Der Samenmann - Violette Ailhaud - E-Book

Der Samenmann E-Book

Violette Ailhaud

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Beschreibung

Traduction de L'homme semence de Violette Ailhaud, en allemand, par Frédérique Marie Miñana - Der Samenmann aus dem Französischen von Frédérique Marie Miñana: 1852, Violette Ailhaud ist im heiratsfähigen Alter. Durch die Kämpfe, die auf den republikanischen Aufstand folgen, verliert ihr Dorf in den »Basses-Alpes« auf grausame Weise all seine Männer. Zwei Jahre vergehen in totaler Einsamkeit. Die Frauen schwören untereinander, dass, sollte ein Mann kommen, er der Mann aller sein würde, damit das Leben weitergeht durch den Leib jeder einzelnen.
“Es kommt aus der Tiefe des Tals. Lange bevor es das seichte Wasser erreicht, bevor der Schatten sich zwischen den Sandflächen im Zeitraum eines langsamen Wimpernschlags vom Glanz des Wassers abhebt, wissen wir es: Es ist ein Mann. Unsere männerlosen leeren Frauenkörper fingen auf eine Weise an widerzuhallen, die nicht lügt. Gleichzeitig unterbrechen unsere müden Arme das Häufen. Wir schauen uns an und jeder von uns wird der Schwur gegenwärtig. Unsere Hände fassen sich, zerren so sehr, dass die Finger knacken. Was wir uns erträumten ist auf dem Weg, furchterregend und heißbegehrt.” Nachwort des Historikers Jean-Marie Guillon aus der “Université de Provence”, Mitglied der Assoziation 1851. L’homme semence (Originaltitel) wird präsentiert in Form von: Theater, Kino, Erzählungen, Tanz, Comics, Radierungen.

ÜBER DEN AUTOR

Geboren 1835, ist Violette Ailhaud im Jahr 1925 gestorben. L’homme semence (Originaltitel) hat sie 1919 geschrieben. Innerhalb von siebzig Jahren hat ihr Dorf all seine Männer zum zweiten Mal verloren.

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Seitenzahl: 30

Veröffentlichungsjahr: 2020

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ISBN : 978-2-37586-071-7

© 2020, Éditions Parole

Groupe AlterMondo 83500 La Seyne-sur-Mer

Courriel : [email protected]

www.editions-parole.net

Tous droits réservés pour tous pays

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Violette Ailhaud

Der Samenmann

Aus dem Französischen von Frédérique Marie Miñana

Vorwort

Le Saule Mort1, am 19. Juni 1919.

Ich habe beschlossen das zu erzählen, was nach dem Winter 1852 geschah, weil in weniger als siebzig Jahren soeben unser Dorf all seine Männer zum zweiten Mal verloren hat, ohne Ausnahme. Der letzte ist am 11. November, dem Tag des Waffenstillstands, gestorben.

Für uns Frauen gibt es keinen Sieg, nur Leere. Und ich verbinde meine Tränen mit denen aller Frauen, Deutsche wie Französinnen, die in ihren Häusern ohne Mann umherirren. Ich weine über die vielen verlorenen Arme, geschaffen um uns zu halten und das Schaf zur Schurzeit auf den Boden zu zerren. Ich weine über die vielen abgetrennten Hände, geschaffen um unsere Körper zu liebkosen und die Sense zu führen, stundenlang. Ich war sechzehn im Jahr 1851, 35 Jahre alt 1870, heute bin ich 84. Und immer wieder entriss uns die Republik unsere Männer wie das Heu vom Feld. Sie haben saubere Arbeit geleistet. Nur unser Leib, unsere fraueneigene Erde, hat keine Ernte mehr ergeben. So viele Männer entrissen, dass der Samen ausblieb.

Die Geschichte, die ich heute an meinem Lebensabend erzähle, hat sich in provenzalischer Sprache abgespielt. Zu dieser Zeit hatten wir keine andere als diese, von unseren Eltern überliefert. Die provenzalische Mundart, der „Patois“, das Kaudern, wie diejenigen sagen, die uns missachten, ist meine Muttersprache und ich bewundere ihre Widerstandskraft. Dennoch habe ich für unsere Geschichte die französische Sprache gewählt, damit das, was ich bezeuge, sich jenseits unserer Landschaft verbreitet und weil ich auch diese zweite Sprache liebe. Ich habe sie gelernt, ich habe sie angenommen, wie man eine Heimat annimmt, ich habe sie sogar gelehrt. Es ist die Sprache der Republik, für die unsere Männer gemeinsam ihre Leben hergaben und wir unsere, unser ganzes Frauenleben lang.

Violette Ailhaud

1. „Le Saule Mort“ ist ein Teil des Dorfes Poil in den Alpes de Haute Provence. Violette Ailhaud verbrachte dort ihre letzten Jahre. Sie starb 1925. In ihrem Nachlass fand man einen Umschlag, der nicht vor dem Sommer 1952 vom Notar geöffnet werden durfte. Nach dem Öffnen las man diese Anweisung: Der Inhalt, ein Manuskript, sollte den Nachkommen Violettes anvertraut werden, ausschließlich weiblichen Geschlechts und zwischen 15 und 30 Jahre alt. So gelangte der Text im Juli 1952 in den Besitz der 24-jährigen Yvelyne.

Kapitel 1

Es kommt aus der Tiefe des Tals. Lange bevor es das seichte Wasser erreicht, bevor der Schatten sich zwischen den Sandflächen im Zeitraum eines langsamen Wimpernschlags vom Glanz des Wassers abhebt, wissen wir es: Es ist ein Mann. Unsere männerlosen leeren Frauenkörper fangen auf eine Weise an widerzuhallen, die nicht lügt. Gleichzeitig unterbrechen unsere müden Arme das Häufen. Wir schauen uns an und jeder von uns wird der Schwur gegenwärtig. Unsere Hände fassen sich, zerren so sehr, dass die Finger knacken. Was wir uns erträumten, ist auf dem Weg, furchterregend und heißbegehrt. Der Mann kommt näher. Er geht zügig. Doch wirken seine Schritte langsam, schmerzlich langsam für unsere wunden Nerven. Um diese quälende Zeit zu überstehen, arbeiten wir mit doppeltem Eifer. Das lässt die Heuhaufen rasch anwachsen und eine Gigue2