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"Der Pate der Quadrate" zeigt sich in einem Drama um einen Journalisten der eine Unterwelt Grösse aus der Stadt Mannheim porträtiert. Er kann sich der Faszination dieser schrägen Person nicht entziehen und wird hierbei tiefer in die psychopathische Welt eines Verbrechers gezogen bei der sich Wahrheit und Lüge verwischt. Der stilistisch intelligent geschriebene Psycho Thriller mit biografischen Zügen um das ewigeThema Gut und Böse ist spannend bis zur letzten Zeile. Dem Autor gelingt eine künstliche Authentizität zu erschaffen in der Fiktion und Realität verschmelzen. Dabei lässt der Autor kein sozialkritisches Thema aus und spielt nebenher mit den zeitgeistigen Klischees der 70er, 80er und 90er Jahre.
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Seitenzahl: 535
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Für
David
Kapitel I Genesis
1.1 Mannheim
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1.2 Psychopath
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1.3 Carpe Diem
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1.4 Jung
Kapitel II Veni, Vidi, Vici
2.1 Er
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2.2 Sein
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2.3 Der [Philosoph]
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2.4 Out of School
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2.5 Aufbruch
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2.6 Erfolg [I]
Kapitel III Armageddon
3.1 Pate
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3.2 Neuaufbau
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3.3 Abbruch
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3.4 Halbwelt
3.5 Erfolg [II]
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3.6 Erfolg
Kapitel VI Alea iacta est
4.1 Brot und Spiele
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4.2 Dichtung und Wahrheit
Kapitel V
5.1 Wahn
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5.2 Getrieben
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5.3 Delogierung
5.4 Reinkarnation
„Es gibt einen langsamen schrittweisen Weg zu Laster und Schurken Haftigkeit jeder Art. Am Ende desselben haben den welcher ihn geht, die Insektenschwärme des schlechten Gewissens völlig verlassen und er wandelt, obschon ganz verrucht, doch in Unschuld“
Friedrich Nietzsche
Mannheim, die Quadrate - Ich liebe diese Stadt. Mittelpunkt der Rhein-Neckar Metropolregion. Seine Menschen sind eigen aber dennoch offen und freundlich. Ihre Sprache ist derb und direkt. Ihr Wesen durchsetzungsstark. Diese Region im Süden Deutschlands eingebettet in die Rheinebene bringt den Einwohnern ein fast schon mediterranes Klima. Dadurch haben sie eine der besten Klimazonen des Bundeslandes Baden-Württembergs. Umringt ist meine Stadt von den Flüssen Rhein und Neckar, die sie zu einen der größten Binnenhäfen der Republik macht. Erst als ich meine Heimat verlassen musste, spürte ich den Schmerz von Heimweh. Ich vermisste diese stehen gebliebene Zukunft welche die Region ausstrahlte. Ich vermisste aber auch ganz profane Dinge wie eben nur den Wasserturm. Das Wahrzeichen Mannheims. Ich vermisste die gepflegten Gärten rund um den imposanten Wasserturm der als Ausdruck eines mächtigen Phallus in den Himmel ragt. Der verspielte Jugendstil der Augusta Anlage erinnerte mich an Freude. An Lebensfreude die das Leben in meiner Stadt Lebenswert machte. Ich vermisste die Planken, Mannheims Fußgängerzone mit all ihren Geschäften und das Geld ausgeben darin. Es fehlten mir auch die Mannheimer mit ihren Kurpfälzer Charme. Ihr Sing-Sang in der Stimme ihres derben Dialektes war wie Musik in meinen Ohren und unterstrich den Anspruch Mannheims zur Popmusik Metropole Deutschlands. Mannheim ist allerdings nicht nur Popmusik sondern hat ihre Wurzeln in der Industrie. In den Vororten wirkt sie eigenartig vergilbt, wie abgelegte Erinnerungsfotos. Nur in den Quadraten wurde ein snobistischer Lebensstil geführt.
Wenn man sich Mannheims Nachbarstadt Ludwigshafen mit dem Auto nährt freut man sich über gigantische ein Pfeiler Schrägseil Brücken und die Innenstadt. Sie begegnet einem als in Beton gegossene Autofreundlichkeit vergangener Tage. Ludwigshafen und Mannheim haben für mich immer zusammengehört. Die beiden Städte der Industrieromantik gehen nahtlos ineinander über. Jahrzehnte hat sich »Lu« erfolgreich gegen den Zeitgeist gestemmt, der den Rest der Republik in einem globalen Brei austauschbarer Gewerbegebieten und den immer gleichen Filialen multinationaler Handelsketten verwandelt hat. Es ist so, als ob sich spätestens in den siebziger Jahren eine unsichtbare Zeitkapsel um Ludwigshafen gelegt hat, welche die Kugellampen in der Fußgängerzone, die sterile Aufgeräumtheit der Knochenstein gepflasterten »Ebert Parkanlage« und die Denkmäler betonversessener Planierraupen Architektur für die Ewigkeit bewahrt. Längst vergessene Reklame für längst vergessene Produkte, zerschlissene Tour Plakate von längst vergessenen Rock Bands findet man nur in »Lu«. Genau das und »Daniela Katzenberger« macht die charmante Retrospektive aus.
Der dekadenten Gesichtslosigkeit meiner Residenzstadt Mannheim steht Ludwigshafen als eine Vision industrieller Moderne gegenüber die von der Zeit liegen gelassen wurde. »Lu« bleibt ein Traum aus alten »Science Fiction Comics« und darin liegt ihr wesentlicher Reiz. Es war mir schon immer ein Rätsel, dass dieser Teil meiner Metropole mit den monströsen »BASF Komplex«, grösser als manche Siedlung in der Umgebung , ein blinkendes Lichtermeer bei Nacht, in Stein und Stahl manifestierter Überkapazität im Tageslicht betriebswirtschaftlicher Rationalität war, das Tor zur Pfalz sei.
Dieses Naturwunder und einer der größten Weinbaugebiete der Republik. Nicht nur die Feste locken die »Monemer iwwer die Brick«, sondern nur der gute Wein. So ist trotz aller Gegensätze in meiner Region alles verwoben und fließt imaginär.
Der »krasse« Gegensatz zur Mannheimer und Ludwigshafener Industrieromantik ist Heidelberg. In Richtung Odenwald gelegen erreicht man Heidelberg mit dem Auto in 15 Minuten. Dort erhält der Kurpfälzer Puppenstuben Romantik pur. Die altehrwürdige Fakultät, das Heidelberger Schloss und die „schnuckelige“ Altstadt, lassen einen schnell vergessen, dass man in einer gewaltigen Industriemetropole, dem Rhein-Neckar-Bermudadreieck zuhause ist.
Die Heidelberger schauen meist herablassend auf die Mannheimer und Ludwigshafener. Ausschlaggebend und verantwortlich hierfür ist das gehobene Bildungsbürgertum innerhalb der Heidelberger Gesellschaft welche die Arbeiterklasse verspottet. Allerdings beobachten die Heidelberger mit Neid das enorme Entwicklungspotential der beiden großen Geschwisterstädte bei dem sie ohne den Wirtschaftsfaktor Tourismus das Schlusslicht bilden würden.
Ich legte den »Meier« zur Seite und amüsierte mich über den überzogenen Artikel über einen unbekannten Mannheimer Poeten. Meine Geschichte mit ihm, dem »Paten der Quadrate«, begann jetzt.
Mannheim, er hasste diese Stadt.
Seine Kindheit in Mannheim verbringen zu müssen ist das schlechteste was einem passieren kann. Er war Stolz, ein Sohn Mannheims zu sein. Sicher blieb bei ihm die eine oder andere Blessur durch die Industrieabgase von den zahlreichen Chemiewerken der Region zurück. Der Vorteil der Gosse und vermutlich der Chemiekeule ist wenn man mal wieder in die Stätte der Erinnerung zurückkehrst wird man alles, mehr oder weniger, unverändert vorfinden. Geblieben sind die Städte zerfressen vom Dreck der »Anilin« und der Bürokratie. Geblieben sind die Zweckbauten und Hochhäuser der Fünfziger und Sechziger Jahre. Leere Straßenbahnhaltestellen und Bahnhofsgebäude die als Knotenpunkt konzipiert waren. Schaukästen die für nichts mehr warben als für schmutzige, verlassene, nicht ausgelastete Hafenanlagen. Stadtautobahnen die ins triste nichts führte Noch elender als die städtebaulichen Geschmacklosigkeiten geht es seinen Menschen. Sie müssen schuften für den Zerfall. Für die Stadtschulden werden sie ausgebeutet. Die Arbeiter haben Angst um ihren Arbeitsplatz. In den Fabriken geht es zu wie in Zeiten der Bourgeoise. Die hohe Arbeitslosigkeit ist nach Jahren bürokratischer Herrschaft der „Sozis“ explodiert. >Falls die „DDR“ mit den Russen den Krieg gewonnen hätte, sähe ganz Deutschland irgendwie so desolat aus<. >Noch sozialistischer<, hörte ich ihn sagen. >Schon immer hatte mich das »BASF« Hochhaus in »Lu« an sozialistische Repräsentationsbauten erinnert. Wie so mancher Wohnblock in Berlin <, sagte er. Seine Weisheiten nervten mich und ich wusste, dass er eigentlich auf »Neo Klassizismus« stand. >Hervorgebracht hat dies ein Bürgertum aus Arbeitern und Proleten, Sozialbetrügern und Kriminellen, geformt von korrupten Beamten die Vorteile für sich vereinnahmten. Das hohe Bürgertum hat sich längst in den aufdringlichen Oststadt Villen abgeschottet. Ehrliche Obrigkeiten haben resigniert. Auf den Straßen der Arbeitervororte herrschte Gewalt. Die Stadt hat aufgegeben der Gettoisierung her zu werden. <Schon früh merkte ich, dass der Pate in seiner eigenen Welt lebte. Weit weg von der Realität. Diese Welt war sein Zuhause. Diese schizophrene, Vampirgleiche Figur menschlichen Abgrunds lebte nachts. Tagsüber lief er der Nacht hinterher, geblendet vom Sonnenlicht auf der Suche nach seiner Stadt.
„Das Elternhaus meiner Abneigung war bescheiden mit zärtlichen Zuwendungen möbliert“
Trueman Capote
Er hatte keine schlechte Kindheit um allen Eindrücken vorzubeugen. Keine medialen Klischees passten. Einer Schublade konnte man ihn nicht zuordnen. Dazu war er zu ambivalent. Er war mein Freund und meistens war er mein Feind. Wir liebten uns, wir hassten uns. Und waren zu verschieden.
Geboren wurde er Ende der sechziger Jahre im städtischen Klinikum als echter Sohn Mannheims. Er war 28 Jahre alt als ich ihn kennenlernte. Schon damals neigte er dazu zu viel zu reden und sich als Selbstdarsteller in Szene zu setzten. Ich hörte zu und beobachtete ihn. Aus einer Unternehmer Familie stammte er. Irgendetwas mit Bau und Immobilien. Einzelkind. Sein Vater, ein komplett verfehlter Unternehmer besann sich darauf zu trinken. Nicht außergewöhnlich dachte ich mir. Seine Mutter schien ihren Mann nur aus Mitleid geheiratet zu haben und war stets bedacht darauf, ihrem einzigen Sohn ein sorgenfreies, wohl behütetes und finanziell abgesichertes Elternhaus, zu bieten. Scheinbar war die Mutter Liebe nur auf den Sohn ausgerichtet, so dass sein Vater vor Eifersucht noch mehr trank und in den nächsten Jahren die Eifersucht, wie auch die Trinksucht, nicht vorstellbare Ausmaße annahm. Seine frühe Kindheit war geprägt von den Geschäftstätigkeiten seiner Eltern. Immer ging es um das Unternehmen und den daraus resultierenden Streitigkeiten. Diese »Bürokämpfe« begleiteten ihn fortan, wie ein roten Faden, durch sein Leben. Aber er zog auch mit der Muttermilch, den Büroablauf zu Führung eines Unternehmens auf, was ihn später, zu einem ausgezeichneten Geschäftsmann, machte. Trotz der »Bürokämpfe« seiner Eltern gab keiner der beiden auf, oder reichte die Scheidung ein. Es sollte sich in seinem späteren Leben herausstellen, dass seine Mutter nie aufgab. Für dieses starrsinnig abrückendes Verhalten war sie zu beneiden. Seine Mutter „bemutterte“ ihn weiterhin mit viel Liebe und mit noch mehr Aufmerksamkeit in Form von Geschenken und dem trügerischen Gefühl besonderes zu sein. Ich denke er war ein seltsames Kind. Ein Mama Kind. Ein Tief verwurzelter Mutter Komplex, deren Behandlung, »Sigmund Freud«, sicher Freude bereitet hätte. In seiner Kindheit war er ruhig, introvertiert und ängstlich vermutlich auch durch extreme Vorfälle, die er bei seinen Eltern sah und damals noch nicht verstand. Mir zeigte er sich wach und aufnahmebereit, wissbegierig schauend durch jegliche neue Räume und Welten. Eines Tages zeigte er mir Babyfotos von sich, mit Telefonhörer, am kleinen Ohr. Ich konnte seine bereits damals hellen intelligenten Augen bewundern. Mir wurde klar welche Rolle seine Eltern ihm zugeschrieben hatten. Die des zukünftigen Unternehmers, der bereit war, ein Imperium aufzubauen. Sein späterer Geschäftssinn zollte Respekt. Rückwirkend erinnere ich mich als er mir erzählte: >Ich habe bereits im Mutterleib das Klacken von Schreibmaschinentasten gehört. Aus diesem Grund sind geschäftliche und bürotechnische Vorgänge in meinen Genen tief verwurzelt<. Nicht nur das geschriebene Wort sollte ihm später als Waffe dienen, um seine Kontrahenten niederzustrecken.
Vermutlich wuchs er bei seiner Mutter auf die alleinerziehend war. Sicher konnte er eine tiefe Verbindung zu seinem Vater nicht aufbauen, er nahm ihn nie in seine Arme, sah ihn kaum, da er Tag und Nacht in seinem Büro hauste und am Feierabend zu betrunken war nach Hause zu kommen. Die Firma war im Süden Mannheims im Industriegebiet. Er wohnte mit seiner Mutter neben den Geschäftsgebäuden die ihm nachts vorkamen wie eine Geisterstadt.
Mit den Jahren akzeptierte er seine Mutter als Alleinerziehende. Nicht im Sinne »Ödipus« wie er mir scherzend mitteilte, sondern eher in der »Tradition von Moshammer und seiner Mama Else«.
„Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.“
Friedrich Nietzsche
Ich wollte mehr wissen von diesem »Irren«. Er war verabscheuungswürdig und dennoch eine faszinierende Gestalt. Auf diesem Wege führte ich viele Jahre später, Gespräche mit Menschen aus seinem familiären Umfeld. Es war verständlich, dass niemand ein gutes Wort an ihm lassen wollte. Trotzdem wollte ich mehr erfahren um zu verstehen.
Tony, ein gleichaltriger Cousin von ihm, berichtete von seiner Kindheit die er mit ihm verbracht hatte. >Baggerfahren war sein größtes Vergnügen. Baggerfahren auf dem Bauhof des elterlichen Baubetriebs>, erinnerte er sich. >Wenig später war ihm das schon zu langweilig und bereits im Vorschulalter konstruierte er mit mir Häuser in allen Bauvariationen. Mit Ziegelsteinen, Holz...kurz mit allem was wir auf dem Bauhof an Baumaterialen finden konnten. Beliebt war auch Dämm Material von »BASF Styrodur«, mit dem man stabile mehrgeschossige Gebäude errichten konnte. Vorher zeichneten wir uns Pläne mit einem Hauch von Statik<, schmunzelte Tony und fuhr fort: >Nein, wirklich die Gebäude hatten Stil. Eine Art Bauhausstil. Wie Bungalows aus Beton von »Le Corbusier« <. Er musste lachen. >Wenn ich dar- über nachdenke waren wir Kinder im Alter von 8 Jahren und er hatte tatsächlich das Zeug dazu ein großer Baumeister zu werden<.
Dieser Tony war für mich schon ein komischer Vogel. Ich hatte das Gefühl er ist von Minderwertigkeit Komplexen getrieben. Ich brachte bei meinen Recherchen heraus, dass er das uneheliche Kind von seiner Tante war. Die Halbschwester seiner Mutter. Wie immer an diesen Stellen ist es schwierig, die Familienverhältnisse von Fremden verständlich darzustellen. Es schien, dass Tony von früher Kindheit an sehr von der ablehnenden Haltung seiner Eltern gelitten hatte.
Als ich nochmals mit Tony, ein labiler und leicht zu beeinflussender Charakter, ein tieferes Gespräch suchte, beichtete er mir: >Ich war der Ältere von uns. Mein Vetter musste trotzdem im Kindesalter immer auf mich aufpassen.< Beschämt fuhr er fort >Er tröstete mich als wir alleine waren und als ich ins Bett pinkelte. Ich bin ein Bettnässer und im übertragenen Sinn bin ich das auch noch heute im Erwachsenenalter. Trotzdem waren wir als Kinder immer zusammen und wie Brüder<. Ich spürte seine Bewunderung für ihn. Er wollte sein wie er. Jeder der ihn kannte wollte so sein wie er.
Das Blut zwischen Tony und seinem Cousin war dünn. Ich fand heraus, dass beide nicht den gleichen Großvater hatten. Tonys Großvater spielte einen schlechten echten Großvater vor. Erst im Teenager Alter erfuhr sein Cousin von seiner wahren Abstammung. In seinem Blut fließt alter preußischer Adel. „Opa Oberst Graf zu Grünberg“ war als Wehrmachtsoffizier im zweiten Weltkrieg vor Stalingrad gefallen.
Vermutlich war er nicht überrascht dies zu erfahren. Er spürte schon früh, dass Blut dicker als Wasser war. Auch kam er schnell zu der Erkenntnis, dass er mit Tony niemals eine konspirative Familie aufbauen könnte. Das Blut war zu dünn und Tony zu schwach um als Laufbursche zu fungieren.
Ich brachte heraus, dass der Familienzweig Tonys von ihm, seiner Mutter und Familie partizipierten. Seine Mutter heiratete in eine Unternehmerfamilie ein und ihre Halbschwester erfuhr finanzielle Zueignungen von denen auch Tony profitierte. Seine Mutter war immer zu großzügig.
So wurde sein Halbonkel in der Baufirma angestellt. Sein Vater beschäftigte ihn im Büro zu guten Lohn. Hier entstand seine Dissertation, zur Promotion als Betriebswirt. Der Halbonkel kam in den Sechzigern mit seinen Eltern aus der „DDR“ nach Mannheim. Irgendwie ist er ein 68 er Hippie. Einer der sich bis zum heutigen Tag ohne viel Arbeit durchs Leben gemogelt hat.
Ich fand heraus, dass auch er nicht für ihn geeignet war eine Familie mit konspirativen Strukturen aufzubauen. Im Gegenteil als es ihm und seiner Familie schlecht ging tat er nichts oder machte so als täte er etwas. Seine Bestrafung hierfür sollte zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Ich begann nun in der Familie seines Vaters zu forschen um weitere Hinweise mit meinem Wissen über ihn zu verknüpfen. Die Firma wurde bereits von dessen Großvater väterlicherseits gegründet. Sein Vater war sein Stiefvater. Ein echter Unternehmer der sein Handwerk verstand. Bodenständig, bescheiden, fleißig und gradlinig. Von daher konnte er tatsächlich nicht sein Vater sein. Denn er war in allen charakterlichen Attributen, dass genaue Gegenteil seines Stiefvaters. Nicht nur wegen den unermüdlichen Einsatz seiner Ehefrau überdauerte der Baubetrieb einige Jahrzehnte, sondern auch, weil in den vergangenen Dekaden ein beträchtliches Vermögen bestehend aus Immobilien und Aktieneinlagen aufgebaut wurde.
Als ich mich mit den Publikationen seines Großvaters beschäftigte fand ich heraus, obwohl auch dieser Großvater nicht sein echter Großvater war, sollte er ihm charakterlich recht nahe kommen. Ich denke er konnte sich sehr mit ihm identifizieren und ich erinnere mich rückblickend, wie er darunter litt und mir sagte: > Mein Opa war mir sehr ähnlich. Ich mochte ihn und doch sollte er nicht mein Großvater sein. Was für eine Enttäuschung dies als Junge erfahren zu müssen. Dieser bewundernswerte gestandene Mann mit Patriarchen Zügen. Mein Opa war ein Kämpfer, geboren in den 90 er Jahren des 18. Jahrhunderts in Schlesien<. Ich denke dieser alte Mann muss ein Vorbild für dich gewesen sein, sagte ich zu ihm. >Ja, er war 1. und 2. Weltkriegsveteran und als ich noch Kind war hat er mir die unheimlichen Geschichten von »Rübezahl« erzählt. »Rübezahl« war verdammt »Rüben« zu zählen<, sagte er stolz zu mir. Mit seinem typischen Grinsen im Gesicht fuhr er fort >Du bist doch mein Psychologe, ich sag` dir mal was, wegen diesem blöden Rübezahl habe ich ein Kindheitstrauma und deshalb fühle ich mich am wohlsten beim Geld zählen <. Er lachte mich mit seiner abschätzenden Art aus. Ich spürte wie unterlegen ich war. Er nahm mich nicht ernst.
> Ich lernte viel von meinem Opa <, durchbrach er die Ruhe. Er merkte, dass er mich verletzt hatte. Obwohl mir seine Kurpfälzer Färbung in seiner Sprache auf den Geist ging wurde er ernst: > Im Gegensatz zu meinem anderen vermeintlichen Großvater fühle ich mich mit Opa Heinrich seelisch verwandt. Er zog mich wie sein eigens Enkelkind auf. Als er an grauem Starr erblindete kam sein phänomenales Gedächtnis erst richtig zur Geltung. Ich war fasziniert wie er noch im Alter von 90 Jahren sämtliche Angebote aus dem Kopf heraus kalkulierte und seiner Sekretärin die Zahlen diktierte. Ich lauschte immer als kleiner Junge beeindruckt an seiner Bürotür. <. >Und weist du? <, sagte er provozierend zu mir:
>Ich habe diese Gabe übernommen <. Da war sie wieder diese dumme Arroganz. Besser sagte ich nichts dazu.
Erst sehr viel später erfuhr er, dass sein Großvater nicht verheiratet war. Seine Großmutter Eli war die Mutter seines Vaters. Ihre Charakterzüge können nicht frappierender sein. Sie war so herrschsüchtig, hinterlistig und mit teuflischer Intelligenz ausgestattet genau wie sein Vater. Ihr Ehemann, der Vater seines Vaters, war Arzt in Breslau und betrieb dort eine eigene Praxis. Er fiel ebenfalls im zweiten Weltkrieg. Eli ging mit Heinrich eine Liaison ein. Heinrich hatte bereits aus erster Ehe 5 Kinder. Eli brachte sein Vater Wilhelm und dessen Schwester Ina mit. Interessant war für mich wie aus den damaligen Kriegswirren neues entstanden ist. Aber ich wollte ein genaues Bild seiner Vorfahren vor mir haben. Sehen ob er irgendwelche Eigenschaften aus seinen Genen mitbrachte die sein späteres Verhalten entschuldigt.
>Quatsch<, sagte er. >Eli hat doch meinen Stiefgroßvater nur nicht geheiratet, damit sie nicht ihre Witwenrente abgeben musste. Die hat sich doch nur mit Heinrich zusammengetan um abzukassieren<. Ich war schockiert wie er über seine Großmutter sprach. Tatsächlich fand ich heraus, dass sie durch die Vertreibung aus Schlesien ein Vermögen verloren hatten. Zu Fuß und nur mit einem alten Handkarren kam Heinrich und Eli mit den Kindern in den 40 er Jahren nach Mannheim.
Nicht lange musste der Großvater im Bunker in der Mannheimer Neckarstadt nahe der Jungbusch Brücke ausharren. Schnell etablierte sich Heinrich als fleißiger Zimmermann in Mannheim und fand Domizil mit seiner Familie in der »Max-Josef-Straße« in der Mannheimer Neckarstadt. Er gründete ein neues Unternehmen mit Bauhof in der »Pumpwerk Straße«. Aus den Nachkriegstrümmern wuchs schnell ein profitables Unternehmen. Das Wirtschaftswunder mit »Erhard« in den 50 er Jahren tat sein übriges. Die Firma etablierte sich und erlangte höchste Auszeichnungen. In den weiteren Jahrzehnten vergrößerte sich das Unternehmen rapide. Der Bauhof wurde auf den Mannheimer Vorort Waldhof verlagert, Firmengebäude und Werkstätten wurden errichtet. Die Arbeiter wurden aus den umliegenden Siedlungen den »Benz-Baracken« und dem »Café Landes«, dem Mannheimer Knast rekrutiert. Prominentester Arbeiter aus den »Benz Baracken« war wohl »Charly Graf« der Ende der 60 er Jahre in der Baufirma als Dachdecker arbeitete. Lebhaft erinnerte er sich noch an den »Braunen Bomber« der seine Boxer Karriere auf unseren Bauhof startete und die Box Promoter reihenweise ins Büro liefen um den talentierten Boxer anzuwerben. Charly war wohl sein erstes Vorbild im »Gewinnen« und »Scheitern«. Der Pate war damals noch ein Säugling. Trotzdem schienen ihn die Kindheitserlebnisse dramatisch geprägt zu haben.
>Ja, ich habe Freunde in üblen Kreisen< erinnere ich mich ihn sagen. Damals besuchten wir ein Fußballspiel des »SV Mannheim Waldhof 07«. »Trainer Schlappner« war aktuell und verhalf den „SV07“ in die Bundesliga. >Schon früh kam ich mit den gesellschaftlich Unterdrückten in Kontakt<, fuhr er fort. >Ich fand die direkte, ruppige Arbeitermentalität liebenswert. Mit diesem Nimbus bin ich aufgewachsen und fand es normal. Ich bin mit den Arbeitern groß geworden. Ihre Kinder waren meine Freunde und alle gehörten irgendwie zu einer schrecklich netten Familie <.
Ich hatte andere Erfahrungen mit diesen Fußball Fans. Es waren Hooligans. Sie waren für mich wie Wikinger. Grausam, verschroben, grob und Furcht erregend. Offenbar üben solche Gestalten eine Faszination aus. Bei mir hat sich das Interesse für diese Legenden von archaischer Männlichkeit auf die Trickfilm Serie aus den 70 er Jahren »Wickie und die starken Männer« beschränkt.
Ich reimte mir zusammen, dass er in den 70 er Jahren mit einen »irren« Vater, Arbeitern aus den »Benz-Baracken«, einem psychisch kranken Cousin mit dem er Häuser auf dem Firmenlager baute, einer »durchgeknallten Mutter« die zwar nie viel Zeit hatte und ihn dennoch behütete vor all diesen seltsamen Tatsachen aufwuchs. Die »ABBA Musik« welche im Auto tönte in dem er als 3 jähriger alleine auf seine Eltern warten musste bis sie Nachts aus der Disko »St. Trop« im Alster Kinocenter Mannheim zurückkamen tat wohl das übrige seine psychische Instabilität zu fördern. Heute wird das wohl von »Smartphone« und hirnrissigen »Casting Shows« übernommen um die Kinder in einen Wahnsinn zu treiben.
Er sah das nicht so: >Ich war ein ruhiges Kind, hatte wenig Emotionen. Von daher war es kein Problem für mich alleine im Auto auf meine Eltern warten zu müssen. Ich konnte mich bereits als Kind mit meinen Gedanken und einer eigenen Welt beschäftigen<, >... und »ABBA Musik« hasste ich schon damals<, fügte er mit einem breiten Grinsen hinzu. >Schon als Kind waren mir materielle Dinge wichtiger als »Gefühlsduseleien«. Ich bekam alles, was ich mir wünschte <.
In der Tat brachte das Unternehmen seiner Großeltern soviel ein, so dass in ein Immobilien Portfolio investiert werden konnte. Hauptsächlich wurden runtergekommene Mehrfamilienhäuser in den einschlägig bekannten Vororten Mannheims aufgekauft. Diese wurden notdürftig renoviert und möbliert. Teures Wohnen in billigen Absteigen. Die Investition erwies sich als Gelddruckmaschine.
In den 70 er und 80 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde an die in Mannheim stationierten US-Soldaten vermietet. Das »American Soldier Housing« garantierte eine volle Auslastung der Liegenschaften. Mit höchstmöglichen Ertrag.
>In den 70er Jahren war die Firma meiner Großeltern auf dem Zenit angekommen. Ich partizipierte von dem Vermögen. Als Kind hatte ich bereits alle materiellen Möglichkeiten die man sich als Kind wünschen kann. Schon in der Grundschule hatte ich die feinsten Klamotten, so dass man meinen könnte, der Blockbuster »Saturday Night Fever« mit John Travolta in seinen schrecklichen Schlaghosen Outfits auf den »vorzüglichen Geschmack« meiner Eltern zurückgeht<, sagte er mir mit einem Augenzwinkern. >Wenn man auf Zuhälter Klamotten steht! <, antwortete ich frech und erntete eine »Kopfnuss«. Später sollte ich mich bestätigt fühlen. Er fuhr fort: >Nicht nur wegen den Klamotten ging es mir gut. Es wurde darauf geachtet, dass ich bereits vor meiner Einschulung ein gewisses Maß an Bildung und Erziehung erhielt. Diese Bildung wurde mir durch Reisen an die schönsten Orte der Welt zuteil. Als Kind kam ich schon an die »Côte d`Azur«, sah »Monaco«, »Nizza«, »Cannes« und »St. Tropez«. Zum Skifahren in die Schweiz nach »St. Moritz«, »Klosters«, »Gstaad« und »Davos«. Ich lernte New York kennen, unternahm mit meinen Eltern Luxus Kreuzschiff Fahrten und ankerte an den mondänsten Häfen im Mittelmeerraum.< >Glaub` mir mein Freund, das prägt und bildet als Kind<, sagte er in seiner unschlagbaren Arroganz zu mir. Stille. Was ein Angeber dachte ich mir. Mit seinen nächsten Sätzen ergaunerte er sich wieder mal mein Mitleid für ihn:
>Der zweite Weg mir Bildung zu verschaffen war die Welt von Kinofilmen. Da meine Eltern leidenschaftliche Kinogänger waren und mich nicht immer alleine bei »ABBA Musik« im Auto lassen konnten nahmen sie mich kurzerhand mit in alle »nicht Jugendfreie« Filme. Schon früh nahm mich die illusionistische Welt des Films für sich ein. Ich dachte dies sei die Wirklichkeit. Am liebsten mochte ich »James Bond« und »Louis de Fûnes«. Sie wurden wir Ersatzväter für mich <.
Er hatte recht, als ich ihn kennenlernte erkannte ich die Charakterzüge eines völlig überdrehten, cholerischen aber auch humoristischen »Louis de Fûnes« auf der einen Seite und den markant selbstsicher auftretenden»Sean Connery« als »James Bond« auf der anderen Seite seiner Persönlichkeit. Eine lustige aber auch gefährlich am Wahnsinn grenzende Mischung. Ich wollte noch mehr wissen über seine Selbsteinschätzung und kitzelte ihm im richtigen Moment mehr Informationen seines tiefsten inneres heraus. Gepackt an seiner Eitelkeit gab er preis:
>Da ich nicht nur in Filmen interessante und außergewöhnliche Figuren beobachten konnte und mir die Fähigkeit fehlte die Welt so zu sehen wie sie wirklich ist schuf ich mir als kleiner Junge Vorbilder unter den Filmikonen der 60er und 70er Jahre. In der Wirklichkeit bewunderte ich die Yachten mit den dekadenten Hubschraubern an Bord und die Luxuslimousinen im Hafen von »Monaco«. Die Yacht gehörte Onassis den ich im Film, »Der große Grieche«, in einer Rolle von»Anthony Quinn« im Kino bewunderte. Ich beobachtete »Gunter Sachs« auf der »Cresta Run« in St. Moritz und sah ihn anschließend im »Badrutts Palace Hotel« im Foyer. Leider war ich mit acht noch zu jung die legendären Partys im »Dracula Club« mitzufeiern. In dieser verrückten Zeit weg von »Neureichen« Russen gab es noch die wahre »High Society«. Als ich 1976 mit meinen Eltern in Kairo weilte, fernab jeglichen »arabischen Frühlings« heutiger Zeit, konnte ich zufällig das Film Set zum James Bond »The Spy who loved me«, an den Pyramiden von Gizeh mitverfolgen. Dort sah ich »Roger Moore« als »James Bond« mit seinem Widersacher »Richard Kiel« als »Jaws« eine Szene abdrehen<. >Kannst du verstehen, dass sich da bei mir die reellen Wahrnehmungsebenen verschoben haben?<, sagte er zu mir. Ich dachte jetzt versucht er auf Selbstdiagnose um seinen heutigen Wahnsinn zu rechtfertigen. Er setzte seinem Größenwahn noch eins drauf und flüsterte mir leise in mein Ohr: >Weist du, seit ich 4 Jahre alt bin denke ich ich wäre »James Bond«. Seine geschmackvolle, charmante und stilsichere Art ist bis heute ein fester Bestandteil meiner Persönlichkeit. Leider ist es eine Fehleinschätzung. Geworden bin ein Verbrecher in der Tradition der »007« Bösewichter. Curd Jürgens in »The Spy who loved me«, Gerd Fröbe in »Goldfinger« und natürlich »Ernst Stravo Blofeld«, der Katzenfreund, sind meine wahren Vorbilder nach denen ich strebe. Daher stammt mein unbändiger Wille ein Imperium zu schaffen<.
Ich war sprachlos von seinem Monolog. Nahm er Drogen oder wollte er mich einfach nur auf den Arm nehmen? Er setzte noch einen drauf, um vermutlich seine sensible Seite zu zeigen:
>Mit »Barbara Bach«, »Bond Girl« an der Seite von »Roger Moore« begann auch meine Leidenschaft für schöne Frauen die neben Macht und Geld meine 3. Säule meines Daseins werden sollte <.
Mir fiel auf, dass wenn er sich für ein Thema erregte und sich nicht unter Kontrolle hatte er begann »Kurpfälzer Mundart« zu sprechen. Ein »James Bond« der »Mannheimer Slang« spricht ist schwer vorzustellen, wenn man davon absieht, dass »Sean Connery« in seinen Bond Filmen »Schottischen Slang« sprach. Dann fiel mir ein, dass die »007 Bösewichter« nie viel sagten. Das passte eindeutig besser zu ihm. Seine Erzählungen hatten für mich eine Tragik-Komik die mich mehr an »Louis de Fûnes« erinnerten als an »James Bond«. Ich spürte seine arme Seele, die versuchte sein einsames Umfeld, mit den Gedanken einer anderen Welt, zu kompensieren.
„Ich lebe in jener Einsamkeit, die peinvoll ist in der Jugend, aber köstlich in den Jahren der Reife.“
Albert Einstein
Er überschritt die zehnte Jahresgrenze und die Alterszahlen sollten von nun an zweistellig werden. Auf dem Bauhof der Firma seiner Eltern erlebte er den Ausklang seiner Kindheit. Tony berichtete mir als Zeitzeuge seines umtriebigen Cousins: >Er bekam zwar alles was er wollte, war aber nicht verzogen, faul oder ein Verlierer, was man von anderen Kindern, ähnlicher Familien, nicht behaupten konnte. Er erkannte früh, dass man nur mit dem notwendigen Kleingeld ein angenehmes Leben führen kann, etwas selbst dafür tun müsste und sich nicht nur auf sein Erbe berufen sollte. Obwohl er als 10 jähriger über mehr Taschengeld als Gleichaltrige verfügte, konnte er einen ungemeinen Spartrieb entwickeln, bis hin zum Geiz zu sich selbst. Zu anderen war er niemals geizig sondern gab und half wo er nur konnte. Später hat er Menschen für seine Zwecke gekauft. Bei sozial Schwächeren zeigte er sich als moderner »Robin Hood«.< Tony fuhr mit einer Anekdote fort die er immer wieder mit seinem Cousin erlebte. >Ich war damals knapp zehn. »Er«, als der Jüngere gab mir ein Eis am Kiosk auf dem »Waldhof« aus. Ich war gierig und schleckte das Eis sofort auf. Er wartete und begann erst zu verzehren als ich bereits fertig war. Er freute sich diabolisch darüber das er noch Eis hatte. >Kauf dir doch noch eins wenn du Geld hast<, sagte er lachend. >Ich hab` doch kein Geld<, antwortete ich. >Siehst du, das ist der Unterschied<, kam als Antwort. Erst heute verstehe ich was er damals damit meinte. »Er« ist ein Teufel.
Als ich begann die ersten Nachforschungen über seine Jugendzeit zu stellen war mir Tony eine große Hilfe. Er brachte mich auf eine Spur, die in ein katholisches Ferienkinderheim im Allgäu führte. >Dort habe ich mal die großen Sommerferien mit ihm verbracht. Ganze 6 Wochen. Es war ein Alptraum für mich und ich habe bis heute ein Trauma<, sagte Tony zu mir. Irgendwie war Tony okay. Er war so gnadenlos ehrlich zu mir und sprach ungeniert über seine Schwächen. Damit hatte er meine Achtung verdient.
Ich bezeichnete mich selbst als gläubigen Katholik und hatte keine Berührungsängste mit der Kirche aber auf den Weg meiner Recherchen ins Allgäu überfiel mich ein mulmiges Gefühl. Unheimlich war es mir zumute, als ich mich den klosterähnlichen Gebäuden, näherte. »Er« und Kirche, dass konnte ich mir nur schwer vorstellen. Als ich im Klosterheim eintraf erinnerte ich mich unwillkürlich an Eco`s Roman »Der Name der Rose«. Die Gebäude hatten eine ähnliche dunkle Ausstrahlung. Ein mieses Karma. Als mir das Tor geöffnet wurde standen mir die gleichen hässlichen Gestalten gegenüber, mit dem Unterschied, dass diese Gestalten Nonnen waren und nicht Mönche. >Grüß Gott, begrüßte mich die Oberin<, >Grüß Gott<, sagte ich freundlich zurück. Ich gab mich als Journalist aus. Auf meine Fragen antwortete sie prompt. >Ja, der Tony und sein Cousin, die waren in den 70er Jahren bei uns. Der Tony musste immer Weinen und hatte Heimweh. Sein Cousin hat ihn trösten müssen. Die waren ja noch so klein<. Sie schwieg einen Moment und blickte gen Himmel, bekreuzte sich, küsste ihren Rosenkranz und fuhr fort: >Wenn sie nach seinen Vetter fragen, möchte ich eigentlich keine Auskunft geben, nur soviel, er war für sein Alter ein aufgewecktes Kerlchen der uns viel Ärger einbrachte<. >Und jetzt muss ich in die Messe <. Ich wunderte mich wie schnell sie das Gespräch abbrach.
Zurück in Mannheim konfrontierte ich den Paten damit mit der Bitte Stellung zu beziehen. >Was maßt du dir an in meiner Jugend zu graben?, was hast du vor <. Ich hatte Angst. Er sollte nicht merken, dass ich über ihn schreiben möchte. Plötzlich prustete es aus ihn heraus und ich konnte nicht nachvollziehen was ihn hierzu veranlasste: >Tony, mein Vetter, dieses ungewollte komplexbelastete Sorgenkind. Obwohl ich in unserer Jugend körperlich unterentwickelter war als er setzte ich mich immer durch. »Charles Darwin« mit seiner Theorie der natürlichen Selektion hat leider nicht Recht. Er war besser in der Schule, aber das nützte ihm nichts. Als wir 6 Wochen in diesem »beschissenen« Kinderheim im Allgäu waren musste dieses »Weichei« jede Nacht weinen. Bis heute kann ich nicht verstehen warum er Heimweh zu Eltern hatte die ihn von Geburt an nicht gewollt haben. Dieser »Trottel« hing doch nur mit mir rum. Ich hatte soviel vor mit ihm und er hat nichts kapiert. Jedenfalls stellte sich in diesem Kloster mein Talent als Krisen Improvisator heraus. Du weist ja nicht was da bei den abgedrehten Nonnen abging.< Erregt fuhr er fort ohne Luft zu holen: >Ja, meine Gabe Leute tot zu quatschen um etwas zu erreichen war mir bereits als Kind in die Wiege gelegt. Heute würde man sagen ein rhetorisches Talent und die Fähigkeit etwas verkaufen zu können.< Seine Aussprache wurde nass und ich reichte ihm etwas zu trinken. >Schon als 10 jähriger war ich in der Lage einem Erwachsenen ein Auto überzeugend zu verkaufen. So überzeugte ich die perversen Heimschwestern, dass ich ständig telefonischen Kontakt nach Hause wegen des psychologischen Problems meines Vetters bräuchte. Es wurde mir gewährt und nutzte mir nichts, weil mir niemand den Wahnsinn den die Schwestern abgezogen hatten glaubte.< Er holte kurz Luft um darauf weiterzureden: >Ich drückte mich erfolgreich um das Schwimmen, den Spielen und verhielt mich gegenüber den Schwestern als Gentleman.< Ich verstand nicht und fragte. Er wurde ungehalten: >Warum fragst du?<, herrschte er mich an und wiederholte laut: >Warum?, warum?<, schrie er mich an. >Ich sag`s dir weil sie meinen Vetter missbraucht haben, geschlagen und gequält und das ist der Grund warum er ins Bett »pisst« und warum er heute für mich so unbrauchbar ist.< Ich musste schlucken Er fauchte mich an: > Dar- über kannst du mal was schreiben du super Journalist<. >Wie kam er nur darauf das ich schreibe?<, dachte ich.
>Jedenfalls konnte ich den Nonnen entkommen<. Er beruhigte sich langsam wieder. >Ich glaube die haben mich bis heute nicht vergessen und waren froh das sie mich nach 6 Wochen wieder los hatten<. Wie Recht er hatte. Ich konnte in seinen Augen sehen wie diebisch er sich über das unterschwellige Chaos was er im Heim hinterlassen hatte freute. Ich wollte nicht mehr weiter »bohren« und hoffte, dass er mir später mehr davon erzählte.
Ich verstand den Kontext nicht, was er mit dem Auto Verkaufen meinte und fragte ihn. Er begann darauf einzusteigen indem er wieder über seine Familie rezitierte: >Meine Passion Autos zu kaufen und zu verkaufen geht etwa auf die gleiche Zeit zurück. Fahrzeuge aller Art faszinierten mich schon immer. Regelmäßig fuhren meine Mutter, Oma, Tante und Vetter Tony nach Karlsruhe. Dort besaß mein Onkel Alfred einen Auto Handel. Mit Kindesaugen bewunderte ich die Autos in den Schauräumen, die nach meinen heutigen Maßstäben allesamt Schrotthaufen waren. Onkel Alfred erinnerte mich ein wenig an »Don Corleone« aus der Pate Saga »Martin Scorseses«. Er war ein blendend aussehender makelloser Geschäftsmann. Er erinnerte mich auch an den jungen »Humphrey Bogart«. Immer im lässigen Anzug mit Einstecktuch, Rolex am Handgelenk und filterlose Kippe der Marke »Reval« im Mundwinkel. Nach heutigen Klischees der typische schmierige Autoverkäufer. Er war der Bruder meiner Großmutter mütterlicher Seite und schleppte sich gegen Ende des 2.
Weltkrieges mit einer Schussverletzung im Oberarm von der Front »Stalingrad« nach Mannheim. Er war Mitglied der »SS« und es war köstlich wie er für uns Kinder den Führer parodierte. Er entging der Arm Amputation als er aus dem Lazarett floh und desertierte. >Ohne Arm hätte ich euch nicht so lustig den »Onkel Wolf« nachmachen können<, sagte er zynisch zu mir und meinen Vetter und meinte »Hitler«. Er kannte auch den richtigen Vater meiner Mutter, diesen preußischen Grafen. Mit ihm zusammen hatte er in der gleichen Einheit gedient. Nach dem Krieg baute er seine erfolgreichen Geschäfte im Autohandel auf was sich als ebenso lukrativ erwies wie die Baugeschäfte meines Großvaters. Onkel Alfred war ein Mann von Welt. Er hatte das gewisse Charisma. Als er noch in Mannheim in der »Schwetzinger Vorstadt« sein erstes Autohaus hatte ging meine Mutter bei ihm in die kaufmännische Lehre. Im Geschäft in »Karlsruhe« spielte ich mit Tony Auto verkaufen wenn wir Onkel Alfred besuchten. Wir tollten in seinem Büro und in den Werkstätten herum. Alfred störte das nie und wir genossen seine ganze Aufmerksamkeit. Für mich war dies eine spielerische Lehrzeit. Ich lernte ein guter Verkäufer zu sein und am Beispiel Tony wie man gut delegiert. Tony teilte ich zum Autowaschen ein und veranlasste ihn mich mit den neusten Autoprospekten zu versorgen. Ich konnte es nicht abwarten 18 zu werden und selbst Autofahren zu dürfen. Ich hatte Benzin im Blut <.
Ich kannte niemanden der so in seine Stimme verliebt war wie er. Nach einer kurzen Pause, bemerkte er sonor: >Dieses teuflische Talent, Menschen abhängig zu machen, unter Druck zu setzten habe ich bis heute beibehalten<. Was ein Widerling, dachte ich.
Unsere Kindheit war dann mit der letzten großen Schlacht gegen die »Barackler Kids« vorbei, erinnerte sich Tony in einem anderen Gespräch. >Wir hatten ganz schön »schiss« vor denen <. >Ich kann nicht verstehen, wie mein Cousin, sie später zu Freunden machen konnte. Er hat sich eben verwandelt, wie in diesem »Kafka Roman«, zu einem ekelhaften Mistkäfer<.
Als ich den »Mistkäfer« darauf ansprach, erzählte er mir: >Feinde zu Freunde machen, ist eine legitime Schlacht Strategie. Das ist mit Krieg so, dass ist mit den Banken so und mit der Wirtschaft ist es eben auch so. Das wusste ich schon damals und das hat sich bis Heute bestätigt<. Er grinste fratzenhaft über seine Binsen Weisheit und lamentierte weiter: >Der Tony weis das eben nicht. Der liest ja auch keine Zeitung und schon gar nicht ist er in der Lage zwischen den Zeilen zu lesen. Du als Journalist weist doch am besten » Zeitungsleser wissen mehr! « <. >Ich bin kein Journalist! <, wagte ich mir ihm zu widersprechen und belog mich dabei selbst. > Eben! <, antwortete er mir knapp und lies mich mit meiner Lüge dumm aussehen. Er begann in seinen Erinnerungen zu kramen, nahm einen »Schluck« und führte aus: >Die letzte Schlacht gegen die »Barackler Kids« stand an. Tony und ich waren etwa zehn Jahre alt. Wir waren eine zwei Mann Armee gegen die Übermacht der »Barackler«. Die waren soviel, ich konnte sie nicht mal mehr zählen. Soviel Angst wie an diesem Tag hatte ich mein ganzes Leben nicht mehr. Ich denke dieser Tag hat mich von der Angst geheilt. So mussten sich die Gegner der Schlacht von »Waterloo« gefühlt haben. Hier war es lediglich die Schlacht um Barackler Territorium. Es war das Gebiet an der Grenze zu »Waldhof« und »Käfertal« an der »Oberen Riedstraße«. Der Ford Kohlhof symbolisierte die Grenze. Schlachtfeld war, dass brach liegende Gebiet, der »BBC«. Obwohl wir auf Ressourcen der Werkstatt der Firma meiner Eltern zurückgreifen konnten war der Sieg aussichtslos. In der Werkstatt bauten wir Kriegswerkzeug und fertigten Schleudern die wir mit Munition aus Patronen von Bolzen Schussgeräten speisten. Schwere Kugeln gossen wir aus Zinn in der Spengler Werkstatt. So bewaffnet, gruben wir uns auf dem Schlachtfeld ein und hofften auf den »Überraschung Moment«. Es waren bange Minuten die mir endlos schienen. Sie kamen. Kräftige, derbe Straßen Kids, schon damals im »Hip-Hop Stil« gekleidet. Die Kappen umgedreht auf ihren verschrobenen Schädeln. Ihre Augen verrieten ihre Herkunft. Asoziale. Wir waren hochgerüstet. Sie hatten nur ihre Fäuste dabei. Wir kämpften mutig bis zum letzten Schuss Munition. Dann kreisten sie uns ein und prügelten uns die Seele aus dem Leib. So war die letzte Bastion höherer Mannheimer Kriegskunst und Kultur zerstört. Der Siegeszug der Mannheimer »Asis«, den »City Boys«, begann<.
Es sollte seine letzte Niederlage gewesen sein. Er lernte niemals mehr für die Ehre zu kämpfen. >Nur noch fürs Geschäft< sprach der Pate und hatte wie immer das letzte Wort.
Mein Telefon klingelte. > So um 1980, mein Cousin und ich waren etwa 12 Jahre alt, begannen wir uns für Musik zu interessieren<. Tony rief mich eines Nachts an um zu reden. Er war wohl wieder betrunken und hatte seinen moralischen bekommen, dachte ich mir. > Okay, lass uns im »Strandbad« treffen dort können wir »quatschen« <. Tony wohnte mittlerweile in »Neckarau«. Es war eine laue Sommernacht. Das Strandbad in »Neckarau« war ein guter Ort ihm zuzuhören. Ich wollte mehr von der Geschichte erfahren über die ich schrieb. Wir setzten uns auf die Steine mit Blick auf den Rhein. Ich hatte Recht, Tony war betrunken. Er hatte eine Flasche »Jacky« dabei und rauchte dazu einen »Joint«. Gepaart mit seinen Depressionen eigentlich keine gute Idee. Ich lies ihn reden: > Was für die 90er »Techno« bedeutete, bedeutete für uns Anfang der 80er die Rockmusik. Für uns war es Revolution <. Was für ein merkwürdiger Satz. Was will er mir wohl damit sagen. Ich führte es auf sein Alkohol und Drogenkonsum zurück. Ich konnte mit beidem nichts anfangen und wollte immer die Kontrolle über mich behalten. Ich hörte ihm weiter zu: > Nachdem mein Cousin und ich keine Lust mehr hatten Häuser auf dem Werkhof seiner Eltern zu bauen und auch kein Interesse mehr die wertvollen »Schiefer Platten« im Materiallager zu zerbrechen um nach »Diamanten« zu suchen hatte mein Cousin die Idee »Rockstars« zu werden. Im Keller der Firma richtete er uns einen Proberaum im Materiallager ein was eine gute Idee war nachdem wir das Schiefer Material eh zerschlagen hatten.< Was eben pubertierende Jugendliche so machten. Es interessiert mich nicht. Er lallte weiter: >Beeinflusst von unseren neuen Helden von »AC/DC«, »Motörhead« und »Black Sabbath« ging unsere erste Band »Distorsion« an den Start <. Wie schrecklich dachte ich. Ich hörte damals eher tanzbaren Soul wie den von »Jackson 5«. Aber wenn es dazu dienen sollte ihn tiefer zu ergründen hörte ich seinem Vetter weiter zu: >Ich spielte die E-Gitarre eine »Gibson Les Paul« auf einem »Marshall Amp«. Mein Vetter spielte den E-Bass einen »gefakten Fender«. Als » P.A. « diente ein Verstärker, ein kleiner Mixer und die zwei alten 50 Watt Lautsprecher von unserem Vetter »Nino« aus Karlsruhe. Er war der Neffe von Tante Sophia die Frau von Onkel Alfred. Sie repräsentierte den italienischen Zweig unserer Familie. Nino war Profimusiker und spielte Schlagzeug bei dem damals regional bekanntesten »Act«. Als wir Kinder waren lernten wir »Nino« in seinem Plattenstudio in Karlsruhe kennen. Damals lud er uns auf eines seiner Konzerte mit »Edo Zanki« in der Karlsruher Schwarzwaldhalle ein. Als wir dort »Backstage« waren schien die Idee geboren worden zu sein in Zukunft ein Leben als Rockstars zu führen<. Er nickte kurz ein, erwachte wieder, nahm einen Zug von seinem Joint und erzählte weiter: >Weist du, alles was mein Vetter machte, machte er mit einem gewissen Eifer.< Die Flasche »Jacky« war leer. Er schlief nun endgültig ein und ich beschloss ihn in seiner letzten Erkenntnis mit sich alleine zurückzulassen.
Am nächsten Tag dachte ich nochmals über die Erzählungen Tonys nach. Ich kam zu der Auffassung, dass diese alten Geschichten für mein Studium über den Paten von Nutzen sein könnten um tiefer in seine »kranke Welt« eindringen zu können. Ich nahm mir vor ihn bei einer guten Gelegenheit über seine »Musikerkarriere« auszufragen. Vielleicht könnte es für ihn eine Therapie sein mal wieder darüber zu sprechen. Die Gelegenheit ergab sich nach einer geschäftlich erfolgreichen Nacht. Entspannt gab er auf meine Fragen Auskunft: >Meine Band verbesserte ihre Spielweise und wir entwickelten einen noch härteren Sound. Ich mochte die Energie von harter Rockmusik. Die Gitarren Riffs inspirierten mich. Aus unseren Sounds entwickelten sich Rock Giganten wie »Metallica«. Als Protest gegen die Erwachsenen lies ich mir die Haare wachsen. Heute ist es das Gegenteil. Die Erwachsenen beuten die Kinder in »Casting Shows« aus, werden kommerziell durchgespült und nach drei Monaten wieder ausgespuckt. Mit meiner Revolution hat das nichts zu tun. Musik muss die Kraft haben Veränderungen hervorzurufen. Sowie es die 68 er geschafft haben.< Er schwieg und ich sah das Feuer in seinen Augen wenn er über Musik sprach. Er blickte in den Fernseher hinter seiner Bar. Plötzlich musste er lauthals lachen. Es lief »DSDS« und die Jury brachte mal wieder ein kleines Mädchen zum weinen >Wenn Tony nicht so unfähig gewesen wäre wären wir mit Sicherheit »Modern Talking« geworden. Das einzige was uns allerdings mit dem Duo verbindet ist, dass Tony blond ist und ich dunkelhaarig<. Bei dieser furchtbaren Vorstellung begann er noch mehr zu lachen und sagte: >Der »Dieter«, ich mag diesen Typen. Von dem können alle Musiker was lernen. Wie der sein Umfeld vorführt und sich dabei selbst bereichert wird er wohl in der Hölle einen Orden verliehen bekommen<. Er kam in Laune noch mehr über Musik zu philosophieren. >Als mein Schlagzeuger Ralf die Band wegen eines Tinnitus verlies, setzte ich mich selbst hinter die Trommeln. Ich merkte schnell, dass dieses Instrument für mich wie geschaffen war. Ich konnte meiner Aggression, Hyperaktivität und Zorn freien Lauf lassen. Trommeln war wie »Ritalin« für mich. Meine Band hatte 82` ihren ersten »Gig« im »Jugendhaus Waldpforte« in der Nähe des »Alsen Weg« auf dem Mannheimer Waldhof. Nicht zu verwechseln mit diesem bescheuerten »Jakobsweg«, wo jeder »Idiot« seine Erleuchtung sucht die er besser im »Alsen Weg« findet. Ich erinnere mich, dass war einer der Brennpunkte Mannheims und das Hoheitsgebiet von »The Firm«, eine der berüchtigtsten Hooligan Gruppierungen in Mannheim. Dementsprechend war auch unser Publikum aggressiv und dermaßen mit Alkohol und Drogen vollgepumpt, dass man um sein Leben fürchten musste. Ich sinnierte noch in der Garderobe wie die wohl erst drauf sind wenn die 15 Jahre alt werden. Natürlich orderte ich vom »Session Musik« eine viel zu große P.A. mit dem Resultat, dass beim ersten Gitarrenriff von Tony ein Stromausfall zu beklagen war. Mit Verspätung eröffneten wir die Show mit der Nummer »Live Wire« von AC/DC<.
Er gefiel sich darin über seine Musik Welt zu reden. Er kam mir vor wie ein Professor der Musikgeschichte und hielt weiter Klausur: >Der Auftritt war ein Erfolg. Die harten Jungs waren begeistert. Die Mädchen kreischten und »Tokio Hotel«, die »Windelrocker« von Heute, hätten wir musikalisch von der Bühne »gekickt«. Nach dem »Gig« stand für mich fest Musiker werden zu wollen. Ich war bereit hierfür hart zu arbeiten und alle Konventionen aufzugeben. Mit 14 schrieb ich mich für ein Studium als Studio Schlagzeuger ein. Das war auf der »Musikinsel« ein früher Vorläufer der heutigen »Popakademie Mannheim«. Dort wurde ich von »Trevor« unterrichtet. Er war ein in USA ausgebildeter Jazz-Rock-Drummer. Ich absolvierte das 3 jährige Studium und entwickelte mich weg von den harten Sounds meiner Anfänge. Ich lernte nach Noten zu spielen und mich in allen Musikstilen zu Hause zu fühlen. Die Freundschaft zu den »GI`s« in unseren Wohnungen tat das übrige meine Leidenschaft für die Musik weiter zu entwickeln. Meine amerikanischen Freunde versorgten mich immer mit den neusten »Vinyl Platten« aus Amerika. Ich wurde auch an Grenzen meiner musikalischen Schaffenskraft gebracht. Nur einer sprengte diese Grenzen. Mein Kommilitone der es an die Spitze der Mannheimer Musikszene schaffte. Ich durfte mit vielen Stars und Sternchen »jammen«. Zu dieser Zeit interessierte ich mich nur für Musik und Musik Business. Ich hing jedes Jahr auf der »Frankfurter Musikmesse« rum und lernte die wichtigsten Leute kennen<.
Er kramte in seiner »Louis Vuitton« Tasche, holte sein »iPad« hervor, hielt es mir vor die Augen und klickte auf »Garage Band«, ein Musiker »App«. Der »Icon« öffnete sich und ein kleines Keyboard kam zum Vorschein. Er fing an zu klimpern. Seine Augen leuchteten wie die eines Teenies. Er begann zu summen. >Siehst du ich kann es noch! <, jauchzte er wie ein Kleinkind und fuhr fort: >Mein musikalisches Talent entwickelte sich zum Komponieren hin. Ich wollte nicht mehr selbst auf der Bühne stehen und fühlte mich eher als Musikproduzent berufen. Um mein Schlagzeug Studium zu finanzieren und aus meinen damaligen revolutionären Gründen kein Geld meiner Eltern annehmen zu müssen arbeite ich als »Roadie« bei einem Mannheimer Konzertveranstalter. Ein älterer Musiker Kollege der für den Veranstalter Tour Plakate klebte besorgte mir den Job für 5 Mark die Stunde. Der Veranstalter merkte nicht, dass ich noch nicht 16 war. Ich wirkte älter und etwas frühreif <.
Er sprach als würde er aus seinem Tagebuch vorlesen. > Dem Konzertveranstalter war es egal, dass ich »schwarz« für ihn arbeitete. Früher gab es eben noch keine Computerkontrolle. Da war das möglich. »Hartmann« war damals der größte regionale Veranstalter und ein Vorbild für mich. Ich war beeindruckt, dass er immer seinen Schwarzen 500 er SEC, mitten in den »Planken«, vor seinem Büro parkte. Er scherte sich nicht um die vielen Strafzettel die an seiner Windschutzscheibe hingen. Ich erinnere mich sogar noch an das Kennzeichen »666« - »The Number of the Beast«. »Cool«. Später kam er dann in den Knast. Ich denke es war nicht wegen der Strafzettel<, scherzte er um danach wieder in sein Thema zu finden >...und dann der Dieter, sein Chef Roadie, was ein »Wichser«, der hat mich ganz schön zu Arbeit angetrieben. Er war ein richtiger Sklaventreiber. Hättest` du dem die Peitsche in die Hand gegeben, er hätte sie benutzt<. >Aber ich hatte eine tolle Zeit auf den Konzerten. Ich lernte berühmte Rockmusiker in ihren Garderoben kennen. Einmal traf ich »Ozzy Osbourne« und ich kann zu Ozzy nur sagen, dass mich sein heutiger Zustand in seiner Soap, »The Osbournes«, nicht wundert. Er war damals 35 als ich ihn kennenlernte und sein Zustand war bereits mehr als bedenklich. Ich lernte Business Leute aus der Branche kennen wie die damaligen Veranstalter »Lieberberg«, »Rau« und »Oskar Hoppe«. Diese Kontakte sollten mir zu einem späteren Zeitpunkt helfen. Bevor ich 18 wurde produzierte ich bereits Alben diverser Bands, veranstaltete Konzerte, unterstützte Künstler und suchte nach neuen Talenten. Eine tolle Zeit war das<. >Mit Tony ging die ganze Musikstory mit uns bis ins Alter von 16. Dann drehte er durch. Tony hatte Gestalten, der in den 80 er Jahren populär gewordenen, »Waver- und Gothikszene«, kennengelernt. Er ging nachts auf Friedhöfe, nahm an Geisterbeschwörungen teil und verkaufte seine »Les Paul« im Session Musik<.
>Hallo Tony>, grüßte er seinen Cousin ein letztes Mal. Er arbeitete als „Roadie“ auf dem »Monsters of Rock« Festival im Karlsruher Waldparkstation. Alleine, mit 60000 Fans, lief er mit einem »Flightcase« auf der Schulter, den »Backstage« Bereich entlang und blickte in die jubelnde Masse. »ACCESS ALL AREAS« prangte in großen Lettern auf seinem Pass, den er wie eine »Medal of Honor« trug. Tony stand hinter der Absperrung mitten unter den frenetisch jubelten Rockfans. >Was machst du hier, ich dachte du gehst nur noch auf Friedhöfe? <, sprach er Tony abfällig an. Es war kein Zufall, dass er seinen Cousin Tony unter den vielen Zuschauern erkannte und auf ihn zuging. Tony stand inmitten von einigen »Wavern«. Sie stachen unter den Rockfans »höllisch« raus. Ihre schwarz gefärbten und mit Zuckerwasser toupierten Haar, ihr blasses Make-up, die schwarz angemalten Lippen und die mit schwarzem Kajal umrandete Augenlieder ließen sie martialisch aussehen. Er fand sie lächerlich und er wusste nicht, ob er über seinen Cousin heulen oder lachen sollte, denn Tony sah am schlimmsten unter den Gestalten aus. Die Schwarze Kleidung mit den vielen Ketten und Nieten, die mit Schnallen ausgestatteten Stiefel, die vorne spitz fast in den Himmel ragten, taten ihr übriges, zu seiner Erheiterung beizutragen. Seine Kollegen trugen schwarze Ledermäntel, die auf dem Boden, zu schleifen, schienen. Tonys Freundin trug ein auf dem Kopf gedrehtes Kreuz um den Hals und stand ansonsten ihren männlichen Begleitern, optisch, in nichts nach. Es war 1984 der beginn einer neuen Mode und der Wandel zu einer neuen Musik. Der 80 er Elektro Sound mit Bands wie »Depeche Mode«, »Front 242«, »Yello« brach an. Rock spielte man nur noch in Form von »Neuer deutschen Welle«. Das »Monster of Rock« Festival, war ein letztes Aufbäumen der Rocker, die nun zu tatsächlichen Monstern geworden waren, einem Drachen, der durch Siegfried, dem neuen Musiktrend, erlegt wurde. >Warum hast du deine »Les Paul« im Session verkauft< fragte er Tony empört >Rock ist Tod< antwortete er lapidar >Ich habe die Gitarre in ein „Yamaha DX7“ Keyboard getauscht und mit meinen Kumpels eine neue Band gegründet Wir haben hinter dem Mannheimer Neckarauer Friedhof einen Proberaum und zelebrieren schwarze Messen<, tönte er emotionslos. Seine Stimme klang verstellt, als wollte er Satan imitieren. >Warum bist du dann hier auf dem Festival der gediegenen Rockkultur? <, fragte er seinen Cousin ironisch. >Na wegen Ozzy Osbourne, der beisst den Fledermäusen immer so schön die Köpfe ab<, antwortete Tonys neuer Band Kollege, der sich als Drum Machine Programmierer, vorstellte. >Ozzy macht halt die falsche Musik, ich arbeite nur mit Samples, das neuste vom neuen eben< führte er fort und wollte sich ihm gegenüber wichtig tun. >Na, dann geh` ich jetzt mal in Ozzy`s Garderobe gebe sein Flightcase ab und frage in mal was er von Samples und Drum Computer hält<, mit diesem Spruch suchte er einen Ansatz, aus dieser ihm unangenehmen Situation, herauszukommen und fand ihn damit. Er hob die Hand zur Verabschiedung denn er wollte sie den »Teufelsanbetern« zum Abschied nicht geben. Verwirrt über Tonys seltsamen Anwandlungen, seinem Verrat am Rock `n` Roll ging er in Ozzy`s Garderobe um das bestellte Flightcase abzugeben. Auf dem Weg dorthin sinnierte er mit sich selbst, >jetzt lerne ich im Studium »Polyrhtmen« und »single double tripples« und die kommen mir mit Drum Computer<. Nachdenklich sagte er zu seinem dümmlich aussehenden »Stagehand« Kollegen in der Garderobe >Wo wird uns die elektronische Musik hinführen? <. Der englische Roadie zuckte mit den Schultern, in diesem Moment band er sein langes Haar zu einem Zopf zusammen und realisierte, dass er noch nicht im neuen Jahrzehnt den 80 er Jahren angekommen war.
Mein »iPhone« klingelte und in diesem Moment kam es mir vor wie ein Weckruf in die heutige Zeit. Wir waren wieder in der Gegenwart. Er saß mir gegenüber. Diese faszinierende Persönlichkeit, der es mit seinen Geschichten immer wieder schaffte mich in seinen Bann zu ziehen. Ein im dunklen Anzug gekleideter Mitarbeiter näherte sich ihm und flüsterte ihn in sein Ohr. Er sprach zu mir, mit fester Stimme >sorry, ich muss los. Wir können demnächst mal über das Thema weiterreden<, stand auf und verschwand in die Nacht. Ich rekapitulierte über das was er mir erzählte. Es passte nicht zu dem was ich im Jetzt von ihm wusste...
„Zu verurteilen bedeutet zwangsläufig nicht zu verstehen, denn wenn man verstünde, würde man nicht verurteilen“.
Jean-Paul Sartre
„Wir liegen alle in der Gosse, aber einige von uns betrachten die Sterne.“
Das Bildnis des Dorian Gray, Oskar Wilde
Ich habe Angst seinen Namen zu nennen. Meine Aufzeichnungen von ihm hütete ich wie ein Schatz. Die Pronomen die ich in meinen Schriften verwendete, sollten mich vor ihm schützen. Er scheute die Öffentlichkeit als wäre er ein Vampir das Licht. Je tiefer ich grub, so gefährlicher wurde es für mich. Immer wieder suchte ich seine Nähe und hoffte darauf keinen Verdacht zu schöpfen. Sein Vertrauen missbrauchte ich und seine Eitelkeit machte ich mir zu nutzte um ihn auszuhorchen. Ich war es meiner Stadt schuldig. Die nächste Generation sollte erfahren wer er war und was er tat. Er war ein Mannheimer Bürger und seinem Ruf eilten den Gerüchten voraus. Es fiel mir schwer ihn zu verurteilen. Seine guten Seiten machten es mir schwer in als böse darzustellen. Nachdem ich die Recherchen über seine Kindheit abgeschlossen hatte, machte ich mich daran seine Schulzeit näher zu durchleuchten um mehr zu erfahren was ihn dazu machte was er ist.
>Ich war ein »Spätzünder« und das hält praktisch bis heute an<, sagte er mir des Nachts und ich wunderte mich wie »er« mich in seine Seele blicken lies. >Ich möchte damit sagen, ich brauche sehr lange um etwas auf Anhieb zu verstehen, betreibe meine eingehenden Studien und wenn ich soweit bin, bin ich in der Lage jedes Problem in Perfektion zu lösen<. Aha, dachte ich, er relativiert seine erste Aussage um sich in der zweiten wieder besser dastehen zu lassen. War er überhaupt fähig Schwächen zu zeigen oder hatte er keine? Wollte er immer der Beste sein? >Die Vorgehensweise klappte immer im Leben außer in der Schule die Lehrer waren einfach zu dumm das zu kapieren< sagte er. Mit einer gewissen Neutralität schätzte ich ihn als hochintelligent ein. Er hatte etwas von einem Begabten der in der Schule unterfordert war. Irgendwie hatte er etwas von einem Autisten an sich. Ein Einzelgänger der nur alleine arbeiten konnte und seine Arbeiten ohne Hilfe perfektionistisch ausführte. Ein Autodidakt. Fatal, für ihn, in einer Klassengemeinschaft, zu sein. Ich war das Gegenteil, eher ein Mitläufer der die Aufgaben erledigte, die aufgetragen wurden. Ich denke, dass seine Lehrer nicht erkannten, ihn nicht förderten und mit ihm überfordert waren.
In diesem Zusammenhang stellte ich Nachforschungen an Schulen an, die er besucht hatte. Ich fand heraus, dass seine schulische Laufbahn in der Theodor-Heuss-Grundschule, auf dem Waldhof, begann. Sie wurde auch »Barackler-Schule« genannt, da sie gegenüber der »Benz-Baracken« stand und wenn »Barackler« überhaupt in die Schule gingen, dann in diese. Ein schmuckloser 70 er Jahre Bau, der von seinem Großvater Heinrich, erstellt wurde. >In der Grundschule lernte ich mit den »Waldhöfer Straßen Kids«, den »Baracklern« auszukommen und ich war froh, nach der letzten Schlacht, auf dem „BBC“ Platz meinen Frieden mit ihnen geschlossen zu haben<, erzählte er mir. >Ich schloss Freundschaft mit Steve, einen Mischlings Jungen, dessen Vater „GI“ war und sich nach der Zeugung in die USA verzogen hatte. Er lebte in den Blöcken, den legendären alten »Benz-Baracken«. Nach der Schule wurde ich von seiner Mutter zum Mittagstisch eingeladen. Ich wusste die Leute hatten wenig, trotzdem teilten sie, mit Herzlichkeit, ihre einfache Mahlzeit mit mir. Ich war willkommen und konnte mir das erste Mal die „Barackler Blöcke“ von innen betrachten. Die Blöcke waren Arbeiterunterkünfte, die nach dem 2. Weltkrieg, von Daimler-Benz, für ihre Arbeiter, errichtet wurden. Die schmucklosen Unterkünfte waren dreigeschossige Flachdach Bauten. Die Ziegelstein Fassade war mit schlechtem Putz vergipst, der mittlerweile abbröckelte und von der »guten« Mannheimer Industrieluft, verschmutzt war. Um die Gebäudehülle waren Balkone konstruiert. Nur über ein offenes Treppenhaus, von dem man auf die Balkone kam, konnte man die Wohnungen betreten. Eine einfache Holztür und das kleine Bad Fenster daneben wiesen auf eine Wohneinheit hin. So triste und beschämend diese Behausungen waren, so viel Leben war darin. Die meisten Wohnungstüren standen offen. Schräge Typen hingen mit verschränkten Armen über den Balkon Gittern und rauchten. Man hörte überall den Fernseher oder laute Musik laufen. Das Geschrei der Hausfrauen, die sich während sie die Wäsche in den Fluren aufhängten und hierbei ihr breitestes »Mannheimerisch« zum Besten gaben war unerträglich. Die Kids, die Schule schwänzten, spielten Fußball im verdreckten Hof zwischen den Blöcken oder beschmierten die Hauswände mit Graffitis. Überall waren Babys und Kids aller Hautfarben. Als ich in die Wohnung zu Steves Familie eintrat, durch den schmalen Flur ging, rechts das winzige Bad sah und einen Schritt weiter in einem Raum stand, der Küche, Wohnzimmer und Kinderzimmer zugleich war, gehörte ich zur Familie dazu. Wir saßen am Esstisch und aßen, die mit viel Wasser gestreckte Linsensuppe. Dazu gab es Essig und für die Geschmacksverfeinerung „Maggi“ aus der Literflasche. Köstlich. Während ich löffelte blickte ich mich um. Es gab nur noch einen weiteren Raum, dass Elternschlafzimmer. Die freundliche Aufnahme der Familie beschämte mich in meiner vornehmen Art, die ich aus „James Bond“ Filmen abgeschaut hatte. Steves Geschwister machten Späße deswegen über mich. An diesem Nachmittag lachten wir viel und ich schloss weitere Freundschaften unter den »Baracklern«. Für mich waren es keine »Barackler« mehr, sondern Menschen. Diese Menschen waren keinesfalls depressiv oder resigniert über ihre Situation. Sie waren stolz ihrer Herkunft. Es war bewundernswert wie sie sich durch ihr Leben tricksten. Zu Recht hatten sie Stütze, Arbeitslosengeld und Kindergeld verdient. Der Zusammenhalt der Familien innerhalb der Blöcke war eine soziale Meisterleistung. Die Familien und ihre Räte sorgen für Ordnung. Das Gleichgewicht geriet nie aus den Fugen. Die „Barackler“ behielten ihre Vormachtstellung innerhalb ihres Viertels bis in die 80 er Jahre dann wurden die Blöcke von der »GBG« platt gemacht um neue moderne Wohneinheiten zu errichteten. Mit dem Abbruch zerbrach der Charme von früher. Der Zusammenhalt wich dem Kommerz. Das »Favela Feeling« verschwand für immer<.
Ich merkte ihm an, dass er mit seinen Gedanken noch einige Zeit nachhing. Sicher hatte er ein Bild von Brasilien vor Augen. Ich konnte mit dieser Melancholie wenig anfangen. Wenn ich an Brasilien dachte, dachte ich sicher nicht an Favelas sondern an den Strand der »Copa Cobana« und den »Zuckerhut«. Nach der kurzen Gedankenpause fuhr er fort. >Die Grundschule, dieser Schultyp machte mir die meisten Schwierigkeiten. So wie ich mich auf dem Schulhof gegenüber meinen Kameraden durchsetzte, mich mit meinen neuen „Barackler“ Freunden verbündetet und zum Bandenchef avancierte, so versagte ich im Unterricht. Orthographie fiel mir schwer. Ich konnte mich einfach nicht auf die deutsche Sprache und ihre Schrift, schulisch ausreichend, konzentrieren. Es ging soweit, dass ich mich psychologischen Test unterziehen musste und meine Eltern waren froh, dass ich nicht der Legasthenie überführt wurde. Eine weitere »tolle« Errungenschaft des Schulunterrichts der 70 er Jahre, mit der ich nichts anfangen konnte, war die Mengenlehre im Mathematik Unterricht. Das wir Heute im »PISA Test« so schlecht abgeschnitten haben geht sicher auf diesen Quatsch zurück. Weitere Fächer aus dem pädagogischen Schatz der 70 er waren Hauswirtschaft Lehre, Stricken, Nähen und Häkeln. Sicher ist das auf »Alice Schwarzer« und ihre
