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Erwarten Sie keine Romantik, keine "süßen Mädel", die im Schönbrunner Deutsch mit Filous und Parvenus kokettieren. Ein Jahrhundert nach Schnitzler haben sich die Szenarien gewandelt: härter, direkter, ehrlicher. Der Tabuisierung entkleidet, der Moral entzogen, haben sich Rollen, Schichten und Schauplätze verändert. Und die Sprache ist anders. Oder vielmehr die Sprachlosigkeit, die Figuren bleiben meist mit sich selbst allein. Aber das Muster hat sich über das Jahrhundert erhalten: Wie in Schnitzlers Drama reicht auch hier von Szene zu Szene immer eine Figur einer neuen Figur die Hand, bis sich nach zehn Szenen der Reigen schließt. Die Verkäuferin -und- Der Vertreter -und- Die Rezeptionistin -und- Das Hausmädchen -und- Der Student -und- Die Ehefrau -und- Der Chefredakteur -und- Die Studentin -und- Der Dozent -und- Der Masseur -und- Die Verkäuferin
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Seitenzahl: 25
Veröffentlichungsjahr: 2020
Der Reigen 21
Paraphrase des Dramas von
Arthur Schnitzler
von
Robert Biebitz
Des Biebitz Paraphrasen, Band 1
Inhalt
Vorwort
Die Verkäuferin
Der Vertreter
Die Rezeptionistin
Das Hausmädchen
Der Student
Die Ehefrau
Der Chefredakteur
Die Studentin
Der Dozent
Der Masseur
Impressum
Erwarten Sie keine Romantik, keine „süßen Mädel“, die im Schönbrunner Deutsch mit Filous und Parvenus kokettieren. Ein Jahrhundert nach Schnitzler haben sich die Szenarien gewandelt: härter, direkter, ehrlicher. Der Tabuisierung entkleidet, der Moral entzogen, haben sich Rollen, Schichten und Schauplätze verändert. Und die Sprache ist anders. Oder vielmehr die Sprachlosigkeit, die Figuren bleiben meist mit sich selbst allein.
Erwarten Sie auch keine Pornographie. Die Szenen sind explizit, aber ihre Phantasie müssen Sie schon selber anstrengen. Immer dort, wo Sie so etwas sehen:
Ob Sie sich sicheren Vollzug vorstellen oder nicht, bleibt Ihnen überlassen. Achten Sie gegebenenfalls auf Ihren Herzschrittmacher. Und lassen Sie mich mit dem Rauchverbot in Ruhe.
Immer noch da? Na dann – viel Spaß bei einem Streifzug durch die Vielfalt des Lebens.
Eigentlich ist sie nach dem langen Arbeitstag müde. Doch so oft kommt es nicht vor, dass ihr tatsächlich jemand ein Date anbietet auf der Plattform, auf der sie seit einiger Zeit registriert ist. „Taschengeldprofil“ nennt man das dort. Also steigt sie noch in die U-Bahn und fährt zu einem jener Hotels, in denen Touristen und Reisegruppen ein und aus gehen und man nicht sonderlich viele Fragen stellt. Man erfindet einen Namen und eine Adresse, man zahlt bar. Bis jetzt hat es funktioniert.
Warten am Lift. Zäh geht die Fahrt in den 5. Stock. Eine Reisegruppe drängt sich mit ihr hinein, in jedem Stockwerk steigen zwei, drei aus. Den langen Flur entlang, Fluchten immer gleicher Zimmertüren. Billige Teppiche, Lampen, Furniere, die Stil suggerieren sollen. Das Zimmer nüchtern und zweckmäßig.
Kurz denkt sie zurück an den kleinen Ort am Meer, in dem sie aufgewachsen ist, während sie in der Dusche steht. Ihr Studium in der kleinen Hauptstadt des Landes. Bevor sie weggegangen sind, wegen dem Krieg. Sie ist immer noch ganz hübsch und spricht gut Deutsch. Sie hat Glück, sie hat Arbeit und einen Mann gefunden. Er ist Masseur, ihr Masseur über Jahre, bis es einmal … Sie muss lächeln. Sie liebt ihn, aber er verdient unregelmäßig, ihr Gehalt als Verkäuferin reicht kaum zum Leben.
Abtrocknen. Strümpfe und Heels sind im Rucksack immer dabei. Beim Rest muss sie improvisieren. Heute mal die Bluse offen über die nackten Brüste. Slip? Sie lässt ihn gleich weg. Ein paar Spritzer Parfum, das schwarze Haar frisch aufgesteckt, durchatmen.
