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Cara Osnik

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Beschreibung

Orks, Intrigen und ein magischer Dolch
Die junge Zwergenkönigin Rosenstein gerät in eine Lawine aus Verrat und Hass.
Verleumdet und im Stich gelassen muss sie durch ein feindseliges Land fliehen und herausfinden, wer ihre Heimat in einen vernichtenden Krieg treiben will.
Der Halbork Jarbadur bietet ihr seine Hilfe an. Kann sie ihm mehr vertrauen als alten Verbündeten?

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Landkarte
1 Die Höhlen
2 Die Ruine
3 Drachenfels
4 Die Karawane
5 Der Völkerberg
6 Drachenwald
7 Die Fahrt
8 Das Heer
9 Die Stadt der Elben
10 Die Zitadelle des Zauberers
11 Eisenstadt
12 Die Orkberge
13 Das Frühlingsfest
Danksagung

 

 

Der Rankendolch

 

Von Cara Osnik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

Erschienen 2022

© Cara Osnik – alle Rechte vorbehalten.

Stefanie Heidbrink

Pastorsesch 35

48159 Münster

Lektorat: Elena Schuppert

Coverart und Gestaltung: @schwesterdings

veröffenlicht über tolino media

 

 

 

Landkarte

 

 

1 Die Höhlen

 

Der frühe Wintereinbruch machte der kleinen Reisegruppe den Heimweg beschwerlich. Die Zwerge waren in helle Wollmäntel gehüllt, die sie ebenso vor der Kälte wie vor Entdeckung schützen sollten. Felsbrecher, der kräftigste von ihnen, bahnte eine Schneise durch den Schnee. Dahinter führte Hammerkopf ein stämmiges Pony am Zügel. Auf dessen Rücken saß Rosenstein, die sich mit beiden Händen am Sattelknauf festklammerte. Den Schluss bildete Griff, der es schon vor Stunden aufgegeben hatte, über diese - wie er es nannte - Irrsinnsreise zu schimpfen und seinen Atem sparte, um den Rucksack mit der Ausrüstung zu tragen.

Die Sonne war nicht mehr weit vom Horizont entfernt, als der Weg sich nach oben in die zerklüfteten Gipfel der Orkberge wand, die bis in die Wolken ragten.

»Wir müssen hier rasten, damit wir morgen das Orkgebiet an einem Tag durchqueren können«, sagte Hammerkopf.

»Hier sind wir doch völlig schutzlos«, widersprach Griff. »Der Wind wird uns über Nacht in Eiszapfen verwandeln. Wir müssen bis in die Berge hinein und uns eine Höhle suchen.«

»Mit wem möchtest du die Höhle denn teilen? Mit einem Bären oder einem Ork?«, fragte Hammerkopf.

»Ein toter Bär bringt Fleisch und Wärme, lass mich nur vorgehen, wenn du zu feige bist!«, gab Griff zurück.

Die Zwillingsbrüder starrten einander an, die Hände auf den Streithämmern an ihrer Seite. Rosenstein schmunzelte. Es sah aus, als würden sie mit ihren Spiegelbildern zanken.

»Wir gehen weiter«, entschied sie. »Ich habe die Kälte satt.«

»Wie Ihr wünscht, Herrin.« Hammerkopf zog das Pony weiter und brummelte seinen Protest in den dichten Bart.

Sie begannen den Aufstieg in die Gebirgskette, die das Reich des Bergvolkes von dem des Hügelvolkes trennte. Die Äste der Kiefern bogen sich unter der Last des ersten Schnees. Felsbrecher tastete bei jedem Schritt mit dem Fuß nach gefrorenen Pfützen oder hochgewölbten Baumwurzeln, die das Pony ins Straucheln bringen könnten.

 

Endlich erreichten sie die Baumgrenze. Im weichen Licht der tief stehenden Sonne breiteten sich vor ihnen die schneebedeckten Hänge aus. Selbst im Sommer überquerten die Zwerge nur ungern die kahlen Berge, in denen Orks den Reisenden auflauerten. Auf den alten Pfaden, die in den Stein gehauen waren, konnten kaum zwei Mann nebeneinander gehen. Der Winter hatte den Weg unter einer knietiefen Schicht Schnee versteckt.

Felsbrecher stapfte mit zusammengebissenen Zähnen voran. Der Schnee knirschte unter seinen Füßen. Er stutzte und blieb stehen. Es knirschte weiter. Der Boden gab unter ihm nach. Hammerkopf packte ihn von hinten und riss ihn zurück, sodass er rücklings im Schnee landete. Das losgetretene Schneebrett rutschte den Hang hinunter und riss Geröll mit sich.

»Der Weg ist weiter links«, sagte Hammerkopf trocken.

»Das sehe ich selbst.« Felsbrecher rappelte sich auf und klopfte sich den Schnee aus dem Mantel. Er ging dichter an der Felswand weiter. Rosensteins Knie schrappte fast am Felsen entlang, aber sie hatte Angst, das Pony könnte sich von der Wand wegbewegen, wenn sie das Bein fester andrückte.

 

Als die Dämmerung hereinbrach, machten sie Halt an einem Höhleneingang. Rosenstein stieg erleichtert ab und reckte sich. Der Rücken tat ihr weh und ihre Schenkel waren wundgescheuert, aber sie beschwerte sich nicht. Schließlich war sie der Grund dafür, dass sie hier durch den Schnee wanderten.

Felsbrecher nahm seine Streitaxt vom Gürtel und hielt sie schlagbereit. Er duckte sich unter den Eiszapfen am Eingang hindurch und verschwand in der Höhle, um sie auf Gefahren zu überprüfen.

»Niemand hier, ihr könnt reinkommen«, rief er kurz darauf. Die Höhle war kaum mehr als eine Einbuchtung im Felsen, nur wenige Schritte tief.

Hammerkopf schlug die Eiszapfen am Eingang ab und führte das Pony hinein. Felsbrecher und Griff schoben mit den Füßen Geröll und Schneewehen zur Seite, sodass sie sich hinlegen konnten. Griff holte mit Pech bestrichene Holzstücke aus dem Rucksack und zündete sie an. Das Feuer strahlte weithin sichtbar.

»Jetzt fehlen nur noch Trommeln, damit wirklich alle bemerken, dass wir hier sind«, stellte Griff fest. »Lasst es uns wenigstens etwas abschirmen.«

Sie formten einen kleinen Wall aus losen Steinen zum Höhleneingang hin, aber der Schein erhellte die Wand hinter ihnen. Sie wärmten die klammen Hände an den Flammen und ließen in einer Schale Eis zum Trinken auftauen. Hammerkopf verteilte Brot mit Schmalz, das sie schweigend aßen. Das Pony bekam einen Hafersack umgehängt. Zufrieden kaute es, die Kruppe zur Höhlenöffnung gedreht.

Griff übernahm die erste Wache. Die anderen wickelten sich, so eng sie konnten, in ihre Felle. Rosenstein zog ihren Zopf nach vorne und betrachtete das darin eingeflochtene schwarze Trauerband. Bekümmert dachte sie an die wenigen Besuche bei ihrer Mutter, seit sie Eisenklinge geheiratet hatte und zu ihm ins Hügelreich gezogen war. Ihre Mutter war die Einzige gewesen, die sie hätte um Rat fragen können, doch jetzt war es zu spät. In ein paar Tagen war sie wieder bei Eisenklinge und sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte.

Es war völlig still, nur gelegentlich hörte man ein leises Zischen, wenn ein Tropfen geschmolzenes Eis in die Glut fiel. Sie nickte ein.

 

Griff schüttelte Rosenstein heftig an der Schulter. Sie schreckte hoch. Ein Donner lag in der Luft wie bei einem aufziehenden Gewitter.

»Schnell, wir müssen weg, der Berg rutscht ab!« Er zerrte sie auf die Beine, und bevor sie wusste, wie ihr geschah, saß sie auf dem nackten Ponyrücken.

Sie krallte sich mit beiden Händen in die Mähne, um von den bockigen Galoppsprüngen nicht abgeschüttelt zu werden, als das verängstigte Tier den schmalen Pfad entlang stürmte, über den sie gekommen waren. Aufgewirbelte Eiskristalle fielen auf sie – erst feiner Staub, dann dickere Brocken. Die Lawine schob dem Pony die Beine unter dem Körper weg und riss es samt Rosenstein mit Schnee und Eisbrocken den Abhang hinunter.

Rosenstein versuchte, irgendwo Halt zu finden, aber die Schneemassen rollten und drehten sie, bis sie nicht mehr wusste, wo oben und wo unten war. Ihre Hände und Knie schürften über Steine. Sie stieß sich davon ab und schaffte es, den Kopf aus dem Schnee zu stecken, doch im nächsten Atemzug wurde sie wieder unter den Eismassen begraben. Ihr Kopf schlug gegen einen Stein und ihr Körper erschlaffte.

 

Als sie wieder zu sich kam, waren ihre Glieder taub vor Kälte und um sie herum war es stockfinster. Sie war im Schnee eingeschlossen. Rosenstein wagte nicht, sich zu rühren, um nicht weiter abzurutschen. Sie lauschte angsterfüllt in die Stille. Keine Schritte knirschten im Schnee, keine Stimme, die nach ihr rief. Die anderen mussten tot sein oder hatten sie zurückgelassen, weil sie dachten, sie wäre tot. Rosenstein atmete tief durch, um die aufsteigende Panik zu unterdrücken. Sie kam aus dem Bergvolk, kannte viele Geschichten über Lawinen und Verschüttete und hatte selbst kleinere Erdrutsche miterlebt. Ein Eisklumpen drückte ihr in die Seite. Sie bewegte sich vorsichtig, um dem Druck auszuweichen. Mühsam konnte sie sich ein bisschen Luft verschaffen. Sie wusste, sie hatte Glück, noch am Leben zu sein, und wenn sie sich nicht ganz vorsichtig bewegte, würde der Schnee über ihr sie erdrücken. Sie versuchte langsam, sich zu strecken, aber der Schnee ließ ihr nur wenig Platz. Mit den Händen schaffte sie sich etwas mehr Freiraum vor ihrem Gesicht. Endlich konnte sie den Kopf ein wenig bewegen und hauchte auf ihre kalten Finger. Sie lauschte noch einmal. Keine Rufe, aber auch kein Grummeln, das auf einen weiteren Schneerutsch hindeutete. Eisige schwarze Stille umgab sie.

Sie musste sich irgendwie befreien. Aber wo war oben, in welche Richtung sollte sie graben? Fieberhaft versuchte Rosenstein, sich zu erinnern, was ihr Großvater ihr dazu beigebracht hatte. Sie sammelte etwas Speichel im Mund und ließ ihn heraustropfen. Er lief über ihre linke Wange. Also war rechts oben. Ermutigt wischte sie sich den Speichel aus dem Gesicht und begann, mit den bloßen Händen zu graben, obwohl ihr die Eiskristalle in die aufgeschürfte Haut schnitten. Sie kratzte den Schnee über sich weg und drückte ihn in die Seiten ihres kalten Gefängnisses. Bald schon konnte sie den Oberkörper aufrichten. Doch als sie sich hinknien wollte, schrie sie vor Schmerz auf. Entsetzt befühlte sie ihre Beine. Ihr rechter Unterschenkel lag seltsam abgeknickt. Sie konnte die gebrochenen Knochen ertasten. Rosenstein wimmerte, zu geschockt, um laut zu schreien. Wie sollte sie jetzt heimkommen, allein und lahm? Sie schlang die Arme um sich und weinte in sich hinein.

 

Die Morgendämmerung warf einen schwachen Lichtschein durch den Schnee. Sie war also dicht unter der Oberfläche. Vielleicht konnte sie sich doch befreien? Mit zusammengebissenen Zähnen schob sie sich in eine sitzende Position. Sie fing wieder an, am Schnee über ihr zu kratzen, der Wintersonne entgegen. Bald konnte sie eine Hand nach draußen strecken. Weit entfernt knirschten Schritte im Schnee. Rosenstein fing an, aus Leibeskräften um Hilfe zu rufen. Sie riss sich die Mütze vom Kopf und schwenkte sie über dem Schnee herum. Die Schritte kamen näher. Jemand begann, den Schnee wegzuscharren. Sie legte ihre Arme vors Gesicht, um sich vor hinabfallenden Schneebrocken zu schützen. Eine Hand griff nach ihrem Arm.

»Ich wusste, ihr würdet mich finden«, sagte Rosenstein und sah zu ihrem Retter auf.

Ihre Miene erstarrte, als sie in das Gesicht eines Orks blickte, der seinen Fund aus dunklen Augen anglotzte. Einige Schneeflocken hingen auf der hellbraunen Haut des groben Gesichtes und sein kräftiger Kiefer war bartlos. Aus dunkelbraunen Haaren guckten die Ohren heraus, die nach hinten zu kurzen, vor Kälte geröteten Spitzen ausliefen. Sein massiger Körper steckte in einem Fellmantel, auf dem Eiskristalle glitzerten.

Der Ork packte sie vorn an ihrem Mantel und hob sie hoch. Am ausgestreckten Arm hielt er sie in der Luft und begann mit der anderen Hand, ihr den Schnee von der Kleidung zu klopfen.

»Lass das!«, rief sie und schob seine Pranke weg.

Sie umfasste mit beiden Händen die Hand, die sie hielt, und zerrte an seinen Fingern, um den Griff zu lösen. Er ließ sie sinken, aber sie schrie vor Schmerz, als ihr gebrochenes Bein den Boden berührte. Sofort zog er sie wieder hoch und tastete nach ihren Unterschenkeln. Sie wimmerte, als er auf die Bruchstellen drückte. Er schaute sie nachdenklich an, legte den Arm um sie und setzte sie sich auf die Hüfte wie ein Kleinkind. Sie griff in das Fell des Mantels und drückte sich vom ihm weg, aber er gab ihr einen derben Klaps auf den Kopf und knurrte. Sie hob beschwichtigend die Hände. Der Ork bückte sich. Vor Schreck klammerte sie sich fest. Er hob ihre Mütze auf, schüttelte den Schnee ab und reichte sie ihr. Rosenstein nahm sie verdutzt und zog sie wieder an. Er brummte etwas und stapfte mit ihr los. Sie schaute sich um, ob ihre Reisegefährten irgendwo zu sehen waren. Aber weit und breit entdeckte sie nur Schnee und einige Orks, die mit Stangen darin stocherten. Einer kam herüber, um sie näher zu betrachten. Er streckte die Hand nach ihr aus, aber der andere Ork machte einen Schritt rückwärts. Sie führten eine kurze, aus knurrigen Lauten bestehende Konversation, dann ging es weiter.

»Wohin bringst du mich?«, fragte Rosenstein. Er schaute sie an und nach einer kurzen Pause antwortete er mit dunkler Stimme: »Warm. Feuer.«

»Wirst du mich fressen?« Im nächsten Augenblick hätte sie sich ohrfeigen können für so eine dumme Frage.

Der Ork fletschte die Zähne und tief aus seiner Kehle kam ein abgehacktes Lachen. Mit schweren Schritten setzte er den Weg fort, tiefer ins Gebirge hinein. Die schaukelnde Bewegung und die Wärme seines Körpers lullten sie ein. Der Schmerz in ihrem Bein war zu einem dumpfen Pochen geworden. Ihr Kopf wurde schwer und sank in den Pelz seines Mantels.

Sie schreckte hoch, als er ihr die Mütze übers Gesicht zog. Sie schob sie zurück, aber er zog sie gleich wieder runter und befahl: »Nicht sehen!«

So ließ sie los und versuchte, an ihrer Nase herunter schielend etwas zu erkennen, aber mehr als seine Stiefel konnte sie nicht sehen. Bald wurde es dunkel um sie. Sie lauschte. Statt knirschendem Schnee hatte er nackten Stein unter den Sohlen. Er trug sie durch eine Gruppe von Orks, die sich unterhielten. Es war so eng, dass ihr Rücken einige von ihnen streifte, während er mit ihr in den Berg hinein ging.

 

Endlich setzte er sie ab und zog ihr die Mütze vom Kopf. Sie waren in einer Kammer, die aus dem Stein geschlagen worden war. Sie saß auf einem riesigen Holztisch, breit genug, um mehrere von ihrer Größe daraufzulegen. Neben ihr war der Fels bis zur Decke treppenförmig herausgeschlagen. Auf den Stufen standen Körbe, Holzschalen und tönerne Flaschen, daneben hing ein Kessel über einer Feuerstelle, in deren Asche noch Glutreste glimmten.

Der Ork nahm einige Holzspäne aus einem Korb und legte sie darauf. Vorsichtig pustete er, bis die ersten Flämmchen hochschlugen, auf die er mehr Holz stapelte, sodass das Feuer hell brannte. Der Rauch zog über einen breiten Riss in der Höhlendecke ab.

Eine Mauer aus unregelmäßigen Brocken trennte die Kammer im Felsen von der Haupthöhle ab. Aus der Mauer ragten Haken, an denen Messer, Zangen und andere Dinge hingen, über deren Verwendung sie nicht einmal nachdenken wollte. Ihr gegenüber verdeckte ein fleckiger Vorhang eine weitere Öffnung.

Der Ork war mit dem Feuer beschäftigt. Wenn sie schon als Mahlzeit enden sollte, wollte sie es ihm wenigstens nicht so leicht machen. Rosenstein zog sich vorsichtig über die glattgescheuerte Tischplatte Richtung Mauer herüber und versuchte, eins der Messer zu erreichen. Fast kam sie dran. Sie warf einen schnellen Blick auf den Ork, um zu sehen, ob er immer noch mit dem Feuer zugange war. War er nicht. Er hatte sich aufgerichtet und schaute ihr zu, bequem an die Wand gelehnt und offensichtlich amüsiert. Ertappt zog sie die Hand zurück. Er kam zu ihr.

»Was wirst du mit mir tun?«, fragte sie.

»Bein sehen.« Er deutete auf ihre Unterschenkel. »Mache gut.« Er griff nach ihren Beinkleidern, um sie herunterzuziehen. Empört ohrfeigte sie ihn. Verdutzt zog er die Hände zurück und starrte sie an. Sie wagte kaum zu atmen.

»Tut mir leid,« brachte sie heraus.

Der Ork ging er um den Tisch herum zur Wand und nahm sich ein Messer.

Rosenstein geriet in Panik. »Tut mir leid, tut mir leid, bitte nicht!«

Er packte ihren rechten Fuß, zog den Schuh ab, setzte das Messer an und schnitt das Hosenbein bis übers Knie auf. Ihr Bein war rot und blau angelaufen und geschwollen. Ein Stück Knochen schaute aus einem Klumpen geronnenen Blutes heraus. Bei dem Anblick wurde Rosenstein flau im Magen.

Der Ork schaute eine Weile nachdenklich auf ihr Bein, bevor er zur Feuerstelle ging. Mit einer Axt schlug er einige Holzscheite zurecht und kam zurück, um Maß zu nehmen. Sie konnte es kaum fassen. Er wollte ihr Bein schienen! Und sie hatte gedacht, sie wäre in der Küche gelandet. Rosenstein seufzte erleichtert auf. Der Ork musterte sie kurz und fuhr fort, das Holz zurecht zu schnitzen. Prüfend ließ er die Fingerspitzen darüber gleiten und schnitt mit einem gebogenen Messer noch kleine Unebenheiten weg. Er legte die Stücke links und rechts von ihrem Bein ab und holte einen Stoffwickel.

Er zeigte auf den Bruch. »Tut weh.«

»Ja, natürlich tut das weh. Was denkst du ... ah!«

Der Ork hatte Knie und Fuß umfasst und auseinandergezogen, um die Knochen zu richten. Sie hörte erst auf, zu schreien, als er das Bein losließ. Das Knochenstück war nicht mehr zu sehen, aber ihr Bein war immer noch krumm. Als er für noch einen Versuch zufasste, schlug sie ihm weinend auf die Hände. Er schaute in ihr Gesicht, wischte ihr mit einem Finger eine Träne von der Wange und betrachtete seine feuchte Fingerspitze.

»Warte.« Er drehte sich um und ging hinaus.

»Na gut«, sagte sie in die leere Höhle, »weil du so nett fragst, warte ich gerne.«

Sie schob sich vorsichtig herum, um den Höhleneingang besser im Blick zu haben. Von draußen fiel ein schwaches Licht herein, das gelegentlich von Schatten vorbeigehender Orks unterbrochen wurde. Ein fremder Ork steckte den Kopf herein, schaute sich suchend um, musterte sie kurz, knurrte und ging zu ihrer Erleichterung wieder.

 

Das Feuer war zu Glut zusammengefallen, als der Ork in Begleitung eines anderen wiederkam. Der zweite Ork war kleiner, schmächtiger und deutlich älter. Er musterte Rosenstein von oben bis unten und tastete vorsichtig an ihrem gebrochenen Bein herum. Sie sog scharf die Luft ein, aber schaffte es, nicht zu schreien.

In ihrer kehligen Sprache erörterten die beiden anscheinend das Problem. Wenn Rosenstein sich nicht ganz gewaltig täuschte, wurde ihr Ork ausgeschimpft wie ein Kind. Er zog den Kopf ein und brummelte nur leise.

Der kleine Ork holte ein Stückchen Holz und schob es Rosenstein zwischen die Zähne. Sie biss darauf, so fest sie konnte. Der große Ork zog wieder, während der kleine an ihrem Bein herumdrückte, die Schienen anlegte und festschnürte. Als der Verband endlich saß, spuckte Rosenstein erleichtert das Holz aus. Es landete in ihrem Schoß, mit deutlichen Abdrücken ihrer Zähne. Der kleine Ork tätschelte ihr kurz die Schulter und schlurfte hinaus.

Der andere stand vor ihr und machte eine schaufelnde Geste vor dem Mund. »Futter?«

An Essen hatte sie schon ewig nicht mehr gedacht. Aber jetzt, wo er es sagte, ja, sie hatte einen Riesenhunger, also nickte sie. Er wandte sich gerade ab, da rief sie ihm hinterher: »Ork!« Er drehte sich zu ihr um. »Ich bin Rosenstein.« Sie klopfte vor ihre Brust. »Rosenstein.« Sie deutete auf ihn. »Und wie heißt du?«

Er klopfte auf seine Brust. »Jarbadur. Bin Jarbadur.«

»Jarbadur, ich danke dir für deine Hilfe.« Sie lächelte ihn zaghaft an.

Er nickte knapp, ohne eine Miene zu verziehen, wandte sich zu dem Treppenregal um und nahm eine kleine Schüssel und einen Leinenballen heraus, aus dem er einen halben Brotlaib auswickelte. Mit einem grobzahnigen Messer schnitt er eine Scheibe ab und strich eine dunkelbraune Schmiere aus der Schüssel darauf. Es sah wenig vertrauenerweckend aus, aber sie nahm es mit einem angestrengten Lächeln entgegen und biss zaghaft an einer Ecke hinein. Das Brot war altbacken, aber die Paste stellte sich als süß und fruchtig heraus. Mutiger geworden nahm sie einen größeren Bissen und wendete ihn im Mund hin und her. Die braune Paste schmeckte nach Äpfeln, eindeutig.

Jarbadur saß ihr gegenüber auf einem Hocker, den er unter dem Tisch hervorgezogen hatte, und aß eine dicke Scheibe, auf die er Schmalz gestrichen hatte. Er stand auf und holte zwei hölzerne Becher. Einen stellte er vor Rosenstein ab. Aus einem Tonkrug goss er ihr und sich etwas zu trinken ein. Der Becher war so groß, dass sie ihn mit beiden Händen halten musste, aber das Wasser war klar und frisch. Sie trank gierig.

Jarbadur setzte sich wieder. Da Rosenstein noch auf dem Tisch saß, waren sie fast auf Augenhöhe. »Warum hilfst du mir?«, wollte sie wissen.

»Ich lerne gut machen.« Sie sah ihn verwirrt an. Er suchte nach einem anderen Wort und benutzte schließlich eins aus der Menschensprache: »Heilkunst.«

Wie ein Heiler sah er nun wirklich nicht aus. Sie hatte bisher nur von Orkkriegern gehört und sich noch nie Gedanken darüber gemacht, dass Orks auch andere Berufe ausüben könnten.

Er deutete auf ihre Beine und sagte noch mal: »Gut machen.«

Sie nickte und wiederholte zum Zeichen, dass sie verstanden hatte, das Menschenwort: »Heilkunst. Ich verstehe die Menschensprache. Zu meinem Vater kamen oft menschliche Händler, deshalb hat er darauf bestanden, dass ich die Sprache lerne.«

Jarbadurs Miene hellte sich auf. »Das ist gut. Die Menschensprache kann ich besser als die der Zwergenvölker. Die Heilerin meinte, deine Knochen werden gut zusammenwachsen. Du wirst sehen, bald kannst du wieder laufen.«

Rosenstein starrte ihn verblüfft an. Sie hatte ihn wegen seiner Ausdrucksweise für nicht sehr klug gehalten und fühlte sich jetzt selbst ziemlich dumm.

»Woher kannst du das?«

»Unsere Heilerin unterrichtet mich schon seit zwei Jahren.«

Sie nickte, wollte aber etwas ganz anderes wissen. »Und die Sprachen?«

»Von Menschen. Und einer Zwergin.«

»Wo hast du sie kennengelernt? Wie war ihr Name?«, fragte sie überrascht.

Jarbadur stand abrupt auf und räumte wortlos Becher und Essensreste weg. Anscheinend war das Gespräch beendet. Hatte sie etwas Falsches gesagt? Nun, da er wohl nicht die Absicht hatte, sie zu töten, hatte sie ja noch Zeit, mehr über ihn herauszufinden.

Jarbadur gähnte und steckte sie damit an. »Na komm, gehen wir schlafen.«

Er kam zum Tisch und hob sie hoch. Vorsichtig trug er sie zur Nische und legte sie auf die Felle. Das Stroh darunter raschelte. Hinter dem Vorhang holte er eine Filzdecke hervor, mit der er Rosenstein zudeckte. Er zog seine Stiefel aus, legte sich neben sie, drehte sich auf die Seite, bewegte sich noch kurz und schlief ein.

Rosenstein schaute auf seinen Rücken, der sich in gleichmäßigen Atemzügen hob und senkte. Außer mit Eisenklinge hatte sie noch nie mit jemandem im gleichen Bett geschlafen. Bald würde die Glut verlöschen und sie wäre im Stockdunkeln mit ihm. Es war ihr schrecklich unangenehm, in einem Bett mit ihm zu liegen.

Sie zog die Decke, so gut sie konnte, um sich und versuchte, eine Position zu finden, in der ihr Bein nicht so weh tat. Das Feuer brannte herunter. Sie starrte und lauschte in die Dunkelheit. Die Geräusche von den anderen Orks wurden leiser und der schwache Lichtschein erstarb, während sich Stille ausbreitete.

Obwohl sie völlig erschöpft war, kam ihr Kopf nicht zur Ruhe. Sie fragte sich, was mit den anderen geschehen war. Ob einer es geschafft hatte, der Lawine und den Orks zu entkommen, und Hilfe holte? Oder hielten sie sie für tot? Wahrscheinlich taten sie das. Und was hatte der Ork mit ihr vor, wenn ihr Bein erst geheilt war? Jedes Kind kannte Geschichten über die heimtückischen Orks, die nachts kamen und die unartigen Kinder holten. Das konnte sie noch als Märchen abtun, aber wenn die Alten von strengen Wintern erzählten, in denen Orks über sie hergefallen waren und jeden getötet und gefressen hatten, der ihnen in die Hände fiel, stand echte Angst in ihren Augen geschrieben. Nur wenige hatten die Massaker überlebt, zumeist Kinder, die sich in winzige Verstecke retten konnten und hilflos mit ansehen mussten, wie ihre Eltern in Stücke gerissen wurden.

Sie dachte an die Heiler in der Heimat. Sie begannen ihre Ausbildung an Tieren, die sie pflegten und nach gelungener Behandlung den Besitzern zurückgaben. Wurden die Tiere nicht gesund oder blieben sie verkrüppelt, schlachtete man sie. Auch wilde Tiere wurden getötet, wenn man an ihnen lebend nichts mehr lernen konnte. Danach schnitten die Lehrer sie auf und erklärten ihren Schülern die inneren Organe.

Rosenstein erinnerte sich an ein Rehkitz, das sich ein Bein gebrochen hatte. Die Heilerin, die es gefunden hatte, war ihre kleine Schwester Lilienstein. Sie hatte das Bein geschient und das Kitz mit Kuhmilch gefüttert. Schon bald war es zahm, folgte ihr humpelnd überall hin und ließ sich von den Kindern streicheln. Aber das Bein wuchs schief zusammen. Das Reh humpelte noch und so bekam sie nach einigen Monaten den Befehl, das Tier zum Schlachten zu bringen. Lilienstein war verzweifelt zu ihr gekommen. In einer tränenreichen Nacht schmiedeten sie einen Rettungsplan. Bei der ersten Dämmerung brachen sie heimlich auf und brachten das Reh in den Wald, wo sie es freiließen, damit es wenigstens eine Chance hatte. Es dauerte nur wenige Tage, bis Jäger ihr das zernagte Bein mit dem schief verwachsenen Knochen brachten. Wölfe hatten das Reh aufgestöbert und mühelos erbeutet. Nach dieser bitteren Lektion gehorchten die Schwestern ihren Lehrern.

Jarbadur schnaufte im Schlaf und drehte sich herum, dann lag er wieder still.

War sie für ihn eine Art Übungstier? Ob er sie gehen lassen würde, wenn ihr Bein geheilt war? Sie hoffte, dass die Knochen gerade zusammenwuchsen. Die Vorstellung, ihren anspruchsvollen Ehemann in Zukunft humpelnd begleiten zu müssen, war grauenhaft.

Endlich übermannte sie die Erschöpfung und sie schlief ein.

 

Als sie aufwachte, hatte sie ein viel dringenderes Problem. Ihre Blase war zum Platzen voll, und wenn sie nicht bald Wasser lassen konnte, würde sie sich wie ein Kind die Hosen nass machen. Aber wie und vor allem, wo? Sie schämte sich, den Ork deshalb zu wecken, und so zog sie sich vorsichtig an ihm vorbei aus dem Bett. Mühsam kletterte sie über das Brett, das das Stroh in der Nische hielt und krabbelte auf Händen und Knie auf die Höhlenöffnung zu, den geschienten Unterschenkel hinter sich herziehend. Vor der Höhle verlief ein Weg, gerade breit genug, dass zwei Orks aneinander vorbeigehen konnten. Sie kroch zum Rand und spähte hinunter.

Die Haupthöhle reichte tief ins Erdinnere. Gemeißelte Wege zogen sich an den graubraunen Wänden entlang. An manchen Stellen teilten sie sich und zogen nach oben und unten. Aus einigen Höhlennischen leuchtete Flammenschein. Es schien noch früh am Morgen zu sein, denn sie hörte kaum einen Laut, nur entferntes Schnarchen und leise Stimmen in der kehligen Sprache der Orks aus einer Nische unterhalb von ihr. Sie konnte die Herdfeuer riechen und die Ausdünstungen der Leiber, aber die Luft war für eine Höhle erstaunlich frisch. Sie schaute nach oben. Durch eine Öffnung in der Decke schien fahles Morgenlicht.

Plötzlich wurde sie gepackt und hochgerissen. Ein wütender Ork brüllte sie an. Sie schrie wie am Spieß. Sofort war Jarbadur da und entriss sie ihm. Die beiden brüllten sich an, bis der andere Ork sich umdrehte und brummelnd verschwand. Jarbadur trug sie in seine Höhle zurück und setzte sie unsanft auf dem Tisch ab.

»Was hast du dir nur dabei gedacht! Glaubst du, du kannst unsere Höhlen ausspionieren und auf den Knien nach Hause kriechen?« Rosenstein starrte ihn mit Tränen in den Augen an. Alle Dämme brachen. Sie schluchzte und schlug die Hände vors Gesicht, als sich unter ihr eine warme Pfütze ausbreitete.

 

Gegen Mittag saß Rosenstein in eine Wolldecke gewickelt an dem wuchtigen Tisch auf einem Hochsitz. Ihre Hose hing zum Trocknen auf einer Leine, die zwischen zwei Tischbeinen gespannt war. Sie schwieg und studierte die Holzmaserung der Tischplatte. In ihrer Erziehung hatte sie viel über gutes Benehmen in allen möglichen Situationen gelernt, aber wie man seine Würde bewahrte, wenn man sich von einem Ork aus einer eingenässten Hose helfen lassen musste, hatte nicht dazu gehört.

Am Vormittag hatte Jarbadur ihre neue Sitzgelegenheit mit einem anderen Ork zusammengezimmert. Sie hatte eine Lehne und unten ein Brett, auf dem sie die Füße abstellen konnte, sodass sie bequem saß. In der Ecke stand ein niedriges Gestell, darunter befand sich eine Schale mit Deckel, die ihr als Toilette dienen sollte.

Jarbadur stellte eine Schüssel mit schmutzigen Rüben vor sie und gab ihr eine Wurzelbürste. Zögernd nahm sie sie entgegen. »Was soll ich damit tun?«

»Na, den Sand abbürsten, oder möchtest du den vielleicht mitessen?«

Rosenstein wischte mit der Bürste ungelenk auf der Knolle herum. Jarbadur sah ihr eine Weile dabei zu. »Du musst schon fester schrubben, wenn der Sand abgehen soll«, sagte er schließlich.

»Ich habe so etwas noch nie gemacht«, gab Rosenstein zu.

»Wieso nicht? Esst ihr keine Rüben?«

»Wir haben Diener für solche Aufgaben. Ich bin eine Dame«, erklärte sie.

»Und Damen müssen nicht kochen, ja? Was machen Damen denn?«

»Wir leiten die Diener an, führen Konversationen und treffen Entscheidungen.«

»Wenn du essen willst, hilf beim Kochen«, entgegnete Jarbadur unbeeindruckt. Rosenstein schluckte und bürstete die Rüben kräftig ab.

Jarbadur rührte einen Topf um, in dem getrocknetes Fleisch in Wasser kochte. Er hatte einige Kräuter hineingegeben, die einen aromatischen Duft in der Höhle verbreiteten.

Als auch die Rüben im Wasser garten, setzte er sich neben sie. Er rieb seine Finger aneinander und schaute auf den Tisch. Rosenstein hatte das ungute Gefühl, dass ihr nicht gefallen würde, was er ihr zu sagen hatte.

»Wir Orks und ihr Zwerge sind nie gut miteinander ausgekommen«, begann er, was eine ziemliche Untertreibung war. »Die anderen wollen dich nicht hier haben. Sie dulden dich in meiner Höhle, aber wenn du sie verlässt, werden sie dich töten. Sie wollen nicht, dass du die Wege durch unsere Höhlen kennst.«

»Was wird denn aus mir werden, wenn meine Beine geheilt sind? Wirst du mich gehen lassen?«, fragte Rosenstein bange.

Jarb studierte angestrengt seine Finger. »Wir werden sehen. Den Winter über bleibst du erstmal bei mir.«

Er warf ihr einen kurzen Blick zu und sah wieder auf seine Hände. Schließlich stand er auf. »Das Essen ist fertig.«

Kurz darauf stellte er eine dampfende Holzschale vor ihr ab, in der Fleisch- und Rübenstücke schwammen, und reichte ihr einen Holzlöffel. Der war viel zu groß für ihren Mund. Ebenso wie Fleisch und Rüben. Er kratzte sich am Kopf, als er das Problem erkannte. Aus seinen Sachen suchte er ihr ein kleines Messer, das für sie zwar auch noch recht unhandlich war, aber so konnte sie etwas mit der Spitze aufspießen und abbeißen.

Sie aßen schweigend. Die Brühe war herrlich würzig, aber das Fleisch furchtbar zäh. Mühsam kaute sie die Stücke. Jarbadur zerbiss sie mit Leichtigkeit.

 

Der Winter war bei allen Völkern die Zeit, in der man Liegengebliebenes erledigte, Reparaturen ausführte und sich so wenig wie möglich aus der Wärme heraus bewegte. Jarbadur sah in den folgenden Tagen seinen Hausrat durch. Als Erstes nahm er sich seine Rüstung und Waffen vor, die zu jemandem, der Heiler sein wollte, nicht wirklich zu passen schienen, aber Rosenstein verkniff sich jede Bemerkung darüber. Sorgfältig schliff er Schwert und Axt und rieb die Lederteile seiner Rüstung mit Fett ein. Sie bekam die Küchenutensilien vorgesetzt, polierte Messer und ölte Schneidbretter, Schalen und Becher. In einen kleinen Löffel und eine Gabel, die der Ork für sie geschnitzt hatte, massierte sie besonders gründlich das Öl ein.

 

Gelegentlich kam der alte Ork vorbei, der geholfen hatte, ihr Bein zu richten. Die Zwergin fragte sich jedes Mal, woran man erkennen konnte, dass sie eine Orkfrau war, wie Jarbadur ihr verraten hatte. Sie hieß Rrorra und der Name wurde so weit hinten im Mund gesprochen, dass er wie ein Knurren klang. Sie half beim Verbandswechsel und tastete manchmal Rosensteins Bein ab, um daraufhin etwas zu brummeln, und ihr auf die Schulter zu klopfen.

Es kamen auch andere Patienten, um sich von Jarbadur behandeln zu lassen. Sie ignorierten Rosenstein, während er Gelenke einrenkte, Wunden verband oder Kräuter und Salben anrührte. Sie fragte sich, gegen wen die Orks gekämpft hatten, die mit frischen Wunden kamen, und weshalb sie anders aussahen als Jarbadur. So unterschiedlich die Orks auch waren, was die Länge ihrer Ohrenspitzen und die Farbe ihrer Haut anging, hatte keiner von ihnen so helle Haut und kurze Ohren wie er. Sie hätte ihn gern danach gefragt, aber er schien nie groß in Stimmung zum Reden zu sein, und sie wusste nicht, ob das eine zu persönliche Frage war. Überhaupt fehlten ihr Gespräche, das einfache Geplauder ihrer Freundinnen und ein bisschen Klatsch. Wenn sie an Eisenklinge dachte, der krank sein musste vor Sorge, hätte sie sich am liebsten in eine Ecke verkrochen, um zu weinen, aber sie war nie lange allein und so riss sie sich zusammen. Bestimmt war er schon auf der Suche nach ihr. Sie musste durchhalten.

 

In einer Nacht schlief Jarbadur sehr unruhig. Seine Hände und Beine zuckten und er murmelte: »Aranka, das Feuer«. Er wälzte sich herum, bis er auf Rosensteins verletztem Bein lag. Sie boxte ihn und schrie ihn an, damit er aufwachte. Benommen sah er sie an und rückte von ihr ab. Stöhnend rieb sie ihr schmerzendes Bein.

Am nächsten Tag waren die Schmerzen wieder schlimmer. Jarbadur rieb ihr Bein mit einer Kräutersalbe ein und legte die Schienen wieder an. Den Rest des Tages war er verschwunden.

Erst am Abend kehrte er mit einem anderen Ork zurück. Sie trugen eine flache, mit Stroh gefüllten Kiste, auf der eine alte Decke lag. Der andere Ork war nur einen Kopf größer als Rosenstein. Seine kindlichen Gesichtszüge strahlten vor Begeisterung, als er die Zwergin aus der Nähe betrachten konnte und auch Rosenstein musterte ihn interessiert. Sie hatte noch nie ein Orkkind gesehen. Die Spitzen seiner Hauer überragten kaum die Unterlippe und anscheinend war er noch nicht daran gewöhnt, denn er spielte mit der Zunge an ihnen und zog die Lippe darüber. Als er nach ihrem Zopf griff, der nach vorn über ihre Schulter hing, wich sie zurück.

Jarbadur knurrte etwas und das Kind ließ die Hand enttäuscht sinken. »Das ist Grakor. Er ist schon längst aus seinem Bett herausgewachsen. Du kannst es haben, solange du hier bist.«

Sie nickte ihm freundlich zu und sagte: »Bitte sag ihm, dass ich mich dafür bedanke.«

Jarbadur übersetzte und Grakor grinste sie fröhlich an. Auf einen Stups von Jarbadur hin ging er, nicht ohne sich noch mal umzudrehen und den Blick neugierig über sie schweifen zu lassen.

Ihr neues Bett fand seinen Platz unter dem Tisch. Ein frischer Duft ging von dem Stroh aus. Sie schnupperte daran und überlegte, woher sie den Geruch kannte.

»Das ist Wanzenkraut«, sagte Jarbadur, der sie beobachtet hatte. Auf ihren fragenden Blick erklärte er: »Damit kein Ungeziefer ins Stroh kommt.«

Rosenstein verzog das Gesicht. An so etwas wollte sie gar nicht denken. Sie kuschelte sich in die Decke und genoss die neue Privatsphäre.

 

Einige Tage später brachte Jarbadur eine mit Schnitzereien verzierte Truhe mit. »Die haben wir mal gefunden. Vielleicht ist etwas drin, was du brauchen kannst.«

Eine Staubschicht bedeckte die Truhe. Als Rosenstein darüber wischte, kamen ein einfaches Muster und ein paar dunkle Flecken zum Vorschein, die verdächtig nach getrocknetem Blut aussahen. Jarbadur öffnete den Deckel. Der Inhalt war durcheinander, als hätte jemand in der Kiste herumgewühlt. Zwischen zerknüllten Stoffen lag ein Tonkrug mit abgebrochenem Henkel. Zuerst zog Rosenstein eine graue Wolldecke heraus. Darunter lag ein kleiner Schuh, gerade passend für einen Zwerg. Sie stellte ihn zur Seite und suchte nach dem zweiten. Sie fand eine Gabel, ein Buch, einen Tonbecher, einen Löffel und einen Gürtel.

»So geht das nicht«, befand sie und gemeinsam breiteten sie den gesamten Inhalt der Truhe auf dem Höhlenboden aus.

Die Stoffbündel stellten sich überwiegend als Kleidungsstücke heraus. Es gab schlichte Kleider, Hemden aus fest gewebter Wolle und Hosen aus Leder, die Rosenstein passten. Sie entdeckten auch einige Leinentücher, ein Schlafhemd und einen Satz Nähnadeln. Der zweite Schuh lag am Boden der Truhe in einer Schüssel. Es gab noch einige Teller, mehr Besteck und Becher, dazu eine Menge Scherben, zwei zerrissene Bücher und ein fast unbeschädigtes. Auch eine Pfanne mit verbogenem Griff und ein Topf mit Delle kamen zum Vorschein. Zuletzt fand Rosenstein eine leere Messerscheide mit Gürtelschlaufe.

Als sie die graue Decke ausbreitete, um zu sehen, wie groß sie war, rutschte ein Kleid dazwischen hervor. Der zarte, cremeweiße Stoff war mit filigranen Stickereien verziert, die dem Kleid trotz des schlichten Schnitts ein edles Aussehen verliehen.

Rosenstein schloss die Truhe und schaute sich das Muster auf dem Deckel genauer an. Es war das gleiche wie auf dem Kleid. Sie hatte die Aussteuerkiste einer jungen Zwergin aus einer weniger gut gestellten Familie vor sich. Niemand verlor so etwas. Sie konnte sich ungefähr vorstellen, wie die Truhe in den Besitz der Orks gekommen war, und hoffte, dass die Blutstropfen darauf nicht von der Braut oder ihrem Bräutigam stammten.

 

Am nächsten Tag kam der größte Ork in die Höhle, den Rosenstein je gesehen hatte. Er überragte Jarbadur fast um einen Kopf und war mit absurd dicken Muskeln bepackt, die sich unter seiner graubraunen Haut abzeichneten. Aus einer tiefen Schnittwunde über dem linken Auge lief ein Rinnsal frischen Blutes, das gerade erst anfing zu trocknen. Seine Augen waren schwarz, ebenso das dünne Haar, das in Strähnen auf seine Schultern hing. Das Nasenbein hatte mehrere Knicke. Die Ohren liefen nach hinten in lange Spitzen aus. Er hatte große, gelbliche Zähne. Die Eckzähne des Unterkiefers überragten die Lippen. Auf der linken Seite war der untere Zahn halb abgebrochen. Der Ork schien den Schauergeschichten entsprungen zu sein, die Rosenstein aus Kindertagen kannte. Er musterte sie aufmerksam und stieß einige Knurr- und Grunzlaute aus. »Krovadur möchte wissen, warum du im Winter in unserem Land unterwegs warst«, übersetzte Jarbadur.

»Ich war auf dem Weg zu meinem Ehemann. Ich hatte meine Familie auf der anderen Seite des Gebirges besucht.« Jarbadur übersetzte. Der Ork knurrte. »Warum heiratet eine vom Bergvolk einen vom Hügelvolk und warum reist du im Winter?«

»Meine Mutter ist gestorben. Ich war da, um sie zur Ruhe zu betten. Der Winter kam zu früh dieses Jahr.«

Krovadur griff nach ihrem Zopf und betrachtete das eingeflochtene schwarze Band.

»Hieß deine Mutter Blumenfels?«, fragte er in der Menschensprache.

Rosenstein schnappte vor Schreck nach Luft. »Woher weißt du das?«

Jarbadur schaute verwundert zwischen ihnen hin und her.

Krovadur lachte. »Da hast du dir ja hohen Besuch in die Höhle geholt. Dein Gast ist die Tochter von Hartenfels, dem König des Bergvolks, und die Frau von Eisenklinge, dem König des Hügelvolkes. Du teilst dein Heim mit einer echten Königin.« Spöttisch deutete er eine Verbeugung an.

Jarbadur musste die Neuigkeiten erst einmal verdauen.

»Woher weißt du so viel über die Alten Völker?«, fragte Rosenstein. Sie wusste, dass manche Orks bei den Menschen arbeiteten, aber die Zwerge hatten nichts mit ihnen zu schaffen.

»Das hättest du einem dummen Ork nicht zugetraut, was?« Der Ork fletschte die Zähne zu einem Grinsen. Ein Blutstropfen löste sich von seinem Kinn und tropfte auf den Boden.

»Du blutest«, sagte Rosenstein. Der Ork knurrte und Jarbadur begann, Verbandsmaterial zusammenzusuchen. Der Schnitt war tief und reichte bis in das Augenlid hinein. Es fing stärker an zu bluten, als Jarbadur die Wunde reinigte. Schnell presste er ein Tuch darauf, aber kaum nahm er es weg, tröpfelte wieder schwarzrotes Blut zu Boden. Er wickelte eine Bandage darum, aber sie färbte sich sofort dunkel und kurz danach triefte das Blut aus dem Verband. Rosenstein merkte, dass Jarbadur immer nervöser wurde.

»Du könntest den Schnitt nähen«, schlug sie vor.

Jarbadur schaute sie verblüfft an. Der Ork taxierte sie eine Weile und nickte knapp. Jarbadur ging das Nähzeug holen, das Rosenstein in der Truhe gefunden hatte. Mit den Fingerspitzen nahm er eine Nadel heraus und probierte, einen Faden in das winzige Öhr zu fädeln. Nach einigen Versuchen warf er beides auf den Tisch. Die Nadeln waren zu fein für Orkhände.

»Ich kann das«, sagte Rosenstein.

Viel mehr, als Taschentücher mit einem Spitzensaum zu verzieren, hatte sie nie gemacht, aber sie wollte den arroganten Ork beeindrucken und jetzt gab es kein Zurück mehr. Sie nahm die Nähsachen und fädelte geschickt den Zwirn in die Öse ein. Krovadur beugte sich zu ihr. Er starrte sie grimmig an. Beim ersten Versuch schaffte sie es nicht einmal, mit der Nadel die Haut zu durchstoßen. Als sie stärker drückte, bog sich die Nadel um.

Rosenstein suchte mit rotem Kopf eine scharf geschliffene, gebogene Nadel, wie man sie für Leder verwendete, heraus und setzte noch einmal an. Ihre Hände zitterten vor Aufregung und sie musste sie an Krovadurs Stirn abstützen, um die Nadel anzusetzen. Das funktionierte, obwohl die Haut durch das Blut glitschig war. Stich für Stich zog sie die Wunde zusammen. Mit unbewegter Miene ließ der Ork die Prozedur über sich ergehen, den Blick starr auf sie gerichtet. Nur als sie am Augenlid die Nadel durchstach, zuckte er leicht. Schließlich war die Wunde geschlossen und die Blutung zu einem schwachen Tröpfeln zurückgegangen. Die Naht war nicht schön, aber sie hielt. Innerlich tat Rosenstein Abbitte bei ihrer Lehrerin, die sie in ihrer Jugend mit dem verhassten Nähunterricht gequält hatte.

Jarbadur machte erneut einen Verband, der auch die letzten Tropfen stoppte. Der Ork schnaubte und erhob sich, musterte sie noch einmal von Kopf bis Fuß, grunzte und ging.

»Mein Vater ist mit deinen Nähkünsten sehr zufrieden.«

»Das ist dein Vater? Du siehst ihm gar nicht ähnlich.«

Sein Gesicht verfinsterte sich.

»Ich seh aus wie ich«, sagte er knapp und ging zum Feuer.

 

Am nächsten Morgen begleitete Jarbadur seinen Vater zu Rrorra, um die Augenwunde untersuchen zu lassen. Sie nahm den Verband ab und schaute, wie viel Blut im Stoff war. Dann nahm sie die Wunde selbst in Augenschein, drückte brummelnd daran herum, bis sie leicht aufplatzte und blutete, schnupperte, ob es faulig roch, und zog das dick geschwollene Augenlid hoch, um den Augapfel anzuschauen. Jarbadur wartete ungeduldig auf ihr Urteil.

»Wie schlimm ist es?«, wollte auch Krovadur wissen.

»Ein übler Schnitt. Das hätte dich fast das Auge gekostet. Du solltest Axthiebe besser nicht mit dem Schädel parieren.« Rrorra grinste.

Krovadur brummte beleidigt. »Zieh diese Fäden raus, ich kann kaum was sehen, so fest hat der Zwerg es zugenäht.«

»Das tue ich nicht.« Entschieden schüttelte sie den Kopf. »Ohne die Naht würde sich eine dicke Narbe bilden und das Lid ständig über dem Auge hängen. Aber so wirst du wieder gut sehen können, wenn die Schwellung weg ist. Die Kleine hat es gut gemacht.« Sie nickte anerkennend.

Jarbadur seufzte erleichtert auf. Sein Vater warf ihm einen tadelnden Blick zu. »Hattest du Angst, dass sie mein Auge kaputtgemacht hat? Zeig niemals Angst, egal, was kommt. Gefühle sind eine Schwäche. Orks sind nicht schwach, verstanden? Du bist viel zu sehr wie deine Mutter.«

»Wie kann ich wie meine Mutter sein, ich kenne sie ja nicht einmal!«

»Das wird auch so bleiben. Sie wollte dich nicht und wird dich nie wollen.«

»Vielleicht würde sie ihre Meinung ändern, wenn sie mich kennenlernen könnte. Warum sagst du mir nicht endlich, wer sie ist?«

Krovadur brummte ärgerlich. »Sie wäre nicht gut für dich.«

»Das kann ich selbst entscheiden. Ich bin kein Kind mehr! Hier werde ich nur deinetwegen geduldet.«

Krovadur sprang auf. »Du gehörst zu uns, egal, wie viel Schande du uns bereitest.«

Jarbadur starrte seinen Vater wütend an. Der fixierte ihn mit finsterem Blick.

Rrorra beobachtete die beiden und wich zurück, soweit es möglich war. Jarbadur biss die Zähne zusammen und ballte die Fäuste. Krovadur erwiderte seinen Blick regungslos. Schließlich wandte Jarbadur sich ab und stapfte hinaus. Auf dem Weg zu seiner Höhle schlug er immer wieder mit der Faust gegen die Wand.

 

Am ersten sonnigen Tag nach einer Woche Schneefall suchte Jarbadur mit ernster Miene seine Rüstungsteile und Waffen zusammen.

»Was ist los?«, fragte Rosenstein besorgt. »Werdet ihr angegriffen?«

»Mein Vater hat entschieden, dass ich mehr Kampftraining brauche. Er erlaubt, dass ich dich mitnehme. Du kannst Verbände machen.« Er breitete eine Decke über ihr aus und nahm sie hoch.

 

Als er das Tuch wegzog, waren sie in einer Höhle, etwa dreißig Orkschritte breit. Rundum lief eine Stufe aus Stein, so hoch, dass Rosenstein sie selbst ohne gebrochenes Bein nicht hätte erklettern können. Einige der Orks, denen die Stufe nur bis zur Hüfte reichte, saßen wartend darauf, andere standen bequem angelehnt davor, ihre Waffen in der Hand. Auf dem Boden bedeckte Eis die Pfützen. In der Mitte lagen moosbewachsene Felsbrocken, die eine Haube aus Schnee trugen. Darüber klaffte ein großes Loch im Höhlendach. Rosenstein musterte es skeptisch. Offenbar hatten die Orks zu dicht unter der Oberfläche gegraben und die Decke war eingestürzt. Das wäre den Zwergen nicht passiert. Sie hoffte, dass die Ränder halten würden.

Jarbadur setzte sie auf die Stufe am Rand und legte das Bündel mit Verbandszeug neben sie. Sie schaute nach oben in den blauen Himmel, auf dem ein paar kleine Wolken vorbeizogen, und genoss die Strahlen der tief stehenden Wintersonne auf ihrem Gesicht. So nahe an der Freiheit war sie schon lange nicht mehr gewesen. Tief atmete sie die frische Luft ein. Es war so friedlich da draußen, ganz im Gegensatz zu der Höhle, in der nun die Kämpfe anfingen.

Krovadur war auch da und bestimmte, wer gegen wen antrat. Er trug inzwischen keinen Verband mehr und konnte das Auge halb öffnen. Auf der Naht hatte sich eine feste schwarze Kruste gebildet, aus der die Enden der Fäden herausragten. Es sah aus, als säße eine schwarze Raupe auf seiner Stirn.

Die Orks waren ganz und gar nicht zimperlich miteinander. Rosenstein verstand jetzt, wo all die Wunden herkamen, die Jarbadur verarztete.

Der hatte gerade einen ziemlich schweren Stand. Sein Gegner war mit zwei Kurzschwertern bewaffnet und so war er mehr damit beschäftigt, den wuchtigen Hieben auszuweichen, als selbst anzugreifen. Der andere sparte deshalb nicht mit Spott. Aber Jarbadur ließ sich nicht unterkriegen und ging immer wieder auf ihn los.

Jarbadur war einer der kleinsten Kämpfer. Er wirkte schlanker, sehniger und nicht so extrem muskelbepackt wie die anderen. Auf den ersten Blick konnte er glatt für einen grobschlächtigen Menschen durchgehen. Wenn er den Mund geschlossen hatte, waren die Zähne komplett hinter den Lippen versteckt, während bei seinen Kampfpartnern dicke Hauer aus dem Unterkiefer herausragten. Ein Ork hatte kürzere Ohren als Jarbadur, aber die Ränder sahen vernarbt aus, als hätte er die Spitzen gewaltsam eingebüßt.

Eine Streitaxt krachte über Rosenstein gegen die Wand. Sie schrie auf und rutschte zu Boden, wo sie sich zusammenkrümmte, die Arme schützend über den Kopf gelegt. Die Orks lachten. Rosenstein zitterte vor Schreck.

Krovadur kam zu ihr, griff – ohne sie eines Blickes zu würdigen – nach der Axt und ging zurück zu den Kämpfern. Der Ork, der die Waffe geworfen hatte, streckte die Hand danach aus, aber Krovadur schwang sie und traf ihn mit der flachen Seite so hart an den Kopf, dass er rückwärts taumelte. Blut tropfte ihm aus beiden Nasenlöchern. Krovadur warf die Axt vor ihm auf den Boden. Jetzt lachte niemand mehr.

Jarbadur ging zu Rosenstein und hob sie wieder auf ihren Platz. Der Ork mit der blutenden Nase kam zu ihnen und brummte etwas mit gesenktem Kopf. »Er fragt, ob du die Blutung stillen kannst.«

Rosenstein riss von einem Tuch zwei Streifen ab, rollte sie zusammen und schob sie dem Ork in die Nasenlöcher. Er grunzte kurz und ging weiterkämpfen.

Jarbadur nahm Rosenstein auf den Arm, zog ihr die Decke über den Kopf und trug sie zurück in seine Höhle. Auf dem Weg merkte er, wie ihr Körper bebte. Sie schien verhalten zu schluchzen.

»Ist ja gut, ist ja nichts passiert«, beruhigte er sie. »Mein Bruder würde es nicht wagen, dir etwas zu tun, solange mein Vater erlaubt, dass du hier bist.« Er setzte sie auf ihrem Hochstuhl ab und zog die Decke weg. Sie schlug sich die Hände vors Gesicht und gluckste. Dann kicherte sie los. »Er sah so albern aus mit den Stoffdingern in der Nase!«

Jarbadur grinste. »Aber sag ihm das erst, wenn du wieder schnell und weit rennen kannst!« Die beiden sahen sich an und prusteten los.

 

Jarbadur brachte einige alte Kisten in die Höhle, die sie nach und nach durchsortierten. Was immer für die Orks einen Wert hatte, hatten andere schon herausgenommen. Übrig waren Schuhe und Hosen, Stoffballen, Fibeln und Gürtelschnallen, Bücher, einfache Becher und Schalen. Sie entdeckten Zangen und Werkzeuge, deren Aufgabe sie nicht kannten, außerdem Säckchen mit Gewürzen, die schon so alt waren, dass sie ihren Duft verloren hatten.

Jarbadur wickelte aus einem Wolllappen kleine Flaschen aus. Deren Beschriftungen verrieten, dass sie einst Heiltränke und Duftwässerchen enthalten hatten, die inzwischen als trüber Rest am Flaschenboden festgetrocknet waren.

In ein Leinentuch eingehüllt fand Rosenstein einen alten Dolch, der fleckig und schwarz vor Ruß war, als hätte er im Feuer gelegen. Der Griff wies Dellen auf, aber die Klinge hatte nicht die kleinste Kerbe. Rosenstein befreite ihn von seiner Rußschicht. Die Dellen stellten sich als feines Rankenornament heraus, das dazu diente, der Hand Halt zu geben. Als sie die Klinge abwusch, färbte sich das Wasser rot. Das Muster des Griffs setzte sich als filigrane Gravur auf der Schneide fort.

Sie zeigte Jarbadur ihren Fund. Er starrte auf den Dolch und riss ihn ihr aus der Hand.

»Fass das nicht an!« Er wickelte das Tuch wieder darum und legte den Dolch auf die oberste Regalstufe, außerhalb ihrer Reichweite. Auf ihren fragenden Blick sagte er bloß: »Das ist nichts für dich.«

Achselzuckend nahm sie einen Haufen verschlungene Stoffbandagen und begann, sie zu entwirren und aufzurollen. Verbandszeug konnten sie immer gebrauchen.

 

Rosensteins Bein heilte in den folgenden Monaten gut und sie begann, es kurz zu belasten. Es tat bei jedem Versuch weh, also humpelte sie vorsichtig auf zwei notdürftig geschnitzten Krücken die wenigen Schritte, die sie in der Höhle machen konnte. Jarbadur hatte angefangen, die Sprache der Zwerge zu üben. Er fragte sie, was dieses oder jenes bedeutete und sie antwortete geduldig. Jarbadur war ein guter Schüler, der schnell lernte und sich die Wörter gut einprägte. Sie versuchte, im Gegenzug die Orksprache zu lernen, aber alle Versuche, die Knurr- und Brummlaute nachzumachen, lösten bei ihm nur Heiterkeitsanfälle aus.

»Wer war eigentlich der Zwerg, von dem du die ersten Worte gelernt hast? War er auch ein Verletzter, so wie ich?«, fragte Rosenstein.

Überrascht sah Jarbadur sie an und sie befürchtete, dass er das Thema wechseln würde, aber er antwortete: »Sie war eine Freundin meiner Ziehmutter. Sie hat mir Axtwurf beigebracht. Die Worte habe ich nur nebenbei aufgeschnappt.«

»Ist sie Aranka?«

»Woher kennst du den Namen?«, fragte Jarbadur verblüfft.

»Du hast ihn mal im Schlaf gesagt.«

»Und was habe ich noch gesagt?«, fragte er misstrauisch.

»Nur etwas von einem Feuer.«

Jarbadur atmete auf. »Oh, das sind nur alte Träume aus meiner Kindheit.« Er stand auf und ging zum Feuer, um Holz nachzulegen. Als die Flammen hochschlugen, wandte er sich ihr zu. »Sie haben mich damals Jarb gerufen. Wenn du magst, kannst du mich auch so nennen.«

Rosenstein lächelte überrascht. »Gerne – Jarb.« Sie wünschte, sie hätte auch einen Spitznamen, den sie ihm anbieten könnte, aber bis auf ihren Vater sprachen alle sie mit Rosenstein an.

»Es ist schon seltsam«, sagte sie, »es gibt so viele Geschichten über böse Orks, aber niemand kennt euch wirklich.«

Jarbadur sah sie nachdenklich an. »Ich werde dir etwas zeigen.«

Er bedeckte ihr Gesicht und hob sie hoch. Ihre Krücken in der Hand haltend, trug er sie immer tiefer hinab durch verwinkelte Gänge. Sie fröstelte in der feuchtkalten Luft.

Jarbadur setzte Rosenstein ab und zog das Tuch von ihrem Gesicht. Sie standen an der finsteren Öffnung eines Quergangs. In einer Nische daneben lagen eine Fackel und ein Feuerstein nebst Eisen. Schnell hatte er die Fackel entzündet und leuchtete ihr den Weg in die Dunkelheit. In der stickigen Luft lag ein Geruch von Moschus und Leder. An den Wänden waren Nischen in den Fels geschlagen. In jeder lag ein Ork.

»Ist das euer Friedhof?«, fragte Rosenstein leise.

»Nein, schau genauer hin.« Er hielt die Fackel näher an eine Nische.

Der Ork lag still wie eine Statue. Er war in eine Lederrüstung gekleidet, auf die Metallplatten aufgesetzt waren. Auf seiner Brust lag eine Streitaxt, deren Griff er umschlossen hielt. Sein Gesicht mit den geschlossenen Augen wirkte entspannt und zeigte nicht die leiseste Regung. Auf einmal hob sich sein Brustkorb langsam, stand eine Weile still und sank. Jarbadur trat einen Schritt zurück. Das Licht ließ erahnen, dass die Höhle noch tiefer in den Felsen führte. Er hob die Fackel an und Rosenstein sah, dass die Nischen sich weit die Wände hochzogen. Es mussten Hunderte sein.

»Wo sind wir hier?«, fragte sie.

»Dies sind die Höhlen der Hungrigen. Sie sind Krieger, die den Winter im kalten Schlaf verbringen. Wenn der Herbst vorbei ist, legt Rrorra sie mit einem Kräutertrank zur Ruhe und sie schlafen, bis der Frühling da ist. Viele schlafen auch ein ganzes Jahr und länger. So überleben wir die Winter, ohne zu verhungern. Wenn wir aber angegriffen werden, wecken wir sie. Sie erheben sich und kämpfen und töten alles und jeden, was kein Ork ist. Und sie stillen ihren Hunger und hören nicht auf, bis alle Feinde vernichtet und alle Orks satt sind. Die Geschichten über Orks, die du gehört hast, sind über diese Kämpfer.«

»Und sie gehorchen deinem Vater?«

»Sie gehorchen niemandem. Sie erwachen und greifen ihre Gegner an. Erst wenn ihr Hunger gestillt ist, kehren sie zum normalen Leben zurück und suchen einen Anführer. Vielleicht meinen Vater, vielleicht denjenigen aus ihren Reihen, der am mutigsten gekämpft hat.«

Rosenstein sah sich in der Höhle um. Ihr fiel auf, dass die Wände mit verschiedenfarbigen Streifen durchzogen waren, wie es typisch für erzhaltiges Gestein war. An vielen Stellen glitzerten Kristalle. Ob die Orks wussten, in welchen Reichtum sie ihr Zuhause gebaut hatten? Sie machten sich auf den Heimweg. Die Dämmerung war schon hereingebrochen und aus vielen Nischen flackerte das Licht der Herdfeuer.

 

Jarbadur goss Wasser in den Kessel und legte trockene Späne in die Glut vom Vortag. Er pustete vorsichtig, bis kleine Flammen aufloderten. Rosenstein griff in den Korb, den Jarb mitgebracht hatte. Statt der erwarteten Rüben fasste sie in frisches Grün. Begeistert nahm sie eine Handvoll und steckte ihre Nase hinein. Genüsslich sog sie den frischen Duft ein. Sie ließ die länglichen Blätter sinken und sah Jarb nachdenklich an.

»Es ist Frühling draußen, nicht wahr? Wie lange bin ich schon hier?«, fragte sie.

Jarbadur legte ein größeres Holzstück in die Flammen. »Die Zwergenvölker haben ihr Frühlingsfest schon gefeiert«, antwortete er.

Rosenstein rechnete nach. Sie war zwischen Herbstfest und Winterfest gereist, also fast ein halbes Jahr. Die Wege mussten schon längst wieder passierbar sein. Sie hatte das Thema ihrer Heimkehr lange nicht angesprochen, aber der Gedanke an den Frühling in den Hügeln weckte die Sehnsucht nach Eisenklinge und ihrem Zuhause. Sie überlegte, wie sie das Gespräch anfangen könnte, als ein junger Ork in die Höhle kam und nach Jarbadur verlangte. Anhand der Blicke, die die beiden ihr zwischendurch zuwarfen, konnte sie sehen, dass es um sie ging, aber Jarbadur verschwand mit dem anderen Ork, ohne ihr etwas zu erklären. Ärgerlich hackte sie die Blätter in kleine Teile und gab sie ins Wasser.

 

Als Jarbadur zurückkehrte, war er sichtlich aufgeregt. »Sie haben einen Zwerg gefangen. Und sie haben ihn doppelt!« Rosenstein konnte die Nachricht gar nicht so schnell erfassen, da hatte er sie schon hochgehoben, ihr ein Tuch über den Kopf gelegt und sie hinausgetragen.

Als sie das Tuch abnehmen durfte, stand sie in einer großen Höhle, umringt von mehreren Orks. Etwas verloren dazwischen standen Hammerkopf und Griff, ohne ihre Rüstungen und mit zerzausten Haaren. Griff hatte getrocknetes Blut an der Nase. Ihre Hände waren auf dem Rücken gefesselt. Rosenstein jauchzte. Mit ein paar Hüpfern war sie bei ihnen und fiel einem nach dem anderen höchst unköniglich um den Hals. Die beiden waren sichtlich verlegen bei diesem Freudenausbruch, aber sie grinsten über das ganze Gesicht. Hammerkopf hatte eine Träne im Auge, die er schnell wegblinzelte. Sein Bruder fand zuerst die Sprache wieder.

»Meine Königin, es ist so schön, Euch lebend zu sehen. Wir dachten ...« Er schluckte. »Wir hatten ja nicht zu hoffen gewagt, dass Ihr überlebt habt, sonst hätten wir Euch länger gesucht, aber der halbe Berg ist auf Euch draufgerutscht.«

»Was ist mit Felsbrecher? Ist er bei euch?«, fragte Rosenstein.

Die Zwillinge schüttelten den Kopf, den Blick auf ihren Füßen. »Wir haben ihn gefunden, aber es war zu spät. Es wurde hell und wir mussten weg, weil die Orks kamen.« Griff sah sich um. Die Orks, die sie umringten, hatten schweigend gelauscht. Mit gedämpfter Stimme fragte er: »Verstehen die uns?«

Jarb trat vor. »Ich bin Jarbadur. Ich habe Rosenstein gefunden.«

Griff straffte den Körper und versuchte, so würdevoll wie möglich auszusehen, wenn man gefesselt war und zu jemandem hochschaute, der doppelt so groß war wie man selbst. »Ich bin Euch zu großem Dank verpflichtet, dass Ihr sie nicht gefre... also, ich meine, dass Ihr ihr geholfen habt«, kriegte er gerade noch die Kurve. Jarbadur nickte knapp.

Rosenstein hinkte zu ihm. »Können die beiden mich nach Hause bringen?« Erwartungsvoll sah sie ihn an.

Er zog die Schultern hoch. »Ich weiß nicht, das entscheidet mein Vater.«

Die Zwillinge tauschten ziemlich unglückliche Blicke aus. Diesmal ergriff Hammerkopf das Wort: »Es gibt da noch etwas, was du wissen solltest.«

Mit versteinertem Gesicht hörte sich die kleine Königin an, was er zu sagen hatte.

»Bring mich hier weg«, bat sie Jarbadur leise.

 

Jarb setzte Rosenstein auf ihrem Sitz ab. Sie schäumte vor Wut. »Wie kann er nur so schnell wieder heiraten wollen? Und ausgerechnet diese … diese … sie ist dumm wie eine Handvoll Sand!« Weil sie nichts in Reichweite hatte, das sie an die Wand werfen konnte, schlug sie mit der flachen Hand auf den Tisch.

»In ein paar Tagen sind die beiden bei ihm. Wenn er weiß, dass du lebst, wird die Hochzeit abgesagt«, sagte Jarb aufmunternd.

Sie seufzte. »Es ist nur ... warum so schnell? Vermisst er mich denn gar nicht?« Sie kämpfte mit den Tränen. Jarbadur stand hilflos da und wusste nicht, was er sagen sollte.

 

Am nächsten Tag brachte Jarbadur Rosenstein in eine große Halle, in der im Halbkreis dreizehn Steinthrone standen. Auf dem größten in der Mitte saß Krovadur. Die Wunde über dem Auge war zu einer gezackten hellen Linie verheilt. Auf den Sitzen daneben erkannte sie Raktan und Rrorra, aber die anderen hatte sie noch nie gesehen. Vor dem Halbkreis standen dicke Holzblöcke. Auf zweien saßen die Zwillinge, denen man die Fesseln abgenommen hatte. Jarbadur und Rosenstein setzten sich neben sie. Hinter ihnen drängten sich Orks und schoben sich mit Knurren und Grunzen hin und her, in dem Versuch, eine bessere Sicht zu bekommen.

Rosenstein wollte mit Hammerkopf sprechen, aber da stand Krovadur auf und alle Geräusche erstarben. Er hielt eine kurze Rede, die Jarbadur ihnen leise übersetzte.

»Wir sind hier, um über das Schicksal dieser Zwerge zu entscheiden. Ihr kennt die Zwergenfrau, die Jarbadur gefunden hat. Ihr Name ist Rosenstein. Sie ist die Königin der Hügelzwerge. Diese Krieger sind Hammerkopf und Griff, die geschickt wurden, um ihre Gebeine zu suchen.«

Das setzte ein Gemurmel in Gang. Krovadur nahm Platz und schaute in die Runde. Ein anderer Ork erhob sich und wieder kehrte Ruhe ein.

»Schicken wir ihrem König ihre Leichen, dann weiß er, was wir von Zwergen in unserem Land halten!« Er setzte sich. Die Versammlung diskutierte den Vorschlag lautstark.

Raktan erhob sich. »Man kann ihnen nicht trauen. Sie werden uns verraten, wenn sie zu ihren Familien zurückkehren. Wer die Wege in die Höhlen kennt, wird eine Gefahr für uns sein, solange er lebt. Wir wollen dieses Gesindel nicht hier rumkriechen haben. Ich sage, töten wir sie alle!«

Krovadur sprang auf die Füße und baute sich vor seinem Sohn auf. »Sie stehen unter meinem Schutz.«

»Sie stehen nicht unter meinem.« Herausfordernd starrte er Krovadur an.

Der schlug so schnell zu, dass Raktan den Schlag nicht einmal kommen sah. Er kippte nach hinten in seinen Sessel und rutschte besinnungslos zu Boden. Krovadur ging zu seinem Sitz zurück, als wäre nichts gewesen und wandte sich der Menge zu.

»Hat noch jemand etwas zu sagen?« Er ließ seinen Blick über die schweigenden Orks schweifen. Einer brachte den am Boden liegenden Raktan mit einem kurzen Tritt in die Rippen wieder zur Besinnung. Der rappelte sich auf und zog sich auf seinen Sitz.

Einige Orks tauschten Blicke aus, aber kein Geräusch war zu hören. Hammerkopf stand auf. Einige Orks lachten, aber Krovadur hob die Hand, um für Ruhe zu sorgen, und erteilte ihm mit einer Geste das Wort.

»Lasst uns zurückgehen und Lösegeld beschaffen. In zwei Wochen sind wir wieder hier und so haben alle etwas gewonnen«, sagte Hammerkopf.

Krovadur beriet sich mit dem Ork neben ihm, ein sehniger Mann mit weißem Haar, der dem Wort Ältestenrat alle Ehre machte. Rosenstein sah fragend zu Jarbadur, aber der zog nur die Schultern hoch. »Ich verstehe nichts, sie sprechen zu leise.«

Krovadur rief etwas und Jarbadur brachte Rosenstein zu ihm.

»Die beiden Zwerge, vertraust du ihnen?«, fragte Krovadur.

»Sie würden für mich sterben«, antwortete Rosenstein, ohne zu zögern. »Sie haben meiner Familie und der meines Mannes geschworen, mich gegen jede Gefahr zu verteidigen.«

Krovadur brummte, sie solle sich setzen und die Zwillinge zu ihm kommen. Sie verstand nicht, was sie besprachen. Anschließend wurden sie weggebracht. Jarbadur kam zu ihr, während im Halbkreis die Diskussion weiterging.

»Was hat er sie gefragt?«, wollte Rosenstein wissen.

»Ich darf dir nichts sagen, solange nicht entschieden ist, was mit euch passiert. Wir müssen warten.« Rosenstein brauchte alle Selbstbeherrschung, um nicht vor Nervosität auf den Nägeln zu kauen.

 

Endlich erhob sich Krovadur. »Ich habe den Rat der Ältesten gehört und ich habe entschieden. Die Zwergin Rosenstein bleibt bei uns, bis wir von den Kriegern Hammerkopf und Griff Lösegeld erhalten. Sind sie nach einem Dutzend Tage nicht wiedergekommen, kriegt das Hügelvolk seine Königin tot zurück. Das ist mein Wort.«