin verschwand urplötzlich, als ob die Erde vor Hunger sein Maul aufreißt und einfach mal eine Frau verspeist.
„Sie ist gefallen und steht nicht mehr auf!“ Dieser Satz riss mich aus meinen Bierträumen und ich stellte mich der Kneipenrealität, das heißt, ich wollte mich stellen, doch leider stand meine Freundin bereits, und da es recht eng in dieser Kneipe war, schob sie den Tisch ganz durch Zufall in meine Richtung, das heißt, sie schob ihn zielsicher in meine Familienjuwelen. Obwohl ich regelmäßig ins Solarium gehe, wechselte meine künstliche Bräune in ein krankhaftes Weiß. Schweißperlen tropften von meiner Stirn und so schnell ich nach ihrem Notruf auf meinen Beinen war, in Schallgeschwindigkeit klappte ich in mir zusammen.
Als ob dies noch nicht genug Demütigung für diesen Tag sein sollte, da bekommt man von seiner eigenen Freundin eine Tischkante in die Weichteile gerammt, mit solch einer Wucht, dass die Tischkante aus dem Hintern schaut, nach Luft schnappt und um einen Lappen bettelt. Nein, jetzt betritt die Bekannte meiner Freundin den Raum und strahlt: „Nichts passiert, wollte nur mal die Sterne aus einer anderen Perspektive betrachten.“ Kein Wort des Mitleids von ihr, als man mich auf einer Trage hinaustrug.
Dies alles hätte man als Mann noch ertragen können, doch als meine Freundin abends im Bett zu mir sagte, ich würde ja gerne noch mit dir zärtlich kuscheln, aber ich glaube, dir tun noch die Eier weh, in diesem Augenblick verlor ich den Glauben an alle Frauen in ihrem weiblichen Dasein.
Also mal ganz ehrlich, der Fernseher ist eine super Erfindung. Überhaupt diese gesamte Unterhaltungsindustrie – der wahre Wahnsinn!
Also der Fernseher ist wahrlich ein Geschenk der Götter. Beim Fernsehen wird man unterhalten und kann sich gleichzeitig weiterbilden, Action pur genießen und jede Menge Werbung in sich aufsaugen. Ich persönlich liebe, wie einigen vielleicht bekannt ist, Werbefantasien. Jede Menge Langeweile und Dummheit in einem kurzen Spot. Und auf zu neuen Schandtaten!
Nun darf man nicht vergessen, die Werbeindustrie ist ja über die Jahrzehnte zu einem gigantischen Industriezweig angewachsen. Gäbe es von heut auf morgen keine Werbung im Fernsehen, Radio, Zeitungen und so weiter, ja gäbe es keine Werbung mehr, ginge die Werbeindustrie pleite und Tausende Menschen würden ihren Arbeitsplatz verlieren, und das kann sich dieses Land momentan nun wahrlich nicht leisten.
Bedenkt bitte, dass die Arbeitslosenzahl steigt; denn seit dem unmenschlichen Anti-Raucher-Gesetz wird sich die Tabakindustrie nach und nach in Luft auflösen, allerdings in eine saubere Luft; denn da die Raucher ihr Laster zu Gunsten der besseren Menschen, also der Nichtraucher, aufgegeben haben, gibt es keine Umweltverschmutzung mehr, auch keinen Feinstaub.
Nun, liebe Freunde, der Gesetzgeber will ja noch weiter gehen. Ja, da liegen schon grausame Pläne im Schreibtischschubfach.
Schritt eins der Tabak, dann der Alkohol und ganz zum Schluss, sozusagen der Gnadenstoß, der Sex. Dann sind wir alle sauber und clean, gesund und fröhlich, vor allem aber verdummte Langweiler.
