Der Landgraf - Franziska M. Dahnke - E-Book

Der Landgraf E-Book

Franziska M. Dahnke

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Beschreibung

Auf der Suche nach einem Schlafplatz für eine Nacht trifft Liliane auf einen Mann, der ihr Leben nicht nur verändert, sondern völlig auf den Kopf stellt.

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Seitenzahl: 78

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Bisher erschienene Bücher von Franziska M. Dahnke:

I need you Virgin Island – Tropische Liebe

Inhaltsverzeichnis

Das geheimnisvolle Haus

Knisternde Gespräche

Wiedersehen im Wald

Der Maskenball

Danksagungen

Das geheimnisvolle Haus

Es war kühl, als Liliane durch die Stadttore lief, aber die erste Frühlingsbrise ließ sich schon erahnen. Gerade war der Schnee weggetaut, der noch vor einigen Wochen gefallen war.

Liliane sah sich um, als sie die Gasse betrat, die bis zum Marktplatz führte. Die Läden waren leer, man merkte, wie sehr die Bewohner auf das erste zarte Grün warteten. Alle waren es leid, nur dasselbe aus dem Vorrat jeden Tag zu essen. Solche Sorgen hatten Liliane weniger. Sie suchte einen Schlafplatz für die Nacht und das nächste Wirtshaus, was sie fand, betrat sie.

Es war voller Bauern, die bei Tisch saßen und Karten spielten, Witze rissen und Bier tranken. So vertrieben sie sich die Zeit, bis es wieder Frühjahr wurde und es endlich etwas zu tun gab, denn das trübe Wetter erlaubte nur wenige Aktivitäten auf den Feldern. Als Liliane das Wirtshaus betrat, drehten sich viele nach ihr um, denn Frauen – und schon gar nicht so junge – hatten hier etwas zu suchen.

Der Wirt stürmte gleich auf sie zu und scheuchte sie davon.

„Raus!“, brüllte er sie an. „Verschwinde! Eine Frau hat hier nichts zu suchen!“

Liliane zog ihren Mantel fester um sich und trat den Rückzug an. Vielleicht hatte sie irgendwo Glück, als Hausmädchen eine Anstellung zu finden oder auch als Magd.

Etwas verloren stolperte sie durch die Gassen und horchte an verschiedenen Türen, ob vielleicht jemand ihre Dienste gebrauchen konnte, aber in den Häusern war entweder alles still oder erfüllt von Stimmen jeglicher Art.

Bei diesem Wetter waren nur wenige Leute auf den Straßen unterwegs, deshalb begegnete Liliane nur ein paar Waschfrauen, die mit ihren Kleiderbündeln unter dem Arm statt waschen zu gehen, lieber miteinander plauderten. Sie beäugten Liliane sehr misstrauisch und fragten, was sie hier denn wolle.

„Ich suche ein Wirtshaus, wo ich nächtigen kann“, sagte Liliane vorsichtig, aber statt einer Antwort wurde diese Aussage nur mit Gelächter quittiert.

„Was treibt ein so junges Ding hier allein? Wärst du meine Tochter, würdest du im Salon Handarbeiten verrichten“, sagte eines der alten Waschweiber, das nicht ahnte, dass Liliane genau deshalb aus dem Elternhaus geflüchtet war, denn die Rolle der braven und folgsamen Tochter, die alles akzeptierte, wie ees war, hatte ihr noch nie gepasst. „Unerhört, dass um diese Zeit Mädchen unterwegs sind, so ganz allein.“

Die anderen Waschweiber begutachteten sie mit ebenfalls großem Spott.

„Du wärst ein Fall für den Bewohner des alten Herrenhauses da oben auf dem Berg“, grinste eine Frau breit.

„Das alte Herrenhaus?“, fragte Liliane neugierig, der die Gesellschaft dieser Frauen trotzdem sehr unangenehm war.

„Oh ja“, nickte eine andere Frau. „Es ranken sich legendäre Geschichten um ihn, seine opulenten Bälle und keiner weiß, was davon stimmt und was nicht. Einzig sein Appetit für Liebe ist bewiesen, er hat genug davon, um mehrere Frauen an einem Tag zu haben. Was er da oben wirklich treibt, will keiner wissen...“

Liliane bedankte sich höflich für diese Schauermärchen und machte sich auf den Weg, das Dorf zu verlassen.

Sie kannte diese Art von alten Frauen auch aus ihrer Kindheit, die den ganzen Tag damit verbrachten, den Dorfklatsch breit zu treten und sich darüber aufzuregen, wie ungerecht es doch in der Welt zuging. Für solche Geschichten hatte sie selten wirklich Zeit gehabt.

Ihre Suche nach einem Schlafplatz musste sie nun wieder aufnehmen.

Hastig lief sie durch die Straßen, bis sie zum Stadtrand kam. Dort waren die Bettler und Aussätzigen, die sich gerade um faulige Kartoffeln stritten. Laut und stinkend ging es zu, aber Liliane hatte keine Zeit, sie nach einem Schlafplatz zu fragen, sie musste weiter.

Sie rannte einen Hügel hinauf, auf dem ein altes Haus stand und dachte einen Bruchteil einer Sekunde an das Geschwätz der Waschweiber, aber es gab hier so viele Häuser, die auf Hügeln standen, und im Gegensatz zu den anderen brannte in keinem der Zimmer Licht. Ob dort überhaupt jemand wohnte, war sowieso fraglich.

Liliane hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Der mittlerweile peitschende Wind kündigte ein baldiges Gewitter an und so ging sie zur Haustür und klopfte.

Vielleicht ließ der Besitzer des Hauses, sofern es einen gab, sie im Stall bei den Tieren schlafen, denn dort war es warm und sie war vor Regen geschützt.

Niemand öffnete. Wirklich in keinem der Zimmer ließ sich ein Lichtschimmer erkennen, es wirkte alles wie ein Spukschloss aus diesen Schauermärchen, die sie als Kind immer erzählt bekommen hatte. Natürlich wusste Liliane, dass es keine Geister gab, aber das Haus machte ihr trotzdem Angst. Dennoch blieb ihr nichts anders übrig, so öffnete sie vorsichtig die Tür und trat in das große Foyer.

Ein Kronleuchter baumelte über der geschwungenen Treppe, die in die oberen Etagen führte und alles sah aufgeräumt und beinah sehr ordentlich aus, was nicht auf ein unbewohntes Haus schließen ließ.

Mit klopfendem Herz ging Liliane durch die verschiedenen Zimmer, aber sie fand keinen Menschen, der hier wohnte, keinen Eigentümer. Alles wirkte verlassen, wären da nicht immer die Spuren menschlichen Lebens. In einem Salon stand eine Schale mit frischem Obst, in einem anderen Zimmer stank es eindeutig nach Rauch – jemand musste vor nicht allzu langer Zeit hier gewesen sein und Kerzen angehabt haben. Aber trotzdem – keine Menschenseele. Ob es hier wirklich spukte?

Liliane ging weiter und kam in die Küche, wo ein Mann an einer Tafel saß. Ganz allein hatte er vor sich einen Obstkorb und eine Platte mit Braten aufgebaut und speiste in aller Seelenruhe.

Sie erschrak und wich zurück, aber der Mann stand auf und ging direkt auf sie zu.

„Hallo, meine Hübsche“, sagte er und zog sie aus dem Schatten ins helle Kerzenlicht, denn offenbar musste er sie sofort gesehen haben. „Wie komme ich zu der Ehre, dass mich jemand besuchen will?“

Liliane sage nichts, ihr heftig klopfendes Herz sagte genug.

Seine Lippen kamen dicht an ihr Ohr.

„Wer bist du?“, fragte er.

„Liliane“, sagte Liliane stockend. „Und ich möchte einen Schlafplatz... und wenn auch nur für eine Nacht.“

„Lass mich überlegen“, flüsterte er und fuhr mit seiner Zunge genüsslich über ihren Hals. „Gut, die obere Schlafkammer gehört dir.“

Er gab ihr einen Stoß und ging wieder zum Tisch, um sich zu setzen und in aller Ruhe weiter zu essen.

Liliane stand daneben und starrte ihn an.

„Wer bist du?“, fragte sie irritiert.

„Mein Name ist Dean, mein Täubchen. Aber geh jetzt bitte schlafen, es ist schon spät.“

Nur sehr zögernd begab sich Liliane in die obere Etage.

Dort waren alle Wände mit Teppichen und Gemälden geschmückt, offenbar schätzte dieser Dean gute Kunst.

Es war ebenfalls ein großzügig bemessenes Bad vorhanden, allerdings nur ein Zimmer mit einem großen Himmelbett – ob Dean genau das gemeint hatte? Es glich mehr einem Palast als einer Kammer, aber da kein anderes Bett vorhanden war, nahm Liliane mit diesem vorlieb. Dort hätten gut und gern 3 Leute Platz gehabt, aber vielleicht hatte sie sich geirrt und hätte doch ein anderes suchen müssen.

Seufzend legte sie ihre Kleider ab und ging ins Badezimmer. Die letzten Kleidungsstücke zog sie dort aus, bis sie völlig nackt war, dann begann sie, sich zu reinigen. Dieses mal besonders gründlich, denn ihr Weg hier her war lang gewesen und es tat sehr gut, mal wieder allen Schmutz abzuwaschen.

Dean hatte inzwischen fertig gegessen und war Liliane ohne ihr Wissen gefolgt. Er stand hinter der Tür und sah durch das Schlüsselloch zu, wie sie sich wusch und bewunderte ihren schönen, makellosen Körper. Ihm juckte es immer in den Fingern, wenn er weibliche Gesellschaft hatte, aber es kam ihm nicht in den Sinn, sie derart zu überfallen.

Als Liliane zur Tür ging, wich Dean einen Schritt zurück und tat so, als sei er rein zufällig hier vorbei gekommen.

„Huch“, sagte sie überrascht.

„Habe ich dich aufgehalten?“

„Überhaupt nicht“, sagte Dean gelassen. „Nimm dir die Zeit, die du brauchst.“

„Hier ist nur ein Schlafzimmer auf der Etage“, sagte Liliane vorsichtig.

„Ja, und das ist deins“, sagte Dean und trat einen Schritt zur Seite, damit sie an ihm vorbei konnte.

Liliane sah zwar ungläubig über dieses Angebot aus, aber sie folgte dem, was er sagte. Müde genug war sie, und sie freute sich, endlich schlafen zu können.

Draußen hatte es angefangen, zu stürmen und Winde tobten um das Haus.

Zufrieden rollte sich Liliane in die Bettdecke und versuchte, zu schlafen, auch wenn ihr unklar war, weshalb ein Mann, der sie nicht kannte, sie einfach so ein seinem Haus nächtigen ließ. Der Donner, der über ihr polterte, schreckte sie wieder auf und mit dem Wunsch, schlafen zu wollen, war es aus.

Mit einem Knarren öffnete sich die Tür und Dean trat ein. Er trug fast nichts, nur eine kurze Leinenhose und in seiner Hand hielt er einen Kerzenleuchter.

„Ich dachte, in dieser stürmischen Nacht könnte man etwas Licht gebrauchen“, sagte er und zündete die Kerzen im Schlafzimmer nacheinander an.

Liliane zog die Decke noch etwas enger um sich. Ihr war die Nähe von Dean unangenehm, auch wenn sie ihn irgendwie bewunderte, dass er sich so dicht an sie heran wagte. Ihr dämmerte, dass es auch sein Bett war, in dem sie lag.

Dean machte keinerlei Anstalten, zu gehen, stattdessen setzte er sich auf den Rand des Bettes.

„Woher kommst du?“, fragte er.