Verlag: Knaus Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

Beim Dehnen singe ich Balladen E-Book

Jürgen Lippe  

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E-Book-Beschreibung Beim Dehnen singe ich Balladen - Jürgen Lippe

„Macht die Hose mich dick?“ „Schatz, ehrlich gesagt: Die Hose hat damit nichts zu tun!“Sie sind böse, sie sind abgründig, sie sind dreist und blitzgescheit, vor allem aber überraschend und schmerzhaft komisch: die neuesten Kurzgeschichten und Glossen von Altmeister Jürgen von der Lippe, der sich einmal mehr selbst übertroffen hat.

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E-Book-Leseprobe Beim Dehnen singe ich Balladen - Jürgen Lippe

Jürgen von der Lippe

Beim

Dehnen

singe ich

Balladen

Geschichten undGlossen

Knaus

1. Auflage

Copyright © 2015 beim Albrecht Knaus Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Satz: Uhl + Massopust,Aalen

ISBN 978-3-641-15549-0www.knaus-verlag.de

Von der Unmöglichkeit, ein Vorwort für ein komisch gemeintes Buch zu schreiben

In einem Vorwort schreibt der Autor gemeinhin ein paar Dinge, die zum besseren Verständnis des Buches gereichen sollen. Bei einem komischen Buch gerät so was eher zur humoristischen Bankrotterklärung, denn wenn es schon Erklärungen nötig hat, lässt man es besser ganz. Natürlich könnte ich mich über die segensreichen Wirkungen des Konsums pikaresker Texte auslassen oder sagen, dass Comedy unverzichtbares Überlebensmittel ist, was man schon daran erkennt, dass die überaus beliebte lustige Person, die noch im Vorspiel auf dem Theater Goethes Faust mit einleitet, Hans Wurst (erstmals 1519) heißt, nach der deutschen Lieblingsspeise. Bei den Holländern hieß der Narr dementsprechend Pickelhäring, in Frankreich Jean Potage, in England Jack Pudding, in Italien Macaroni, in Russland Kapustnik, Krautkopf. Man kann die Befriedigung, die ein leckeres Essen dem Hungrigen verleiht, durchaus mit der Wohltat, die Humor uns erweist, vergleichen. Diese Weisheit habe ich natürlich gegoogelt, ich bedanke mich bei dem unbekannten Autor, muss allerdings anmerken, dass der Vergleich beidbeinig hinkt. (Bei dieser jokosen Metapher bin ich mir übrigens nicht sicher: Ist sie ein Oxymoron oder Paradoxon? Egal.)

Für eine komische Geschichte brauchen Sie einen starken Anfang und einen starken Schluss. Beim Essen ist es völlig anders: Mein Lieblingsgericht ist Pizza, Pizza Margherita mit wenig Tomatensoße und wenig Käse, damit der Teig Blasen werfen kann, knusprig bleibt und nicht matschig wird; und klein gehackte eingelegte milde Peperoni und dann mache ich noch ein bisschen Chili-Öl drüber. Wagenradgroß kommt sie daher und duftet mich fast um die Besinnung, und ich lege los, bei den ersten Bissen bin ich kurz davor, in meiner Unterhose zu kommen, und am Schluss ist mir schlecht. Sie sehen den Unterschied? Ich könnte auch darlegen, dass Humor dem Konsumenten ein zeitweises Absetzen der als überschwer empfundenen kulturellen Bürden mannigfacher Art ermöglicht, wie der Forderung nach Political Correctness, der Unterdrückung der eigenen Aggressionen oder dem Wunsch nach sofortigem voraussetzungslosen GV mit jemand Fremdem. Der Humorschaffende nimmt also Stellvertreterhandlungen vor, die als wohltuend empfunden werden und – weil raffiniert verklausuliert daherkommend – als zusätzlichen Benefit einen kleinen denksportlichen Triumph gewähren. Auch diesen Gedanken werde ich nicht für eine meiner geplanten Doktorarbeiten verwenden, nicht, weil er geklaut ist, sondern weil ein so urkomisches Buch keine Rechtfertigung braucht. Wer nicht lachen will, vergibt die Chance, besser auszusehen, ist also gestraft genug. Wer wissen will, warum Geschichten und Glossen, und nicht nur Geschichten oder Glossen, dem sage ich: Ich liebe beides, warum sich dann beschränken? Ich esse ja auch meistens erst Pizza und dann Pasta.

In diesem Sinne: Wohl bekomm’s!

Der Mallorca-Bock

»Wir verhandeln heute in der Sache Fiedler gegen Ellerbrock, es geht um die Forderung von 25 000 Euro Schmerzensgeld.«

Richter Walter war müde und schlecht gelaunt. Das Skatturnier hatte bis halb 3 Uhr morgens gedauert, eine Ramschrunde hatte ihm 100 Miese eingebracht, das war Rekord, und er hatte sich den ganzen Abend die Frotzeleien anhören dürfen.

»Herr Fiedler, was ist passiert?«

»Der Beklagte hat auf mich geschossen, dabei drang mir eine Kugel ins Gesäß, musste operativ entfernt werden, unter den Folgen leide ich bis heute, schlafe unter anderem schlecht, habe Angstzustände usw. Das können Sie alles auch im Gutachten meines Psychiaters nachlesen.«

»Schön, dann ist ja alles klar. Haben Sie eine Ahnung, warum Herr Ellerbrock auf Sie geschossen hat? Kannten Sie sich, gab es Differenzen?«

»Nein, ich kannte ihn nicht, aber er hat sogar zweimal auf mich geschossen, die zweite Kugel hat mich zum Glück verfehlt.«

»Dann frage ich mich nur, warum er Sie nicht mit einer dritten Kugel erledigt hat.«

Der Beisitzer sah den Richter strafend an. Er wusste, dies war einer von den Tagen, an denen die Pferde mit dem Richter durchgingen, weil er eigentlich immer hatte Komiker werden wollen.

»Herr Ellerbrock, ich frage Sie, warum haben Sie auf den Kläger geschossen?«

»Das habe ich keinesfalls, Herr Richter, ich habe auf einen Boc Balear geschossen und dabei versehentlich Herrn Fiedler getroffen, den ich für eine verwilderte Hausziege gehalten habe, der der Bock dabei war aufzureiten.«

»Moment, Sie wollten einen was noch mal schießen?«

»Einen Boc Balear, eine eigenständige Wildziegenart, die nur auf Mallorca vorkommt. Die männlichen Exemplare haben wunderschöne, imposant geschwungene Hörner, die für Großwildjäger weltweit eine beliebte Trophäe darstellen.«

»Großwildjagd auf Mallorca, das habe ich auch noch nicht gewusst, da kriegt das Wort »Ballermann« ja eine ganz neue Bedeutung. Sie knallen also Tiere ab und hängen sich die Köpfe mit dem Geweih …«

»Verzeihung, Herr Richter, mit dem Gehörn …«

»Ja doch, jetzt fangen Sie nicht an, hier Korinthen zu kacken, das habe ich schon gern, so was, ich war mal bei so ’nem ›Jägerheini‹ zu Hause«, damit wandte er sich zum Beisitzer um, dem klar wurde, jetzt sind die Pferde in vollem Lauf, und nichts mehr wird sie aufhalten, »und habe ihn gefragt, warum er die ganzen Köppe an der Wand hat, und er antwortete, ja die sind so schön, und ich sagte, na, ihre Frau sieht doch auch ganz prima aus! Na gut, das gehört nicht hierher. Zurück zum Fall, Sie wollten einen Ziegenbock schießen, haben aber Herrn Fiedler getroffen, den Sie für was genau hielten?«

»Eine von etwa 18 000 verwilderten Hausziegen, die nicht nur vielerorts die Vegetation der Tramuntana gefährden, sondern sich auch mit der Wildziege kreuzen.«

»Wenn ich aber jetzt Herrn Fiedler so betrachte, wäre das Letzte, für was ich ihn halten würde, eine verwilderte mallorquinische Hausziege, würden Sie mir da recht geben?«

»Unbedingt, Herr Richter, aber wenn Sie sich vorstellen, dass Herr Fiedler sich ein Ziegenfell übergehängt hat, um einen Bock anzulocken …«

»Sie haben was gemacht, Herr Fiedler?«

Herr Fiedlers Anwalt schoss hoch. »Verzeihung, Herr Richter, es ist straf- und zivilrechtlich irrelevant, sich als Ziege zu verkleiden, im Gegensatz zum verantwortungslosen Gebrauch von Feuerwaffen!«

»Na ja«, sagte der Richter, der mittlerweile prächtiger Laune war, »wenn sogar der Bock auf Herrn Ziegler hereingefallen ist, kann man, wie ich meine, Herrn Ellerbrock keinen Vorwurf machen.«

»Herr Richter, wenn ich da etwas einwerfen darf«, mischte sich der Beisitzer ein, »meine Eltern haben einen Bauernhof, und in der gesamten Landwirtschaft kennt man das Torbogensyndrom, dem schon manche Touristin zum Opfer gefallen ist, die sich nichts ahnend im Sichtfeld eines Bullen bückte und so einen Anblick bot, der dem einer Kuh von hinten ähnelt, und darauf springen so leicht erregbare Tiere wie Bulle oder Ziegenbock eben sofort an.«

»Vielen Dank, Herr Beisitzer, aber dem entnehme ich, dass Herr Fiedler sich nicht als Ziege hätte verkleiden, sondern sich nur vor dem Bock hätte bücken müssen, um den Springbock- Effekt auszulösen … oder?«

»Nein«, ergriff der Beisitzer noch mal das Wort, »weil die Tarnung Herrn Fiedler die Annäherung an die Herde erst gestattete, Optik und Geruch wiesen ihn sozusagen als Artgenossen aus.«

»Dann ist dieser Boc Balear wohl nicht der Hellste, je größer das Gehörn, desto kleiner das Gehirn. Hahaha … Aber gut. Ich fasse zusammen: Beide Herren waren unterschiedlich scharf auf den Bock, also in unterschiedlicher Weise auf den Bock scharf, Sie wissen schon, was ich meine. Eine Frage wäre noch zu klären: Hätte Herr Fiedler mit Gewehrfeuer rechnen müssen?« »Selbstverständlich«, warf nun Herr Ellerbrocks Anwalt ein, »auf Mallorca sind sieben Jagdreviere für die Großwildjagd ausgewiesen, vor deren Betreten unübersehbar gewarnt wird. Trotzdem sind Jagdunfälle nichts Seltenes, erst kürzlich hat ein Jagdpächter im brandenburgischen Liebenwalde ein Pony erschossen. Er hatte es mit einem Wildschwein verwechselt.«

»Vielen Dank, Herr Anwalt, nicht auszudenken, wenn es andersrum gelaufen wäre und er versucht hätte, das Wildschwein zu reiten. Gut. Das Gericht zieht sich zum Mittagessen zurück, wenn wir bis 18 Uhr nicht wieder da sind, sind wir auch zum Abendessen. Mahlzeit.«

Adults only

»Lass uns doch mal in einem ›Adults only Hotel‹ Urlaub machen.«

Vor Überraschung beschlug meine Brille.

»Seestern«, sagte ich, »sind wir dazu nicht ein wenig zu alt? Jeden Abend wechselnde Intimpartner, Gruppensex, ich habe ja bisher noch nicht mal einen Dreier auf die Reihe gekriegt, ich finde einfach nichts an der Vorstellung, zwischen zwei enttäuschten Frauen aufzuwachen.«

»Oder zwischen einer zufriedenen Frau und einem zufriedenen Mann, diese Möglichkeit kommt euch Aushilfs-Machos wohl gar nicht in den Sinn. Außerdem finde ich den Kosenamen ›Seestern‹ etwas zweischneidig, denn die haben, wie du vielleicht nicht weißt, kein Gehirn!«

Ich verkniff mir gerade noch zu sagen: »Was glaubst du eigentlich, warum ich das gesagt habe?«

»Was du ebenfalls nicht weißt«, fuhr die Gefährtin meiner durchschnarchten Nächte fort, »ist, dass mit diesem Label Hotels gemeint sind, in denen Kinder unerwünscht sind. Also kein Rumgerenne im Frühstücksraum, kein Gekreisch am Pool, keine durchnässte Zeitung, weil eine hyperaktive Missgeburt seine einzige Fähigkeit, eine Arschbombe, demonstrieren muss.«

»Aber genau das hat mir immer dieses Glücksgefühl beschert, das den Kinderlosen über die Tatsache hinwegtröstet, seinen Evolutionsauftrag nicht erfüllt, oder anders gesagt, dem weiblichen Teil der Weltbevölkerung seine Gene vorenthalten zu haben.«

Ich sah auf und bemerkte, dass ich der Einzige im Raum war.

Wenige Wochen später checkten wir in einem 4-Sterne-Hotel auf Mallorca ein, dessen Motto »Zeit für Zweisamkeit« lautete. Im Gepäck hatten wir ca. zwanzig Bücher, in der Hoffnung, endlich mal ungestört lesen zu können. Das Haus warb auch mit einer großzügigen Wellnesslandschaft mit sechs verschiedenen Saunen. Nun finde ich es einerseits recht kapriziös, vor 40 Grad im Schatten in eine Sauna mit 70 Grad auszuweichen, und habe mich überdies schon immer schwer getan mit der offensiven Präsentation meiner unverhüllten Genitalien. Natürlich wissen wir alle, dass die Humanmedizin zwischen Fleisch- und Blutpenis unterscheidet. Ersterer ist auch im Ruhezustand stattlich, Letzterer wird erst in Alarmbereitschaft zum Blickfang. Und deswegen gibt es überhaupt keinen Grund, Komplexe zu entwickeln, deswegen denke ich, dass meine Scheu, mich öffentlich zu entblößen, eher auf meine strenge religiöse Erziehung zurückgeht. Also lag ich wenig später in einer ruhigen Ecke der Pool-Area, hob den Altersdurchschnitt nur unwesentlich und las den dritten Teil von Helmut Kraussers »Hagen-Trinker-Trilogie«, in der es unter anderem um die Liebe eines Berbers zu einer Schülerin geht.

Ich sah auf, mein Blick trübte sich. Ich würde nie eine Tochter haben. Mit größter Wahrscheinlichkeit zumindest. Selbst wenn der Zeugungsakt in den nächsten Minuten stattfinden würde, wäre ich, wenn das bildhübsche hochbegabte Wesen den ersten Freund anschleppte, circa 80 Jahre, könnte sie also kaum unauffällig in der Disco beschatten, um das Schlimmste zu verhüten. Vielleicht würde ich aber wenigstens noch mitbekommen, wie sie das jahrgangsbeste Abitur im ganzen Bundesland bekommt. Schnüff.

Abends im schönsten der drei hoteleigenen Restaurants hatten wir einen Vierertisch für uns und ließen es krachen. Im wahrsten Sinne, denn schon der Biss in die Blätterteigkruste unseres Filets Wellington ließ etliche Köpfe zu uns herumfahren. Der Geräuschpegel war einfach zu niedrig. Was hätte ich für ein »Mama, kann ich ein Erdbeereis?« gegeben!

In diesem Moment betrat ein Ehepaar mit einem vielleicht achtjährigen Jungen das Restaurant des kinderfreien Hotels. Sie hatten vielleicht eine Sondergenehmigung des Bürgermeisters oder einer noch höheren staatlichen Stelle.

Es gab keinen freien Tisch mehr. Bedrohliches Getuschel erhob sich. Ich sah den Oberkellner den Kopf schütteln. Ich schaute meine Frau an. Sie nickte. Ich stand auf, ging zu der Familie und sagte: »Wenn Sie mögen, können Sie sich gerne zu uns setzen, für den Jungen stellen wir einfach einen Stuhl dazu.«

So geschah es. Es stellte sich heraus, dass es das Ehepaar in dem kinderlosen Schuppen nicht mehr ausgehalten hatte und sich den Jungen von Freunden, die in der Nähe eine Finca gemietet hatten, ausgeliehen hatte. Ein sehr netter, aufgeweckter Junge mit Interesse für Bücher, Spiele und Zaubertricks. Als die Familie abreiste, waren wir richtig glücklich, denn wir wurden mit den Eltern des Jungen rasch handelseinig und hatten ihn den Rest des Urlaubs für uns allein.

Theater

Ich bin kein Freund vieler Worte und möchte Sie, statt Sie mit irgendwelchen Fakten über die Personen zu füttern, die Sie in den nächsten Minuten hoffentlich liebgewinnen werden, gleich ins kalte Wasser schmeißen, sprich in die erste Szene. Wir befinden uns in einem Theaterstück, auf der Bühne ein Mann und eine Frau, seine Frau, um genau zu sein, die beiden sind seit drei Jahren verheiratet. Glücklich? Urteilen Sie selbst:

Elvira: Kannst du mir 50 Euro leihen?

Thomas: Wofür?

Elvira: Ich habe Hunger.

Thomas (mit einem Seufzer): Hör mal zu, ich arbeite schwer für mein Geld, aber okay. Bis zum Wochenende. Du kannst es dir im Büro abholen gehen, ich sage Frau Knippke Bescheid, aber ich weiß genau, was wieder passiert. In ein paar Tagen kommst du an und sagst, du könntest es im Moment nicht zurückzahlen, das ist jedes Mal dieselbe Scheiße. Wenn du es wenigstens abarbeiten könntest, aber du kannst ja nichts, was mich interessiert.

Black out.

Neue Szene. Im Büro von Thomas’ Chef, Herrn Hürlimann.

Hürlimann: Ich darf Ihnen ohne Übertreibung sagen, Sie sind einer der gnadenlosesten Mitarbeiter, die unsere Firma je hatte, Sie werden es noch weit bringen, auf Ihre Zulage am Jahresende können Sie sich jetzt schon freuen. Meine Frau und ich geben ein kleines Essen am Wochenende in unserem Wochenendchalet, ich würde mich freuen, Sie und Ihre Frau begrüßen zu dürfen.

Thomas: Da muss ich Sie allerdings vorwarnen. Wenn wir gemeinsam zum Essen eingeladen sind, spielen wir gern good girl und bad guy, ich bin der bad guy und sage dann beispielsweise: Riecht komisch hier, ist jemand gestorben? Und meine Frau tut dann so, als wollte sie das Schlimmste verhindern: Thomasle, bitte! Und ich: Nein, wieso denn? Ist doch gar nicht böse gemeint, es ist ein interessanter Geruch … Thomas, hörst du jetzt auf … Manche Gerüche sind ja wirklich schlimm, da könnte man kotzen, aber andere sind gar nicht so übel, wie man denken könnte, Ohrenschmalz zum Beispiel riecht gar nicht schlecht. Also, da haben wir schon so viel Spaß gehabt!

Manchmal tauschen wir auch die Rollen, dann ist meine Frau die Böse, dann bringt die aber Schoten! Das kann ich gar nicht erzählen.

Hürlimann: Aber nein, das beginnt jetzt, mich zu interessieren!

Thomas: Wie? Na gut. Dann wendet sie sich an die Frauen und sagt: Mädels, wisst ihr eigentlich, warum die Männer uns nicht küssen wollen, wenn wir ihnen einen geblasen haben? Die mögen das Zeug auch nicht.

Letztens hat sie zu einem Exhibitionisten gesagt, als er den Mantel öffnete und fragte: Weißt du, was das ist?

Hürlimann: Lassen Sie mich raten. Sie sagte: Sieht aus wie ein Pimmel, nur viel kleiner. Mann, das sind doch alles alte Schoten, die Sie mir als selbst erlebt verkaufen wollen, meinen Sie, ich ziehe mir die Hose mit dem Hammer an, oder was?

Thomas: Entschuldigung, es muss heißen: Meinen Sie, ich setze mir den Hut mit dem Hammer auf?

Hürlimann: Was? Sie wagen es, mich zu verbessern? Sie sind gefeuert, und zum Essen kommt Ihre Frau natürlich ohne Sie. Und jetzt raus!

Black out, Licht an, die drei Schauspieler stehen an der Rampe.

Elvira: So, meine Damen und Herren, wir würden jetzt gern Ihre Meinung zu den Figuren einholen, ehe wir weiterspielen. Finden Sie das Verhalten des Chefs meinem Mann gegenüber unakzeptabel, oder sagen Sie, das ist okay, aber die Figur meines Mannes ist überzeichnet, oder sind Sie möglicherweise im Gegenteil der Auffassung, er könnte mir, also seiner Frau gegenüber, noch ganz anders zur Sache gehen?

In die Stille hinein brüllt ein Zuschauer: Genau, das Weichei war noch viel zu zahm, ich hätte dir erst mal deinen süßen Arsch vollgehauen und dann aber auch gleich Versöhnungssex, aber so richtig, da wär kein Auge trocken geblieben, wenn du willst, kann ich dir das ja gleich mal zeigen.

Er klettert auf die Bühne, aus dem Publikum sind einzelne Entsetzensschreie zu hören, der Darsteller des Hürlimann versetzt dem Ankömmling, bevor er die Schauspielerin erreicht hat, einen Leberhaken, der ihn auf die Knie zwingt, Thomas schickt ihn mit einem schulmäßigen Kick an die Schläfe schlafen. Gemeinsam ziehen die beiden den Leblosen hinter die Bühne.

Elvira wendet sich wieder ans Publikum: »Wir machen jetzt erst mal eine kleine Pause, lassen Sie sich einfach überraschen, wie das Stück weitergeht.«

Hinter der Bühne gibt es dann noch ein bisschen Aufregung. »Ihr seid doch nicht ganz dicht«, sagte der »Störer« zu den beiden Schauspielern, »jeden Abend haut ihr härter zu, ich will 50 Euro mehr, oder ihr könnt euch einen anderen Idioten suchen.«

An dieser Stelle eine Frage an Sie, liebe Leser: Reicht Ihnen dieser Schluss, oder hätten Sie es besser gefunden, wenn eines Abends dem gekauften Störer ein echter Störer zuvorkommt und die beiden Schauspieler nach Strich und Faden vermöbelt? Anschließend stellt sich heraus, er ist hoffnungslos in Elvira verknallt, hat noch keine Vorstellung verpasst, hält zufällig einige schwarze Gürtel in verschiedenen Martial-Art-Disziplinen, und ein Freund gab ihm den Tipp, es doch mal auf die Tour bei Elvira zu versuchen. Entscheiden Sie selbst, es ist Ihr Buch!

Die Kündigung

Frau Sörensen, so leid es mir tut, ich muss Ihnen kündigen.

Warum?

Ich bin mit Ihren Leistungen unzufrieden, sehr unzufrieden.

Das trifft mich hart.

Mich auch, glauben Sie mir das, und auch noch vor Weihnachten, aber es geht nicht mehr.

Ich bin mir keiner Schuld bewusst.

Wir reden hier auch nicht von Schuld, Sie sind einfach eine schlechte Reinigungskraft.

Wieso?

Sie hinterlassen die Wohnung nicht wesentlich sauberer, als Sie sie betreten.

Das stimmt nicht, ich dusche jedes Mal nach der Arbeit.

Aha. Wie schön. Noch schöner wäre es, wenn Sie Ihr Reinlichkeitsbedürfnis auch auf den Fußboden, die Teppiche, das Geschirr, das Badezimmer usw. ausdehnen würden. Und bitte hören Sie auf zu weinen.

Es ist nur, weil mein Sohn verhaftet wurde.

Ach Gott, was hat er denn getan?

Sehen Sie, Sie sind genau wie die Polizei, Sie sind davon überzeugt, dass er es getan hat.

Was denn?

Angeblich ist er bei einem Juwelier eingebrochen. Aber so was würde mein Flori nie tun.

Nun, wenn er unschuldig ist, wird sich das ja herausstellen.

Ja, aber der Wachmann, den er niedergeschlagen … also … der niedergeschlagen wurde und der bezeugen könnte, dass er es nicht war, schwebt in Lebensgefahr, weil der Täter ihn mit einer Bronzestatue traktiert hat.

Klingt sehr grausam.

Ja eben. Und das passt so gar nicht zu meinem sanften Sohn.

Haben Sie nicht erzählt, er war mal Boxer und hat einen Gegner halb totgeschlagen?

Ja, aber da war er fast noch ein Kind.

Und bei der Bundeswehr, war da nicht mal was mit Waffendiebstahl, Panzerfäusten und Handgranaten, die später bei Raubüberfällen zum Einsatz kamen?

Nein, da müssen Sie ihn verwechseln.

Was sagt denn Ihre Schwiegertochter zu der Sache?

Die Schlampe hat ihn schon vor Monaten verlassen.

Warum?

Das Flittchen hat ihn betrogen, und mein armer Flori ist ausgerastet. Eheliche Treue geht ihm über alles, da kommt er ganz nach seiner Mutter. Und da hat er kurzzeitig die Beherrschung verloren. Aber so schlimm, wie die falsche Schlange es dargestellt hat, waren die Trümmerbrüche nicht.

Was macht eigentlich Ihr Mann?

Och, dem geht es den Umständen entsprechend gut.

Was heißt das?

Na ja, er hat mich vor sieben Jahren verlassen und zahlt nicht, und Flori hat ihn mal besucht, um ihm ins Gewissen zu reden.

Moment, es klingelt, Sekunde, ich mach gerade auf.

Flori, mein Flori, haben Sie dich freigelassen? Es gibt doch noch Gerechtigkeit.

Nein Mutter, ich bin abgehauen, habe leider einen Bullen schwer verletzt, bin deswegen ein bisschen in Eile, aber als ich deinen Zettel auf dem Küchentisch gefunden habe: Lieber Flori, bin bei Herrn Huber putzen, habe das Gefühl, er will mir kündigen, könntest du mal ein ernstes Wort mit ihm reden, da bin ich halt hergekommen. Ist da was dran, Herr Huber?

Frauen essen fast nie Nüsschen

Die Hotelbar hatte gerade geöffnet und war noch leer. Nur am Tresen saß eine Frau, Ende zwanzig, gut aussehend, teure Klamotten. Ich setzte mich zwei Hocker weiter. Das müsst ihr euch merken: Immer zwei Hocker weitersetzen, das lässt alles offen. Kontaktaufnahme ist möglich, aber nicht zwingend. Es bedeutet: Hallo, da bin ich, wenn du mich brauchst, aber wenn du deine Ruhe willst, auch gut, ich bin keine Bedrohung, nicht mal lästig. Zwischen uns stand eine Schale mit Erdnüssen. Natürlich war ein Löffel drin. Erdnüsse kann ich immer essen, auch nach einem Sechs-Gänge-Menü. Meistens sind die Erdnüsse in Hotelbars heiß umkämpft. Dann steht der Löffel nicht still. Rechte Hand zum Löffel, eine Ladung aufnehmen, in die Linke kippen, und dann wird’s spannend: Schmeißt die Linke die ganze Ladung auf einmal in den Mund, oder bleibt sie halb geöffnet und gestattet der Rechten, ein Nüsschen nach dem anderen aufzupicken?

Frauen essen fast nie Nüsschen, wahrscheinlich wegen der Kalorien. Aber wenn vier Männer auf eine Schale Nüsse kommen, wird’s eng. Eine Schale pro Mann ist besser. Wie schafft man das? Ganz einfach, merkt euch das: Laut in die rechte Hand niesen, sich noch mal langsam über Mund und Nase wischen, dabei hochziehen, die Linke geht zum Nusslöffel, legt ihn zur Seite, die Rechte geht in die Nüsse, tief rein, vielleicht noch mal umrühren, eine Ladung rausholen und direkt in den Mund befördern, mit Schleimhautkontakt. Damit ist sie als mein Revier markiert, wie man in der Hundewelt sagen würde. Wenn neue Gäste kommen, immer mal wieder direkt auf die Nüsse husten. Aber das alles ist nur angezeigt, wenn keine Dame im Spiel ist, mit der vielleicht noch was gehen soll. Dann hält man sich aus den Nüssen raus. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn die Frau nach dem Knutschen fein gemahlene fremde Nussstückchen in ihrer Mundhöhle vorfindet, glauben Sie mir.

Die Frau orderte einen Martini Cocktail. Das ist für den Profi-Flirter eine Steilvorlage, besser geht’s nicht. Ich winke dem Barmann und sage: »Das ist eine gute Idee, aber wie sagt der alte Lateiner: Variatio delectat. Ich nehme« – und Obacht, schreibt euch das auf – »dasselbe, aber als« – und jetzt gibt es drei gute Möglichkeiten: Montgomery, Cajun Martini oder Gibson. Bei allen dreien wird der Barmann vermutlich nachfragen müssen, das gibt uns Gelegenheit zu glänzen. Beim Gibson ersetzt man die Olive durch eine Silberzwiebel, beim Cajun Martini ersetzt man den Gin durch Wodka und die Olive durch ein Stückchen Jalapeño, einer scharfen eingelegten mexikanischen Peperoni, und der Montgomery hat die beste Geschichte. Hier beträgt das Mischverhältnis statt 4 zu 1, wie es üblich ist, 19 zu 1 – für den Gin, wohlgemerkt. Der Name geht angeblich auf den englischen General Montgomery zurück, der nur angriff, wenn er eine neunzehnfache Übermacht besaß.

Für diese Version entscheide ich mich meistens, weil im Idealfall die Frau dann sagt: »Oh, ein Cocktail-Kenner, das ist heutzutage selten geworden in der Red-Bull-Ära.«

Und genau das sagte die Frau. Was mir wiederum die Gelegenheit gab zu sagen: »Ich ahne das Schlimmste, der Barmann ist ein Blender, er hält den Shaker ganz falsch, mit einer Hand hoch und runter, lächerlich, das gibt’s in schlechten Filmen, man hält ihn waagerecht mit beiden Händen oben und unten und dann sehr kräftig so lange schütteln, bis er beschlägt, vielleicht sieben Sekunden, sonst verwässert das Zeug zu sehr.«

Als die Drinks kamen, blinzelten wir uns verschwörerisch zu. Ich schob ihr meinen rüber, ohne getrunken zu haben, und meinte: »Möchten Sie den englischen Feigling mal probieren?« Sie nippte und machte erwartungsgemäß: »Ups, der ist aber stark, das ist ja wohl wirklich was für harte Männer.«

Dabei berührte sie schon meine Hand. Wenn man jetzt nicht alles falsch macht, ist die Sache so gut wie gelaufen. Ein bisschen Small Talk, immer schön nicken, zuhören muss man gar nicht, lieber den Eingang im Auge behalten, ob nicht noch was Besseres reinkommt, kam aber nicht, und beim dritten Drink, wir hatten beide einen Gibson, der übrigens – und jetzt die Ohren gespitzt – den großen Vorteil hat, dass die Frau meist sagt: »Ich mag keine Silberzwiebeln, mögen Sie meine?« Dann kann man den Mund ganz leicht öffnen und so signalisieren, dass man die Zwiebel von ihr hineingeschoben bekommen möchte, was das Prickeln schon mal verschärft.

Alles kam genau so, und dann sah sie mich an und sagte: »Ich heiße Maria und bin Jungfrau. Viele glauben mir nicht, aber ich heiße wirklich Maria. Ich war Jungfrau, habe es aber aufgegeben.«

Und bevor ich sagen konnte: »Das ist ja ein Ding: Ich heiße Josef und habe mal Schreiner gelernt, bevor ich Kreativdirektor einer Werbeagentur wurde«, fuhr sie fort: »Dreihundert die Stunde, interessiert?«

Der Auftrags-Handy-Mord

Gustav hatte sich gerade den Plastikbeutel über die rechte Hand gezogen, um das Würstchen seines asthmatischen Mopses zwecks späterer Entsorgung aufzunehmen, da sah er im Gebüsch etwas schimmern. Einen Moment geriet er mental ins Straucheln ob der Überfülle koordinatorischer Aufgaben, die sich plötzlich vor ihm auftürmte, besann sich dann aber auf seine Notfallentspannungstechniken und konzentrierte sich erst mal zwei Minuten auf seinen Atem. Kühl bis ins Mark ließ er dann Hundekot Hundekot sein und nahm stattdessen mit dem Plastikbeutel den Gegenstand auf, um etwaige Fingerabdrücke nicht zu verwischen und vor allem keine eigenen zu hinterlassen – da kam der erfahrene Krimikonsument zum Vorschein –, als das Handy klingelte. Nach einer kurzen Panikattacke nahm er das Gespräch an.

»Ja?«

»Mit wem spreche ich?«, fragte der Anrufer.

»Mit dem Besitzer dieses Handys«, sagte Gustav und geriet gleichzeitig fast in Entzücken darüber, was für eine coole Socke er war.

»Sie sind mir empfohlen worden«, fuhr der Teilnehmer fort, »für eine sehr … spezielle Sache …«

»Wie speziell?« Gustav schien es, als höre er sich selbst von außerhalb seines Körpers zu, und staunte weiter.

»Würden Sie mich für 50 000 Euro umbringen?«

»Aber ich kenne Sie doch gar nicht …« Gustav erkannte sich langsam wieder.

»Nun, ich dachte, das ist bei Auftragskillern immer so«, hörte er den Fremden sagen.

»Ja sicher«, räumte Gustav rasch ein, »aber es killt sich natürlich leichter, wenn man einen triftigen Grund hat, wenn der … die … das … Opfer mir einen Grund gibt, es umzubringen, dass es mich vielleicht mit meiner Frau betrogen oder meinen Mops überfahren hat …«

»Hören Sie, ich habe weiß Gott weder Zeit noch Lust, Ihre Frau zu überfahren, auch nicht Ihren Hund …«

»Nein, da haben Sie jetzt etwas durcheinandergebracht, Sie sollen den Hund überfahren und meine Frau …«

»Das wird mir langsam zu blöd, machen Sie es nun oder nicht?«

Was Gustav jetzt dringend brauchte, war Zeit. Also griff er zum ältesten Handy-Trick der Welt: »Hallo, ich höre Sie nicht mehr … Hallo … Ich bin hier in einem Funkloch, ich rufe später zurück«, und beendete das Gespräch. Die Nummer des Unbekannten war ja in der Anrufliste gespeichert, er hatte also Zeit.

Sein Mops befand sich mittlerweile im Dünnpfiffmodus, was Gustav aber eher wohlwollend registrierte, denn dafür sah er keine Transportmöglichkeit. 50 000 Euro sind viel Geld, aber einen Mitmenschen umzubringen, ging ja gar nicht. Dafür war er der Falsche. Was aber, wenn er jemanden fand, dem das nichts ausmachte, der vielleicht sogar Freude an der Herausforderung hatte und sich mit deutlich weniger Entgelt zufrieden geben würde, vielleicht 500 Euro? Gustav ging im Geiste seinen Bekanntenkreis durch. Sein Vater war 76, und er wohnte in Bottrop, und seit der missglückten Hüftoperation war er auf einen Rollator angewiesen, alles keine optimalen Voraussetzungen für einen Auftragsmord. Zu seinem Bruder Franz hatte er schon lange keinen Kontakt mehr, seit der einen Entzug gemacht hatte, gab er derart nervtötend den Moral- und Gesundheitsapostel, dass Gustav den Umgang mit ihm als schlicht zu anstrengend empfand. Der würde ihm auch ganz bestimmt mit ethischen Bedenken kommen, also abgehakt. Nach längerer Überlegung erschien ihm seine Mutter als noch am ehesten geeignet, sie hatte immerhin ihn und seinen Bruder, und als sie aus dem Haus waren, auch noch den Vater, etliche Male verprügelt. Aber das Know-how für einen Auftragsmord traute er ihr doch nicht zu.

Plötzlich musste er lachen. Ein Witz war ihm eingefallen: Ein Mann kommt ins Bordell, hat aber nur fünf Euro. Die Puffmutter sagt: »Dafür kannst du dir höchstens selbst einen runterholen!«, und weist ihm die Tür. Eine halbe Stunde später klingelt er wieder. »Was willst du denn jetzt?« »Bezahlen.«

Das war es doch! Gustav hatte irgendwo gelesen, dass die Schweizer Sterbehilfeorganisationen ein Mittel verwenden, das man mit Wasser einnimmt, nach drei Minuten schläft man ein, nach fünfzehn ist man, wenn die Dosierung stimmt, tot, schlimmstenfalls wacht man wieder auf und probiert es noch mal. Er brauchte also dieses Mittel, würde es dem Auftraggeber zur Verfügung stellen, gegen Zahlung von, sagen wir, 45 000 Euro, da hatte der immerhin satte 5000 Euro gespart und könnte sich jederzeit schmerzfrei selbst aus dem Verkehr ziehen. Sein Hausarzt würde ihm das Zeug sicher beschaffen können, denn der neigte dazu, über seine Verhältnisse zu leben, und nähme 2000 Euro sicher dankend an.

Gustav merkte, wie Euphorie sich in ihm ausbreitete wie die berühmte fliegende Hitze, von der Menopausenfrauen immer so gern berichten.

Er zog einen Block hervor, um sich eine To-do-Liste zu machen.

1.) Am hellerlichten Nachmittag einen trinken gehen. Das haben wir uns verdient, setzte er in Klammern dazu.

2.) Hausarzt um einen Termin bitten.

3.) Auftraggeber unverbindlich um Herausgabe eines Teilbetrages bitten, da eine Lösungsmöglichkeit zum Greifen nahe sei.

4.) Buchung einer 14-tägigen Kreuzfahrt. Das war zwar was Feineres, aber durchaus erschwinglich, und das war Gustav wichtig: Bodenhaftung behalten, auch oder gerade jetzt, wo ein höherer Geldbetrag ins Haus stand, als er ihn sich jemals hätte träumen lassen, denn als Politiker kann man nun mal keine großen Sprünge machen.

Das Ganze stellte sich dann als Falle heraus, die ihm eine große Zeitung gestellt hatte. Seine Hundelaufwege auszuspähen und das Handy dort zu platzieren, war kein Ding gewesen, die Gespräche waren aufgezeichnet worden. Gustav konnte es zwar so hindrehen, dass er nur zum Schein auf das Angebot eingegangen sei, um Zeit zu gewinnen, da er gleich eine Falle gewittert habe, aber seinen geheimen Traum, einmal Bundespräsident zu werden, konnte er sich natürlich von der Backe putzen.

Interview mit einem Kannibalen

Hallo, ich bin der Jürgen. Und Sie?

Ich heiße Horst.

Was machen Sie so?

Ich bin Kannibale.

Kann man davon leben?