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Buddhismus im Alltag umsetzen ist leicht aber nicht einfach. Es erfordert von uns eine Menge Übung. Wichtig und hilfreich kann die Erkenntnis sein, dass es gerade unsere Fehler und unser Versagen ist, aus dem wir am meisten lernen können.
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Seitenzahl: 98
Veröffentlichungsjahr: 2021
Vorwort
Einleitung
Buddhismus
Die Schule des Chan
Die vier edlen Wahrheiten
Der achtfach edle Pfad
Die fünf Silas
Die fünf Skandha
Die vier Brahmavihara
Die sechs Paramita
Die fünf Nivarana
Ta Mo – Boddhidharma – Dharuma
Shaolin
Begriffe des Buddhismus
Karma
Samsara
Nirwana
Dharma
Buddha
Sangha
Ich sehe was, was Du nicht siehst – Unsere Wahrnehmung
Die fünf Sinneskanäle
Filter
Den Tiger reiten – Umgang mit den Emotionen
Schädliche Emotionen
Heilsame Emotionen
Du bist heute das, was Du gestern gedacht hast – Die Macht der Gedanken
Man kann nicht Nicht kommunizieren – Unsere Kommunikation
Destruktiv kommunizieren
Konstruktiv kommunizieren
Buddhistische Weisheiten im Alltag
Über den Autor
Buddhismus im Alltag umsetzen ist leicht aber nicht einfach. Es erfordert von uns eine Menge Übung. Wichtig und hilfreich kann die Erkenntnis sein, dass es gerade unsere Fehler und unser versagen ist, aus dem wir am meisten lernen können.
Schon Gautama hat erkannt, dass der Weg des Buddha sehr steinig sein kann und hat in seinen Lehren immer wieder darauf hingewiesen. Er sagte dazu:
„Das Geheimnis des außerordentlichen Menschen ist in den meisten Fällen nichts als Konsequenz.“
Der Grund, warum einige Menschen erfolgreich sind, liegt in ihrem konsequenten Handeln. Wenn sie etwas begonnen haben, bringen sie es auch zu Ende. Die Fähigkeit, etwas durchzuhalten, auch wenn es mal schwierig oder langweilig ist und man vielleicht nicht auf den ersten Blick Fortschritte sieht, das ist der Schlüssel zum Erfolg.
Mir ist wichtig, wie der Titel dieses Buches andeutet, den Buddhismus als praktikable Lebensführung zu beschreiben und ihn aus der religiösen Ecke rauszuholen, wo er meinem Verständnis nach nichts zu suchen hat.
Vor einiger Zeit war ich mit den Teilnehmern eines meiner Seminare zum Essen. Dabei kam die Sprache darauf, dass ich Veganer bin und was meine Beweggründe dafür seien. Ich erklärte, dass meine Entscheidung dafür rein ethisch begründet sei, den Anstoß dazu jedoch aus meiner Beschäftigung mit dem Buddhismus kam. Daraufhin erklärte eine Teilnehmerin, dass sie auch praktizierende Buddhistin sei. Im Laufe des Gesprächs stellte ich jedoch erhebliche Unterschiede in unserer Wahrnehmung der buddhistischen Lehre fest. Als ich dann zu einer Aussage den Namen „Gautama“ erwähnte und ihn zitierte, sah mich die Dame fragend an und fragte wer das sei. Siddhartha Gautama war der Gründer der buddhistischen Lehre und der erste Buddha. Es wäre das Gleiche, wenn ein gläubiger Christ fragen würde wer Jesus war? Im weiteren Verlauf stellte sich dann heraus, dass die Dame das war, was ich ein „Dalai Lama Groupie“ nenne.
Dieses Erlebnis ist symptomatisch für das Verständnis des Buddhismus hier im Westen. Angeblich hat die Vajrayana Schule des Buddhismus in Deutschland über 500.000 Anhänger. Man nimmt an, dass dies mit der Popularität des Dalai Lama in Verbindung steht. Meiner Meinung nach findet bei den wenigsten davon eine wirkliche Auseinandersetzung mit der buddhistischen Lehre wirklich statt und wenn, dann nur mit der pervertierten Karikatur in Form des Vajrayana Buddhismus, der Schule des Dalai Lama. Deshalb benutze ich den Begriff „Groupie“, denn diese Menschen setzen den Buddhismus mit einer Person gleich, die sie dann auch noch „seine Heiligkeit“ nennen.
Persönlich unterteile ich die Lehre des Buddhismus in eine rein geistig orientierte und eine praktische orientierte Methode. Erstere wird in Klöstern praktiziert, die zweite möchte ich in diesem Buch vorstellen. Diese ist eine äußerst praktikable Philosophie, die uns, wenden wir sie im Alltag an, unser Leben deutlich einfacher und glücklicher gestalten lässt.
Wie Du das bewerkstelligen kannst möchte ich Dir in diesem Buch zeigen.
Obgleich der Buddhismus in vielen Enzyklopädien als Weltreligion bezeichnet wird, ist er aus seinem Selbstverständnis heraus vielmehr eine Lebensphilosophie. Doch was macht die Philosophie des Chan Buddhismus aus?
Als Siddharta Gautama, der spätere Buddha, Erleuchtung erlangte und die Lehre des Buddhismus kreierte, ging es ihm um eine recht banale Sache: Jeder Mensch kann eigenverantwortlich und sich unabhängig von einer religiösen Autorität entwickeln und Erleuchtung erlangen. Bis dahin gab es die Brahmanen, die das spirituelle und religiöse Leben der Menschen bestimmten. Genau von dieser Bevormundung wollte Siddharta Gautama die Menschen befreien.
Bevormundung lässt sich leider in jeder Religion erkennen. Es gibt den Priester, den Imam oder den Rabbi, der den Gläubigen ihren Glauben erklärt und ihnen sagt, was sie zu tun, zu lassen und an was sie zu glauben haben. Aus diesem Grund sind Religionen nach meiner Ansicht für die eigenverantwortliche Entwicklung eines Menschen weniger bis überhaupt nicht geeignet, weil sie dem Gläubigen immer einen geistigen „Führer“ vorsetzen.
Warum hat es in der katholischen Kirche solange gedauert, bis die Bibel in die Sprache des Volkes übersetzt wurde – teilweise unter Androhung und Ausführung schwerster Strafen und Tod auf dem Scheiterhaufen? Vielleicht, damit Priester einen Wissensvorsprung hatten? Dieses Vorgehen hätte nichts Religiöses an sich, vielmehr ginge es dabei um Machterhalt. Bibeltreue Historiker werden solche Schlüsse natürlich bestreiten. Die Frage bleibt daher unbeantwortet, solange sich die Experten uneins sind. Fakt ist: Erst Luther hat die Bibel übersetzt und die Schriften somit dem Volk zugänglich gemacht. Zumindest dem Teil der Bevölkerung, der des Lesens mächtig war.
Zurück zum Thema. Im Gegensatz zu den Weltreligionen versteht sich nach meiner bescheidenen Ansicht der Buddhismus und hier vor allem die Schule des Chan als einen rein persönlichen Lern- und Lebensweg. Denn auch hier gibt es leider andere Ausprägungen. Daher sollte nicht verschwiegen werden, dass auch der Buddhismus seine dunklen Seiten hat und vom Menschen sozusagen missbraucht wird. Beispiel hierfür sind die Geschehnisse in Burma und Sri Lanka, wo Buddhisten, angeführt von einem Mönch, Muslime ermorden. Berichte darüber findet man in der Presse:
Spiegel Online vom 17.06.2014: „Unruhen im Urlaubsland: Radikale Buddhisten in Sri Lanka greifen Muslime an“
Die
Presse.com
vom 06.04.2013: „Gewalt im Namen Buddhas“
Zeit Online vom 16.05.2013: „Der Zorn der Mönche“
Auch der Dalai Lama scheint nicht die schillernde Lichtfigur zu sein, die seine Anhänger und Fans in ihm sehen. So titelte der Stern in seiner Ausgabe vom Juli-Ausgabe 2009 „Die zwei Gesichter des Dalai Lama – der sanfte Tibeter und sein undemokratisches System.“ Das Editorial dieser Ausgabe war mit „Die dunkle Seite des Dalai Lama“ überschrieben. Das ARD Magazin „Panorama“ berichtete über die Verbindungen des Dalai Lama zur CIA.
Einer der heftigsten Kritiker des Dalai Lama dürfte wohl der deutsche Psychologe Colin Goldner sein. In seinem Buch „Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs“ beschäftigt er sich ausführlich mit der tibetischen Form des Buddhismus (Vajrayana), den Zuständen im alten Tibet vor der chinesischen Besetzung und der Person des Dalai Lama.
Das Problem, dass ich im tibetischen Buddhismus hauptsächlich sehe, ist die Vermischung mit der tibetischen Bön-Religion und damit seine Wandlung (Entartung) zur Religion mit Göttern, Höllen und einem geistigen Oberhaupt. Wobei die Wandlung zur Religion das Problem des Buddhismus allgemein sein dürfte. Denn der Buddhismus bedeutet für mich, selbst Erfahrungen zu sammeln und nicht blind zu glauben bzw. den Erfahrungen anderer folgen zu müssen, egal ob es der „Sohn Gottes“ sei oder ein Prophet. Im Buddhismus gibt es keine äußere Autorität, keinen Gott, kein Dogma. Dies würde die Entwicklung des Individuums verhindern.
Die Schule des Chan ist eine Form des Buddhismus, der durch Meditation und durch das direkte Erleben der Wirklichkeit, die Erleuchtung sucht. Begründet wurde diese Schule von einem indischen Mönch namens Ta Mo (jap. Bodhidharma). Diese Form des Buddhismus kam von China nach Japan und wurde dort zum bekannten Zen Buddhismus.
Die Chan Philosophie ist tief in der Philosophie der Kung Fu-Stile verankert, die ihren Ursprung im Kloster Shaolin haben. So habe ich den Chan Buddhismus durch meine Kung Fu-Ausbildung kennen und schätzen gelernt, da er mir als eine verständliche und vernünftige Lebensphilosophie erscheint. Das Ziel des Chan ist das Erwachen. Für mich bedeutet das, ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu führen, Gutes zu tun und Böses zu vermeiden. Verantwortung für mein Tun selbst zu übernehmen und nicht an etwas anderes oder andere abzuschieben. Persönlich lehne ich daher jeglichen Gottglauben ab. Ich bin mir bewusst, dass alle meine Taten, Worte und Gedanken etwas auslösen. Gerade deshalb empfinde ich es als wichtig, mich weiterzuentwickeln. Dies ist meine Interpretation der Karma-Lehre.
Siddhartha Gautama (563 – 483 v. u. Z.), der erste Buddha und Begründer der buddhistischen Lehre betonte immer die Wichtigkeit der persönlichen Erfahrung im Gegensatz zu blindem Glauben. Deshalb kann es im Buddhismus auch keine äußere Autorität und kein Dogma geben. Dies würde jedem Individuum die Chance auf Erkenntnis nehmen. So sagt er:
„Niemand rettet uns, außer wir selbst. Niemand kann und niemand darf das. Wir müssen selbst den Weg gehen.“
Diese Weisheit macht deutlich, dass wir unsere Erfahrungen selbst machen müssen. Buddha weißt in diesem Zitat darüber hinaus darauf hin, dass ein anderer es nicht für uns machen darf. Siddhartha Gautama war davon überzeugt, dass in jedem Menschen die Fähigkeit zur Erleuchtung bereits angelegt ist und diese ausschließlich durch Selbständigkeit zu erreichen ist.
Was bedeutet das nun für uns? Es bedeutet, dass wir die Verantwortung für unser Handeln, Reden und Denken übernehmen sollten. Tun wir das nicht, geben wir die Macht über unser Leben ab und machen uns zu einem hilflosen Opfer.
Wir sind die Gestalter unserer Zukunft und tragen ganz alleine die Verantwortung für unsere Entwicklung.
Siddharta Gautama hat nach seiner Erleuchtung seine grundlegenden Erkenntnisse über das Leben in vier Sätzen zusammengefasst. Diese vier Sätze sind bekannt als die „vier edlen Wahrheiten“. Es gibt zahllose Interpretationen dieser Sätze, vor allem des ersten Satzes. Eine, die ich am häufigsten gelesen habe lautet: „Leben bedeutet Leiden.“
Diese Interpretation ist die für mich am wenigsten richtige, da sie mir zu pessimistisch formuliert ist. Der Buddhismus, so wie ich ihn verstehe, ist etwas positives, deshalb habe ich meine eigene Auslegung der „vier edlen Wahrheiten.“ Sie lauten:
Es existiert Leid im Leben.
Der Ursprung des Leidens sind Begierde und unkontrollierte Emotionen.
Es ist möglich das Leiden zu beenden.
Diese Möglichkeit bietet der „achtfach edle Pfad“.
In einem modernen Kontext könnte man die vier edlen Wahrheiten folgendermaßen formulieren:
Es gibt Herausforderungen im Leben
Diese Herausforderungen sind notwendig, damit wir uns entwickeln können.
Diese Herausforderungen können gemeistert werden.
Dazu musst Du selbst aktiv werden.
Zur Überwindung des Leidens entwickelte Siddhartha Gautama acht Prinzipien welche als „Achtfach edler Pfad“ bekannt wurden.
Diese acht Prinzipien sind:
Rechte Einsicht
Rechte Gesinnung
Rechte Rede
Rechtes Handeln
Rechter Lebensunterhalt
Rechte Anstrengung
Rechte Achtsamkeit
Rechte Konzentration / Meditation
Auch die meisten dieser acht Pfade können in unsere Zeit übertragen werden. Die anderen sind zeitlos gültig.
Erkenntnis/Einsicht
Denken (Glaubenssätze, Innere Kritiker)
Kommunikation
Handeln
Lebensunterhalt (Ziele)
Streben/Motivation
Achtsamkeit
Fokuslenkung
Mit dem Begriff „Rechte“ ist hier selbstverständlich keine politische Gesinnung gemeint, sondern vielmehr ist es im Sinne von „angemessen“, „rechtschaffen“ oder auch „vollständig“ gemeint.
Die Regeln des „Achtfach edlen Pfades“ sind jedoch keine Ge- oder Verbote, wie es sie in den Religionen gibt, sondern Empfehlungen die eigenverantwortlich und aus der Gewissheit heraus, dass es das Richtige ist, befolgt werden sollen.
Ziel des Buddhismus ist, in die eigne Mitte zu kommen und sein Herz zu öffnen. In diesem Zustand leben wir völlig natürlich in Harmonie mit der gesamten Schöpfung und benötigen keine Gebote mehr, nach denen wir uns richten müssten, da unser gesamtes Denken, Reden und Handeln einem tiefen Verständnis der Welt und des Lebens entspringt. Dieser Zustand nenne ich Nirwana.
Die ersten beiden Pfade beziehen sich auf unser Denken und unsere Gesinnung. Diese sind die Grundlage unseres Handelns.
Die nächsten drei Pfade beziehen sich auf unser ethisches Verhalten als Basis für das Zusammenleben mit unseren Mitgeschöpfen.
