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Der Fantasy-Kurzroman"Der Ruf des Todes" ist als Erstlingswerk einer Jungautorin spannend und kurzweilig. Mit allen Elementen einer Geschichte die junge Leser und Leserinnen in den Bann zieht, ist er der Auftakt zu einer Reihe, der die dramatischen Abenteuer erzählt, wie der unglückliche Thanos sich von seinem übermächtigem Vater zu befreien versucht.
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Seitenzahl: 86
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Erster Teil: Das Buch
Das Buch
Der Sprung ins Unbekannte
Die Lichtung
Wo? Was? Wie? Wer?
Zweite Teil: Loren
Wo? Was? Wie? Wer? - Fortsetzung
Fragestunde
Warum tust du das?
Die Flucht
Die Karte
Das Rätsel
Der Weg zu den Kreaturen
Der Schutzkreis
Dritter Teil: Thanos
Der Schutzkreis - Fortsetzung
Vierter Teil: Loren
Der Schutzkreis - Fortsetzung
Alles kommt ans Licht
Das Schloss des Todes
Die Nacht im Anwesen
Das Haus
Der Tod
Fünfter Teil: Thanos
Der Tod - Fortsetzung
Sechster Teil: Erzähler
Wieder zu Hause
In der Perspektive des Erzählers
Ein Mädchen lief auf der Straße in Richtung der Stadtbibliothek von Cornwall. Sie war noch zu weit weg um sie zu erkennen, jetzt kam sie näher, es war Loren. Ein groß gewachsenes junges Mädchen mit langen roten Haaren, um die 16 Jahre alt. Sie trug ein weißes Kleid. Wieder hatte sie ein Buch fertig gelesen. Als sie die Bibliothek erreichte ging sie eilig hinein. Die Bibliothekarin bedachte sie nur mit einem kurzen Kopfnicken, als Loren das Buch auf ihren Tresen legte. Loren beachtete sie kaum und ging schnurstracks auf ein Regal zu, als ob sie von irgendetwas angezogen werden würde. Sie nahm ein Buch heraus welches von seiner äußeren Aufmachung demjenigen glich, dass sie gerade zurückgebracht hatte. Beim näheren Hinsehen erkannte man den Titel, er lautete:
< DER RUF DES TODES >.
Loren ging zurück zum Tresen der Bibliothekarin, reichte ihr das Buch und eine kleine Karte, die ihr die Bibliothekarin abstempelte. Wortlos reichte sie Loren das Buch, was diese hastig in ihre Tasche steckte und eilig die Bibliothek verließ. Draußen schlug ihr die milde Frühlingsluft entgegen, als sie durch die kleinen Gässchen des typisch cornischen Städtchens lief. Alles schien so ruhig und friedlich, so dass auch Loren von dieser Ruhe angesteckt wurde und sie sich gleichmütig und frei fühlte.
Endlich wandte sich Loren einem unscheinbaren Haus zu. Wie die meisten Häuser in dieser Gegend, war auch dieses weiß und hatte grüne Fensterläden. Es war nicht Lorens Haus, sondern das ihrer Pflegemutter, Caja Simmons. Hastig nahm sie den Schlüssel aus ihrer Tasche und schloss die Tür auf. Sie wusste, dass sie bereits zu spät war und ihre Pflegemutter schon auf sie warten würde. Loren trat in den spärlich beleuchteten Hausflur und legte hastig ihre Tasche mit dem Buch darin auf einen kleinen Hocker und hängte Ihre Jacke darüber. Dann betrat sie das Wohnzimmer, das einfach, aber sehr gemütlich eingerichtet war. Sie fragte sich, wo ihre Pflegemutter war, da hörte sie auch schon ihre Stimme aus der Küche:
< Loren, bist du das? > Ohne ihre Antwort abzuwarten, rief sie nun ungeduldiger:
< Loren wo bleibst du denn, ich brauche deine Hilfe! >
Das klang nach Ärger. Loren rannte in die Küche.
< Ja Pflegemutter? >, sagte sie in einem möglichst beschwichtigenden Ton.
< Du weißt doch, dass du mich nicht so nennen sollst, > antwortete ihr Caja leicht aufgebracht.
< Es tut mir leid Miss Simmons! >, antwortete Loren sofort schuldbewusst.
Miss Simmons, eine hagere Person mit einem strengen, grau - melierten Dutt in den Siebzigern, war mehr eine Arbeitgeberin als eine Pflegemutter. Sie holte Loren, die ihre gesamte Kindheit nach dem Tod ihrer Eltern, in unterschiedlichen Heimen und Pflegefamilien verbracht hatte, zu sich, als ihr Mann starb. Sie hatte das Alleinsein satt bekommen und nun, da sie auch nicht mehr die Jüngste war, brauchte sie jemanden, der ihr beim Haushalt zur Hand ging.
< Hilf mir mit der Pastete, und eines noch, wo warst du? Ich hoffe du hast dir nicht schon wieder ein Buch geholt. Du weißt ja was mit dem letzten passiert ist! >
Natürlich wusste Loren das; nur zu gut. Mit Schaudern erinnerte sie sich daran dass das letzte Buch im Feuer gelandet war. Sie hatte ewig gebraucht, es abzubezahlen.
< Ich war ein wenig an der frischen Luft spazieren. Und NEIN ich habe mir kein neues Buch ausgeliehen. >
< Das ist gut, du weißt ja, dass du nicht Lesen sollst, sondern dich lieber mit sinnvollen Dingen befassen sollst. >
Caja Simmons vertrat noch die mittelalterliche Ansicht, dass junge Mädchen nicht in die Schule gehörten, sondern hinter den Herd. Loren hatte schon mehrere Diskussionen mit ihr diesbezüglich geführt. Was dazu gemündet hatte, dass sie schließlich nachgegeben und Loren erlaubt hatte wenigstens in die Sonntagsschule zu gehen.
Nachdem Loren Caja bei der Pastete geholfen hatte, schlich sie sich in den Flur und griff ihre Tasche. Das Ganze musste sehr schnell und leise vor sich gehen, denn Caja saß im Wohnzimmer nebenan und hörte alles. In ihrer Tasche spürte sie deutlich das Buch und vor Freude hätte sie einen Luftsprung machen können, doch das hätte sie endgültig verraten. Also schlich sie leise die zwei Treppen hoch und in ihr Dachbodenzimmer. Für Loren war es das schönste Zimmer im Haus, denn es gehörte ihr ganz allein! Sie hatte ein Bett an der rechten Wand aufgestellt und einen kleinen, etwas demolierten Schrank an der linken Wand. In ihrem Schrank hingen momentan fünf Kleider, alle von Caja selbst genäht. Ein schwarzes, für Trauertage, ein weißes für Kirche und Feste, ein rotes, weil Loren rot so sehr mochte und ein blaues und rosafarbenes, weil Caja es so wollte. Loren sollte, nach ihren Vorstellungen so unauffällig, wie alle anderen jungen Mädchen aussehen, denn durch ihre roten Haare, war sie schon auffällig genug. Neben Lorens Bett stand ein kleiner Nachttisch, mit einer Lampe darauf. An der Wand gegenüber der Tür befand sich ein Fenster. Zwar nur klein aber immerhin! Loren legte ihre Tasche auf den Nachttisch und hob ihr Kissen an, um ihr Nachthemd darunter hervorzuholen. Schnell zog sie es über und ließ sich dann erschöpft auf das behagliche Bett fallen. Als sie es sich gemütlich gemacht hatte, holte sie ihr Buch hervor und begann zu lesen...
Es war eine dunkle Nacht als sie die Stimme hörte. Sie war sich nicht sicher, aber die Stimme schien von irgendwoher dicht hinter ihr zu kommen. Immer näher schien sie zu kommen. Die Stimme ließ sie erschaudern, es war eine außergewöhnliche, unheimliche Stimme. Das Mädchen rannte, wollte nur von dieser Stimme davonkommen und kam schließlich auf einer Lichtung an. Hier sah sie ein kleines Holzhaus, ohne Fenster, mit einem dunklen Dach. Verfolgt von der furchtbaren Stimme, stürzte sie voller Angst ins Haus, in der Hoffnung hier Schutz zu finden. Hastig schloss sie die Tür hinter sich. Nun, da sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatte, sah sie einen leeren Raum. Draußen war immer noch die unheimlich Stimme zu hören, die immer wieder rief:
< Komm zu mir! >
Obwohl der Satz deutlich zu hören war, und in Folge dessen die Stimme auch sehr nah war, schien aus unerfindlichen Gründen niemand, wie das Mädchen erleichtert feststellte, herein kommen zu wollen.
Das Mädchen durchschritt den Raum und entdeckte eine weitere Tür. Da diese unmöglich nach draußen führen konnte, musste es ein Zugang zu einem weiteren Zimmer sein. Vorsichtig öffnete sie die Tür. Der entsetzliche Anblick, der sich ihr hier bot, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren: das Erste, was sie wahrnahm war, dass der Raum voller Blut war und schließlich sah sie es deutlich: überall lagen tote menschliche Körper. Panik stieg in ihr auf. Schließlich brach sie zusammen. Als sie wieder zu sich kam, waren ihre Hände voller Blut. Entsetzt blickte sie auf darauf und schloss sie schnell zu einer Faust.
Loren war so müde und obwohl das gerade Gelesene so spannend war, konnte sie ihre Augen nicht mehr offen halten. Sie schlief ein. Das Buch in ihren Armen.
< Komm zu mir! >
< Komm zu mir! >
Loren schreckte hoch. Das Buch begann blutrot zu leuchten. Es öffnete sich und Hände begannen Loren in das Buch zu ziehen, blutige Hände. Sie zerkratzten ihre Haut, alles begann sich um sie her zu drehen und sie schien mit einer unglaublichen Geschwindigkeit irgendwo hineinzufallen. Das Buch war immer noch in ihrem Zimmer, auf ihrem Bett.
< Komm zu mir! >
< Komm zu mir! >
Loren rappelte sich hoch und rannte. Sie wusste nicht wo sie war, sie wusste nur eins: weg von dieser entsetzlichen Stimme. Sie hatte furchtbare Angst. Es war völlig dunkel und etwas rauschte an ihr vorbei und zerkratzte ihr die Wange. Sie rannte durch einen Wald immer wieder rief die Stimme:
< Komm zu mir! >
Plötzlich trat sie auf eine Lichtung, auf der sich ein kleines Holzhaus befand. Loren dachte nicht nach, sie riss die Tür auf, trat ein und schlug die Tür schnell hinter sich zu. Es war stockfinster. Nur langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Sie erschrak zu Tode, eine Frau und ein Mann kauerten halbtot in einer Ecke des Zimmers. Ein Schrei durchbrach die Finsternis. Sie selbst hatte geschrien. Sie bekam panische Angst, riss die Tür auf und rannte aus dem Haus in den Wald. War das nur ein böser Traum oder war das Realität? Loren kniff sich in den Arm und wünschte sich sehnlichst aus diesem Albtraum zu erwachen, aber nichts geschah. Fieberhaft suchte sie nach einem Platz, wo sie in Ruhe, soweit dies überhaupt möglich war, nachdenken konnte.
Jetzt erinnerte sie sich wieder: Ja, sie hatte ein Buch gelesen, bevor sie eingeschlafen war, ein spannendes Buch, jenes, dass sie sich gerade aus der Bibliothek ausgeliehen hatte. Schlagartig traf sie die Erkenntnis: das, was sie hier erlebte, war genauso in dem Buch geschildert worden, bis auf eine Abweichung: das Zimmer mit den vielen Toten, wo war es?
Ein Gefühl der Angst, aber auch der Neugierde erfasste sie. Schließlich siegte die Neugierde: sie musste herausfinden, ob sie wirklich in der Geschichte war. Entschlossen machte sie sich auf zur Hütte, als gerade die Sonne aufging.
