Inhaltsverzeichnis
Impressum 2
Einleitung 3
Ertasten eines Knotens 5
Erste ärztliche Untersuchungen
und Sicherung des Befundes 6
Krankenhaus und OP 30
Endlich wieder nach Hause 53
Einsetzen des Ports 61
Vorbereitung auf die Chemo
und schwierige Entscheidungen 65
Es geht los mit der 1. Chemo 80
Abschied von meinen Haaren 91
Kurzurlaub vor der 2. Chemo 94
2. Chemo 97
3. Chemo stationär 106
4. Chemo stationär
und Gürtelrose 114
5. Chemo ambulant 121
6.–16. Chemo ambulant 124
Erholung nach der
letzten Chemo 142
Bestrahlung in der
Südharzklinik 157
Beginn mit
Antihormontabletten 170
Anschlussheilbehandlung
in Bad Gandersheim 176
Wieder zu Hause 208
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2020 novum Verlag
ISBN Printausgabe: 978-3-99064-931-2
ISBN e-book: 978-3-99064-932-9
Lektorat: Dr. Annette Debold
Umschlagfoto: Mast3r | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Einleitung
Ich bin 67 Jahre alt, schlank, sportlich, rauche nicht, trinke nur selten etwas Alkohol in Form von Bier oder Wein (keine harten Sachen). Wir ernähren uns gesund, viel Gemüse und Obst, wenig Fleisch (mein Mann isst gerne mal etwas Wurst oder Fisch und Käse. Ich bin seit einigen Jahren Veganer, vorher schon immer Vegetarier). Bisher hatte ich ein wirklich sehr gutes Leben. Ich bin seit 37 Jahren verheiratet, habe einen sehr fürsorglichen und lieben Ehemann, 2 erwachsene Töchter und 2 Enkel. Eine Tochter lebt in der Nähe von Köln mit ihrem Lebensgefährten, die jüngere Tochter ist mit einem Amerikaner verheiratet und lebt in Colorado.
Mein Mann hat eine eigene Firma, in der ich immer schon mitarbeiten konnte. Meine Arbeitszeit konnte ich mir selbst einteilen. Wir haben ein sehr schönes Haus mit Garten, die Firma meines Mannes ist auch in unserem Haus untergebracht, sodass wir keine Anfahrtswege zur Arbeit haben.
Gesundheitlich ging es mir bisher immer sehr gut. Vor 1 Jahr hatte ich eine Unterleibs-OP, nichts Tragisches. Vor 2 Jahren wurde mein linker dicker Zeh versteift. Als Jugendliche wurden mir die Mandeln entfernt und die Nase gerichtet, die ich mir als Kind mal gebrochen hatte (bin vor einen Laternenmast gerannt!). Mit 48 Jahren habe ich mir beim Schlittschuhlaufen das linke Handgelenk gebrochen (die letzte Runde auf dem zugefrorenen See war leider zu viel). Nach 1 Jahr konnte ich die Hand aber fast wieder wie vorher bewegen, und ich habe zum Glück keine bleibenden Schäden davongetragen. Als ich 55 Jahre alt war, wurde im rechten Knie eine Arthroskopie gemacht. Seither bin ich da schmerzfrei. Ansonsten hatte ich keine schwerwiegenden Erkrankungen. Bis zum 25.2.2017, als ich in meiner linken Brust einen Knoten entdeckte.
Ertasten eines Knotens
Am Samstagabend, 25.2.2017, kurz vor dem Schlafengehen, sehe ich im Spiegel eine komisch aussehende Stelle an der Außenseite der linken Brust. Ein kleiner Bereich, ca. 2 x 2 cm, ist eingefallen. Ich hebe den Arm, senke den Arm, schaue von der Seite und von oben, und dann fühle ich die Stelle ab. Eine Verdickung. „Ist das etwa ein Knoten oder nur ein angespannter Muskel?“, geht es mir durch den Kopf. Ist bestimmt nichts. Also ziehe ich meinen Schlafanzug an und lege mich schlafen.
Am nächsten Morgen schaue ich gleich wieder in den Spiegel, ob die Stelle noch so ist wie gestern Abend. Ja, sie sieht noch genauso aus und fühlt sich genauso an. Ich werde morgen mal sicherheitshalber meine Ärztin anrufen und es von ihr prüfen lassen, damit ich weiß, es ist nichts von Bedeutung.
Montag früh rufe ich gleich bei meiner Gynäkologin an und sage, was mich bedrückt. Die Arzthelferin hält sofort Rücksprache mit der Ärztin und sagt mir dann, dass es reicht, wenn ich Dienstag früh um 8.30 Uhr in die Praxis komme. „Okay“, sage ich, „das ist in Ordnung.“
Erste ärztliche Untersuchungen
und Sicherung des Befundes
Dienstag, 28.2.2017
Ich fahre gleich früh zu meiner Ärztin. Ich brauche nicht lange zu warten, werde gleich ins Untersuchungszimmer geführt. Meine Ärztin kommt rein und meint: „Machen Sie doch bitte den Oberkörper frei.“ Ich ziehe mich aus und stelle mich vor sie. Sie schaut meine Brust an und meint gleich: „Oh, das sieht nicht gut aus. Ich kann es schon sehen. Legen Sie sich mal hin, und dann untersuche ich Sie mit Ultraschall.“ Jetzt wird mir doch etwas mulmig, aber Angst habe ich keine. Sie schmiert mich reichlich mit Gel ein, und dann geht es los. Ich kann alles auf dem Bildschirm verfolgen, und sie erklärt mir, dass genau an der Stelle ein Knoten in der Größe von ca. 1,6 cm ist. Und er sieht schlecht aus, da muss was gemacht werden. Sie erklärt mir alles sehr genau und macht mich gleich darauf aufmerksam, dass der Knoten raus muss, dass eventuell eine Chemo fällig ist und/oder Bestrahlung usw. Das ganze Programm also. Ich nehme es noch nicht so ernst, kann es gar nicht glauben, dass ausgerechnet mir so was mal passieren würde. Über Brustkrebs habe ich immer nur von anderen etwas gehört.
Nachdem ich mich wieder angezogen habe, kann ich im Wartezimmer noch einmal Platz nehmen, während die Arzthelferin und auch die Ärztin verschiedene Termine für mich vereinbaren. Gleich für den nächsten Tag bekomme ich einen Termin zur Mammografie und für den Tag darauf einen Termin zum Stanzen (das hat sie mir erklärt, dabei wird an vier verschiedenen Stellen des Knotens Gewebe entnommen, rausgestanzt. Tut nicht weh, sagt sie, sie hätte es selbst schon bei sich machen lassen.).
Mit meinen Überweisungen in der Tasche fahre ich nun nach Hause und erzähle meinem Mann, was mir gerade eröffnet wurde. Er hatte ja gar keine Ahnung, ich habe ihm vorher nicht gesagt, was ich so vermutete. Folglich trifft es ihn jetzt wie mit einem Hammerschlag. Er nimmt mich gleich in den Arm und tröstet mich. Obwohl ich eigentlich alles immer noch sehr locker sehe. Ich mache mir gar keine großen Gedanken, denke einfach, erst mal abwarten, was bei den anderen Untersuchungen rauskommt.
Mittwoch, 1.3.2017
Ich fahre nach Herzberg ins Krankenhaus zur Mammografie (um 9.30 Uhr). Die Radiologin ist eine sehr nette junge Frau, und sie quetscht meine beiden Brüste so vorsichtig, wie es nur geht. Sagt sie jedenfalls. Aber es ist für mich trotzdem sehr schmerzhaft. Das ist auch der Grund, warum ich in den letzten 20 Jahren nie zur Mammografie gegangen bin. Ich habe zweimal eine Mammografie machen lassen, und jedes Mal tat es extrem weh. Ich habe wirklich Panik davor. Außerdem habe ich einige Berichte von Ärzten gelesen, die Gegner der Mammografie sind. In meiner Familie hat bisher niemand Brustkrebs gehabt, warum soll es mich treffen? Jetzt sind die Aufnahmen also im Kasten, und ich bin froh, dass ich mit dieser Tortur durch bin. Nun soll ich warten, bis die Aufnahmen entwickelt sind, und dann würde der Arzt noch mit mir reden.
Ich lese in einer der Illustrierten, die dort auf dem Tisch liegen, und nach ca. 10 Minuten klopft der Arzt an die Tür. Er kommt rein, begrüßt mich und meint gleich: „Ich habe keine gute Nachricht für Sie. Es bringt ja nichts, da drum herumzureden. Also, Sie haben einen bösartigen Knoten in der Brust. Die rechte Brust ist unauffällig, aber in der linken ist ein Knoten, der behandelt werden muss.“ Tja, das hatte ich ja von meiner Ärztin auch schon so gehört, also nichts Neues, aber eine Bestätigung. Nun meinte der Arzt noch, Genaues wisse man dann aber erst, wenn die Gewebeprobe durchgeführt worden sei. Ich sage ihm, dass ich am nächsten Tag bereits den Termin zur Gewebeentnahme habe, und er wünscht mir noch alles Gute.
Na toll, nach dieser Diagnose „alles Gute“! Aber was soll er auch sonst sagen? Ich fahre also nach Hause und berichte meinem Mann und meiner Tochter, die gerade bei uns zu Besuch ist, von dem Ergebnis der Untersuchung. Beide sind doch ziemlich geschockt, und wir haben erst mal kein anderes Gesprächsthema. Aber ich mache mich immer noch nicht verrückt, Genaues weiß ich ja noch nicht.
Donnerstag, 2.3.2017
Heute fahre ich dann um 12 Uhr nach Herzberg zu einem anderen Gynäkologen, der auch auf Krebssachen spezialisiert ist. Ich muss eine gute halbe Stunde warten, dann komme ich dran.
Erst erklärt er mir genau, was er bei mir machen wird und dass es nicht weh tut, da er die Stelle örtlich betäuben wird. Er wird dann eine dickere Hohlnadel in die Brust stechen, durch diese das Stanzgerät führen und an 4 verschiedenen Stellen des Knotens Gewebe entnehmen. Nur Millimeter groß bzw. klein. Ein riesiger Bildschirm über der Liege gibt mir die Möglichkeit, alles genau zu verfolgen.
Bevor der Arzt mit dem Stanzen anfängt, wird meine Brust noch einmal genau per Ultraschall untersucht. Dabei zeigte er mir den etwas länglichen Knoten, ca. 1,4 cm breit und 1,7 cm lang. Er schaut sich auch die Lymphknoten unter dem Arm an und den Wächterlymphknoten. Die sind alle super in Ordnung und total unauffällig, meint er. Nur leider weist der Knoten bei mir Eigenschaften auf, die tatsächlich auf bösartig hindeuten. Zum Beispiel, dass rundherum dunkle Zacken sind oder dass eine weiße Abgrenzung zum anderen Gewebe da ist. Auch die Tatsache, dass der Knoten nicht hart, sondern eher weicher ist, deutet auf Bösartigkeit hin. Außerdem scheint es ein langsam wachsender Knoten zu sein, was auch nicht gut ist.
Nachdem er mit der Voruntersuchung durch ist, wird die Stelle für den Einstich betäubt. Alles verfolgen er (und ich) genau auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes. Er erklärt mir jeden Schritt und jedes Bild ganz genau. Ich kann genau sehen, wo die Nadel langgeführt wird. Es tut wirklich nicht weh, ist aber auch nicht gerade angenehm. Insbesondere das Herausstanzen des Gewebes ist etwas unangenehm, und ich bin froh, als er damit fertig ist.
Zum Schluss wünscht mir der Arzt alles Gute. Er machte allerdings kein allzu frohes Gesicht dazu. Wie auch? Wenn er einen bösartigen Tumor entdeckt hat und wahrscheinlich schon mehr weiß als ich, was das noch alles bedeuten wird für die nächsten Monate.
Ich bekomme dann einen Termin für den nächsten Donnerstag, 9.3.2017 um 10 Uhr. Da soll ich in der Praxis anrufen, dann hätte er das Ergebnis der Untersuchung. Falls er es schon Mittwoch bekommt, meldet er sich bei mir. So lange muss ich nun leider warten.
Zu Hause haben wir dann wieder lange diskutiert und auch unsere Tochter in Amerika angerufen. Sie ist aber genauso gelassen wie ich. Warum soll ich mich auch verrückt machen? Es kommt so, wie es kommt. Ich kann es nicht mehr ändern, und ich hoffe, dass meine Gelassenheit auch abfärbt auf meine restliche Familie.
Abends rufe ich dann meine gute Freundin in Düsseldorf an. Bei ihr wurde im Sommer letzten Jahres auch Brustkrebs diagnostiziert, und das war erst einmal ein Schock für uns alle. Sie hat mir dann im Laufe der Monate immer wieder alles ausführlich berichtet. Wie bei ihr vorgegangen werden musste, erst Chemo, dann OP, dann Bestrahlung, dann Reha. Als Allererstes wurde bei ihr der Wächterlymphknoten entfernt. Der war wohl auch schon befallen. Dann ging die Chemo los mit allen Konsequenzen, wie Übelkeit, Haarausfall (jetzt hat sie eine schöne Perücke), kein Appetit, ekliger Geschmack im Mund, Müdigkeit usw.
Ich weiß genau Bescheid und hoffe nur, dass ich keine Chemo brauche. Aber sie sieht es trotz allem sehr locker. Sie hat sich mit der Situation abgefunden und akzeptiert es so, wie es ist. Und ich finde es auch echt witzig, als sie mir sagt: „Willkommen im Klub!“ Sie hat mit den anderen Frauen bei der Chemo guten Kontakt, und eigentlich sind alle ganz locker, obwohl es allen schlecht geht. Ich habe viel durch meine Freundin gelernt und denke, es wird schon alles gut werden.
Neuerdings haben wohl alle Bekannten von mir Krebs. Im letzten Jahr bekam auch meine Freundin und Nachbarin die Diagnose Darmkrebs. Auch sie wurde operiert, und anschließend musste sie eine Chemo durchmachen. Die war nicht ganz so schlimm wie bei meiner Düsseldorfer Freundin, aber immerhin ging es ihr auch sehr schlecht dabei, kein Appetit, ekliger Geschmack, Müdigkeit. Zum Glück fielen ihr die Haare nicht aus. Da war sie sehr froh drüber.
Mein Bruder Dieter bekam die Diagnose Prostatakrebs vor ca. 2 Jahren. Es war bei ihm auch sehr schlimm. Erst OP, dann Bestrahlung. Zunächst hieß es nach der Bestrahlung, der Krebs sei weg. Aber dann stellte man einige Monate später Metastasen im ganzen Körper fest, die wiederum mit Chemo behandelt werden mussten. Das hatte dann die üblichen Nebenwirkungen. Bei ihm auch die, dass er seine Fußnägel verlor und seine Haare. Und während der Chemo bekam er eine schlimme Lungenentzündung. Die führte bei ihm sogar zu einer Lungenembolie, und er musste ins künstliche Koma versetzt werden. Sechs Wochen lag er im Koma, und dann kam er langsam wieder zu sich. Er konnte nichts mehr selbst machen, nur mit Mühe reden und die Gliedmaßen nicht bewegen. Langsam musste er sich wieder ins Leben zurückarbeiten.
Nach dem Krankenhaus-Aufenthalt kam er daher in die Reha, wo er lernte seine Arme und Beine zu kräftigen und wo er sogar wieder mit Hilfe laufen lernte. Dort sagte man ihm nach diversen Untersuchungen, der Krebs sei jetzt auch weg. Er brauchte dann monatelang, um wieder richtig laufen zu können, und ist nach wie vor doch relativ schwach. Aber trotzdem sagen ihm die Ärzte immer wieder, es sei ein Wunder, dass er nach dieser Krankheit schon wieder so gut auf den Beinen ist.
Ja, wenn man selbst betroffen ist, dann fällt es anderen leichter, über ihre eigene Krankheit zu sprechen. Ich habe in den letzten 5 Tagen von mehreren Bekannten erfahren, dass sie auch Krebs hatten oder noch haben und behandelt werden.
Was mir alle 3 Ärzte noch gesagt haben: Ich brauche keine Sorgen zu haben, wegen des Brustkrebses zu sterben. Heute stirbt man nicht mehr davon. Na bitte, dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Dann werde ich jetzt abwarten, welches Ergebnis ich am Donnerstag höre, und dann werde ich auch erfahren, wie es weitergeht.
Montag, 6.3.2017
Eigentlich habe ich gut geschlafen in der letzten Nacht. Aber irgendwie denke ich doch immer wieder an den Knoten. Es lässt mir keine Ruhe. Ich bin nicht übermäßig beunruhigt, aber ich kann es jetzt kaum noch erwarten, endlich genau Bescheid zu wissen. Ich denke doch über alle möglichen Konsequenzen nach und überlege schon, ob ich unseren geplanten USA-Urlaub im Mai überhaupt antreten kann. Notfalls muss unsere ältere Tochter einspringen. Die würde sowieso gerne wieder rüberfliegen zu ihrer Schwester. Vielleicht muss ich ja auch nur operiert werden, keine Chemo, keine Bestrahlung. Ja, es ist verrückt, es lässt mich doch nicht so ganz los.
Die Schmerzen in der Brust von dem Stanzen sind jetzt nur noch minimal. Aber manchmal bilde ich mir ein, in der anderen Brust habe ich auch Schmerzen. Dann denke ich wieder, das ist doch nur Einbildung, und beruhige mich selbst. Laut Ultraschall und Mammografie ist in der rechten Brust jedenfalls alles in Ordnung. Also wirklich nur Einbildung! Seit ein paar Tagen habe ich nun auch Zahnschmerzen, im oberen rechten letzten Backenzahn. Was ist das denn schon wieder? Ob ich sicherheitshalber noch schnell zum Zahnarzt gehe? Es kommt aber auch alles auf einmal. Mein steifer Hals, mit dem ich mich nun schon seit einigen Wochen herumschlage, der ist jedenfalls besser geworden. Ich lege mir ständig ein Wärmekissen auf den Nacken, und das scheint zu helfen. Wenn doch alle Wehwehchen so leicht zu heilen wären!
Dienstag, 7.3.2017
Gestern Abend beim Ausziehen warf ich wieder einen Blick auf meine Brust und hatte die leise Hoffnung, der Knoten wäre kleiner geworden. Aber keine Chance, bei genauerem Hinsehen und vorsichtigem Fühlen hatte ich das Gefühl, er ist sogar größer geworden. Was aber sicherlich gar nicht sein kann. Alles Einbildung. Also weiter warten.
Heute früh spreche ich zum ersten Mal mit einer Arbeitskollegin. Sie erzählt mir, dass eine Bekannte von ihr gerade vor 2 Wochen auch an der Brust operiert wurde. Der Knoten war entfernt worden, und da er noch sehr klein war, besteht auch kein Verdacht auf Metastasen. Eine Chemo oder Bestrahlung ist nicht nötig. Na schön, hört sich gut an für diese Frau. Ich gönne es ihr von ganzem Herzen. Aber in meinem Fall sieht es sicher anders aus. Der Knoten ist nun mal bedeutend größer. Ich hoffe zwar auch darauf, dass eine Chemo nicht nötig ist, aber wer weiß? Ich muss einfach mit allem rechnen.
Für den Fall, dass ich bereits nächste Woche ins Krankenhaus muss, möchte ich gerne vorher noch zum Friseur. Als ich gerade eben meine Friseurin anrufe, erfahre ich, dass sie bis Ende der Woche Urlaub hat und erst ab Dienstag nächster Woche wieder da ist. Dann eben nicht. Ich kann ja keine Termine machen zurzeit, muss erst einmal abwarten, welche Termine durch den Knoten entstehen!!
Mittwoch, 8.3.2017
Heute ist wieder ein Tag vergangen, es ist Mittwochabend. Nicht nur ich warte nun ganz gespannt auf das Untersuchungsergebnis, nein, auch meine Töchter haben heute WhatsApp-Nachrichten geschrieben und nachgefragt, ob es schon was Neues gibt. Leider nicht! Erst morgen früh um 10 Uhr kann ich beim Arzt anrufen und hoffe, dass ich dann etwas erfahre.
Beim Einkaufen heute traf ich eine gute Bekannte, die mich fragte, wie es mir geht. Ich sagte ihr: „Heute geht es mir noch gut. Morgen weiß ich nicht.“ Sie schaute sehr verwundert und wollte wissen, wie ich das meine. Ich erklärte ihr, dass ich einen Knoten in der Brust habe und morgen das Biopsie-Ergebnis erfahre. Sie erzählte mir dann auch von einer Bekannten, die Brustkrebs hatte und in Göttingen operiert wurde und Chemo bekam und dass es ihr jetzt wieder richtig gut gehe. Ist doch interessant, jeder kennt einen oder kennt einen, der einen kennt, der Brustkrebs hat oder hatte. Ich glaube bald, jede zweite Frau ist davon betroffen. So oft habe ich es jetzt schon gehört. In Wirklichkeit ist es tatsächlich jede 8. Frau in Deutschland, die von Brustkrebs betroffen ist. Habe ich inzwischen so gelesen.
Diese Bekannte fragte mich auch, ob ich in den Wechseljahren Hormontabletten geschluckt hätte. Ich bejahte es. Und zwar habe ich viele Jahre die Tabletten genommen, zwischendurch immer mal langsam ausschleichen lassen, um zu sehen, ob ich sie noch benötige. Ja, ich brauchte sie immer wieder. Das letzte Mal neu angefangen mit den Tabletten habe ich am 13.4.2014, und dann habe ich sie noch ein gutes Jahr genommen. Bis ich merkte, jetzt geht es ohne. Ich schlich mich langsam aus, und seit ungefähr zwei Jahren nehme ich keine Hormone mehr.
Hoffentlich hat diese Hormoneinnahme nicht dazu beigetragen, dass ich jetzt einen Knoten in der Brust habe. Aber ich habe immer gelesen, dass die Gefahr dadurch nicht gegeben ist, sondern dass es sich sogar positiv auswirken kann, wenn man Hormone nimmt. Bei mir ging es tatsächlich nicht anders, ich konnte ohne die Tabletten nicht schlafen. Wurde mehrmals in der Nacht nassgeschwitzt wach und musste meine Nachtwäsche wechseln. Tagsüber war ich dann so kaputt, dass ich oft fast im Stehen eingeschlafen bin. Jetzt habe ich manchmal immer noch Hitzewallungen, aber so schwach und selten, dass es erträglich ist.
Heute Abend schaue ich mir einen schönen Film im Fernsehen an und werde mich dadurch ablenken. Danach kann ich dann sicher gut schlafen, um morgen gestärkt aufzuwachen und den Tatsachen ins Auge zu sehen.
Donnerstag, 9.3.2017
Kurz nach 10 Uhr rufe ich in der Praxis an, und man sagt mir, das Ergebnis sei da und man habe es auch schon an meine Gynäkologin weitergeleitet. Ich könne dort anrufen und alles besprechen. Gesagt, getan. Also rufe ich dort an. Man bestätigt mir, dass das Ergebnis da sei, und zwar wären die Tumorzellen positiv. Die Arzthelferin gibt mir auch gleich einen Termin fürs Krankenhaus in der nächsten Woche (Mittwoch, den 15.3.2017, um 8.30 Uhr). Heute Nachmittag um 17 Uhr kann ich dann in die Praxis kommen, um alles mit der Ärztin zu besprechen.
Ich denke mal, dass der Termin im Krankenhaus dazu dient, dort noch verschiedene Untersuchungen bei mir zu machen. Bisher wurde ja noch nicht einmal Blut bei mir abgenommen. Das müsste doch unbedingt gemacht werden, denke ich. Außerdem möchte ich erst einmal genau wissen, was gemacht werden soll. Also muss ich jetzt noch etwas Geduld haben, und beim Gespräch heute Nachmittag werde ich sicher noch Näheres erfahren.
Jetzt ist es Sicherheit: Ich habe Brustkrebs. War eben bei meiner Ärztin zum Gespräch, zusammen mit meinem Mann. Die Tumorzellen sind positiv. Das Gute an der Sache ist, dass man es operieren kann und der Krebs nicht gestreut hat (wahrscheinlich). Daher wird der Knoten schnellstens rausoperiert, und dann kommt die Bestrahlung. Hinterher eventuell noch eine Hormontherapie. Das alles entscheidet sich aber ganz genau nächste Woche, wenn ich im Krankenhaus bin. Dort wird man alles mit mir besprechen und noch einige Untersuchungen durchführen. Wahrscheinlich wird dann schon am nächsten Tag operiert. Ich lass mich also mal überraschen.
Die Ärztin fragte mich, ob ich Probleme hätte mit der Diagnose, ob ich etwas zur Beruhigung benötige. Ich verneinte, nein, wirklich, ich sehe es alles sehr gelassen, und mein Mann unterstützt mich mit seinem Humor. „Et kütt wie et kütt“, das ist unsere Devise, und man kann es nicht ändern. Sie war sehr beruhigt, wahrscheinlich hat sie schon so manchen Weinkrampf erlebt, was man natürlich auch verstehen kann. Aber ich habe tatsächlich kein Problem und hoffe, dass letztendlich dann doch alles gut wird.
Unsere Töchter habe ich inzwischen auch informiert, und witzigerweise kennt unsere Tochter in den USA eine Frau, die genau dieselbe Art Brustkrebs hatte. Sie wurde auch operiert, bekam Bestrahlung und Hormontabletten, und nun geht es ihr wieder sehr gut. Worauf sie mich dann noch aufmerksam machte, ist die Tatsache, dass bei einem hormonbedingten Krebs möglichst auf hormonhaltige Nahrungsmittel verzichtet werden sollte. Dazu zählen Milchprodukte jeglicher Art und Sojaprodukte wie Tofu usw. Milchprodukte esse ich schon lange nicht mehr, da ich mich vegan ernähre. Aber Sojaprodukte esse ich umso mehr. Da muss ich jetzt wohl umdenken und mir was anderes einfallen lassen. Ist aber kein Problem, es gibt genug Ersatz. Das kriege ich alles hin. Über diese hormonhaltigen Nahrungsmittel hatte mir vor Längerem schon meine Düsseldorfer Freundin etwas erzählt, die ja auch Brustkrebs hat. Sie soll diese Nahrungsmittel ebenfalls meiden. Das fällt ihr gar nicht schwer, da sie durch ihre Chemotherapie keinen Appetit mehr hat. Ich werde mich damit mal eingehend beschäftigen. Dank Internet ist das heute ja kein Problem mehr, und ich werde abgelenkt, sodass ich keine Zeit zum Grübeln habe.
Freitag, 10.3.2017
Als Erstes habe ich heute mal eine Aufstellung über die OPs gemacht, die bei mir in meinem Leben durchgeführt wurden. Außerdem eine Aufstellung über meine Allergien sowie meine behandelnden Ärzte. So habe ich alles zusammen, wenn ich danach im Krankenhaus gefragt werde bzw. ein Formular zu diesen Fragen ausfüllen muss.
Als Nächstes bin ich auf die Internetseite meiner Krankenkasse gegangen, um zu prüfen, was man tun muss, um eine Zweitmeinung einzuholen. Und siehe da, es war ganz einfach. Meine Krankenkasse bietet das sogar kostenlos an, und ich habe mich gleich per E-Mail dort angemeldet mit der Bitte, mich schnellstmöglich zurückzurufen. Es wird dort gesagt, dass man von Ärzten beraten wird, die auf dem allerneuesten Stand der Medizin sind, und schon sehr vielen Patienten dadurch geholfen wurde, die richtige Therapie bei ihrer Krankheit zu erhalten. Wenn sie auf das gleiche Ergebnis kommen, wie meine Ärzte, dann umso besser. Dann hat man eine Bestätigung, dass alles richtig gemacht wird. Ansonsten kann man sich noch immer anders und vielleicht sogar besser entscheiden. Bin gespannt, wann der Anruf kommt.
Der Rückruf kommt leider, als ich gerade nicht zu Hause bin. Aber man hinterlässt mir eine Telefonnummer und Namen, und so kann ich am Montag, den 13.3.2017 dort zurückrufen. Eine sehr nette Dame ist am Telefon, die mich gleich ausführlich informiert, wie das mit der Zweitmeinung abläuft. Zur Registrierung will sie mir dann 3 E-Mails schicken. Diese kommen auch kurze Zeit später bei mir an, und ich lese mir alles durch. Ich bekomme einen Benutzernamen und ein Passwort für meine Online-Akte, in die nur ich und die HMO AG (das ist der Online-Service für die Zweitmeinung) Einblick hat. Wenn ich bestimmten Ärzten Einblick gewähren will, kann ich das auch machen. So habe ich dann gestern als Erstes schon mal meine Ergebnisse der Mammografie und der Biopsie hochgeladen.
Was mich bei dem Telefongespräch sehr beruhigt hat, war die Tatsache, dass ich erfuhr, ich würde in zwei Tagen auf jeden Fall noch nicht operiert werden. Als Erstes wird in Göttingen ein ausführliches Gespräch geführt und weitere Untersuchungen vorgenommen. Erst wenn die Ärzte dort nach eingehender Besprechung wissen, was bei mir angesagt ist, dann wird ein Therapieplan erstellt und dieser mit mir besprochen. Dann weiß ich, was gemacht werden muss, und dann wird auch entschieden, wann was gemacht wird. Mit jedem Gespräch und jeder Auskunft wird für mich nun alles klarer.
Ich verstehe nicht, warum meine Ärztin mir sagte, ich solle auf jeden Fall schon mal meinen Koffer mitnehmen, es könnte sein, dass ich am folgenden Tag gleich operiert werde. Mein Mann hat es genauso gehört. Also so schnell geht es dann doch nicht. Ich habe noch genügend Zeit, um auch die Zweitmeinung zu hören und mich dann erst zu entscheiden, was ich machen will.
Abends ruft mich meine Freundin aus Düsseldorf an, die ja zurzeit eine Chemotherapie durchmacht. Bei ihr hat sich der Knoten, der anfänglich 5 x 7 cm groß war, schon verkleinert. Noch 6 Chemos, dann ca. 6 Wochen Pause und danach OP. Sie sagte mir dann auch, dass es bei ihr ca. 8 Wochen gedauert hat, bis die Therapie begann. Es wurden jede Menge Voruntersuchungen gemacht und Gespräche geführt, und dann musste sie erst mal das richtige Krankenhaus finden. In Düsseldorf war das relativ einfach, dort gibt es ein Brustzentrum. Wo nichts anderes gemacht wird. Also ist sie auch dorthin gegangen.
Unser nächstes Brustzentrum ist in Hildesheim. Aber heute früh habe ich im Internet nachgelesen unter Brust-OP in Neu-Bethlehem Göttingen und da hat es mich doch beruhigt zu lesen, dass an dieser Klinik kooperiert wird mit dem Comprehensive Cancer Center der Universitätskliniken Göttingen. Und sie nehmen teil an der interdisziplinären Fallkonferenz Tumorboard Mamma des Zertifizierten Brustzentrums der Universitätsfrauenklinik. Hört sich doch gut an. Also haben wir doch ganz in der Nähe schon beste Voraussetzungen.
Ich glaube, meine Ärztin hat mich doch ans richtige Krankenhaus verwiesen. Morgen werde ich die Ärzte dort kennenlernen, und dann sehen wir weiter. Bin schon sehr gespannt, was dann passiert. Aber ich bin tatsächlich komplett ruhig, seitdem ich weiß, dass nicht gleich operiert wird, sondern erst noch weiter untersucht und alles besprochen wird. So muss es doch auch sein.
Mittags habe ich dann sicherheitshalber doch noch mal in Göttingen angerufen und gefragt, ob ich irgendwas mitbringen muss. Ja, sagte man mir, die Bilder von der Mammografie und die Arztberichte. Super, sagte ich, die Bilder sind im Krankenhaus Herzberg. Ich werde versuchen, dort noch jemanden zu erreichen. Ich rief also dort an und hatte Glück, dass man mir die Bilder raussuchte und ich sie nachmittags abholen konnte. Hätte mir das meine Ärztin nicht gleich sagen können, dass ich die Aufnahmen für Göttingen brauche? Ich verstehe es nicht. Sie macht das doch sicher nicht zum ersten Mal. Im Gegensatz zu mir, ich habe zum ersten Mal die Diagnose Brustkrebs!!
Mittwoch, 15.3.2017
Heute war ich mit meinem Mann in Göttingen in der gynäkologischen Ambulanz des Neu-Bethlehem-Krankenhauses. Wir wurden sehr nett aufgenommen von den Arzthelferinnen und auch von der zuständigen Ärztin. Sie hat zunächst noch einmal nach allen möglichen Gesundheitsdaten gefragt und sich die Bilder der Mammografie sowie die vorhandenen Arztberichte aushändigen lassen. Dann ging es bei ihr auch zur Ultraschalluntersuchung. Sie kam auf dieselbe Diagnose wie meine Ärztin in Lauterberg. Danach erklärte sie uns, dass auf jeden Fall der Knoten rausoperiert werden muss. Gleichzeitig entnimmt man 2–3 Lymphknoten (inkl. Wächterlymphknoten). Diese werden während der OP entnommen und gleich untersucht. Sollten sie unauffällig sein, ist es okay. Sollte dort bereits ein Befall sein, werden die anderen Lymphknoten ebenfalls entfernt. Das können so bis 10 Stück sein.
Nach der OP muss dann aller Voraussicht nach bestrahlt werden. Genau entscheidet sich das aber erst nach dem OP-Befund. Vielleicht brauche ich keine Chemo, sondern nur eine Antihormontherapie. Das bedeutet dann, dass ich bis zu 10 Jahre lang Antihormontabletten schlucken muss.
Nächste Woche Mittwoch, am 22.3. muss ich zum Diagnostischen Brustzentrum Göttingen fahren (wir haben tatsächlich ein großes und modernes Brustzentrum in Göttingen, habe ich nicht gewusst!), wo bei mir noch eine MRT (Magnetresonanz-Tomografie) gemacht wird. Auf diesen Aufnahmen kann man noch deutlicher den Tumor erkennen und bestimmen. Dort werde ich dann auch noch nachfragen, ob ich nach unserem USA-Urlaub mit der Bestrahlung anfangen kann. Die Ärztin heute früh meinte, den Urlaub kann ich wohl vergessen. Aber im Internet habe ich gelesen, dass nach der OP sowieso erst einmal 4–6 Wochen vergehen, bevor man mit der Bestrahlung beginnt. Die Wunde muss erst völlig abgeheilt sein. Und wenn es da Komplikationen gibt, dann wartet man noch länger mit der Bestrahlung. Spätestens 7 Monate nach der OP muss man bestrahlt worden sein, um sicherzugehen, dass kein neuer Tumor oder Metastasen entstehen.
Auch habe ich mich im Internet informiert über unser Brustzentrum in Göttingen und erfahren, dass dort im Dezember 2016 das erste „Mamma-MRT“ in Deutschland in Betrieb genommen wurde. Das ist ein super Gerät, mit welchem man ohne Berührung der Brust ganz genaue Untersuchungen zur Vorsorge durchführen kann. Ja, so was würde ich auch unterstützen. Aber nicht das Gequetsche bei der üblichen Mammografie.
Für den 28.3.2017 habe ich nun schon den Termin für die OP bekommen. An diesem Tag muss ich um 8 Uhr früh im Krankenhaus sein, da dann Vorbereitungen für die OP am nächsten Tag getroffen werden. Ich muss noch mit dem Narkosearzt reden, und mir werden irgendwelche Flüssigkeiten in die Lymphknoten gespritzt, damit bei der OP alles sichtbar wird. So habe ich es verstanden. Keine Ahnung, war alles etwas viel auf einmal und kompliziert. Ich werde es ja sehen, wenn ich dann wirklich in zwei Wochen die OP machen lasse. Vorher werde ich noch die Zweitmeinung einholen, um zu sehen, was die dazu sagen.
Donnerstag, 16.3.2017
Heute habe ich die „Zweitmeinung“ informiert über alle neuen Daten und Informationen. Die Dame am Telefon hat sich alles notiert und mir gesagt, dass sie es weitergibt und sich wieder meldet.
Die Dame von der Zweitmeinung hat sich Freitag, den 17.3.2017 bei mir gemeldet und mir gesagt, dass sie alle Informationen von mir weitergeleitet hat und sich verschiedene Ärzte beratschlagen. Ich werde sehr wahrscheinlich schon mal am Montag Bescheid bekommen, zu welchem Ergebnis sie bezüglich der Bestrahlung (Beginn) gekommen sind. Also werde ich da erst einmal wieder warten, bis sie sich bei mir melden. Es hat immer alles mit sehr viel Warten zu tun, das habe ich nun schon gemerkt. Kann also alles gar nicht so eilig sein. Ob ich heute oder morgen oder nächsten Monat operiert werde, ist anscheinend nicht so wichtig. Es handelt sich ja um einen langsam wachsenden Tumor, da kann wohl nicht viel passieren. Es muss eben einfach in einem bestimmten Zeitrahmen passieren. Okay, habe ich inzwischen verstanden.
Samstag, 18.3.2017
Gestern hat mir mein Bruder mitgeteilt, dass er nächste Woche auch wieder ins Krankenhaus muss. Die Ärztin hat auf dem Ultraschall einen ca. mandarinengroßen Knubbel entdeckt, an der Brustseite. Und der muss raus, der gehört da nicht hin. Ist schon ein Krampf, wenn man einmal was hat, kommt garantiert auch bald das Nächste. Mein Bruder sieht es locker, aber ob es nun bös- oder gutartig ist, weiß man erst, wenn der Knubbel raus ist und untersucht wurde. Bei seiner Vorgeschichte ist man da natürlich etwas vorsichtig mit Prognosen. Mal sehen, was sich daraus ergibt. Hoffentlich nichts Schlimmes.
Montag, 20.3.2017
Heute ist Frühlingsanfang, und da das Wetter ziemlich trüb ist, fühle ich mich auch nicht so wohl. Mein Nacken schmerzt seit Längerem, und so habe ich heute Morgen eine Ibuflam-600-Tablette eingenommen. Bereits eine halbe Stunde später sind die Schmerzen fast weg. Ich bin allerdings den ganzen Tag schon sehr müde, wahrscheinlich Frühjahrsmüdigkeit, und so lege ich mich mittags für 1 Stunde auf die Couch, wo ich fest einschlafe. Ein paar wirre Träume machen mich dann wieder wach. Anschließend raffe ich mich auf und gehe mit unserem Hund Charly nach draußen für einen Spaziergang. Das tut sehr gut. Die frische Luft und die Bewegung wirken doch sehr positiv.
Um 18 Uhr klingelt dann auf einmal das Telefon, und dran ist die nette Dame von der Zweitmeinung. Sie klingt sehr fröhlich und eröffnet mir auch gleich, dass sie mir die Mitteilung machen kann, mein Urlaub sei gerettet. Ich kann beruhigt in die USA fliegen. Aufgrund der bereits vorhandenen Diagnosen und Unterlagen, die ihren Ärzten vorliegen, kann sie mir sagen, dass es reicht, wenn ich die Bestrahlung spätestens 12 Wochen nach der OP vornehmen lasse. Und so wie es aussieht, ist eine Chemotherapie nicht notwendig. Aber ein endgültiges Ergebnis will man mir dann mitteilen, wenn ich den OP-Bericht an sie gesandt habe. Dann weiß man dort genau, was sinnvoll und notwendig ist.
Na, das ist doch mal eine gute Nachricht! Ich brauche meinen Urlaub nicht abzusagen, sondern kann mit meinem Mann zu unserer jüngeren Tochter und unserem Enkel fliegen! Das gibt mir direkt wieder neuen Mut und Aufschwung. Ich freue mich so sehr, dass ich natürlich gleich unseren beiden Töchtern die gute Nachricht per WhatsApp mitteile. Die Antwort der beiden lässt nicht lange auf sich warten. Sie schicken mir Herzchen und Glückwünsche und wünschen mir nun für die OP alles Gute.