Der König der Tiere - Jürgen Lippe - E-Book
Beschreibung

Blödsinn meets Tiefsinn – ein brillanter Spagat wie ihn nur Jürgen von der Lippe beherrschtJürgen von der Lippes Humor ist Kult – bei Lesern und Zuhörern. Und weils so schön war mit den „Balladen“, gibt es jetzt über 60 brandneue Geschichten: zum Lachen, Schmunzeln und gepflegten Sinnieren. In ihnen kombiniert der Autor Kalauer und Witze mit Philosophie und Sprachkritik und erzählt ebenso lustig wie hinterlistig von Kampf der Geschlechter, vom lieben Gott und der heilen wie unheilen Welt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl:251


Das Buch

Schwere Zeiten für den Löwen, denn bei der Wahl zum »König der Tiere« wird ihm von der Mehrzahl der anwesenden Vegetarier bescheinigt, dass »für uns nur ein König infrage kommt, der keine Untertanen frisst«. Kommt der alte Macho aus der Nummer noch mal raus, oder triumphiert der Elefant mit seinem Wahlkampfmotto »Ich lasse bei einer Entleerung 30 Kilo fallen«?

Immer böse, immer gnadenlos und immer pointensicher: In über 60 brandneuen Geschichten erzählt Jürgen von der Lippe ebenso lustig wie hinterlistig vom Kampf der Geschlechter, vom lieben Gott und der heilen wie unheilen Welt.

Der Autor

Jürgen von der Lippe, Jahrgang 1948, ist seit Jahrzehnten als erfolgreicher Meister humoristischer Feinarbeit und Moderator auf Bühnen und im Fernsehen unterwegs. Er lebt in Berlin und ist unter anderem Träger des Bambi, des Grimme-Preises und der Goldenen Kamera. Sein letztes Buch »Beim Dehnen singe ich Balladen« stand wochenlang auf der Bestsellerliste.

Außerdem von Jürgen von der Lippe lieferbar:

Beim Dehnen singe ich Balladen

Der Krankentröster

Kerzilein, kann Weihnachten Sünde sein?

Das witzigste Vorlesebuch der Welt

Weitere Informationen zu unserem Programm unter www.knaus-verlag.de

Umschlaggestaltung: Sabine Kwauka, München

Jürgen von der Lippe

Der König der Tiere

Geschichten undGlossen

Mit einer eingeschmuggelten Geschichte von Torsten Sträter

Knaus

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

1. Auflage

Copyright © 2017 beim Albrecht Knaus Verlag

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

© der eingeschmuggelten Geschichte: Torsten Sträter

Lektorat: Matthias Bischoff

Umschlaggestaltung: Sabine Kwauka

Umschlagfoto: Pavel Kaplun

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-19265-5V001www.knaus-verlag.de

Inhalt

Vorwort

Heute schon prokrastiniert?

Abberpuppenarmwiederdranmachzauberspruch

Der Probelieger

Abendbrottod

Aberglaub und Bankenraub

Sandkastenliebe

Alliteration

Alter Witz in neuem Glanz

gutefrage.net

Altruismus muss

Der Ausreden-Dealer

Bauernkriege

Benimm

Birke

Alkohol

Carpe diem

Comedy und Politik

Auto

Das Tagebuch schlägt zurück

Der Arztbesuch

Der Autoverkäufer

Der stärkste Mann der Welt

Versteckte Kamera, die 100ste

Die Außerirdische

Die Bahnsteigmasche

Die Welt ist eine Bühne

Ein galaktischer Knall

Experten

Fremdkörper ziehen sich an

Creative Writing

Frühstück im Bett: Kenia

Frühstück im Bett: Wespe unterm Kleid

Frühstück im Bett: Dort, wo die hübschen Fichten nicken

Gebrüder Grimm reloaded

Das rechte Wort zur rechten Zeit

Gynäkomastie

Haare am Hintern hinterfragen

Ich bin ein Neurosenbündel

Interview and me

Liebe, Mord und Streuselkuchen

Zeitgeist und Flirt

Male

Mein Psychotherapeut

Meine Biografie

Nach dem Schmerz ist vor dem Schmerz

Nie erschienen

Ödipus

Religion

Russisch Tortelett

Schneeballsystem

Sex und Humor

Sexfremdwörter

Sheldonismen

Sprache als Freudenquell

Supermarkt ist super

Von Mensch zu Mensch

Erhöhter Gesprächsbedarf

Vorsicht vor Frauen!

Welches Wissen wann wem wohltut

Wenn Altsprachler träumen

Wie Musik mir durch die Kindheit half

Zeitung sei Dank

Triple-S

Weihnachtshasserabend

Der König der Tiere

Vorwort

Obwohl die physiologischen Segnungen des Lachens zahlreich und nicht anzweifelbar sind, muss ich Sie aus gegebenem Anlass vor der Lektüre dieses Buches und dem Anhören des zeitgleich erscheinenden Hörbuchs warnen. Eine Dame, 64, Krankenschwester, schickte mir eine Mail, die ich auszugsweise zitiere: »… Auf der Rückfahrt aus dem Urlaub hörten meine Freundin und ich eine CD mit deinen Liedern, und ich musste derart lachen, dass in meinem Hirn ein Blutgefäß zumachte und ich eine ›Lach-Synkope‹ erlitt. (Ja, das gibt’s wirklich.) Ich sah nichts mehr, ich hörte nichts mehr, auch nicht das panische Geschrei von meiner Freundin, und im Kopf tauchte so ein schwammig-dumpfes Gefühl auf. Ich hatte das Lenkrad fest in Händen, den Fuß fest auf’m Gas und fuhr blind und quasi ohne Bewusstsein immer wieder gegen die Betonbegrenzungen auf dieser Brücke, wir wurden zurückgeschleudert und sind wieder und wieder dagegengedonnert. Endlich, am Ende der Brücke, kam ich halbwegs zu mir und konnte das Auto zum Stehen bringen.… Jedenfalls hab ich jetzt ein kaputtes neues Auto mit gebrochener Hinter- und Vorderachse, kaputter Antriebswelle und zwei völlig zerfetzten Reifen. Nur wegen dir! Die Konsumenten deiner CDs sollten im Idealfall daheim im Sessel sitzen, und wenn sie dann vor lauter Lachen in Ohnmacht fallen, hat’s der Notarzt auch ’n bisschen leichter, an sie ranzukommen.«

Natürlich habe ich »Synkope« gegoogelt und Folgendes gefunden: Vorübergehende, kurze Bewusstlosigkeit durch eine Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und/oder Glukose. Je nach Ursache unterscheidet man unterschiedliche Formen: Die vasovagale Synkope entsteht durch Schreck, Angst und Hysterie und entspricht wohl am ehesten der landläufigen Vorstellung von Bewusstlosigkeit. Der Betroffene fällt in Ohnmacht, weil sein autonomes Nervensystem durch plötzlichen Blutdruckabfall die Gehirndurchblutung unterbricht. Eine orthostatische Synkope erleiden Menschen mit niedrigem Blutdruck, wenn nach längerem Stehen das Blut in den Beinen versackt. Erste Anzeichen sind Übelkeit, Schwäche, Frieren, Sehstörungen und Schwindel. Auch Urinieren (Miktionssynkope), Lachen (Lachsynkope), Husten (Hustensynkope) oder das Betätigen der Bauchpresse können Synkopen auslösen.

Es ist also allerhöchste Vorsicht angebracht, wenn Sie beim Pinkeln dieses Buch lesen, lachen und dabei noch husten müssen!

Heute schon prokrastiniert?

Wer von Ihnen leidet an Prokrastination? Es bedeutet: Verschieben, Aufschieben von anstehenden Aufgaben, Tätigkeiten. Man kennt es auch als Studentensyndrom. Das ist ein bisschen gemein, hat aber damit zu tun, dass das Phänomen bisher hauptsächlich an Studenten untersucht wurde. Aufschieberitis ist eine hübsche Eindeutschung. Sie ist auch schon Gegenstand von Aphorismen. So sagt Sir Peter Ustinov: »Die Menschen, die etwas von heute auf morgen verschieben, sind dieselben, die es bereits von gestern auf heute verschoben haben.« Und Pierre Richard (wir erinnern uns: der große Blonde mit dem schwarzen Schuh) rückt das Thema endgültig in den Bereich der Comedy, wo es eigentlich hingehört: »Warum etwas auf morgen verschieben, was man genauso gut auf übermorgen verschieben kann?« Aufschieben allein beschreibt das Phänomen aber nicht: Für die Komik ist genauso wichtig, dass man etwas anderes stattdessen tut, von dem man sich einreden kann, dass es in diesem Moment wichtiger ist. Tatsächlich bereitet es einem nur mehr Vergnügen, ist weniger anstrengend oder nicht so sehr mit der Gefahr des Scheiterns verbunden, wie das, was man da gerade vor sich herschiebt. Als Beispiel könnte ich erzählen, wie dieser Text entstanden ist. Ich hatte seit Wochen vor, ihn zu schreiben, und dachte eines Tages: So, heute aber, sofort nach dem Frühsport fängst du an. Nun habe ich in meinem Sportraum einen großen Fernseher. Ich wusste gar nicht, dass VIVA so tolle Musik sendet, und Gaby Dohm ist eine ganz tolle Schauspielerin, und Harald Schmidt erst auf dem Traumschiff! Wahnsinn, fünfzehn Kilometer bin ich noch nie gelaufen! So, jetzt schnell duschen und frühstücken, der Text nahm in meinem Kopf schon Gestalt an. Zu dumm, kein Brot mehr im Haus.

Wenn ich sowieso schon aus dem Haus muss, kann ich auch gleich fürs Abendbrot einkaufen. Ich arbeitete also meine zwei neuesten Kochbücher durch, entschied mich für Spaghetti bolognese, machte meine Einkaufsliste und dackelte los. Vor dem Supermarkt traf ich eine alte Bekannte, die ich lange nicht gesehen hatte. Sie wirkte traurig. Ich sagte: »Alles in Ordnung mit dir?«, und sie fing gleich an zu weinen. Wir gingen also ins Café nebenan, und sie erzählte, dass ihr Freund sie nach sechs Jahren wegen einer Jüngeren verlassen hätte. Zwischendurch rief meine Frau an und fragte, ob ich abends mit ihr ins Kino gehe. Ich sagte: »Du, heute ist schlecht, ich muss einen Text fertig machen, der mir schon lange auf den Nägeln brennt, und da brauch ich open end zum Schreiben.«

»Wo bist du gerade?«, fragte sie.

»Im Café, frühstücken.«

»Bist du allein?«

»Ja, das heißt, nein, ich hab die Lisa getroffen, eine alte Freundin, der geht es nicht …«

Dann war plötzlich die Verbindung unterbrochen. Nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen, aber wahrscheinlich. Frauen sind so rücksichtslos, werden bei jeder Gelegenheit eifersüchtig, vorzugsweise auch ohne Grund, und denken keinen Moment darüber nach, dass das einen Autor massiv am Schreiben hindern kann. Ich habe mir dann Lisas Geschichte zwei Stunden lang angehört, wir waren inzwischen von Kaffee zu Wein gewechselt, und dann dachte ich, jetzt hab ich sie so weit stabilisiert, dass ich einkaufen und dann endlich schreiben kann, ging aber nicht. Wir haben dann zusammen eingekauft, gekocht und waren danach im Kino.

Am nächsten Tag bin ich extra früh raus, da ziept irgendwas im hinteren Backenzahn. Mein Zahnarzt nahm mich dann als Letzten noch dran um 11.30 Uhr. Wenn die Möglichkeit einer Kieferoperation wie ein Damoklesschwert über einem hängt, ist natürlich an Arbeit nicht zu denken. Mein Zahnarzt fand dann aber nichts, auch beim Röntgen nicht, hat alles sauber gemacht und gut war’s. Die Erleichterung verlieh meiner Fantasie Flügel; ich hatte den Laptop in weiser Voraussicht dabei und ging gleich in mein Lieblingscafé. Das machen fast alle Autoren, eine andere Umgebung fördert die Kreativität, es ist ein bisschen, als ob man Publikum hätte, und oft genug schnappt man Gesprächsfetzen auf, die kolossal inspirierend wirken können. Zum Beispiel die Frau am Nebentisch, die per Handy mit ihrer Tochter redet, die offenbar gerade Mutter geworden ist und Probleme beim Stillen hat. Es geht um wundgebissene Nippel und Milchpumpen, beides nicht meine Kernkompetenzen und bringt mich auch beim Thema Prokrastination nicht weiter. Ich notiere mir aber in meinem Ideen-Ordner: Geschichte zum Thema Ablenkung durch Gespräche an Nachbartischen. Dabei fällt mir natürlich die Szene aus Harry und Sally ein, wo die Dame am Nebentisch nach Meg Ryans gefaktem Orgasmus bei der Kellnerin »dasselbe wie die junge Dame« bestellt. Zufällig habe ich den Film auf meinem Netbook und hab mir die Szene gleich noch mal angeguckt. Ich hatte die Lautstärke wohl ein bisschen zu hoch eingestellt, die Kellnerin kam und rief mich zur Ordnung. Ich rief umgehend ein Word-Dokument auf, und noch ehe ich überhaupt angefangen habe, über eine Überschrift nachzudenken, machen sich die drei Finger, mit denen ich immer tippe, selbständig und schreiben: »Heute schon prokrastiniert?« Toll, die Magie ist mit Händen greifbar, wenn ich das Café verlasse, wird die Welt um eine Glosse reicher sein. Mein Handy klingelt. Ein befreundeter Autor: »Hast du gerade Zeit, ich würde gern mal wieder ein bisschen quatschen!«

»Du, das ist ganz schlecht, ich sitze an einem Text, der heute fertig werden muss.«

»Das bewundere ich an dir, du bist so wahnsinnig diszipliniert, das geht mir völlig ab, ich lass mich so leicht ablenken und schiebe Dinge vor mir her, ich glaub, das war auch mit ein Grund, dass ich gerade einen dicken Auftrag verloren habe. Mir geht’s echt nicht gut.«

Ach du lieber Himmel, aus der Nummer komm ich nicht raus, wenn’s einem Freund dreckig geht, hat das Vorrang. Und offensichtlich hat er ja auch ein Prokrastinationsproblem, vielleicht springt ja noch was für meinen Text raus. Ich sage ihm die Adresse vom Café, und während ich warte, ruft meine Frau an und sagt, ich bräuchte mich nicht mehr zu bemühen, sie hätte sich den Film mit einer Freundin angeguckt. Warum mir dann rausrutschte: »Ist ja witzig, ich auch!«, wissen die Götter, da kommt wohl noch Beziehungsarbeit auf mich zu. Aber jetzt ist erst mal der Kumpel dran.

Er kam dann noch angeschlagener als vermutet. Wir bestellen Wein, essen verschiedene Kleinigkeiten, wechseln dann in eine Bar und besaufen uns. That’s what friends are for. Als ich am nächsten Tag nach zwei Aspirin plus C wieder denken kann, fällt mir auf, dass ich meinen Computer wohl in dem Café vergessen habe. Na gut, frühstücken muss ich sowieso, dann kann ich dabei gleich an meiner Glosse weiterschreiben. Ich werde direkt von der Kellnerin in Empfang genommen: »Sie haben Ihr Netbook auf dem Tisch liegen lassen, ich habe die Überschrift gesehen: ›Heute schon prokrastiniert?‹; wir behandeln das Thema gerade im Studium, und ich habe einfach mal was geschrieben. Sie können es ja löschen.«

Hab ich nicht.

Abberpuppenarmwiederdranmachzauberspruch

Letztens fand ich in der Grabbelkiste eines vor der Schließung stehenden Hundesalons einen Stoffaffen, dessen Arme und Beine mit Klett am Körper hafteten, also ganz leicht abreißbar waren. Warum das für einen Hund lustig sein soll, weiß ich nicht, aber vor meinem geistigen Auge lief sofort ein lustiger Film ab. Ich sah mich mit dieser Puppe erstaunliche pädagogische Wirkungen erzielen, tröstende, aber auch komische und nicht zuletzt kathartische.

Einem Kind, das sich gerade den Fuß verstaucht hat, könnte man sagen: »Das ist schlimm, aber guck dir diese Puppe an, der wurden bei einem Autounfall beide Arme abgerissen, ratsch, ratsch, der Affe kann sich nicht mehr den Popo abputzen, das ist mal Scheiße.« Oder wenn ein unversehrtes Kind eine freche Antwort gibt, kann man sagen: »Weißt du, was mit Kindern passiert, die eine freche Antwort geben? Die werden überfahren und haben nur noch ein Bein, ratsch, willst du das?«

Will ich hingegen dem kranken Kind ein Lächeln aufs Gesichtchen zaubern, frage ich: »Möchtest du diese Gute-Laune-Puppe haben? Ein Kind, das diese Puppe hat, hat immer gute Laune. Dann hol sie dir, ich ziehe sie immer weg, aber wenn du schnell genug bist, kannst du es schaffen.«

Das Kind ergreift die Puppe, ich halte den Arm fest, und er ist ab. Jetzt kann man sagen: »Ja toll, jetzt hast du sie kaputt gemacht, weißt du eigentlich, was die Puppe gekostet hat? Fünfundzwanzig Euro! Die ist jetzt zu fünfundzwanzig Prozent versehrt, wie viel ist fünfundzwanzig Prozent von fünfundzwanzig Euro? Häh? Sechs Euro fünfundzwanzig, und die hätte ich gerne von dir, denn ich kann die Puppe ja nicht mehr zum vollen Preis verkaufen. Ja, jetzt heulst du! Komm, das war ein Scherz, hier, der Arm geht ganz leicht wieder dran, siehst du? Die Puppe ist wieder heil. Möchtest du sie jetzt haben? Gut, das macht dann fünfundzwanzig Euro. Hast du nicht? So ein Pech aber auch. Ich hau jetzt ab und mache ein anderes Kind froh, das sich nicht so doof anstellt wie du.«

Das war natürlich ein Scherz! In Wirklichkeit sage ich zu dem kranken Kind: »Ich wollte dir eine Puppe mitbringen, und auf dem Weg zum Krankenhaus musste ich durch einen Park, dort hat mich ein großer böser Hund angesprungen, hat die Puppe geschnappt, ich wollte sie am Arm festhalten, da ist der abgerissen. Ich habe dann den Hund mit Pfefferspray besprüht und ihn zum Abschied noch in die Klöten getreten, da hat er die Puppe fallen lassen, und so konnte ich sie retten. Und um sie wieder heil zu machen, brauchen wir einen Zauberspruch. Willst du es mal versuchen? Kennst du einen Abberpuppenarmwiederdranmachzauberspruch?«

Und dann wird das Kind sich irgendeinen Unsinn ausdenken, diesen daherplappern – und zack, ist der Arm wieder dran. Und ich sage dann: »Jetzt kannst du dir ganz viele Geschichten ausdenken, wie die Puppe in die furchtbarsten Situationen gerät und Arme und Beine dabei verliert, du hast jetzt deinen Zauberspruch und kannst sie immer wieder heile machen!«

Ist das toll?

Und das Kind strahlte, wie nur Kinder strahlen können. Na ja, einen kleinen Wermutstropfen gab es denn doch: Das Kind hatte keine fünfundzwanzig Euro.

Der Probelieger

»Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?«

»Danke, ich schau mich nur um.«

»Aber wir sind ein Beerdigungsinstitut!«

»Ich weiß, mir wäre ein C&A auch lieber gewesen, aber Sie sind nun mal das einzige Geschäft in dieser Straße, in dem man sich umschauen kann.«

»Verzeihen Sie, aber ich finde es einigermaßen irritierend, wenn sich jemand ohne irgendeinen konkreten Anlass in einem Beerdigungsinstitut umschaut.«

»Es wäre Ihnen also lieber, wenn meine Frau gestorben wäre?«

»Nein, selbstverständlich nicht!«

»Oder mein Kind?«

»Wie können Sie so etwas annehmen?«

»Dann sind wir uns ja einig. Ich bin auch froh, dass meine Frau noch lebt, und ein Kind haben wir nicht.«

»Das tut mir leid!«

»Muss es nicht, wir wollten keins. Es hat nicht in unsere gemeinsame Lebensplanung gepasst. Präziser formuliert: in meine.«

»Verstehe.«

»Wieso das denn? Das können Sie gar nicht verstehen. Sie kennen mich doch gar nicht!«

»Natürlich nicht.«

»Ich hasse Kinder, sie kosten Geld, beanspruchen jede Menge meiner kostbaren Zeit, machen einem nur Probleme, und wenn sie einem die besten Jahre des Lebens gestohlen haben, gucken sie einen mit dem Arsch nicht mehr an und lassen einen verrecken. Apropos, was kostet dieser dunkelbraune Sarg und was für ein Holz ist das?«

»Eiche, ein wunderschönes Stück und er kostet dreitausendzweihundert Euro.«

»Das ist ja dann doch sehr happig, dafür, dass die Leute ihn nur einmal kurz während der Beerdigung sehen, was kostet der billigste?«

»Das wäre dann dieses Modell, Kiefer, das helle Holz wirkt auf manche freundlicher als dunkles …«

»Ich denke, dass jedes Holz auf einen Toten gleich wirkt, nämlich gar nicht, was kostet der Schaden?«

»Vierzehnhundert Euro.«

»Na sieh mal einer an, achtzehnhundert weniger, dafür kann man es im Puff noch mal ganz schön krachen lassen, darf ich mal Probe liegen?«

»Das überrascht mich jetzt ein wenig …«

»Das sagte Eva auch, als sie Adams erste Erektion sah, helfen Sie mir mal mit dem Deckel!«

»Sie wollen wirklich …?«

»Genau, ich möchte mir ein exaktes Bild machen, wie ich die Zeit verbringe, die mir die Würmer lassen, und machen Sie den Deckel richtig drauf!«

Wenige Minuten später betrat ein älteres Paar das Geschäft.

»Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?«

»Es ist wegen unseres Vaters …«

In diesem Moment klopfte es von innen an den Sarg, und man hörte: »Hey, ich will raus!«

Der Notarzt konstatierte bei beiden Senioren einen zeitgleichen Herzstillstand, die Hinterbliebenen betrauten den Bestatter der Einfachheit halber mit der Abwicklung. Also praktisch drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Seitdem beschäftigen immer mehr Beerdigungsinstitute unter der Hand Probelieger.

Abendbrottod

Dies ist weniger eine Geschichte, eher ein Gesellschaftsspiel. Ich werde Ihnen nach der Lektüre eine Frage stellen.

Das kennt jeder: Sie sitzen mit Ihren Gästen beim Essen, als Vorspeise gab es Chaat, ein indisches Gericht aus mit Tamarindenmus, Steinsalz und Cumin gewürztem Joghurt, Stücken von Kartoffeln, Fladenbrot und Gemüsen, dann eine köstliche rote Linsensuppe nach einem Rezept von Kolja Kleeberg und dann orientalisch gewürzte Hackbratenscheiben mit einem Curry aus Mango und Schmorgurke, und plötzlich befiehlt Ihnen eine innere Stimme, einen der Gäste zum Tode zu verurteilen, und zwar innerhalb der nächsten zwei Stunden. Sie können sich natürlich auch selbst bestimmen, aber niemand würde von dieser altruistischen Handlung erfahren, und dann macht es eigentlich keinen Spaß, oder? Auch über die Art und Weise des Ablebens wissen Sie nichts, von Herzschlag über anaphylaktischen Schock bis hin zum Selbstmord ist alles drin. Der Tod wird auch nicht auf der Stelle eintreten, das würde ja Stress für Sie bedeuten, sondern irgendwann innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden. Sie müssen auch nichts sagen, so was wie: Ene mene muh und raus bist du. Sie müssen es nur denken. Ich will, dass diese Person stirbt. Sie gehen also die anwesenden Personen durch und versuchen herauszufinden, ja was? Platt gesagt: auf wen Sie am ehesten verzichten können, aus Ihrer ganz persönlichen Sicht.

»Gibst du mir mal das Brot rüber?«, reißt Robert Sie aus Ihren Überlegungen. Kein Bitte, kein Danke, stattdessen wendet er sich an seine Tischnachbarin zur Rechten (richtig erkannt, Sie sitzen links von Robert) und redet mit vollem Mund auf sie ein, mit vollem, ständig halb geöffnetem Mund wohlgemerkt, sodass man den Speisen bei der Breiwerdung zusehen kann, und wenn es nicht so gut läuft, auch schon mal das eine oder andere Bröckchen ins Auge oder dessen Peripherie bekommt. Robert ist Ihnen eigentlich von Herzen unsympathisch, aber er will Ihr Theaterstück inszenieren und ohne ihn läuft nichts.

Roberts Nachbarin, Elisabeth, ist keine wirklich schöne, aber eine sehr sinnliche Frau, die aus ihrer Bereitschaft zu voraussetzungslosem Sex kein Hehl macht, aber ausgerechnet Sie, wahrscheinlich als einziges Mitglied dieser Runde, schon zweimal hat abblitzen lassen. Für einen dritten Versuch sind Sie zu stolz, was Ihre Lenden jedoch hartnäckig ignorieren. Ihnen gegenüber sitzt Wolf, Autor und Schauspieler, der sich ständig Notizen macht, in der auch häufig ausgesprochenen Hoffnung, den Gedanken, Satz oder Dialog irgendwann verwerten zu können. Wolf hat Ihnen mal eine Rolle versprochen und dann doch nicht gegeben, obwohl Sie das Geld sehr gebraucht hätten, dafür hat er Ihnen bei Ihrem Stück sehr geholfen, und er schläft mit Ihrer Lebensabschnittsgefährtin, was diese bei Laune hält, denn dazu haben Sie schon lange keine Lust mehr. Ach ja, Ihre Partnerin sitzt neben Wolf, und wenn der nicht gerade schreibt, fummeln die beiden unter dem Tisch. Wie bitte? Richtig, Wolf ist Linkshänder, fein beobachtet.

Der Letzte in der Runde ist Hagen, ein schwerreicher Industrieller, der einen Narren an Theaterleuten gefressen hat und gern den Mäzen gibt. Sie schulden ihm mittlerweile circa dreißigtausend Euro. Jetzt werden Sie, schlichtes Gemüt, das Sie sind, wahrscheinlich sagen: »Das ist doch einfach, ich lasse Hagen verschwinden und bin meine Schulden los.« Aber erstens existiert ein Schuldschein, und der gehört zur Erbmasse, zweitens hat Hagen so viel Kohle, dass da noch sehr viel mehr für Sie drin ist, und drittens haben Sie eine Affäre mit Hagen, Sie sind nämlich bi, das hatte ich ganz vergessen zu erwähnen.

Und hier kommt die Frage: Was macht Sie so sicher, dass Sie männlichen Geschlechts sind?

Aberglaub und Bankenraub

Der Mann blickte um sich, holte eine Ganzgesichtswollmütze mit Augenschlitzen aus dem Rucksack, setzte sie auf, öffnete die Tür zu der kleinen Bankfiliale, nahm eine Pistole aus der Tasche und rief: »Das ist ein Überfall, Hände hoch und keine Mätzchen!«

Niemand befolgte die Anweisungen, denn es war niemand da. Weder ein Kunde noch ein Bankangestellter. Irritiert rief der Bankräuber: »Hallo, ist hier jemand? Bedienung!«

Eine Angestellte kam aus einem Büro, wahrscheinlich dem des Filialleiters, ordnete ihre Kleidung, sah den Bankräuber und sagte: »Ja, wen haben wir denn da?«

»Wonach sieht’s denn aus, Osterhase, Weihnachtsmann, Jeanne d’Arc … Janine?«

»Ja, so heiße ich wohl, aber wer sind Sie?«

»Ich bin Tony Rostinger aus der 10a, mit dem du bei der Klassenfahrt nach Avignon deine erste Tüte geraucht hast!«

»Ja, ich erinnere mich, mir ist sie gut bekommen, aber du hast mir den Schlafsack vollgekotzt, Rotwein und Eiersalat, ich seh’s noch vor mir, aber nimm doch mal die blöde Mütze ab!«

»Geht nicht, wegen der Überwachungskameras, dann kann mich die Polizei doch identifizieren!«

Auf Janines Stirn bildete sich eine steile Falte. »O. k.«, sagte sie, »das leuchtet ein, wie ist es dir denn so ergangen?«

»Du, super, ich habe Verschiedenes ausprobiert, im Moment raube ich Banken aus.«

»Und kann man davon leben?«

»Wenn man auf dem Boden bleibt und die Ansprüche nicht zu hoch schraubt, ist es total o. k. Du, das war super, dass wir uns mal wieder gesehen haben, du siehst immer noch toll aus, ich war ja total verschossen in dich, aber du wolltest irgendwie nicht, woran lag es eigentlich?«

Unmerklich hatte Tony seine Waffe gehoben, die nun auf Janines Zwerchfell zeigte. »Ich glaube, das hast du dir nur eingebildet, ich fand dich eigentlich süß, trotz der vorstehenden Zähne, oder vielleicht gerade deswegen«, Janine lachte hektisch, »und … gut … die Sache mit der Kotze und meinem Schlafsack, kennst du so was, immer wenn man jemanden sieht, steigt einem der Geruch in die Nase, mit dem man ihn verbindet, das nennt man olfaktorisches Gedächtnis, wenn man zum Beispiel seine Oma sieht, und man riecht plötzlich die Kekse, die sie einem als Kind gebacken hat.«

»Ich hätte dir auch gern Kekse gebacken«, sagte Tony traurig. »Ich hab schon als Kind von meiner Mutter backen gelernt, aber wahrscheinlich hättest du dann auch gesagt: Ihh, die Kekse riechen nach Kotze.« Tony schluchzte einmal trocken auf, schnäuzte sich in seine Maske. »Gut, kommen wir zum geschäftlichen Teil, es muss ja weitergehen, ich hätte gern fünftausend Euro.«

»Hast du denn ein Konto bei uns?«

»Janine, jetzt werd nicht albern, ich riech vielleicht nach Kotze, aber ich bin nicht bescheuert, ich bin ein Bankräuber und würde gern fünftausend Euro rauben, jetzt und hurtig, bitte.«

»Gibt’s Probleme, Mäuschen?«, hörte man in diesem Moment eine sonore Stimme aus dem Chefbüro fragen.

»Nein, Puschel, alles im Griff, Cliff!«, rief Janine gewollt fröhlich und machte sich am Kassenautomaten zu schaffen.

»Aha, Mäuschen, Puschel, da hat wohl jemand Sex mit Abhängigen, du weißt, dass du deinen Boss dafür in die Pfanne hauen kannst?«, fragte Tony, »soll ich ihn mir mal vorknöpfen?«

»Nein, bloß nicht, Tony, da ist nichts, wir pflegen alle so einen lockeren Ton hier in der Filiale.«

»Aha, wo sind denn die anderen?«

»Welche anderen?«

»Du hast doch gesagt, ihr pflegt alle einen lockeren Ton!«

»Ja, alle beide, aber jetzt hab ich so viel von mir erzählt, wie bist du eigentlich zur Bankräuberei gekommen?«

»Ach, das ist eine witzige Geschichte: Ich war bei einer Wahrsagerin, und die guckt in ihre Kugel und sagt: ›Ich sehe, dass Sie in Kürze zu fünftausend Euro kommen werden, von denen Sie mir tausend abgeben.‹ Und dann hat sie mir von ihrer Tochter erzählt, die in einer Bankfiliale arbeitet und mit dem Chef rummacht, obwohl sie ihn nicht mag, und die Geschichte von Tony, der ihrer Tochter in den Schlafsack gekotzt hat, den sie trotzdem gerne wiedergesehen hätte, tja, und da bin ich. Ist also praktisch vorherbestimmt, was wir hier machen, irgendwie unheimlich, oder?«

»Ja, sehr«, sagte Janine und händigte Tony fünftausend Euro aus. »Grüß meine Mutter schön, wenn du ihr die tausend gibst, und sag ihr, das hat ein Nachspiel, aber was ist jetzt mit uns, Tony?«

»Janine, du Dummchen, ich bin nicht Tony, glaubst du, ich setz mir den Hut mit dem Hammer auf? Ich hab die Geschichte, die mir deine Mutter erzählt hat, nur benützt, mein richtiger Name tut nichts zur Sache, und die tausend Euro kriegt sie natürlich auch nicht! Tschüssikowski, war schön, Geschäfte mit dir zu machen, und grüß Puschel!«

Kichernd lief der Bankräuber aus der Bank und der Polizei in die Arme, die dort schon wartete, denn Janines Mutter, die Wahrsagerin, hatte sie natürlich informiert, schließlich brachte ihr jede dieser Aktionen zweitausend Euro Provision von der Bank ein. Man glaubt gar nicht, wie leicht abergläubische Menschen auf die schiefe Bahn zu bringen sind!

Sandkastenliebe

Marc: Darf ich Sie zu einem Getränk einladen?

Sonja: Nein.

Marc: Ah, das ist gut, Sie wollen es langsam angehen lassen. Kommt mir sehr entgegen, ich bin herzkrank.

Sonja: Schön für Sie.

Marc: Und was machen Sie sonst so, wenn Sie sich nicht angeregt unterhalten?

Sonja: Kommt ganz auf meine Stimmung an, mal schütte ich einem Typen ein Bier über den Kopf, mal trete ich ihm in die Eier, mal schlepp ich ihn ab und zieh ihn mir durch den Schritt.

Marc: Und mit was dürfte ich rechnen?

Sonja: Ich schwanke zwischen Bier und Sack.

Marc: Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen erzähle, dass ich als Body-Double für Long Dong Silver gearbeitet habe?

Sonja: Long Dong Silver war schwarz.

Marc: Ist es für Sie wichtig, welche Hautfarbe ein Mensch hat?

Sonja: Die einzelnen Körperteile sollten schon farblich zueinanderpassen.

Regisseur: Ja danke sehr, halten wir hier mal kurz inne und vergegenwärtigen uns noch einmal die Spielsituation. Wir versuchen, eine Szene zwischen zwei Puppen zu entwickeln. Prinzessin und Kasperle. Das Ganze ist für Kinder gedacht. Und ich denke …

Marc: Ich denke, ich weiß, was jetzt kommt, unsere Sprache ist nicht kindgemäß, ich habe dieses reaktionäre Gequatsche so satt, Kinder können es nicht erwarten, erwachsen zu werden, sie ahmen Erwachsene bei jeder Gelegenheit nach, also auch bei der Beziehungsanbahnung …

Regisseur: Ich weiß nicht, was ein Pornodarsteller mit einem Dreißig-Zentimeter-Dödel in einem Kasperlestück für Kinder zu suchen hat!

Marc: Ich finde das weit weniger beängstigend als das vorweihnachtliche Bild vom Knecht Ruprecht, der böse schwarze Mann mit der großen Rute, der die unartigen Kinder verhaut.

Regisseur: Solange ich diesen Workshop leite, wird in unseren Kasperlestücken keine Pornografie vorkommen!

Sonja: Hallo? Das tut es doch auch gar nicht, hast du denn gar nicht zugehört? Die Prinzessin lässt den blöden Machotypen abblitzen, das ist die Aussage, und das können Mädchen ja wohl nicht früh genug lernen!

Regisseur: Das soll ich also dem Kulturdezernenten erzählen in der Hoffnung, dass wir auch nächstes Jahr Fördergelder kriegen? Wir haben alle unsere Zwänge, und ich bin nun mal der verantwortliche Spielleiter, und wenn euch das nicht passt, dann macht euch selbständig. Viel Spaß, wenn ihr mit Long Dong Silver durch die Kitas tingelt! Schade, dass ich nicht dabei sein kann!

Marc: So, jetzt kommen wir alle mal wieder runter, in der Kunst gibt es immer mehrere Wege, wir bieten einfach mal was anderes an.

Regisseur: Na also, das ist doch ein Wort, und bitte!

Marc: Hallo, du, ich liebe dich, willst du mich heiraten?

Sonja: Mh, mal sehen, wann?

Marc: Morgen?

Sonja: Da kann ich nicht, da trete ich in der Veltins Arena auf, vielleicht übermorgen?

Marc: Da kann ich nicht, da spreche ich vor der UNO über die Zukunft Europas.

Sonja: Auch schön, wer bist du denn?

Marc: Joschka Fischer.

Sonja: Ist ja irre, ich bin Helene Fischer, aber damit eins klar ist: Ich möchte meinen Namen behalten, unter dem mich ganz Deutschland kennt.

Marc: Nun, ich würde auch gern meinen Namen behalten, unter dem mich die ganze Welt noch in bester Erinnerung hat, aber als ehemaliger Spitzenpolitiker bin ich gewöhnt, Kompromisse zu machen, was hältst du von einem Doppelnamen?

Sonja: Gern, aber meiner muss vorne stehen!

Marc: Kein Problem, Schatz! (Zur Seite: Mein Gott, ist die Panne!)

Sonja: Dann besorg schon mal einen Hochzeitskuchen!

Marc: Wo soll ich denn hier im Sandkasten einen Hochzeitskuchen hernehmen?

Sonja: Keine Ahnung, kack einfach in ein Förmchen!

Regisseur: Danke, Kinderchen, das war ganz toll, romantisch, ein bisschen frech, aber wertkonservativ und kindgerecht, und vor allem ohne Sauerei. Super.

Alliteration

BILD wird oft als bildungsfernes Organ gescholten mit eher negativem Einfluss auf das Sprachvermögen seiner Leserschaft. Das ist ungerecht und falsch. BILD ist oft äußerst lehrreich! Wenn man das Wort »Alliteration«, also eine Abfolge von Wörtern mit gleichem Anfangsbuchstaben, erklären will, eignet sich beispielsweise diese BILD-Schlagzeile famos: Betrunkener beißt Polizisten in Penis. Eine Abfolge von zwei Alliterationen. Noch schöner wäre: Betrunkener beißt Bullen in Benis. Berfekt. Allerdings weist die Story stilistische Mängel auf, und mit der Glaubwürdigkeit hapert’s auch:

München. Ein Betrunkener hat in Marktredwitz einen Polizisten in den Penis gebissen und erheblich verletzt, so die Polizei. »So die Polizei« ist bester Thomas-Bernhard-Stil, erfordert aber im vorangehenden Satz die indirekte Rede. Also: Ein Betrunkener habe einen Polizisten in den Penis gebissen und verletzt, so die Polizei.