Der Kirschbaum im Garten - Vera Novelli - E-Book

Der Kirschbaum im Garten E-Book

Vera Novelli

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Beschreibung

Geschichten lesen, hören, vorlesen. Das mögen Menschen zu allen Zeiten, auch heute. Besonders, wenn man sich selbst darin wiederfindet oder das eine oder andere Aha-Erlebnis hat. In den Geschichten von Vera Novelli geht es um die Familie, um den Kummer der Mutter mit den Kindern, die langsam erwachsen werden. Es geht um die Großeltern, die gottlob in der Nähe wohnen. Es geht um Katzen und Blumen, eigentlich um das alltägliche Leben; das schreibt halt doch immer die schönsten Geschichten. Vera Novelli wurde in Prag geboren und kam im Prager Frühling 1968 mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie studierte in Köln Geschichte und Romanistik. Sie ist Redakteurin und Journalistin, vor allem aber Familienmensch. Und kirchlich engagiert. Auf diesem breiten Hintergrund schreibt sie Geschichten, die ansprechen, hintergründig, humorvoll oder lebensernst. Seit vielen Jahren ist sie Mitarbeiterin der Pallottiner-Zeitschrift "das zeichen". Viele Leserinnen und Leser schätzen ihre Beiträge. Darum sammelt dieser Band 18 Geschichten von Vera Novelli, die vor allem unterhalten, manchmal schmunzeln lassen oder auch nachdenklich machen. Novelli-Geschichten sind immer ein Lesevergnügen! Diese werden bereichert von Irene Fürhofers Illustrationen: dynamische, liebenswerte Strichmännchen mit einem großen Herzen.

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Seitenzahl: 75

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Der Kirschbaum im Garten

18 Geschichten aus dem Leben

von Vera Novelli mit Illustrationen von Irene Fürhofer

Dieser Titel ist auch als Printausgabe erhältlich

ISBN 978-3-87614-084-1

Sie finden uns im Internet unter

www.pallotti-verlag.de

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-87614-085-8 (eBook)

Verlag:

© Pallotti Verlag 2015

86316 Friedberg (Bay.)

Autorin:

Vera Novelli

Illustrationen:

Irene Fürhofer

Gesamtherstellung:

Friends Media Group GmbH

Zeuggasse 7–9, 86150 Augsburg

www.friends-media-group.de

Titelbild: © senoldo – Fotolia.com

©     Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

eBook-Herstellung und Auslieferung: HEROLD Auslieferung Service GmbHwww.herold-va.de

Inhalt

Überwältigt vom Wunder

Stumme Boten Gottes

Katze vom Himmel

Im Schatten des Berges

„Nun bin auch ich da!“

Das weiße Kleid

Die Liebe des Heute

Muttertag ist „pupsegal“

… ein Kleid zum Schuh!

Wenn aus Essen Speisen wird

Nur mit Muße fein: Wein

Nicht Worte sollen wir lesen

Oma, ich vermisse dich!

Warum Hilal in den Himmel kommt

Wenn Kinder größer werden …

Wenn uns die Worte fehlen

Sonne in Köln

Novembergedanken

Überwältigt vom Wunder

Ein Tag im Mai. Ich bin in einem der schönsten Stadtviertel von Augsburg unterwegs. Aus verwunschenen Gärten quillt ungebärdig die grüne Natur hervor, Bäume haben sich wie Bräute mit zuckerwattigen Blüten geschmückt. Doch meine Stimmung ist düster: Krankheit und Sorgen machen mich blind für all diese Schönheit ringsumher.

Da hebt sich ein forscher Frühlingswind, schüttelt an den Bäumen, und vom Himmel rieselt es in Rosa. Ein Wunder? Nein, der japanische Kirschbaum im Garten neben mir wirft seine Pracht ab. Fast unwirklich ist dieses Schauspiel. Tausende von rosa Blüten fallen in trunkenen Wirbeln auf die Welt. Bald ist mein Kopf, mein Auto, die Straße, alles, bedeckt mit pudriger Blütenpracht.

Ich bleibe stehen und lächele. Eine Frau mit Kinderwagen hält inne, ihr Kind wirft die Ärmchen in die Luft und jauchzt. Es lächelt. Wir alle lächeln. Die Natur hat uns überwältigt! Und uns ein Lächeln mitten im Alltag geschenkt.

Lächeln. Das ist immer da, wo einem etwas Wunderbares begegnet. Ein spontanes Lächeln ist wie jedes Wunder nicht machbar. Es kommt von allein, aus der Situation heraus – und vielleicht aus dem Himmel. Es überwältigt. Alle Menschen kennen das: Lächeln „geschieht“, und alles andere tritt in den Hintergrund. Die Welt bleibt stehen.

Lächeln ist eine normale Reaktion auf bestimmte Stimulationen und unabhängig von der jeweiligen Kultur. Man kann es nicht lernen, sondern es wird den Menschen schon von Geburt an mitgegeben. Ab dem zweiten Lebensmonat etwa sind Babys in der Lage, Mama oder Papa bewusst anzulächeln. Blinde Menschen, die sich niemals ein Lächeln „abgucken“ konnten, tun es ebenso charmant wie sehende, wie Kinder und Greise. Bei Menschen ist das Lächeln normalerweise ein Ausdruck der Freude, aber auch des guten Willens, der Aufnahme von Kommunikation und der Ermunterung. Das Lächeln ist unterschiedlichsten Anlässen zuzuordnen und besitzt viele affektive Tönungen.

Nur Menschen können lächeln, Tiere, die „Zähne zeigen“, übermitteln damit Drohung oder demonstrieren Unterwerfung. „Beschwichtigungslächeln“ ist eine Art das Gegenüber freundlich zu stimmen, Fremdheit und Ablehnung zu überwinden. So schaffen es beispielsweise Kinder durch ein entwaffnendes Lächeln Erwachsene zu bezaubern und gelegentlich auch Sanktionen abzuwenden. Kypselos, der spätere Tyrann von Korinth im 7. Jahrhundert v. Chr., entging der Sage zufolge als Säugling seinen Häschern, weil er sie anlächelte. Heute weiß man, dass das „Engelslächeln“ der Babys, das auch unter dem Begriff „Vorlächeln“ bekannt ist, kein wirkliches Lächeln ist. Denn beim Engelslächeln lachen die Augen nicht mit. Nur die Mundwinkel werden unbewusst hochgezogen als Folge einer reflexartigen Muskelkontraktion. Es ist also kein bewusstes Lächeln – zumal sich das Engelslächeln meist im Schlaf oder Halbschlaf über das kleine Gesichtchen legt –, sondern vielmehr ein angeborener Reflex. Dennoch sind viele davon überzeugt, dass Babys in den ersten Lebenswochen das Vorlächeln zeigen, wenn sie sich wohl fühlen. Andere hingegen glauben, dass das Engelslächeln Beschützerinstinkte wecken soll. Später lernen Kinder das Lächeln der Erwachsenen, das „soziale Lächeln“, das einfach Freundlichkeit und Wohlwollen ausdrückt.

Grundsätzlich lösen kleine Kinder in ihrer Unschuld und Unmittelbarkeit bei den meisten Menschen Entzücken, Staunen und damit ein Lächeln aus. Ich erinnere mich noch daran, als meine älteste Tochter einst mit süßen zwei Jahren aus einem Imbiss an einer Raststätte irgendwo in der Schweiz heraustaumelte, sich drehte und einen tapsigen Welpentanz vollführte. Sie trug ein weites Spitzenkleidchen und sah aus wie eine laufende Puppe. Ein Mann, der sie sah, blieb stehen, lächelte verzückt und rief: „Welch ein Wunder!!!“

Wunder entlocken Lächeln. Verliebtheit und Liebe sind Wunder, die nicht „machbar“ sind. Deshalb lächeln Verliebte und Liebende. Das Gesicht, der Blick der geliebten Person zaubern ein Lächeln, das sich auch in den Augen spiegelt. Eine Freundin erzählte mir: „Er lächelte aus den schielenden braunen Augen, so über den Brillenrand hinweg, die Welt schien stehen zu bleiben!“ Verliebtes Lächeln bedarf nicht einmal des Mundes. In den Augen glitzert und funkelt es, Augen, in denen die Verliebten gegenseitig „ertrinken“. Lächelnde, „verliebte“ Augen, die mehr als nur Freundlichkeit, sprich „soziales Lächeln“, vermitteln, erkennt der Empfänger sofort: am Glanz und an der Dauer des Lächelns darin, das immer einen Tick länger ist als das „soziale“.

„Schau, es geht dir ja schon besser“, stellte neulich mein Mann lächelnd fest als er mich im Krankenhaus besuchte: ein Lächeln der Liebe und Ermunterung. Ein Lächeln, das gesund werden hilft. Denn Lächeln vermittelt Fürsorge und Zuwendung, deshalb sollte medizinisches und Pflegepersonal oft Lächeln verschenken. Das ist nicht immer einfach, denn angesichts des Leids erfriert oft das Lächeln. „Tapferes Lächeln“ des Patienten ist manchmal der Ausdruck von Hoffnung, die in liebevoller Pflege aufstrahlt. Lächeln im Leid wird dann zur Herausforderung für Leidende und ihre Mitmenschen. In lächelnder Solidarität liegt ein Trost des Augenblicks, den man nicht unterschätzen sollte.

Vor einiger Zeit musste ich bei einem Radiologen auf meine Ergebnisse warten. Eine Frau, die gerade aufstand, um sich radioaktives Kontrastmittel in die Adern spritzen zu lassen, fing meinen Blick auf. In ihren Augen war Angst. In meinen vielleicht auch. Wir lächelten uns an, nur einen Bruchteil des Augenblicks währte dieses Lächeln zwischen zwei Fremden, die sich vorher nie sahen und nachher nie wieder sehen werden. „Alles wird gut“, sagte unser Lächeln. Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht und Hoffnung zugesagt – in einem einzigen, flüchtigen Moment. Da war unser Lächeln wirklich ein Wunder und ein Geschenk.

Stumme Boten Gottes

Blumen – was wäre unser Leben ohne sie!? Sie begleiten uns das ganze Leben, sie sind Zeichen der Liebe zwischen Menschen, Ausdruck der Freude bei Festen, sie sind die letzte Liebes- gabe beim Tod. Blumen sind so ein selbstver- ständlicher Bestandteil unseres Lebens, dass wir es uns gar nicht ohne die prächtigen Blüten vor- stellen können. Nahezu in allen Kulturen spiel- ten und spielen Pflanzen und Blumen eine her- ausragende Rolle. Und erblindete Menschen vermissen wohl die Farben und die Schönheit der Blumenwelt besonders schmerzlich.

Es heißt, dass der Mensch nur von der Anschauung der Natur Gott im gewissen Maß erkennen könne. Dies kann man leicht nachvollziehen, denn allein eine einzige Blume lässt ihren Schöpfer ahnen. Ein ganzes Universum birgt sich in der stummen Kreatur der Pflanze, ein Werden und Vergehen, das – wenn man es sich bewusst wird – ein Abbild unseres Daseins ist. Das Alte Testament der Bibel vergleicht das menschliche Leben mit dem Gras, das vergeht. Eine ernste Mahnung an den Menschen, seine Vergänglichkeit zu bedenken. Sie begegnet uns überall in der Natur. Besonders eindrücklich aber spiegelt sich der Tod im Sterben der Blumen auf frischen Gräbern. Noch sind die Trauergäste nicht heimgekehrt, schon lassen die Rosen, Nelken, Lilien und alle anderen Grabblumen ihre edlen, längst todgeweihten Köpfe hängen. Sie neigen sich dem aufgeworfenen Grabhügel zu und folgen dem Toten, langsam sterbend. Und wir, die wir noch in dieser Welt sind, bringen stets neue Blumen aufs Grab, um damit unserer Hoffnung auf das Leben Ausdruck zu verleihen.

Die Festtagsblumen dagegen sprechen eine heitere Sprache! Geburtstagssträuße, Tischgestecke und Brautkränze, Blumengirlanden und Kommunionkränzchen, rote Rosen in der Hand des verliebten Mannes, Weidenröschen am Muttertag, Fliederzweige am Ende des Zweiten Weltkrieges und das Hochzeitsbouquet, das die Braut übermütig den ledigen Freundinnen entgegen wirft, – Blumen sind überall dort, wo Freude herrscht.

Und so mancher möchte in ihnen die Erinnerung an die freudigen Ereignisse des Lebens festhalten: deshalb werden Brautkränze und Kommunionkränzchen getrocknet, deshalb verblasst ein dürrer Rosenstrauß auf der Fensterbank und zerbröselt ein Veilchen im Gedichtband. Die wundervolle Erinnerung an meine Reise nach Israel vor Jahren ist in den getrockneten Blüten und Blättern gefangen, die ich dort gesammelt habe. Die weißen Röschen an meinem Brautkranz sind kaum mehr als solche zu erkennen, aber sie schlummern in Seidenpapier in einer Schachtel. Die Wallfahrt, deren Anliegen der Erfüllung entgegenhofft, habe ich stofflich in getrockneten Veilchen festgehalten.