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PROVOKANT! SKANDALÖS! GEHEIMNISVOLL! SCHOCKIEREND! REAL? Diese Geschichte beschreibt einen Skandal und zeichnet das Spiegelbild einer kranken Gesellschaft, die der Sucht erlegen ist. Ein besonderer Rotwein verspricht ein langes Leben in ewiger Jugend und Schönheit und hält ein Volk in seinem Bann. Gierige Politiker, eng verbunden mit dem Wohlwollen der Kirche, missbrauchen die Gelüste die den Rotwein umgeben, um an die Macht zu kommen. Es ist eine psychologische Analyse wie ein Mensch zum Mörder wird, der durch die Gier hochgejubelt in einer Zeitreise durch zwei Epochen wandelt, um die Süchte und Wünsche seiner Anhänger zu befriedigen. Ein Geheimbund vertritt die Thesen des Bußpredigers Girolamo Savonarola übermäßigen Luxus und Süchte zu verdammen, um zu einer gesellschaftlichen Moral zurückzufinden. 1498 wurde Savonarola im Auftrag von Papst Alexander II ermordet, 1998 leitete Papst Johannes Paul II einen Seligsprechungsprozess ein. Im Vatikan ist das Thema immer noch aktuell. Ein Detektiv wird beauftragt das Geheimnis des Rotweins zu lösen.
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Seitenzahl: 232
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Veröffentlicht als Perfecto E-Book 2014
Alle Rechte vorbehalten.
Copyright 2014
Perfecto-Verlag
Rantzaustraße 28
22041 Hamburg
E-Mail: [email protected]
Titelfoto: Werner Horn
E-Book-Erstellung: www.mach-mir-ein-ebook.de
ISBN 978-3-9816138-1-0
Schrift: »Charis SIL« von SIL International, diese Schriftart ist unter der Open Font License verfügbar. »Blokletters Balpen« von LeFly Fonts, verfügbar unter der Creative Commons Attribution Share Alike License v3.00.
Die Abendsonne versprühte in einer Farbexplosion ihren lieblichen Glanz über die Natur. Auf einer Bank mit geschwungenen violetten eisernen Lehnen saß Vincent Berger und entspannte sich. Seine Beine hatte er lässig übereinandergeschlagen.
Er genoss einen schweifenden Blick über die Weite der Landschaft, die sich ins tiefe Tal bis zum Stadtrand erstreckte. Eine leichte Brise bewegte eine Locke seines Haares und brachte sie in wirbelnde Schwingungen.
Florenz strahlte seinen Charme und Flair aus. Eine Perle von Attraktionen der Schönheit. Die Stadt wirkte wie ein zeitloses vollendetes Kunstwerk. Eine unersetzliche Architektur, geschaffen von den kreativsten Künstlern und Baumeistern mehrerer Epochen: wie Juwelen und Brillanten, glitzernder Schmuck, der der Schönheit der Landschaft mit einem Funkeln eine außergewöhnlich romantische Stimmung verlieh. Sorglos lehnte sich Vincent zurück und dachte als zukünftiger Weinbergbesitzer an den Anfang eines interessanten und neuen Lebensabschnittes. Der Hektik der Großstadt war er entkommen und suchte die Ruhe, wie ein neugeborener Lebenskünstler in der Natur. Seine blauen Augen tasteten die Weinberge ab. Rote Trauben waren vollmundig gereift, groß gewachsen und strahlten köstliche Energien aus. Fruchtiger Geruch erreichte seine Sinne. Ruhiger Atem vermengte sich mit dem milden Klima Italiens und dem Wärmegenuss der Sonnenstrahlen in einem Land das Sehnsüchte erweckte. Nichts aus seiner Vergangenheit war wichtig. Er streifte alles ab, wie eine alte verbrauchte zerschlissene Haut. Ein Erbe lockte ihn als Herausforderung an diesen Ort. Diese Botschaft traf ihn wie ein Wunder durch einen eingeschriebenen Brief. Sie erreichte ihn im richtigen Moment, wie die Gewinnmitteilung einer Lotterie. Vincent war der einzige und letzte Nachkomme einer alten Familiendynastie.
Der ehemalige Besitzer des Weinberges, ein entfernter Verwandter, Ricardo Paletti, war seit fast dreiundzwanzig Jahren auf rätselhafte Weise über Nacht spurlos verschwunden. Er war für tot erklärt worden. Es gab keine Hinweise und keine Leiche. Alle Spuren verliefen im Sand der Erinnerungen. Die Gerüchteküche brodelte vielfältig wie die Zubereitung eines besonders eindrucksvollen Gerichts, das die Geschmacksnerven zum Höhepunkt trieb.
Legenden bildeten sich: er hätte sich in eine Nebelwolke verwandelt und wäre mit dem Dunst der Morgenfrische in den Himmel erhoben worden. Götter hätten ihn gerufen, um auch von dem außergewöhnlichen Rotwein zu kosten und ihre Geschmackssinne zu befriedigen. So phantasievoll war der Verdacht, der sich hartnäckig wie ein Lauffeuer ausbreitete. Der Weinberg, die Gebäude in mediterranen und orangenen Pastelltönen blieben einsam und verlassen zurück. Sie waren stilvoll mit Geschmack eingerichtet und versprühten unter dem Staub der Zeit Flair der 70er Jahre. Vincent konnte sich noch wage daran erinnern. In seiner frühen Jugend erzählten seine Eltern, dass es einen vermögenden Verwandten in Italien gegeben habe, der sich jedoch nicht mit Spendierhosen gekleidet hatte.
Fürchterlicher Geiz wurde ihm nachgesagt. Hilfesuchende Verwandte wimmelte er wie ein Monster ab, das hungernde Tiere mit einem Fußtritt verjagte. Misstrauisch traute er niemandem über den Weg. Als kauziger Eigenbrötler war er bekannt. Vincents Jugendgedanken an die Armut seines Elternhauses hatten ihn geprägt, sie war eingebrannt wie das Wappen eines Brenneisens. Das Erinnerungsvermögen blühte wie eine Blume auf, die ihre Knospe öffnete. Die Härte der Jugend entfernte sich in einem schwarzen Tunnel, dessen Licht am Ende verglühte. Er lebte auf einer einsamen Insel abgetrennt in einer Gesellschaft der Unerreichbarkeit. Wohn-Haft ohne schuldig zu sein, nannte er die Geisel der Armut. Wer kein Geld hatte wurde dazu verdammt zu Hause bleiben zu müssen und konnte die weite Welt nicht genießen. Medien berichteten täglich über den unerreichbaren Glanz und Reichtum und präsentierten das Glück.
Die Gedanken auf den Verzicht eines sehr guten, auserlesenen Rotweins blieben in den Köpfen der älteren Einwohner als Legende fest verankert. Ein edler Tropfen des Genusses, der ein langes Leben in ewiger Jugend und Schönheit versprach, ein Wein wie es die Gerüchteküche prophezeite, eine Wundermedizin, die ein ganzes Land in Verzückung versetzte. Männer wie Frauen waren dahin geschmolzen. Ihre Augen entflammten wenn sie hitzig darüber sprachen und diskutierten. Niemand kannte jedoch das Geheimnis des Erfolges, das ausgerechnet diesen Rotwein so außergewöhnlich machte und eine Glut der Begeisterung in den Gehirnen der Genießer entfachte.
Vincent war nie faul gewesen, aber vollen Einsatz für banale, sinnlose, nichts sagende Aufgaben zu verschwenden, war ihm zuwider. Ihn motivierten nur Aufgaben, wenn er ein Ziel vor Augen hatte und greifbare Erfolge lockten, die ihn schon im Frühstadium umjubelten und sowohl Ansehen als auch Beachtung versprachen.
Vincent richtete sich auf, die letzten Sonnenstrahlen des Abendlichtes wanderten an seinem Körper entlang, blendeten seine Augen, die er mit seiner flachen Hand seitlich verdeckte. Seine schwarzen Haare überzogen sich mit einem Glanz. Zunächst ging er zaghaft voran. Ein feiner Wind, eine kühle frische Brise zog durch das Tal, umspielte seine massiv und markant wirkende Nase. In seinen Ohren erklang das Rauschen des Flusses, der sich durch die Anhöhen bis in die Stadt schlängelte. Wie von einem Magneten angezogen beschleunigte er seine forschen Schritte. Das Gefühl auf einer Wolke des Glücks zu schweben ummantelte ihn.
Vincent spürte den Duft und den Geschmack des vollendeten Fruchtsaftes der frischen Weintrauben. Früchte die veredelt und gereift zu Wein, seinen Sinnen und Gedanken eine erfolgreiche Zukunft spüren ließen. Sein Körperschatten verlängerte sich durch die tief stehende Sonne zu einem überdimensionalen Gespenst, das leicht über eine mannshohe Hecke hinüberblicken könnte. Die Landschaft hatte Verwundungen über sich ergehen lassen müssen. Bäume, die Jahrzehntelang große Schatten warfen, waren sinnlos gefällt worden. Neue Weinberge wurden dort angelegt.
Vincent nahm die Herausforderung an, das Weingut neu zu beleben. Der Notar hatte erklärt, das Erbe verfalle, wenn das Lebenswerk im Sinne des verschollenen und für tot erklärten Ricardo Paletti nicht weitergeführt werde. Es gab Gerüchte, dass Ricardo Paletti die goldene Gabe hatte in diesem Weingut den besten Rotwein aller Zeiten, sogar der Menschheit, produziert zu haben.
Dieser Wein sollte wieder zu neuer Reife erblühen. Vincent war sich sicher, dass es Aufzeichnungen geben musste, um das Lebenswerk fortzusetzen.
Die Gemäuer des Weingutes dokumentierten eine Reise in die Vergangenheit. Die guten und erfolgreichen Jahre schienen vorbeigerauscht zu sein. Der Verfall der Gebäude näherte sich langsam seinem Ende. Gestapelte Steine die keinen Halt mehr fanden bildeten die Außenmauern. Ein Streiflicht der warmen Sonne hob die Struktur der Natursteine wie eine Gebirgslandschaft hervor. Der Abriss schien unausweichlich. Charmante Sinnlichkeit überstrahlte das verwahrloste Weingut.
Neuer Hoffnungsschimmer legte sich über Vincents Gedanken, er versuchte sich selbst zu motivieren, den alten Ruf der Vergangenheit zurückzuerobern. »Rette mich, du wirst belohnt werden!« hörte er eine innere Stimme, die ihn aufs Stärkste motivierte. Zu Hause in Deutschland im Büro zu sitzen und Leute anzurufen, die er nicht kannte, um ihnen Sachen aufzuschwatzen, die er selbst nicht mochte, war keine Zukunftsperspektive mehr. Mildes und würziges Klima, sowie ein guter Wein waren schon immer seine Leidenschaften. Er brauchte keine Worte mehr verschwenden und sie über seine Lippen stolpern lassen, die gerade den Genuss der frischen Weintrauben berührten. Ein strahlender Blick festigte den Entschluss für immer hier zu bleiben.
In der Ferne lockte hektisches Markttreiben. Farbenfroh präsentierten sich die Genüsse. Duft und Geschmack wetteiferten miteinander. Vincents Nase und Mund inhalierten die Ingredienzien. Wer war der Sieger auf diesem Platz der Vielfältigkeit? Der Geruchssinn oder der Geschmackssinn? Stellte sich die Frage? Während Vincent gemütlich über den Marktplatz schritt hörte er ein leises Tuscheln. Es steigerte sich in einem rasanten Tempo. »Das ist der Erbe von Ricardo Paletti! Er wird uns den Wein der Götter wiederbringen!« Fröhliche Blicke von erwachender Glückseligkeit, winkende Hände und Jubelrufe stürzten auf ihn ein als wäre er ein Prominenter.
»Die Madonna hat ihn zu unserer Erlösung geschickt! Ein Signal der göttlichen Gnade wird uns zu Teil! Wir werden die Chancen nutzen und in Ehrfurcht warten!« rief ihm eine alte, aufgeregte Marktfrau in voller Lautstärke zu, dass ihr sehnlichster Wunsch sogleich ihre vollen Lippen befeuchtete. Mit einem Sprung fiel sie Vincent sogleich um den Hals und wollte sich nicht mehr von ihm lösen. Eine Frau, die die Jahreszeiten vom erfrischenden Frühling bis zum eisigsten Winter – vom Aussehen her – mindestens siebzig Mal erlebt haben musste. Viele heiße Sommer hatten ihre Haut wie faltiges Leder gegerbt, sie wirkte um Jahrzehnte älter als sie wirklich sein dürfte. Ihren kräftigen Körper umhüllte ein farbig gemustertes Kleid, das oben mit einem tiefen Dekolleté abschloss. Ein strammer Gürtel versuchte ihren Bauchumfang zu reduzieren. Eine schlichte dunkelblaue Schürze offenbarte ihre ausschweifenden Körpermaße, als diese mit einem Schwung zur Seite wehte.
Freudentränen, die aus ihren Augen traten, waren verbunden mit einem Lächeln, das auf Erwartungen programmiert war noch einmal in den Weingenuss zu gelangen, der ihr schon entfremdet schien. Ein Rotwein, der ihre Phantasien beflügelte, um auf eine höhere Stufe des Glücks zu steigen, die ihr von ihrer Bildung, Herkunft und ihrem Können nicht zustand. Sie wollte das Gefühl der außerirdischen Göttlichkeit, Schönheit, Jugend und ein Gefühl der Unsterblichkeit noch einmal erleben.
Es wurde wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund, von Ohr zu Ohr getuschelt. Die Kräfte der Stimmen befreiten sich von der Ruhe, bis es niemand mehr gab, der die gute Nachricht von dem eingetroffenen Erben für sich zurückbehielt. Der Wahnsinn einer Massenpsychose breitete sich aus und verwandelte sich zur Sucht von grenzenlosem Genussdenken.
Vincent jubelten anonyme Stimmen zu, die kein Wort ihrer Herkunft verrieten. Er bahnte sich eine schmale Gasse durch die Heerscharen seiner Fans, die ihn eigentlich gar nicht kannten. Von Schulterklopfen und Händeschütteln überwältigt, fraß es ihm ein strahlendes Lächeln ins Gesicht wie bei einer Siegesfeier, auf dem Weg zum Podium als wenn er gerade einen Wettkampf gewonnen hätte. Die Menschen prophezeiten riesige Erwartungen. Vincent wusste nicht ob er sie überhaupt erfüllte. Mit Vorschusslorbeeren bedacht, könnten diese bald verwelken, wenn die Hoffnungen nicht zu Realitäten würden.
Menschen strömten zusammen, um einen Blick von Vincent zu erhaschen. Sie jubelten ihm zu, wie einem König und einem Heiligen nach der Auferstehung. Das Volk versammelte sich zu einem bissigen Wolfsrudel, um ihm als Erlöser zu huldigen und seine Nähe zu spüren. Ein Flehen erreichte Vincent, ohne dass die Bittenden den wahren Hintergrund des Rotweines kannten. Sie liebten nur das Ergebnis, das sie beflügelte, nämlich die Gier, Früchte des Verbotenen zu genießen wie den Apfel der Sünde aus dem Paradies. Panik, Revolution drohte auszubrechen, wenn Vincent dem Willen der Massen widersprechen sollte.
Ein weißhaariger Priester schritt ihm entgegen. Buschige graue Augenbrauen überragten seine massive und kantige Brille. Warme Gesichtszüge verzogen sich zu einem charmanten Lächeln und vermehrten seine Falten, die ihn noch sympathischer machten. »Sei gegrüßt in unserer Stadt! Gesegnet, bist Du mein Sohn! Alle Bürger haben schon sehnsüchtig auf Dich gewartet! Sie hoffen, wie ich auch, dass Du das Erbe antrittst und dem Rotwein den alten Zauber verleihst, damit er wieder unsere Gemeinde entzückt. Alle glauben, dass Dir das Talent in die Wiege gelegt wurde, den Rotwein von Ricardo Paletti unverändert in der gleichen Qualität wie einst, erneut herzustellen. Diese Mission wird von Dir erwartet! Träume sind nur die Vorstufe des Verlangens! Schnell müssen ihnen Taten folgen! Das ist die übliche, praktizierte Devise! Beifallstürme sind ja schön und gut, aber sie fordern auch Spitzenleistung. Sie dienen nur dem Ansporn und können sich schnell in Hass verwandeln. Das Volk liegt Dir bei Erfolg zu Füßen. Bei Versagen ist die Verachtung das kleinste Übel. Glück und Unglück symbolisieren eine Gratwanderung des Lebens. Menschen sind nun einmal unersättlich. Als Geächteter von den Massen aus der Stadt vertrieben zu werden, wie ein Aussätziger der eine Seuche in sich trägt ist keine Perspektive. Dir würde nichts bleiben außer der geretteten nackten Haut, die noch mit Wunden übersät wäre. Die Neugier der Menschen ist gnadenlos. Wie Raubtiere, welche frohlocken: In ihren Augen glänzt die Gier der stechenden Blicke, sie flackern nicht sondern brennen als Dauerfeuer, das niemand mehr löschen kann; als wenn sie wildes Fleisch zerreißen wollen.« entgegnete ihm der alte Mann der Gemeinde. Hunderte Augenpaare wollten das Signal einer guten Nachricht empfangen. Die überlegene Kraft von Vincents schnellster Auffassungsgabe ließ das Wunder bewirken, dass er sich sofort öffentlich zum Winzerberuf bekannte.
»Ich nehme das Erbe an und werde mein Bestes geben den Rotwein wieder zu neuem Leben zu erwecken und das Glück über die Stadt wie ein Blütenmeer verstreuen!«
Zuversichtlich spielte Vincent mit Worten, die seine Fans ins Tal der Zauberei verführten und wie blind hypnotisierten. Seine Stimme war hell und klangvoll wie der Tag, erdig wie das Alter. Er überstrahlte die Bevölkerung des Marktplatzes mit seinem süddeutschen Akzent. Aus seinem Mund klangen die Worte wie eine Melodie der Entspannung für die Menschen. Ihm war jedoch nicht klar wie er das Verlangen auf den Weg bringen und befriedigen sollte. Er hob seine Arme zum Sieg und grüßte wohlwollend seine Fans. Ein Gedränge von neuen Bewunderern bildete sich in Windeseile wie eine Festung um seinen Körper. Der Priester strahlte Glück und zuversichtliche Seligkeit aus. Die Fröhlichkeit, die sein Antlitz versprühte, war Hoffnungsgedanke für eine neue Zukunft. Die Wiederkehr des Rotweins, welche er, wie alle anderen, so lange vermisst hatte, wurde sehnsüchtig erwartet.
Die Stimmen des Volkes riefen vereint im Chor: »Hoch lebe ›LA NASCITA DI VENERE‹, der Rotwein der Götter! Unser Erlöser ist der allmächtige Zauberer der Sinne und bringt die freudige Botschaft des Glücks.«
Sie erhoben leere Krüge und Fässer und flehten ihn im Jubelgesang an. »Fülle uns mit dem Rotwein der Leidenschaft! Einer göttlichen Kostbarkeit des Gaumens!«
Erstaunt und überrascht war Vincent über die Anerkennung. Noch nie in seinem Leben war er so glanzvoll hofiert worden. Die Jubelrufe mochten nicht verstummen. »Tage der Entbehrungen verschwinden in der Vergangenheit. Die glorreiche Zukunft hat sie für immer vertrieben!« kam ein Zwischenruf eines Mannes voller Begeisterung.
Kirchenglocken läuteten zu ungewöhnlicher Zeit. Glockenklang drang auf den Marktplatz und nistete sich in die Ohren der jubelnden Menschen ein, als wenn göttlicher Segen den Genusswillen förderte. Dreizehn Glockenschläge zeigten den Beginn einer neuen Epoche an und übertönten den Jubel der Gemeinde.
»Der Erbe kennt das Rezept der vollendeten Glückseligkeit, verborgen im Rotwein ›LA NASCITA DI VENERE‹!« Die Worte schallten wie ein Befehl durch die Menge. So dass es für Vincent keine Flucht mehr gab sich der Aufforderung der Massen zu entziehen. Ein Blumenstand wurde gestürmt und war in Dauer eines Funkenfluges ausverkauft. Vom Himmel regnete es Blüten der Liebe und des Frohsinns. Ein würziger Duft des Blumenteppichs ebnete Vincent den Weg und berauschte ihn in der Stunde des neuen Glücks. Er spürte wie Freude sich von Lust zur sexueller Erregung steigerte: endlich eine Lösung für sein armseliges, kleinbürgerliches Leben und seine finanzielle Probleme gefunden zu haben! »Ich bin zu etwas Besserem geboren! Ein bisschen Glück gesellt sich zu den Tüchtigen!« flüsterte er sich siegesgewiss zu.
Die Wartezeit auf den glücklichen Anstoß einer Geschäftsidee war schon lange genug gewesen. Der Zufall ebnete den Weg und wollte es so. »Der Zufall ist mein neuer bester Freund! Hoch lebe der Zufall! Wenn man ihm die Hand reicht und die angebotenen Chancen nutzt, streckt er seine Hände auch öfter aus und hilft in schwierigen Situationen. Ich habe mir jetzt vorgenommen mit dem Zufall immer ein harmonisches Leben zu führen und zusammen zu arbeiten. Bestimmt werden Unterlagen, Dokumente, Rezepte über den besten Wein zu finden sein. Es ist auch Gottes Wille, wenn selbst die Kirche den Rotwein befürwortet. Es soll ein Rotwein der Glückseligkeit gewesen sein, der die Gaumen umspielte, wie ein Jahrhundertgenuss und alle Menschen verzauberte.« Vincents Gehirn war gefüllt mit Ideen, die sich sprudelnd wie Mineralwasserblasen vermehrten. Die Marktplatzerlebnisse eröffneten ein neues Kapitel seines zukünftigen Lebens.
Die Armut machte ihn kreativ und er entwickelte, motiviert durch die Massen, den Kampfgeist das in ihn gesetzte Vertrauen zu erfüllen. Manche Geistesblitze schwappten schon über seine Lippen hinaus, so dass er sich flüsternd in Selbstgespräche vertiefte. Sie spornten ihn an und motivierten seine Gedanken, die Legende wieder aufleben zu lassen. Das Aroma des Geldes und des Ansehens, prominent zu sein, zogen ihn in seinen Bann.
In wohltemperierten Kellern spannten sich gemauerte Rundbögen aus Natursteinen über die Lagerstätten der Weinfässer. Sie waren aus besten Edelhölzern geformt, um einen hochwertigen Reifegrad und die Atmung des Weines zu garantieren. Alte Holzfässer, die noch immer auf ihre Fertigstellung warteten, wechselten sich mit leeren gebrauchten Holzfässern ab. Spinnweben waren ihre einzige Verbindung. Dicke Staubschichten symbolisierten einen Ort der lang anhaltenden Ruhe. Unter Vincents blank polierten Schuhen verwirbelte der feine Staub. Seine Schuhsohlen bildeten sich als Muster wie Spuren im Schnee ab.Verwinkelte Gänge vermittelten das Gefühl, dass Vincent auf dem besten Weg war in eine fremde, unbekannte Welt einzudringen.
Eine flüsternde, innere Stimme versuchte ihn am Weitergehen zu hindern. Die Worte waren jedoch so leise und zart, dass er sie selbst nicht verstehen konnte. Neugier und Entdeckertrieb überstimmten den sanften Klang seiner inneren Sprache. Vor wenigen Tagen war er noch im Callcenter aktiv. Jetzt eröffnete sich eine neue Welt, die ihm mehr Zuversicht, Entspannung und Ruhe versprach.
Keine Hektik, null Chaos mehr, wie in einem Großraumbüro wenn achtundvierzig Kollegen gleichzeitig telefonieren und monotone Töne wie in einem Rausch die Ohren umkreisten.
Vincent durchstreifte die unterirdischen Gewölbe, tastete die Steine ab, trommelte mit den Fingerspitzen aufs Mauerwerk und suchte nach versteckten Dokumenten vergangener Epochen, als Zeitzeugen der Gerüchte, um die Bewandtnis des besonderen Weins zu entlarven. Die Atmosphäre war bedrückend und gleichzeitig berauschend. Er fühlte sich als wäre er in einem Gemälde alter Meister unterwegs und erweckte die Pinselstriche persönlich zu neuem Leben.
Versteckt hinter einer bröckelnden losen Wand schimmerte eine verrostete mit zahlreichen Schlössern und Riegeln bestückte Eisentür. Kraftvoll und energiegeladen lockerte Vincent das brüchig wirkende Gestein und versuchte die Tür aus der Verankerung zu lösen. Wechselnde Wärme und Kälte wirkte auf ihn ein. Er spürte die unbeschreibliche Angst auf total unsichtbares, Fremdes zu treffen. Gleichzeitig lockte die Neugier, was ihn erwarten würde. Die Spannung zerriss seine gespaltenen Gedanken: die Einen wollten ihn zur Rückkehr bewegen, die Stärkeren sagten: »Du hast nichts zu verlieren! Sei mutig, selbstbewusst und gehe deinen vorbestimmten Weg, den dir das Schicksal in die Hände gibt. Nutze deine Chance!«
In seinem neuen Anzug aus dunkelblauem Flanellstoff war er gerade nicht vorteilhaft gekleidet, um auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Luft war stickig und Gerüche der unbekannten Vergangenheit durchtränkten sie von einer Zeit, Jahrhunderte von der technisierten Welt entfernt. Er hüpfte von einem Fuß auf den anderen. Ein Bein wirkte wie eingeschlafen und kribbelte, als würde Kohlensäure durch seine Adern fließen. Mit einem schweren Hammer löste er den Rost, der wie schwerelos zu Boden glitt.
Eisenriegel, die die marode Tür sicherten, erinnerten sich zaghaft nach ein wenig Entspannung an die guten Tage als sie noch regelmäßig im Einsatz waren. Nach endlos langen Jahren der Einsamkeit gaben sie die schmale Pforte endlich wieder frei. Ein Quietschen und Knarren schoss durch das Gewölbe. Der Raum war leer und zeigte die Tiefe einer Röhre, an deren Ende ein beißend, weißes Licht leuchtete. Seine Augen waren geblendet von der Dimension der Endlosigkeit dieses unterirdischen Ganges. Er erhob seinen Kopf. Der Blick seiner Augen tastete durch einen Tunnel, um festzustellen wohin dies Labyrinth führt. Sein Mut lockte ihn das Licht zu erobern. Bei Unbekanntem reizte das Abenteuer und er sah sich als Held auf der Siegesstraße, der mit Applaus und stehenden Ovationen überschüttet würde. Seine Emotionen steigerten gleich seine Lebensgefühle.
Wenn er erfolglos blieb, fiel er immer sofort in ein tiefes Loch, aus dem er sich jedoch mit einer großen Schaufel wieder hastig hinaus-grub, um neue Angriffe auf andere Abenteuer zu starten, die viel versprechender wirkten und ihn erneut wie ein Magnet anzogen. Das lockende Licht trieb ihn voran, um mit der Helligkeit zu verschmelzen.
Versteinert blickte er in den grellen Schein am Ende des langen Ganges, selbst Sonnenstrahlen überbot es. Er spürte eine Elektrisierung als wenn ihn ein Stromschlag kitzelte. Den Blick fest nach vorn gerichtet durchlief er zielbewusst den Schacht. Aus den Augenwinkeln nahm er die Seitenumrandungen des Weges verschwommen war. Mit wenigen langen Schritten durchstreifte er eine verborgene Welt, in der gelebte Generationen von Menschen, wie in einem reißenden Bach, im Zeitraffer vorbeiflossen. Den Boden bedeckte eine dicke Staubschicht, keine Fußspuren waren zu erkennen.
Diesen Weg hatte seit Jahrzehnten niemand mehr beschritten. Dichte Netze von Spinnweben markierten den Tunnel.
Modriger verwitterter Geruch nistete sich in seine Nasenflügel ein. Die Seele war verführt und wie besessen. Sein Geist war bestrebt, die Herausforderung anzunehmen, die Vergangenheit wieder in die Neuzeit zu retten. »Jedes Opfer ist es wert, kein Preis ist zu hoch, um die Legende zum Leben zu erwecken!« nuschelte er als Motivationsschub in sich hinein. Selbst möchte er die Gaumenfreude spüren von der erzählt wird. Dieser Drang beseelte seine Sinne, als würde er im Verborgenen nach einem Goldschatz suchen der seinen Glanz auf ihn überträgt.
Er wollte als Starwinzer gefeiert und umjubelt werden und zur Unsterblichkeit heranreifen. Erfolgreich hatte er seine Gehirnblockaden durchstoßen, die seine Gedanken immer gebremst hatten. Jetzt war er frei, wie aufgelöst, zu spontanem Handeln jederzeit bereit.
Die Wege hinter dem Ausgang des Kellergewölbes waren nicht befestigt. Rumpelnd polterte eine zweispännige schwarze Pferdekutsche über die durchweichte Piste eines erbarmungslosen Weges. Tiefe Furchen und erhöhte Kuppen präsentierten sich. Pferdehufe wirbelten zum Vorwärtsdrang, Achsen wurden gequält, Holzräder sprangen wie Bälle auf und ab und erschütterten die Passagiere.
Der Kutscher hielt die Zügel fest in seinen Händen und jonglierte das Pferdegespann geschickt über die schwierige Strecke. Ein elegant geschwungener Peitschenknall erhöhte das Tempo. Heftiges Schnaufen der Pferde ließ ihre Anstrengungen spüren. Die Gischt der Pfützen umspielte ihre Fesseln. Vincent ereilte eine nasse Welle, die seine enge Hose streifte und die gelackten Schuhe mit Wasserperlen überzog. Seine Füße platschten durch den aufgeweichten Boden. Kieselsteine prallten von den Holzrädern ab, schleuderten empor und verfehlten ihn nur knapp. Eine geballte schwarze Wolke, die tief über der Stadt schwebte, versprühte ihr Unheil in einem reißenden Regenguss. Kühle Winde heulten durch die engen Gassen und sprangen im Zickzack von Haus zu Haus, verwirbelten sich in den Haustüren und herausragenden Jalousien. Die Böen trieben den frischen Duft der Natur vor sich her, die eine Vergangenheitsbotschaft versandten.
Vincents Schatten schlängelte sich von Tür zu Tür, blieb ruckartig stehen. Er blinzelte erst etwas verhalten in die Tiefe der Nacht und wandte sich um eine Ecke herum, die zwei Wege voneinander trennten. Sein Schatten wurde von der Dunkelheit aufgefressen, nur das Vollmondlicht streifte durch die Bäume und ließ die Umrisse seines schlanken fast 1,80 Meter großen Körpers erkennen.
Lindgrüne Blätter von dicht gewachsenen Bäumen reduzierten den Wasserfluss. Seine gepflegten Haare weichten auf und die elegante Kleidung, triefend vollgesaugt, klebte wie ein Schwamm an seinem Körper. Wassertropfen strömten wie in einem reißenden Gebirgsbach im Gesicht hinunter. Gestank aus dem Fluss machte sich breit und versprühte seine Düfte, die sich durch die Innenstadt an den Häusern der Einwohner vorbei schlängelten. Der Mief kehrte an den Ort seiner Herkunft immer wieder zurück. Eigentlich bewegte sich der Gestank nur in einem Kreis ohne je die Stadt verlassen zu können. Stehende verstopfte Gewässer offenbarten Fäkalien und Müll als Lebensinhalt. Ein sanfter Wellenschlag könnte die stille Wasseroberfläche öffnen, wenn jemand einen Stein über das modrige Nass hüpfen ließe.
Kerzenlicht und Öllampen eines Gasthofs erhellten die Dunkelheit. Gäste mit anmutiger Natürlichkeit und spritziger Lebendigkeit saßen an hölzernen, zerkratzten Tischen in einer schäbigen Kaschemme. Sie lebten gemächlich den Moment des Augenblicks und saugten ihn in vollem Umfang in sich hinein. Streben nach Erfolg war ihnen zuwider, sie genossen lieber den Abend und feierten ausgelassen.
Ein schmieriger Wirt eilte vorbei und stellte Vincent ohne ein Wort zu verlieren einen Krug Rotwein auf den Tisch, der auf einer Seite schon bedrohlich wackelte. Das Getränk war nicht weit entfernt von einem gepanschten, undefinierbaren Fusel, der dazu neigte am nächsten Morgen Kopfschmerzen zu verursachen, schoss es Vincent durch den Kopf, als er einen Schluck probierte. Die einheimischen Stammgäste, die den Gastraum füllten, erhellten mit zuprostenden Worten die Stimmung, als sie Vincent erblickten. Sie riefen ihm zu: »Diese Runde Wein geht auf uns! Heute sind alle Fremden unsere Gäste!«
Wie aus einer anderen Welt musterten ihn die glücklichen, freudestrahlenden Augenpaare der Feiernden. In seiner Kleidung und Mode, die ihnen nicht geläufig war, wirkte Vincent jedoch wie ein Fremdkörper. Mit seinem farbigen Designerhemd, gelackten Schuhen und modisch geschnittenem Jackett fiel er besonders exotisch auf.
»Schicke Sachen hast Du an! Nenne uns Deinen Schneider! Aus welchem Land kommst Du?« Fragen über Fragen stürzen auf Vincent ein.
Stillschweigend reagierte Vincent nicht. Ihre Gesichter verabschiedeten sich von aller Sympathie, als sie ihn genauer zwischen zwei Schunkelliedern und mehreren Weinschlucken analysierten. Kreidebleiche, farblose Schleier überzogen ihre entfremdeten Antlitze und flößten Vincent Furcht ein. In welcher Welt war er gelandet, was hatte sich bei dem Gang durch das Kellergewölbe verändert? Wilde Gedanken marterten im Dauerfeuer sein Gehirn.
Vincent winkte den Wirt heran und fragte ihn: »Was haben wir heute für einen Tag, einen Monat und ein Jahr?« Der Wirt antwortete selbstverständlich mit ernster Miene und ohne zu überlegen. »Heute ist der 23. März 1787!« Vincent dachte, er hätte sich verhört. Der Wirt mache einen Scherz. April! April!
Vielleicht …? Oder er arbeitete nebenbei als Komiker, um die Feierstimmung in seiner Kneipe erneut zu puschen. Wer dämlich fragt bekommt auch eine dumme Antwort. In dem Gastraum erkannte Vincent ein Schild, das seine Augen anlockte. Dort stand geschrieben, wie eingebrannt in handschriftlicher Dokumentation:
Am 28. März 1787 ist unser Gasthaus wegen einer Hochzeitsfeier geschlossen! Wir bitten alle anderen Gäste für ihr volles Verständnis!
»Ein Wunder ist geschehen! Ich kann mich in zwei Welten bewegen!« Sein ernstes Gesicht verzog sich und verwandelte sich zu einem Lächeln. Erst sanftes Grinsen, das sich raketenartig steigerte, als würde ihn ein Feuerstrahl beschleunigen. Die Fröhlichkeit erhob sich zu einem teuflischen Gelächter, nachdem er die Gaststätte verließ, so dass nur noch ein Echo für einen kurzen Augenblick zurückschnellte. Er rappelte sich auf und wirkte benommen, als wäre er einem Albtraum entsprungen. Seine Atmung wurde schwer. Durch tiefes inhalieren versuchte er neue Energiereserven zu erhaschen; wie ein Sauger presste er die erfrischende, kühle Nachtluft in sich hinein.
Sein hektisches Spiegelbild löste sich mit dem Glitzern der ersten Sonnenstrahlen des frühen Morgens in der blanken Wasseroberfläche des Arno auf, bis sein Antlitz von einer langen, weiten Welle verschluckt, in der Endlosigkeit des Flusses verschwand. Die Ohnmacht, vergangene Zeiten zu erleben, verabschiedete sich von ihm. Die kühle Morgenluft zu genießen, die die Natur als Genuss für das Leben bereithielt, ließ ihn erwachen. Jetzt war sein Verstand klar wie eine Gebirgsquelle. Ein Streifzug durch Florenz von 1787 wurde zum Abenteuer, das sich Vincent nicht Entgehen lassen wollte. Der Spaß seines Lebens begann, indem er das Leben der Florentiner beobachtete, die Kultur, den Alltag und das Treiben in den Straßen und Wegen, Speisen und Getränken zu kosten, alte Gerüche einzuatmen, Stimmen hören, Kleidung sehen und die vielseitig angebotenen Waren auf den Märkten anzufassen. Dieses überreizte seine Sinne. Eine Geschmacksvielfalt von naturbelassener Reinheit beeindruckte seinen Gaumen. Eine neuer Genuss marschierte über seine Lippen und begleitete ihn in seine Gegenwart: fest verankert in seinem menschlichen Spektrum werden sie ihn nie mehr verlassen.
Goldschmieden und Schmuckläden auf der Ponte Veccio Brücke wollte er besuchen und Erinnerungen kaufen, wenn er das nächste Mal mit Goldmünzen zurückkäme. Er flanierte zwischen den Gegensätzen von gestern und heute und bewunderte die Prachtbauten der Schönen und Reichen und wandelte in den verwinkelten und stinkenden Gassen der Armen der Ärmsten. Vincent nahm ein Bad des verführerischen, wohlduftenden Parfums des Reichtums, das die Villen und Paläste wie eine Festung umlagerte sowie Gerüche des Luxus, die die Nasen des Geldadels umschmeichelten. Vincents Augen funkelten hypnotisiert. Gleichzeitig fern und unerreichbar für normal Sterbliche waren sie im Lebensweg der Armut verankert; niemals könnten sie die hohen Schwellen zum Erfolg erklimmen, jeglicher Zugang bliebe ihnen verwehrt. Das war das Elend täglich ums Überleben zu kämpften.
