Der Logistiker - Gerd Schossig - E-Book

Der Logistiker E-Book

Gerd Schossig

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Beschreibung

Eine minutiöse und spannende Erzählung um eine Dreiecksbeziehung des Logistikers zu zwei Frauen und diversen Geschäften in Anlage- und Immobilienbereich. An zwei Handlungsorten, Erfurt und Kiew, lässt der Autor eine rasante Geschichte, mit viel Lokalkolorit ablaufen. Tauchen Sie ein in dubiöse Geschäfte, die sich hart am Rande der Legalität bewegen und nichts für schwache Nerven sind. Das Happyend ist so erstaunlich, wie die gesamte Geschichte!

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EPUB

Seitenzahl: 653

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Impressum

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

Für den Inhalt und die Korrektur zeichnet der Autor verantwortlich.

© 2012 united p. c. Verlag

ISBN Printausgabe: 978-84-9015-668-1

ISBN e-book: 978-3-85040-811-0

Umschlagfoto: Gerd Schossig

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: united p. c. Verlag

www.united-pc.eu

1

Es war wieder einer dieser Tage, die schön werden könnten, wenn man sie nur auf die richtige Weise beginnt. Die Sonne kitzelte mich wach. Ihre Stahlen erleuchteten nicht nur das Zimmer, sondern erwärmten es zugleich.

Der gestrige Abend war sehr lang geworden. Ich saß mit Freunden in einer Whisky - Kneipe, gleich um die Ecke. Die war eher ein langer Schlauch, als ein Raum. Aber dafür so urig wie irgend möglich. Renoviert war auch schon lange nicht mehr. Aber dass fiel nicht weiter auf, denn die Wände zierten alle möglichen Werbeposter für die unterschiedlichsten Whiskysorten. Neben dem Highländer, hing ein Poster einer Destille von der Isle of Spy und daneben ein Emailleschild für den besten Glenfiddish, der jemals gebrannt wurde. Auch das Refugium des Barkeepers atmete das Flair der vielen Flaschengeister, die hier ihr Unwesen trieben. Auf mehreren Metern, in drei Höhen, standen die offenen Objekte der Begierde und des Wohlgefühls.

Auch wir hatten gestern Abend dazu beigetragen, dass die Geister entweichen konnten und leisteten damit einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Fortbestand der Kneipe. Es war spät geworden, aber ich hatte es ja nicht weit.

Und heute morgen, oder sagen wir lieber, heute Vormittag, war es an der Sonne, mich wieder in die Reihen der Lebenden zurück zu holen. Dies tat sie mit einer Intensität, dass alles Klagen nichts half. Ich hatte mir schon immer vorgenommen, einmal einen Sonnenaufgang von diesem Zimmer aus zu beobachten. Aber das musste ich auch diesmal wieder verschieben. Dabei hatte ich genau diese Wohnung ausgesucht, die alles bot, um eine gesunde Lebensführung zu ermöglichen.

Die Wohnung liegt in der Altstadt von Erfurt. Sie hat eine Tiefgarage und ist sozusagen in Ost- Westrichtung gebaut. Das Schlafzimmer geht nach Osten heraus. Im Westen ist der Wohn- und Arbeitsraum, mit Blick auf eine dieser kleinen Inseln in Mitten des sich stark verzweigenden Flusses, der die Stadt durchfließt. Hier müssen früher viele Mühlen gestanden haben, um das Einkommen ihrer Besitzer zu sichern. Heute ist es eine ruhige Oase im hektischen Alltag der Stadt. Meine Grüne Lunge sozusagen und der Grund, weshalb ich nicht mit anderen Orten dieser Welt tauschen möchte.

Bitte entschuldigen Sie, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Jens Stuchlich und ich bin Logistiker. Sie werden jetzt bitte nicht lachen, denn mein Vorname hat nichts mit einer gewissen Figur aus dem Film „Raumschiff Surprise“ zu tun. Den Namen habe ich meinen Eltern zu verdanken. Ich fahre auch kein Moped, denn in der Tiefgarage steht ein fast neuer AUDI Q5, der meinen Lebensunterhalt verdient. Ansonsten geht es mir gesundheitlich sehr gut, obwohl ich mit dem Rauchen aufhören sollte. Das sagt nicht nur mein Arzt, den ich die letzten Jahre sehr vernachlässigt habe, sondern mein Gefühl, auf das ich mich verlassen kann, wenn ich es nur ab und zu mal beruhige.

So ist es auch heute Vormittag wieder. Deshalb ziehe ich mir die Laufschuhe an und drehe einige Runden um den Block. Nur ist das in der Altstadt nicht dieses quadratische Etwas, was sich in Stadtplänen so schön ausnimmt, sondern der Lauf am Fluss „Gera“ entlang, Richtung Norden. Der Weg mündet in den weitläufigen Nordpark, den man kreuz und quer durchlaufen kann, ohne Wege mehrmals laufen zu müssen. Das herrliche Wetter und die trockenen Wege ließen in mir ein Hochgefühl aufkommen. So verbrannten auch die letzten Reste der Destillate der letzten Nacht und der Kopf wurde wieder frei.

Es war Mittag und damit an der Zeit, sich ans Tageswerk zumachen. So spät, werden Sie sagen und das mit Recht. Ich schaue nicht auf die Uhr und ein geregelter Tagesablauf ist nur an den wenigen freien Tagen, zwischen den Aufträgen, und nur zu Hause möglich.

Ich bin Logistiker, aber das hat mit Logik nichts zu tun. Eigentlich bin ich ein Transporteur. Nur klingt das nicht so schön. Meine Profession liegt darin, Güter von A nach B zu transportieren. Nur sind diese Güter keine Päckchen im herkömmlichen Sinne, wie bei einem Paketdienst. Also beispielsweise keine Gebissprothesen, die vom Dentallabor zu einem Zahnarzt gebracht werden müssen, sondern Güter der besonderen Art, die besonders transportiert werden müssen. Es ist von allem etwas; Parcelservice Overnight und Exclusiv Transporting.

Meine Kunden verlangen Diskretion und Auftraggeberschutz. Ich frage nie nach den Inhalten, wenn die finanzielle Seite stimmt. Man kann es als eine Art Postdienst verstehen ohne den beamtenrechtlichen Bestimmungen. Verhandlungen führe ich immer persönlich und auf Augenhöhe, ohne die üblichen Gepflogenheiten der Branche zu missachten. So habe ich mir einen untadeligen Ruf in den letzten Jahren erarbeitet, der sich langsam auszuzahlen lohnt. Immer öfter gehen Anfragen zu meinen Transportleistungen ein, die einer Nachrecherche bedürfen. Man will ja schließlich wissen, für wen man arbeitet. Am liebsten sind die Aufträge, von bekannten Auftraggebern. So wie an diesem Mittag, als ich in den Briefkasten sah und einen dieser bekannten, leicht hellblauen, Briefumschläge im Kasten hatte. Er war mir schon seit zwei Tagen per e - Mail angekündigt worden. Absender war ein ukrainisch - deutscher Kulturverein, mit Sitz in der Stadt. Ich hatte die Chefin vor etwa einem Jahr, bei einer Veranstaltung der Deutsch- Russischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung kennen gelernt. Es war ein recht langes Gespräch über die Integration der ausgewanderten Russland - Deutschen in der Stadt. Sie hatte Pläne für den Aufbau einer Art Vertrieb von Kunstgewerbe aus der Ukraine, Russland und Weißrussland. Dafür sollten die Emigranten ein Netz von Kunstgewerbeläden in allen Regionen des Landes eröffnen und die russische Folklore damit mehr ins Zentrum des gesellschaftlichen Lebens rücken. Dafür hatte ich einige Transporte übernommen und bin gut und pünktlich bezahlt worden.

Diesmal war es allerdings anders. Der Brief war an mich adressiert und „persönlich“ besonders hervorgehoben. Die Chefin wollte mich in einem Café in der Stadt und nicht am sonst üblichen „Samovar“ treffen. Dazu waren einige dunkelgrüne Scheine mit dem Weißkopfadler und zwei Nullen hinter der eins sowie einige hellgrüne Euroscheine beigefügt. Bisher trafen wir uns immer in den Geschäftsräumen des Vereins, um diverse Dinge zu besprechen. Sicher hatte die Chefin bei diesen Treffen gemerkt, dass ich Kaffee lieber mag, als Tee. Das war ein guter Anfang und es konnte sich alles nur zum Besten entwickeln.

Bis zum Treff war noch einige Zeit, die ich damit verbrachte, meine e – Mails zu beantworten. Eine Recherche zu einer Transportanfrage brachte keine neuen Erkenntnisse, so dass ich beschloss mich für das Treffen umzuziehen.

Eines meiner Erfolgsrezepte war: Kleide Dich zu einer geschäftlichen Verabredung oder bei der eigentlichen Arbeit immer geschäftsmäßig. Dazu legte ich mir den dunkelblauen Anzug, ein bordeauxrotes Hemd und die hellblaue Krawatte heraus. Ich duschte ausgiebig, denn die letzten Nachwirkungen der Whiskynacht und der Lauf durch den Park sollten in die Kanalisation gespült werden. Die Runderneuerung tat gut und machte aus mir wieder einen seriösen Mitspieler.

Wir wollten uns am Café „Am Dom“ treffen. Ich war ein paar Minuten zu früh da und besetzte einen freien Tisch, mit Blick auf das Wahrzeichen der Stadt Erfurt. Es war Frühling, Mitte April und die Sonne entwickelte bereits einige Intensität, sodass nicht mehr viele freie Plätze zu vergeben waren. Die Menschen sehnten sich nach den warmen Strahlen, wie Echsen, die warme Steine suchen, um wieder neue Lebensgeister zu tanken.

Ich wartete nicht lange, dann kam meine Auftraggeberin. Ihr Auftritt hatte etwas glamouröses an sich. Wie eine Operndiva stand sie in einem weißen Fellmantel mit dunkelbraunen Stiefeln vor dem Tisch. Auf dem Kopf trug sie eine weiße Fellmütze, ähnlich einer Schapka, die ihre blonden Haaren kaum bändigen konnten. Das halbe Café, zumindest alle männlichen Gäste, blickten sich zu ihr um. Sie genoss es sichtlich die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Bisher hatte ich meine Auftraggeberin nur im grauen Kostüm erlebt. Dieser Auftritt war opernreif inszeniert. Wen wollte sie wohl damit beeindrucken?

Nach einer kurzen Begrüßung, bedankte ich mich für die Einladung und wollte gleich auf den Anlass unseres Treffens kommen. Doch sie entspannte sich und ließ den Blick über den Platz vor uns mit dem Dom und der Severiekirche schweifen. Sie hatte es nicht eilig. Unter den warmen Strahlen der frühen Sonne taute sie förmlich auf und begann über die Schönheit des Augenblickes zu schwärmen. Bisher hatte ich Lidia Beschovskaja nur in den ruhigen und kühlen Räumen des Vereins erlebt und als eine kühle, beherrschte Managerin in Erinnerung. Hier war sie das ganze Gegenteil. Beherrscht war sie zwar immer noch, doch ging auch eine Art Wärme von ihr aus, die sicher durch die Situation geprägt war.

Unser Gespräch drehte sich um die Integration ihrer Landsleute und ihre Schwierigkeiten hier in Deutschland Fuß zu fassen. Die Probleme im Zusammenhang mit dem Aufbau der Souvenirläden ließen sie förmlich explodieren. Ärger machten unter anderen die Gewerbebehörden und deren Kontrollen. Tatsachen, die sie nicht verstand. Die sicher keiner versteht, der etwas bewegen will. Leider konnte ich nicht all zu viel helfen, denn davon verstand ich auch nichts. Außer ein wenig Mitgefühl, was ich zeigte, war es mir nicht möglich kluge Lösungen anzubieten. Deshalb sonnte ich mich ein wenig in ihrer Gegenwart und an dem Ort, wo wir uns befanden. Dafür schmeckte der Kaffee.

Einige Zeit später, wir saßen mehr als eine halbe Stunde und die Sonne begann bereits ihren Abstieg auf ihrer Himmelsbahn, kam Lidia auf meinen nächsten Transportauftrag zu sprechen. Sie sprach von der Notwendigkeit mehr Geld in den Verein zu investieren und dieses Geld zu beschaffen. Ich wusste zu wenig von ihr und ihren Verein, um zu beurteilen, was genau gemacht werden musste. Sie hatte eine Lösung und die bestand in dem nächsten Transport. Meine Aufmerksamkeit war wieder erwacht. Ich sollte nach Kiew fahren und eine Segeltuchtasche in einer Wohnung, in einer bestimmten Straße abholen. Sie gab mir eine entsprechende Adresse, wo ich am 12-ten des Monats, 15 Uhr Ortszeit, bei Familie Rybakowsky klingeln sollte. Man würde mir die Tasche aushändigen, die dann zum Verein gebracht werden müsse. Es solle alles wie eine Touristenreise aussehen, die den Zweck hat: Kinderspielzeug zu einer befreundeten Familie zu bringen. Bevor ich morgen losfahre, könnte ich zwei Taschen mit Kindersachen und Spielzeug im Verein abholen. Es ist alles organisiert und könne sofort losgehen.

Der Inhalt des Kuvert, worin ihre Einladung zu diesem Kaffee war, sei als Kostenvorschuss für meine Aufwendungen für diese Fahrt gedacht. Sie erwartet mich dann am 14. April, 10 Uhr, in ihrem Büro zur Übergabe des Transportgutes zurück. Außerdem sei ein Zimmer im Kiew Park Hotel in der Stadt auf meinen Namen gebucht.

Sie hatte es auf einmal sehr eilig. Beim Weggehen bat sie mich noch die Rechnung zu übernehmen. Sprach´s und war verschwunden, wie eine Fata Morgana. Etwas verdutzt saß ich da und dachte über das eben Gehörte nach. Meine bisherigen Fahrten für den Verein führten mich immer nur innerhalb meines Bundeslandes, einmal nach Chemnitz. Und jetzt der Zielort Kiew, in der Ukraine. Soweit östlich war ich noch nie. Heute war der 11. April. In 3 Tagen sollte ich wieder zurück sein. Es begann interessant zu werden.

2

Die Nacht hatte ich richtig gut geschlafen, als morgens um sieben Uhr der Wecker klingelte. Wieder kitzelte mich die Sonne wach. Auch wenn es morgens noch ein wenig frisch war, so versprach die Sonne, dass es wieder ein schöner Tag werden würde.

Am vergangenen Abend hatte ich mich bei meinen Freunden für die nächsten 3 Tage so zu sagen abgemeldet. In dringenden Fällen könnten sie mich über das Handy erreichen. Aber was sind schon dringende Fälle? Ich hatte kein Haustier, was zu versorgen war. Und eine Freundin oder gar eine Frau hatte ich auch nicht. Alle meine Freunde waren bereits seit einiger Zeit verheiratet und hatten auch eine Menge Nachfahren gezeugt. Für mich war das nichts. Es war so schon schwierig mit den Jungs mal ein Bier oder einen Whisky zu trinken und über die alten Zeiten zu sprechen, über gute Rockmusik oder auch den guten alten Ostrock der siebziger und achtziger Jahre. Meine Interessen lagen bei anderen Sachen, wie einem guten Boliden unterm Hintern und viel Kraft unterm Blech. Genau das Richtige stand unten in der Tiefgarage, mit den vier Ringen am Kühlergrill. Ein Q5, der mich noch nie stehen gelassen hat, im Gegensatz zu manch einem Mädel, was mehr wollte. Auf den 6 Zylinder Turbodiesel konnte ich mich verlassen. Der schnurrt genauso, wie manche Bekanntschaft.

Der Kaffee war frisch, die Brötchen auf gebacken. Auf ein ordentliches Frühstück verzichte ich nur ungern bis gar nicht. Das ist wichtig. Da verläuft der Tag gleich besser.

Meine wichtigsten Informationen für die Fahrt hatte ich aus dem Internet. Im Grunde wusste ich ja, wo Kiew liegt, doch ich wollte mich vergewissern, ob es eine durchgehende Straßenverbindung gibt. Bis Krakau bin ich schon gekommen. Da besteht noch die alte Autobahn aus den vierziger Jahren. Vor kurzem wurde die alte Autobahn mit Hilfe von viel EU- Geldern saniert und an einigen Stellen ausgebaut. Diese Bauarbeiten dürften jetzt abgeschlossen sein. Polen und die Ukraine wollen ja 2012 die Fußball- Europameisterschaft ausrichten. Also wird sicher auch der weitere Verlauf dem europäischen Standard entsprechen.

Gegen 9 Uhr fuhr ich los. Mein erstes Ziel war Lwiw, das ehemalige Lemberg. Vor mir lagen also ca. 1050 km, die ich in einem Ritt, bis zum späten Nachmittag schaffen wollte. Auf der Bundesautobahn A 4 herrschte der vertraute Verkehr. Nicht zu viel für die dreispurig ausgebaute Strecke, wenn da nicht die permanenten Baustellen wären. Auch nach mehr als zwanzig Jahren ist die immer noch nicht vollständig fertig. Das nervt, da immer noch etwas Neues dazu kommt. Erst wurde die Straße renoviert, danach dreispurig in Abschnitten ausgebaut und jetzt kommen Tunnelbauten dazu. Es kam mir so vor, als ob die Baufirmen immer neue Projekte anschieben, um ständig an dieser zentralen West- Ost- Verbindung zu werkeln. Vielleicht erlebe ich es noch, wenn diese Straße einmal fertig wäre.

Bei solchen Fahrten, allein im Auto, denkt man an die merkwürdigsten Dinge. Gerade bei der A 4 kommt mir in den Sinn, dass diese Straße der Via Regia folgt. Die Via Regia, die als die alte Königsstraße aus dem Mittelalter bezeichnet wird. Zwar folgt sie nicht direkt der alten Trasse, doch die Richtung entspricht der gleichen, die bereits die Händler und natürlich die Könige wählten, um schnell in den Osten zu kommen. Die Straße verband die wirtschaftlichen Zentren des Rhein – Main - Gebietes, also der jetzige Großraum Frankfurt am Main, mit Erfurt, Dresden, Görlitz und weiter über Breslau, Krakau bis Kiew und Minsk miteinander. Sie ist damit eine der ersten großen europäischen Verbindungen, die die Menschen zusammen gebracht hat, lange bevor an die Idee des vereinigten Europas zu denken war. Handel und Güteraustausch bringen die unterschiedlichen Kulturen zusammen. Aber die Straße besaß auch eine überaus wichtige strategische Seite. Auf ihr konnten riesige Heere, mit zig tausenden Kriegern, schnell das mittlere Europa durchqueren. Zuletzt praktiziert von einem Kaiser namens Napoleon. Auch er folgten den alten Handelswegen, um seine Expansion voranzutreiben. So bin auch ich auf der alten Handelsstraße unterwegs, um Verbindungen herzustellen und neue Netzwerke zu schaffen.

Nach knapp 3 Stunden Fahrt rolle ich auf den Autobahn- Grenzübergang Görlitz zu. Es ist einfacher innerhalb der EU geworden, die Grenzen zu überwinden. Ich brauchte nicht einmal das Fenster herunterzulassen und wurde gleich weiter gewunken. Ich grüßte den freundlichen Grenzer und konnte wieder Gas geben.

Allmählich verschwanden die deutschsprachigen Sender aus dem Radio und ich steckte einen USB- Stick in das Kommunikationssystem des Autos. Eigentlich darf man auf polnischen Autobahnen nur 140 km/ h fahren, aber das fantastische Wetter und das „Highway to Hell“ von AC/ DC verführten mich deutlich schneller unterwegs zu sein. Ich wollte ja noch bei Tageslicht in Lemberg ankommen, um etwas von der Stadt zu sehen.

Die polnische E40 verleitet ja auch zum schnell fahren. Auf der mautpflichtigen Strecke sind nur die unterwegs, die es eilig haben. Hier hält niemand die Höchstgeschwindigkeit ein. Im Gegenteil, jeder will der Schnellste sein. Da nun auch hier die westlichen Fabrikate bei den Autos und LKW die Überhand gewonnen haben, versucht jeder jeden mit seinen PS zu übertrumpfen. Es ist kaum möglich mit konstant hoher Geschwindigkeit dahin zu rollen. Die Bahn ist hervorragend ausgebaut, doch jeder kleiner Berg wird zum Hindernis, weil da die Kapitäne der Landstraße ihre Spielchen machen.Diese Art der „Elefantenrennen“ kennt man ja auch in Deutschland. Hier in Polen betreibt dieses Spiel allerdings jeder vom Kleintransporter bis zum 40- Tonner. Jeder gibt seinem Esel die Sporen. Doch einigen werden die kleinsten Hügel zum Verhängnis und dem PKW- Fahrer zum Ärgernis.

Leider rollt der Verkehr nur bis Krakau auf der neuen Ausbaustrecke. Danach geht es weiter der E40, allerdings über die Dörfer. Zwar ist die Straße auch ausgebaut, doch eine richtige Autobahn ist es dann doch nicht geworden. Ich nutze die Möglichkeit den Tank nachzufüllen, denn die zweite meiner persönlichen Regeln besagt: Immer mit vollen Tank durch die Landschaft fahren. Es sind noch mindestens 200 km bis zur ukrainischen Grenze. Wo immer es geht, gebe ich Gas.

Polen ist gar nicht so groß, wie man meint. Nach nicht einmal 5 Stunden, in denen ich gefahren bin, stehe ich im Stau an der polnisch – ukrainischen - Grenze. Ein Häuschen ist geöffnet, um die Einreisenden ab zu fertigen. Man fühlt sich in die Zeit vor dem Schengener Abkommens zurück versetzt. Aber da die Ukraine mit der EU nur assoziiert ist, kann es halt etwas länger dauern.

Ich steige aus meinem Auto aus und nehme das Geschehen in persönlichen Augenschein. Mit einem Schreiben meiner Auftraggeberin, wonach ich Hilfsgüter transportiere versuche ich schneller abgefertigt zu werden und fahre rechts an das Verwaltungsgebäude heran. Und zu meinem Erstaunen sind die Grenzer sehr freundlich. Sie lassen mich an ihr Bürogebäude fahren um in den Kofferraum schauen zu können. Tatsächlich liegen dort die beiden Taschen mit dem Spielzeug. Es gibt nichts zu beanstanden. Man lässt mich sehr schnell weiter fahren, da alles in Ordnung ist.

Vor mir liegen noch 95 km bis Lwiw, oder Lemberg, wie der ehemals deutsche Name der Stadt war. Die Straße ist als Landstraße gut ausgebaut, allerdings mit einer Geschwindigkeit von 110 km/ h begrenzt. Zu allem Überfluss muss auch die Uhr um eine Stunde vor gestellt werden. Es beginnt bereits zu dämmern. Dadurch wird es wohl nichts mit einem Spaziergang bei Tageslicht durch die Stadt.

Irgendwie sind wenige Fahrzeuge auf der Straße. Ob das durch die Verzögerungen an der Grenze kommt oder an der Tageszeit liegt? In Deutschland ist es 16 Uhr Rushhour, also Feierabendverkehr. Am Grenzübergang steht auf ukrainischer Seite eine Uhr. Auf der ist es 17 Uhr. Habe ich etwa eine Zeitzone überquert? Hier geht es um einiges gemächlicher zur Sache. So komme ich gut vorwärts und stehe bereits nach einer dreiviertel Stunde vor meinem Hotel.

Das Hotel „Buhta Vikingov“ ist ein Neubau, fast genau an der M 10, wie die Schnellstraße hier heißt. Auf dem Parkplatz gibt es viele freie Plätze, trotzdem fahre ich vor den Haupteingang. Ein Hotelboy eilt schnell herbei und fragt nach meinen Wünschen. Er spricht kein deutsch, so versuchen wir es mit mehr oder weniger englisch. Er möchte unbedingt das Auto parken. Hier tritt mein dritter persönlicher Grundsatz ein: Überlasse niemals dein Auto einem anderen, auch wenn er noch so vertrauensvoll aussieht.

An der Rezeption ist schnell meine Reservierung von gestern herausgesucht und ich bekomme ein Zimmer auf der dritten Etage, mit Stadtblick, wie mir versichert wird. Leider nützt der jetzt wenig, da es schnell dunkel geworden ist und ich den beabsichtigten Stadtbummel auf einen späteren Zeitpunkt verschieben muss. Der Mann an der Rezeption bietet mir auch einen Stellplatz in der Tiefgarage des Hotels an. Das Angebot nehme ich dankend an und bin mir so sicher, dass ich kommenden morgen das Auto auch benutzen kann. Ihn frage ich auch nach der Zeit. Er versichert mir, das es jetzt 19 Uhr ist. Also eine Stunde Zeitverschiebung nach hinten.

Der Hotelboy weicht nicht von meiner Seite. Da er unbedingt meine Tasche tragen möchte, soll er mir auch den Weg in die Hotelgarage zeigen. Ich bitte ihn in das Auto zusteigen. Diese kleine Parkplatzrunde hat er sich redlich verdient für seine Freundlichkeiten. Ihn interessiert eigentlich nur das Auto. Das ist für ihn bestimmt der schönste Tag seit langem, so wie seine Augen glänzen.

Nachdem ich das Auto geparkt habe, fahren wir zusammen in die dritte Etage und er zeigt mir das Zimmer. Die Zimmereinrichtung ist europäisch, mit dem gleichen Standard, der vier Sternen entsprechen würde. Eine separate Toilette mit BD, ein Bad mit Dusche und Fön sowie ein großes Zimmer mit Doppelbett und abgetrennten Aufenthaltsbereich mit Flat- Screen- Fernseher, auf dem das Begrüßungsvideo des Hotels in deutscher Sprache läuft. Nach dem kleinen Rundgang bekommt mein Schatten ein großzügiges Trinkgeld und ich den Zimmerschlüssel. Er betont noch, dass das Restaurant sehr gut sei und ich mich bei meinem Aufenthalt wohl fühlen soll.

Nachdem ich bisher nur gefrühstückt und bei der Tankrast eine Krakauer gegessen hatte, machte sich jetzt mein Magen bemerkbar. Bei solchen Fahrten esse ich im allgemeinen, außer ein paar Äpfeln, nichts. Da kam mir das Angebot zum Besuch des Restaurants gelegen und ich brauchte das Hotel nicht noch einmal zu verlassen.

Das Restaurant befand sich in einem Zwischengeschoss, zwischen Rezeption und erster Etage. Man wird an einen Tisch geleitet. Ich wählte einen Tisch an der langen Fensterfront, um einen Blick auf die Stadt zu erlangen. Die Plätze waren für vier Personen eingedeckt. Nach der Frage, ob ich allein essen wolle, wurden die restlichen Gedecke entfernt. So war der Tisch nicht so überladen, denn die Eindeckung erfolgte für vier Gänge mit je einem Satz Gläser, nebst Wasserglas. Auch die Tischdekoration zeigte die hohe Qualität, die bisher für das gesamte Haus galt. Hier konnte man sich wohl fühlen. Der Hotelboy hatte Recht.

Die Speisekarte kam in deutscher Sprache. Auch das war angenehm. Die Speisen waren international ausgerichtet, zumindest was die Übersetzung darstellte. Ich bestellte eine Zwiebelsuppe, einen Tatar gewürzt, Steak mit Letscho und zum Abschluss ein Omelett mit Eis und heißen Früchten. Als Getränke gab es Heinnecken oder Becks oder Wein aus Italien. Ich ließ eine Karaffe Chardonnay von der Soave kommen.

Die Plätze waren mäßig besetzt. Eine Handvoll Geschäftsleute vielleicht und zwei Frauen zählten zu den Gästen. Das Ambiente des Raumes war gediegen und dämmte die Geräusche fast vollständig. Der Ausblick, der sich mir bot, war nichts besonderes. Die Stadt lag weitestgehend im Dunkeln. Nur vereinzelt wurden Gebäude ins rechte Licht gerückt. Nicht zu vergleichen mit dem Lichtermeer, was sich über Westeuropa ergießt.

Leider war die angekündigte Zwiebelsuppe, eine Cremesuppe mit Zwiebelgeschmack. Das Tatar kam auf einem etwa handtellergroßen Zwieback. Gewöhnungsbedürftig dabei war der herzhaft gewürzte, rohe Rindfleischklops auf einem süßen, gerösteten Teigetwas. Nur die anderen beiden Bestellungen entsprachen dem bekannten Muster und haben recht gut geschmeckt. Die Küche scheint einen Balanceakt zwischen landestypisch und europäisch zu versuchen. Man muss sich daran gewöhnen. Zum Abschluss bestellte ich noch einen Kaffee. Angenehm war die Tatsache, dass das Bedienpersonal sehr freundlich und aufmerksam war. Es wurde zwischen den Gängen ausreichend Zeit zur Verdauung gelassen. So dauerte das ganze Abendessen fast bis 22 Uhr. Sollte ich öfter hierher kommen, dann werden ich wieder in diesem Hotel einchecken.

Auf dem Zimmer probiere ich den Fernseher aus. Offensichtlich wird er über eine Satellitenanlage mit Programmen versorgt, denn es sind alle öffentlich - rechtlichen und privaten deutschsprachigen Sender empfangbar. Das alles interessierte mich jedoch nicht. Ich hatte morgen meinen ersten großen Tag und den wollte ich ausgeschlafen angehen. Meine Absicht war gegen 7 Uhr 30 ab zufahren. Davor sollte gefrühstückt und aus gecheckt werden. Mal sehen, wie schnell das morgens geht.

3

Mein Handy fiebte mich recht unsanft aus einem schönen Traum. In der Sonne, auf einem weißen Sandstrand, an einer blauen Lagune liegend ist jede Störung so unangenehm, wie eine Magensonografie und dazu noch unnütz. Die erste Reaktion war das Wegwischen der Störung, in dem ich mit meinen Armen wedelte. Doch es half nichts. Die Technik war so eingestellt, das sie mich nach einer Minute wieder daran erinnerte, das es Zeit zum aufstehen war.

Ich stand auf, spülte den letzten Schlaf in der Dusche herunter und fühlte mich gleich wesentlich besser. Die wenigen Sachen waren schnell in der Tasche verpackt. Bei meinen Touren reise ich immer nur mit leichtem Gepäck, wenn man überhaupt von so viel sprechen kann.

Die Morgencrew im Restaurant geleitete mich wieder an meinen gestrigen Tisch. Doch auch heute morgen wurde ich nicht mit einen berauschenden Ausblick begrüßt. Die Wolken lagen tief über der Stadt, als wollten sie die Häuser erdrücken. Es wird wohl ein Unwetter herein ziehen. Damit würde die Fahrt nach Kiew nicht so angenehm verlaufen, wie die bisherige Reise. Und ich dachte immer, im Osten geht die Sonne auf. Was sie, astronomisch gesehen, ja auch tut. Vielleicht im Moment nur nicht, denn jetzt war der Lichtschalter nicht voll umgelegt.

Eine Überraschung war auch die Präsentation des Frühstücksbuffets. War ich bisher immer gewohnt zum Buffet zu gehen, so kam es in diesem Hotel zum Gast. Eine Mitarbeiterin schob ein metallenes Gestell, nach allen Seiten offen, durch die Tischreihen. Mit einer Höhe größer als ich, dabei bin ich mit meinen 1,85 m nun auch kein Zwerg, und mindestens einem Meter breite eine recht unhandliche Angelegenheit. Eine Etage gehörte den Marmeladen und dem Honig, eine den Delikates-Salaten, eine den Wurst- , Käse- und Fleischaufschnitte und die letzte der Müslifraktion. Ich habe nie verstanden, wie Menschen am frühen morgen solch gesunde Cerealien zu sich nehmen können. Dazu kam Kaffee bis zum abwinken. Das Haus hatte schon wieder Pluspunkte gesammelt.

Auch das Auschecken erfolgte reibungslos. Meine Rechnung beinhaltete bereits die Kosten für das Abendessen und das Frühstück. So stand ich mit meiner Tasche bereits vor dem avisierten Abfahrtstermin an meinem Auto. Ich war gespannt, was mich erwartet.

Da sich das Hotel in der Nähe der Schnellstraße befand, war ich in kurzer Zeit wieder auf dem Highway. Diesmal suchte ich mir Musik von den Stones und Led Zeppelin heraus. Es begann eine Fahrt durch die Ebene der Ukraine. Die Straße war gut ausgebaut und die größeren Orte wurden umfahren. Hier wird viel Landwirtschaft betrieben. Aber auch die legendären, schnurgeraden Teilstücke traten im Verlauf der Strecke immer wieder auf. Ich sollte 15 Uhr bei der Verabredung sein. Wie es aussah würde ich die Distanz in einer kürzeren Zeit schaffen, als vom Routenplaner errechnet. Da die Software des Navigationsgerätes im bordeigenen Kommunikationssystem nicht für die Ukraine ausgelegt war, hatte ich mir zu Hause Ausdrucke der Stecke und Auszüge von den Stadtplänen aller größeren Orte gemacht. Meine vierte, interne Regel besagte schließlich: Sei auf alles vorbereitet. Beschaffe Dir so viele Informationen wie möglich.

Natürlich wähle ich die schnellste Verbindung zu den avisierten Zielen. Aber man sollte auch mit allen Unwägbarkeiten der Situation zurecht kommen, wie Umleitungen oder Sperrungen. Ein sogenannter Plan B gehört damit immer zur Notfallausrüstung meiner Unternehmungen.

Nach etwas mehr als fünf Stunden Fahrt sah ich bereits ein markantes Landzeichen der Stadt Kiew, den Fernsehturm. Leider werde ich auch hier nicht die Zeit haben, um mich als Tourist ins Getümmel stürzen zu können. Meine Adresse lag zwar diesseits des Flusses, aber die Metropole der Ukraine ist nicht irgendeine Provinzstadt. Schließlich bevölkern mehr als 2,7 Millionen den Ort, der gleichzeitig die Hauptstadt der Ukraine ist. Die Stadt liegt am südöstlichen Rand des Prydniprovskaer Hochlandes. Dieses waldreiche Gebiet bildet damit die natürliche, westliche Begrenzung. Man fährt so zu sagen von oben in die Stadt hinein.

Am ersten autobahnähnlichen Kreuz biege ich nach rechts auf die, als Ringautobahn ausgebaute, T 1027. Diese Straße, teilweise sechsspurig, soll den Fernverkehr aufnehmen und um die Stadt verteilen. Der Charakter als Metropole tritt hier am deutlichsten zu tage. Ein sehr reger Verkehrsfluss lenkte mich in südöstlicher Richtung um die Stadt. Ein sehr breiter Mittelstreifen lässt noch ein wenig Platz fürs städtische Grün. Die Orientierung ist nicht gerade einfach, denn die Beschilderung ist in kyrillisch. Eine Schriftform, mit der ich nichts anfangen kann. In der Schule hatte ich zwar ab der fünften Klasse Russisch, aber die Sprache war nicht sehr beliebt. Mit der große Wende, in den östlichen Landesteilen Deutschlands, wählten viele von uns Schülern dieses Schulfach einfach ab, weil andere Dinge wichtiger geworden waren. Jetzt hätte ein wenig mehr Wissen das Defizit ausgleichen können. Aber man kann ja nicht alles voraussehen. So versuchte ich sehr konzentriert die Vorwegweiser zu entziffern.

Mein Auszug aus dem Stadtplan besagte, dass an der ersten großen Ausfahrt die Richtung geändert werden müsse. Ich fuhr die Rampe hinauf und stand an der Kreuzung, an der ich links in die Stadt fahren musste. Mein Orientierungssinn war nach vielen Auslandsaufenthalten sehr gut ausgeprägt und mit dem bestimmten Bauchgefühl, würde ich es auch hier schaffen den Termin rechtzeitig einzuhalten. Dass ich richtig lag zeigte mir der große Kreisverkehr, auf den ich zufuhr. Das Monument in der Mitte des Platzes erinnerte an den Beinamen des Stadt. Nach dem zweiten Weltkrieg bekam sie die Auszeichnung „Heldenstadt“. Was immer das heißen sollte, aber offensichtlich hat es geholfen die Qualen der Krieges zu überwinden. Ich fuhr auf die Straße mit dem Namen „Kosmonautin Kumarowa“ in Richtung Zentrum.

Irgendwo rechts lag das Wohnquartier, was mein Ziel sein sollte. Ich lag gut in der Zeit, allerdings musste noch die Akademska Biletskoho ul. 5A gefunden werden, die Adresse, die mir die Chefin gegeben hatte.

Sind sie schon einmal in Barcelona den Autobahnring gefahren? Wer da die richtige Ausfahrt findet, versteht die hohe Kunst der städtischen Ausschilderungen. Genau so eine Situation lag vor mir. Eigentlich musste ich nach rechts, durfte mich aber nicht in die rechte Fahrspur einordnen, da ich dort links abgebogen wäre. Eigentlich ganz einfach, wenn man es erst einmal durchschaut hat. Aber was soll das klagen. Ich wollte die Freiheit der Autobahnen, also muss ich auch mit deren Beschilderung klar kommen. Wie gesagt; mehrjährige Erfahrungen mit süd- und südwest- europäischen Ausschilderungen bringen einem nicht mehr zum erstaunen.

So war die halbrechte Spur die richte Abfahrt auf den Zubringer in das Wohngebiet. Die Dimensionen der Straßen hier sind nicht mit denen in meiner Heimatstadt vergleichbar. Selbst Berlin hat nicht die Breite der bisher gefahrenen Straßen zu bieten. Und auch diese, wie ein Ring um das Wohngebiet führende Straße, ist bestenfalls mit der Frankfurter Allee vergleichbar, nur mit wesentlich mehr Grünflächen und Baumbestand. Etwa 150 m nach der letzten Abfahrt musste ich links in das Wohngebiet einbiegen. Die Straßenschilder waren besser sichtbar und zu der kyrillischen Bezeichnung auch mit einer, in lateinischen Buchstaben verfassten, Übersetzung.

Die Akademska Biletskoho führte in ein parkähnliches Gebiet. Der Baumbestand verdeckte die Wohnbauten und das war ihr Vorteil. Die Häuser waren im Sommer durch das Grün der Blätter sicher nicht zu sehen. Die Bebauung bestand größten Teils aus vierstöckigen Blöcken, aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Ihr Zustand schien mir nicht besorgniserregend, könnte aber besser sein. Die besten Jahre der Siedlung lagen sicher einige Zeit zurück.

Ich konnte mich diesen Überlegungen hingeben, denn mein Ziel war erreicht und es waren noch zwanzig Minuten Zeit bis zum Treff. Mein Blick schweifte durch den Baumbestand. Äußerlich hatte es gewisse Ähnlichkeit mit den Kasernenanlagen der ehemaligen „Roten Armee“ in Thüringen. Ein Zaun mit Metallstäben umgab das Gelände. Die Bäume waren bis auf eine Höhe von einem Meter weiß angestrichen. Die Außenfassade des Blockes, vor dem ich geparkt hatte, wies als Schmuckelement das Atomsymbol an der Wand auf. Die drei Ellipsen auf unterschiedlichen Ebenen ist ein internationales Zeichen für das Atom. Vielleicht wohnten oder wohnen hier ehemalige Mitarbeiter des ehemaligen Kernkraftwerkes von Tschernobyl.

Leider konnte ich mich nicht weiteren Überlegungen hingeben, denn ich hatte noch sieben Minuten, um die Hausnummer 5A zu finden. Es war der zweite Block. Pünktlich 15 Uhr klingelte ich bei Rybakowsky.

4

Das Haus hatte einen Eingang. Es wohnten aber 24 Familien darin. Jedenfalls waren 24 Klingelschilder mit Namen bezeichnet. Nach einem kurzen warten meldete sich eine ältere Stimme. Ich nannte meinen Namen. Es verging einige Zeit. Dann fragte eine jüngere Stimme etwas. Ich nannte wieder meinen Namen und das ich von Lidia Beschovskaya kam. Da wurde der Summer betätigt und die Tür ging auf.

Die Tür öffnete sich in ein kleines Treppenhaus. Ich stieg fünf Stufen herauf und gelangte auf ein kleines Podest, das in einen Mittelgang mündete. Hier standen an der gegenüberliegenden Wand links 4 und rechts 2 Namen. Eine Etage höher fand ich linker Hand den Namen, den ich suchte. Ein paar Schritte und links wurde eine Tür geöffnet. Aus der Tür trat eine junge Frau mit einem Foto in der Hand. Sie betrachtete erst das Foto, danach mich und entschied sich dafür mich zu begrüßen.

Sie sei Tanja Michalevska und sie begrüße mich in ihrer schönen Ukraine. Mit einer schnellen Bewegung nahm sie meine Hand und zog mich förmlich in die Wohnung. Mich überraschte ihr gutes Deutsch mit dem typischen russischen Akzent. Die Sorge, mich bei meinen Adressaten mit Händen und Füßen zu verständigen, verschwand umgehend. Mit ihrer offenen und freundlichen Art vereinnahmte sie mich schnell. Sie hat dunkelbraunes Haar, war etwa 1,75 m groß und sah unheimlich trainiert aus. Nicht so muskelbepackt, wie eine Bodybuilderin, sondern fraulich, sportlich. Ihre Augen leuchteten förmlich, so das ihr Alter schwer einzuschätzen war, aber ich schätzte sie auf 25 Jahre.

Im Wohnzimmer angekommen , stellte sie mich den Anwesenden, ihren Großeltern vor. Ihr Großvater saß auf einem voluminösen Veloursofa, hatte ein Buch in der Hand und grüßte mit einem Kopfnicken. Die ältere Stimme an der Wechselsprechanlage und die jetzt eifrig das Teeservice auf den Tisch stellte, war die Großmutter. Sie gab mir die Hand und murmelte etwas, was ich natürlich nicht verstand. Tanja übersetzte und sagte: „Nehmen Sie bitte Platz.“ Das Zimmer entsprach allen Klischees, die über den russische Einrichtungsgeschmack kursieren. Teppiche an den Wänden, dunkelbraune, massive Holzmöbel, Stehlampe und eine Unzahl diverser Familienbilder auf allen Stellmöglichkeiten. Der Fernseher, noch ein Röhrenmodel, stand auf einem Rolltisch vor dem Fenster.

Tanja half ihrer Babuschka, wie sie ihre Großmutter liebevoll nannte, den großen, silbernen Samovar auf den Tisch zu stellen. Auch der etwas mürrische Großvater beeilte sich einen Platz zu finden. Das lag sicher an dem aromatischen Geruch, den der heiße Tee im Zimmer verbreitete. Zum Tee wurde ein Gebäck, ähnlich dem deutschen Bienenstich, gereicht, der jedoch im Honig förmlich badete. Eine sehr süße Angelegenheit, aber offensichtlich die Leibspeise des Hausherrn. Denn sein Gesicht hellte sich mit jedem Bissen mehr auf.

Die Oma fragte nach meiner Reise und wie es mir ginge. Natürlich verstand ich kein Wort. Die junge Frau übersetzte das Gespräch, was sich nun entwickelte. Ich erzählte von dem Hotelaufenthalt in Lemberg und einigen Episoden, die auf der Fahrt passiert sind. Bei der Erwähnung des deutschen Lemberg, schaute der Opa mich wieder missgünstig an. Hier sollte ich lieber die jetzigen Ortsnamen verwenden, auch wenn Tanja das beim dolmetschen wahrscheinlich überspielt hatte, sprach der Gesichtsausdruck des älteren Mannes Bände. Ich spürte sofort, der mag keine Deutschen. Ich erzählte auch von den zwei Taschen mit Kindersachen, die noch im Auto lagen. Tanja und ihre Oma lachten vergnüglich und berichteten davon, dass sie einen Jugendtreff eingerichtet hätten und solche Sachen immer sehr begehrt sind. Sie wollten auch etwas über Lidia Mechalewska, die Chefin des Kulturvereins, wissen. Aber dazu konnte ich ja bekanntlich wenig sagen, da ich sie nur geschäftlich kenne und sonst mit dem Verein nichts zu tun habe.

Wir unterhielten uns trotzdem ganz entspannt weiter. Ich fragte Tanja, warum sie so gut deutsch spricht. Sie erzählte die Geschichte Ihre Großeltern. Ihre Ururgroßeltern wanderten Ende des 18. Jahrhunderts aus Schwaben in die Ukraine ein. Der Zar lockte damals die Auswanderer mit Land, was sie als Eigentum überschrieben bekamen, um eine florierende Landwirtschaft aufzubauen. Ihre Ururgroßeltern bauten ein landwirtschaftliches Gut auf, was sehr erfolgreich wirtschaftete. Mit der Zeit wurde das Gut immer größer, sie wurden Großbauern. Mit dem Sturz des Zaren wurde das Gut enteignet und in eine Kolchose überführt. Allerdings konnten Ihre Urgroßeltern weiter in dem Betrieb arbeiten und trotz aller Schwierigkeiten einen guten Betrieb führen. In den 30ger Jahren des 20. Jahrhunderts war die Landwirtschaft nicht so gut angesehen, so das Tanjas Großvater zu studieren begann. Er machte einen Abschluss als Diplomphysiker an einem bekannten Technikum und begann in der Atomindustrie zuarbeiten. Sein Traum war die Versorgung seiner Heimat, der damaligen Sowjetunion, mit billigen Atomstrom. So weit ist es ja auch gut gegangen, bis der verhängnisvolle Unfall in Tschernobyl passierte. Er war nicht persönlich davon betroffen, da er in einem Forschungslabor in der Nähe von Kiew arbeitete, doch seine Ansichten über die Kraft des Atoms hat sich grundlegend verändert. „Und dann noch die Veränderungen des politischen Systems in der Sowjetunion. Diese Umwälzungen ließen in ihm eine Welt zusammenbrechen, von dem er sich noch nicht richtig erholt hat“ sagte sie. Doch wieder auswandern, wie seine Vorfahren wollte er auch nicht. So blieb die Familie hier. Sie hatte auf einem Gymnasium, in einer Spezialklasse, die deutsche Sprache intensiv erlernt und studiert jetzt an der Universität in Kiew Germanistik.

Mir wurde bereits das dritte Mal die Teetasse nachgefüllt. Doch ich sage nichts, obwohl Tee nicht mein Ding ist. Die Gastfreundschaft, die mir hier entgegengebracht wurde, war überwältigend. Es baute sich langsam so etwas, wie ein Vertrauensverhältnis auf. Um die Zeit nicht länger zu strapazieren, schlug ich vor die Taschen aus dem Auto zu holen.

Die Großmutter bestimmte, dass der Opa mich begleiten solle. Eigentlich wollte ich das abwiegeln, aber wagte dann doch nicht Widerspruch zu erheben. So gingen wir beide stumm auf den Parkplatz zu, wo sich bereits einige kleine Jungs die Nasen an dem Fahrzeug platt drückten. Einen Audi Q5 hatten die Kleinen sicher noch nicht gesehen. Neugierig versuchten sie in das Wageninnere zuschauen, was nicht gelingen konnte, da die hinteren Scheiben dunkel getönt waren. Das kraftvolles Gebrüll des alten Mannes ließ die Kinder auseinander stürzen, die mit lauten Gejole über die Wiese fegten. Er brabbelte etwas, was ich jedoch nicht verstand.

Ich schloss den Kofferraum auf und er packte gleich alle beide Taschen an. Eine musste ich ihm allerdings aus der Hand nehmen, da darin meine Sachen waren. Meine Tasche öffnete ich, zeigte auf meine Sachen und auf mich. Er verstand, was ich ihm mitteilen wollte, schmunzelte und nahm die andere, verbliebene Tasche. Meine stellte ich wieder hinein und schloss mit der Fernbedienung ab. Trotz der Größe der Tasche, hatte er die Tür bereits erreicht und klingelte. Wir gingen hinauf und wurden erwartet.

Der Tisch war leergeräumt und wurde mit dem Inhalt der Tasche bedeckt. Die Situation ähnelte der, die eine weihnachtliche Bescherung darstellte. Die Begeisterung, wenn Teile ausgepackt wurden, wurde immer größer. Auch Tanja kam aus dem Nebenzimmer und gesellte sich zu dem Treiben. Ich wollte allerdings die Übergabe des Transportgutes so schnell wie möglich abwickeln um dann ins Hotel zu verschwinden.

Als ob diese Tanja meine Gedanken lesen konnte, reichte sie mir eine kleine, recht unauffällige Tasche, die jedoch ziemlich schwer für ihr Größe war. „Pass gut auf sie auf!“, sagte Sie und reichte mir ihre Hand zum Abschied. Auch die Großeltern verabschiedeten sich freundlich von mir. Ich bedankte mich für den Tee und das Gebäck. Die junge Frau begleitete mich noch bis zum Auto. Wieder hatte das Auto die Kleinen angezogen, wie ein Magnet das Eisen. Als sie uns kommen sahen, nahmen die Kinder einen respektablen Abstand ein und beobachteten uns.

Zum Abschied richtete mir die junge Frau die besten Grüße von der Chefin aus. Ich muss wohl sehr überrascht geschaut haben, als sie mir sagte, dass sie über die Videoplattform „Skyp“ mit der Chefin des Kulturvereins gesprochen hatte, das alles bestens gelaufen sei. Diese moderne Technik hätte ich jetzt nicht in der altmodisch eingerichteten Wohnung der Großeltern erwartet. Aber sicher hatte sie einen Laptop dabei gehabt, um mit der Chefin das Videotelefonat zu führen. Es ist ja auch eine sehr preiswerte Alternative, so das Internet zu benutzen, um Informationen schnell auszutauschen. Nur für meine Geschäfte nicht geeignet, da man zu viele Spuren hinterlässt.

Ich reichte ihr noch einmal die Hand. Sie küsste mich flüchtig auf die Wange und ich befand mich wieder an meinen Arbeitsplatz. Ein kurzes Aufheulen des Motors, das Gekreische der Kinder und ich befand mich auf dem Weg ins Hotel.

Das Hotel liegt auf der anderen Seite des Flusses mit dem Namen: Dnepre. Zuerst fuhr ich vor auf die Kosmonautinen Straße. Dort rechts in Richtung Osten auf die E40. Auf der Strecke kam ich durch das Universitätsviertel und durchfuhr große Teile der Stadt. An dem Autobahnkreuz mit der M8, folgte ich dieser Straße weiter Richtung Osten. Die M8 führt über die Patonabrücke, über den Fluss. Nach weiteren 2 ½ km kommt ein Autobahndreieck, was ich in Richtung Südosten befahre. Die Straße kreuzt die Bahnanlage, wo wenig später der Damytskie Friedhof rechts bleibt und ich links zum Damytsker Bahnhof fahre. Nach einem Kilometer beginnt die Boryspilka Straße, die direkt auf das Kiew Park Hotel zu läuft, das sich am Stadtrand befand. Hier begann, laut meinen Kartenausdrucken, ein umfangreiches Waldgebiet.

Meine Auftraggeberin hatte hier eine Reservierung veranlasst. Wie der Name schon verrät, lag das Hotel in einem parkähnlichen Gelände am Rande der Stadt. Ich fuhr vor das Hauptgebäude auf den Parkplatz. Es war in einem rustikalen Stil mit viel Holz erbaut. Auch das Innere bestätigten den ersten Eindruck. Sichtbare tragende Balken wie bei einem Fachwerkhaus. Es sah aus wie eine ländliche Logis in Good Old England, wobei nur der Efeu fehlte. Aber das Haus war neu erbaut und erst 2011 eingeweiht worden. Bestimmt sieht es in zwanzig Jahren so aus, wie ich es mir vorstellte.

An der Rezeption wurde ich in englischer Sprache begrüßt. Genau, wie ich es vermutet hatte. Man gab mir die Schlüssel für ein einzeln stehendes Haus ganz in der Nähe des Hauptgebäudes. Denn dieses beherbergte, wie ich nach einem kleinen Rundgang feststellte, die Serviceräume; wie Speisezimmer, Sauna und eine kleine Shopmeile. Ich gab am Serviceschalter meinen Anzug und zwei Hemden ab, um sie reinigen zu lassen. Morgen früh würden sie fertig in mein Haus gebracht. Zum Abendessen war es noch zu früh. Ich beschloss einen kleinen Rundgang über das Außengelände zu machen. Um das Haupthaus herum waren die Bungalows mit Satteldach gruppiert. In spiralförmigen Kreisen gruppierten sich die Anwesen um ihr Zentrum. Dazwischen waren Wege, kleinere Wasserläufe, zwei kleine Kinderspielplätze und am Rande der Anlage ein Streichelzoo. Mir schien, das die Anlage speziell für Familien mit Kindern angelegt wurde. Nur sah ich bisher keine. Es war auch sonst sehr wenig los. Nur zwei Fahrzeuge standen auf dem Parkplatz und das waren bestimmt keine ukrainischen Familienväter, die ihre Benz und BMW abgestellt hatten.

Ich ging einmal über das gesamte Gelände, um mir einen Gesamteindruck zu verschaffen. Hinter dem Haupthaus verbargen sich noch eine Sporthalle in Handballfeldgröße und der Außenbereich der Sauna. Im Inneren der Sporthalle waren Linien für Tennis, Badminton und Basketball aufs Parkett gezeichnet. Wer sollte hier spielen? Vor meinem kleinen Rundgang hatte ich mich bereits legerer umgezogen, so das ich beschloss ins Restaurant zu gehen. Vorher fragte ich an der Rezeption, wie lange die Sauna geöffnet hatte. Man sagte mir, das die Sauna noch nicht angeheizt wäre. Sie entschuldigten sich überschwänglich für das Missgeschick. Wenn ich mich zwei Stunden gedulden würde, die Sauna wird sofort angeheizt und wäre gegen 21 Uhr für mein Wohlbefinden bereit. Ich erklärte, dass ich erst essen werde, um dann zu saunieren. Für mein Verständnis für das Versehen, bekam ich ein kleine Flasche Minze für den Aufguss und eine 250 cl Flasche Wodka auf Kosten des Hauses. Das hatte ich noch nie erlebt, dass man sich so für etwas entschuldigte, da die Mitarbeiter des Hauses nicht wissen konnten; das ich die Sauna benutzen wollte.

Der Speiseraum war im gleichen Ambiente gehalten, wie das gesamte Anwesen: rustikal. Dicke Holzbalken trugen das Satteldach, was völlig offen war. Etwa auf der Hälfte des Raumes war eine Zwischendecke eingezogen, auf der weitere Tische standen. Ich setzte mich der Küchentür gegenüber an einen Tisch mit zwei Plätzen. Er war noch nicht eingedeckt, aber geschmackvoll dekoriert. Auch der Kellner passte in dieses Interior. Es hatte eine lederne Kniebundhose mit einem rotkarierten Hemd an. Vielleicht hatte er auf einer bayrischen Hotelfachschule gelernt. Mein Schmunzeln konnte ich kaum verkneifen.

Er übergab mir eine Karte in englischer Sprache und fragte nach dem Getränkewunsch. Ich bestellte erst einmal einen Liter Kaffee. Denn nach dem vielen Tee, den ich bei den Rybakovskys und dem Mineralwasser, was ich während der Fahrt getrunken hatte, hatte ich ein dringendes Bedürfnis nach Coffein. Der Kellner verstand jedoch nicht gleich meinen ausgefallenen Wunsch. Wir einigten uns auf eine sogenannte Familienkanne, die sicher meinem Wunsch entsprechen würde.

Meine englischen Sprachkenntnisse lassen ein wenig zu wünschen übrig. Bisher hat mein englisch immer für eine umgangssprachliche Verständigung gereicht. Doch mit dem Lesen einer achtseitigen Speisekarte war ich dann doch überfordert. Zum Glück gibt es so etwas wie internationale Gerichte. Ohne genau zu wissen was mich erwartet, bestellte ich eine Soljanka Suppe, ein ukrainisches Rindersteak mit irgend etwas und einen Schokoladen- Eisbecher. Wenn schon rustikal, dann richtig.

Beim warten konnte ich mir die Inneneinrichtung genauer anschauen. Im hinteren Teil des Raumes war ein kleines Podest, was eine kleine Bühne sein konnte. Die dazu gehörige Tanzfläche war allerdings recht klein bemessen. An den beiden Wänden standen jeweils ein riesiger Schrank mit Fenstertüren. Das waren Bücherschränke, über und über voll mit Literatur. Neben der Bühne war eine Tür mit der Aufschrift Billard- Room. Also ein richtiges Freizeithotel.

Als einzige Gäste betrat ein Pärchen den Raum. Er mittleres Alter, seine Begleitung deutlich jünger. Er kam gleich auf mich zu und begrüßte mich mit: Sind Sie der AUDI da draußen? Herzlich Willkommen in der Ukraine, mein Name ist Baumann. Ich fragte mich: „War ich verabredet?“ „Sie sind bestimmt auch geschäftlich hier!“ meinte er weiter. Ich wusste erst nicht, wie mir geschieht und beantwortete seine Frage mit einem kurzen „Ja“. „Waren Sie das, der die Sauna anheizen ließ? Wir sehen uns dann nach dem Essen.“ und begab sich an den Tisch, wo bereits sein Liebchen Platz genommen hatte. Ich bin es nicht gewohnt, viel mit Leuten zu tun zuhaben, denn ich bin mehr der Einzelgänger. Deshalb betreibe ich ja auch nur eine Einmannfirma.

Unterdessen kam meine Soljanka, auf einem tiefen Teller, mit einem riesigen Korb Weißbrot. Es schmeckte ausgezeichnet. Auch das Steak war riesig, mindestens 400 g lagen auf dem flachen Teller. Das Etwas entpuppte sich als verschiedene Saucen, vermutlich vom Koch selbst kreiert und zubereitet. Da es keine Beilagen gab, machte ich mich über das Weißbrot her. Es war eine gute Wahl, von der Menge als auch vom Geschmack. Ebenso das Glas mit ausschließlich Schoko- Eiskugeln und viel Schokoladensauce. Ich hatte nichts auszusetzen und das kommt nicht oft vor. Auch zum Essen gab man mir die notwendige Zeit zur Verdauung.

An der Rezeption konnte ich mir für eine Kaution einen Bademantel und große Saunatücher ausleihen. Auch die Sauna war bereit, so das ich dort entspannen konnte. Ich saß im Schwitzraum, als das ungleiche Pärchen Einzug hielt. Damit war die Ruhe leider dahin. Ich wollte noch einige Minuten im Schwitzraum bleiben und war entsprechen verärgert. Russisch diskutierend traten sie ein. Er merkte meinen Missmut über die Störung und versuchte sich zu erklären. „Meine Ludmilla muss sich über jede Kleinigkeit aufregen. Gestern waren wir im Theater und heute wollte ich vor meiner Abreise nochmal entspannen. Sie mag aber keine Sauna und auf dem Zimmer wollte sie auch nicht warten. Ich sollte sie wieder abschaffen sagte er mehr zu sich. Ich hatte dazu keine Meinung und betrachtete mehr seine Begleiterin, als auf seine Worte zuhören. So also sahen die ukrainischen Mätressen von deutschen Geschäftsleuten aus. Geschmack hat er ja. Da konnte ich nicht widersprechen. Ich dachte an seine Ehefrau zu Hause. Aber vielleicht hatte sie den Spieß ja bereits umgedreht und hatte einen Geliebten, von dem er nichts ahnte.

Er wollte wissen, was ich in Kiew machte. Ich erwiderte Ihm einsilbig, dass ich Logistiker bin und hier eine neue Geschäftsverbindung geknüpft habe. „Welche Branche bearbeiten Sie da?“ fragte er nach. „Sondertransporte“ antwortete ich und ging aus dem Schwitzraum unter die Dusche. Ich wollte nicht reden und gegenüber einem Fremden war ich immer skeptisch.

Das eiskalte Wasser ergoss sich über mich und stach wie tausend Nadeln auf der Haut. Aber nicht nur von oben traf mich der Wasserschwall. Auch von der Seite, aus kleinen Düsen und unterschiedlichen Höhen wurde man bearbeitet wie bei einer Massage. Eingewickelt in dem hauseigenen Bademantel ging ich in den Liegebereich. Eine lange Glasfront erlaubte einen Blick auf den äußeren Teil des Saunabereichs. Allerdings war es schon lange Nacht geworden und die Beleuchtung aus dem Innenraum erhellte nur spärlich die Terrasse. Irgendwo da draußen war die legendäre Weite Russlands. Welch eine Verlockung für Abenteurer.

Als die beiden aus dem Schwitzraum heraus kamen, ging ich wieder hinein. Ich wollte nicht noch einmal für längere Zeit mit den beiden zusammen sein. Mit dem Mädel vielleicht, aber ich trage ungern abgelegte Sachen auf. So würde das mit uns nichts werden. Ich dachte an diese Tanja. Sie hatte mich beeindruckt. Ihr Natürlichkeit und Aufgeschlossenheit waren so erfrischend. Sie hatte bei mir einen Eindruck hinter lassen, den ich als Bekanntschaft nicht missen möchte. Obwohl sie bestimmt 10 Jahre jünger war als ich, fand ich sie sehr anziehend. Na ja mit meinen 35 gehörte ich sicher auch noch nicht zum „Alten Eisen“, aber wie bereits gesagt: Ich bin ein Einzelkämpfer und liebe meine Freiheiten, die ich mir geschaffen habe. Allerdings allein die Gedanken an diese Tanja verursachten einen gewissen Temperaturanstieg, nicht äußerlich, sondern in meinem inneren. Die Vorstellung einer Affäre war doch zu verlockend als das ich sie ganz ausschließen konnte. Bei diesen Gedanken wurde mir plötzlich so heiß, das ich raus musste. Ein Abkühlung war dringend notwendig.

Die beiden hatten sich verdrückt. Ich ließ den Bademantel an, ging in den Saunasachen in mein gemietetes Haus und legte mich aufs Bett. Zuvor stellte ich den Wecker in meinem Handys auf 7 Uhr. Eine gute Zeit, um zu frühstücken und danach die Heimreise anzutreten. Ich prüfte noch das Gewicht in dieser Reisetasche, die mir übergeben wurde. Es war alles in bester Ordnung.

5

Die Nacht schlief ich traumlos. Der Wecker riss mich aus dem Schlaf. Aber das war ich von ihm ja gewöhnt. Auch die Sonne ging auf, also hatten wir beide einiges gemeinsam, wir begannen unser Tageswerk. Der Tag versprach schön zu werden. Bisher hatte mich das Hotel ja regelrecht verwöhnt. Ich nahm am gleichen Tisch Platz. Es kam ein junges Mädchen und wollte die Bestellung aufnehmen. Ein Buffet war nicht aufgebaut. Bei drei Gästen, ist das auch kein Wunder. Sie sprach kein Englisch, so das die Verständigung sehr schwer war. Sie holte den Koch, dem ich klar machen konnte, dass ich Kaffee, Schinken mit Eier, etwas Salami und Honig gedachte zu frühstücken. Wie am gestrigen Abend dauerte es einige Zeit, bis alles serviert wurde. Aber dafür war es frisch zubereitet. Auch der riesige Weißbrotkorb stand auf dem Tisch. Ich genoss mein Frühstück. Es ist für mich immer eine der großen Eröffnungen des Tages, was ich förmlich zelebriere.

An der Rezeption bezahlte ich meine Rechnung und gab die Saunasachen ab. Wie schon in Lemberg musste ich mit Bewunderung feststellen, das mich der Besuch weit unter einen grünen Euroschein kostete und das in einer vier Sterne Kategorie. Entsprechend großzügig fiel das Trinkgeld aus. Ich durfte mir dafür auch noch einige Äpfel vom Tresen mitnehmen.

Während ich die Rechnung erledigte, kam auch das Pärchen herein. Wir begrüßten uns freundlich. „Sie wollen wohl schon abreisen“, wollte der Deutsche wissen. Ich bejahte die Frage und wünschte ihm noch einen schönen Tag. „Vielleicht sieht man sich ja später“, schrie er mir noch hinterher, was ich nicht mehr erwiderte.

Als ich wieder in meinem Auto saß wurde ich ruhiger. Diese Großkotz- Geschäftsschnösel kann ich mein Lebtag nicht leiden. Da möchte man kein Deutscher sein. Ich sehe mich ja ohnehin lieber als Europäer. Heute war der 13. April und morgen der Übergabetermin des Transportgutes. Ich beschloss die Strecke durchzufahren. Es waren ja nur 1605 km. In 13 bis 14 Stunden war das zu schaffen, wenn der Verkehr mit macht.

Ich fuhr die gleiche Strecke wieder zurück. Am Damytsker Bahnhof vorbei auf die M 8. Das nächste Autobahndreieck, links Richtung Westen, auf der M 8 entlang. Die Patonabrücke überquerend ging die Fahrt zum Autobahnkreuz mit der E40, die mich wieder in die Heimat bringen sollte. An diesem Morgen war der Verkehr eher mäßig für diese Großstadt. Keine Unfälle, die den Verkehrsfluss behinderten, ich kam sehr zügig vorwärts. Bereits nach einer Stunde war ich aus der Stadt auf dem Brest – Litovsk - Highway, wie er bei Google Earth heißt. Wenn es weiter so gut läuft, kann ich mein selbst gestecktes Ziel erreichen.

Auch an der Grenze zu Polen war diesmal die Abfertigung schneller, als bei der Einreise. Es ging schrittweise voran. Der Grenzbeamte wollte nur meinen Pass sehen und fragte, ob ich etwas zu verzollen habe. Ich verneinte und erhielt den Pass zurück. Damit hatte ich freie Fahrt nach Deutschland. Ich steckte wieder den Musikstick in das Kommunikationscenter und rollte zu Honky Tonk Women gen Westen. Es macht mir unheimlich viel Spaß weite Strecken im Auto zurück zu legen. So bin ich vor einigen Jahren die Strecke von Erfurt nach Montpellier auch an einem Stück in 10 ½ Stunden bei 1242 km gefahren und das mehrmals. Oder im vergangenen Jahr die Tour von der Makarska Riviera in Dalmatien nach Erfurt. Eine Strecke von 1444 km in etwas mehr als 12 Stunden, überwiegend Landstraßen. Das ist vielleicht kein Vorbild für viele, aber ich fahre nun mal gern und das möglichst schnell. Deshalb habe ich diese Leidenschaft auch zum Beruf gemacht und das macht mir Spaß.

Eine kleine Rast legte ich dann doch wieder an der Tankstelle in der Nähe von Krakau ein. Nicht nur weil hier der Diesel so billig wie nirgends war, außer vielleicht in Lemberg, sondern weil hier auch ein Obststand mit leckeren Früchten und Säften war. Meine Äpfel aus dem Hotel in Kiew hatte ich bereits bis zur Grenze verspeist. Also musste Nachschub her. Die Fruchtsäfte waren vermutlich aus eigener Herstellung des Erzeugers. So etwas bekommt man nur noch sehr selten in Deutschland. Also nehme ich ein paar Flaschen mit.

Nachdem die Reserven aufgefüllt waren und der Tank voll, ging es weiter. Jetzt kam der angenehmere Teil der Fahrt, gut ausgebaute, fast leere polnische Autobahn. Die Tachonadel pendelte immer zwischen 180 und 200 km/h und im Radio lief Deep Purple mit ihren Highway Star. Wer kann da langsam fahren? Ich sage es doch, nach 8 ¾ Stunden stehe ich an der deutsch- polnischen Grenze. Jetzt nur noch die A 4 zurück nach Erfurt. Obwohl Im Raum Jena wieder der Teufel los war, stehe ich acht Uhr abends vor meiner Tiefgarage. Es war eine gute Fahrt und ich habe pünktlich die Fracht hierher gebracht.

Nachdem ich die Sachen in meine Wohnung gebracht habe, gehe ich noch zum Augustiner, das urigste, bayerischen Wirtshauses in ganz Thüringen, um zu Abend zu essen. Ich kenne den Wirt sehr gut. Wir machen einen kleinen Plausch über Gott und die Welt und das sein Stellvertreter ja vor kurzem in der Stadt war. Wir spielten dabei auf den Papstbesuch im vergangenen Jahr an, der so viel Aufmerksamkeit erregt hatte. So berühmt wie die Stadt dadurch wurde, würden wir nie, resümierten wir scherzhaft. Gegen 23 Uhr machte ich mich auf den kurzen Heimweg. Es waren gute drei Tage gewesen.

6

Zur Übergabe des Transportgutes begab ich mich zu Fuß zu dem Verein. Viele Wege in meiner Stadt lassen sich per Pedes erledigen. Der mittelalterliche Ort hat seinen Charakter bestens erhalten. Da ich direkt im historischen Zentrum wohne, sind auch die Wege kurz. Alle Straßen hier haben rote Namensschilder um an den denkmalgeschützten Bereich zu erinnern. Wenn man so will, lebe ich im alten Universitätsviertel, nicht weit der Alten Universität und dem Augustinerkloster. Alles Stätten mit ungeheuer viel Geschichte, die ganze Epochen verändert haben. Verglichen mit Kiew nimmt sich Erfurt geradezu puppenstubenhaft aus. Nicht einmal 8 % der Einwohnerzahl verteilen sich auf einem drittel der Stadtfläche. Aber gerade deshalb liebe ich meine Stadt und möchte nicht mit den städtischen Molochs dieser Welt tauschen.

Mit dem morgendlichen Spaziergang bekam ich auch wieder den Kopf frei für kommende Aufträge. Denn so reibungslos, wie die gestrige Fahrt, würde es nicht immer klappen. Aus Erfahrungen wusste ich, dass Unfälle, Sperrungen, Umleitungen alles verkomplizieren können. Im Kommunikationssystem meines Autos war zwar ein Navigationsgerät eingebaut, doch musste die Software regelmäßig erneuert werden, was ich nicht konsequent durchführte. Und außerdem war nur Kartenmaterial für Westeuropa in dem System abrufbar. Bereits Polen gehörte nicht mehr dazu, ganz zu schweigen von der Ukraine oder weiter östlich. Zusätzliches Material kostete richtig Geld. Da das Navigationsgerät nun einmal zur Grundausstattung des Autos gehörte, lief es nebenher mit und war stumm geschaltet. Für eine Aufrüstung des Systems war ich noch nicht bereit. Ich verließ mich lieber auf meinen Orientierungssinn und mein Bauchgefühl. Als letzten Anker hatte ich immer noch einen guten, alten Autoatlas in Handschuhfach. Was sollte da schon schief gehen?

Kurz vor 10 Uhr betrat ich durch die äußere Eingangstür den Verein. Um in das Chefzimmer zu gelangen, benutzte ich die Treppe. Einen Aufzug gab es natürlich nicht. In solch einem, ehemals als Wohnhaus genutzten Objekt, war nie solche Technik vorgesehen. Ein Neubau könnte sich der Verein ohnehin nicht leisten. Außerdem tat der Treppenaufstieg gut. Ein Sekretariat suchte man ebenso vergeblich, wie eine halbwegs einheitliche Büroausstattung. Schreibtisch, Schränke, Regale, Ablagen, alles bunt zusammen gesucht und gefunden. Allerlei Papier lag umher und deutete auf ein geordnetes Chaos.

Ich durchquerte das vordere Zimmer und klopfte an der anschließenden, leicht geöffneten Chefzimmertür. Ein kurzes, russisches „Bitte“ erklang auf mein klopfen. Mit drei Schritten war ich in ihrem Zimmer und sie erblickte mich. Nachdem ihr Blick über meine rechte Seite herab glitt und sie die Tasche sah, erhellte sich sogleich ihre Miene. Überschwänglich umarmte sie mich und machte Anstalten zu den früher üblichen Bruderkuss. Sie wissen, diese von Funktionären ausgeübte Praxis des sich „abschleckens“ bei der Begrüßung. Die Umarmung war jedoch nicht unangenehm, da ich ihren Körper dabei fühlen konnte.

Sie nahm meine Schultern und streckte ihre Arme aus. „Wie war die Fahrt“, war die erste Frage. In kurzen Stichpunkten beschrieb ich die drei Tage. „ Wie haben Sie die Adressen gefunden“, wollte sie weiter wissen. Ich verriet nicht alle meine Vorbereitungen auf diesen Auftrag, nun soviel, wie sie wissen sollte. Während meiner Schilderungen kochte sie einen Kaffee in der Maschine und machte eine Packung russischer Plätzchen auf. Sie fragte immer mal nach und ich versuchte mehr oder weniger geschickt auszuweichen. Es war ja mein Geschäft und Vertrauen musste erst aufgebaut werden. Bisher hatte ich sechs Fahrten für den Verein unternommen. Die letzte war die erste Auslandstour. Ich wollte nicht wissen, was ich transportierte, damit konnte ich sicherstellen, das ich nicht für irgendwelche Inhalte zur Verantwortung gezogen werden konnte. Nach dem Motte: Wer nichts weiß, ist für nichts verantwortlich. Mir war klar, dass das Transportgut nicht unbedingt den legalen Weg nehmen konnte, der für solche Post normalerweise vorgesehen war. Aber ich wollte auch nicht in irgendwelche internationale oder nationale Konflikte geraten. Die Bezahlung war recht gut und zweifellos höher als bei üblichen Sendungen. Damit bezahlte ich ja schließlich meine Rechnungen. Mich reizte außerdem die Unabhängigkeit.

Die kleine Tasche stand auf ihren Schreibtisch. Sie kontrollierte fast ständig ihr Dasein. Offenbar konnte die Chefin noch nicht realisieren, das der Auftrag zu ihrer besten Zufriedenheit erledigt war. Sie sprach auch davon, das sie mit dieser Tanja gestern Nachmittag gesprochen hatte. Es war wie ich vermutete. Tanja hatte im Überschwang die Neuigkeiten über den Videotelefondienst Skyp bereits mit ihr ausgetauscht. Ich meldete Zweifel an, ob denn über diese, sagen wir mal nicht ganz legalen Transporte, offen via Internet gesprochen werden sollte. Sie versuchte meine Zweifel zu zerstreuen, in dem sie über irgendeine Geheimsprache redete, die sie Tanja gegenüber benutzte. Wir hatten also alle unsere Geheimnisse.