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Das vierte Abenteuer der kleinen Mustangs verspricht wieder tierische Spannung und eine extra dicke Portion Magie! Es ist der letzte Schultag vor den Osterferien, als Neda über diesen Zeitungsartikel stolpert. Ein unheimlicher Schattenzirkus wirbt mit kleinen, fliegenden Mustangs. Und dann grasen da auch noch zwei Pferde im Schulbeet! Für Neda ist sofort klar, die kleine Herde braucht wieder ihre Hilfe. Zusammen mit Nils und dem Wolfshund Wolfgang beschließt sie, die kleinen Mustangs zu retten. Dabei kommen sie dem Zirkus der Schatten näher, als ihnen lieb ist …
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Seitenzahl: 77
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Julia Meumann
Der Mustang und der Zirkus der Schatten
Fantastisches Pferdeabenteuer
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Wirbelsturm und Osterferien
Besuch im Schulgarten
Das Versteck
Nils in Not
Flucht ins Dunkel
Paul
Schatten in der Nacht
Zirkus der Schatten
Unerwarteter Besuch
Gertmann, der böse Mann
Zauberhaft und flatterleicht
Die Vorstellung kann beginnen
Rettung aus der Luft
Die Kugel
Bitteres Ende, schönes Ende
Freunde? Freunde!
Nachtrag
Impressum neobooks
Klimper, klapper, zisch, zerrte der Wind an den morschen Dachschindeln der alten Schule. Wolfgang, der riesige Wolfshund, hatte seine struppige Schnauze auf dem Geländer neben dem Haupttor abgelegt und beobachtete sehnsüchtig die hohen, steinernen Stufen, die seine Freundin Neda gleich hinunter hüpfen würde. Seit letztem Sommer, seitdem er bei ihr wohnte, holte er sie jeden Tag hier ab. Genau hier, immer an der gleichen Stelle, immer um dieselbe Zeit. Veränderungen waren nicht sein Ding.
Er seufzte und schielte mit den hellbraunen Augen zum Himmel. Dunkle Wolken rutschten immer dichter zusammen, bis sich nach und nach eine tiefschwarze Decke über ihm schloss. Papierfetzen, Staub und Steinchen wirbelten durch die Luft und setzten sich in sein langes, graues Fell wie kleine Krabbeltierchen. Er gähnte mit weit aufgerissener Schnauze und rollte die rosa Zunge lang hinaus. Staub flog ihm in den Rachen und er hustete und würgte. Den Schwanz versteckte er zwischen seinen zitternden Hinterbeinen. Es zog ein Unwetter auf, das hatte er schon heute früh deutlich gerochen und geschmeckt. Dafür besaß er ein untrügliches Gespür. Außerdem tickte in ihm eine innere Uhr und seine Freundin kam eindeutig zu spät. Viel zu spät!
Nur wenige Meter von Wolfgang entfernt, saß Neda in ihrem Klassenraum und rutschte ungeduldig von einer Pobacke auf die andere. Sie gähnte und streckte die Arme weit nach oben und zu den Seiten. Dann senkte sie wieder ihren Blick auf die karierten Heftseiten, die vor ihr lagen. Ausgerechnet heute, am letzten Schultag vor den Osterferien sollte sie nachsitzen? Das war gemein! Nervös trommelte Neda mit den Fingern auf der Tischplatte. Sie beobachtete die Wanduhr, deren Zeiger störrisch vor sich hin trödelten. „Los. Ihr sollt euch drehen!“, schimpfte sie und blickte dann wieder hinaus in den dunklen Himmel. Der arme Wolfgang. Sie wusste, wie er sich vor Gewittern fürchtete und wie nervös er immer wurde, wenn sie sich nach der Schule verspätete. „Er ist und bleibt eben ein Angsthase“, seufzte Neda. Auch wenn jeder ihn für einen riesigen Wolf hielt und die meisten Leute ihn äußerst respektvoll behandelten. Die Zeit bei dem schrecklich bösen Mann, von dem Neda ihn befreit hatte, konnte er trotzdem nicht vergessen. Obwohl das jetzt schon fast ein Jahr her war!
„Zehn Minuten noch“, jammerte sie und pustete sich die dunkelbraunen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Sie hatte ihre Lehrerin heute früh regelrecht angefleht: “Bitte, bitte, Frau Grausewitz, ich muss heute unbedingt pünktlich gehen, es ist sooo wichtig - lebenswichtig! Bitte, bitte, bitte!“
Aber die hörte ihr überhaupt nicht zu. „Wer später kommt, muss länger bleiben. Das kennst du ja schon“, damit war die Sache für sie erledigt. Dabei traf Neda überhaupt keine Schuld an ihrem Zuspätkommen. Nur die Umstände waren einfach zu kompliziert, um sie mit wenigen Worten verständlich zu erklären! Missmutig kaute sie auf ihrer Unterlippe.
Eigentlich war sie heute früh sogar besonders zeitig losgegangen. Doch schon als sie aus der Haustür hinaus trat, bemerkte sie diesen seltsamen Wind. Warm und schwer wie die Luft, die aus einem Föhn strömt, so wirbelte er die Staubkörnchen in Kreiseln den Bordstein entlang. Sie bog gerade um die Ecke, die auf die Brücke über die Autobahn führte, als ein Zeitungsblatt ihr entgegen trudelte und an ihrem Schienbein hängen blieb. Sie griff nach dem Papier, wollte es zusammenknüllen und Weitwurf üben, als ihr Blick auf eine Überschrift fiel. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Fett gedruckt in schwarzen Buchstaben stand da: Zirkus der Schatten, und darunter war ein Foto abgedruckt, auf dem sechs kohlrabenschwarze Mustangs, kleiner als Wolfgang, im Kreis um einen Feuerball herumtänzelten. Sie schluckte, ihr Hals war plötzlich trocken wie eine Pfütze im Hochsommer. Die Pferde schienen kaum den Boden zu berühren. Ihre Augen waren weit vor Angst. Es bestand kein Zweifel, das mussten ihre kleinen Mustangs sein!
Allerdings, so viele schwarze Pferdchen hatte es in der kleinen Herde gar nicht gegeben. Ihre Mustangs waren doch gesprenkelt und getupft, in den wundervollsten Farben. Schokoladentöne von dunkler Sahne bis Vollmilch. Außerdem noch die zierlichen Apfelschimmel, die sie damals als Letztes im Nebel entdeckt hatte. Ihren Naseweis, den schwarzen Mustang mit der weißen Sprosse auf der Nase, konnte sie zwischen den Zirkuspferdchen auch nicht entdecken. Sie erinnerte sich noch ganz genau, wie er plötzlich vor ihr gestanden hatte. Klein wie ein Spielzeug und so schwarz wie Lakritze. Mit einer Mähne und einem Schweif, die bis zu den Hufen reichten. Sie waren mehrere Tage und Nächte unterwegs gewesen. Sie hatten in der Wildnis übernachtet und es tatsächlich geschafft, seine Herde von dem schrecklich bösen Mann zu befreien ... und jetzt spürte Neda, dass ihre Freunde wieder in großer Gefahr waren!
Aber nicht nur deswegen hatte sie heute früh die erste Schulstunde verpasst. Da war auch noch diese Schnecke. Neda hatte den Zeitungsausschnitt gerade zusammengefaltet und in die Tasche ihrer Jeanshose gestopft, als sie plötzlich neben ihr an der Ampel saß. Mit einem bunt geringelten Häuschen. Eine Schnecke an der Ampel, hier vor der Schule an der großen Kreuzung! Völlig lebensmüde! Die wäre auf jeden Fall überfahren oder zertreten worden, ohne Nedas Hilfe. Das Problem war nur, dass Neda nicht wusste, wo die Schnecke eigentlich hin wollte. Hätte sie die Schnecke einfach über die Straße tragen sollen? Nein! Vielleicht wäre sie dann den ganzen Weg wieder zurückgekrochen. Niemand konnte wissen, was in so einem Wabbelköpfchen alles vor sich ging. Also setzte Neda sich neben die Schnecke und wartete. Es gab ja keine andere Möglichkeit. Die Schnecke streckte ihren Kopf weit zu allen Seiten, bog die kleinen Fühler nach links, nach rechts und rollte am oberen Ende mit ihren verschlafenen Kulleraugen. Es dauerte eine Ewigkeit, bis Neda sich endlich sicher war, dass das leichtsinnige Kriechtier das Gebüsch an dem alten Parkplatz ansteuerte. Schließlich packte sie die Schnecke am bunten Häuschen, zog sie von der Straße ab und trug sie zwischen die Heckenrosen in Sicherheit. - Wie hätte sie da pünktlich in der Schule sitzen können?
„Das ist so unfair!“, jammerte Neda mindestens schon zum zwanzigsten Male und kippelte auf ihrem Stuhl vor und zurück. Über ihre Heftseiten zogen sich inzwischen Muster aus grünen Pferden, blauen Sonnen, pinken Schnörkeln und Blumengirlanden. Sie hatte bereits ihren halben Bleistift zerkaut, als das Schrillen der Schulglocke sie endlich aus ihren Gedanken riss: SCHRIIIIILLLILIILILNG! Hastig schnellte sie von ihrem Stuhl in die Höhe, griff ihren Rucksack, stopfte Blätter und Stifte hinein und rannte los. Das Linoleum quietschte unter ihren Turnschuhen, jetzt noch drei Stockwerke nach unten. Immer zwei Stufen gleichzeitig nehmend, sprang sie durch die große Flügeltür und die steinernen Stufen hinab bis auf den Schulhof hinaus. Wolfgang hob den Kopf und wuffte erleichtert: Woff, wuffs!
Ein rothaariger Junge, dürr und blass wie eine Nudel mit einem Klecks Tomatensoße auf dem Kopf, wartete ebenfalls schon ungeduldig auf Neda. Nach vorne gebeugt, mit hochgezogenem Jackenkragen, stand er da, und brummte: „Na, das hat ja wieder gedauert.“ Der große Sicherheitsabstand, den er zu Wolfgang hielt, war übrigens kein Zufall.
„Hey, Nils!“, rief Neda gegen den Wind an, lief aber zuerst zu Wolfgang und umarmte ihn stürmisch, während er sie mit einem kräftigen Schlecker über das ganze Gesicht begrüßte und dabei aufgeregt mit dem Schwanz wedelte.
„Iiiiii!“, stöhnte Nils und verzog angeekelt das Gesicht.
Neda lachte. „Ja, Wolfgang, du musst doch auch noch Nils begrüßen, ja genau, unseren lieben Nils ...“ Ihre dunkelgrünen Augen funkelten etwas schadenfroh und ihr großer Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen.
Nils machte vorsorglich einen Satz nach hinten und rief: „Himmel, nein! Bist du verrückt?“ Er hatte nicht nur schreckliche Angst vor Hunden, sondern fand sie auch viel zu haarig und rote Hundezungen und Hundespucke waren schon überhaupt nicht sein Ding.
Wolfgang mochte ihn aber trotzdem, Wolfgang mochte eigentlich jeden. Nur Neda, die liebte er.
Nedas Haare waren schon wieder ein ganzes Stück gewachsen, seitdem sie versucht hatte, sich selbst eine Frisur zu schneiden. Damals hatte sie sich einige unschöne Spitznamen eingefangen. Ihr Bruder Edin nannte sie bis heute noch Streuner oder Struppi, wenn er sie mal wieder ärgern wollte. Was eigentlich immer der Fall war. Dabei reichten ihr die dunkelbraunen Haare schon wieder bis zur Schulter und auch die Ponyfransen ließen sich bequem hinter die Ohren klemmen. Also normalerweise, wenn der Wind nicht so blies wie heute. Sie drehte sich um, ließ ihre Haare aus dem Gesicht wehen und hielt ihrem Freund Nils den flatternden Zeitungsartikel unter die Nase, über den sie am Vormittag gestolpert war. „Nils, wir haben ein Problem. Es besteht kein Zweifel, die kleinen Mustangs brauchen unsere Hilfe.“
Er starrte auf den Zeitungsfetzen, den Neda ihm entgegenhielt. „Kleine Zirkuspferde, na und?“
„Na und? Sooo kleine Zirkuspferde gibt es doch sonst gar nicht! Das können nur die kleinen Mustangs sein, Naseweis und die kleine Herde. Nils, wir müssen etwas unternehmen, meine Pferde sind in Gefahr! Wir müssen sie finden, schnell!“
