Der Klang der Berge - Friederike von Buchner - E-Book

Der Klang der Berge E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Toni wachte sofort auf, als er nachts Geräusche im Wirtsraum hörte. Er lauschte. Es ging auf den Morgen zu. In einer halben Stunde würde das Tageslicht langsam die Nacht vertreiben. Anna schlief noch fest. Leise und vorsichtig stand er auf. Er machte kein Licht. Seine Kleider fand er auf dem Stuhl auch so. Er hängte sie sich über den Arm, die Schuhe standen vor der Tür im Flur. Wie in Zeitlupe drückte er die Türklinke herunter, öffnete die Schlafzimmertür nur zur Hälfte und schlich hinaus. Da muss jemand im Wirtsraum sein, dachte er. Normalerweise legte sich Benno, der Neufundländerrüde, nachts vor die Tür zum Schlafzimmer. Toni zog sich an und ging in den Wirtsraum. Die Petroleumlampe an der Decke gab Licht. Toni und Anna ließen sie die Nacht über brennen, sollte jemand spät Schutz suchen, und die Tür ließen sie immer offen. Es drang milde Nachtluft herein. Toni hörte leises Gemurmel. Er betrat die Terrasse. Dirk hatte sich auf den Boden gesetzt und streichelte Benno. »Wir müssen leise sein, damit wir niemand aufwecken«

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Toni der Hüttenwirt – 545 –Der Klang der Berge

Wenn das Herz lauter spricht, als der Verstand

Friederike von Buchner

Toni wachte sofort auf, als er nachts Geräusche im Wirtsraum hörte. Er lauschte. Es ging auf den Morgen zu. In einer halben Stunde würde das Tageslicht langsam die Nacht vertreiben. Anna schlief noch fest. Leise und vorsichtig stand er auf. Er machte kein Licht. Seine Kleider fand er auf dem Stuhl auch so. Er hängte sie sich über den Arm, die Schuhe standen vor der Tür im Flur.

Wie in Zeitlupe drückte er die Türklinke herunter, öffnete die Schlafzimmertür nur zur Hälfte und schlich hinaus. Da muss jemand im Wirtsraum sein, dachte er. Normalerweise legte sich Benno, der Neufundländerrüde, nachts vor die Tür zum Schlafzimmer.

Toni zog sich an und ging in den Wirtsraum. Die Petroleumlampe an der Decke gab Licht. Toni und Anna ließen sie die Nacht über brennen, sollte jemand spät Schutz suchen, und die Tür ließen sie immer offen. Es drang milde Nachtluft herein.

Toni hörte leises Gemurmel.

Er betrat die Terrasse.

Dirk hatte sich auf den Boden gesetzt und streichelte Benno.

»Wir müssen leise sein, damit wir niemand aufwecken«, flüsterte Dirk.

Benno klopfte mit seinem Schwanz auf den Holzboden der Terrasse.

»Ah, du bist das«, sagte Toni.

Dirk richtete sich auf.

»Ich habe mich bemüht, leise zu sein. Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe«, sagte Dirk.

»Keine Sorge, ich wäre ohnehin in einer halben Stunde aufgestanden. Mein Unterbewusstsein nimmt jedes Geräusch rund um die Berghütte wahr. Ich hole mir einen Kaffee. Trinkst du mit?«

»Gern«, antwortete Dirk.

Benno lief Toni hinterher in die Küche.

Dirk blieb auf der Terrasse der Berghütte stehen.

Es dauerte nicht lange, dann kam Toni mit zwei großen Bechern schwarzen Kaffee.

»Die Thermoskannen waren noch voll. Du weißt, wir stellen jeden Abend zwei Thermoskannen auf den Tisch. Jeder Hüttengast kann sich bedienen, sollte er nachts ein Bedürfnis nach Kaffee haben.«

Dirk nickte und nahm einen Becher entgegen.

Sie tranken.

»Tut gut«, raunte Dirk.

»Konntest nicht schlafen? Ich kann dir abends einen schönen Kräutertee machen. Der Sud aus der Teemischung von Ella Waldner, lässt dich gut schlafen«, sagte Toni. »Wir nennen sie unsere liebe Kräuterhexe.«

»Danke, ich probiere den Schlaftee gern aus. Sich schlaflos herumwälzen ist nervig.«

Toni nickte. Er bat Dirk in die Wirtsstube. Toni stellte seinen Becher ab und rührte mit dem Schürhaken die Glut auf. Er legte Holz nach, zuerst dünne Späne, dann dicke Scheite. Es dauerte nicht lange, bis die Flammen aufzüngelten. Die Rinde der dicken Scheite knisterte, als sie unter den Flammen platzte.

Sie setzten sich.

Toni nahm einen Schluck Kaffee.

Er schaute auf die Uhr.

»Ist noch ein bisserl Zeit, bis ich mit der Morgenarbeit beginnen muss«, überlegte Toni laut.

Er schaute Dirk an.

»Wenn du reden magst, höre ich dir gern zu. Oft hilft es, wenn man über die Dinge spricht, die einem den Schlaf rauben. Ich habe damit auch so meine Erfahrung. Weißt du, wenn man alles mit sich selbst ausmacht, ist es schwer, aus der Grübelspirale herauszufinden. Ein Außenstehender kann mit seinen Gesichtspunkten auf eine neue Richtung hinweisen. Außerdem wird dem Berichtenden oft dabei etwas selbst klar. Der Grund liegt darin, dass die Sache nüchtern und klar dargelegt werden muss, damit der Zuhörende sie genau versteht.«

»Toni, das ist ein interessanter Gesichtspunkt. Ehrlich gesagt, ich schlage mich mit ganz verschiedenen Fragen und Entscheidungen herum. Es geht um Gesa, ihre Zukunft und damit Träume und Wünsche.«

»Klar, du willst Gesa glücklich machen«, warf Toni ein. »Aber vergiss dich darüber nicht selbst!«

Dirk lächelte verlegen.

»Es hängt alles irgendwie zusammen«, sagte Dirk.

»Gesa weilt nur noch selten auf der Berghütte«, bemerkte Toni.

Dirk nickte.

»Sie und Jody hängen zusammen wie Kletten. Es ist schön zu sehen. Mara und Frieder haben den beiden Madln wohl dauerhaft eine der Jurten auf dem hinteren Gelände des Reiterhofes überlassen. Seit der große Bau des Unternehmens M & F Pferdeglück fertig ist, sind genug Fremdenzimmer für Kunden vorhanden. Außerdem gibt es noch die Tiny-Häuser. Gesa und Jody schweben auf Wolke sieben. Sie haben sich Schreibtische hineingestellt, damit sie dort auch bequem ihre Hausaufgaben erledigen können. Es ist schön für mich zu sehen, wie glücklich Gesa ist. Sicher gibt es trübe und traurige Augenblicke, in denen Gesa ihre Mutter vermisst. Aber Jody hat ein feines Gefühl für diese Stimmungen. Dann nimmt sie Gesa in den Arm oder sie überredet sie zu einem Ausritt. Dazu kommt, dass Kelly ein Auge auf Gesa hat. Gesa mag Kelly und erlaubt ihr in gewisser Weise, die Lücke zu füllen, die Roswita hinterlassen hat. Und das Schöne ist, dass Jody nicht eifersüchtig ist.«

Toni schmunzelte.

»Und du verstehst dich gut mit Kelly. Zwischen euch knistert es«, sagte Toni.

Dirk war verlegen.

»Mei, gib es zu«, sagte Toni mit Nachdruck.

»Ja, es knistert, ich gebe es zu. Ich frage mich nur, soll ich mich darauf einlassen? Ich müsste mein ganzes Leben ändern. Kelly will bestimmt in Waldkogel bleiben. Und Gesa will ebenso bleiben. Sie ist sogar bereit, im Internat zu leben. Spitz formuliert, Gesa will im Herbst nicht zurück.«

»Fürchtet sie sich vor der Wohnung, wegen der Erinnerungen an Roswita?«, fragte Toni.

Dirk schüttelte den Kopf.

»Nein, sie hat Angst vor Dagmar. Die Schwester von Roswita will Gesa zu sich holen. Sie hat sich einen Plan ausgedacht, dass nämlich Gesa von montags nach der Schule bei ihr ist bis freitags nach dem Unterricht. Dagmar macht Druck. Sie rief Gesa täglich an. Gesa war verzweifelt. Sie bat um ein weiteres Handy mit einer anderen Nummer, die ihre Tante nicht bekommt. Als wir mit Kelly und Jody den Einkaufsbummel in Kirchwalden machten, habe ich Gesa den Wunsch erfüllt. Die Folge dessen war, dass Dagmar jetzt hinter mir her ist.«

»Dagmar scheint sehr zielstrebig zu sein«, bemerkte Toni.

Dirk lachte.

»Ich ringe mit dem Gedanken, Gesa ins Internat zu geben. Damit wäre sie vor Dagmars Belästigung sicher. Dagmar meint, dass ich mich nicht richtig um Gesa kümmern kann, wenn ich wieder arbeiten gehe.«

»Dirk, ich denke, das Internat ist eine gute Idee. Sprich mit Oberin Justina! Sicher kann sie Gesa ermöglichen, so oft sie möchte mit Jody zusammen zu sein und auch bei Jody zu übernachten. Da du dich gut mit Kelly Parker verstehst, gib Kelly als Ansprechpartnerin hier in Waldkogel an. Kannst Oberin Justina ruhig anvertrauen, dass sich etwas zwischen dir und Jodys Mutter entwickelt«, blinzelte Toni Dirk zu.

»Das ist ein guter Rat. Ich werde das mit Kelly bereden. Ich habe ihr schon angedeutet, dass ich vielleicht meinem Leben eine ganz neue Richtung gebe. Das hat auch etwas mit dem Angebot von Beate und Carl zu tun. Ich habe dir davon erzählt. Ich könnte bei ihnen als Teilhaber in die Praxis einsteigen. Sie würden mich auch anstellen. Wobei sie keinen Hehl daraus machten, dass sie einer Teilhaberschaft den Vorzug geben würden. Carl und Beate sind älter als ich. Carl schreibt nebenbei tiermedizinische Fachbücher. Eigentlich wollen sie bis zur Rente nicht mehr so viel arbeiten, eventuell sogar früher aufhören oder nur noch die Hälfte arbeiten.«

»Zu was neigst du?«, fragte Toni.

»Nun, bisher war ich fest angestellt, wie dir bekannt ist. Der berufliche Werdegang im öffentlichen Dienst ist bis zur Pension überschaubar. Im Augenblick habe ich mich bis zum Herbst beurlauben lassen. Es ist schon ein Risiko zu kündigen.«

»Kommt darauf an, wie man es sieht. Vielleicht ist diese Entscheidung vom Kopf her nicht lösbar? Höre auf dein Herz!«

Dirk lächelte.

»Die Tage in der Praxis, als ich Vertretung gemacht habe, waren sehr schön. Ich habe sie genossen. Aber soll ich es wirklich wagen?«

Er zuckte mit den Schultern.

»Sicher wäre es gut, wenn Gesa hier weiter zur Schule gehen könnte. Sie will und wird Abitur machen. Danach will sie Tiermedizin studieren, sagte sie.«

»Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm«, bemerkte Toni.

»So sagt man. Die Jahre bis dahin gehen schnell vorbei. Ich frage mich, wie es dann weiter geht. Ich rechne damit, dass Gesa irgendwo studiert, nicht unbedingt in München. Vielleicht geht sie sogar ins Ausland? Sie spricht jetzt schon davon. Was mache ich dann in Waldkogel?«

»Du könntest mit Kelly ein sehr schönes Leben führen«, sagte Toni behutsam.

Dirk lächelte.

Toni fuhr fort:

»Ihr seid beide noch in einem Alter, in dem ihr euch noch für Kinder entscheiden könnt.«

»Toni, du denkst voraus.«

»Ja, warum nicht? Du hast mir gestanden, dass Gesa wegen Roswitas Krankheit ein Einzelkind geblieben ist.«

»Das stimmt! Roswita wurde krank, als Gesa zwei Jahre alt war. Natürlich gaben wir die Hoffnung nicht auf. Und für kurze Zeit glaubten wir, dass sie geheilt wäre. Aber …«, Dirk versagte die Stimme.

Toni stand auf und holte ihm einen Obstler. Dirk trank.

»Danke«, murmelte er leise.

Er räusperte sich.

»Toni, jetzt weiß du, welche Gedanken mich nicht zur Ruhe kommen lassen.«

»Nun, ich denke, du solltest zuerst mit Kelly sprechen. Finde heraus, ob sie sich eine gemeinsame Zukunft mit dir vorstellen kann!«

»Solche Fragen benötigen Zeit. Wir haben uns ein paar Mal gesehen. Deshalb weiß ich nicht, ob ich einfach damit herausrücken kann. Wenn sie verneint?«

»Dann hast du eine Freundin in Waldkogel, die sich Gesas annehmen wird. Zweitens sprich mit Oberin Justina. Melde Gesa fürs Internat an. Vielleicht kann sie sofort aufgenommen werden. Dann kannst du die Sache beobachten, bis zum Herbst ist noch eine ganze Weile hin.«

»Ja, das stimmt. Und ich hätte mehr Zeit. Ich könnte ausprobieren, wie es sich in der Praxis anlässt«, sagte Dirk.

Dirk rieb sich das Kinn.

»Vielleicht kann ich mich noch länger freistellen lassen.«

Toni nippte an seinem Kaffee.

»Was Kelly betrifft, sage ihr, dass du dich in sie verliebt hast. Ein Bursche kann und darf einem Madl sagen, dass er sich verliebt hat. Du wirst sehen, wie sie reagiert. Vielleicht wartet Kelly auf ein Zeichen von dir. Sie sagt vielleicht deshalb nichts. Sie weiß, dass du Witwer bist. Sie will dich nicht in Verlegenheit bringen, hat Angst, dich zu bedrängen.«

»Gut möglich«, sagte Dirk.

»Da fällt mir noch etwas ein. Als Anna sich in mich verliebte, als ihr Herz plötzlich für die Berge schlug, hatte sie in einer Hamburger Bank eine tolle Stelle als Anlageberaterin und Vermögensverwalterin von sehr vermögenden Kunden. Sie verdiente sehr viel Geld. Dazu kam, dass sie seit Jahren einen festen Partner hatte. Sie lebten zusammen und alle erwarteten, dass sie heirateten. Doch sie schoben diesen Schritt, sich zu binden, immer wieder hinaus. Ihr Leben war geregelt und weder Anna noch er verspürten eine Notwendigkeit zu diesem Schritt. Anna sagte später, dass sie wohl unterbewusst spürten, dass es nicht die Liebe fürs Leben war. Es war eine Zweckverbindung mit Sympathie. Hier in Waldkogel gab es mich, die Berghütte, die Anna für uns später möglich machte. Sie entdeckte die Liebe zu den Bergen und ihr gefiel die Vorstellung, als Hüttenwirtin an meiner Seite zu verbringen. Du weißt, wie Anna sich entschieden hat. Sie hat alle beruflichen Brücken hinter sich abgebrochen und auch ihrem persönlichen Leben eine Wendung gegeben. Sie hat den Kopf ausgeschaltet und auf ihr Herz gehört. Einige Monate später waren wir Mann und Frau und nahmen die Berghütte in Betrieb. Dass Anna das dunkle Nadelstreifenkostüm und die Stöckelschuhe gegen bunte Dirndl und Haferlschuhe getauscht hatte, war für viele unvorstellbar. In den ersten Jahren bekamen wir Besuch von ihren Exkollegen und Kolleginnen. Sie wollten es selbst sehen. Wollten Anna überreden, zurückzukommen«, erzählte Toni weiter. »Anna versuchte ihnen zu erklären, sie habe nur auf ihr Herz gehört. Sie zog zum Vergleich Aktien heran. ’Meine Aktien steigen nur und fallen nie’, sagte sie.«

»Gut ausgedrückt, Toni.«

»Ja, das fand ich auch. Ich kann dir nur den Rat geben, versuche es! Wenn du unsicher bist, behalte die alte Wohnung noch und lasse dich weiter frei stellen. Ich vermute, dass du irgendwann in deinem Herzen spürst, dass du die Nabelschnur zu deinem bisherigen Leben durchtrennen kannst.«

Dirk lächelte.

»Nabelschnur durchtrennen, das hast du schön gesagt.«

Dirk gähnte.

»Du wirst arbeiten müssen. Ich trinke meinen Kaffee aus und lege mich noch etwas hin. Trotz des Koffeins werde ich schlafen können, denke ich. Das Gespräch mit dir hat mir gut getan. Danke!«

»Gern geschehen! Schlafe noch ein bisserl! Das wird dir gut tun. Unausgeruht ist es schwer, die richtigen Worte zu finden.«

Dirk nickte.

»Eines weiß ich. Ich will bald Klarheit. Dagmar hat ihren erneuten Besuch angekündigt. Bevor sie hier ist, möchte ich klarer sehen.«

»Das ist ein guter Entschluss«, stimmte ihm Toni zu.

Dirk schlief bis nach dem Mittagessen. Toni servierte ihm danach ein Frühstück mit Eiern und Speck.

»Was ist dein nächster Schritt?«, fragte Toni.

»Ich werde zur Schule fahren und mit Oberin Justina sprechen.«

»Rufe sie vorher an!«

»Toni, Justina sagte, ich könnte sie jederzeit ansprechen. Wenn ich warten muss, gehe ich im Klosterpark spazieren. Er ist sehr schön mit den vielen alten Bäumen.«

Dirk machte sich sofort auf den Weg.

Er parkte sein Auto auf dem Parkplatz vor der Schule und ging ins Sekretariat.

»Grüß Gott«, rief er. »Welch ein glücklicher Zufall! Ich wollte zu Ihnen, Oberin. Aber nur, wenn Sie Zeit haben.«

Die Oberin stand bei Elli Schöller am Schreibtisch. Sie schaute auf die Uhr.

»Ja, ich habe Zeit. Ich wollte Sie auch schon anrufen und bitten zu kommen. Folgen Sie mir.«

Oberin Justina nahm Dirk mit ins Elternsprechzimmer.

Sie setzten sich.

Oberin Justina seufzte leise.

»Ich will gleich zur Sache kommen«, begann sie das Gespräch. »Die Situation gefällt mir nicht. Es geht um Ihre Schwägerin, Herr Doktor Steiner, und um Gesa.«

Dirk verstand sofort.

»Die Belästigung von Gesa habe ich abgestellt. Gesa hat jetzt ein zweites Handy mit einer Nummer, die meine Schwägerin nicht kennt.«

Oberin Justina nickte.

»Das ist mir bekannt. Gesa hat es mir erzählt. Okay, nachdem Ihre Schwägerin Gesa nun nicht mehr erreichen kann, ruft sie täglich hier in der Schule an. Auch einige von Gesas Lehrern und Lehrerinnen wurden schon daheim von ihr angerufen. Herr Doktor Steiner, ich muss Sie bitten einzuschreiten.«

»Ich werde alles tun, was ich tun kann. Ich habe bereits mit Dagmar gesprochen. Sie sicherte mir Zurückhaltung zu. Aber sie hält sich nicht daran.«

»Das kann ich bestätigen.«

»Mir graust schon davor, dass sie wieder bald zu Besuch kommen will.«

»Wissen Sie schon das genau Datum?«, fragte Oberin Justina.

»Nein. Sie wird einfach hier auftauchen.«