Der neapolitanische Kater - Adam Imrish Clemm - E-Book

Der neapolitanische Kater E-Book

Adam Imrish Clemm

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Beschreibung

Ein gerade entstandener Geist freundet sich mit einem alten Kater an, der auch mit Menschen kommunizieren kann. Ihr gemeinsames Ziel : den Mörder des Geistes zu finden, doch dieser kontrolliert zunächst auch die möglichen Verbündeten. Da der Geist selbst nicht mit seinen Schwester auf Seelenebene kommunizieren kann, übernimmt diese Aufgabe der alte Kater. Auf diese Weise können sie schrittweise den Kreis ihrer Verbündeten erweitern. Dabei finden sie auch heraus, dass dem Geist noch eine Aufgabe zugedacht ist: Er soll die gefährlichsten Vampire unserer Zeit in ihre Welt zurückdrängen - die Gefühlsvampire.

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Seitenzahl: 202

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Adam Imrish Clemm

Der neapolitanische Kater

....auch Vulkane haben Seelen

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Es ist schon später Vormittag….

Die Spielgefährtin

Ein seltsames Treffen

Auf der kleinen Piazza am nächsten Morgen..

ein Gespräch …..

Der Theater-Circ!

Überraschungen

Das Experiment

Das Geheimnis des Paters

In einer kleinen Kneipe am Hafen…

Don ist wieder eingeschlafen.

Ein etwas anderes Programm….

Eine beunruhigende Entdeckung

Der II. Teil beginnt…

Der Tag danach

Die Zeit drängt weiter….

Die Beichte

Neuanfang

Gerechtigkeit sucht Zufall...

der Tag danach….

Das Treffen

Überraschende Auflösung....

Kennenlernen

Der Anfang vom Ende..

und wieder ein neuer Tag….

der Plan reift….

Ausstellungseröffnung: - 3 Tage

Ausstellungseröffnung - 2 Tage

Ausstellungseröffnung - 1 Tag

Entscheidungen

Die Medaillons

Die Eröffnung der Ausstellung, das Flüstern der Föhren und das Bellen der Vulkane…….

Die alles entscheidende Jagd

Die Lösung des Paradoxons

Ein bisschen Zeit gewonnen…

Impressum neobooks

Es ist schon später Vormittag….

als die Sardine auf das Kopfsteinpflaster der schmalen Gasse fällt.

So schnell es seine Behinderung erlaubt, humpelt der alte Kater zu der Stelle, an der sie reglos liegen geblieben ist.

Eingehend betrachtet er sie.

Keine große Sardine, aber noch frisch, konstatiert er zufrieden.

Er sieht sich um, doch die Straße ist leer.

Mit der Pfote verjagt er ein paar lästige Fliegen. Doch außer ihnen gibt es noch andere hungrige Mäuler - zwei seiner Artgenossen schleichen gerade um die Ecke.

Er packt die Sardine am Kopf und müht sich, sie schleifend in Sicherheit zu bringen. Ziemlich umständlich diese Art, denn er muss aufpassen nicht bei jedem Schritt auf den Fischschwanz zu treten.

Immer wieder muss er eine Pause einlegen. Hilfesuchend schaut er sich um:

die Steinmauer und der knochige Baum daneben kommen wie gerufen.

Gerade als er zum Sprung ansetzt, schießen seine Artgenossen hinter der Mauer hervor. Böse fauchend versuchen sie dem alten Kater sein Mittagessen abzujagen.

Er weiß, er hat nur einen Versuch. Glück gehabt, er ist oben.

Ohne sich noch einmal umzublicken, verschwindet er im hohen Gras des dahinterliegenden Gartens.

Die Spielgefährtin

Das Klacken ihrer Absätze auf dem Kopfsteinpflaster hört man lange bevor sie sieht.

Ein schmales Gesicht, mandelförmige hellbraune Augen und ein weicher Mund, umrahmt von dunkelbraunen Locken mit einem leichten Rotschimmer und ein schlanker Körper biegt um die Ecke.

Das schwarze ärmellose Kleid scheint als wäre es aus übereinander gelegten Stoffbahnen gewickelt, die in der Nachmittagssonne schimmern.

Ein breiter roter Ledergürtel im Farbton ihrer Fußbekleidung und eine kleine Umhängetasche runden ihre sehr anziehende Erscheinung ab.

Einige Schritte später ist sie vor ihrer Haustüre angekommen. Sie zieht den Schlüssel aus ihrer kleinen Tasche und stutzt.

Aus den Augenwinkeln, bemerkt sie eine Bewegung in einer gegenüberliegenden Mauernische - ein Mann. Sie kennt ihn.

Auf ihr Zeichen, löst er sich aus der Wand und huscht er an ihr vorbei ins Haus. Schnell schließt sie die Türe hinter ihm.

Kunden schätzen ihre Diskretion.

Ihr heutiger Kunde hat immer dengleichen Spielewunsch: „Nicht-Petzen“.

Dieses Spiel erfand vor vielen Jahren seine ältere Schwester.

Jedes Mal, wenn sie auf ihn aufpassen musste und er etwas tat, das sie missbilligte, drohte sie es den Eltern zu sagen.

Damit sie ihn nicht verpetzte, durfte sie etwas von ihm verlangen!

Mit der Zeit hatte sie sich einen kleinen Katalog von Bestrafungen für ihren Bruder ausgedacht. Eine ihrer Lieblingsstrafe war es, ihn nackt in die Ecke zu stellen.

Während er reglos dastehen musste, erzählte sie ihm von ihren sexuellen Phantasien. Da er noch sehr jung war, dauerte es eine Weile bis diese Geschichten die erwünschte Wirkung bei ihm erzielten.

Später erfand sie eine Zusatzregel, die es ihm verbot dabei sein Glied zu berühren, bis sie es erlaubte. Versuchte er es trotzdem, schlug sie ihm mit einem Lineal auf die böse Hand.

Wenn sie ihn genug gequält hatte, musste er sich vor einem Spiegel befriedigen.

Dabei stand sie daneben und feuerte ihn an. Manchmal schlug ihm auch mit einem Lineal auf den nackten Hintern. Mit der Zeit empfand er die Schläge als zusätzliche Lust.

Anschließend musste er unter ihrer Aufsicht alles saubermachen. Erst dann war seine Strafe verbüßt.

Um sich in der sonderbaren Wünsche Welt ihrer Kunden nicht zu verlieren, hält sie ihren Kundenstamm bewusst klein.

Während sie sich umzieht, bleibt ihr Kunde alleine im Zimmer.

Ein Buch mit hocherotischen Zeichnungen hat sie absichtlich auf dem kleinen Tisch liegen gelassen. Fasziniert blättert er noch darin, als sie lautlos das Zimmer wieder betritt.

„Du weißt, dass du das Buch nicht nehmen sollst! Ich werde es Mama und Papa sagen!“ herrscht sie ihn an.

„Nicht sagen, bitte. Ich mache alles was du willst!“ Bittend kniet er sich vor sie hin.

„Zieh dich jetzt aus“, befiehlt sie barsch.

Hastig befolgt er ihren Befehl.

„Geh zum Spiegel!“

Schweigend stellt er sich nackt vor den großen Spiegel an der Wand.

Sie stellt sich ganz nah hinter ihn.

Mit einem kleinen Stock fährt sie langsam zwischen die Schenkel hoch. Das kalte Leder des Griffs lässt ihn erschauern und sein kräftiges Glied richtet sich auf wie eine Schlange, die Beute wittert. Doch bevor er es berühren kann, trifft ein gezielter Hieb seine Hand.

Flüsternd beginnt sie ihr Spiel.

Tief atmet er ihren anregenden Geruch, lauscht ihrer verführerischen Stimme und lässt seiner Phantasie freien Lauf.

Immer wieder versucht er sein zuckendes Glied zu berühren, doch die Spielgefährtin weiß es immer wieder zu verhindern.

Es dauert unendlich lange, bis ihr erlösender Befehl kommt.

In mehreren Wellen entlädt er sich auf seinem Spiegelbild.

Sie betrachtet seine Entspannung im Spiegel.

Zitternd greift er schließlich nach einer Stuhllehne und setzt sich.

Nachdem er sich beruhigt hat, reinigt er alles mit den vorbereiteten Tüchern.

Ohne seine Peinigerin anzusehen, zieht er sich wieder an, legt das Geld in den kleinen blauen Keramikaschenbecher und verlässt die Wohnung

Die Türe fällt ins Schloss.

Während sie das Honorar in das kleine Astloch hinter dem Foto steckt, muss sie an ihren Bruder denken.

Seit zwei Tagen hat sie nichts von ihm gehört.

Ein seltsames Treffen

In dem verwilderten Garten hinter der Mauer hatte der alte Kater einen Platz zum Ausruhen gefunden. Er war erschöpft von der Jagd, doch sein Mittagessen hatte er gerettet.

Die herrliche Ruhe und die wärmenden Strahlen der Mittagssonne verfehlten ihre Wirkung nicht - in Zeitlupe senkten sich seine Augenlider und mit einer Pfote auf seinem Mittagessen schlief er ein. Kurz darauf befand er sich in einem Traum, den seine Seele aus einer anderen Zeit mitgebracht hatte:

Er spielt auf dem kühlen Marmorboden des Haustempels. Es ist sehr ruhig um die Mittagszeit, da Bewohner die kühleren Abendstunden für ihre Gebete bevorzugen.

Masaru hat bei seiner Menschenfamilie ein schönes Leben. Er wird gut versorgt und genießt absoluten Schutz. Nur eine Einschränkung hat sein Katzenleben:

Er darf nie nach alleine nach draußen.

Wenn die Familie ausgeht, muss er in einem Käfig sitzen und wird spazieren getragen.

Deshalb beneidet er die Straßenkatzen. Die sehen nicht so hübsch aus, haben auch nicht immer genug zu essen, aber dafür sind sie frei. Doch Masaru ist zu wertvoll, um alleine draußen zu leben.

Er hat schon mehrere Zuhause gehabt, denn einer so wertvollen Katze kann es schnell passieren, dass sie als Geschenk den Besitzer wechselt. Seine frühere Besitzerin durfte er sie immer begleiten, wenn sie abends nach Yoshiwara ging. Er hatte dann eine schönes Lederhalsband an und konnte er ein wenig herumlaufen, soweit es die Leine erlaubte.

Es war ein sehr besonderer Stadtteil, es gab hier die besten Gerüche in der ganzen Stadt und es fiel immer etwas Leckeres für ihn ab.

Einer der Herren war oft zu Gast bei seiner Herrin und eines Tages hatte Masaru wieder ein neues Zuhause.

Ein Kitzeln in seinem linken Ohr weckt den alten Kater. Schlaftrunken kratzt er sich, doch es hört nicht auf.

Er hebt seinen Kopf und sieht hunderte Ameisen, die auf dem Weg zu seiner Sardine die Abkürzung über seinen Kopf nehmen.

Sofort springt er auf und schüttelt sich so lange, bis das Kitzeln aufhört. Nachdem er mit viel Mühen sein Mittagessen vor seinen Artgenossen in Sicherheit gebracht, will er es jetzt nicht den Ameisen überlassen: Krachend zerbrechen die Gräten zwischen seinen Zähnen.

Genüsslich leckt er sich die Schnauze und Barthaare, während die Ameisen die wenigen Reste abtransportieren dürfen. Bald ist auch die letzte Schuppe verschwunden.

Frisch gestärkt und unternehmungslustig beginnt er seinen Streifzug durch das hohe Gras des verwilderten Gartens.

Eine alte Scheune weckt seine Neugierde. Tief geduckt schleicht er einmal um sie herum. An der Wand lehnt eine zerbrochene Glasscheibe, die außer der langsam untergehenden Sonne auch sein Spiegelbild zeigt.

Sein schwarzes Fell ist zwar nicht mehr so glatt wie früher, doch wirkt es immer noch gepflegt. Nur seine kleine weiße Blesse ist heute nicht ganz sauber.

Das doppelflügelige Tor ist geschlossen. Gleich daneben jedoch befindet sich eine kleine, ein wenig verzogene Türe.

Mit der Pfote versucht der alte Kater in den kleinen Spalt zu gelangen, endlich öffnet sie mit einem leichten Quietschen.

Sofort weiten sich seine Pupillen und mit aufgestellten Ohren blickt er in den düsteren Raum.

Fahles Mondlicht, fällt durch die Lücken der fehlenden Ziegel.

An den Wänden lehnen hier, wie auch überall im Garten, die Überreste alter Maschinen. Einige werfen gespenstische Schatten.

Von der Decke baumelt eine Kette herunter.

Im Vorbeischleichen bekommt sie mit der Pfote einen Schubs. Leises Rasseln - ein gespenstisches Geräusch in der Dunkelheit.

„Macht’s Spaß?“.

Angewurzelt bleibt der alte Kater stehen. Langsam dreht er den Kopf. Er ist sich nicht sicher, ob da wirklich etwas war.

Vorsichtig setzt er eine Pfote vor die andere, als hätte er Angst etwas Unsichtbares zu zertreten.

„Keine Angst. Ich kann dir nichts tun. Ich bin nur ein Geist!“ tönt es in seinem Kopf.

„Geist?“

„Ja, ein Geist! Wenn du willst, erzähle ich dir gerne wie man einer wird!“

Der alte Kater setzt sich unter die Kette und blickt an ihr empor. So hat er wenigstens einen realen Orientierungspunkt, als die Stimme zu erzählen beginnt:

„Ich wollte nur die Straße überqueren, da hörte ich das Heulen eines Motors. Zum Reagieren war es zu spät und gleich darauf lag ich unter einem Auto.

Schon im nächsten Augenblick betrachtete ich alles aus einer schwebenden Perspektive, ein ziemlich komisches Gefühl kann ich dir sagen.

Der Fahrer stieg aus, zog mich unter seinem Wagen hervor und steckte mich in den Kofferraum. Es machte ihm überhaupt nichts aus, dass er mich eben getötet hatte. Dann fuhr er mit mir hierher.“

„Und wo bist du jetzt? Ich meine, dein Körper?“

„Schau mal noch oben!“

Der alte Kater legt den Kopf in den Nacken. Über ihm baumelt, mit dem anderen Ende der Kette verschnürt, ein Paket.

„Das bin ich oder besser gesagt, der Rest von mir.“

„Wann ist das passiert“, erkundigt sich der Kater.

„Gestern, glaube ich!“

„Aber was machst du jetzt noch hier?“

„Ich bleibe in der Nähe meines Körpers, bis meine Seele abgeholt wird!“

„Abgeholt? Von wem ?“

„Von Baumgeistern, Engeln oder so! Meine Seele kann doch nicht als Geist einfach hierbleiben, oder?“

Der alte Kater ist wirklich erstaunt über diese Antwort

„Bist du denn ganz alleine da oben?“

„Ich weiß nicht, aber außer dir hatte ich noch mit niemandem Kontakt. Aber im Schintoismus glaubt man, dass alles eine Seele besitzt. Es gibt heilige Berge, heilige Flüsse, heilige Bäume und verschiedenes andere.“ fährt der Geist auf einmal fort. Anscheinend will er sich selbst Mut zusprechen.

"Manche Japaner glauben, dass die Seelen unserer Ahnen in einem Schattenreich weiterleben, andere wiederum glauben, dass die Seelen in anderen Körpern wiedergeboren werden und sie so in den Kreislauf der Lebenden zurückkehren.“

„Wer hat dir denn das alles erzählt?“ fragt der alte Kater erstaunt.

„Meine Mutter!“

„Deine Mutter?“

„Ja, eigentlich war sie meine Stiefmutter. Sie war Halbjapanerin“ fügt der Geist erklärend hinzu.

„Sehr interessante Philosophie. Was glaubst du denn, wie es jetzt weitergeht“ stellt der alte Kater die Frage in den Raum und hofft seinen neuen Bekannten von seinem Trübsal etwas abzulenken.

„Keine Ahnung!“

„ Aber aktiv scheinst du ja zu sein“, fährt er fort.

„Aktiv? Was meinst du damit?“ erkundigt sich der Geist.

„Ich meine damit, dass deine Seele aktiv ist.“

Schweigen.

„ Wir beide kommunizieren unsere Gedanken über unsere Gefühle und das funktioniert nur, wenn unsere Seelen aktiv sind. “ führt der alte Kater seine Gedanken zu Ende.

„ Dann müssen unsere Seelen auf einem ähnlichen Energieniveau schwingen. Vielleicht sind wir sogar Seelenverwandte!“ stellt der Geist erfreut fest. „Oh, wir haben uns ja noch gar nicht vorgestellt: Carlo oder was von ihm noch übrig ist“

„Angenehm Don.“

Der alte Kater schließt die Augen. Das macht er immer so, wenn er nachdenkt.

„ Ich hoffe nur, dass meine Seele nicht irgendwohin geschickt wird, wo ich mich nicht auskenne.“ schreckt ihn sein Gesprächspartner aus seinen Gedanken wieder auf.

„Wie meinst du das?“

„Ein nettes Tier wäre ja nicht so schlimm, aber als Stein oder Baum, den jeder Hund anpinkelt, möchte ich nicht enden!“ fährt der Geist mit seinen Befürchtungen fort.

„Nein, bestimmt nicht!“ beruhigt ihn Don.

„Eine menschliche Seele bleibt immer eine menschliche Seele, genauso wie eine tierische Seele immer in einem Tier wiedergeboren wird und die Beseelung anderer physischer Dingen, wie Bergen, Wasser und Luft immer aus einem eigenen Seelenmeer geschieht. An dieses indische Karma Gespenst, das man zur Strafe in einem Stein wiedergeboren wird, glaube ich nicht. Falls es wirklich Strafen gibt, sehen sie bestimmt anders aus.“

„Und wieso bist du so sicher?“ fragt Carlo ganz erstaunt.

„Wegen des Deja-VUs!“

„Wieso das?“ Seine Verwirrung ist ihm anzufühlen.

„Bei einem Deja-Vu hast du doch das Gefühl, genau diese Situation schon einmal genauso gelebt zu haben, richtig?“

„Richtig!“

„ Es ist aber nur eine Wirklichkeit für deine Seele gewesen, für dich selbst ist diese Wirklichkeit ganz neu. Bei diesen Deja-Vus erlebst du eben nur Situationen, die in einem menschlichen Leben passiert sind, oder hast du schon mal Erinnerungen an ein Wurmleben oder ein Felsleben gehabt?“

Unsichtbares Kopfschütteln!

„Ich bin sicher, dass geht gar nicht, weil deine Seele erst in einem Menschen wieder eine Aufgabe bekommt und sich deshalb auch nur an die Erlebnisse als Mensch erinnern kann. Ich hatte bis jetzt wirklich nur Deja-Vus als Katze“, bekräftigt Don seine Analyse.

„Das würde aber bedeuten, dass Seelen wiedergeboren werden und nicht in einem Schattenreich vermodern. Das ist eine angenehme neue Erkenntnis. Aber wieso können unsere Seelen miteinander kommunizieren? Sie stammen doch aus verschiedenen Seelenmeeren“, wendet der Geist nach kurzem Überlegen ein.

Don setzt sich auf. Dabei hält er seinen Kopf etwas schief und fährt sich mit der Pfote über die Nase.

„ Soweit ich weiß, können sich Seelen weiterentwickeln! Ab einer gewissen Stufe können sie auch in Kontakt mit Seelenwesen einer anderen Kategorie treten.

Hierbei handelt es sich um den empathischen Kommunikationsbereich.“ beschließt Don seinen Vortrag und bemerkt wie müde er sich auf einmal fühlt.

Aufregungen wie die heutigen, steckt er nicht mehr so leicht weg.

„Ich brauche jetzt ein bisschen Schlaf. Morgen sehen wir weiter, ok?“

Ohne auf eine Antwort zu warten, verlässt er die Scheune.

Im Garten, hinter einem Holzstoß, findet er den idealen Schlafplatz. Kaum hat er sich zusammengerollt, ist er auch schon eingeschlafen.

Von der nächtlichen Aktivität um ihn herum, bekommt er nichts mit.

Auf der kleinen Piazza am nächsten Morgen..

 „AHHH!!“

Der Schrei hallt über den kleinen Platz. Die Gäste der Cafés blicken erschrocken von ihren Zeitungen auf.

Auf dem Pflaster liegt ein Mann neben seinem Fahrrad und hält sich den Kopf. Dick topft ihm das Blut tropft durch die Finger.

Eben noch eilige Passanten bleiben neugierig stehen - eine willkommene Unterbrechung ihres geschäftigen Tagesplans.

„Lasst mich durch!“.

Von hinten bahnt sich eine junge Frau ihren Weg durch die Schaulustigen.

„Ich bin Krankenschwester. Lassen Sie mich mal sehen.“, stellt sie sich dem Verletzten mit beruhigenden Worten vor. Nachdem sich der Verletzte auf einen Stuhl gesetzt hat, betrachtet sie fachfraulich die Wunde.

„Nicht so schlimm! Nur eine Platzwunde! Desinfizieren und ein Verband wird für den Moment reichen. Wenn es nicht aufhört zu bluten, müssen Sie sie nähen lassen.“

Ein Kellner hat inzwischen den nicht mehr vollständigen Verbandskasten des Cafés gebracht. Während der Verletzte behandelt wird, tritt ein kleines, ärmlich aussehendes Mädchen an den Verletzten heran.

„Du hast meine Brüder verjagt und jetzt weiß meine Mutter nicht, woher sie das Geld für das Essen nehmen soll. Was ist denn so schlimm, wenn sie vor einer Kirche Karten zu verkaufen! Es geschieht dir ganz recht. Jetzt hat dich der liebe Gott bestraft!“

Genauso wie sie aufgetaucht ist, ist sie wieder verschwunden. Während die Krankenschwester den Verband anlegt, streift mit ihrem Ärmel die Hand des Verletzten. Ein kleiner Blutfleck bleibt hängen.

„Was für Karten?“ fragt sie interessiert.

Unschlüssig, ob er antworten soll, schaut sie der Verletzte an.

„Eintrittskarten für ein Orgelkonzert!“

„Ein Orgelkonzert? Davon habe ich ja noch nichts gehört?“

„Ich auch nicht! Deshalb habe ich ihre Brüder weggeschickt.“

„Sind Sie wohl Pater Gesualdo?“

„Ja. Wie kommen Sie darauf?“

„In dem Viertel kennt Sie fast jeder. Sie versuchen der Jugend wieder Anstand beizubringen.“

„So sieht man mich?“

„Manche jedenfalls!“

„Und wie heißt meine Retterin?“ erkundigt sich Pater interessiert.

„Magda. Magda Maria. So, das wird genügen. Sie sollten jetzt besser nach Hause gehen und sich hinlegen. Wahrscheinlich haben Sie auch eine Gehirnerschütterung. Was ist überhaupt passiert?“

„Genau weiß ich das auch nicht. Irgendetwas ist mir in den Weg gerollt und ich bin gestürzt. Vielen Dank für Ihre Hilfe. Wenn ich mich revanchieren kann, lassen Sie es mich wissen.“.

„Mach ich “ und gibt ihrem Patienten die Hand. Dann dreht sie sich um und schiebt sich in die Menge, die sie augenblicklich verschluckt.

Umständlich hebt der Pater sein Fahrrad auf. Auch sein Knie schmerzt. Eine aufgeregte Stimme ruft seinen Namen.

Er dreht sich um und sieht in das Gesicht seines Freundes Saduj.

„Was ist denn passiert?“

Pater Gesualdo winkt ab. “Später!“

„Gut, dann begleitet ich dich jetzt nach Hause!“

Die Entschlossenheit in Sadujs Stimme lässt ihm keine Wahl und er nickt. Langsam folgt er dem Weg, der zu seinem Haus führt, während Saduj das beschädigte Rad schiebt.

Der kleine Junge sieht ihnen noch eine Weile hinterher, bevor er mit seinem Roller davon saust.

Zur gleichen Zeit hinter der alten Scheune…

„Bist du endlich wach?“ tönt die fordernde Frage in Dons Kopf.

„Fast!“ kommt eine nicht sehr überzeugende Antwort zurück.

„Mein Körper ist weg!!“

Noch etwas unbeholfen steht Don auf und humpelt zur Scheune. Das Tor steht weit offen. Das Ende der Kette, an dem der Körper befestigt war, liegt vor ihm. Es klebt etwas Blut dran.

„Wer war das?“

„Zwei Typen!“

„Wo haben sie dich hingebracht haben?“

Don folgt den Anweisungen seines Lotsen zu einem Nachbargrundstück. Vor einem frisch zugeschütteten Graben bleiben sie stehen. Ein leerer Zementsack und eine Wanne mit den Resten des Mörtels zeugen großen Bemühungen Etwas nachhaltig zu entsorgen.

Don schaut nach oben.

„Bist du sicher, dass es sich bei deinem Unfall nur um Fahrerflucht handelt?“

„Ich weiß nicht“ kommt es zurück.

„Wenn du willst, helfe ich dir es herauszufinden.“

„Mir wäre es lieber, wenn ich wüsste wie es mit mir hier weitergeht! Ich habe die ganze Zeit über unser Gespräch nachgedacht und…was sind eigentlich inaktive Seelen? Sind die ansteckend?“ Carlo klingt besorgt.

Don macht einen schönen Katzenbuckel, streckt sich ausgiebig und setzt sich wieder. Seinen Schwanz legt er elegant um seine Füße und schliesst die Augen, da er seinen Gesprächspartner sowieso nicht sehen kann. Dann holt er tief Luft und beginnt: 

„Deine Entscheidungen basieren schlussendlich immer auf verschiedenen Gefühlen.

Die einen werden von deinem Verstand ausgelöst. Das sind aber Gefühle, die nur auf sehr wenigen Informationen beruhen.

In deiner Seele jedoch sind Gefühle aus einer sehr tiefen Quelle mit einem sehr großen Erfahrungsschatz gespeichert.

Deshalb fungiert deine Seele auch als moralische Instanz für deine Entscheidungen. Durch Beten und Meditieren trittst du mit deiner Seele in Kontakt.

Wenn das allerdings lange nicht geschieht, wird die Seele krank, inaktiv und schließlich verdorrt sie.

Ihr Seelenwirt, zum Beispiel ein Mensch, wird damit seelenlos, das bedeutet, dass seine bewussten Gedanken keine moralischen Filter mehr besitzen!“

„Eine sehr einleuchtende Erklärung“, bemerkt der Geist anerkennend.

„Aber wie kann es passieren, dass eine Seele kein positives Gefühl mehr bekommt?“

Der alte Kater schüttelt den Kopf.

„Dafür kann es viele Gründe geben.

Lass uns jetzt gehen! Deinen Körper brauchst du nicht mehr zu bewachen, aber ich muss meinen jetzt füttern.“

ein Gespräch …..

„Möchtest du reinkommen?“ fragt ihn der Pater, als sie vor seinem kleinen Haus ankommen.

Saduj nickt, stellt das Fahrrad gegen die Hauswand. Dann folgt er dem Pater in die Küche.

„Zur Zeit bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich meiner Umgebung wirklich etwas Gutes tue“ eröffnet Gesualdo das Gespräch, während er die kleine altmodische Espressokanne zusammenschraubt.

„Ein kleines Mädchen beschimpft mich, weil ich ihre Familie kein Geld verdienen lasse. Gestern schrie mir eine Frau nach, dass ich ihren Bruder in Ruhe seinen Geschäften nachgehen lassen solle, denn wegen mir müssten sie jetzt hungern.

Selbst meine Freunde sagen mir inzwischen, dass ich das Maß der Dinge verloren hätte. Glaubst du das auch?“

Saduj schaudert!

Gesualdo stellt die Kanne auf die Kochstelle.

„Wenn ich dich so anschaue, glaube ich, dass du auch ihrer Meinung bist.“ Kopfschüttelnd setzt er sich an den Tisch.

„Ich möchte doch nur erreichen, dass die Kinder in die Schule gehen und etwas Vernünftiges lernen, statt den ganzen Tag Touristen mit irgendwelchen Sachen nachzulaufen, die sie sich „organisiert“ haben. Verrate mir, wie ich es anders machen soll!“

Beim Wort „verrate“ zuckt Saduj merklich zusammen. Er mag das Wort nicht, seit er weiß was sein Namen rückwärts gelesen für eine Bedeutung hat.

„Also, was denkst du?“. Dieses Mal kommt die Frage fordernder.

„Ich will deine Meinung hören, offen und ehrlich!“

Saduj sieht seinem Freund ins Gesicht.

„Du erwartest zu schnell zu viel!

Die Ordnung, die dich deine Eltern gelehrt haben, als du noch klein warst, ist eine gute Ordnung. Es ist eine richtige Ordnung, aber man muss sie sich leisten können.

Wenn du die Händler von ihren angestammten Plätzen vertreibst, haben sie wenig Möglichkeiten ihre Familien zu ernähren.

Auch wenn die Schule für die Kinder nichts kostet, kostet sie doch die Zeit des Geldverdienens für ihre Familien.

Du weißt selbst wie schlecht die Bezahlung der Arbeiter hier ist. Wenn die Entscheidungen des Stadtrat nicht immer nur zugunsten der großen Unternehmen ausfallen würde, sondern auch an die eigenen Leute denken würde, dann können bestimmt mehr Kinder in die Schule gehen.“

Saduj ist erstaunt über seine eigenen Worte, doch Gesualdo hat ruhig zugehört.

Eben, als er antworten will, klopft es an der Tür.

Saduj sieht aus dem Küchenfenster.

„Es ist ein kleiner Junge!“

Der Pater geht zur Türe.

Nach einigen Minuten kommt er mit einem Umschlag in der Hand zurück. Saduj sieht den Pater erwartungsvoll an. Nachdem Gesualdo die Botschaft gelesen hat, faltet er das Papier wieder zusammen und steckt es weg. Sadujs fragende Blicke indessen bleiben unbeantwortet.

„Was hältst du von ein bisschen Ablenkung. Der Zirkus auf der Wiese hat heute Abend Premiere.Laß uns hingehen“ durchbricht Saduj mit seinem Vorschlag nach einigen Minuten die Stille.

„Gute Idee! Ich muss allerdings noch etwas erledigen. Wann beginnt denn die Vorstellung?“

„Um 8.00 Uhr. Treffen wir uns um 07.00 Uhr auf der Piazza.“ schlägt Saduj vor.

„Einverstanden!“

„Soll ich dich abholen?“

Der Pater sieht ihn verdutzt an, dann lächelt er:

„Danke für deine Fürsorge, aber mir will niemand etwas tun.“

Saduj steht auf: „ Bis heute Abend.“

„Bis heute Abend“.

Der Theater-Circ!

„Miracoli di Adamo“ hat auf der Wiese, unweit der Piazza seine Bühne aufgebaut. Der Name klingt nach einem kleinen Vorstadtzirkus, aber es ist eher ein Theater auf Rädern. In seinem Programm vereinen sich Darbietungen aus der Zirkuswelt dem Theater, dem Kabarett und der Magie. Auf großen Plakaten rund um das Gelände und in der Stadt wirbt er mit seinen Attraktionen. Don hat die Wagen schon von weitem gesehen. Hier gibt es Tiere, also gibt es auch Futter: Logik eines Katers. Sein geistiger Freund begleitet ihn unauffällig.