Der Mustang unterm Himbeerbusch - Julia Meumann - E-Book

Der Mustang unterm Himbeerbusch E-Book

Julia Meumann

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Beschreibung

Auf einmal steht der kleine Mustang vor ihr unter dem Himbeerbusch. Wunderschön, anmutig und kohlrabenschwarz von den funkelnden Augen bis zu den kleinen Hufen. Nur die weiße Sprosse auf der Nase bewahrt ihn in einer mondlosen Nacht davor, ganz zu verschwinden. Neda gibt ihm den Namen Naseweis und er schafft es nicht nur, sie vor den großen Ferien mit Inga und Ed zu bewahren. Nein, er verwickelt sie auch noch in ihr allergrößtes Abenteuer!

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Seitenzahl: 87

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Der Mustang unterm Himbeerbusch

Neda & Naseweis

Ein fantastisches Pferdeabenteuer

Originalausgabe Copyright 2014 by Julia Meumann Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Sämtliche, auch auszugsweise Verwertungen bleiben vorbehalten. Umschlagbilder & Fotomontage: Fotolia.de, stadtNatur.eu Umschlaggestaltung: stadtNatur.eu published by: Julia Meumann, Berlin www.juliameumann.de

„Konnten Schmetterlinge eigentlich nur fliegen, weil sie Flugpulver auf den Flügeln hatten? – Poetisches Märchen mit schönen Sprachbildern!“

Rezension Lovelybooks

Inhaltsverzeichnis

Wie alles begann

Edi und Inga

Klein wie ein Mustang

Wie es weiterging

Los geht`s!

Unheimliche Spuren

Fährtenleser

Nacht unter Sternen

Die Suche geht weiter

Die geheime Trasse

Süß und gefährlich!

Tief im Moor

Das Schattenhaus

Die kleinen Mustangs

Auf der Mauer auf der Lauer

Wolfgang und die blaue Dohlores

Der geheime Gang und die Propellermäuse

Die Flucht

Frei wie ein Mustang

Naseweis der Held

Abschied von der Herde

Zurück zu Hause

Epilog • Nachwort

Glossar • Worterklärung

Für alle kleinen und großen Helden ♥

..•. Wie alles begann .•..

WUMM, WUMM – WUSCH, sausten die Autos unter Nedas Füßen hindurch. Jeden Tag lief sie über diese Brücke. Jeden Morgen zur Schule hin und am Nachmittag wieder zurück.

Sie sprang hoch, um sich die Träger ihrer großen Schulmappe zurück auf die Schultern zu rücken. Manche Autos hatten Fahrräder auf dem Dach, andere waren beladen mit weißen Booten oder grauen Dachkoffern.

„Die Autos mit den Booten fahren wahrscheinlich ans Meer“, flüsterte Neda. „Die Autos mit den Fahrrädern vielleicht irgendwo hin, wo es ganz flach ist und man nicht so viel strampeln muss. Bestimmt irgendwohin, wo alles sehr grün ist und wo überall bunt gefleckte Kühe auf langen Grashalmen kauen.“

Und wer weiß, überlegte sie noch. Vielleicht waren in den Dachkoffern sogar fliegende Teppiche oder Zaubermaschinen, mit denen man echte Menschen zersägen und wieder zusammensetzen konnte. Oder hin und wieder auch ein paar freche Kinder, die im Auto beim Keksessen gekrümelt hatten.

Sie kickte einen kleinen Stein vor sich her und blickte dann hinauf zu ihrem Zimmerfenster. Sie konnte es tatsächlich von der Brücke aus sehen, es war das allerschönste Fenster im ganzen Haus. Weit oben im neunten Stock.

Ganz alleine hatte sie es beklebt, mit bunten Blumen und Schmetterlingen. Heute früh hatte sie es dann einen Spalt weit geöffnet, denn sie liebte es, wenn die Luft so wundervoll nach Sommer duftete wie heute, am letzten Schultag vor den großen Ferien.

Am Ende der Brücke musste sie den Stein scharf nach links kicken, damit er nicht vom Bordstein sprang. Aber, ach nein, das war zu scharf links. Der Stein landete unter der Himbeerhecke, die ihr die stacheligen Arme entgegen streckte, als wollte sie sagen: „Jetzt ist es meiner, bäh!“

Aber so etwas konnte Neda überhaupt nicht leiden. Außerdem war es auch noch ein besonders schöner Stein gewesen, grau wie eine Maus und kugelrund.

Sie beugte sich vor, packte vorsichtig die langen Himbeerarme zwischen den Dornen und bog sie zur Seite um. „Steinchen, Steinchen, wo kannst du nur seinchen“, flüsterte sie ... aber was war das? Direkt vor ihr unter der kratzigen Himbeerhecke stand ein kleiner, knallschwarzer Mustang.

„Zuckerhagel und Windbeutel“, staunte Neda.

Der Mustang schnaubte leise und scharrte mit seinem kleinen Vorderhuf in der Erde. Dabei schüttelte er den zierlichen Kopf, sodass seine rabenschwarze Mähne wild aufflog und hoch durch die Luft wirbelte.

Neda kniete sich vorsichtig hin, um ihn nicht zu erschrecken, doch er war überhaupt nicht scheu! Er wieherte hell und kam in kleinen, tänzelnden Schritten auf sie zu getrabt. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich auf seinem glatten Fell, es glänzte so schwarz wie Lakritze. Ebenso die lange Mähne. Einfach alles an ihm, sogar die wild funkelnden Augen und die langen Wimpern waren so tiefschwarz wie die Nacht. Nur auf der Nase hatte er einen winzigen, weißen Fleck, der aussah wie eine einzelne, verlorene Sommersprosse.

Zaghaft schnupperte er an Nedas Hand und versuchte, an ihren Fingern zu knabbern. Sie spürte seine zarten Nüstern und den warmen Atem.

„Du bist ja ein neugieriger, kleiner Naseweis!“, lachte Neda.

Sie beugte sich vor und flüsterte:

„Naseweis ist ein schöner Name für dich. Meine Mutter nennt mich manchmal so, weil ich immer zu allem etwas zu sagen habe. Das behauptet sie auf jeden Fall.“

Neda lächelte und ihre Sommersprossen huschten über Nase und Wangen.

„Komm mit, Naseweis, du musst nicht alleine sein. Komm mit, zu mir nach Hause!“

Brav trabte ihr der kleine Mustang hinterher und rieb seinen kleinen Kopf an ihrem Bein. Er ging ihr gerade mal bis zum Knie und die winzigen Hufe klapperten lustig auf dem warmen Asphalt.

„Gut, dass du so klein bist, sonst würdest du gar nicht in den Aufzug passen.“ Ihre Augen funkelten dunkelgrün vor Glück. Ein richtiges kleines Pferd hatte sie gefunden!

Die Aufzugtür quietschte wie ein alter Esel und Neda musste dem kleinen Mustang etwas Mut zusprechen, bis er ihr auch hier vorsichtig hinterher trabte: „Na los, du kleiner Feiner, alles ist gut. Vertrau mir!“

Seine Hufe pochten auf dem hohlen Boden wie Trommelschläge. Leise wiehernd versteckte er sich zwischen ihren Beinen.

„Das machst du sehr gut. Ja, ein mutiger, kleiner Kerl bist du.“

Neda beugte sich vor und klopfte ihm sanft den Hals unter der langen Mähne. Sie drückte auf den runden Knopf mit der Neun, bis er leuchtete und dann setzte der Aufzug sich rumpelnd und polternd in Bewegung.

Naseweis rollte wild mit den Augen und verdrehte die kleinen Ohren. Dann ruckte es und mit einem RUMMS öffnete sich die Tür. Naseweis stürzte so schnell heraus, dass ihm auf dem glatten Steinboden alle vier Beine durcheinander rutschten.

Neda lachte und rief: „Ach Naseweis!“

• ≈ Edi und Inga ≈ •

Leise steckte Neda den Schlüssel ins Schloss. Ihren großen Bruder Edin wollte sie lieber nicht aufscheuchen.

Edin hatte immer nur Gemeinheiten im Kopf. Wenn er nicht gerade ihre Puppen verunstaltete oder ihr Salz in den Kakao streute, dann schüttete er Juckpulver in ihr Bett oder versteckte Reißzwecken zwischen ihren Socken. Eigentlich wurde er von allen nur Edi genannt und Neda machte für gewöhnlich einen großen Bogen um ihn.

KLACK, schnackte das Schloss und die Tür sprang auf. Erleichtert trabte Naseweis in die Wohnung hinein und rettete sich auf den weichen Teppichboden. Neda zog die Tür hinter sich zu und schob das Pferdchen hastig den Flur entlang bis in ihr Zimmer.

Sie hatten es schon fast geschafft, als Edis Stimme hinter ihnen krächzte:

„Hey, Streuner, wieso schleichst 'n so? Schlechtes Gewissen, oder was?“ Neugierig verrenkte er sich den Hals und brummte:

„Auf dem Tisch liegt 'n Zettel von Mama. Du sollst zu Inga. Und im Kühlschrank sind Würstchen.“

Neda schnaubte: „Tiere ess' ich nicht! Dann doch lieber blöde Brüder oder so nervige Nachbarinnen wie Inga, zu denen man geschickt wird, obwohl man es überhaupt nicht will!“ Wütend stampfte sie mit dem Fuß.

„Außerdem brauch ich keinen Babysitter mehr! Ich bin schon fast neun Jahre alt! – und nenn mich nicht Streuner! Ich heiße Neeedaaa!“ Dann schlug sie ihrem Bruder die Tür vor der Nase zu.

„Streuner, Besen, Zickenstreuner ...“, hörte sie Edi von draußen rufen und drehte schnell noch den Schlüssel im Schloss.

Seit sie sich ihre langen, braunen Haare mit der Papierschere abgeschnitten hatte, sagte ihr Bruder nur noch Streuner zu ihr. Als würde es nicht schon reichen, dass sie sich deswegen ständig in der Schule prügeln musste.

Sie hasste es, wenn sich jemand über ihre Haare lustig machte oder sie wegen ihrer Sommersprossen oder wegen ihres großen Mundes ärgerte. Dabei war es wirklich sehr praktisch, einen so großen Mund zu haben! Beim Schokokuss-Wettessen zum Beispiel war sie die Einzige, die einen Schokokuss komplett mit einem Bissen verschlingen konnte. Doch was nützte ihr das?

Sie schmiss ihre Schulmappe in die Ecke und versetzte ihr einen kräftigen Tritt.

„Verflucht!“ Jetzt würde sie die ganzen Sommerferien mit Edi und Inga verbringen. Und alles nur, weil ihre Mutter mal wieder arbeiten musste und ihr Vater einfach nicht mehr zurückkam, von da her, wo der Pfeffer wächst.

Ständig hatten ihre Eltern sich gestritten. Mal ging es um Geld, dann um Socken, um Butter oder um Toilettenpapier.

Und dann, ganz plötzlich, war ihr Vater einfach verschwunden. Auch seine ganzen Klamotten, die Zahnbürste, der Rasierschaum und die riesigen Turnschuhe, die so groß waren, dass sie kaum in den Schuhschrank gepasst hatten. All das war weg und das, was nicht weg war, hatte ihre Mutter einfach unten neben die Mülltonnen gestellt und behauptet es würde jetzt dorthin gebracht, wo der Pfeffer wächst. Dorthin wo ihr Vater jetzt war.

Irgendwann besuch' ich ihn da, überlegte Neda. Ich mag Pfeffer, auch wenn ich davon immer niesen muss.

Doch wo war jetzt Naseweis? „Naseweis?“ Neda sah sich im ganzen Zimmer um. Da entdeckte sie ihn endlich. Er stand unter ihrem Schreibtisch und versuchte, eine kleine Fliege von seiner Pobacke zu verscheuchen. Die blauen Vorhänge flatterten, der kleine Mustang scheute und streifte den prall gefüllten Papierkorb.

Wie-hie-hie-her, wieherte er erschrocken und schlug ängstlich mit den Hinterbeinen aus. Papierknäule, Locherkonfettis und ein Klebestift flogen hoch durch die Luft.

Neda seufzte. Sie kniete sich hin und hielt ihm ihre ausgestreckte Hand entgegen. „Hooo, alles gut, mein Kleiner. Komm her, komm her zu mir.“

Naseweis schnaubte, dann beschnupperte er sie von Kopf bis Fuß. Seine dünnen, fast durchsichtigen Barthaare kitzelten sie am Ohr und an der Wange. „Hey, das kitzelt!“, kicherte sie.

„Komisch, du riechst so süßlich ... nach Himbeeren! Ja genau, deswegen warst du unter den Sträuchern, du hast Himbeeren gegessen!“ Naseweis schmatzte leise vor sich hin, bei dem Gedanken an die süßen Beeren.

„Ach, du bist bestimmt sehr hungrig.“ Vorsichtig strich sie ihm über den kleinen Kopf. Dann fiel ihr etwas ein. „Warte kurz!" Sie durchwühlte ihre Schulmappe, bis sie einen halb verschrumpelten Apfel herauszog.

„Na bitte! Hier Naseweis, der ist genau richtig für dich.“

Gierig biss er sich durch den runzeligen Apfel und kaute und schmatzte. Der Saft spritzte zu allen Seiten. Neda musste den Apfel ganz fest halten, damit er ihr nicht aus der Hand gerissen wurde.

„Ja, du hast wirklich Hunger.“

Sie strich ihm die Mähne zur Seite und kraulte seine kleine Stirn an der Stelle, an der das Fell sich einmal im Kreis drehte. „Und dein Fell ist so unglaublich schwarz. Nachts bist du bestimmt ganz und gar unsichtbar.“

Sie lächelte, „außer der weißen Sprosse auf deiner Nase natürlich.“ Naseweis nickte, schnaubte und fraß sich weiter gierig durch den Apfel.

..•. Klein wie ein Mustang .•..