einfach leben - Vera Novelli - E-Book

einfach leben E-Book

Vera Novelli

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Beschreibung

20 Fotos von Menschen in der oberschwäbischen Landschaft. 20 Momentaufnahmen, wie einfaches Leben aussehen kann oder wie es sich anfühlt, einfach mal zu leben. 20 Geschichten hat Vera Novelli zu den 20 Fotos von Thomas Warnack erfunden. 20 Geschichten, die die Leserin und den Leser ins einfache Leben mitnehmen, so wie es jedem von uns begegnen kann. Und so sind 20 Gelegenheiten in diesem Büchlein gesammelt, um mal abzutauchen, still zu stehen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Einfach leben eben.

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Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2022

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einfach leben

Inhalt

einfach leben – einfach leben

Adam und Eva

Des Josefs neue Kleider

Krach an Karfreitag

„Leben, einfach leben“

Die Sensenfrau

„Jetzt ist Sommer“

„Ich liebe sie alle“

Die Füße zwischen den Geranien

Nie mehr Motorrad

Glitzerschuhe

Die Blumenschwester

Hechtsprung für Marlen

Zwei Menschen gewonnen

Das Vaterhaus

Matilde, das Huhn

Gott passe auf die Kinder auf

Erdig, ehrlich, schlicht

Herrlich unvernünftig

Weil du meine Schwester bist

„Ich liebe meine Schafe“

Autorin:

Fotograf:

einfach leben – einfach leben

Die Betonung macht die Musik. Auch beim Sprechen. Probieren Sie doch mal mit unserem Titel zwei Varianten aus: Einmal betonen Sie das Wort „einfach“ und stellen dabei heraus, dass es um die Einfachheit des Lebens geht. Beim zweiten Mal legen Sie die Betonung auf das Wort „leben“. Dann geht es Ihnen darum zu leben, einfach nur zu leben.

Beide Varianten haben in diesem Büchlein ihre Gültigkeit. Die Fotografien von Thomas Warnack sind Einblicke ins einfache und ins pure Leben. Vera Novelli hat sich zu diesen Bildern Geschichten ausgedacht, die ans Herz gehen, die nachdenklich stimmen und in ihrer Schlichtheit die Leserin und den Leser in eine besondere Tiefe führen können.

Ist es nicht das, was uns auch Jesus sagen will, wenn er seine Jünger auffordert, sich keine Sorgen um das Essen und um die Kleidung zu machen, weil das Leben mehr ist als die Nahrung und der Leib mehr ist als die Kleidung? Wie wohltuend ist es zu hören, wenn er sagt: „Seht auf die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben keine Vorratskammer und keine Scheune; und Gott ernährt sie. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel.“ Und: „Seht euch die Lilien an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von Ihnen.“

Weder Jesus noch die Autorin und der Fotograf wollen damit das einfache Leben verklären und das Leidvolle und Schwere wegretuschieren. Nein, auch die Mühe und der Schweiß gehören zum Leben dazu. Aber das Ziel muss bei allem sein, wieder ein Gefühl dafür zu entwickeln, was Leben essenziell und existenziell ausmacht. Zu spüren, wo der Herzschlag pulsiert, wo die Seele zur Ruhe kommt, wo das Glück einen ganz tief innen berührt.

Ich wünsche Ihnen, dass die Bilder und Texte dieses Büchleins Sie animieren, dem Ruf dieses Lebens zu folgen, in seiner Einfachheit und seiner Reinheit.

Alexander Schweda

Adam und Eva

Beim Dorffest sah Adam die fesche Frau, als sie dabei war, eine Tüte gebrannte Mandeln zu kaufen. Er drängelte sich vor, kaufte einen „Liebesapfel“ (das sind Äpfel in einer grässlichen lackroten, süßen Hülle) und überreichte ihn der Frau. „Viel besser als Mandeln“, erklärte er und grinste. Dabei ließ er seine grünen Augen strahlen. Die Frau war so überrascht, dass sie lachen musste. Sie nahm den klebrigen Apfel und fragte: „Na, wer verschenkt denn hier Äpfel?“ Adam machte eine tiefe Verbeugung und sagte: „Ich bin der Adam König und kenne mich mit Äpfeln aus!“

Die beiden verbrachten den Abend zusammen auf dem Volksfest. Adam erläuterte, dass er mit seinem Bruder Josef eine große Obstplantage besaß und den „Apfelhof König“. Dort verkauften sie alles Mögliche aus Äpfeln: Apfelsaft, Apfelmus, Apfelessig, Apfelwein, Apfelkonfitüre, getrocknete Apfelringe, Apfelkompott und Most …

Als das Jahr vorüber war, heiratete Adam seine Dorffest-Freundin, die er ab da nur noch „Apfelkönigin“ nannte. Sie war blond, hübsch und witzig. Und hieß Eva!

Adam, Josef und Eva fuhren häufig auf den Wochenmarkt, um ihre Produkte zu verkaufen. Als am Stand eine brünette junge Kundin auftauchte, nahm Josef einen rotbackigen Apfel und bot ihn der Frau an. Sie lachte und witzelte: „Mich können Sie nicht so leicht verführen!“ Josef konterte: „Willst du dich gesund ernähren, kannst du ganz nach dem Sprichwort An apple a day keeps the doctor away auch mehrmals täglich zum Apfel greifen. Außerdem ist der Apfel kalorienarm.“

Als das Jahr verging, heiratete Josef seine „Apfelkönigin“. Sie konnte einen hervorragenden Apfelkuchen backen und – hieß Maria.

Des Josefs neue Kleider

Im letzten Sommer kam ein recht kleines, aber schweres Päckchen von Tante Maria Silvia. Bunt verziert und aufwändig verschnürt kam es bei uns nach langer Reise von Italien nach Bayern. Muss ein Vermögen an Porto gekostet haben, dachte ich. Und sie hatte ja nicht viel Geld. „Die Tante ist Nonne“, erklärte unsere Jüngste allen. „Es ist aus meinem alten Zimmer“, schrieb die Tante, die inzwischen in ein klostereigenes Altenheim umgezogen ist. Und weiter las ich: „Behandelt ihn gut.“

Ich befreite den geheimnisvollen Inhalt vom nach Lavendel duftenden Seidenpapier. Zum Vorschein kam er: etwa 40 Zentimeter hoch, grässlich angemalt, auf dem Gipsarmen ein kitschiges Jesuskind. Ein heiliger Josef! Eine entsetzliche, geschmacklose Gipsfigur in Farben, die jeden Clown in den Schatten stellte.

„Was sollen wir mit dem machen?“ seufzte ich. „Weg damit, zur Caritas! Oder besser noch: entsorgen“, kam mein Mann mir zur Hilfe.

Nein, das können wir nicht machen, man entsorgt doch keinen Heiligen, dachte ich hilflos. Nun hatte wieder mal ich die Verantwortung: Behandelt in gut, schrieb die Tante. „Ist doch deine Tante!“ versuchte ich an die Blutbande zwischen ihr und meinem Mann zu appellieren. „Aber nicht mein Josef!“ sagte er.

„Lass uns den Alten aufpeppen“, schaltete sich die Jüngste ein. Am folgenden Wochenende nahmen wir uns den Josef vor und verpassten ihm neue Kleider. Nur das Jesuskind mit den rosigen Wangen ließen wir so wie es war. Wir mischten Farben und pinselten. Sogar einen neuen Bart bekam der Josef. Zum Trocknen stellten wir die Figur in den Schuppen.

Wochen vergingen. Als der Sommer kam und die Gartenarbeit im vollen Gange war, fiel er mir wieder ins Auge: Der angemalte Josef stand ganz hinten im Schuppen neben Harke und Gießkanne.