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In den Wäldern am Gitche Gumee, dem glitzernden Großen Wasser, erhebt sich die Legende von Hiawatha – Friedensstifter, Kulturheld und Sohn der Wenonah. Henry Wadsworth Longfellow erweckt in diesem monumentalen Versepos die mythische Welt der indigenen Völker Nordamerikas zu neuem Leben. Von seiner wundersamen Geburt bis zu seinem rätselhaften Abschied führt uns Hiawathas Weg durch eine Landschaft voller Magie und Bedeutung. Er ringt mit dem mächtigen Mudjekeewis, seinem Vater, dem Westwind. Er vermählt sich mit der schönen Minnehaha, der lachenden Wasserquelle. Er bringt seinem Volk die Kunst des Schreibens, des Ackerbaus und des Friedens – und kämpft gegen Hunger, Tod und die Schatten der Veränderung. In hypnotischen Versen, inspiriert vom finnischen Kalevala, schuf Longfellow 1855 ein Werk, das Generationen bewegte: eine elegische Feier indigener Kultur, durchwebt mit universellen Themen von Liebe, Verlust, Heldenmut und dem unaufhaltsamen Wandel der Zeiten. Ein literarisches Denkmal, das zwischen Romantisierung und Ehrfurcht, zwischen Mythos und Mahnung seinen einzigartigen Platz in der amerikanischen Literatur behauptet.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2026
Der Sang von Hiawatha
HENRY WADSWORTH LONGFELLOW
Der Sang von Hiawatha, Henry Wadsworth Longfellow
Jazzybee Verlag Jürgen Beck
86450 Altenmünster, Loschberg 9
Deutschland
ISBN: 9783988683090
www.jazzybee-verlag.de
Prolog. 1
I. Die Friedenspfeife. 5
II. Die vier Winde. 10
III. Hiawathas Kindheit. 19
IV. Hiawatha und Mudschikihwis. 26
V. Hiawathas Fasten. 35
VI. Hiawathas Freunde. 44
VII. Hiawathas Segeln. 49
VIII. Hiawathas Fischen. 54
IX. Hiawatha und Perlfeder. 61
X. Hiawathas Brautwerbung. 70
XI. Hiawathas Hochzeit. 78
XII. Der Sohn des Abendsterns. 85
XIII. Das Segnen der Kornfelder. 96
XIV. Bilderschreiben. 103
XV. Hiawathas Klage. 109
XVI. Paupukkihwis. 116
XVII. Die Verfolgung von Paupukkihwis. 124
XVIII. Der Tod des Kwasind. 135
XIX. Die Geister. 139
XX. Die Hungersnot. 146
XXI. Des weißen Mannes Fuß. 150
XXII. Hiawathas Scheiden. 157
Solltet fragen ihr, von wannen
Diese Sagen und Legenden,
Mit dem Duft des wilden Waldes,
Mit dem Dunst und Tau der Wiesen,
Mit dem Flug des Wigwamrauches,
Mit dem Rauschen großer Ströme,
Voll von steter Wiederholung,
Voll von wildem Wiederhallen
Gleich dem Donner in den Bergen?
Geb' ich dieses euch zur Antwort:
„Aus den Wäldern und den Steppen,
Aus den großen Seen des Nordens,
Aus dem Land der Otschipweer,
Aus dem Lande der Dakotas,
Aus den Bergen, Mooren, Sümpfen,
Wo der Reiher sich, Schu-schu-gä,
Nähret zwischen Schilf und Binsen.
Und ich wiederhol' sie, wie ich
Sie vom Munde Newadahas,
Jenes süßen Sängers, hörte.
Fragt ihr mich, wo Newadaha
Diese Lieder und Legenden,
Diese Märchen wohl gefunden,
Geb' ich dieses euch zur Antwort:
In des Waldes Vogelnestern,
In den tiefen Biberhütten,
In der Spur des Büffelochsen,
In dem hohen Horst des Adlers!
Alle wilden Vögel sangen
Sie ihm vor aus Moor und Sumpfe,
Tchitchwiskwe, der Kibitz, sang sie
Mit dem Mang, dem Taucher und dem.
Blauen Reiher, dem Schu-schu-gä
Und der Wildgans, Wewe, und dem
Wasserhuhn, dem Muschkodäsä!
Wenn ihr weiter mich dann fraget,
Sprechend ,,Wer war Newadaha?
Sag' uns doch von Newadaha!"
Dien' euch dieses drauf zur Antwort:
In dem Tal von Tawasentha,
Jenem grünen, stillen Tale,
Bei den heit'ren Wasserströmen
War's, wo Newadaha wohnte.
Um das Dorf der Indianer
Grünt' das Kornfeld und die Wiese,
Und ein Wald erhob sich jenseits,
Voll von Tannenbäumen, singend,
Grün im Sommer, weiß im Winter,
Immer seufzend, immer singend.
Und du konntest leicht durchs Tal der
Heit'ren Ströme Lauf verfolgen,
Nach dem Rauschen in dem Frühling,
Nach den Erlen in dem Sommer,
Nach dem Nebel in dem Herbst,
Nach dem schwarzen Strich im Winter;
Dort war's, wo der Sänger wohnte,
In dem Tal von Tawasentha,
In dem Tale, grün und stille.
Dort sang er von Hiawatha,
Sang den Sang von Hiawatha;
Sang von seiner Herkunft, seinem
Fasten, seinem Beten, wie er
Lebte, litt und wie er schaffte
Um die Menschen zu beglücken,
Und sein Volk empor zu heben.
Ihr, die ihr an Orten einsam,
Stille die Natur betrachtet,
Liebt den Sonnenschein der Wiesen,
Liebt den trauten Waldesschatten,
Liebt den Wind hoch in den Zweigen,
Liebt den Regen und den Schneesturm,
Liebt das Rauschen großer Flüsse
Durch die Tannenpalisaden,
Liebt den Donner in den Bergen,
Dessen Echos nicht zu zählen
Wie des Adlers Flügelschläge
Hört auf diese wilden Sagen,
Auf den Sang von Hiawatha.
Die ihr liebt der Völker Sagen,
Liebt die Lieder eines Volkes,
Die wie weit entfernte Stimmen,
Leise um Gehör euch bitten,
Deren Klänge, schlicht und kindlich,
So, dass kaum zu unterscheiden,
Ob Gesang sie sind, ob Rede;
Hört auf diese wilden Sagen,
Auf den Sang von Hiawatha!
Ihr mit Herzen, frisch und einfach,
Die Natur und Gott vertrauen,
Die ihr menschlich denket jedes
Menschenherz zu allen Zeiten;
Glaubt, dass selbst im Herz des Wilden
Ist ein Sehnen, Ringen, Jagen,
Nach dem unverstand'nen Guten,
Dass die Hände, schwach und hilflos,
Blindlings in dem Finstern tappend,
Gottes rechte Hand erhaschen,
Die sie stärket und emporhebt; -
Hört auf diese schlichte Märe,
Auf den Sang von Hiawatha!
Und ihr, deren Wege manchmal
Durch das Grün der Felder führen,
Wo verworr'ne Beerensträucher
Ihre Scharlachtrauben hängen
Über Mauern, grau und moosig,
Die ihr stille steht bei einem
Kirchhof, um zu sinnen über
Eine Inschrift, halb verloschen,
Voll von altbekannten Sprüchen,
Ohne viele Dichtkunst, aber
Voll von Herzeleid und Hoffnung,
Voll von zarter, süßer Sprache
Von dem Hier und dem Nachdiesem;
Steh und lies die raue Inschrift,
Lies den Sang von Hiawatha!
Auf den Bergeshöh'n der Steppe, 7)
Auf dem roten Pfeifensteinbruch,
Stand der mächt'ge Herr des Lebens,
Kitschi Manitu, der sich vom
Himmel auf die Klippen senkte
Und nun alle Nationen,
Alle Stämme rief zusammen.
Und es floss ein Fluss aus seinen
Stapfen hin ins Licht des Morgens,
Der beim Sturze von dem Abhang
Schien wie Ischkote, der Schwanzstern.
Und der Geist, zur Erde blickend,
Zeigte auf der nahen Wiese
Seinen Weg ihm mit dem Finger;
Sprach zu ihm: ,,So sollst du laufen!"
Aus dem roten Pfeifensteinbruch
Brach er mit der Hand ein Stück sich,
Formte es zum Pfeifenkopfe,
Schmückte ihn dann mit Figuren,
Nahm zum Pfeifenstamm darnach ein
Schilfrohr mit den roten Blättern
Von dem Rand des nahen Flusses.
Und darnach füllt' er die Pfeife
Mit dem Bast der roten Weide,
Blies dann in die nahen Bäume,
Dass sich ihre Äste rieben,
Bis sie an zu brennen fingen.
Danach rauchte auf den Bergen
Kitschi Manitu, der Mächt'ge,
Nun die heil'ge Friedenspfeife
Allen Stämmen rings zum Zeichen.
Und der Rauch erhob sich langsam
Durch die stille Luft des Morgens,
Erst ein einz'ger dunkler Strich nur,
Dann ein blauer Dampf, ein dichter,
Eine Wolke dann, schneeweiß und
Immer steigend, steigend, steigend,
Bis den Himmel sie berührte,
Und daran sich brach und rings ums
Ganze Firmament sich rollte.
Aus dem Tal von Tawasentha,
Aus dem Tale von Wyoming,
Aus den Hainen Tuscaloosas,
Von den fernen Rocky Mountains,
Von des Nordens Seen und Flüssen,
Sahn dies Zeichen alle Stämme,
Sahn den Rauch der Friedenspfeife,
Sahn Pakwene fern aufsteigen.
Und die Söhne aller Völker Sagten:
Sehet den Pakwene!
Durch dies ferne Zeichen, das sich
Biegt und schmiegt wie Weidenzweige,
Wallt, wie eine Hand, die winket,
Ruft der mächt'ge Geist des Lebens
Alle Stämme nun zusammen,
Alle Krieger in sein Rataus!
Über Flüsse, über Steppen,
Kamen aller Stämme Streiter,
Die Mohawks und Delawaren,
Kamen Tschoktams und Komantschen,
Kamen Schoschonen und Schwarzfüß'
Kamen Omahas und Pahnis,
Kamen Mandans und Dakotas
Otschipweer und Huronen,
Kamen alle Krieger durch den
Rauch der roten Friedenspfeife,
Kamen auf der Steppe Höhen,
An den roten Pfeifensteinbruch.
Und sie standen auf der Wiese
Dort mit ihren Kriegeswaffen,
Bunt bemalt wie Herbstesblätter,
Farben wie der Morgenhimmel,
Sahen grimmig auf einander,
Wilden Trotz in den Gesichtern,
In den Herzen alte Fehden,
Alten Hass, den angebor'nen,
Und den alten Durst nach Rache.
Kitschi Manitu, der Mächt'ge,
Der Erschaffer aller Völker,
Sah auf sie herab voll Mitleid,
Sah auf sie voll Vaterliebe,
Sah auf ihre Kriegesfehden
Als auf Zank nur zwischen Kindern;
Streckt' dann über sie die Rechte,
Ihren starren Sinn zu beugen,
Durst und Fieber auch zu lindern
Durch den Schatten seiner Rechten;
Sprach dann mit erhab'ner Stimme,
Wie das Rauschen ferner Ströme,
Die in einen Abgrund stürzen,
Warnend, scheltend, dies zu ihnen:
,,Höret, meine armen Kinder!
Höret auf der Weisheit Worte,
Höret auf die Warnungsworte
Aus dem Mund des großen Geistes,
Kitschi Manitus, des Schöpfers.
Ich gab euch das Land zum Jagen,
Ich gab euch den Fluss zum Fischen,
Ich gab euch den Bär und Bison,
Ich gab euch das Reh und Rentier,
Gab die Schneegans euch, den Biber,
Füllte auch den Sumpf mit Vögeln,
Füllte auch den Fluss mit Fischen,
Warum seid ihr nicht zufrieden
Und bekriegt euch immerwährend?
Ich bin müde eurer Fehden,
Müde eures Blutvergießens,
Müde eures Fleh'ns nach Rache,
Müde eures Zanks und Haders;
Eure Kraft liegt in der Eintracht,
Euer Unglück in der Zwietracht,
Lieben solltet ihr den Frieden,
Leben solltet ihr wie Brüder!
Deshalb send' ich unter euch nun
Einen Seher, einen Lehrer,
Euch zu führen, euch zu retten,
Mit zu leiden, mit zu schaffen.
Wenn ihr hört auf seine Lehren,
Sollt ihr fruchtbar sein und glücklich,
Doch wenn ihr sein Wort missachtet
Werdet elend ihr vernichtet!
Badet nun im Flusse vor euch,
Wascht die Kriegsfarb' vom Gesichte,
Wascht das Blut von euren Fingern,
Jedes Kriegsgeschirr verscharret,
Brecht ein Stück vom rohen Sandstein,
Nehmet dann vom Fluss ein Schilfrohr,
Ziert's mit euren schönsten Federn,
Raucht das Kalumet zusammen,
Um als Brüder dann zu leben!"
Darauf legten alle Krieger
Ihre Kleider ab von Hirschhaut,
Warfen weg ihr ganzes Kriegszeug,
Sprangen in den nahen Fluss dann
Um die Kriegsfarb' abzuwaschen.
Über ihnen floß das Wasser
Klar und helle von den Stapfen
Des herabgekomm'nen Meisters;
Unter ihnen floss das Wasser
Schmutzig, trüb und purpurfarbig,
Als ob es mit Blut vermischt sei.
Aus dem Fluss nun stieg die Kriegsschaar
Rein von aller Kriegesfarbe.
Sie vergruben an dem Ufer
Ihre Keulen und ihr Kriegszeug.
Kitschi Manitu, der mächt'ge
Schöpfer, sah herab mit Lächeln
Auf die Kinder, arm und hilflos.
Schweigend brachen alle Krieger
Nun den Rothstein aus dem Steinbruch,
Formten dann sich Friedenspfeifen,
Holten Schilfrohr von dem Ufer,
Zierten's mit den schönsten Federn,
Machten dann sich auf den Heimweg,
Während dem der Herrscher aufwärts
Durch den off'nen Wolkenvorhang,
Durch die off'ne Himmelstüre,
In dem Rauch der Friedenspfeife
Aus dem Kreise sich zurückzog.
Ehre sei dem Mudschikihwis!
Schrie'n die Krieger und die Greise,
Als er heimkam triumphierend
Mit dem heil'gen Wampumgürtel
Aus den Gegenden des Nordwinds,
Aus dem Königreich Wabosos,
Aus dem Land des Weißkaninchens.
Er war's, der den Belt gestohlen
Von dem Halse Mitscha-Makwes,
Von dem großen Bär der Berge,
Ihm, dem Schrecken aller Völker,
Als er schlief, und unbeholfen
Lag auf des Gebirges Gipfel,
Wie ein Fels mit Moos bewachsen,
Grau und braun mit Moos gefärbet.
Leis schlich er in seine Nähe,
So dass seine roten Klauen
Ihn beinah berühret hätten,
Dass der Atem seiner Nüstern
Mudschitihwis' Hände wärmte,
Als den Belt er streifte über
Seine Ohren, die nicht hörten,
Seine Augen, die nicht sahen;
Über Nase, über Nüstern,
Über seine schwarze Schnauze,
Deren schwere Atemzüge
Mudschifihwis' Hände wärmten.
Darnach schwang er seine Keule,
Rief dann laut und lang den Kriegsruf,
Schlug den mächt'gen Mitscha-Makwe
In die Mitte seiner Stirne,
Schlug ihn zwischen beide Augen.
Von dem heft'gen Schlag verwirret,
Stand nun auf der Bär der Berge,
Doch ihm zitterten die Kniee,
Wimmerte gleich einem Weibe,
Als er saß auf seinen Schenkeln,
Und der kräft'ge Mudschikihwis
Vor ihm stand ohn' Furcht und Zittern,
Und ihn schmähte und verhöhnte,
Und verächtlich zu ihm sagte:
,,Höre, Bär, du bist ein Feigling!
Bist kein Held, so wie du vorgabst,
Würdest sonst nicht schrei'n und wimmern.
Wie ein armes Frauenzimmer!
Wusstest doch, dass wir seit langer
Zeit in blut'gem Kriege lebten;
Nun du uns die Stärksten findest,
Da verkriechst du dich im Walde,
Und versteckst dich in den Bergen!
Hättest du mich hier erschlagen,
Würdest keinen Laut du hören,
Aber du liegst hier und winselst,
Wie ein armer Schagodeed,
Wie ein altes Frauenzimmer,
Deinem ganzen Stamm zur Schande!“
Drauf erhob er seine Keule,
Schlug den Mitscha-Makwe nieder,
Traf ihn mitten auf die Stirne,
Brach den Schädel ihm wie Winters
Man das Eis zerbricht beim Fischen.
So erschlug er Mitscha-Makwe,
Ihn, der Berge großen Bären,
Aller Nationen Schrecken.
,,Ehre sei dem Mudschikihwis!"
Rief nun alles Volk begeistert;
,,Ehre sei dem Mudschikihwis!
Er soll sein von jetzt der Westwind,
Und von nun an und auf immer,
Soll er sein der hohe Herrscher
Über alle Himmelswinde;
Nennt ihn nicht mehr Mudschikihwis,
Nennt ihn Kabeyun, den Westwind!"
Also ward der Mudschikihwis
Vater aller Himmelswinde,
Doch behielt er nur den Westwind,
Gab die andern seinen Kindern,
Gab den Ostwind weg an Waban, 31)
Gab den Südwind Schawandässi, 32)
Gab den Nordwind, kalt und wild, dem
Grimmigen Kabibonokka.
Jung und schön geformt war Waban,
Er war's, der den Morgen brachte,
Dessen Silberpfeile über
Berg und Tal das Dunkel jagten,
Er war's, dessen Wangen strahlten
Von den roten Scharlachstreifen,
Dessen Mund das Dorf erweckte,
Der dem Hirsche rief und Jäger.
Einsam doch stand er am Himmel!
Ob ihm auch die Vögel sangen,
Ob der Wiese wilde Blumen
Freundlichst ihren Duft ihm schickten,
Ob auch Wald und Fluss bei seiner
Ankunft ihm entgegenjauchzten,
War sein Herz doch voller Trauer,
Denn allein stand er am Himmel.
Eines Morgens früh nun, als das
Stille Dorf noch schlief und träumte,
Und der Nebel auf dem Fluss lag,
Wie ein Geist, der auf der Flucht ist,
Sah er eine Jungfrau wandelnd
Ganz allein auf einer Wiese,
Sammelnd Rohr und Wasserlilien,
Die am Rand des Flusses wuchsen.
Jeden Morgen sah zuerst er
Ihre blauen Augen aufwärts
Zu ihm blicken in die Höhe,
Wie zwei Seen aus dem Moore.
Und er liebte die Verlass'ne,
Die so harrte seiner Ankunft,
Denn sie waren beide einsam,
Sie auf Erden, er am Himmel.
Und er warb um sie mit Kosen,
Warb um sie mit Sonnenlächeln,
Warb um sie mit Schmeichelworten,
Warb mit Seufzen und mit Singen,
Leisem Flüstern in den Zweigen,
Sanften Klängen, süßem Dufte,
Bis er sie an seine Brust zog,
In sein Scharlachkleid sie hüllte,
Und zu einem Sterne machte,
Der ihm noch am Busen zittert.
Und noch sieht man an dem Himmel
Beide traut zusammen wandeln;
Waban und den Waban-Anang,
Waban und den Stern des Morgens.
Doch Kabibonokkas Wohnung.
Stand im grausen Eisgefilde,
In dem ewigen Schneegestöber,
In dem Königreich Wabosos,
In dem Land des Weißkaninchens.
Er war's, dessen Hand im Herbste
Jeden Baum mit Purpur färbte,
Gelb und rot die Blätter fleckte.
Er war's, der den Schneesturm schickte
Durch den Wald mit Saus und Brausen,
Der den Bach und See erstarrte,
Möw' und Taucher südwärts scheuchte,
Der den Komoran und Reiher
In die stillen Nester jagte,
Im Gebiete Schawandässis.
Einstens trat Kabibonokka
Wild heraus aus seinem Schneehaus,
Seinem kalten Eisbergwigwam,
Und sein Haar, mit Schnee durchwirket,
Wogte hinter ihm gleich einem
Schwarzen winterlichen Flusse,
Als er heulend südwärts jagte
Über starre Seen und Moore.
Dorten, zwischen Schilf und Röhricht,
Traf er Schinschibiß, den Taucher,
Wie er übers Eis hinschleppte
Lange Schnüre voller Fische;
Er allein nur weilte dorten,
Denn sein Stamm war längst gewandert
Nach dem Lande Schawandässis.
Grimmig rief Kabibonokka:
,,Wer ist's der mir also trotzet?
Der in meinem Land noch wohnet,
Wenn die Wewe weggezogen,
Wenn die Wildgans südlich reiste,
Wenn der Reiher, der Schu-schu-gä,
Nach dem Süden längst geflogen?
In sein Haus nun will ich eilen,
Um sein Feuer zu verlöschen!"
Und zur Nacht Kabibonokka
Kam zur Hütte, wild und brausend,
Baute eine Schneewand um sie,
Heulte schrecklich in der Rauchflucht,
Machte alle Pfosten beben,
Riss umher der Türe Vorhang;
Aber Schinschibiß, der Taucher,
Blieb auf seinem Platze furchtlos;
Hatt' er doch vier Klöße, wovon
Jeder einen Monat brannte;
Fische hatt' er auch zum Essen.
Also saß er bei dem Feuer,
Warm und glücklich, essend, lachend,
Singend: O, Kabibonokka!
Bist ja doch nur Meinesgleichen!
Darauf trat Kabibonokta
In die Hütte, und der Taucher
Fühlte seine eis'ge Nähe,
Fühlte seinen eis'gen Atem,
Aber er sang immer weiter,
Lacht' und scherzte immer weiter,
Drehte nur den Kloß ein wenig,
Dass das Feuer heller brannte,
Und die Funken hoch aufsprühten.
Von Kabibonokkas Stirne,
Seinen schneegezierten Locken,
Fielen schwere Schweißestropfen,
Machten Löcher in die Asche
Wie die Traufe eines Daches,
Oder wie von Tannenzweigen
Tropft der Schnee im Frühling, der dann
Löcher höhlet in die Schneeflur.
Endlich stand er auf, besieget,
Konnte länger nicht ertragen
Diese Hitze, dieses Singen,
Stürmte kopfwärts aus der Türe,
Stampfte auf der Eisflur Decke,
Stampfte auf die Seen und Flüsse,
Macht' den Schnee auf ihnen härter,
Macht' das Eis auf ihnen dicker,
Rief dem Taucher, herzukommen,
Vor der Tür mit ihm zu ringen,
Draußen nackt mit ihm zu ringen,
Auf den starren Seen und Mooren.
Und heraus kam nun der Taucher,
Rang die Nacht durch mit dem Nordwind,
Rang auf dem erstarrten Moorland
Nackend mit Kabibonokka,
Bis sein kalter Arm erlahmte,
Bis sein Atem schwächer wurde,
Bis er taumelnd rückwärts schwankte,
Und besieget sich zurückzog
In das Königreich Wabosos,
In das Land des Weißkaninchens,
Wo's Gelächter wiederhallte,
Wo den Taucher er noch hörte,
Singend: S, Kabibonokka!
Bist ja doch nur Meinesgleichen!
Schawandäisi, fett und träge,
Hatt' im Süden seine Wohnung,
In dem träumerischen Sommer,
