Der Krieger von Isgarion - Amelie Rawcroft - E-Book
SONDERANGEBOT

Der Krieger von Isgarion E-Book

Amelie Rawcroft

0,0
2,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 2,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Captain Jane Keever ist eine fähige Pilotin und angehende Astronautin. Daher wird sie ein Teil der Delegation, die für eine Kontaktaufnahme ausgewählt wird, als ein fremdes Raumschiff in Erdnähe erscheint. Orando ist ein Krieger der Isgarianer, der von seinem Befehlshaber ausgesucht wird, um ihn bei der ersten Landung auf einem neu entdeckten Planeten zu begleiten. Isgarianer und Menschen sind überrascht, dass ihre Erscheinungsformen praktisch identisch sind. Jane fliegt mit Orando zum außerirdischen Raumschiff, um von ihm in deren Kultur unterwiesen zu werden. Schnell lernt sie, dass sich ihre beiden Arten in einem Punkt wesentlich unterscheiden, denn den fremden Besuchern ist der Unterschied zwischen Mann und Frau bisher unbekannt. Sie lernen sich schätzen und lieben, doch nicht alle Isgarianer sind davon begeistert. Schon bald stellt sich heraus, dass das Schicksal der Erde von Jane und ihrem Geliebten abhängt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der Krieger von Isgarion

Inhalt

Title Page

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Leseprobe

Impressum

Kapitel 1

Jane

Ich hatte es besser als befürchtet überstanden. Allerdings wusste ich nun, wie sich wohl meine Wäsche beim Schleudern fühlte.

»Ist alles in Ordnung, Captain Keever?«, drang die Stimme des Ausbilders aus den Lautsprechern.

Sofort reckte ich den Daumen der rechten Hand empor. Ich war froh darüber, dass er sich nicht mehr so zentnerschwer anfühlte wie vorhin, als man mich mit sechs G in der Humanzentrifuge herumgeschleudert hatte. Besser gesagt, in diesem Riesenmixer mit menschlichen Zutaten, wie meine Kollegen das Ding nannten.

Ich war heilfroh, als man mich abschnallte und aus dem Testbereich führte.

»Sie wollen doch jetzt bestimmt ein kräftiges Mittagessen zu sich nehmen, oder?«, meinte mich einer der Witzbolde veralbern zu müssen.

»Fragen Sie mich das in einer Stunde noch einmal.«

Es war nicht die schlagfertigste Antwort gewesen, aber das Blut drang nur langsam zurück in mein Gehirn. Die Anti-G-Anzüge waren zwar außerordentlich effektiv, aber Wunder konnten sie dann doch nicht wirken.

Die nächsten beiden Stunden verbrachte ich in diversen Laboratorien, wo man mich und alle Körperfunktionen ausgiebig testete. Es war langweilig und teilweise unangenehm, aber wenn man sich wie ich danach sehnte, in nicht allzu ferner Zukunft zum Mars aufzubrechen, dann musste man es über sich ergehen lassen. Schon seit meiner Kindheit träumte ich davon, unsere blaue Welt von außen zu betrachten und den Fuß auf einen anderen Himmelskörper zu setzen. Ich hatte gearbeitet und gelernt wie eine Besessene, um zunächst das Studium mit Auszeichnung abzuschließen und danach als Kampfpilotin ausgebildet zu werden. Und endlich, vor rund einem Jahr, war ich am Ziel gewesen und meine Bewerbung um Versetzung zur NASA wurde akzeptiert.

Obwohl es nur ein Etappenziel war. Jetzt musste es mir noch gelingen, für die Mission in rund zwei Jahren ausgewählt zu werden. Acht Plätze und über dreißig Bewerber, die alle genauso gut ausgebildet waren. Aber ich konnte nicht mehr als mein Möglichstes geben.

*****

»Und? Wie war’s im Mixer? Bist du jetzt geschüttelt oder gerührt? Haben sie dich sofort zum Major befördert, weil du es so gut überstanden hast?«

Debbie knallte schwungvoll ihr Tablett neben meins und ließ sich ebenso temperamentvoll auf den Sitz fallen. Sie war eine sehr gute Freundin und arbeitete hier auf dem Stützpunkt in der Logistik.

Bis dahin hatte ich gedankenverloren das Treiben in der Mensa beobachtet und dabei den leichten Schwindel bekämpft, der immer noch dafür sorgte, dass mir etwas übel war. Ich konnte nur hoffen, dass ich die Reise in der Zentrifuge demnächst besser überstand, denn ansonsten sah ich eher schwarz, was meine Chancen anging. Nur die Besten kamen schließlich ins erste Team.

»Es ging, aber ein neues Hobby habe ich heute nicht gerade entdeckt«, erwiderte ich.

Sie grinste nur. »Dabei drehst du am Himmel die tollsten Loopings. Würde ich da mitfliegen, müsstest du den Jet danach erst einmal stundenlang reinigen.«

»Im menschlichen Mixer ist es schlimmer.«

»Und was steht als Nächstes auf dem Programm?«

Ich zuckte mit den Schultern. »Für heute nichts mehr. Erst morgen habe ich wieder einen Routineflug vor mir.«

»Falls die Russen oder böse Aliens auftauchen?«

Ich zog eine Grimasse. »Besten Dank. Ich kann auf beides verzichten. Nein, heute Nachmittag werde ich nur noch etwas Sport treiben.«

Sie sah mich aufmerksam an. »Und dann?«

Ich wusste nicht, worauf sie anspielte. »Tja, zu Hause etwas lesen oder vielleicht ins Kino gehen.«

»Oder aber du kommst mich und Steve abholen und wir gehen in das kleine Restaurant unten an der dritten Straße, wie wir es geplant haben.«

Jetzt fiel es mir wieder schlagartig ein. Wahrscheinlich hatte ich es nur verdrängt, weil ich nicht so scharf darauf war, mich verkuppeln zu lassen.

»Hör mal …«, begann ich, aber konnte den Satz nicht fortführen.

»Keine Widerrede! Ich habe Brandon bereits den Mund wässrig gemacht und er ist brennend daran interessiert, eine waschechte Astronautin kennenzulernen.«

»Die ich noch gar nicht bin!«, goss ich Wasser in ihren Wein. »Hast du wieder etwas übertrieben?«

»Nun ja, die Begeisterung hat mich vielleicht etwas mitgerissen, aber du hast ja genug Vorzüge, dass ein Mann mit Augen im Kopf ohnehin nicht an deinen Beruf denkt.«

Ich seufzte leise, denn ich kannte Debbie. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann konnte nichts und niemand sie davon abbringen. »Also schön. Beim letzten Mal war es ja ganz nett.«

»Genau! Und dabei war da dein Date ein Langweiler vor dem Herrn. Brandon ist da ganz anders. Er ist klug, charmant, höflich …«

»Was sagt Steve dazu, wenn du einen anderen Mann so lobst?«

»Nichts. Er gibt sich dann nur mehr Mühe, mich zufriedenzustellen, wenn du verstehst, was ich meine.« Sie grinste dreckig und musste auch nicht weiter ins Detail gehen. »Also sind wir uns einig? Heute Abend um acht?«

Ich nickte ergeben. Vielleicht war es auch ganz gut, auf andere Gedanken zu kommen und mich nicht nur in die Arbeit zu vergraben. Da Brandon schon von meinem angeblichen Beruf wusste, würde er auch kaum annehmen, dass ich auf der Suche nach einem Ehepartner war. Aber einem kurzen Flirt samt Nachtisch war ich nicht abgeneigt.

*****

Es ist gar nicht so einfach, sich für einen Abend schick anzuziehen, wenn man in der Regel Uniform trägt. Deswegen stand ich auch ratlos vor meinem kleinen Kleiderschrank und ging die zivilen Dinge durch, die dort vorhanden waren. Ein Großteil viel flach, da es eher sportliche Kleidung war, die für einen solchen Abend nicht passte. Schließlich griff ich mir mit einem Schulterzucken das Ensemble, das ich bereits beim vorletzten Mal, als mich Debbie verkuppeln wollte, getragen hatte. Sollte ich noch ein zweites Mal mit Brandon ausgehen, würde ich mir eben etwas Neues kaufen müssen - oder in Uniform gehen. Eigentlich sprach ja auch nichts dagegen, zumal er ja schon wusste, dass ich bei der NASA war.

Vorher nahm ich noch eine ausgiebige Dusche, die ich auch dringend nötig hatte. Ich war zwar ziemlich fit, aber der Sport von heute Nachmittag hatte doch einige Geruchsspuren hinterlassen. Außerdem genoss ich das warme Wasser, das auf meinen Körper prasselte. Debbie hätte bestimmt wieder ein paar Bemerkungen von sich gegeben, so in der Art, dass man auch zu zweit duschen und somit auch etwas Spaß dabei haben könnte.

Ich musste mich schließlich doch beeilen, weil ich das Duschprogramm etwas zu sehr ausgedehnt hatte. Ich zog mich in aller Eile an, warf ein paar Dinge in die Handtasche, verließ das Haus und sprang in meinen kleinen Flitzer. Ich fuhr immer recht zügig und daher erreichte ich Debbies Haus sogar noch fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit.

Meine Freundin riss bereits beim ersten Klingeln die Tür auf und grinste etwas abschätzig, als sie meine Kleidung sah. »Geht es nur mir so oder hattest du die Klamotten schon beim letzten deiner Dates an?«

»Ich glaube doch kaum, dass die sich untereinander austauschen, oder?«

»Sag jetzt besser nichts mehr, oder sie feuert bei ihrem nächsten Flug ihre Bordkanonen auf unser armes Haus ab.« Irgendwie passte Steve zu Debbie. Er begrüßte mich mit einer freundschaftlichen Umarmung, bis sie ihn von mir wegzog und eine finstere Miene aufsetzte.

»Das ist meine Freundin und nur ich darf sie knuddeln … oder Brandon diese Nacht, wenn alles glatt läuft.«

»Debbie!«, rief ich aus.

»Was denn? Du bist viel zu verkrampft und es wird Zeit, dass dich jemand …«

»Ist gut, du brauchst nicht ins Detail zu gehen, wie ich dir schon einige Male gesagt habe!«

»War doch nur ein Scherz«, sagte sie, grinste über das ganze Gesicht und gab mir einen freundschaftlichen Rippenstoß. Direkt danach rieb sie sich übertrieben den Ellbogen. »Du solltest weniger trainieren. Kein Mann steht auf weibliche Terminatoren!«

Ich zuckte nur mit den Schultern. »Wer weiß, was wir auf dem Mars entdecken. Ich muss auf alles vorbereitet sein.«

»Wenn die Damen nichts dagegen haben: Wir sollten losfahren«, meldete sich Steve zu Wort.

Wir waren damit einverstanden und nach kurzer Zeit auf dem Weg zum Restaurant.

*****

Es war nicht der Inbegriff eines Luxusrestaurants, wo Debbie uns einen Tisch reserviert hatte, aber ich war dafür auch sehr dankbar. Allerdings gab es in dieser Stadt auch keinen Gourmettempel mit drei Sternen. Aber für jemanden wie mich, der in der Regel in der Mensa aß, war es dennoch ein Erlebnis, mal eine Stoffdecke auf dem Tisch vorzufinden.

Brandon erwartete uns bereits und er sah auf den ersten Blick auch durchaus ansehnlich aus. Wenn er sich jetzt nicht als kompletter Vollidiot herausstellte, könnte der Abend auch in dieser Hinsicht ganz nett werden. Debbie stellte mich so ausgiebig vor, als ob sie mich auf dem Markt verkaufen wollte und mir war es schon peinlich, als sie auf meinen Beruf einging.

»Sie müssen mir davon unbedingt erzählen«, meinte Brandon, nachdem wir uns hingesetzt und die Bestellungen aufgegeben hatten. »Ich habe schon als kleiner Junge davon geträumt, Astronaut zu werden, aber meine mathematische Begabung reichte dafür leider nicht aus.«

»Man muss sich nur dahinterklemmen, dann geht es«, erwiderte ich etwas altklug und mir fiel sofort auf, dass ich ihn ohne Absicht als dumm oder wahlweise als faul charakterisiert hatte. »Aber ich habe haufenweise Nachhilfestunden benötigt«, ergänzte ich daher, obwohl es nicht ganz der Wahrheit entsprach.

»Dennoch, als Frau den Beruf des Astronauten anzustreben, das ist schon was, alle Achtung!«

Oha! Wollte er damit andeuten, dass ich von Glück sagen konnte, trotz meines Geschlechts Raumfahrerin werden zu können? Hoffentlich blieb es das einzige Fettnäpfchen, in das er hineintrampelte!

Aber meine Hoffnung diesbezüglich erfüllte sich nicht. Er schwadronierte von seinen geschäftlichen Erfolgen im Verkauf und ich hörte die unterschwellige Verachtung heraus, die er gegenüber manchen seiner Kunden empfand. Das mochte auch an den vier Gläsern Wein liegen, die er trank, noch bevor der Hauptgang serviert war. Ich warf Debbie bedeutungsvolle Blicke zu, die aber natürlich auch schon gemerkt hatte, als was für ein Fehlschlag sich Brandon entpuppte.

Beim fünften Glas Wein fragte er mich doch ernsthaft, ob ich ihn nicht einmal auf einen Rundflug mitnehmen könnte. Hielt er mich für eine Pilotin bei einer Charterfluggesellschaft?

»Das wird leider nicht möglich sein«, sagte ich und gab mir dabei Mühe, etwas Bedauern in die Stimme zu legen.

»Ach was«, sagte er, lächelte dabei und legte mir eine Hand auf den Oberschenkel. »Ich rede mal mit deinem Boss. Ich bekomme immer, was ich will!«

Langsam aber sicher ekelte ich mich vor ihm. Warum soff er nur wie ein Loch, wenn er es doch offensichtlich nicht vertrug? Ich wollte gerade zu einer Notlüge greifen und sagen, dass ich noch etwas auf dem Stützpunkt zu erledigen hätte, als sich mein Handy meldete. Nachdem ich es aus der Tasche gezogen hatte, sah ich, dass eine Textnachricht eingegangen war. Ein Alarmcode! Ich musste sofort zur Basis.

»Ich muss weg!«, rief ich und sprang auf. »Zahl bitte für mich. Ich gebe es dir morgen zurück«, sagte ich in Debbies Richtung.

Auch Brandon hatte sich schwerfällig erhoben und packte mich am Oberarm, als ich gerade meine Jacke anzog. »Was ist denn los? Ich dachte, wir machen uns noch einen gemütlichen Abend.«

Ich konnte mir vorstellen, was er darunter verstand. Selbst ohne den Alarm wäre aber nichts daraus geworden. So nötig hatte ich es nun wirklich nicht. »Lass mich bitte los. Ich habe keine Zeit mehr.«

»So haben wir aber nicht gewettet!«, sagte er und griff fester zu.

»Lassen Sie Jane gefälligst los!«, mischte sich Debbies Mann ein.

Ich griff zur Selbsthilfe, bevor es noch eskalierte. Mit einem tausendfach geübten Griff packte ich Brandons Zeigefinger und verdrehte ihn. Mit einem Jaulen brach er in die Knie und ließ mich los. Zu gerne hätte ich ihm nun mein Knie ins Gesicht gerammt, aber das wäre dann doch des Guten zu viel gewesen - nahm ich jedenfalls an.

Stattdessen verabschiedete ich mich von Debbie und Steve, wandte mich um und verließ das Restaurant.

*****

Während der Fahrt zum Stützpunkt dankte ich den Göttern, dass ich nur ein Glas Wein getrunken hatte. So würde ich problemlos in den Flieger steigen können, wenn ich auch wusste, dass mich der genossene Alkohol nicht unbedingt zur Höchstform würde auflaufen lassen. Aber ich hoffte doch sehr, dass nicht gerade der dritte Weltkrieg ausgebrochen war.

Trotz der Alarmierung herrschte kein Chaos auf dem Stützpunkt und ich gelangte ohne Probleme zur Flughalle. Dort allerdings erwartete mich eine Überraschung, denn ich wurde nicht zu meinem Flieger befohlen, sondern sollte stattdessen in die unterirdische Kommandozentrale kommen.

Während mich der Aufzug nach unten fuhr, gelang es mir immer weniger, die Nervosität unter Kontrolle zu halten. War das jetzt gut oder schlecht? Ein Probealarm war es jedenfalls nicht, das stand schon mal fest. Aber bei einem normalen Alarm wäre ich bereits in der Luft und nicht auf dem Weg nach unten.

Die Aufzugstür öffnete sich und mein kommandierender Offizier Colonel Waters empfing mich. Bevor ich eine Frage stellen konnte, führte er mich zu einem Platz vor einer Anzahl Kontrollgeräte.

»Was ist denn los, Sir?«, fragte ich.

»Halten Sie die Anzeigen im Blick, Soldat, und melden Sie sofort, wenn sich etwas Ungewöhnliches ereignet.«

Ich verstand nur Bahnhof, wollte mir aber keine Blöße geben. »Gibt es einen speziellen Grund für den Alarm, Sir?«, rutschte es mir dann doch noch raus.

Der Colonel hatte sich bereits zwei Schritte entfernt, drehte sich aber doch noch zu mir um. »Wir haben Kontakt, Keever!«

Die paar Wörter trafen mich wie ein Faustschlag in den Magen. Es war also tatsächlich kein normaler Alarm.

Kapitel 2

Orando

Ich stand beim Austritt aus dem Übergangstor direkt hinter dem Kompatos, dem angesehenen Leiter der Expedition. Meine Aufgabe war es, ihn vor allen Gefahren zu schützen, falls wir angegriffen wurden. Es war eine überflüssige Vorsichtsmaßnahme, wie ich wusste, weil die Bewohner dieses abgelegenen Sonnensystems auf einer eher niedrigen technologischen Stufe standen. Ein aggressiver Akt war nicht zu erwarten. Ich konnte es mir daher erlauben, den Blick auf den Hauptbildschirm zu richten und einen ersten Eindruck vom Zentrum des Systems zu erhaschen. Trotz meines Kriegerstatus' war ich durchaus an den Forschungen interessiert - ganz im Gegensatz zu vielen meiner Kameraden. Auch jetzt übte sicher ein Großteil von ihnen in der Arena, anstatt das Bild des neuentdeckten Sonnensystems in sich aufzunehmen.

»Steh bequem, Orando!«, befahl mir mein Vorgesetzter und ich kam der Aufforderung ohne Verzögerung nach.

Auch mein Kompatos war also der Meinung, dass uns hier keine direkte Gefahr drohte.

»Habe Kurs zum dritten inneren Planeten gesetzt«, meldete sich die Stimme des Hauptcomputers.

Ein manuelles Eingreifen war nicht notwendig, denn der Computer folgte einfach der programmierten Routine, die für einen solchen Fall eingegeben worden war. Wobei der Ausdruck auch nicht ganz zutreffend war, wie mir sofort bewusst wurde. Schließlich hatte schon lange kein Isgarianer mehr einen Computer programmiert. Dies besorgte eine zentrale, künstliche Intelligenz, die mögliche Fehler auch direkt ausmerzte. Ich fragte mich gelegentlich, ob überhaupt noch einer der Wissenschaftler den Durchblick hatte, welche Entscheidungsroutinen im großen synthetischen Hirn abliefen. Wahrscheinlich nicht, aber es ging mich auch nichts an.

Die Aufgaben waren bei einer solchen Reise strikt geregelt. Der Kompatos war für die Kontaktaufnahme mit einer fremden Spezies verantwortlich und die Forscher sorgten für die Kommunikation und die Auswertung des zu erforschenden Planeten. Was uns Krieger anging: Wir waren für das Grobe zuständig, falls sich die neu entdeckte Rasse als widerspenstig oder feindlich erwies. Jeglichen Widerstand zu brechen, darauf waren wir trainiert - und wir waren gut darin.

Der Stern im Zentrum des Systems wurde auf dem Bildschirm rasch größer, als wir mit hohem Schub des Magnetantriebs durch das Sonnensystem rasten. Mein Interesse galt aber mehr unserem Ziel, dem dritten Planeten, von dem wir nun aktuelle Daten und erste Bilder erhielten.

»Sprachidentifizierung und Übersetzungsroutinen laufen!«, meldete erneut der Computer.

Dieser Vorgang war enorm komplex, da Sprachen übersetzt werden mussten, auf die wir bis dahin keinen Zugriff gehabt hatten. Der Bordcomputer zeigte uns nun auch die ersten Bilder der auf der höchsten Entwicklungsstufe des Planeten stehenden Art. Es überraschte mich außerordentlich, dass ihr äußeres Erscheinungsbild dem Unsrigen ähnelte. Am Anfang unserer Forschungen waren wir nicht davon ausgegangen, dass wir überhaupt jemanden finden würden, der mit uns zumindest theoretisch kompatibel war. Die Evolution verlief anscheinend auf allen Planeten, die Leben hervorbringen konnten, unterschiedlich.

»Wie lange, bis wir Kontakt aufnehmen können?«, fragte der Kompatos.

»In zwei Zyklen werden die Idiome entschlüsselt und in drei Zyklen die ersten Übersetzer einsatzfähig sein«, antwortete der Computer.

Der Kompatos nickte zufrieden. »Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines feindlichen Angriffs, wenn wir in den Orbit einschwenken?«

»Null! Die Spezies auf dem Planeten verfügt nur über äußerst primitive Raumfahrzeuge.«

»Dann bring uns in die Umlaufbahn.«

Der Kompatos wandte sich mir zu und befahl, dass ich mich auf einen Außeneinsatz vorbereiten sollte. Ich würde ihn zur ersten Kontaktaufnahme begleiten und mich bis dahin in der Kabine mit der fremden Spezies vertraut machen.

*****

Während ich in der Unterkunft auf meiner Bettstatt lag und die Bilder der neuen Welt auf dem großen Wandmonitor betrachtete, dachte ich nach. Warum war ausgerechnet ich für den ersten Kontakt ausgesucht worden? Es gab eine Menge Krieger an Bord, die dafür eher infrage gekommen wären - allen voran natürlich Tschunos, den Höchstrangigen, der sich von uns an Bord befand. Es sprach in meinen Augen viel dafür, dass der Kompatos eine friedliche Kontaktaufnahme bevorzugte und auch erwartete. Tschunos war eher dafür bekannt, sich nicht lange mit Fragen aufzuhalten, sondern sofort in Aktion zu treten. Anscheinend kannte mein Vorgesetzter die Neugier, die mich innerlich zu einer Art Forscher machte - wenn auch nur auf unterster Ebene. Allerdings ging dieser Drang nicht so weit, dass ich deswegen das harte Training vernachlässigt hätte. Das Gegenteil war der Fall, ansonsten wäre ich nicht für eine solche Reise ausgesucht worden. Wahrscheinlich wäre ich gar nicht mehr am Leben, denn die Lebensspanne eines Kriegers kann unter Umständen sehr kurz sein. Das lag nicht einmal so sehr an den Todesfällen bei Einsätzen, sondern mehr an den Kriegsspielen, an denen wir uns sehr oft beteiligten. Auch kam es oft zu Herausforderungen, wenn ein niederrangiger Krieger aufsteigen wollte. Je nach Art des Kampfes ging die Auseinandersetzung so lange, bis einer der Kontrahenten kampfunfähig oder tot am Boden lag. Häufig genug trat beides gleichzeitig ein.

Mittlerweile waren wir wohl in den Orbit des Planeten eingeschwenkt, denn die Bilder, die der Computer aus den Radiowellen der unter uns liegenden Welt herausfilterte, wurden klarer und kontrastreicher. Es war erstaunlich, aber im ersten Moment schien es mir so, als gäbe es zwei verschiedene Spezies, die sich gleichberechtigt die Herrschaft über den Planeten teilten. Aber sie bekämpften sich nicht, sondern auf einigen Bildern sah es fast so aus, als wären sie sich besonders zugetan. Ich konnte mir aber absolut nicht erklären, warum sie die Münder gelegentlich aufeinanderpressten. War das ein Ritual oder wollten sie sich auffressen? Das wäre ja wirklich barbarisch. Auf jeden Fall war das eine Sache, die es wert war, genauer untersucht zu werden.

*****

Ich studierte diese merkwürdige Welt, bis mich der Kompatos wieder in den Kommandostand beorderte. Je länger ich die Spezies beobachtete, desto verwirrter war ich. Mittlerweile war ich fest davon überzeugt, dass es zwar eine Gattung war, es aber zwei unterschiedlich entwickelte Unterarten davon gab. Zu welchem Zweck war mir bisher verborgen geblieben. Ich war mir aber sicher, dass sie sich in hohem Maße suchten, anstatt bei ihrer eigenen Art zu bleiben.

Der Kompatos hatte sich in seine Zeremonienuniform geworfen und stand nun ernst und würdig hinter dem Kommandostand. Er hielt einen Übersetzer in der Hand und hoffte wahrscheinlich, dass diese erste primitive Form für die Kontaktaufnahme genügte. Zu einem späteren Zeitpunkt - falls sich dies als angebracht herausstellte - würde ein interner Chip mit den Übersetzungsroutinen gespeist werden. Die Implementierung war schmerzhaft und nicht ganz ungefährlich, brachte aber auch Vorteile mit sich. Ich hoffte daher, letztendlich wirklich auf die Mission gehen zu dürfen.

Bei fortschrittlichen Welten würde das Weltall um uns von fremden Raumfahrzeugen nur so wimmeln, aber der Planet beherbergte wohl tatsächlich nur eine Spezies, die noch einer unteren Zivilisationsstufe angehörte. Mir war es recht, denn wir konnten so mit Gewissheit ausschließen, dass bereits ein anderer Erforschungstrupp diese Welt in Besitz genommen hatte. Dieser Planet würde nun also bald unserem Imperium, dem glorreichen Isgarion, angehören.

Der Kompatos gab den Befehl, die Bildübertragung zu starten. Wie mir Tschunos zuraunte, war es gar nicht so einfach gewesen, eine solche Verbindung herzustellen, da die Übertragungstechnik des Planeten beklagenswert rückständig war. Deshalb würde der Kompatos auch nur über den Bildschirm kommunizieren, anstatt ein Abbild von sich nach unten zu schicken.

Interessiert sah ich mit an, wie der erste Kontakt mit der neuen Spezies ablief. Da ich noch keinen Übersetzer implantiert bekommen hatte, verstand ich nur eine Hälfte des Gesprächs, nämlich dann, wenn der Kompatos sprach. Ich reimte mir daraus zusammen, dass diese Welt unter uns noch nie mit anderen intelligenten Lebensformen kommuniziert hatte. Das war nun etwas, was mich wirklich überraschte. Die Welt war noch rückständiger, als ich gedacht hatte. Sie konnte froh sein, dass wir und nicht die Xylossaner sie entdeckt hatten. Unsere ewigen Konkurrenten standen nicht im Ruf, besonders rücksichtsvoll mit neuen Welten umzugehen, schon gar nicht, wenn sie so beklagenswert unterentwickelt waren wie diese Spezies.

Die erste Kontaktaufnahme war recht kurz und der Kompatos entschied sich dafür, den Anführern des Planeten zwei Zyklen Zeit zu gewähren, um sich auf unseren Besuch auf der Planetenoberfläche vorzubereiten. Auch wir würden die Zeit nutzen, um uns gegen alle eventuell vorhandenen Schadstoffe zu wappnen. Obwohl ich als Angehöriger der Krieger nur für den Schutz des Kompatos zuständig sein würde, brannte ich doch darauf, die Rätsel dieser Gattung zu lösen. Etwas sagte mir, dass auf uns ein paar überraschende Erkenntnisse warteten.

Kapitel 3

Jane

Auf dem Stützpunkt war die Hölle los und ich fand keine Gelegenheit, mich für ein paar Minuten aufs Ohr zu legen. Wir befanden uns in ständiger Alarmbereitschaft, auch wenn ich die Übungen zum Alarmstart für übertrieben hielt. Es war kaum zu erwarten, dass wir mit den Kampfjets viel gegen die 'Besucher' würden ausrichten können, falls diese in feindlicher Absicht kamen. Andererseits hätte sie doch vor einem Angriff kaum Kontakt mit uns aufgenommen.

Aber natürlich hatte niemand Interesse an der Meinung eines kleinen Captains. Selbst der Colonel hatte auf seinem eigenen Stützpunkt nichts mehr zu sagen. Aus irgendeinem Grund hatte man ausgerechnet diesen Ort für das erste Zusammentreffen mit den Außerirdischen ausgewählt. Vermutlich wollte man die Aliens nicht in Washington herumlaufen haben und ein NASA-Stützpunkt bot sich für diese Begegnung ja auch an.

Von den Problemen hinter den Kulissen bekam ich nur am Rande etwas mit. Es gehörte aber auch nicht besonders viel Fantasie dazu, um sich vorzustellen, wie andere Länder darauf reagierten, dass die USA für den Erstkontakt zuständig waren. Nein, China und Russland waren 'not amused'.

»Captain Keever, Sie sollen zu General Volbert kommen!«

Das überraschte mich dann doch etwas. Was wollte der Leiter des Empfangskomitees, wie ich ihn insgeheim nannte, ausgerechnet von mir? Den Leutnant, der mir die Nachricht gebracht hatte, konnte ich nicht mehr fragen, denn er war sofort wieder im rückwärtigen Gang verschwunden. Ich gab mir einen Ruck, glättete meine Uniform und hoffte nur, dass ich nicht unangenehm auffiel. Schließlich war ich fast zwei Tage nicht mehr aus der Kleidung herausgekommen.

*****

Volbert war einer dieser in Ehren ergrauten Generale, die sich kein X für ein U vormachen ließen. Der Präsident hätte für die Aufgabe kaum einen Geeigneteren finden können. Zumindest war das meine Meinung. Er blickte mich unter den buschigen Augenbrauen mit stechenden Augen an und schien mich zu mustern. Fiel die Musterung zu seiner Zufriedenheit aus? Falls ja, so ließ er es sich nicht anmerken.

»Sie wissen, um was es geht, Captain?«

Ich hatte zwar keine Ahnung, aber ich konnte es mir denken. »Um den Kontakt, vermute ich, Sir!«

»Da liegen Sie völlig richtig.« Er stopfte sich geistesabwesend eine Pfeife und zündete sie umständlich an, ohne irgendetwas zu sagen.

Ich blieb aber immer noch in strammer Haltung vor dem Schreibtisch stehen, da er mir weder erlaubte, mich zu rühren, und auch keinen Platz anbot. Als in mir der Verdacht aufstieg, der General wäre vielleicht schon zu lang im Dienst und nicht mehr besonders leistungsfähig, deutete er mit dem Pfeifenstiel auf den Sessel neben mir. Also wusste er doch noch, dass ich im Raum war. Ich setzte mich und harrte der Dinge, die da kommen würden.

»Wie Sie vermutlich wissen, werde ich der Verantwortliche bei der ersten Kontaktaufnahme sein. Ich habe mich weiß Gott nicht drum gerissen, aber aus irgendeinem Grund ist der Präsident der Meinung, ich wäre der geeignete Mann dafür.«

»Wie soll denn eigentlich die Kommunikation stattfinden, Sir?«

Volbert nickte bedächtig. »Eine gute Frage. Man hat mir mitgeteilt, dass diese fremden Wesen unsere Sprache sprechen. Anscheinend sind ein paar von denen hier bei uns auf die Schule gegangen.« Er lachte reichlich unecht, während er seine Pfeife schmauchte. »Wie dem auch sei: Wir können uns schlecht weigern, auf ihre Wünsche einzugehen. Das riesige Raumschiff über unseren Köpfen rät doch eher zur Vorsicht und wachsamen Freundlichkeit.«

»Wissen wir schon, was die von uns wollen?«

Volbert schüttelte den Kopf. »Das haben sie uns noch nicht mitzuteilen geruht. Ich hoffe nur, bei uns drehen nicht irgendwelche Fanatiker durch und provozieren eine Gegenreaktion. Deshalb ist meine größte Sorge, dass der Landepunkt dieser Aliendelegation hermetisch abgeriegelt ist und nur wenige von uns an der Kontaktaufnahme teilnehmen.« Erneut deutete er mit dem Stiel seiner Pfeife auf mich. »Und Sie, Captain Keever, hätte ich gerne in meinem Team!«

Jetzt war ich für ein paar Augenblicke völlig sprachlos. »Wieso ich, Sir?«, fragte ich, nachdem ich meine Sprache wiedergefunden hatte.

»Sie sind eine sehr gut ausgebildete Astronautin, haben die besten Beurteilungen und sind außerdem eine Frau.«

»Inwiefern ist der letzte Punkt von Bedeutung?«

»Ich will bereits beim ersten Gespräch zeigen, dass es Menschen mit verschiedenen Geschlechtern gibt. Aber keine Angst, Sie müssen sich nicht ausziehen.« Er lächelte verkniffen und auch ich schmunzelte, obwohl ich den Scherz nicht sonderlich gelungen fand.

»Das wäre dann alles, Captain. Wir treffen uns morgen um 0800 zur Einsatzbesprechung. Die Kontaktaufnahme ist auf 1400 terminiert. Zwei Stunden vorher fliegen wir zum Treffpunkt.«

»Und wo ist der?«

Er lächelte nur. »Das darf und werde ich Ihnen nicht sagen. Der Präsident will vermeiden, dass sich haufenweise Reporter dort herumtreiben. Ich glaube nicht, dass Sie etwas verraten würden!«, ergänzte er hastig, als er sah, wie sich meine Miene verdüsterte. »Wir sind nur der Meinung, je weniger es wissen, desto besser.«

Er erhob sich von seinem Platz und streckte mir die Hand entgegen. »Auf gute Zusammenarbeit, Keever!«

Ich ergriff kurz seine Hand, salutierte anschließend und verließ den Raum. Erstkontakt! Etwas, was sich jeder Astronaut in seinen Träumen wünscht. Jedenfalls nahm ich es an. Mir hingegen lag der Gedanke wie ein Stein im Magen.

Den ganzen restlichen Tag lief ich wie Falschgeld durch die Gegend. Je mehr ich über das nachdachte, was sich morgen ereignen würde, desto übler wurde mir. Aliens, waschechte Außerirdische! Mit denen stand mir am morgigen Tag eine Begegnung bevor. Und wenn es nun so ablief wie bei 'Krieg der Welten'? Für eine Astronautin war ich ganz schön nervös. Vielleicht lag es aber auch an meiner Müdigkeit. Daher nahm ich nur eine Kleinigkeit zu mir und ging früh ins Bett.

*****

Wenn man im Bett liegt und keinen Schlaf findet, ist es beinahe noch schlimmer, als wenn man die ganze Nacht durcharbeitet. Zumindest geht es mir so. Jedenfalls stand ich bereits um fünf Uhr auf, drei Stunden vor der angesetzten Einsatzbesprechung. Damit hatte ich nun Zeit für ein ausgiebiges Bad, nachdem ich mich dagegen entschieden hatte, noch ein paar Bahnen im Hallenbad des Stützpunktes zu schwimmen. Auch für das Frühstück hatte ich genug Zeit, aber bis auf eine Kleinigkeit brachte ich nichts hinunter. Eine einzige Scheibe Brot und etwas Kaffee zwang ich mir in den Magen, bevor ich mich ankleidete.

Der General hatte nichts über die gewünschte Uniform verlauten lassen, also wählte ich nicht die Einsatz-, sondern die Paradeuniform aus. Es würde ja wohl kaum zu einem Gefecht kommen - zumindest hoffte ich es inständig.

Ich fand mich viel zu früh vor dem Konferenzraum ein, dort, wo die Einsatzbesprechung stattfinden sollte. Nervös blickte ich aus dem Fenster, hinaus auf den Stützpunkt, auf dem sich viel mehr Soldaten tummelten, als ich es bisher erlebt hatte. Ich vermutete wohl nicht zu Unrecht, dass man den allgemeinen Alarmzustand ausgerufen hatte. Allein der Gedanke daran ließ meine Nervosität weiter ansteigen. Mit einem Ruck wandte ich mich ab. Es war nicht gerade professionell, so aufgeregt zu sein. Ich ließ mich auf einen Sessel im Wartebereich nieder und schmökerte etwas in einer Zeitung. Die Geheimhaltung funktionierte anscheinend besser als erwartet, denn von einer möglichen Alieninvasion fand ich kein Sterbenswörtchen in dem Blatt.

»Nehmen Sie auch an der Einsatzbesprechung teil?«

Ich blickte von der Zeitung hoch und sah einen mittelalten, ziemlich dicken Mann vor mir sitzen, der mir völlig unbekannt war. Er trug auch keine Uniform, daher sah ich keinen Grund, ihm zu antworten.

»Ich soll bei der Kontaktaufnahme dabei sein und sie für die Nachwelt festhalten.« Er deutete auf seine Umhängetasche und ich vermutete, dass sich da drinnen wohl ein Fotoapparat befand.

»Sie sehen aus, als würden Sie sich darauf freuen«, erwiderte ich und drückte mich möglichst unbestimmt aus. Falls er mich aushorchen wollte, war er an die Falsche geraten.

Er sah sich um und beugte sich dann zu mir hin. »Na hören Sie mal!«, wisperte er mir zu. »Wann hat man schon mal die Gelegenheit, waschechten Außerirdischen zu begegnen.«

Also wusste er, worum es ging. »Dann hoffen Sie mal lieber, dass die Besucher freundlich sind. Falls nicht, dürfte nur Ihr Nachruf in der Zeitung erscheinen.«

Die Möglichkeit hatte er wohl gar nicht ins Kalkül gezogen, denn er wurde leichenblass, lehnte sich ruckartig zurück und zog ein Taschentuch aus dem Jackett. Er fuhr sich damit ein paarmal über das Gesicht, bevor er es wegsteckte. Wenigstens hielt er nun den Mund, denn nach einer längeren Unterhaltung stand mir nicht der Sinn.

Ich wollte mich bereits wieder in die Zeitung vertiefen, als General Volbert um die Ecke kam. Ich sprang von meinem Sitz hoch und salutierte vorschriftsmäßig.

»Stehen Sie bequem, Captain! Wie ich sehe, haben Sie Mr. McKenzie schon kennengelernt.«

Immerhin kannte ich nun auch den Namen des dicklichen Mannes, der sich mittlerweile auch auf seine Beine bequemt hatte. Er streckte dem General seine fleischige Hand hin, die der Offizier geflissentlich übersah. Anscheinend war Volbert nicht sehr begeistert, dass McKenzie an der Besprechung teilnehmen sollte. Da waren wir uns mal einig, denn auch mir war es nicht recht.

Wir betraten den Konferenzraum, wo sich McKenzie den Platz direkt neben mir sicherte. Umständlich zog er einen dicken Notizblock aus der Tasche, legte ihn und einen Kugelschreiber auf den Tisch, lehnte sich zurück und faltete seine Hände über dem Bauch.

»Ich bin ja gespannt, was der General uns mitzuteilen hat«, wisperte er mir ins Ohr. »Vielleicht erfahren wir endlich, wohin die Reise geht.«

'Solange man mir kein Doppelzimmer mit dir zuteilt, ist mir alles egal', dachte ich und rückte etwas von dem schwitzenden Kerl weg. Innerhalb weniger Minuten kamen noch drei weitere Offiziere in den Konferenzraum, die wohl auch zum Begrüßungskommando gehörten.

General Volbert schloss schließlich eigenhändig die Tür, warf sich in Positur und begrüßte uns offiziell. Allzu viel Neues konnte er uns aber nicht mitteilen, auch über den Ort, den wir nachher anfliegen würden, ließ er sich nicht weiter aus - sehr zum Missfallen meines Sitznachbarn.

Da sich die Aliens nicht mehr gemeldet hatten und es somit keinerlei Änderungen im Ablaufplan gab, schloss Volbert die kurze Besprechung. Er gab uns abschließend den Befehl, uns um 1200 am Hubschrauberplatz II einzufinden.

»Darf ich Sie zu einem zweiten Frühstück einladen?«, fragte McKenzie, kaum dass wir den Konferenzraum verlassen hatten.

Ich lehnte höflich mit der Begründung ab, dass ich noch ein paar Bahnen schwimmen wollte, und ließ ihn stehen. Vielleicht war es nicht sehr nett von mir, aber ich wollte die nächsten Stunden nur irgendwie abschalten und nicht die ganze Zeit über den Auftrag reden. Gerne hätte ich mit Debbie telefoniert, aber eher hätte ich eine Verbindung mit dem Papst bekommen, als ein Telefongespräch nach draußen führen zu können. Die Kontaktsperre, die der General verhängt hatte, wurde rigoros überwacht.

*****

Eigentlich war es nur eine Ausrede gewesen, als ich McKenzie gesagt hatte, dass ich ins Hallenbad gehen würde. Aber schließlich sagte ich mir, dass es keine schlechte Idee wäre, mich etwas auszupowern. Daher holte ich mir meinen Badeanzug und ging hinüber zur Schwimmhalle.

Um diese Zeit war dort drinnen fast kein Mensch. Ich zog mich um und glitt in das kühle Nass. Um meine Frisur brauchte ich keine Angst zu haben, denn die kurzen Haare würden durch das chlorhaltige Wasser kaum leiden.

Ich hatte gerade die ersten Bahnen geschwommen, als ich eine etwas speckige Gestalt am Beckenrand auftauchen sah. Den Anblick des weißen Bauchfleisches, der wulstig über eine knappe Badehose schwabbelte, würde ich wohl so bald nicht vergessen. Warum mir McKenzie in das Schwimmbad gefolgt war, darüber konnte ich nur spekulieren, hoffte jedoch, dass er mich nicht 'anbaggern' wollte. Erstens war ich daran weiß Gott nicht interessiert und zweitens stand uns schließlich etwas ganz anderes bevor, für das wir die volle Konzentration benötigten.

Ich schwamm ruhig meine Bahnen weiter, während er in das Becken stieg und wie eine Bleiente zu paddeln begann.

»Das tut gut«, stieß er reichlich kurzatmig aus, als wir beide uns zufällig gleichzeitig am Beckenrand trafen. »Sie gehen bestimmt oft schwimmen - ich meine, wegen Ihrer sportlichen Figur.«

»Gelegentlich«, erwiderte ich nur und begann mit einer neuen Bahn.

Er hatte wohl schon sein morgendliches Sportprogramm beendet, denn er machte keine Anstalten, mir zu folgen. Stattdessen wartete er auf mich und ging mir damit erfolgreich auf die Nerven. Ich beschloss, meine Schwimmstunde drastisch abzukürzen und zog mich am Beckenrand aus dem Wasser, wohl wissend, dass ich damit McKenzie feuchte Träume bescherte. Nun, vielleicht war er ja ein ganz netter Kerl, aber er war absolut nicht mein Typ. Möglicherweise war ich etwas oberflächlich eingestellt, aber für mich musste ein Mann wie ein Mann aussehen und nicht wie ein runder Klops.

Immerhin folgte er mir nicht auch noch in die Damendusche, sodass ich das warme Wasser genießen konnte. Die Entscheidung, noch das Schwimmbad aufzusuchen, war eine der besseren gewesen, denn ich fühlte mich jetzt eher in der Lage, den bevorstehenden Ereignissen entgegenzutreten.

*****

Pünktlich um 1200 fand ich mich am Hubschrauberplatz II ein. General Volbert und die drei übrigen Offiziere hatten sich ebenfalls schon eingefunden. McKenzie hingegen kam erst um die Ecke gesprintet, als es bereits drei Minuten nach zwölf war. Volbert warf ihm einen missbilligenden Blick zu und mein rundlicher Verehrer konnte froh sein, dass er kein Soldat war. Ansonsten hätte ihm der General wohl noch etwas ganz anderes erzählt.

Jetzt, wo wir tatsächlich zum Treffpunkt fliegen würden, kehrte auch meine Nervosität zurück. Ich gab mir alle Mühe, mir nichts anmerken zu lassen, sah aber in den Gesichtern meiner Begleiter, wie angespannt sie ebenfalls waren. Selbst Volbert wirkte nervös.

Als wir zum Hubschrauber kamen, stieg der Pilot aus, salutierte vor dem General und verschwand im angrenzenden Gebäude.

»Sie wurden auf diesem Modell ausgebildet?«, fragte mich Volbert.

»Ja, Sir!«

»Dann fliegen Sie uns. Die Zielkoordinaten werden ich in das System eingeben.«

Das war eine ziemliche Überraschung für mich und zumindest McKenzie schien es nicht recht zu sein.

»Wann haben Sie denn das letzte Mal so einen Vogel geflogen?«, fragte er. »Ich weiß nicht, ob …«

»Sie können uns ja zu Fuß folgen!«, erwiderte ich und schwang mich auf den Pilotensitz.

Komischerweise verflog meine Nervosität in dem Moment, als ich begann, den vorgeschrieben Check des Hubschraubers durchzuführen. Diese Aufgabe lenkte mich von dem ab, was mir bevorstand.

Es dauerte keine fünf Minuten, bis alle eingestiegen waren, ich die Tests beendet hatte und den Vogel in die Luft brachte. Der General hatte wie angekündigt die Zielkoordinaten in den Bordcomputer eingegeben und ich steuerte das Fluggerät in die angegebene Richtung. Was uns dort wohl erwartete?

Kapitel 4

Orando

Ich fand mich schon früh auf dem Landedeck ein und inspizierte den Gleiter, mit dem der Kompatos, zwei unserer Forscher und ich zum Treffpunkt fliegen würden. Es gehörte zwar nicht zu meinen Aufgaben, aber ich hatte es mir zur Angewohnheit gemacht, mich gründlich auf solche Exkursionen vorzubereiten. Außerdem war ich für den Schutz der Gruppe verantwortlich und schärfte auch dem Piloten genau ein, wie er vorzugehen hatte, falls wir auf feindlich gesinnte Wesen treffen würden. Zwar war die Kontaktaufnahme zur Zufriedenheit des Kompatos abgelaufen, aber man konnte ja nie wissen.

Unser Expeditionsleiter hatte sich seine Präsentationsuniform angezogen.

---ENDE DER LESEPROBE---