Der Sattel im Speckmantel - Thorsten Fiedler - E-Book

Der Sattel im Speckmantel E-Book

Thorsten Fiedler

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Beschreibung

Wenn du in Radler-Hosen aussiehst wie ein Walfisch im Neoprenanzug … bergauf nicht dein Bereich ist … E-Bikes rechts und links an dir vorbeirauschen … du nach dem Radeln nicht mehr sitzen kannst und deswegen Stehkneipen bevorzugst … Der Teufel nicht nur im Detail, sondern auch dein Hintern im Sattel steckt … deine Fahrradklingel 10 Gramm wiegt, du aber 135 Kilogramm … aus dir und deinem Reifen die Luft raus ist … du froh bist, dass dein Sattel nicht sprechen kann … Baby-Creme dich am Leben hält … und wenn das Schönste an den Fahrradwegen die Biergärten sind, dann bist du bereit für die ironisch angehauchten, realen Erlebnisse von 6 Best-Age-Radlern auf ihren Bergab-Touren, die gefühlt leider nur bergauf gehen!

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eISBN 978-3-946413-69-1Copyright © 2017 mainbook VerlagAlle Rechte vorbehalten

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Thorsten Fiedler

Der Sattel imSpeckmantel

Zum Inhalt

Das Buch handelt von den skurrilen aber lebensnahen, alltäglichen Absurditäten, sechs nicht mehr ganz taufrischer Ex-Sportler, die sich in zweifellos gänzlich unvorteilhafte, enganliegende Radlerklamotten zwängen, um teils noch unentdeckte Fahrradwege in Deutschland zu erkunden. Hierbei gilt es, die mörderischen TeilEtappen zwischen den gern besuchten Biergärten komplett schadlos zu überstehen, ohne den Körper einer allzu starken Dehydrierung auszusetzen.

Dies mag im ersten Moment einfach klingen, gestaltet sich aber umso schwieriger, wenn teilweise über 3000 Meter zu überbrücken sind.

Daher haben wir uns auf die sogenannten „Bergabtouren“ spezialisiert, die im Vorfeld von Peter minutiös geplant wurden ... um dann feststellen zu müssen, dass es eher Bergauftouren waren, die besonders schlauchten und im Anschluss eine intensive Getränkeaufnahme erforderlich machten.

Von solchen und ähnlichen Zwangslagen unserer Radamateure berichtet dieses Buch – natürlich bierernst und flankiert von erhabenen lyrischen Versen, beispielsweise aus der Sicht eines Fahrradsattels. Besondere Beachtung findet der Zusammenhang zwischen der Anzahl an Biergärten auf Radwegen und der unvorteilhaften Bekleidung des „biotarius vulgaris“ (gewöhnlichen Radfahrers). Der geneigte Leser könnte sich in der einen oder anderen Situation wiederfinden. Das ist sogar hochgradig wahrscheinlich. Die handelnden Personen gibt es wirklich und wenn sie bei zukünftigen Rad-Touren genau aufpassen, läuft Ihnen vielleicht der eine oder andere Hauptdarsteller tatsächlich über den Weg. Aber Vorsicht! Die beschriebenen Geschichten sind alle real und haben sich wirklich so zugetragen. Jetzt denken Sie vielleicht: Zum Glück kann das nur den Buchprotagonisten passieren. Mir bestimmt nicht! Dann werden Sie schon allein aus Schadenfreude großen Spaß an der Lektüre dieses Buches haben.

Inhalt:

01 Après-Fußball - Die Vorgeschichte

02 Der Ausbruch

03 Bergab ist das Ziel

04 Gedicht: Nimm´s leicht

05 Der Altgepäckträger-Container

06 Die Horizontalschließung

07 Gedicht: Die Arschkarte

08 Luxus für Anfänger

09 Gedicht: Die Luft wird dünner

10 Das Eiscafé

11 Die unendliche Langsamkeit des Seins

12 Gedicht: Der Tag danach

13 Von nun an ging´s bergab

14 Gedicht: Das Runde muss aufs Dreieckige

15 Der Unkaputtbare

16 Gedicht: Scherben bringen Glück

17 Schön ist anders…

18 Pleiten, Pech und Pannen

19 Gedicht: Verlust ohne Frust

20 Der geschenkte Gaul

21 Sattelschmerz

22 Gedicht: Wie geschmiert

23 Kleiner dürfte er nun wirklich nicht sein

24 Die Angst des Planers: Tour oder Tortur

25 Hessisch Kegeln

26 Gedicht: Der letzte Äppler

27 Wenn der Schlauch hyperventiliert

28 Neulich im Fahrrad-Fachgeschäft

29 Großer Hintern – kleiner Sattel

30 Gedicht: Bergaufgefälle

31 Die ironische Schulter

32 The day after

33 Zwischen Grill und „Leidplanke“

34 Der Medoc-Marathon

35 Irrwege eines Radlers

36 Der Stammtisch

37 Mallorca trifft Rad

38 Eine Begegnung der besonderen Art

39 Der Berg ruft

40 Der Platz auf dem Podest

41 Rund um den Bodensee

42 Weihnachtsgedicht für Bergabfahrer

Dank

Vorstellung des Autors

Leseprobe: „Der Nomade im Speck“

Après-Fußball – die Vorgeschichte

Irgendwie kennen wir uns alle schon ewig, teilweise aus der gemeinsamen Schulzeit, von privaten Veranstaltungen oder aus unserer sportlichen Glanzzeit, als wir gemeinsam bei dem sympathischsten Fußballverein der Neuzeit – Wacker Offenbach – rekordverdächtige Zeiten erlebten. Bei Wacker gab es alles, was man sich wünschen konnte: tolle Feiern, Kameradschaft, Skiurlaube, Spaß am laufenden Band, Vereinsleben und Bier in Strömen. Nun ja, ein wenig muss man an dieser Stelle relativieren, denn es gab halt nur fast alles, denn trotz dauerhaft mangelndem Trainingseinsatzes, wenig Laufbereitschaft und manchmal auch absoluter Talentfreiheit blieb uns der sportliche Erfolg oftmals verwehrt. Auf des Gegners Plätzen waren wir ein absolut gerngesehener Gast und die Freude war jeweils groß, wenn es darum ging, in der Punktrunde gegen uns anzutreten. Doch auch wenn wir auf dem Platz in der einen oder anderen Situation unterlegen waren, so konnte uns beim „Après-Fußball“ so leicht keiner etwas vormachen. So kam es, dass wir in unserer aktiven Zeit leider deutlich mehr Deckel als Punkte und Tore verzeichnen konnten. Dennoch gab es fußballerisch nicht nur schlechte Zeiten, nein, es gab auch sehr schlechte Zeiten, wenn wieder mal der verantwortliche „Bierwart“ (höchstrangige Funktion des Gesamtfußballvereins) den obligatorischen Kasten Bier für nach dem Spiel, nicht kaltgestellt hatte. Dies waren besonders traurige Momente in der sonst so makellosen Vereinsgeschichte.

Doch wer sind die Protagonisten dieses Buches, deren Geschichten hier erzählt werden?

Leo, ehemaliger Stürmer von Wacker Offenbach – wahrscheinlich einer der wenigen, die wirklich Talent hatten, leidenschaftlicher OFC-Fan und der gute Geist für alle diejenigen, die bei unserer Tour jemals eine Panne hatten. Bevorzugt selber pannensichere Fahrradreifen, denn sicher ist sicher.

Gunter, Stratege und Dauerläufer im Mittelfeld, Skilehrer und erfolgreicher Tennisspieler. Einer der wenigen, die in einem Fiat 500 ein komplettes Fahrrad transportieren können. Wahrscheinlich mit Leo zusammen einer der besten Textschreiber und Dichter der Neuzeit.

Eric, absoluter Meister der Zeitverzögerung. Schon auf dem Platz war er bekannt für die Entschleunigung jeder schnellen Situation. Er ist der Fachmann für altersflexible Facebook-Profile und seine schottischen Urahnen lassen sich kaum verleugnen. Wahrscheinlich hat er das schönste „Basslachen“ jenseits des Mains.

Lars, einziger „Nichtfußballer“ der Gruppe. Bekennender Werder Bremen-Fan, unser Quotenraucher, absoluter Ironie-Freak und seine Situationskomik ist legendär. Zusätzlich ist er ein Freund historischer Fahrräder und Damen, bevorzugt Qualitätsgepäckträger und ist immer auf die Minute pünktlich.

Peter, unser Macher und Planer. Keiner kann so gut Fahrrad „Bergabtouren“ planen, die dann doch nur bergauf gehen. Er hat eine starke Affinität zu den Pfadfindern, leider sind es immer wieder mal Pfade, die wir gar nicht gesucht haben.

Als Wackerspieler war er auf vielen Positionen zu Hause und er bevorzugte es, den Ball laufen zu lassen, statt selber zu laufen. Sein einmaliger Einsatz als Songschreiber bei einer Fußballveranstaltung brachte ihm ehrliches Erstaunen entgegen und sein Song: “we are Wacker“ wird noch heute an den Theken dieser Welt rauf und runter gespielt.

Thorsten, ehemaliger Wacker Torwart. Dies liegt schon begründet im Vornamen: „Torstehn“ – da war es kein Wunder, dass er im Tor stehn` musste. Bekleidete als Bierwart das höchste Amt im Verein. Größter Kritiker von Peter, wenn es wider Erwarten schon wieder bergauf ging. Er hat auch immer das letzte Wort, denn er ist der Autor dieser „Bierographie“.

Der Ausbruch

Muss man(n), um ausbrechen zu können, eigentlich vorher „eingebrochen“ sein?

Sechs wichtige Entscheidungsträger (das glauben sie selbst zumindest), kleine Wirtschaftskapitäne mit lokalpolitischem Weitblick. Lebenserfahren, fast schon „Silver-Ager“ - zumindest der Haarfarbe einiger Teilnehmer nach zu urteilen.

Nie um eine Antwort verlegen, weil man ja schon so einiges erlebt hat. Mein Haus, mein Auto, meine Frau, mein Boot – alles schon gehabt und teilweise auch schon wieder alles weg.

Warum in aller Welt treffen sich diese sechs Herren mittleren Alters einmal im Jahr? Und das nicht am handelsüblichen Vatertag, sondern an einem Werktag wie dem Donnerstag oder Freitag am Mainufer, um dann die nächsten vier Tage einigermaßen unvorteilhaft gekleidet – nicht einmal sportlich – auf ihren Fahrrädern gemächlich durch die Lande zu fahren? Natürlich nur, sofern nicht das Fahren durch überlange Zugfahrten eingeschränkt wird. Vermutlich wollen Sie AUSBRECHEN! Aber woraus? Für vier Tage einfach mal weg aus dem warmen Schoß der Familie, die selbstverständlich über alles geliebt wird und an 361 Tagen im Jahr immer den Vorrang hat?

Oder ausbrechen aus dem tristen Büroalltag, von 7.45 Uhr bis 17.37 Uhr, manchmal sogar bis 17.48 Uhr? Einmal keinen Chef haben, der einem sagt, was zu tun ist oder auch nicht, sondern einfach selbst Chef sein. Vielleicht sogar in den vier Tagen etwas eigenständig bestimmen – und sei es nur, dass man immer noch Durst hat und keinesfalls jetzt und hier in diesem Moment weiterfahren kann?

Für vier Tage endlich mal wieder unter Leute kommen, unbekannte Wege entdecken, die möglicherweise doch nur bergauf gehen. Menschen treffen, die man im Nachhinein lieber nicht getroffen hätte.

Für vier Tage ausbrechen aus dem täglichen Einerlei – aber auch nicht so ganz und gar – nur ein bisschen eben … Einfach mal ein wenig „auf die Kacke hauen“, aber auch nicht allzu sehr, schließlich ist man ja ein Teil der guten Mittelschicht.

Für vier Tage sich von anderen treiben lassen, mitmachen, aber auch hier gilt – nicht für immer – vier Tage sind lang genug.

In unserem Falle zieht man sich dann eben mehr oder weniger modische Kleidungsstücke an, die mehr oder weniger „passen“. Die Sache mit dem Passen ist nicht mehr so entscheidend wie noch vor einigen Jahren, denn inzwischen wurde die Mode, am Schlankheitswahn vorbei, auch an uns erwachsene Männer angepasst. Dank des umtriebigen Erfinders, Herrn Stretch, tragen wir jetzt fast alle die gleiche Hosengröße. Zumindest hier wird der Ausbruch im Zaum gehalten.

Und dann geht es los. Gemächlich … ganz, ganz gemächlich, denn seit mittlerweile weit über einer Dekade ist es wohl jedem der immer wiederkehrenden Teilnehmer mehr als klar, dass es nach jedem tiefen Tal auch wieder ganz nach oben geht. Was im Falle des gemächlichen Radfahrens dem geneigten Silver-Ager-Biker meist mehr oder weniger gern auch mal gegen den Strich geht.

Also – brechen Sie mit uns aus – nur für ein paar Tage, mit welcher Motivation auch immer. Eines kann man schon vorab sagen und dem durchaus handelsüblichen Ausbrecher dürfte dieses nicht unbekannt sein: immer auf „low Profile“ unterwegs sein. Es wird nicht auf den Tischen getanzt, in der Gosse gelegen, es gibt keine Groupies, geschweige denn Orgien, von denen hier ohnehin nicht erzählt werden würde (…), alles gaaanz „sutsche piano“, wie man in manchen Regionen Deutschlands so sagt. Vielmehr steckt leider nicht dahinter. Wenn man nun eine hochgradig philosophische Betrachtung der Begrifflichkeit „Ausbruch“ in Verbindung mit einer Fahrradtour von sechs nicht mehr ganz taufrischen, aber auch bei realistischer Selbstreflektion nicht wirklich „alten“ Herren bringen möchte, dann – ja dann – ist dieses Buch leider das Falsche und ein Besuch der Philosophischen Fakultät der Goethe-Universität in Frankfurt wäre hier eher angebracht. Hier geht es um Freude am Leben, Spaß, Ironie, Wortspielereien und Freundschaft, mal mehr, mal weniger intensiv, einfach so unter Männern, oder auch in der Selbstbezeichnung „Buben“, „Radlers“, „Jungs“. Um die Freude am gemächlichen Dahingleiten auf Radwegen und abgelegenen Straßen – jedoch bitte nicht so sehr abgelegen, dass der Bebauungsplan die Anlage von Biergärten nicht mehr zugelassen hätte. „Entspannt“ soll es sein, ein Ausbruch aus dem normalen, alltäglichen Einerlei – zumindest manchmal. Und es gibt auch nicht nur Bier in den Biergärten, aber ein Ausflugslokal am Rande einer Fahrradstrecke „Isotonischer-Getränke-Garten“ zu nennen, wäre dem zu erwartenden Umsatz des betreibenden Wirtes sicherlich nicht zuträglich.

Bergab ist das Ziel

Und da sind wir schon mitten im Thema, denn aus einer verrückten Bierlaune heraus entstand die Idee, aus dem Alltag auszubrechen und eine Radtour zu veranstalten. Welche Gründe kann der Mensch denn sonst anführen, um schon morgens um 11.00 Uhr ohne schlechtes Gewissen in einen Biergarten einzukehren? Da bietet eine 4-tägige Rad-Tour ein fantastisches Alibi, um schon am Vormittag gemütlich bei einer leckeren Gerstenkaltschale zu sitzen und den beginnenden Tag langsam ausklingen zu lassen.

Und so kam es, dass sechs nicht mehr ganz junge, bisweilen untrainierte Herren planten, sich in deutlich konturenfördernde Radlerklamotten zu zwängen, um mehrere Tage in Gottes freier Natur zu radeln.

Der Anblick des eigenen Körpers, gewandet nur mit einer dünnen Radlerhose, kann auf den ersten Blick freilich etwas befremdlich wirken, auf den zweiten Blick übrigens auch. Dies fördert auch meine These, dass es nur deswegen so viele Biergärten gibt, damit man sich mittels Alkohol-Genusses möglichst schonend an diesen Anblick gewöhnen kann. Ob es der Begriff „schönsaufen“ wirklich trifft, mag dahingestellt bleiben, aber das Selbstwertgefühl steigt in diesen Hosen unweigerlich und zwar deutlich nach zwei bis drei alkoholischen Kaltgetränken.

Bei einem Neoprenanzug reicht leider eine solche geringfügige Dosis noch nicht aus, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Noch befanden wir uns in der Planungsphase für unser Fahrrad-Event. Natürlich stellt sich zuerst einmal die Frage, wohin es denn nun gehen soll und da hatten wir auch schon die erste Hürde zu bewältigen. Es schien, als ob sich auf jeder möglichen Route ein Berg befinden würde und Steigungen hatten wir im Vorfeld schon einstimmig verworfen. Es war ein gutes Omen für unsere bevorstehende Tour, dass wir schon bei der ersten Entscheidung komplett einig waren. Weiterhin durfte die Strecke nicht zu lang sein, da wir ja nur vier Tage zur Verfügung hatten. Da bot es sich natürlich an, einen Teil der Wegstrecke mit dem Zug zurückzulegen, um auch entferntere Gegenden in unsere Planungen einbinden zu können. Gleichzeitig durfte die Zugfahrt nicht zu teuer sein, da wir unser Budget schon anderweitig verplant hatten. Leider führte dieser Umstand dazu, dass alleine auf der Hinfahrt ein dreimaliges Umsteigen auf dem Plan stand. Aber dieser Teil der Planung konnte erst einmal zurückgestellt werden. Jetzt galt es entsprechende Unterkünfte mit Biergartenanschluss zu finden. Wenn man solche Unterkünfte schon im Vorfeld bucht, muss man sie natürlich auch am Ende eines Tages erreichen, denn sonst hat man ein Problem. Dazu sollte man genau einplanen, wie viele Kilometer am Tag zu schaffen sind. Da darf man dann schon etwas optimistisch herangehen, zumal ein Großteil von uns ja aus ehemaligen, erfolglosen Fußballern besteht. Also beschlossen wir, in dieser Angelegenheit ein deutliches Zeichen zu setzen. Es zeigte sich, dass Peter über die meiste Erfahrung mit der Tourenplanung verfügte und so meinte er: „Lasst uns eine Strecke von 60 Kilometern wählen und wenn wir abends nach 70 Kilometern ankommen, sind wir froh, dass wir die 80 geschafft haben.“

Dies schien uns allen sehr plausibel zu sein und so haben wir uns sehr schnell auf diesen Nenner geeinigt. Und ehrlich gesagt, so eine lächerliche Kurzstrecke, das fahren wir doch auf einer Backe. Da wussten wir leider noch nicht, wie nah wir mit dieser Aussage – auf einer Backe – der Wahrheit kamen. Eigentlich hatten wir die Planung jetzt vollumfänglich abgeschlossen und nun standen vor der Tour nur noch einige Trainingseinheiten auf dem Plan. Also überlegten wir uns acht Wochen vor dem Start, dass unser Training demnächst beginnen sollte. Leider war die Definition „demnächst“ ein wenig unpräzise, sodass eine gewisse Unsicherheit aufkam, wann genau das Training starten sollte. Dies führte dann leider zu stärkeren Verzögerungen und so kam es, dass sich der Trainingsbeginn mit dem Tour-Start dummerweise überschnitt.

Nimm´s leicht

Der Radler gern zum Sparen neigt,was sich beim Zubehör dann zeigt,50 Gramm die Fahrradtaschenur 18 Gramm die Thermosflasche.

Um hier Geschwindigkeit zu kriegen,darf alles nur ganz wenig wiegen,der Rahmen ist hier ultraleicht,hat kaum 1000 Gramm erreicht.

Der Einzige, der´s hier verbockt,ist der, der auf dem Sattel hockt.Da kannst Du viele Gramm einsparen,wenn solche Leute Fahrrad fahren.

Der Fokus auf der Klingel liegt,die hier 17 Gramm nur wiegt,doch beim Biker bleibt die Frage,was bringt ER nun auf die Waage?

Dies ist bei Hobbybikern gleich,statt kilo- ist man zentnerreich,doch egal wie hier die Sicht,es zählt das Gesamtgewicht.

Doch wer sich dann wundert,obwohl er wiegt hundert,wenn er bei der Fahrttrotzdem er zwei Gramm gespartnicht schneller fährt,der denkt verkehrt.

Es ist zwar nicht nett,doch bist Du zu fett,fängt`s Rad an zu schleifenund platt ist der Reifen.Dann ist`s fast zu spät,für ne krasse Diät.

Wenn der Rahmen dann bricht,

wegen Übergewicht,

denkst du hin und her:

„war die Klingel zu schwer?“

Wahrscheinlich nicht,schon eher das Lichtund beim nächsten fahrenwird er noch mehr einsparenist die Waage geeichtegal, er nimmt’s leicht.

Der Altgepäckträger-Container

Aber wer braucht denn auch Training für das bisschen Radfahren? Also trafen wir uns an der Fähre des kleinen idyllischen Ortes Mühlheim am Main. Dies war auch für alle zukünftigen Touren unser erklärter Lieblingstreffpunkt – und schon ging der erste Teil der Fahrt bis zum 15 Kilometer entfernten Bahnhof los. Jeder von uns hatte das Notwendigste an Gepäck dabei, also alles, was man für einen vierwöchigen Urlaub braucht. Aber HALT – wollten wir nicht nur vier Tage unterwegs sein? Doch das war uns egal, wir hatten alles dabei, um den Widrigkeiten der Natur zu trotzen, vom Lederball bis zum Glätteisen. Das schwere Gepäck macht dem Fahrrad auch gar nichts aus, solange es auf ebener Strecke vor sich hin rollt und so fuhren wir auch unbeschwert dahin, bis uns nach gefühlten 900 Metern total unvorbereitet unsere erste Panne ereilte. Lars, unser einziger Nicht-Fußballer, hatte sich einen hochwertigen Mobilgepäckträger aus dem heimischen Discounter besorgt und diesen an seiner Sattelstange befestigt. Ungeachtet der Tatsache, dass dieser Träger nur für dreitausend Gramm zugelassen war, hat er seine über zwanzig Kilogramm schwere Ausrüstung auf dem Gepäckträger verstaut.