Der Nekromant  - Totentanz - M.R. Forbes - E-Book

Der Nekromant - Totentanz E-Book

M.R. Forbes

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Beschreibung

"Totentanz" ist der dritte Band der Urban-Fantasy-Reihe "Der Nekromant"

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Seitenzahl: 373

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M. R. Forbes

DERNEKROMANT

– TOTENTANZ –

Titel der englischen Originalausgabe:DEAD STARE (Ghost and Magic Book 2)

1. AuflageVeröffentlicht durch denMANTIKORE-VERLAG NICOLAI BONCZYKFrankfurt am Main 2018www.mantikore-verlag.de

Copyright © der deutschsprachigen AusgabeMANTIKORE-VERLAG NICOLAI BONCZYKText © M.R. Forbes

Deutschsprachige Übersetzung: Jan EnselingLektorat: Andre PiotrowskiSatz: Karl-Heinz ZapfCover- und Umschlaggestaltung: Jelena Begoviç und Matthias Lück

VP: 234-146-01-BD-1218

Printed in the EU

eISBN: 978-3-96188-044-7

M. R. Forbes

DERNEKROMANT

– TOTENTANZ –

Aus dem Englischen von Jan Enseling

Roman

Inhalt

EINS: Gute Freunde sind schwer zu finden

ZWEI: Meinst du das ernst?

DREI: Nichts zu bereuen

VIER: Marionette Daisy

FÜNF: Moralisch schwach

SECHS: Meine beste Imitation von mir

SIEBEN: Frühstück um sechs

ACHT: Was zum ..?

NEUN: Dominos

ZEHN: Nimmerland

ELF: Rundfahrt

ZWÖLF: Karotten

DREIZEHN: Etwas Dummes kommt geschlichen

VIERZEHN: Eine sanfte Unterbrechung

FÜNFZEHN: Lauter Entschuldigungen

SECHZEHN: Smooth Operator

SIEBZEHN: Wenigstens darin sind wir uns einig

ACHTZEHN: Schuldig bis …

NEUNZEHN: D.C.

ZWANZIG: Schwerer, als ich dachte

EINUNDZWANZIG: Hausputz

ZWEIUNDZWANZIG: Entscheidungen, Entscheidungen

DREIUNDZWANZIG: Die Wahl

VIERUNDZWANZIG: Schönes Durcheinander

FÜNFUNDZWANZIG: Express nach Tokio

SECHSUNDZWANZIG: Fuchsig

SIEBENUNDZWANZIG: Die Gabe

ACHTUNDZWANZIG: Zucken

NEUNUNDZWANZIG: Frank und Bohnen

DREISSIG: Ich wusste, das würde ich

EINUNDDREISSIG: Warum habe ich bloß gefragt?

ZWEIUNDDREISSIG: Lebender Toter

DREIUNDDREISSIG: Es ist kompliziert

VIERUNDDREISSIG: Spiele spielen

FÜNFUNDDREISSIG: Hauptsache, es klappt

SECHSUNDDREISSIG: Liebe und Ehe

SIEBENUNDDREISSIG: Ein Arschloch erster Güte

ACHTUNDDREISSIG: Das Mädchen mit den braunen Augen

NEUNUNDDREISSIG: Pool spielen

VIERZIG: Sandstreuner

EINUNDVIERZIG: Was du siehst, ist, was du kriegst

ZWEIUNDVIERZIG: Zurückverfolgt

DREIUNDVIERZIG: Ist schwer, Schluss zu machen

VIERUNDVIERZIG: Trügerische Illusionen

FÜNFUNDVIERZIG: Wenn es Zeit wird zu gehen

SECHSUNDVIERZIG: Hab ich dich

SIEBENUNDVIERZIG: Nicht übertreiben

ACHTUNDVIERZIG: Würde – oder was davon übrig ist

NEUNUNDVIERZIG: Und ich dachte, ich wäre unheimlich

FÜNFZIG: Aufgeblasen

EINUNDFÜNFZIG: Wütend machen

ZWEIUNDFÜNFZIG: Im Glashaus sitzen und mit Steinen werfen

DREIUNDFÜNFZIG: Jetzt siehst du mich

ACHTUNDFÜNFZIG: Museumsreif

FÜNFUNDFÜNFZIG: Black und Night

SECHSUNDFÜNFZIG: Wahl? Welche Wahl?

SIEBENUNDFÜNFZIG: Warum nicht?

ACHTUNDFÜNFZIG: Fürchte kein Unheil

ÜBER DEN AUTOR

EINS

Gute Freunde sind schwer zu finden

Prithi, ich brauche einen Weg raus. Und ich meine, gleich jetzt.«

Ich war eine Sekunde lang still und bedeckte mein Ohr mit einer Hand, während ich durch einen Schwall Rauschen auf ihre Antwort wartete. Die Interferenz wurde durch einen Atmosphärenmagier irgendwo in der Nähe des übermäßig sterilen Ganges hervorgerufen, in dem ich stand. Ich hatte in den vergangenen drei Minuten mein Bestes getan, um ihm aus dem Weg zu gehen, weil ich nicht wollte, dass er nahe genug herankam, um die Luft um mich herum zu stehlen, oder irgendeine andere üble Möglichkeit fand, mir den Garaus zu machen.

»Prithi«, wiederholte ich.

Das Rauschen war zu dicht. Ich ließ die Hand sinken und griff nach dem magischen Strang, der von mir bis zu meinem Partner in dieser Übung reichte, einer Leiche, die ich Daisy genannt hatte. Ich hatte sie zum Westflügel der Forschungseinrichtung geschickt, während ich mich zum Ostteil aufgemacht hatte. Unter den meisten Umständen hätte die Entfernung gereicht, um den Faden der Kontrolle zu zerreißen, den ich über ihre Seele hatte und die gegen ihren Willen, aus welchem Jenseits auch immer, zurückgerufen worden war, um meine Befehle zu befolgen. Dies waren nicht die meisten Umstände, und ich hatte meine Verbündete klug gewählt.

Ich entdeckte sie nahe dem Westwinkel der Einrichtung und lächelte. Während ich hier versuchte, dem Wettermann aus dem Weg zu gehen, war sie gerade dabei, sich über einen unbewachten Luftschacht in den gesicherten Lagerraum fallen zu lassen.

Mr. Black dachte, es wäre unter meiner Würde, Kinder wiederzubeleben.

Die traurige Wahrheit war, wenn es darum ging, am Leben zu bleiben, war nichts unter meiner Würde.

Ich setzte mich wieder in Bewegung, ging um eine Ecke und starrte einen weiteren, langen, sterilen, weißen Korridor entlang. Die Einrichtung war ein Krankenhaus. Irgendwie. Ungefähr so, wie Auschwitz ein Ferienort gewesen war. Hier bewahrte Mr. Black seine dreckigste Wäsche auf, das Zeug, von dem sogar sein Sohn angewidert oder tief beeindruckt gewesen wäre, hätte ich ihn nicht bereits getötet. Keine Tierversuche. Menschenversuche. Meistens Ledernacken. Er hatte die Idee noch nicht aufgegeben, die geomagnetische Bewegung, die das gesamte Heer von neuen Menschen wieder in die Welt geholt hatte, umzukehren. Ich hatte die Idee nicht aufgegeben, ihn aufzuhalten.

Es war ein interessanter Tanz. Einer, von dem ich mir nie vorgestellt hatte, daran teilzuhaben, was ausgerechnet durch die Einmischung eines Drachen ermöglicht worden war. Sogar sechs Monate nach dem Treffen mit Tarakona, sogar nachdem ich frisch geborenen Nachwuchs zu ihm an einen Ort gebracht und er sichergestellt hatte, dass ich ihn vergessen würde, wachte ich immer noch vollkommen verwirrt auf und fragte mich, ob irgendetwas davon echt gewesen war.

Ich musste nur einen Blick auf meinen Ringfinger werfen, um zu wissen, dass es so war. Ein einfacher schwarzer Ring lag darum, hergestellt aus demselben Knochen wie die Maske und die beiden Würfel, die ich in der Manteltasche trug. Ich wusste nicht, wo Tarakona ihn herhatte. Was ich wusste, war, dass er ihn mir gegeben hatte, zusammen mit einem Buch und einem hübschen Bündel Scheine, als Gegenleistung dafür, dass ich Black davon abgehalten hatte, das ungeschlüpfte Ei für die Zerstörung der Welt zu benutzen.

Gut für mich.

Ich wusste auch, dass der Dämon, der in der Ausrüstung hauste, ekstatisch gewesen war, als ich Tarakonas Koffer geöffnet und den Ring darin entdeckt hatte. Mit der Hitze, die von der Maske aufstieg, hätte er mir beinahe ein Loch in die Brust gebrannt, und als ich den Ring das erste Mal aufsetzte, hatte der Dämon schrill gelacht, als hätte er im Lotto gewonnen.

»Es ist beinahe vollständig«, hatte er gesagt.

Das hatte mir eine Scheißangst eingejagt. Es hätte auch fast ausgereicht, mich davon zu überzeugen, dass ich die Maske, die Würfel und den Ring aufgeben, mich irgendwo auf ein Feld stellen und warten sollte, bis Tod vorbeikam und mich holte.

Fast. Nicht ganz.

Der Ring war inaktiv. Er war immer inaktiv. Im Gegensatz zu den Würfeln und der Maske war seine Macht vollkommen passiv. Wie es aussah, machte er mich nicht nur gegenüber Tod, sondern auch gegenüber Mr. Black und anderen hochrangigen Magiern unsichtbar. Ich kapierte nicht ganz, wie das funktionierte, da Tod, nun, Tod und Mr. Black, seinen immensen magischen Fähigkeiten zum Trotz, immer noch sterblich war. Was auch immer. Der Punkt war, dass ich von Tod, Black oder deren Handlangern nicht mehr belästigt wurde, seit ich den Ring angesteckt hatte.

Super, Tarakona.

Ich wünschte, ich hätte sagen können, dass danach alles in Butter war. Das Problem war, dass all die Verbesserung auf der Welt nichts gegen meine dringendste Situation ausrichten konnte. Ich litt unter einer unheilbaren Krankheit, und das Einzige auf der Welt, was sie in Schach hielt, wurde immer knapper. Schlimmer noch, ich zerfiel immer schneller, und wo ich früher für ein paar Monate mit einer Dose der Medikamente auskommen konnte, hatte ich jetzt Glück, wenn sie ein paar Wochen hielt.

Lag es am Ring? Das war mehr als möglich. Es war die wahrscheinlichste Erklärung, und hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich ihn abgenommen und wäre das Risiko eingegangen. Nur, wenn es um Tod oder Black ging, war alles ein Risiko. Es war keine Frage des Ob, sondern des Wann.

Die Tatsache, dass ich mich sicherer fühlte, in eines seiner Labore einzubrechen, von dem niemand etwas wissen sollte, um mehr von den Medikamenten zu stehlen, sagte alles, was diesbezüglich gesagt werden musste.

Ich ging rasch den Korridor entlang und hielt meine Sinne währenddessen auf meine Umgebung gerichtet. Ich entfernte mich immer weiter von Daisy, was mir nicht gefiel. Der Strang war bereits stark gespannt, und ich konnte spüren, wie sie sich allmählich gegen meine Kontrolle wehrte.

Ich hob die Hand und tat mein Bestes, um leise hineinzuhusten, und schaffte es, ihn bis auf die schlimmsten Anfälle zu unterdrücken, während ich mich in einen schmalen Türrahmen drückte. Ich stand immer noch da, als der Atmosphärenmagier um die Ecke kam. Ausnahmsweise hatte es was Gutes, dass ich so verdammt dürr war. Ich hatte meine Waffe gezogen und gezielt, bevor er überhaupt bemerkte, dass ich da war.

Selbstverständlich war das zu spät. Als ich ein paar Kugeln abgefeuert hatte, hatte er den gesamten Wasserdampf in der Luft zu deinem dicken Schild verdichtet, der die Kugeln aufhalten konnte. Zwei von Blacks Schlägern tauchten zu beiden Seiten von ihm auf und zielten mit ihren Waffen auf mich. Ich legte meine Hand auf das Türschloss hinter mir, spuckte schnell irgendeinen Satz aus, den ich auswendig gelernt hatte, aber nicht verstand. Er veränderte irgendwie meine Erfahrung mit der Frequenz der Todesmagie und erlaubte mir, das Schloss in unter zwei Sekunden verrosten zu lassen. Ich fiel gerade in dem Moment in das Zimmer, als die Kugeln die Tür durchlöcherten, wo ich vorhin noch gestanden hatte.

»Verdammt, Prithi! «, sagte ich, während ich auf den Rücken fiel und noch einmal versuchte, sie zu erreichen. »Ich bin abgeschnitten.«

Als Antwort bekam ich nur Rauschen. Wenn sie vielleicht nicht mit ihrer Freundin in Vegas herumgehangen hätte, hätte sie sich vielleicht mehr Mühe gegeben, die Blockierungen des Nutzers zu umgehen. Es war einfach nicht mehr dasselbe, seit sie dorthin gezogen war, um bei Myra zu leben, und angefangen hatte, aus der Ferne zu arbeiten. Nicht nur wurde sie sehr nachlässig, sondern ich wurde immer einsamer. Freunde waren Mangelware, seit ich mein früheres Leben hinter mir gelassen hatte. Der Verlust der einzigen drei, die ich während eines Jahres gefunden hatte, hätte jeden anderen darüber nachdenken lassen aufzugeben.

Ich sprang auf die Füße, bewegte mich nach vorne und schlug die Tür zu, die ich mit dem Fuß zuhielt, während ich einen Blick auf meine Umgebung warf. Das Zimmer war dunkel und spärlich ausgestattet. Ein großer Kühlschrank summte in einer Ecke neben einem Gemälde von einem Sonnenaufgang mit Vorhängen drumherum, als wäre es ein vernünftiger Ersatz für ein Fenster. Ein großes Bett stand in der Mitte, und es und derjenige, der darin lag, waren mit schweren Ketten am Boden verankert.

Der Liegende. Ich sah sein Gesicht zur gleichen Zeit wie er meines. Ein Troll oder vielleicht jemand halb Oger, halb Troll. Pusteln verliefen an den Seiten seines Gesichts, aber er war viel zu groß für einen Reinblütigen. Er sah mich eine Sekunde lang fragend an. Dann blickte er zur Tür.

»Sieht aus, als hättest du ein kleines Problem, Kumpel«, sagte er, und seine Stimme war überraschend sanft für jemanden von seiner Größe.

Er schüttelte die Handgelenke, die an das Bett und die Ketten gefesselt waren.

»Du hilfst mir, ich helfe dir. Was sagst du?«

ZWEI

Meinst du das ernst?

Ich starrte ihn an.

»Hey, wenn du sterben willst, von mir aus«, sagte der Troger. »Aber mach wenigstens erst diese Dinger los.« Er rasselte wieder mit den Ketten. »Eine letzte Wohltat, alles klar?«

Ich konnte hören, wie sich Schritte der Tür näherten. Ich musste nicht lange überlegen, was ich tun sollte. Ich sprang zu ihm, legte meine Hand auf das erste Glied der Kette, die ich berührte, und flüsterte die gleiche fremdartige Anrufung. Die Kette verfiel unter meiner Hand.

»Sie haben einen Nutzer«, sagte ich.

»Robert. Der Scheißkerl. Das wird unschön.«

»Ich kann seine Magie ungefähr fünf Sekunden aufhalten«, sagte ich. Der einzige Vorteil des Rings, der dafür sorgte, dass ich schneller verfiel, war, dass meine magische Kraft proportional dazu lag, wie nahe ich dem Sterben war. Gerade jetzt hieß das, dass ich die Angriffe des Atmosphärenmagiers absägen konnte. Nur nicht zu lange, sonst wäre ich zu krank zum Stehen.

»Ich brauche nur drei«, sagte er, befreite seine Arme mit einem Ruck von den Ketten, setzte sich auf, warf seine Decken beiseite und löste die Fesseln von seinen Beinen.

Ich konnte nicht anders, als zu bemerken, dass er vollkommen nackt war. Sein Körper war von weiteren Pusteln gezeichnet, genauso wie von Blutergüssen und Narben.

»Ich bin nicht mit denen hergekommen«, sagte er und rutschte seitlich vom Bett.

Blacks Leute kamen näher. Ich streckte die Hand aus und hörte, wie das Chaos der Todesmagie zwischen meinen Ohren schepperte.

Die Tür schwang auf. Langsam, als würde ein Kleinkind sie aufschieben. Ich bin nicht sicher, ob das der Effekt war, den Robert hervorrufen wollte. Zu verdammt schade.

Mein neuer Freund war zur Tür raus, bevor ich »Angriff!« schreien konnte. Ich erfüllte meinen Teil, indem ich den Druck auf den Nutzer aufrechterhielt und langsam vorwärtsging, während die hässliche Anspannung der Todesmagie das organisierte Tempo seiner Frequenz übertönte.

Ich hörte Schüsse und sah, wie aus der Seite des Trogers Blut spritzte. Er bekam mindestens ein halbes Dutzend Schüsse ab, ohne langsamer zu werden, und hielt direkt auf Robert zu. Er hob den Nutzer mit seinen Armen hoch, als wäre er ein Ballontier. Er ließ ihn auch wie eines platzen, zerquetschte ihn mit seinem Griff, bevor er die Leiche zu Boden fallen ließ.

Ich ließ die Hand sinken und spürte, wie eine Welle der Müdigkeit über mich hereinbrach, zusammen mit dem Drang, die letzten Stücke meiner Lunge, die noch übrig waren, herauszuhusten. Ich klappte zusammen, während der Troger mit den beiden Wachleuten kurzen Prozess machte: Er ergriff einen beim Arm und schleuderte ihn mit genügend Wucht gegen die Wand, dass er ihm das Genick brach, dann packte er den Kopf des anderen mit seiner massiven Hand und zerquetschte ihn wie eine reife Melone.

Was auch immer sie mit ihm hier drin angestellt hatten, die blutige Gewalt seiner Vergeltung machte den Schrecken dessen kristallklar.

Er stand ein paar Sekunden über den Toten. Sein ganzer Körper bebte. Ich dachte daran, etwas zu sagen, und entschied mich dagegen. Wie konnte ich denn wissen, ob er nicht in irgendeinen Berserkerrausch eines Experiment-Ledernackens verfallen war?

Stattdessen wandte ich meine Aufmerksam wieder Daisy zu. Sie war aus dem Schacht heraus und im Lagerraum. Ich musste näher heran, um durch ihre Augen zu sehen und die Medikamente zu finden, nach denen ich suchte. Wenigstens war der Nutzer aus der Gleichung gestrichen.

Ich kroch nach vorne, bewegte mich Zoll für Zoll auf die Tür zu, ohne den Koloss vor mir aufzuscheuchen. Natürlich wählte er gerade den Augenblick, als ich am nächsten an ihm dran war, um sich umzudrehen.

Sein ganzes Gesicht war rot. Eine riesige Ader auf seiner Stirn pulsierte. Seine Augen waren feucht und aufgedunsen.

Weinte er?

Ich war mal gut mit dem emotionalen Zeug, damals, als ich noch so normal war, wie man nur sein konnte. Ich war nicht gerade der feinfühligste Kerl, aber auch kein totales Arschloch. Das kam erst nach dem Krebs. Ich stand im Flur und rührte mich nicht, hielt meinen Blick auf den großen Burschen gerichtet und hoffte, dass er nicht auf eine Umarmung wartete.

Ich schaffte es, ungefähr zehn Sekunden durchzuhalten. Ich musste einen Job zu Ende bringen.

»Kann ich dir helfen?«, fragte ich.

»Ich hab noch nie jemanden umgebracht.«

»Irgendwie glaube ich das nicht so ganz.« Ich zeigte auf die Szene. Es war übel, und ich hätte deswegen gekotzt, wenn ich nicht an übel gewöhnt gewesen wäre.

»Ich schwöre. Ich weiß nicht, was mich geritten hat. Ach, zur Hölle damit! Doch, ich weiß, was mich geritten hat. Diese Arschlöcher haben mich die letzten drei Jahre hier eingesperrt, und ich wollte Schädel zum Platzen bringen. Ich dachte nicht, dass ich jemals rauskommen würde.«

»Tja, du bist draußen. Musst mir nicht danken: Ich bin in dein Zimmer eingebrochen, weil ich versucht hab, mein eigenes Leben zu retten. Hätte jede dieser Türen sein können.« Ich hielt inne und blickte auf die anderen Türen. In Sichtweite gab es ein Dutzend von ihnen, alle identisch. Einfacher Stahl mit einem Türgriff, bei dem ich erst jetzt bemerkte, dass ein biometrischer Scanner darauf war. »Oder bist du allein hier drin?«

»Ich weiß nicht, ob noch andere hier sind. Ich hab nie jemand anderen gesehen. Sollen wir vielleicht nachsehen?«

»Vielleicht solltest du dir ein Paar Hosen anziehen.«

Er lächelte und nickte und schleppte sich nach hinten in sein Zimmer. Einen Moment später kam er mit einem weiten Krankenhauskittel wieder raus. Er hatte es sogar geschafft, das Ding am Rücken zuzumachen. »Ich hab keine Klamotten.«

»Warum nicht?«

»Ich hab nicht so ausgehen, als ich hier rein bin.«

»Was bist du? Voll Troll oder voll Oger?«

»Meinst du das ernst? Ich war voll Mensch.«

DREI

Nichts zu bereuen

Du willst mir erzählen, die haben dich in einen Ledernacken verwandelt?«, fragte ich.

»Genau. Ungefähr ein Jahr nachdem sie mich aus dem Gefängnis geholt haben, zusammen mit circa zwanzig anderen. Sie haben uns alle hierhergebracht und gesagt, für die Welt draußen wären wir tot, und machten praktisch alles, was du dir vorstellen kannst, außer einer Sache.«

Das erklärte die Schweinerei auf dem Boden. »Haben sie gesagt, was sie tun wollten?«

»Uns in Monster verwandeln. Haben nie versucht, das geheim zu halten. Warum sollten sie auch? Sie hatten die volle Kontrolle. Ich kann dir sagen, ich bin der Einzige aus meiner Gruppe, der überlebt hat.« Er machte eine Pause. »Übrigens, Kumpel, wer zur Hölle bist du, und was machst du überhaupt hier? Niemand will in so einen Ort einbrechen.«

»Dann kannst du mich Niemand nennen. Was weißt du über die Häuser?«

Es war eine Standardfrage, die ein Geist jemandem stellte, bei dem er nicht ganz sicher war, insbesondere bei jemandem, den er in einem Gebiet auffand, das heimgesucht wurde.

»Häuser? Ich bin kein Makler.«

Unwissenheit bestätigt. »Ist gerade nicht wichtig. Mein Name ist Baron. Ich wollte hier was klauen …«

Ich hörte auf zu reden, als mich die Erkenntnis voll erwischte. Jin hatte mir einmal erzählt, dass die Medikamente die meisten Menschen, die sie nahmen, in Monster verwandelten. Sie hatte außerdem gesagt, dass die Arbeit an dem Zeug eingestellt worden war, weil die Formel als Fehlschlag galt. Darum war es so schwer für mich, es auf Vorrat zu haben. Darum musste ich es trotz des inhärenten Risikos stehlen von Leuten wie Mr. Black.

Black hatte seinen Sohn ein Arschloch genannt, weil er an Wildtieren experimentiert hatte. Er war so ein beschissener Heuchler. Der einzige Unterschied war sein Ziel, von dem ich das Gefühl hatte, es zu verstehen.

»Mr. Black verbessert die Formel, damit er lernt, wie man einen Ledernacken erschafft«, sagte ich. »Was? Wer ist Mr. Black?«

»Das willst du nicht wissen. Wie auch immer, es ist kompliziert. Hör mal, du solltest von hier abhauen, solange die Luft rein ist. Ich garantiere dir, das bleibt nicht so. Ich muss meinen Job zu Ende bringen und mich dann auch verziehen. Bin froh, dass ich dir helfen konnte.«

Ich wandte mich von ihm ab und ging den Korridor entlang. Eins. Zwei. Drei. Vier.

»He, Baron!«

Ich wusste es.

Ich drehte mich wieder um.

»Was ist mit den anderen Türen?«, fragte er. »Willst du sie einfach da drin lassen?«

»Ich bin meinetwegen hier. Nicht deinetwegen. Nicht ihretwegen.« »Ich hab dir das Leben gerettet.«

»Und ich deins. Wir sind quitt.«

Er wirkte nicht unbedingt begeistert von dem Gedanken, die anderen zurückzulassen. Wahrscheinlich deshalb, weil er wusste, was sie durchgemacht hatten.

»Eine Tür. Bitte!«

»Du bist stark. Warum machst du sie nicht auf?«

»Ich konnte meine nicht von innen öffnen. Wieso glaubst du, dass ich die dann aufmachen kann?«

Erneut starrte ich ihn an. Er bettelte mit den Augen. Es wirkte irgendwie jämmerlich bei jemandem, der so groß und beängstigend war wie er.

Ich sah auf die Uhr. Ich hinkte bereits dem Zeitplan hinterher. Und wo zur Hölle war Prithi eigentlich?

»Prithi«, sagte ich.

Sie sollte eigentlich alles mithören können, nachdem der Nutzer gestorben war. Ich wartete fünf Sekunden.

»Prithi«, wiederholte ich und wurde sauer.

»Ich bin hier, Conor«, antwortete sie endlich.

»Wo warst du?«

»Tut mir leid, musste pinkeln. Dachte, weil du sowieso abgeschnitten warst, wäre es eine gute Gelegenheit.«

»Machst du Witze? Ich hätte tot sein können.«

»Ja, klar. Das ist wie der Junge in der Geschichte, der ohne Not ›Wolf‹ gerufen hat. Außerdem, was hätte ich deiner Meinung nach tun sollen, wenn du tot wärst? Du bist in Boston, ich in Vegas.«

»Du könntest dir wenigstens ein bisschen Sorgen machen.«

»Hör auf zu heulen. Das passt nicht zu dir. Was brauchst du?«

Ich schnitt dem Troger eine Grimasse und merkte, dass ich ihn noch nicht nach seinem Namen gefragt hatte. Er sah verwirrt aus.

»Ich liege hinter dem Zeitplan. Kannst du für mich ein Auge auf den Draht haben?«

»Myra ist dran.« Es folgten ein paar Sekunden des Schweigens. »Sie sagt, dass alles sauber ist. Keine Alarmanlagen, keine Überwachung.«

»Für den Job hab ich dich angeheuert, nicht deine Freundin.«

»Sie ist genauso gut wie ich.«

Gelegentlich hörte ich Amos’ Stimme in meinem Kopf, die irgendwas Neunmalkluges von sich gab. Dies war eine dieser Gelegenheiten.

»Ich geh rüber zum Lager. Daisy ist bereits drin.«

»Verstanden. Ich sehe dich. Wink für die Kamera.«

Ich blickte zu der Kamera in der Hecke hinauf und zeigte ihr den Vogel.

»Ach, komm schon, Conor. Das ist einfach nur unhöflich. Wer ist übrigens der Große, Böse und Hässliche da?«

»Lange Geschichte. Es ist keine Gefahr.«

»Gut für dich. Er ist riesig.«

»Pieps mich an, wenn ich Ärger bekomme.«

»Mach ich.«

»Du. Nicht Myra.«

Sie seufzte. »Schon gut, Conor.«

Ich wandte meine Aufmerksamkeit den anderen Türen zu. Die Verzögerung gab mir zu viel Zeit, um ein Gewissen zu entwickeln.

»Ich öffne eine«, sagte ich. »Wenn das Zimmer leer ist, bin ich weg.« Er lächelte. »Deal.«

»Wie heißt du?«

»Frank Dobson.«

»Danke für die Hilfe, Frank.«

»Danke dir, Baron.«

Ich näherte mich der nächsten verriegelten Tür und legte wieder einmal meine Hand auf. Das Schloss rostete bei meiner Berührung weg, und ich stieß die Tür auf.

Ich wusste nicht, ob es mich freute, dass das Zimmer leer war, oder nicht. Mit mehr Luft zum Atmen gefiel mir der Gedanke immer mehr, alle von Mr. Black Versuchsobjekten freizulassen und seine Mühen zunichtezumachen. Solange ich den Ring trug, konnte er mich nicht aufspüren. Wenigstens nicht durch seine Magie. Das hielt ihn nicht davon ab, natürliche Aufspürmöglichkeiten einzusetzen, beispielsweise ein Killerteam. Bisher hatte ich ihn nicht so weit getrieben, um ihn dazu zu zwingen. Es war vermutlich eine gute Idee, es dabei zu belassen.

»Du könntest der einzige Überlebende sein«, sagte ich.

Frank wirkte betrübt bei dem Gedanken. »Wie machst du das überhaupt? Ich hab schon vorher Magie gesehen, aber keine wie deine.«

»Ich bin ein Nekromant«, sagte ich, als wäre das die Antwort auf alles.

»Nie davon gehört.«

»Weißt du, wie Magie funktioniert? Die geomagnetische Verschiebung und die Frequenzen?«

»Nicht wirklich. Hab in einem Imbiss gearbeitet, bevor ich festgenommen wurde.«

»Was hast du angestellt?«

»Nichts. Ich war unschuldig. Die haben mich für schweren Autodiebstahl angeklagt.«

»Du bist ein Autodieb?«, fragte ich und ignorierte die Bemerkung »unschuldig«.

Er lächelte. »War ich. Ich glaube nicht, dass ich jetzt noch in ein Auto passe.«

»Vielleicht nicht in einen Smart.« Ich musterte ihn. Ich hatte schon größere Oger gesehen. Allerdings wurden keine Autos für extragroße Leute hergestellt. Es gab nicht genug von ihnen, um die Kosten zu rechtfertigen. Zumindest noch nicht. »Ich glaube, du könntest dich in einen Lieferwagen quetschen oder in einen maßgefertigten.«

Er war nicht zufrieden mit meiner Antwort. Er zuckte die Achseln.

»Nekromanten kontrollieren Todesmagie, was eigentlich das ist, wonach es sich anhört. Der Trick ist, dass man sterben muss, um sie zu benutzen. Ich hab Krebs im Endstadium, und das Einzige, was mich am Leben hält, sind die Injektionen, die Mr. Black benutzt hat, um dich zu einem Monster zu machen.«

»Oh. Tut mir leid zu hören, dass du krank bist, Kumpel. He, du sagst immer Mr. Black. Ist das der Name von dem Typen, dem der Laden hier gehört?«

»Japp.«

Er war still und regungslos. Er blieb lange genug so stehen, dass ich mich wieder zum Gehen umwandte.

»He, Baron!«, sagte er, als ich mich gerade in Bewegung setzte.

Ich seufzte und drehte mich um.

»Denkst du, ich könnte mit dir kommen?«

Ich hätte es wissen müssen.

»Wieso willst du mitkommen?«

»Ich bin seit drei Jahren hier drin. Davor fünf Jahre im Knast. Ist eine Weile her, seit ich frei gewesen bin. Ich hab ein bisschen Angst.«

»Du hast Angst? Du bist mehr als dreieinhalb Meter groß, und falls du es noch nicht bemerkt hast: Die Schüsse, die du abgekriegt hast? Die Verletzungen sind bereits verheilt.«

Er blickte an sich herunter. Die Kugeln hatten einige der Pusteln auf seinem Körper geöffnet, die ihre milchige Flüssigkeit in die Wunden gegossen und sie schnell und schmerzlos geschlossen hatten. Ein Troll zu sein, war in der Hinsicht großartig – wenn auch nur in der.

»Wow!«, sagte er. »Trotzdem, ich würde gerne mitkommen. Nur vorläufig. Wenn du mir hilfst, ein paar Klamotten und einen Platz zum Übernachten zu kriegen, zahl ich es dir zurück.«

»Du hast nichts, was ich brauchen würde.«

»Was ist mit dem Saft?«, fragte er und berührte eine der Pusteln.

»Ich weiß, dass das Zeug auf dem Schwarzmarkt einen Haufen Geld wert ist.«

Das klang verlockend. Ich benutzte das Zeug nie, wegen der Art, wie man es normalerweise besorgte. »Nein.«

»Bitte? Acht Jahre, Mann.«

»Du siehst aus wie ein netter Kerl, Frank. Das genau ist das Problem. Ich bin kein netter Kerl, und das Meer, in dem ich schwimme, ist voll von anderen nicht netten Kerlen, Mädels und anderen Dingen, von denen du wahrscheinlich nichts wissen willst. Ich bin nicht hergekommen, um einen Fall für die Wohlfahrt zu finden. Ich bin selbst schon genug ein Fall für die Wohlfahrt.«

Er ließ einsickern, was ich sagte, und behielt den gleichen Ausdruck bei, der irgendwie dem eines traurigen Hündchens glich. Er behielt ihn ein paar Sekunden lang bei. Ich konnte im Kopf hören, wie meine Uhr tickte. Die Sache geriet außer Kontrolle, aber solange Prithi keinen Alarm schlug, dachte ich, wäre alles okay.

»Ich muss töten können, richtig?«, fragte er.

»Es hilft.«

Er deutete auf die Leichen, die hinter uns auf dem Boden lagen. »Schon mal gemacht. Komm schon, Kumpel. Ich muss doch irgendwie nützlich für dich sein. Ich bin hier durch die Hölle gegangen, und es ist klar, dass du nicht viel für den Kerl übrig hast, der mir das angetan hat. Ich tue, was du willst, damit ich die Chance kriege, ihm den Hals umzudrehen.«

Als würde er je nahe genug an Mr. Black herankommen, um ihn zu berühren. Ich war ja auch nicht gerade in der Lage dazu, Ich verschwendete zu viel Zeit mit Herumstehen. Wenn er sich dranhängen wollte, dann bitte. Ich musste die Medikamente kriegen, Daisy holen und abhauen. »Na, schön. Komm mit.«

Er lächelte, und sein ganzes Verhalten hellte sich auf. »Das wirst du nicht bereuen.«

Ich antwortete nicht. Ich bereute es nicht. Noch nicht. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass ich ausnahmsweise eine gute Entscheidung getroffen hatte.

VIER

Marionette Daisy

Wir gingen zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war, durchquerten das verlassene Foyer und waren auf dem Weg, wo Daisy wartete. Ich war zu groß, um durch den Lüftungsschacht zu passen, die vom äußeren Gang ins Lager für Gefahrenstoffe führte. Ebenso wie alle anderen Erwachsenen, die ich getroffen hatte. Zwerge waren klein, aber zu breit, und Tiere konnten keine Türen öffnen. Darum hatte ich ein Kind eingesetzt. Ansonsten war ich gegen die Vorstellung. Hauptsächlich erinnerte es mich an meine Tochter Molly. Gleich dahinter kam, dass es verdammt anstrengend war, Kinder dazu zu bringen, überhaupt irgendetwas zu tun. Der unterentwickelte Verstand war noch schwerer zu steuern, wenn die Seele bereits einmal entflohen war.

»Also bist du hergekommen, um irgendwelche Medikamente zu stehlen?«, fragte Frank. Er trampelte hinter mir her und machte drei Schritte für jeden von meinen.

»Schon. Du scheinst wirklich keine Ahnung von irgendwas zu haben, also fasse ich mich kurz. Meine Magie funktioniert nur, weil ich sterbe. Nur, dass mir die Vorstellung vom Tod nicht wirklich passt. Das Zeug, das sie dir gespritzt haben, um dich, na ja, zu dir zu machen, ist dasselbe, das meinen Krebs zum Stillstand bringt. Mr. Black, das Arschloch, das dafür verantwortlich ist, dass du hier bist, besitzt die letzte verfügbare Lieferkette von dem Zeug, von der ich weiß.«

Ich überlegte, ob ich ihm sagen sollte, dass diese Einrichtung nicht die einzige war, die Prithi für mich ausfindig gemacht hatte. Über den Globus verteilt gab es mindestens noch ein halbes Dutzend weitere. Diese hier war nur zufällig das leichteste Ziel.

»Das kann doch nicht dasselbe sein, oder doch? Ich meine, die haben dran gearbeitet. Es verbessert. Ansonsten wäre ich nicht irgendein Troll-Oger-Ding.«

»Troger«, sagte ich.

Er schnaubte. »Ist so gut wie alles andere, schätze ich. Ich wäre kein Troger. Ich wäre voll zum Monster geworden, und dann wäre ich gestorben.«

Gegen seine Logik konnte ich nichts sagen. Wenn die Medikamente anders waren – eine andere Formel, ein anderer aktiver Inhaltsstoff, was auch immer –, konnte ich nicht mit Sicherheit wissen, ob sie mir helfen würden. Es war genauso möglich, dass ich wie er zu einem Troger werden würde.

Ich blickte auf den Ring hinunter. Tod konnte mich.

Wir erreichten die andere Seite der Einrichtung. Die Infos, die Prithi aus der Maschine geholt hatte, hatten darauf hingedeutet, dass sie nur leicht bewacht wurde, zumindest zahlenmäßig. Atmosphärenmagier waren echt krasse Nutzer, und manche hatten kombinierte Fähigkeiten von Pyros, Wassermagiern und anderen und brauchten nicht viel Rückendeckung. Ich war ziemlich sicher, dass wir die gesamte Verteidigung vor Ort ausgeschaltet hatten. Sicher, wenn man verfolgt wurde, bedeutete das, dass der Alarm losgegangen war, was wiederum hieß, dass eine Ersatzmannschaft auf dem Weg war. Ich wartete nur darauf, dass meine Vermittlerin mir sagte, dass die Kavallerie unterwegs war.

Meine Bindung zu Daisy war stärker geworden, je näher wir ihr kamen, und als wir auf der anderen Seite des gesicherten Raums standen, ließ es mein derzeitiger Zustand beinahe zu, dass ich das chaotische Wirbeln ihrer Seele hören konnte, die ohne Ende versuchte, einen Sinn in ihrer aktuellen Zwickmühle zu erkennen. Ich wusste nicht, ob es einen Himmel oder eine Hölle gab. Ich wusste nicht, ob gute Menschen Frieden fanden und schlechte Menschen gequält wurden. Was ich erst kürzlich entdeckt hatte, war, dass Seelen es nicht mochten, wenn sie in ihre sterbliche Hülle zurückgeholt wurden. Es war eine erschütternde Erfahrung für sie, als würde man ein Tier in einen Käfig sperren.

»Du wolltest doch helfen?«, fragte ich.

Frank nickte. »Klar, Kumpel.«

»Halt die Augen für mich offen.«

»Gehst du irgendwo hin?«

»Könnte man so sagen.«

Ich schloss die Augen und ließ die Magie mich direkter mit Daisy verbinden. Das war der dritte Vorteil von Kindern, den ich entdeckt hatte. Durch ihren gröberen Daseinszustand waren sie näher an Tieren dran, die ich immer fernsteuern konnte. Meine verstärkten Fähigkeiten überspannten den restlichen Abstand.

Daisys Blick war ein wenig verschwommen. In ihrem kurzen Leben hatte sie eine Brille getragen. Ich drehte ihren Kopf, als wäre sie eine Marionette an Fäden. Ich war im Lagerraum. Die Wände waren von Kühlschränken gesäumt, in der Mitte standen Reihen von Regalen. Ich musterte sie und versuchte, die Etiketten auf den Kisten zu erkennen, die entlang dieser Regale standen. Ich hätte ihre Brille geholt, wenn ich geglaubt hätte, sie könnte durch den Schacht krabbeln, ohne sie zu verlieren.

Stattdessen musste ich sie etwas näher heranschieben, sie dazu bringen, dass sie ein paar der Regale hinaufkletterte, um auf die richtige Höhe zu kommen, und ihre Augen nur wenige Zentimeter vor die Beschriftung bringen. Prithi hatte mir gesagt, das Zeug würde mit Xenoxofril beschriftet sein. Es war eine ausgedachte Bezeichnung für ein Medikament, dem die Gesundheitsbehörde die Genehmigung verweigert hatte.

Ich brachte die nächsten Minuten damit zu, Daisy auf der Suche durch die Gegend zu schieben. Dann ließ ich sie frei und kehrte in meinen Körper zurück, um bei Prithi nachzufragen und sicherzustellen, dass noch alles mit mir in Ordnung war. Als sie sagte, dass es so war, ging ich wieder an die Arbeit. Frank stand in der Zwischenzeit da und sah bedrohlich aus.

Es vergingen weitere zehn Minuten. Ich suchte alle Regale ab und wandte mich den Kühlschränken zu. Ich hatte meine Medikamente niemals kühl stellen müssen, aber wenn Frank recht hatte und die chemische Zusammensetzung sich weiterentwickelt hatte, dann vielleicht auch die Notwendigkeit, sie zu kühlen. Ich führte Daisy vor einen der großen Kühlschränke, packte mit ihrer kleinen Hand den Griff und zog.

Er ging nicht auf. Ich pumpte mehr Magie in sie hinein und gab ihr mehr Kraft zum Ziehen. Sie war stärker als eine durchschnittliche Neunjährige, und ihre toten Muskeln hatten kein Konzept von Grenzen. Sie zog wieder. Das Ding ging immer noch nicht auf.

Sogar tot war sie nicht stark genug.

Langsam bewegte ich sie zurück zur Tür. Ich hatte versucht zu vermeiden, sie zu öffnen, weil sie ein komplexes Schloss hatte, auch von innen. Es war eines, von dem ich wusste, dass ich es umgehen konnte, aber es würde Zeit kosten. Von innen mit Kinderfingern würde es sogar noch länger dauern. Der gesamte Lauf wurde auf einmal zum Desaster.

Ich drängte mich selbst hinaus, zurück in meinen Körper, öffnete die Augen und fühlte mich benommen, während Prithi mir ins Ohr schrie.

»Conor! Conor! Hau ab! Hau sofort ab! «

FÜNF

Moralisch schwach

Baron?«, sagte Frank und schüttelte mich so sanft, wie er konnte. »Komm schon, Boss, reiß dich zusammen.«

Ich blickte den Korridor entlang, in die Richtung des Foyers. Noch war die Kavallerie nicht eingetroffen.

»Prithi«, sagte ich. »Was haben wir?«

»Da bist du ja. Mensch, Conor. Angriffsteam, ein halbes Dutzend. Sind gerade in einem gepanzerten Laster vorgefahren. Du hast gut eine Minute, um da zu verschwinden.«

»Ich hab die Medikamente nicht.«

»Lass sie da und hau ab.«

»Ohne sie bin ich tot.«

»In einer Minute bist du sowieso tot. Conor …« Sie hielt inne.

»Was?«, fragte ich. »Spuck’s aus.«

»Amos ist bei ihnen.«

Ich spürte, wie der quälende Zorn dieser Neuigkeit meine Eingeweide zu einem Knoten verzog. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen hatte, hatte er mir gesagt, er würde vor Mr. Black wieder zu Kreuze kriechen und ihm bei seiner Unternehmung helfen, die neuen Menschen loszuwerden und die Umkehrung umzukehren. Ich wusste, dass er irgendwo da draußen war. Ich hätte nicht erwartet, dass wir uns schon so bald wieder über den Weg laufen würden.

Das hieß, Black wusste, dass ich hier war. Es wäre für ihn ein Zeichen der Schwäche gewesen, wäre er persönlich gekommen, und er würde mir nicht die Befriedigung geben, mich wissen zu lassen, dass meine Existenz mehr war als ein lächerliches Ärgernis wie eine Mücke auf einem Pferdearsch. Also schickte er stattdessen den einen Menschen, der mir schnell unter die Haut ging. Vermutlich teleportierte er ihn nur für diese Gelegenheit herüber.

Es blieb keine Zeit, darüber nachzudenken.

»Frank, ich muss in den Raum da«, sagte ich.

»Warum löst du nicht wie vorhin die Schlösser auf?«

»Die sind zu dick. Ich kann sie schwächen. Ich kann sie nicht durchschlagen.«

Er lächelte und hob seine bepackten Trogerarme. »Alles klar.«

Ich ging zur Tür, legte meine Hand darauf und sprach die Beschwörung. Ich hatte immer gewusst, dass Worte beim Lenken von Magie nützlich waren. Tarakonas Geschenk hatte mich gelehrt, dass Wörter manchmal doch etwas bedeuteten.

Das Schloss begann zu verfallen. Es bestand aus einer Reihe von Titanröhren mit sechs Zoll Durchmesser, die sich überkreuzten und einen schwer verstärkten Träger bildeten. In zwei Sekunden kam ich gerade einmal durch zwei dieser Röhren.

»Das muss reichen«, sagte ich und trat zurück.

»Conor, sie sind im Foyer«, sagte Prithi.

Frank trat vor. Ich trat mit Daisy in Kontakt und lenkte sie aus dem Weg. Noch war ich mit ihr nicht fertig.

Er legte seinen ganzen Körper in den Stoß, und so, wie er brüllte, konnte man ihn für den Unglaublichen Hulk halten. Seine Muskeln spannten sich, und die Tür explodierte, würde aus den verbliebenen Balken gerissen und rückwärts in den Raum geschleudert. Sie krachte durch die Regale mit Medikamenten und warf sie in einer befriedigenden Kakofonie der Zerstörung um.

Ich schlüpfte hinter ihm hinein und ging zu den Kühlschränken, wobei ich jede Tür öffnete und all meine Kraft dafür aufwendete. Ich bemerkte Daisy kaum, die nun links neben der nun offenen Tür stand.

Mein Blick hastete über die Aufschriften, bis er am Xenoxofril hängen blieb. Ich nahm die Box und riss sie auf. Sechzehn Dosen. Das war ein Volltreffer für mich. Genug, um damit ein weiteres Jahr zu überleben, bevor ich mehr brauchte. Ich schob die Box in meine Manteltasche und zog mit der Hand die Würfel heraus. »Was zur Hölle?«, hörte ich Frank sagen.

Ich drehte mich um, um nachzusehen, was er meinte. Er starrte Daisy an. Sein ledergraues Gesicht büßte einen Teil ihrer Farbe ein. »Nekromant«, sagte er. »Jetzt hab ich’s kapiert. Tod.« Er sah mich an. »Du hast ein Kind benutzt?«

»Musste ich«, antwortete ich. »Wir haben jetzt keine Zeit, darüber zu reden.«

»Das ist krank. Hast du sie in diese Klamotten gesteckt?«

Sie trug einen schwarzen Badeanzug und eine Schwimmhaube.

Ihr leicht verwestes Gesicht was das Einzige, was offen lag.

»Sie wurde nicht so beerdigt«, erwiderte ich. »Gehen wir.«

»Was stellst du sonst noch mit ihnen an?«, fragte er.

Dachte er, ich wäre ein Perverser? »Ich benutze sie, damit sie mir bei meinen Jobs helfen. Das ist alles.«

»Die Toten sollten tot bleiben.«

»Und Menschen sollten Menschen bleiben. Mr. Black ist die natürliche Ordnung scheißegal. Warum sollte sie mich dann kümmern? Gehen wir.«

»Conor, in zehn Sekunden seid ihr in Reichweite«, sagte Prithi.

»Richtung Süden gibt es einen Notausgang.«

»Ich weiß.« Ich hatte vorgehabt, durch die Tür zu verschwinden. Ich sah Frank an. »Ich hab dich nicht gebeten, mir zu folgen. Ein Killerteam ist auf dem Weg hierher, und ich kenne den Kerl, den sie als schweres Geschütz haben. Er hasst Ledernacken, und ihm ist es egal, ob du vorher mal ein Mensch warst.«

Frank warf noch mal einen Blick auf Daisy, bevor er nickte. »Okay, gut. Es ist trotzdem falsch.«

Ich hatte nicht vor, darüber zu streiten. Ich rannte an ihm vorbei und zur Tür hinaus. Er folgte mir nach. Wir erreichten die Nottreppe und hatten noch zwei oder drei Sekunden übrig.

»Wir müssen sie irgendwie aufhalten«, sagte ich. »Kannst du mich tragen?«

»Was?«

»Ich mag die Idee auch nicht, mich kuscheln zu lassen, aber ich mag die Vorstellung, mich zu Brei schießen zu lassen, noch weniger. Kannst du mich tragen?«

»Ich hab eine Stahltür eingeschlagen, Kumpel. Und du wiegst was? Achtzig Pfund?«

»Siebenundneunzig. Geh weiter nach Süden, bis du draußen bist, dann wende dich nach Osten. Mein Lieferwagen parkt zwei Blocks weiter.«

»Alles klar.«

Er hob mich hoch. Ich schloss die Augen und nahm noch einmal Kontakt zu Daisy auf. Wir entfernten uns immer weiter, und es kostete mich mehr Mühe, die stärkere Verbindung aufrechtzuerhalten. Wenn ich die Medikamente nicht bekommen hätte, hätte ich es nicht einmal versucht.

Ich lenkte Daisy aus dem Raum und in den Korridor, genau vor das heranrückende Team. Zwei Geschosse trafen sie fachmännisch in die Brust und warfen sie zu Boden.

»Wartet«, hörte ich Amos sagen. »Sie ist eine Leiche. Eure Kugeln richten einen Scheißdreck aus.«

Ich zog Daisy wieder auf die Füße. Durch ihren verschwommenen Blick konnte ich Amos erkennen. Seine massive Größe, seinen dämlichen Afroschnitt, sein beschissenes Grinsen.

»Machst du’s jetzt mit Kindern, Baron?«, sagte er und erriet, dass ich ihn wahrscheinlich hören konnte.

»Warum hast du mich nicht geschützt?«, fragte ich und brachte die Worte über Daisys Lippen. Sie erklangen wie ein kindliches Ächzen, gequält und traurig. »Du solltest auf mich aufpassen.«

Amos’ Gesicht wurde bleich. »Willst du mich verarschen?«, flüsterte er.

»Deine einzige Aufgabe war es, mich zu beschützen, Amos«, sagte ich.

Ich trug wirklich dick auf, und es tat weh. Ich wusste es. Ich wollte, dass es ihm wehtat. Dass er die Gefolgschaft gewechselt hatte, pisste mich nicht nur an, sondern machte aus seiner Treue zu Dannie einen schlechten Witz.

»Warum hast du mich nicht beschützt?«, sagte ich. »Du hättest da sein sollen.«

»Halt dein verficktes Maul!«, sagte er.

»Amos, du hast mich enttäuscht. Du wusstest, dass ich nicht auf mich selbst aufpassen konnte. Du hast mich alleine in die Maschine gehen lassen.«

»Ich hab gesagt, halt dein verficktes Maul!«, brüllte Amos. Er hatte eine Träne im Augenwinkel, die seine Wange hinunterlief. »Du bist so ein Hurensohn, Baron. Wenn ich dich erwische, dann mach ich aus deinem knochigen Arsch zwei Teile.«

»Du hast mich getötet, Amos«, sagte ich und drängte noch etwas weiter. »Es ist deine Schuld. Alles deine Schuld.«

Ich zog mich zurück und ließ die Verbindung abreißen. Es war eine gute Sache, dass Frank mich trug, denn ich glaubte nicht, dass ich gerade jetzt stehen konnte. Mein ganzer Körper zitterte vor Schmerz.

»Pack mich auf den Fahrersitz«, sagte ich.

»Bist du sicher, dass du in dem Zustand fahren kannst?«

»Nein, aber du passt nicht hinters Steuer.«

Einen Augenblick später erreichten wir den Lieferwagen. Ich zitterte, als ich den Motor anwarf, und meine Arme bebten, während ich das Steuer drehte. Frank kletterte nach hinten und hockte sich hin, um hineinzupassen.

»Prithi, bin draußen«, sagte ich.

Ich trat aufs Gas, dann waren wir weg.

SECHS

Meine beste Imitation von mir

Das war beängstigend«, sagte Frank, als wir auf die Interstate fuhren, zurück nach Süden zu meiner Wohnung in Jersey. Natürlich war es nicht drin, dass ich es heute Abend nach Hause schaffte. Ich war erschöpft und dem Tode so nahe, wie ich es jemals wollte. Mein Herz pochte wie ein Maschinengewehr, mein Atem ging flach, und ich konnte das Husten beinahe kaum zurückhalten, um zu fahren. Ich suchte nach einem Zwischenstopp, einem Motel, wo ich unterkriechen und mir den Preis reinschießen konnte. Alles andere konnte warten.

Ich griff nach oben und zog den kleinen Empfänger aus meinem Ohr. Prithi hatte sich verzogen, kurz nachdem ich sie von unserer Flucht unterrichtet hatte, vermutlich, um ihre Freizeit mit Myra zu verbringen. Oder war sie vielleicht angepisst deswegen, was ich Amos angetan hatte? Die beiden waren sich nicht grün, und gleichzeitig schien sie zumindest ein wenig enttäuscht gewesen zu sein, als wir auseinandergehen mussten. Konnte sein, dass ihr die Vorstellung nicht gefiel, meine einzige Freundin zu sein.

Ich blickte nach hinten zu Frank. Er saß im Lotussitz auf der Ladefläche des Lieferwagens, und vom Boden bis zum Kopf stieß er beinahe gegen die Decke. Er hatte sein Krankenhemd zurechtgerückt, es in seinen Schoß gelegt, um seine Weichteile zu verbergen. Das Adrenalin klang ab, und er zitterte wie ein Hund auf dem Weg zum Tierarzt.

»Du hast keine Ahnung«, sagte ich. »Das da war einfach im Vergleich zu dem, wie es in letzter Zeit für mich gelaufen ist.«

»Bist du irre, Kumpel? Ich hab schon Angst, mit dir in der Karre zu sitzen. Du erweckst die Toten. Kinder. Das ist so beschissen.« Dannies Gesicht flog vor meinem Blick vorbei. »Ich sag’s noch mal, du hast keine Ahnung.« Ich war noch mehr am Arsch, als er ahnte. Auf der anderen Seite war er noch nie Tod persönlich begegnet.

»Jetzt schon.« Er hielt inne und blickte zu Boden. Dann sah er mich wieder an. »Das war aber irgendwie cool. Wie du die Schlösser kaputt gemacht und mich da rausgeholt hast. Wir zusammen Roberto fertiggemacht haben.«

Ich zuckte zusammen. Wenn ihn die tote Kleine nicht komplett von meiner Art abbrachte, wie ich Geschäfte machte, dann nichts anderes. Ich wusste, was als Nächstes kam.

»Wir geben ein gutes Team ab.«

Am Rand der Straße bemerkte ich ein Motel 6 und eine herankommende Abfahrt. Ich hielt darauf zu, bedeckte meinen Mund mit dem Ärmel und hustete etwas Blut rauf.

»Frank«, sagte ich, als ich fertig war. »Du hast nicht die geringste Ahnung von irgendwas.«

»Ich weiß, dass ich mal ein Mensch war, und jetzt bin ich keiner mehr. Hast du eine Vorstellung davon, wie das ist?«

Hatte ich. Auf eine Weise war das wesentlich qualvoller, als er vermutlich verstand. Diese Mitleidsorgie musste ich mir für einen anderen Tag aufheben.

»Ich kann nicht heimgehen«, fuhr er fort. »Meine Mom würde mich so nicht erkennen. Sie hat Angst vor Ogern. Ich hab kein Geld. Ich kann nirgends unterkommen. Ich bin vermutlich nicht besonders gut in irgendwas, für das dieser Körper geeignet ist.« Er betrachtete seine Hände. »Ich war ein Dieb, weißt du? Geschickte Finger, wie du sie hast. Nicht diese Wurstfinger.« Er seufzte. »Ganz zu schweigen von den beschissenen Rassisten.«

Es gab eine Sache, für die seine Gestalt wirklich gut geeignet war. Trotzdem widerstrebte es mir, ihm die Augen zu öffnen. Die Welt war ein beängstigenderer Ort, als er ahnte, trotz all dem, was er in der Hand von Mr. Black schon erlebt hatte. Black war nur eines der Häuser. Die anderen waren nicht besser, und manche waren schlimmer.

»Ich hab nicht mal Hosen«, sagte er leise, vergrub seinen Kopf in den Händen und schluchzte.

Ich schüttelte den Kopf. Zurück zur Reue. Würde es mir leidtun, dass ich ihn darin verwickelt hatte? Black würde sicher herausfinden, dass er entkommen war, und diese Tatsache konnte ihn zu einem Ziel machen, ganz gleich, was er sonst anstellte. Wollte ich Black die Befriedigung geben, dass er ein einfaches Ziel bekam?