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Der Pinselhirsch - Jägerlatein und mehr - erzählt wieder Geschichten einer alten Jägerin aus über dreissig Jahren Grünrock-Szene. Einfache Jagderlebnisse werden in der Jägersprache erzählt. Das Specht Trio trommelt unverfroren durch den Wald und ihr Echo kratzt an der Seele und kräuselt die Zehennägel. «Du Pinselhirsch, du!» Manchmal wird ein Jäger zum Gejagten und dann beruhigt die hochverehrte Grossmutter selig das Geschehen. Nicht mit Baldriantropfen, aber mit den richtigen Worten. Gedichte heben die jagdliche Kultur und das Brauchtum während die Jäger-Witzkiste und dessen Latein mit einem Schuss Derbheit das Jägerleben aufbauschen. Mit Wissenswertem, einer Portion Jägerphilosophie und Weithergeholtem wird einiges behauptet und nichts bewiesen. Und doch ist es so gewesen! Oder doch nicht?
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Seitenzahl: 200
Veröffentlichungsjahr: 2026
Jägerlatein…
…ist eine scherzhafte, oft übertriebene Ausdrucksweise. Jäger verwenden sie, um ihre Erlebnisse in der Natur zu beschreiben. Diese Ausdrücke sind manchmal absichtlich übertrieben oder erfunden, um Geschichten spannender oder lustiger zu machen. Das Jägerlatein benutzt spezielle Begriffe oder Fachausdrücke, die nur innerhalb der Jägerschaft verstanden werden. Es ist also eine Art Insidersprache mit humorvollen Nuancen.
Vorwort
Pinselhirsche
Neue Technologien und Jagd
Hochsitzende Gedanken
Der Rollbock
Der kahle Sechser
Der Humpelbock
Der Dreilaufbock
Der Abnormale
Der schwarze Bock
Der Rapsbock
Der Wasserfall-Bock
Der Harnbock
Das weiße Reh
Die Walliser Steingeiss
Auskochen und präparieren
Schussneid
Schwarzspecht & Co.
Allgemeines
Neue Erkenntnisse zu Spechten
Wildkamera zerstört
Malermeister Buntspecht
Schafherde oder Sauen im Revier
Schwarzspecht und Fußball
Schwarzspecht und Dümmlinge
Weissenberger, der Vertreter
Niederlaufhunde und wie sie jagen
Gedicht der Bracken Jagd
Genuss trifft Wild
Gedicht: vom Wildbraten
Jagdtage in Schwyz
Als Begleitung auf der Hochjagd.
Auf der Haggenegg.
Jagdtage in Nidwalden
Jagdtage im Aargau
Nur die Hunde jagen
Hunde auf dem Stand im Hashubel
Jagen mit Freunden: Attelwil
Jagen im Tuffgebiet
Jagdtage im Solothurnischen
Jagdtage im Baselbiet
Bache, Kugelgeiss und Rehrücken
Dörrzwetschgen in der Büchse
Jagdtage im Luzerner
4 x 4 WMH in Nachbars Revier
Größtes und schönstes Revier
Jagdtag in der alten Heimat
Gedicht: Wer kein Brauchtum pflegt
Eine Eiche ist mehr als ein Baum
Querschnitt
Blätter, Grün und Photosynthese
Der Hirschkäfer
Walderde, Kommunikation, Blitz
Der Häher und die Mast
Dilemma Natur-Entfremdung
Brunftkugeln und Lecker sind essbar
Salz für Wildtiere?
Gedicht: Der Treiber
Gedicht: Der Jäger
Begriffe und jagdliche Ausdrücke
157 Jagdwitze und 99 % Humor
Nachwort und Danksagung
Kaum ging das letzte Büchlein «Der Hüttenbock» in Druck, habe ich wieder fleißig Jagdgeschichten und besondere Naturerlebnisse gesammelt. Diese habe ich in Stichworten notiert, dann ausgearbeitet oder direkt in Lektüre niedergeschrieben.
Für mich war es ein spezielles, doch umso spannenderes Jahr. Ich konnte endlich die vielen Jagdeinladungen einlösen und auswärtige Erfahrungen und fremde Einblicke ins Jägerleben gewinnen. Besondere Momente konnte ich gar auf Bild bannen. Manchmal gelang es mir, fast intuitiv schnell genug mit dem Fotoapparat zu hantieren. Das geht heute einfach, weil die Kamera, beim Handy, immer griffbereit dabei ist. Es gilt dann nur noch, bei den vielen Taschen, die bei guter jagdlicher Ober- und Unterkleidung überall eingearbeitet sind, die richtige Öffnung zu finden. Für bestimmte Aufnahmen nehme ich auch meinen alten Nikon Fotoapparat, mit der 300 Millimeter-Linse, mit. Ich freue mich immer wahnsinnig über geglückte Schnappschüsse, die mich hinterher beim Durchschauen berühren. Von fünfzig Fotos sind das dann vielleicht zwei, die mich begeistern. Glücklicherweise kann man den Rest ja löschen. Es lebe das digitale Zeitalter. Diese Freude und Begeisterung teile ich gerne mit Dir.
Dann habe ich einige jagdliche Geschichten von alten, weidwerkerfahrungstrotzenden Jägerkameraden erzählt bekommen. Ich versuche sie wiederzugeben. Das wird zwar nie so gelingen, wie wenn sie am Aserfeuer erzählt werden. Ich versuche es trotzdem und meine Kameraden mögen mir verzeihen, wenn mir dies nur in langweiliger Manier und mit meinen eigenen Worten und eben nur halbwegs gelingt.
Ein paar Jagderlebnisse aus früheren Zeiten sind auch wieder in meine Präsenz gerückt und ich habe sie spontan in Worte gefasst und etwas ausgeschmückt. Es sind Erlebnisse, die bleiben, weil sie bei mir in der Jägerinnenseele Spuren hinterlassen haben.
Wenn ich von Seele spreche, so schneide ich hier auch die Themen Ethik, Haltung und Weidgerechtigkeit an. Wahrscheinlich bleibt dies der ewig philosophische, unvollendete Teil der Jagd.
Dann gab es die alljährlichen Ausflüge in den nahen Vintschgau und die Besuche auf der Steinmandl-Alm. Adele erzählte, dass der Schwarzspecht immer noch ab und zu trommle. Eigentlich sei es das Getrommel des ganzen Specht-Trios. Dazu gehöre zwischenzeitlich auch der Weissenberger. Der „Dryocopus martius“, der „Dendrocopus major“ und der „Picus viridis“ haben wieder einige Maden aus dem Totholz geklopft.
Was ich damit meine, steht im Büchlein „Hüttenbock“ angetönt, erläutert, angemerkt und ist in einigen Erzählungen aus- und weitergeführt. Einige Adele-Geschichten, die damals zur Trennung führten, haben im Büchlein „Pinselhirsch“ Gehör und Gestalt in Wortform gefunden.
Die Anlehnung an Erlebnisse, Begebenheiten, Personen und Orte der Adele-Geschichten sind frei erfunden und rein fiktiv. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen und realen Handlungen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
So hat doch letztens jemand behauptet, ich hätte über ihn geschrieben. Natürlich passieren auf der Jagd und in Feld und Flur immer wieder ähnliche Situationen oder man ertappt sich beim Lesen an besonderen «Déjà-vus» der eigenen Erinnerung. Das Rad wird nicht neu erfunden.
«Und es gibt alles, was es nicht gibt!»
würde meine redselige Großmutter, „Gott hab’ sie selig“ jetzt noch ergänzen.
Ich habe versucht bekannt Wissenswertes in einer Art einzubauen, die nachdenklich oder zumindest erhellt machen könnte. Einige Leser oder Leserinnen werden zu geistesblitzigen Aha-Erlebnissen geführt. Mich macht es immer zufrieden, wenn Gelerntes, welches irgendwann in die eigene Schublade der Vergessenheit geraten ist, wieder ins Bewusstsein vorrückt.
Ab und zu, und immer öfters, wird meine geliebte Großmutter selig zitiert. Ihr Jahrgang lag im letzten Jahrtausend und vorletzten Jahrhundert, ich glaube geboren wurde sie im Jahr 1897. Sie hat mich mit ihren sagenhaften und weisen Aussprüchen und Zitaten schon als kleines Kind und als Teenager geprägt und mitgeformt. Sie sagte einmal:
“Gehorsam, ist zu tun, was Dir beigebracht wurde, egal, was richtig ist - Moral ist zu tun, was richtig ist, egal, was Dir beigebracht wurde.“
Das hat mir damals zu denken gegeben und ich habe mir tagelang den Kopf zerbrochen, was damit wohl gemeint sei. Schließlich kam ich zum Schluss, dass es eine Aufforderung meiner Großmutter war nicht nur eitel Gehorsam an den Tag zu legen, sondern meine Denkmuskeln und den Hirnsaft zu aktivieren, dem eigenen Empfinden für Moral und Ethik treu zu bleiben und eine Bestrafung für Ungehorsam in Kauf zu nehmen. So wie ich sie kennen lernen durfte, übernimmt sie die Mitverantwortung bestimmt gerne, mich als querdenkendes Mädchen, selbständig denkende (Ehe-) Frau und heute selbst als ungehorsame Großmutter sowie als wache Jägerin miterzogen zu haben.
Gedichte dürfen nicht fehlen! Ohne Gedichte wäre dieses Büchlein wohl weniger farbenfroh und ausdrucksstark. Gedichte ermöglichen es uns, Gefühle und Gedanken auf eine besondere Weise auszudrücken und mit anderen zu teilen. Sie können trösten, inspirieren oder einfach nur Freude bringen und ein Schmunzeln auf unsere Wangen und Lippen zaubern. Gedichte bereichern das Jägerdasein auf so viele Arten. Bei den Gedichten wählte ich jene, die mir besonders gefielen, als ich sie las. Leider war nicht immer ich die Dichterin, obwohl ich durchaus zuweilen auch der Dichtkunst gefrönt habe und frönen könnte. Vielleicht muss ich auf den Ansitz wieder Blatt und Bleistift mitnehmen.
Dieses Mal habe ich mich entschieden einige Witze aus der Jäger-Witzkiste zu ziehen. Es ist mir bewusst, dass Humor heute viel kritischer und ganz unterschiedlich wahrgenommen wird. Ich habe versucht, die rassistischen, sexistischen Witze zu überspringen. Ob es geglückt ist, beurteile der Leser großzügig und mit Nachsicht.
Nun fällt es leicht, einen schlechten Witz zu verurteilen – weil er nicht lustig ist und den Geschmack nicht trifft. Anders sieht die Sache aus, wenn der Witz an sich gut ist, aber die «political correctness» doch nicht ganz gewährt ist. Ich hoffe, mein Talent hat hier keine Nische gefunden und übersteht die Sprachzensur oder eine etwaige Überempfindlichkeit im Sprachumgang. Allein die Widersprüchlichkeit – Lachen zu wollen, aber nicht zu dürfen – zwingt einen ja schon zum Kichern. Deine Kritik ist berechtigt, wenn ihr ein hilfloses Grinsen vorausgeht und du den Witz, dann vielleicht als etwas «Randständig» bezeichnest. Viel Spass.
Zu guter Letzt darf auch ein kurzes Glossar oder Register mit Wörtern, die unter Umständen Erklärung bedürfen, nicht fehlen. Jagdbegriffe wurden übersetzt, lateinische Begriffe ins Deutsche transformiert und Fremdwörter erläutert.
Ich erlaube mir auch des Öfteren, neue Wörter zu kreieren. Die Herkunft dieser Wörter ist sicherlich auf meinen schweizerischen Dialekt und meine Muttersprache mit Hinterländer-Akzent zurückzuführen und es ist ein Zusammensetzspiel aneinander gereihter Wörter. Ich finde diese Ausdrucksform treffend, urtümlich und vielsagend.
«So, und nun auf zum munteren Lesen! Möge die Leselust mit Dir sein.»
ChatGPT antwortet auf die Frage: «Was ist ein Pinselhirsch?». «Ach so! Ein Pinselhirsch ist eine Hirschart, die in Asien, vor allem in China, heimisch ist. Er hat seinen Namen wegen der langen oberen Eckzähne, die ein bisschen wie Pinsel aussehen. Diese Zähne sind bei den Männchen besonders ausgeprägt.»
Also frage ich noch das Internet und stoße auf die Begriffe «chinesisches Wasserreh» oder „Muntjak“. Dazu folgendes aus dem Netz:
Das Wasserreh „Hydropotes inermis“ ist eine in Ostasien verbreitete Art der Hirsche. Es zeigt trotz seines Namens weniger Gemeinsamkeiten mit einem Reh als mit einem Moschustier, ist aber mit ersterem näher verwandt.
Im Verlauf des Textes wird aufgezeigt, wieso dieses Tier in unseren näheren Gefilden beheimatet ist. Es gibt auch Doppeldeutigkeiten mit dem Namen Pinselhirsch. Darauf gehe ich ganz am Schluss ein und ich erkläre dann ganz nebenbei, welche jagdliche Bedeutung der Pinsel hat. Ganz bestimmt hat der Pinsel in diesem Sinne nichts mit Farben, Malerei und Terpentin zu tun. Doch vorerst ein paar Details aus dem Internet zum „Chinesischen Wasserreh.“
Merkmale: Mit einer Kopf-Rumpf-Länge zwischen 77,5 und 100 Zentimetern, einer Körperhöhe zwischen 45 und 55 Zentimetern und einem Gewicht von 11 bis 14 Kilogramm sind Wasserrehe sehr zierliche Hirsche. Chinesische Wasserrehe gehören zu den sehr wenigen Hirscharten, bei denen die Männchen keine Geweihe entwickeln. Beim Männchen sind wie bei Moschustieren jedoch die oberen Eckzähne zu Hauern verlängert, die bis zu 6,4 Zentimeter lang werden können und deutlich sichtbar aus dem Maul ragen. Bei Weibchen sind die Eckzähne ebenfalls verlängert, jedoch ragen sie bei diesen nicht aus dem Maul. Das Fell des Wasserrehs ist dick und rau. Es weist eine gelbbraune Farbe auf, nur Kinn und Kehle sind weißlich davon abgesetzt. Wasserrehe haben zwei Duftdrüsen in der Leistengegend. Anders als bei vielen anderen Hirscharten fehlt das Tarsal- und das Metatarsalorgan. Das sind Drüsen in den Augenlidern, damit diese feucht bleiben. Als eine in Gewässernähe lebende Tierart sind Wasserrehe gute Schwimmer. Flüchtende Wasserrehe suchen häufig das Wasser auf, sie sind auch in der Lage, größere Gewässer zu durchqueren und besiedeln daher auch Inseln in größeren Süßgewässern. Wie das Europäische Reh wird das Wasserreh eher dem Schlüpfer Typus zugerechnet. Es ist physisch nicht in der Lage, über größere Distanzen zu fliehen und sucht bei der Flucht in der Regel mit wenigen Sprüngen die Deckung auf. Der Schrecklaut des Wasserrehes ist ein harsches Bellen.
Verbreitung und Lebensraum: Das Verbreitungsgebiet umfasst den unteren Teil des Jangtsekiang-Beckens in Ost-Zentral-China sowie die koreanische Halbinsel. Das Koreanische Wasserreh wird als Unterart Hydropotes inermis argyropus vom chinesischen Wasserreh abgetrennt. Da es heute vorwiegend im schwer zugänglichen Nordkorea vorkommt, ist fast nichts über diese Unterart bekannt. Der Lebensraum sind Sümpfe und Ufer von Flüssen und Seen, wo sich die Wasserrehe in hohem Schilf und anderer Ufervegetation verbergen.
Lebensweise: Wasserrehe sind einzelgängerische Tiere. Manchmal dulden Böcke die Gesellschaft eines Weibchens, zeigen sich aber stets gegenüber Geschlechtsgenossen aggressiv. Ihr Revier markieren sie mit den Sekreten der Duftdrüsen sowie mit Kot. Im Kampf fügen sich die Tiere mit den Eckzähnen schwere Wunden zu. Sie stehen sich dabei nicht frontal gegenüber, wie dies beispielsweise bei Rot- oder Damhirschen der Fall ist, sondern seitlich Schulter an Schulter. Die Kämpfe enden, wenn eines der Tiere als Demutsgeste Kopf und Hals auf den Boden presst. Anschließend flieht der Unterlegene aus dem Territorium.
Nach einer Tragzeit von 200 Tagen bringt das Weibchen zwei Junge zur Welt. Frühere Berichte, wonach bis zu 8 Junge gesetzt wurden, haben sich als Irrtümer herausgestellt. Neugeborene wiegen durchschnittlich ein Kilogramm, das Fell der Kitze weist weiße Flecken und Längsstreifen auf. Sie werden sehr schnell geschlechtsreif. Männchen können sich bereits in einem Alter von sechs Monaten fortpflanzen, die Weibchen sind mit acht Monaten empfängnisbereit. Die Lebenserwartung in freier Wildbahn ist nicht bekannt. In Gefangenschaft gehaltene Wasserrehe erreichten ein Lebensalter von 13 Jahren.
Die Nahrung besteht aus Gräsern und Wasserpflanzen, vor allem aus Schilf. Manchmal suchen Wasserrehe nachts Getreide- und Gemüsefelder auf und fressen dort, weshalb sie in China als Schädlinge angesehen werden.
Systematik: Das Wasserreh ist eine Art aus der Gattung „Hydropotes“ und deren einziges Mitglied. Sie gehört zur Familie der Hirsche „Cervidae“. Die systematische Stellung des Wasserrehs war lange umstritten, häufig bildete es die eigene Unterfamilie „Hydropotinae“ mit einer sehr basalen Stellung innerhalb der Hirsche. Molekulargenetische Untersuchungen ergaben aber eine nahe Verwandtschaft mit den Rehen „Capreolus“, gemeinsam formen sie nun die „Tribus Capreolini“.
Einführung in Europa: Wasserrehe wurden durch den Herzog von Bedford 1929 zusammen mit dem Chinesischen Muntjak auf seinem Gut Woburn Abbey eingeführt und haben sich von dort ausgebreitet. Heute finden sie sich in Sümpfen und Flussniederungen in den Norfolk Broads „Hickling Broad Naturschutzgebiet“, Bedfordshire und Cambridgeshire. Ihre Zahl wird auf 1500 geschätzt, was ungefähr 10 % des weltweiten Bestandes ausmacht. Eine weitere verwilderte Population lebt im Département Haute-Vienne in Frankreich.
Und während ich über die „Muntjaks“ recherchiere, lese ich in der Jagdzeitung Wild und Hund vom 9/2024, dass die Behörden in Schleswig-Holstein befürchten, dass sich das Chinesische Muntjak weiter im Land ausbreiten könnte. Die invasive Art sei seit 2015 bereits in vier Landkreisen nachgewiesen worden. Der Landesjagdverband appelliere an die Jäger, Muntjak Beobachtungen über das Wildtier-Kataster zu melden. Das Landesamt für Umwelt habe die Allgemeinverfügung für den Abschuss von Muntjaks zunächst bis zum 31. Dezember 2024 verlängert. Eine Ausbreitung soll aufgrund der Bestimmungen der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 und des Bundesnaturschutzgesetzes über die Prävention und das Management invasiver Arten verhindert werden. Aufgrund der ökologischen Nische, die von Muntjaks besetzt würden und seines starken Ausbreitungsdrangs befürchtet man eine Nahrungskonkurrenz zum Rehwild sowie zunehmende Verbiss-Schäden. Für die Erlegung sei ein rehwildtaugliches Kaliber zu verwenden, außerdem sei der Muttertierschutz zu beachten. Sollte ein erlegtes Muntjak in der Küche verwertet werden, müsse er zuvor amtlich auf Trichinen untersucht werden. Zwar äse die Art weit überwiegend pflanzliche Nahrung, doch sei die Aufnahme von Aas und Kleinsäugern nachgewiesen worden.
Das Aussehen eines Muntjaks unterscheidet sich schon in der Größe. Während Kopf-Rumpf-Länge von 70 – 80 cm und eine Schulterhöhe von 45 – 50 cm gemessen werden, liegt das Gewicht bei 24 – 25 kg. Die Männchen besitzen einfache Geweihe von ca. 15 cm Länge. Charakteristisch sind die gerundeten Ohren. Die 1 – 6 cm langen Eckzähne im Oberkiefer sind beim Männchen länger, wie bei weiblichen Tieren. Bei den Männchen ist das auf der Stirn sichtbare V-förmige Fellmuster auffällig.
Das chinesische Muntjak gilt als Einzelgänger, selten sind sie in Familienverbänden oder Gruppen anzutreffen. Sie sind sowohl tag- wie auch nachtaktiv.
Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 210 Tagen bringen die Weibchen meist nur ein Junges zur Welt. Die Stillzeit dauert vier Monate. Nach rund sechs Monaten haben die Jungtiere bereit 60 %, nach 18 Monaten, sind es rund 90 % des Gewichtes der Alttiere. Die Lebenserwartung liegt bei 10 – 12 Jahren.
Verwendung in der Volksmedizin: In der Traditionellen Chinesischen Medizin findet das Kolostrum des Weibchens Verwendung, weshalb die Tiere verfolgt und gejagt werden. Die Bestandszahl wird heute auf 10.000 in China geschätzt, weshalb die Art als gefährdet eingestuft wird. Über den Bestand des Koreanischen Wasserrehs ist nichts bekannt. Zusätzlich ist das Fleisch des Wasserrehs eine Grundzutat der traditionellen altchinesischen Küche. Wasserrehfleisch gilt – langsam gedünstet – als klassische Delikatesse; sie gelangt heute allerdings nur noch sehr selten auf den chinesischen Esstisch. Unterschied chinesisches Wasserreh und Muntjak: Das Wasserreh ist im Wildbret etwas stärker als der Muntjak. Die Trophäen der männlichen Wasserrehe sind die langen Eckzähne im Oberkiefer. Diese sind deutlich stärker als beim Muntjak und werden bis 7 cm lang. Nur der männliche Muntjak trägt ein kurzes Geweih. Einem Wasserreh fehlt diese Trophäe.
«Du Pinselhirsch, Du!»
Meine Großmutter nannte überdrehte und überzeichnete Personen gerne liebevoll Pinselhirsche. Ich bin überzeugt davon, dass sie nicht wusste, dass es chinesische Wasserrehe oder Muntjaks gibt. „Diese Pinselhirsche sind mit dem glücklichen Gemüt und dem Selbstvertrauen einer Straßenwalze gesegnet,“ sagte sie dann und Ihr Schmunzeln wie ihr Augenzwinkern sehe ich vor meinem geistigen Auge wieder. „Kindchen, schau‘ einfach, dass Du nicht unter diese Walze kommst.“
Dabei hat sie den Hirsch als erhabenes Tier des Waldes gewürdigt und der betroffenen Person alle Ehre angetan. Mit Pinsel wird im jagdlichen Sinne das männliche Geschlechtsorgan bezeichnet. Ja, es gelang meiner listigen Großmutter, die mit einem Jäger verheiratet war, mit dem Pinsel unauffällig und nur unterschwellig auf den Testosteron-Gehalt und seine Auswirkungen aufmerksam zu machen. Der Pinsel im üblichen Sinn, hat wohl eher mit einem Maler zu tun, der beim Anblick eines Rehs, den stolzen Hirsch mit dem Pinsel auf die Leinwand bannen will. Jagdmotive gibt es in der alten und neuen Malerei reichlich. Oder der Pinsel hat mit dem Jägermeister zu tun, der von Beruf Malermeister ist, und der sich im Rehwildrevier als Hirsch fühlt und natürlich auch so verhält.
Auf die Straßenwalze gehe ich nicht enger ein. Da hat jeder seine mehr oder weniger klare Vorstellung von überrollt werden.
Es ist doch einfach ein interessantes Lebewesen dieser Pinselhirsch, alias Wasserreh, alias Muntjak, alias „X-beliebiger-Vorname“. Mein schlaues Großmütterchen selig scheint den tieferen Sinn der ganz eigenen, verbalen, sinnbildlichen, ausdrucksstarken Kraft des simplen und einfachen, klaren Wortes erfasst zu haben.
Muntjak mit Pinselzähnen
Wasserreh mit seinen Pinselzähnen
Warum wir Technik wie Wärmebild und Nachtsicht nicht nur nutzen, sondern reflektieren sollten, möchte ich hier ausführen. Zwar wirken diese optikoptimierenden Techniken auf die Jagd beruhigend: mehr Sicht, mehr Sicherheit, mehr Effizienz.
Doch genau das ist auch ein Phänomen, welches die Jägerseele anspricht. Nachtsichtgerät, Wärmebildkamera, Drohnen & KI verändern, was wir tun, wie wir fühlen, wahrnehmen, ansprechen, sehen, entscheiden und schließlich handeln.
Plötzlich sind Tiere nur noch Wärmequellen und Bewegungen werden als Pixelmuster erkannt. Entscheidungen basieren auf Daten und verändern unser innerstes Erleben von Jagd. Was verloren geht sind die Fähigkeiten zu staunen, innezuhalten, die Beziehung zum Lebewesen selbst, die Passion auszuharren, einfach zu sein im aktuellen Jetzt.
Wir sehen doch mehr und fühlen halt weniger.
Schließlich werden wir als Jäger oder Jägerin mit neuen Technologien zur Schnittstelle zwischen Algorithmus und Abzug geführt. Das mag im Grundsatz sehr effizient sein, innerlich kann es uns aber ganz vom Lebewesen entfernen. Was heißt das für das Wild?
Das Wild wird zwar erkannt, erfasst – aber eben nicht mehr gesehen, nicht mehr erlebt.
Die wahre Gefahr ist nicht die Technik an sich. Sondern, was sie in uns verändert.
Wir brauchen Aufklärung über die Technik und Aufklärung über unsere eigene Verletzlichkeit im Denken und Wahrnehmen.
Dieses Bewusstsein ist ethische Aufklärung. Die lautet nicht: «Wie effizient können wir Wild erfassen?»
«Wie schützen wir das Wesenhafte des Wildes – auch vor unserem eigenen Blick?»
Technik kann helfen. Wer vorher schon nicht Jäger war, wird es mit Technik auch nicht sein. Doch Technik kann helfen. Aber nur, wenn wir lernen, sie nicht alles entscheiden zu lassen. Nicht alles, was sichtbar ist, darf zur Zielscheibe werden. Technologie darf unsere Haltung nicht ersetzen. Sichtbarkeit darf nicht automatisch zu einem Freipass für Eingriff oder Abschuss werden. Und ein Jagdfreund bemerkte: „Wir wollen nicht 24 Stunden jagen und das Wild soll nicht immer gejagt werden können.“
Wer Technik einsetzt, um besser zu sehen, kann auch besser entscheiden – mit mehr Respekt, mehr Ruhe, weniger Störung. Entscheidend bleibt: Wir zielen nicht auf Wärmebilder, sondern begegnen fühlenden Wesen. Jagd ist nie nur Handwerk – sie ist immer auch eine Haltungsfrage.
Technik ist ein wichtiges Hilfsmittel, und die, die heute über Wärmebild schimpfen, werden wohl auch kaum auf ein Zielfernrohr verzichten wollen? Oder auf den unverzichtbaren Feldstecher? Beide wurden in ihren Anfangsjahren von konservativen Kreisen auch als «unweidmännisch» diskreditiert. Wie auch einmal die Gummisohle das Ende «der richtigen Jagd» markierte. Damit wurden wohl dann die Wadenbinden abgelöst. Wenn ich alte Jäger von der guten alten Zeit schwadronieren höre, in der man in hellen Nächten auf dunkle Silhouetten draufhielt, und die Meinung der Nachsuchenführer dazu hörte, dann weiß ich, wer weidgerechter jagt. Wer Technik sinnvoll nutzt, vermag effizienter und mit weniger Störungen im Revier zu jagen.
Ich kenne Jäger, die sagen: »Nicht mehr meine Welt. Wenn ich das Wild nur noch mit der Wärmebildkamera entdecken und ansprechen kann, weil meine Augen müde und trüb geworden sind, dann lass’ ich‘s lieber. Egal, ob mein Jagdkamerad mit der Technik vermeintlich mehr Erfolg und Strecke hat.“
„Ich genieße es, mich beim Jagen vollkommen auf meine ureigenen Sinne und Instinkte zu verlassen. Das ist für mich das Schönste an der Jagd. Ich rieche, ich höre, ich sehe. Das ist jagen.»
Und wenn wir jeweils von den fünf Sinnen sprechen, so fehlen hier bei der Aufzählung des Jagdkameraden das Schmecken und das Tasten. Schmecken auf dem Teller, Tasten beim Fell. Auch Fühlen darf nie fehlen! Mittlerweile diskutieren Forscher sogar darüber, ob es nicht 8, 21 oder sogar 33 verschiedene Sinne gibt. Fühlen gehört zum sechsten Sinn und Intuition zum siebten Sinn. Meines Erachtens zwei wichtige Sinneseigenschaften auf der Jagd.
„Wenn ich auf der Jagd bin, meine ich schon, ich sei mit mindestens dreiunddreißig Sinnen unterwegs.“
Das Streben nach Höherem ist dem Menschen grundsätzlich angeboren. Denn, liegt man einmal so im Grase und schaut der Mühsal einer Ameise oder einer Laus zu und auf den Bäumen hört man die Vögel munter zwitschern, kommt die Erkenntnis (bei einigen sofort, andere brauchen etwas länger), dass von einer höheren Warte aus gesehen, das Leben entschieden angenehmer ist oder mindestens sein muss. Das Jubilieren der Vögel in Baumkronen und Lüften, sollte Beweis genug sein. Regenwürmer und Käfer, mögen sie auch noch so nützlich sein, hört man nie vor Freude jauchzen. Erweist sich doch die mühsame Erdenkrabbelei, ja schon der kleinste Ast, als schwer zu überwindendes Hindernis. So ist der logische Schluss doch legitim, und die Neunerprobe ist erbracht, dass die bessere und damit höhere Perspektive zum Singen und Jubilieren führt.
Der Mensch lernt immer von der Natur.
Wenn er überhaupt lernt. Von wem den sonst? So bauten sich schlaue Jäger einen erhöhten Sitz und automatisch war eine höhere Stellung erklommen. Besseren Weit- und Übersicht, seltener Einsicht, dafür Anblick und Durchblick waren die Folge. Selbstverständlich rechtfertigte man die hohe Sitzstellung nur mit dem besseren Kugelfang. Doch die Annehmlichkeit, die Erhabenheit und die selbstlose Zufriedenheit auf dieser erhöhten Stellung angekommen zu sein, manchmal fast nahe der Baumkrone, ist dem Jägerleben doch recht zuträglich. So sind wir, die ab und zu auf diesen weltlichen Thronen sitzen, längst zu der Einsicht gekommen, dass die Schönheit und Vollkommenheit der Natur für uns Menschen unerreichbar sind.
„Der Mensch kann die Krone der Schöpfung bleiben, wenn er begreift, dass er sie nicht ist.“
Da sitzt man nun auf erhöhter Position mit scharf geladener Waffe. Das Fernglas erlaubt den Weitblick, der uns von Natur aus meistens fehlt. Man ist tief zufrieden und genießt so um sich herum. Und plötzlich wird uns da ein großartiger Augenblick mit einem unvergesslichen Anblick beschert. „Ein Bock tritt aus.“ Vielleicht ist es gar der Bock. Derjenige, den wir schon ein paar Mal beobachtet haben. Wir bewundern seinen Habitus, wie seine Auslagen und das grazile Tun. Gar das Nässen bewundern wir, obwohl wir Feuchtigkeit grundsätzlich meiden.
Man (der Sitzende oder der Austretende) ist sich völlig sicher im Selbstgefühl, der Größte zu sein. Gerade noch so weit reichen Lichter und Duftmarke – ja, so leicht kann man sich täuschen.
Dass nun eine Ironie der Weltgeschichte (oder des Schicksals) passiert, sind wir uns nicht bewusst und soll aus weiblicher Sicht hier aufgezeigt werden.
Nämlich sind die meisten Besetzer von solch beschriebenen, jagdlichen und weltlichen Thronen ja nun vornehmlich Männer. So waren es meist Männer, die jagten und die Frau hütete Haus, Herd und Kinder. Statistisch gesehen sind es aktuell rund 6 – 7 Prozent Jägerinnen, was aber regional ganz unterschiedlich sein kann. In der Wirtschaft waren in höheren Führungsetagen, so um die Jahrtausendwende herum, ebenso wenig Frauen anzutreffen. Das hat sich nun auf rund einen Drittel erhöht. Die Jagd hinkt nach.
Doch zurück zum Paradox aus weiblicher Sicht. Männer, Jäger geraten beim Anblick ihrer tierischen Geschlechtsgenossen meist in helle Verzückung. So mit zitternden Händen und Knien - wie beim Anblick ihrer Angebeteten aus der anderen Gattung Mensch. Während sie jedoch beim Anblick der weiblichen Tierwelt recht sachlich nur Alter und Fruchtbarkeit begutachten und vielleicht maximal noch nach Schürze und Spinne Ausschau halten. Würde also alles auf der Welt seinen geraden Weg gehen, so dürften Böcke nur von Frauen erlegt werden.
