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Tageslicht blendete sie. Vor ihnen lag das Wohnzimmer. Nett und gemütlich, mit Kamin, einem bunt gewebten Teppich und mitten darauf stand die kleine Pferdeherde. Staunend, fast reglos, bis ein knallschwarzer Hengst sich aus der Gruppe löste und ihnen mit hoch erhobenem Kopf entgegen trabte. "Naseweis!", rief Neda, und Wolfgang bellte vor Entzücken. Der riesige Wolfshund rannte um die kleine Herde herum und mitten hindurch. Er begrüßte jedes einzelne der Pferdchen, schwanzwedelnd und winselnd …
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Seitenzahl: 38
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Julia Meumann
Der Mustang im Blätterherbst
Fantastisches Pferdeabenteuer
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Impressum neobooks
RAU- SCHUSCH- SCH- SCH, fegte der Wind über den Gehsteig und wirbelte die Blätter hoch hinauf und durch die Luft.
Unangenehm und aufdringlich, dachte Wolfgang. Vor Geschäften zu warten, das war sowieso keine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Welcher Hund mochte das schon?
Klar, Wolfgang war natürlich nicht irgendein Hund. Er war wahrscheinlich der allergrößte Wolfshund, den die Welt je gesehen hatte. Und er war mit Sicherheit auch der allergrößte Angsthase, den die Welt je gesehen hatte.
Unangenehm und ärgerlich,dachte er wieder und kniff seine Augen fest zusammen, zu Schlitzen, schmal und karamellbonbonfarben. Eine Leine trug er eigentlich nie. Das war auch überhaupt nicht nötig. Seitdem seine Freundin Neda ihn in den letzten Sommerferien gefunden und von diesem schrecklich bösen Mann befreit hatte, klebteer an ihr wie ein Kaugummi unter der Schuhsohle.
Er seufzte lang und laut. Unentwegt starrte er auf die eigentlich durchsichtige, aber mit so vielen Zetteln beklebte Bäckereitür, dass er eben doch nicht hindurchsehenkonnte. Von überall her flogen ihm die Herbstblätter um die Ohren und verfingen sich in seinem Fell, das ihm grau und fransig um die langenBeine flatterte. Wieso dauerte das so lange? Wo blieb seine Freundin?
ZACK, sprangihm ein Blatt mitten auf dierosarote Nase. Er schnaubte und tobte, bis es sich endlich wieder löste und wilde Kreise drehend, über den Gehweg davon wirbelte.
„Einen Windbeutel mit Sahne und Zuckerhagel, bitte“, sagte das Mädchen mit den auffallend grünen Augen. Die Bäckersfrau seufzte. „Oh, das tut mir aber leid, Neda, eben habe ich den Letzten verkauft. Magst du vielleicht eine Schnecke mit Pudding und Butterstreuseln?“
„Nein, danke, ich esse doch keine Tiere.“ Die Türglocke klingelte, die Tür schlug zu und zurück blieb eine völlig verdutzte Bäckersfrau.
Neda atmete tief ein. Sie liebte den Herbst. Er war so wild und aufregend. Der Wind blies ihre braunen Haare hoch in die Luft. Sie strich sich die Ponyfransen zur Seite und klemmte sie hinter die Ohren. „Na los, Wolfgang, auf zu unserem Sonntagsausflug aufs Land!“
„Wolfgang? Oje, wie siehst du schon wieder aus!“ Wolfgang winselte, was er nicht selten tat. Alle Blätter dieser großen Stadt hatten sich entschlossen, heute einen Ausritt auf ihm zu unternehmen, da war er sich sicher. Die hatten sich abgesprochen!
Neda lachte. „Das sind doch nur Blätter, du kleiner Angsthase.“ Sie zupfte einige der Blätter aus seinem Fell und kraulte ihn zärtlich hinter den Ohren. Und dafür musste sie sich nicht einmal bücken, weil Wolfgang so groß war, dass er seinen Kopf problemlos auf ihrer Schulter ablegen konnte.
BRRR, BRRR, BRRR, in ihrer Tasche vibrierte es und sie griff nach ihrem Handy. „Mama?“
„Ja Mama, Wolfgang und ich wollen doch aufs Land fahren und die geliehenen Klamotten zurückbringen.“
„Ja.“
„Ja.“
„Ja, klar Mama.“
„Ja Mama, wenn ich mein Handy nicht dabei hätte, dann könntest du gerade nicht mit mir telefoniiieren!“
„Ja, genau.“
„Na klar, Wolfgang ist bei mir. Wo sollte er auch sonst sein?“
„Natürlich, bevor es dunkel wird, sind wir zurück. Da kommt schon der Bus!“
„Ja, okay. Küsschen Mama, bis später!“ Schnell drückte Neda die Taste mit dem roten Hörer und ließ das Handy in der Jeansjacke verschwinden.
„Los, Wolfgang!“ Sie rannten die zehn Meter bis zur Bushaltestelle und sprangen gerade noch rechtzeitig hinein, bevor die Türen fauchend hinter ihnen zusammenklappten.
Seit ihrem neunten Geburtstag besaß sie jetzt dieses Handy. Und so groß ihre Freude auch anfangs gewesen war, mittlerweile fand sie es einfach nur noch nervig, immer und überall für ihre Mutter erreichbar zu sein. Und alles nur, weil sie in den letzten Ferien das schwarze Pferdchen unter den Himbeersträuchern gefunden hatte. Es ging ihr gerade mal bis zum Knie und sie verstanden sich von Anfang an. Ohne Worte. Sie nannte den kleinen Hengst Naseweis, wegen seiner weißen Sprosse auf der Nase und dann entdeckte sie, dass er ganz dringend ihre Hilfe brauchte! Und was sie danach noch alles erlebt hatte, das war wirklich unglaublich.
Ja, das glaubte ihr tatsächlich niemand. Also niemand außer Nils, dem Jungen, der nach den Ferien neu in ihre Klasse gekommen war, und der aussah wie eine blasse Nudel mit einem Klecks Tomatensoße auf dem Kopf. Der glaubte ihr immer alles. Sogar, dass ihre Klassenlehrerin Frau Grausewitz, Frau Grausewitz hieß, weil ihre Vorfahren die schlechtesten Witzeerzähler der Welt waren.
