Der kleine blaue Geist - Christa Eder - E-Book

Der kleine blaue Geist E-Book

Christa Eder

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Beschreibung

Paulo Expiravit, der kleine blaue Geist, hat mehr als 100 Jahre in einem alten Weinfass verbracht. Gemeinsam mit den Geschwistern Michi und Sonja begibt er sich auf eine abenteuerliche Fahrt über das MEER DER ZEIT um zwei alte Freunde wieder in ihre Heimat ins ALTE GRIECHENLAND zu bringen. Eine fantastische Odyssee durch eine Welt alter Mythen und Märchen, in denen plötzlich alles so ganz anders ist, als wir erwarten.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 143

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Die Autorin

Die 1958 geborene Autorin Christa Eder studierte in Österreich Biologie und Medizin. Sie arbeitet in einem Krankenhaus in der Abteilung für Pathologie und Mikrobiologie. Als Autorin mehrerer medizinischer Fachbücher und als Vortragende in diesem Bereich ist sie international bekannt. Christa Eder lebt mit ihrem Mann in Wien. In ihrer Freizeit widmet sie sich dem Schreiben fantasievoller Texten für Junge und Junggebliebene. Der kleine blaue Geist entstand aus Erzählungen für ihre (mittlerweile erwachsenen) Kinder.

Die Illustratorin

Astrid Gruber, geboren 1968 in Tirol, lebt und arbeitet in ihrem Atelier in Wien als freischaffende Künstlerin, Buchillustratorin und Autorin. Ihre Aktivität umfasst international Projekte und Ausstellungen von Österreich bis Java.

Für Hilfe, Zuspruch und Unterstützung ein herzliches Dankeschön an meinen Mann Robert und ganz besonders auch meinem Sohn Anton, der mich motiviert hat, diese Geschichte zu schreiben.

Christa Eder Astrid Gruber

DER KLEINE BLAUE GEIST

© 2021 Christa Eder

1.Auflge 2021

Autor: Christa Eder

Umschlaggestaltung, Illustration: Astrid Gruber

Illustrationen: Astrid Gruber

Lektorat, Korrektorat: Rudolf Wildzeisz

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN: 978-3-347-27452-5 (Paperback)

ISBN: 978-3-347-27453-2 (Hardcover)

ISBN: 978-3-347-27454-9 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung

Kapitel 1

Eine Überraschung am Wochenende

„Kommt jetzt endlich! Es ist schon 10 Uhr vormittags, wir wollen doch einen Ausflug machen, das Wetter ist herrlich!“ „Oooch, Papa, jetzt hab ich den Hexenmeister nicht besiegt, weil du mich gestört hast, ich hab nur mehr zwei Leben und komme wieder nicht zum Diamantenthron.“ Michi zog ein langes Gesicht, drückte auf Abbrechen und Beenden und klappte den Laptopdeckel zu. Nicht mal am Samstag kann man entspannt spielen und am Nachmittag wollte er doch online gegen einen Internetfreund aus Deutschland antreten. Gesunde Luft, Sonne, wandern – nicht nur immer diesen virtuellen Schmarren, wie Mama seine geliebten Spiele abwertend bezeichnete. Also ihm konnte die grasgrüne, zirpende und zwitschernde Realität gestohlen bleiben. Seine jüngere Schwester Sonja kam gerade mit einem ihrer grässlichen violett-rosafarbenen Ponys ins Zimmer. Dämlicher Mädchenkram, aber schließlich war sie erst knapp elf Jahre alt und kicherte mit ihren Schulfreundinnen stundenlang vollkommen grundlos herum. Abgesehen von ihrer kindischen Vorliebe für die Plastikpferdchen war sie ein echter Bücherwurm und furchtbar altklug. Einfach nervend. Mit seinen zwölfeinhalb Jahren kam sich Michi reichlich abgeklärt, überlegen und reif vor.

„Ich habe schon eine Jause gerichtet und es gibt sogar Cola, wenn ihr euch benehmt, das wird ein besonderer Ausflug. Papa und ich haben eine Riesenüberraschung für euch.“ Michis und Sonjas Mutter war schon fertig hergerichtet mit Jeans, T-Shirt und Jacke und reichte einen Sweater zu ihm hinüber. Jausenbrote sind gut, dachte Michi boshaft, da kann zumindest nichts schiefgehen. Seine Mutter hatte zweifellos ihre guten Seiten, war ein echter Kumpel, drückte oftmals ein Auge zu und verteidigte ihn wie eine Löwin gegen die oft gar nicht so unberechtigten Beschwerden seiner Lehrer, aber die Kunst des Kochens hatte sie eindeutig nicht erfunden. Im Schneckentempo band Michi seine Schuhe zu und schulterte seinen neuen Rucksack, begleitet vom spöttischen Trödler, Trödler Gesang der jüngeren Schwester.

Endlich saßen alle im Auto, der Picknickkorb im Kofferraum und die geradezu unanständig wohllaunigen Eltern auf den Vordersitzen. Bei der Ausfahrt aus dem Stadtgebiet gab es selbstverständlich den unvermeidlichen Stau, der, begleitet von Sonjas in zehnminütigen Abständen wiederholtem Sind wir bald da, die jetzt etwas gedämpfte Stimmung auch nicht gerade verbesserte. Endlich war man draußen und es ging vorbei an Feldern mit gelben Rapsblüten und durch langgezogene Straßendörfer. Nach ungefähr einer Stunde lenkte Mama das Auto in einen steilen Seitenweg mit dem Schild Kellergasse. Zu beiden Seiten des Weges gab es Presshäuser und Weinkeller. Ganz am Ende der Gasse hielten sie vor einem etwas windschiefen gelbgestrichenen Presshaus mit zwei Bäumen davor und einem undurchdringlichen Gestrüpp an der Hinterseite. „Das ist unser neues Wochenendhäuschen”, erklärte Papa strahlend, ganz ungeachtet der entsetzten Gesichter von Michi und Sonja. Er kramte einen riesigen Eisenschlüssel hervor und öffnete die knarzende grüne Holztür.

„Iiiik, da ist ja alles voll Brennnesseln und Dornen, nicht einmal ein Grill ist da. Überall fällt die ganze Farbe vom Haus und pfui, Spinnweben, ich graus mich doch so vor Spinnen.“ Sonja drückte das saubere bunte Pony fest an sich. „Ach, hab dich nicht so, Mädels sind echte Zicken.“ Michi machte auf cool und gab sich erst einmal überlegen. Durch die zwei kleinen Fenster fiel nur wenig Licht in das Innere. Und nach einem Lichtschalter schaute sich Sonja vergeblich um. Lachend zündete Mama eine Gaslampe an: „Sowas seid ihr zwei nicht gewohnt, aber wartet nur ab, das wird Spaß machen.“ Nun ja, die Vorstellung von Spaß war wohl bei Eltern und Kindern nicht ganz dieselbe. Mama schnappte einen Besen und begann zu kehren. Papa nahm eine Sense, drückte Michi eine Gartenschere in die Hand und rückte dem Dickicht hinter dem Haus zu Leibe.

Zwei Stunden später: Die beiden Damen schwitzten und hatten schwarze Streifen an Armen und Gesicht vom aufgewirbelten Staub; die beiden Herren schwitzten auch und hatten zerkratzte Beine und Arme. „Pause!“, damit waren alle einverstanden. „Wir brauchen Wasser, unten an der Gasse ist ein Hydrant, da können wir welches holen. Wir brauchen aber einen Kübel oder irgendein Gefäß“.

„Na, dann lüften wir das letzte große Geheimnis.“ Papa grinste und ging zu der Tür im hinteren Teil des Presshauses. Von dort führte eine Stiege in ein geräumiges Kellergewölbe. Auf einmal war Michi Feuer und Flamme. Sogar Sonja vergaß Spinnen und unheimliches Getier und stapfte hinter den anderen her. Unten stand eine ganze Reihe alter Holzfässer und auch Kübel aus Plastik und Metall. „Wir werden die Fässer auswaschen und im Herbst von den Bauern Trauben kaufen, pressen und selbst Wein machen.“ Papa kam ins Schwärmen. Vorläufig schnappte er zwei Kübel für das Wasser und ging zurück zur Treppe.

Klopf, klopf, klopf „Habt ihr das gehört? Da ist was, da klopft wer“, Sonja wurde ganz aufgeregt. „Wird wohl eine Maus sein“, Michi war auch schon etliche Stufen hinaufgestiegen. „Da! Da ist es wieder, ganz deutlich, dort bei dem großen Holzfass, jetzt gluckert es.“ „Na, na, die Fantasie geht wohl mit dir durch, da galoppieren keine Ponys drin herum.“ Sonja streckte Michi die Zunge raus. „Dann ist es wohl Bumsti der Zerstörer aus deinem dämlichen Computerspiel.“ „Er heißt Boranus und ist nicht dämlich“, Michis Stimme kickste vor Empörung. „Aus, Ruhe mit der ewigen Streiterei.“ Mama drehte sich auf den Stufen kopfschüttelnd um und war dann schon verschwunden.

Klopf, klopf, wumm…, es war nun wirklich nicht mehr zu überhören. Sonja nahm ihren ganzen Mut zusammen und ging nahe an die Quelle des Geräusches heran.

„Ist da wer?“ „Neiiiin, ich klopfe zum Spaß“, eine grantige Stimme kam aus dem Fass. Michi und Sonja bekamen riesige Augen. „Nix wie weg, das ist unheimlich.“ Michi bewegte sich schon in vorsichtigem Rückwärtsgang auf die Kellerstiege zu. „Buben sind eben doch die größeren Feiglinge.“ Sonja hatte Oberwasser bekommen und kehrte die Heldin heraus, nur so ganz fest und sicher wollte auch ihre Stimme nicht klingen. „Wer bist du? Brauchst du Hilfe?“„Nein, ich sitze freiwillig in dieser sauer gewordenen Weinlache fest. Zieht schon den Spund raus, ihr Dummköpfe“, kam es aus dem Fass zurück. „Wenn du meine Schwester und mich beschimpfst, gehen wir und du bleibst, wo du bist.“ Michi spielte jetzt den großen ritterlichen Bruder: „Wenn man Hilfe braucht, kann man auch Bitte sagen.“ „Ja, ja, ist schon gut, wenn man seit fast 100 Jahren festsitzt und noch dazu in einem Fass mit einem Wein, von dem einem der Kopf fast platzt, verlernt man halt ein bisschen die guten Manieren. Also: Bitte seid so nett und zieht den Spund aus dem Fass und lasst mich frei“. „Geht ja“, grinste Sonja, die jetzt so richtig von der Neugier gepackt wurde, und machte sich schon an dem Fass zu schaffen. „Sei vorsichtig, wer weiß, wer der ist und was er vor hat“, Michi war skeptisch, doch da war der Spund schon draußen.

Ein blauer Lichtschein erschien um das Fass und dann eine seltsame durchscheinende Gestalt. Nach einigen Sekunden formte sich am oberen Ende des blauen Lichts ein rundes Gesicht mit lustig funkelnden Augen, einer Stupsnase und einem breiten grinsenden Mund. „Hallo ihr, danke für die Hilfe. Aaahhh es tut so gut, sich wieder zu strecken. Das blaue Wesen wurde lang und dünn und zog sich danach wieder zusammen. Die beiden Kinder standen mit offenen Mündern vor ihm. „Was, was bist du?“, piepste Sonja in einer Mischung aus Angst und Neugier.

„Ihr braucht euch nicht zu fürchten, ich bin nur ein kleiner blauer Geist.“ „Es gibt keine Geister“, so ganz sicher war Michi sich im Augenblick zwar nicht, aber seine Eltern und auch der Lehrer hatten es immer wieder gesagt und die mussten es doch wissen, … oder vielleicht doch nicht?

„Bist du sowas wie der Flaschengeist von Aladdin, dürfen wir uns jetzt was wünschen?“, Sonja hatte vor Aufregung ganz rote Backen bekommen. „Aladdins Flaschengeist, ein Stümper war das, sich in ein so enges Gefäß hineinzuzwängen, da war ja mein Fass noch bequemer. Und das war nur ein blöder Unfall, dass ich da hineingeraten bin. Und nein, mit drei Wünschen ist es leider nichts, ich bin ja kein Dschinn.“ Der blaue Geist schüttelt so angewidert den Kopf, dass seine Backen einen guten halben Meter weit hin und her waberten. „Oder hast du am Fass gerieben, damit ich erscheine“, er gluckste lachend.

„Was willst du jetzt machen, hier im Keller bleiben?“ Michi überlegte schon, wo man das blaue Wesen wohl verstecken könnte. „Gute Frage, ich muss mich untertags verkriechen, Licht bekommt mir nicht so gut, ich bleiche dann völlig aus und werde fast unsichtbar“. „Bist du ein Vampir?“, Sonja bekam ihre Zweifel, ob es vielleicht nicht doch ein Fehler war den seltsamen kleinen Kerl zu befreien. „So ein Blödsinn, natürlich nicht, ich verwandle mich lieber bei Vollmond in einen Werwolf“. Sonja schlug entsetzt die Hände vors Gesicht. Michi umklammerte ihren Arm und wollte sie aus dem Keller zerren. „Ach, ihr versteht rein gar keinen Spaß, he, ich bin völlig harmlos. Aber ihr könntet mir helfen. Schafft mich hier raus, versteckt mich bei euch zu Hause und ich zeige euch jede Nacht meine Geisterwelt. Na, ist das ein Angebot?“ „Geht’s da so zu wie in meinen Computerspielen?“, Michi war schon interessiert. „Comp… was? Ich fürchte, ich habe da einiges in meinem Fass verschlafen, ihr müsst mir wohl auch eure Welt zeigen“.

In diesem Moment hörten die Kinder die Eltern rufen: „Es beginnt zu regnen, kommt rauf, wir fahren nach Hause!“ Ohne lange zu überlegen öffnete Michi seinen Rucksack: „Passt du da rein?“ „Wenn es sein muss”, seufzte der kleine Blaue und der Lichtschein verdichtete sich zu einem faustgroßen Bündel und verschwand im Rucksack.

Kapitel 2

Das Computerspiel

Kaum zu Hause angekommen stürmten die Kinder die Treppe hinauf in ihr Zimmer. „Es gibt bald Essen, ihr müsst euch die Hände waschen“, hörten sie die Stimme ihrer Mutter, aber sie hatten im Augenblick wirklich Wichtigeres zu tun.

„Wir sind da“, flüsterte Michi in den Rucksack hinein, du kannst rauskommen. Sonja hatte inzwischen die Rollos vor den Fenstern heruntergelassen. Der kleine Blaue wurde zumindest in Umrissen sichtbar und kam aus dem Rucksack gekrochen. „Puuh, war das eng“, er streckte die durchscheinenden Ärmchen auf eine Länge von gut eineinhalb Metern aus. „Und wo darf ich wohnen?“ Michi öffnete großzügig den Kasten. „Da schau, das ist meine alte Lego-Ritterburg, ich spiel schon lange nicht mehr damit, geht das für dich?“ „Wohnen da auch diese seltsamen Typen in Blechdosen“, erkundigte sich der kleine Geist skeptisch. „Nur noch wenige, die meisten hat der Michi verloren oder kaputt gemacht, er konnte ja nie auf seine Spielsachen aufpassen“, kicherte Sonja, was ihr einen ziemlich wütenden Blick von ihrem Bruder einbrachte: „Na in deinem Regenbogenponywunderland will er sicher nicht wohnen“. „Streitet nicht, ich finde Burgen gut, Und wo ist jetzt dieses Ding, der Comperator oder so?“, der Geist war sehr neugierig geworden. „Com-puter“, sprach ihm Michi langsam und jede Silbe betonend vor, „aber du kannst ihn auch einfach PC nennen.“ „PC???“ jetzt kannte sich der kleine Geist gar nicht mehr aus. „Heißt Personal Computer, das ist Englisch, Michi kam sich sehr klug und gebildet vor. „Nicht schon wieder Fremdsprachen, es war schon kompliziert genug Arabisch, Chinesisch, Griechisch und Lateinisch zu lernen“, jammerte der kleine Geist. „Wow, du kannst so viele Sprachen?“ Sonja war beeindruckt. „Ja, mein Name auf lateinisch ist „Paulo Expiravit“, das heißt kleiner Geist.“ Er verneigte sich höflich vor den erstaunten Kindern, „aber ihr dürft mich Pauli nennen. Und jetzt zeigt mir endlich den personellen Compera-Irgendwas.“

Stolz drückte Michi auf einen Knopf des PCs und allerlei Symbole erschienen auf dem Bildschirm. „Das ist alles?“ Der kleine Geist, oder besser Pauli, zog das Gesicht auf einen halben Meter in die Breite und blies seine Backen auf. „Ich muss ihn hochfahren“, erklärte Michi. „Hochfahren, wie das Essen in den Lastenaufzügen bei den alten Rittern?“ Pauli waberte interessiert nach vorne. „Nein, nicht so, egal, das erkläre ich dir später, wir spielen jetzt ein ganz tolles Computerspiel, da kommt auch sowas wie ein Ritter vor, es spielt aber im alten Griechenland.“ Michi drückte noch einige Tasten und schon erschienen hohe Säulen und dahinter lange düstere Gänge auf dem Bildschirm. Vorne stand eine etwa daumenlange Prinzessin, die laute Kreischtöne von sich gab. „Ist ihr übel?“, erkundigte sich Pauli ohne großes Mitgefühl. „Nein, das Monster, der böse Minotaurus kommt gleich aus seinem Labyrinth und will sie fressen. Aber dann kommt der griechische Held und wird mit ihm kämpfen“, erklärte Michi. Ein muskelbepackter schwertschwingender Typ mit glänzendem Brustpanzer erschien in der linken Ecke, während auf der rechten Seite ein seltsames, laut brüllendes Wesen mit einem Stierkopf und langen Hörnern auftauchte.

„Mino!“, rief der blaue Geist erschrocken, „was will der Verrückte von dir?“ Und ehe Michi es verhindern konnte war Pauli in den PC geschlüpft. Zum Gaudium von Sonja und zum Entsetzen von Michi versetzte der kleine Geist dem erstarrten Muskelprotz einen Schubs, entriss ihm das Schwert und schlug es ihm mit der Breitseite gegen den Helm. Der edle Held fiel zu Boden, um seinen Kopf entstand ein ganzer Schwarm von kleinen Sternen. Pauli war inzwischen zu dem stierartigen Wesen geschwebt und begann es beruhigend zwischen den Hörnern zu kraulen. Daraufhin gab der Minotaurus, völlig außer Programm, sanfte Muh Muh- Töne von sich. Die Prinzessin machte nur ruckartige Bewegungen und sagte in einem fort: „Error, Game over, Error, Game over“, was, wie wir alle wissen, so viel wie Fehler und Ende des Spiels bedeutet.

Michi schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als schon sein nagelneues Handy – er hatte es zum letzten Geburtstag bekommen und war unglaublich stolz drauf – zu läuten begann. Sein Freund Markus war dran und in heller Aufregung: „Ich habe gerade Minotaurus gespielt. Da war sowas Blaues und jetzt muht mein PC als wären wir auf der Alm.“ „Ist wohl nur eine Störung im Internet“, murmelte Michi wenig glaubwürdig. „Ich muss jetzt essen gehen, ich ruf dich später an!“ Er beendete das Gespräch und rüttelte verzweifelt am Bildschirm: „Raus da, du hast eine Riesenstörung verursacht. Ich fahre den PC jetzt runter.“

„Ok wir kommen“ meinte der blaue Geist und Michi drückte „Herunterfahren“ noch bevor er begreifen konnte, was wohl mit WIR gemeint war.

Im nächsten Moment geschah etwas Unglaubliches. Nicht nur der blaue Pauli schwebte aus dem Bildschirm. Auf der Schreibtischplatte stand auch eine daumenlange Prinzessin und neben ihr tänzelte friedlich ein handtellergroßer Minotaurus. „Ihr könnt Mino zu mir sagen“, muhte er artig.

„Die Spaghetti sind fertig, sofort essen kommen“ rief genau in diesem Moment die Mutter. Sonja blieb nichts übrig, als Stier und Prinzessin ins Ponywunderland zu packen. „So ein Glück, dass wenigstens der dämliche Held im PC geblieben ist“, seufzte Michi, während sie die Treppe zum Wohnzimmer hinunterliefen.

Kapitel 3

Minotaurus und Ariadne

„Kann ich noch Spaghetti haben, ich hab so einen Hunger.“ Die Mutter konnte kaum glauben, welch einen riesigen Appetit Sonja plötzlich entwickelte. Glücklicherweise hatte sie nicht gesehen, wie ein ganzes Knäuel der Nudeln in einem Stofftaschentuch und danach in der Rocktasche von Sonja verschwunden war. „Wollt ihr noch fernsehen? Morgen ist ja Sonntag, da ist keine Schule und ihr könnt ausschlafen!“, bot Papa großzügig an. „Nein, eigentlich nicht, da ist eh nichts Gescheites im Programm. Wir gehen in unser Zimmer.“ Die Kinder waren sich erstaunlich einig und schon liefen sie eilig die Treppe hinauf.

„Dauernd hängen sie vor dem PC herum, das kann nicht gut sein“, seufzte Mama aber Papa meinte gut gelaunt: „Dann haben wir beide wenigstens einen ruhigen Abend, ich schenke uns ein schönes Glas Wein ein und wir machen es uns vor dem Fernseher gemütlich.“

Die Kinder hatten sich inzwischen auf den Boden gesetzt und die Prinzessin samt Mino aus dem Versteck geholt. Pauli schwebte an der Kante des Schreibtisches herum. Großzügig packte Sonja die geklauten Nudeln aus und bot sie den kleinen Gästen an. „Die sind zu lang, bitte zerteile sie, sonst patze ich noch beim Essen“, bat die daumenlange Prinzessin. Mino hatte keine derartigen Bedenken. Er schlürfte die Nudeln lautstark und genüsslich in sein breites