Der Mittelstürmer - Julian Altmann - E-Book

Der Mittelstürmer E-Book

Julian Altmann

3,9

Beschreibung

Marc Kliff ist Profi-Fußballer. Er erklimmt die Karriereleiter geradezu im Sturm. Er lebt nur für seinen Sport und den Erfolg, dabei vernachlässigt er sein Privatleben vollständig. Dahinter steckt ein Verdrängungsprozess, denn Marc fühlt sich zu Männern hingezogen. In der homophoben Welt des Fußballs ist für ihn an ein Coming-out eben nicht zu denken. Der innere und äußere Druck, unter dem der jungen Mann steht, führt dann aber doch zu einem Ausbruch, den es im deutschen Mannschaftssport so noch nicht gegeben hat. Diese mutige Geschichte eines Tabubruchs um den Fußballstar Marc Kliff erscheint zusammen mit Texten von Vertretern des internationalen Spitzensports.

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Seitenzahl: 405

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Inhalt

Titelseite

Impressum

Vorwort

1. Buch – 1.

1. Buch – 2. Willma

1. Buch – 3.

1. Buch – 4.

2. Buch – 5.

3. Buch – 6.

3. Buch – 7. Willma

3. Buch – 8.

Inhalt

Copyright © 2010 Bruno Gmünder Verlag GmbH Kleiststraße 23-26, D-10787 Berlin [email protected] Copyright © 2010 Julian Altmann Umschlaggestaltung: Henning Wossidlo Coverfoto: Copyright © Rick Day, RickDayNYC.com Print: ISBN 978-3-86787-067-2 Ebook: ISBN 978-3-86787-265-2 Alles über unsere Bücher und Autoren: www.brunogmuender.com

JULIAN ALTMANN studierte in der Schweiz und in Los Angeles. Zwölf Jahre lang arbeitete er als Schauspieler und Regisseur in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Seit zehn Jahren ist er als Personality Coach in den Bereichen, Medien, Sport, Wirtschaft und Politik tätig.

Vorwort

Das Leben eines Fußballprofis ist ein Leben »zwischen zwei Welten«. Ich denke, es gibt kein besseres Bild, das das Leben innerhalb der großen Fußballwelt beschreiben kann. Jeder, der selbst die Erfahrung machen durfte, Teil der Fußballmaschinerie zu sein, weiß, was ich damit meine. Der Fußball an sich ist ein Paradoxon – er vereint die Menschen und trennt sie gleichzeitig in zwei Lager. Fußball lässt die Gewinner in unbegrenzten Freudentaumel ausbrechen und stürzt die Verlierer in tiefe Depressionen. Fußball – das ist gleichzeitig Liebe und Hass, das ist natürliche Eleganz gepaart mit rauer Härte. Kreative Finten und Tricks stehen blindem Gehorsam gegenüber. Fußball ist für mich die Kunst der sich verbindenden Gegensätze.

Dazwischen steht der Spieler. Mal ist er Gewinner, mal Verlierer. Mal ist er Held, mal Versager. Nur selten wird ihm die Chance gegeben, im Gleichgewicht zu sein oder, anders gesagt, normal sein zu dürfen. Er muss funktionieren, Woche für Woche. Manchmal auch häufiger. Er muss seine Leistung permament abrufen können, darf sich keine Fehler erlauben, denn für Fehler wird er nicht bezahlt. Der Fan will einen Helden, will seine Mannschaft siegen sehen, um das eigene Dasein mithilfe quasi übermenschlicher Höhepunkte aufzuwerten.

Der General Manager von Real Madrid und ehemalige Weltmeisterstürmer von Argentinien, Jorge Valdano, zitiert in seinem Buch »Über Fußball« Professor Luis Meana: »Das Stadion ist in der Logik des Systems dazu bestimmt, zu einem gesellschaftlichen Geruchsbeseitiger zu werden«.

Um daher dem gesellschaftlichen Anspruch nach spektakulärer Unterhaltung gerecht werden zu können, werden Bilder geschaffen, Helden erzeugt, Geschichten gefunden und produziert. Gerüchte über sensationelle Transfers werden in die Welt gestreut, um das zahlende Publikum zufrieden stimmen zu können. Kurz, um es bei Laune zu halten.

Nicht jeder Spieler verkraftet diese zum Teil gefühllose Maschinerie. Dieses Hin-und-hergerissen-Sein. Dieses Auf-Knopfdruck-funktionieren-Müssen. Nicht jeder schafft daher den Weg nach ganz oben. Nicht jeder Spieler lässt sich optimal vermarkten, denn nicht jeder Spieler entspricht dem Ideal der Werbeindustrie und der Medien. Daher gibt es viele, über die man nicht spricht. Die nicht beachtet werden. Doch gerade erst die machen das Spiel komplett. Machen es zu dem, was es ist. Nur durch die enorme Vielschichtigkeit der beteiligten Spieler kann die Faszination des Fußballs entstehen.

An dieser Stelle möchte ich nochmals den Bogen zu Jorge Valdano spannen. In seinem Artikel über »Fußball und Leben« beschreibt er seine ersten persönlichen Erfahrungen in Bezug auf das Wesen einer Fußballmannschaft: »Wir zeigten uns schließlich alle so, wie wir waren. So konnte man leicht den mannschaftsdienlichen und den egoistischen Spieler, den mutigen und den feigen, den neidischen, den altruistischen, den unsicheren, den traurigen und alle anderen erkennen, die die komplexe menschliche Fauna ausmachen können.« Nur durch die Zusammensetzung dieser enormen Vielschichtigkeit kann sich der Fußball voll entfalten.

Gleichzeitig bietet der Fußball jedem die Chance zu gewinnen. Der Fußball selbst aber gewinnt nur dann, wenn er sich selbst jedem sich bietenden Talent öffnet und es zulässt. Daher sind wir Betreuer, wir Trainer, gefordert, jedem aufkommenden Talent das entsprechende Umfeld zu bieten, damit es sich entfalten und optimal entwickeln kann.

Bevor wir uns daher über die fußballspezifischen Parameter und Fähigkeiten jedes Spielers den Kopf zerbrechen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, was die Grundmotivation des Spielers ist. Im Prinzip sucht jeder Spieler nach Bestätigung. Er sucht wie jeder andere Mensch nach Stärke, Sicherheit und Liebe (frei nach den beiden englischen Sportpsychologen John Syer und Christopher Connolly). Nur haben eben manche Fußballer in ihrer Kindheit entdeckt, dass sie durch Ausleben ihrer fußballerischen Fähigkeiten an Stärke gewinnen (indem sie besser sind als andere), dadurch selbstsicherer werden (weil sie mehr gewinnen als andere) und daher von ihrer Außenwelt beachtet und geschätzt werden. Für viele waren diese positiven Kindheitserlebnisse der mentale »Kick-off« und der Grundstein zur späteren Fußballkarriere.

Doch eine Profikarriere ist wie eine Achterbahnfahrt – jedoch ohne spezielle psychologische Vorbereitung und ohne Kenntnis der Fahrtstrecke. Keiner weiß, wie oft es hinauf- bzw. hinuntergehen wird. Und keiner weiß im Voraus, wann die Fahrt beendet sein wird. Sicher ist nur eines: Um ein Hoch zu erleben, muss erst mal ein Tief überwunden werden.

Jene Spieler, die ihre Anerkennung, ihre Stärke und ihre Sicherheit zum Großteil nur durch die Außenwelt erfahren können (durch Zuneigung von Fans und Medien oder durch Lob der Trainer) sind besonders gefährdet, wenn es mal nicht so läuft. Gerade sie sind dann in Gefahr, an den harten Urteilen der Außenwelt zu zerbrechen. Sie verlieren rasch ihr mühsam aufgebautes Selbstvertrauen, wenn sich der Trainer, die Kollegen oder die Fans abwenden. Es heißt dann recht oberflächlich, dass »der Spieler in einer Krise steckt« oder »mit dem Druck nicht umgehen kann«.

Meistens ist es jedoch nur so, dass wir vergessen haben, den Spieler abseits des Spielfeldes als normalen Menschen zu behandeln bzw. seine normalen Bedürfnisse zu respektieren. Ihm die Bestätigung zu geben, ein wertvoller Mensch zu sein, ohne dabei das Ergebnis des letzten Spieltages im Hinterkopf zu haben. Bei der Betrachtung der Tabelle vergessen wir nur allzu schnell, dass eigentlich wir Bertreuer das wichtigste und einzige Sicherheitsnetz dieser Spieler sind. Dass Respekt und Dialog in richtiger Dosierung bei Spielern aller Leistungs- und Gehaltsstufen wahre Wunder bewirken können. Weder Prämien noch sonstige Auszeichnungen besitzen ähnliche Kräfte.

Ovid spricht in seinem Werk »Ars Amatoria« davon, dass sich »im Spiel unsere Seelen unverhüllt zeigen.« Ein Trainerkollege erzählte mir vor wenigen Monaten von einer Unterhaltung mit seinem damaligen Schützling David Beckham. Auf seine großen Werbekampagnen angesprochen meinte David schlicht und einfach: »Du kannst mein Bild überall auf der Welt sehen, aber meine Seele findest du nur hier auf dem Platz.«

Wir alle, die wir am Fußball direkt oder indirekt beteiligt sind, sei es nun als Teamkollegen, Trainer, Betreuer, Fans oder Medien, müssen akzeptieren lernen, dass wir dem Spieler auch abseits des Spielfeldes die Chance geben müssen, authentisch sein zu dürfen. Wir dürfen niemals vergessen, dass es in erster Linie darum geht, den Wert des Menschen zu sehen und zu schätzen. Nur dann kann der Mesch auch als Spieler auf lange Sicht Leistung bringen und optimal zur Faszination des Sports beitragen, die uns alle fesselt.

Ich hoffe, dass dieses Buch von Julian Altmann, dem lieben Freund unserer Familie, dazu beitragen kann, die Natürlichkeit unserer Mitmenschen berücksichtigen und respektieren zu lehren.

Ganz im Sinne von Valdanos Erinnerungen über den Straßenfußball in Argentinien: »Wenn einer genau hinsah, dann konnte er aus dieser Erfahrung allgemeine Erkenntnisse über das Verhalten der Menschen und die Funktionsweise der Gesellschaft mitnehmen. Ich habe schon immer gern an die Fähigkeit des Fußballs geglaubt, das Andersartige zu integrieren, denn diese spontanen Spiele erwiesen sich als ungeordnete Schule der Toleranz.«

Hans Leitert

London, 01. Juni 2010

1. Buch

1.

Es roch nach Chlor und altem Schweiß. Der Raum war dampfig, dunkel und wirkte wie eine Halle aus einer anderen Zeit. Darin verteilt saßen gelangweilt fremde Männer. Alte ungepflegte Männer. Sie starrten ihn ohne Scham an. Marc wollte aufzustehen, aber er war gelähmt. Jeder Versuch zu fliehen misslang. Da spürte er eine raue Hand auf seinem Oberschenkel. Warum konnte er seine Beine nicht bewegen? Angst durchfuhr seinen Körper. Angst und Ekel. Am liebsten hätte er geschrien, aber jeder Laut blieb ihm im Hals stecken. Langsam näherten sich die Gestalten und streckten ihre gierigen Hände nach ihm aus. Er wollt sich wehren. Doch jede Kraftanstrengung zerrann wie der feuchte Nebel um ihn herum. Die Situation wurde immer unerträglicher. Er rang nach Luft, doch er schaffte es nicht auszuatmen.

In einem seltsamen Wachschlaf wälzte sich Marc unruhig hin und her. Er hatte Schwierigkeiten, seine Augen zu öffnen. Von draußen hörte man die quietschenden Reifen eines Busses. Schweiß rann ihm über die Stirn und über seinen Oberkörper, bildete einen kleinen See in seiner Nabelöffnung. Wieder und wieder zwang er sich, seine Augen zu öffnen. Erst mal nur eins, hoffte er. Nur ein kleiner verschwommener Schein. Ja! Endlich erkannte er eine der Wände in seinem Schlafzimmer. Zwischen den Schatten der Jalousien tauchten die schemenhaften Umrisse eines Bildes auf. Anfangs nur schwarz-weiß. Die Konturen wurden schärfer. Schließlich nahm er das Bild wahr. Merkwürdigerweise konnte er es aber nicht deuten.

Marc versuchte, sich aufzurichten. Ein stechender Schmerz durchzuckte seinen Kopf. Der Schmerz half ihm ein wenig mehr, zu sich zu kommen. Nun nahm er das Bild ganz real wahr. Kokospalmen, Meer und ein kleiner Junge in einem Wollpullover.

Panik erfüllte ihn. War heute nicht der ersehnte Tag? Mit einem Ruck setzte er sich auf und hielt nach seinem Handy Ausschau. Verdammt, wie spät ist es? Er schaute sich um. Ein Berg von Taschen, ein Koffer und, überall verstreut, seine Klamotten.

Vorsichtig tastete er sich ins Bad und trat dort in seine eigene Kotze. Scheiße! Er suchte einen Lappen. Er konnte nicht anders und musste schmunzeln, als er den Boden sauber wischte. Heute war endlich der Tag, auf den er so lange schon gewartet hatte.

Am Vorabend hatten sie den DFB-Pokal gefeiert. Langsam kamen die Erinnerungen zurück. So unwohl wie in der letzten Saison hatte er sich während seiner gesamten Fußballerkarriere noch nicht gefühlt. Derart besoffen wie gestern Abend war er wahrscheinlich noch nie gewesen. Gott sei Dank hatte ihn sein Teamkollege René nach Hause gebracht, obwohl er es hasst, wenn andere Kollegen in seine Wohnung kamen. Sein Blick streifte den Badspiegel, und er erschrak. Sein rotblondes Haar hing fettig in sein fahles Gesicht. Schnell stellte er sich unter die Dusche und ließ heißes Wasser über seinen geschundenen Körper laufen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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