Der Sausende Schnuller - Mary Artecus - E-Book

Der Sausende Schnuller E-Book

Mary Artecus

0,0

Beschreibung

Hallo, mein Name ist Mischa. Einstein, Newton und Bell haben schon alles Wichtige entdeckt, und so bleibt mir nur mein Schnuller, und das Buch der Rekorde: Ich möchte damit der Welt grösster Kirschkernspucker werden. Also auf gehts, tief Luft holen, Backen aufblasen und- schwupps! Eine lustige Geschichte über ein besonderes Baby.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 68

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Für meine Oma Ernestine

Inhalt

Fünf Sterne Baby-Luxus-Hotel

Die Reise in der Blechschüssel

Ich bin auf dem Olymp

Meine ersten Fans

Kisa, die schönste, klügste Katze der Welt

Heute nehmen wir den Rolls Royce

Ich – Hänsel und die Hexe

Hugo und sein Badeschwein

Ich habe Schnupfen – Hatschiii!

Ich muss zum Kinderarzt

Der größte Kirschkernspucker der Welt

Fünf Sterne Baby-Luxus-Hotel

Mein Name ist Mischa und mein Problem begann schon in der Klinik. Ich war zwei Tage alt. Eines Abends besuchte uns mein Papi.

»Ist er nicht süß?«, seufzte meine Mami und strich mir zärtlich mit dem Finger über die Nase, von der sie jedes Mal behauptet, dass sie Papis wäre. Das stimmt aber nicht, denn seine Nase ist groß, meine klein, und jeder von uns hat sie im eigenen Gesicht, wie also soll ich Papis Nase haben?

Papi nickte zu Mamis Worten zustimmend.

»Warum hat der Mischa einen Schnuller im Mund?«

Ich dachte befremdet, ja, wo haben ihn denn andere Leute?

»Weißt du«, versuchte Mami zu erklären, »nach dem Bad am Morgen bekommen ihn die Babys zur Beruhigung von den Säuglingsschwestern.«

Damit schien für mich das Thema beendet zu sein.

Nicht aber für meinen Papi. Missbilligend schüttelte er den Kopf, und mit der seinem Berufszweig eigenen Redensart, er ist Arzt, ich weiß das, weil er in genauso seltsamer weißer Kleidung wie seine Kollegen bei uns erscheint, wenn er uns besucht, begann er mit Bestimmtheit: »Mischa braucht keinen Schnuller. Ich kann nicht früh genug darauf hinweisen, dass er in zwei Jahren einen deformierten Kiefer haben wird und mit spätestens zehn Jahren eine Zahnspange braucht.«

»Bitte schön«, sagte ich, »im Moment bin ich gerade erst zwei Tage alt. Wer weiß, was in zwei Jahren ist.«

Papi beugte sich über mich, wohl um mich besser zu verstehen.

Weit gefehlt, denn statt mir zuzuhören, zog er an der Blume, die am anderen Ende des Schnullers steckte.

Erstaunt zog ich zurück.

Das ging ein paar Mal hin und her, bis Papi aufgab. Sonderbare Spiele haben die Erwachsenen, dachte ich mir, Schnullerziehen!

Mami schien ein wenig verwirrt.

»Ich hoffe«, bohrte Papi weiter, »dass du vernünftig genug bist, ihm dieses Ding zu Hause wieder abzugewöhnen.«

Schön langsam wurde mir die Sache unheimlich. Wenn Papi sich so lange mit diesem Thema beschäftigte, musste etwas Wahres dran sein.

Wie wohl ein deformierter Kiefer aussah, grübelte ich weiter, während sich meine Eltern über Belangloses unterhielten.

Ich beschloss, dieses Ding loszuwerden. Ich holte tief Luft, blies kräftig die Backen auf, und schwups, sauste der Schnuller durch die Luft, an Papis Schulter vorbei, um auf dem Boden zu landen.

»Toll!«, rief Papi begeistert und warf mir einen liebevollen Vaterblick zu. Dann bückte er sich angewidert nach dem Schnuller.

»Ich werde ihn im Kinderzimmer abgeben.« Mami war mit allem einverstanden.

»Es ist Zeit«, sagte Papi, »ich muss zu Ben nach Hause. Zuerst muss ich kochen, dann die Tiere versorgen und später noch einmal in die Klinik, ich habe heute Bereitschaftsdienst.«

»Aha«, überlegte ich, »dort, wo es zu Hause ist, gibt es einen Ben, eine Küche und etwas Seltsames mit dem Namen: Tiere.«

Das Wort »Klinik« war mir geläufig, schließlich war ich in einer geboren.

Papi küsste uns beide und eilte mit wehendem weißem Mantel zur Tür hinaus.

In dieser Nacht schlief ich schlecht. Ich träumte von riesigen Wesen mit noch riesigeren Schnullern und wüsten, deformierten Kiefern.

Die Ungeheuer beugten sich über mein Bett.

Ich schrie entsetzt auf. Mami versuchte mich zu beruhigen. Wir spazierten im Zimmer hin und her. Einmal blieben wir bei unserer Reise beim Fenster stehen. Der Nachthimmel war klar. Ganz weit oben schwebte ein riesiger, dicker, gelber Luftballon.

»Das ist der Mond, mein Liebling«, sagte Mami zärtlich und erzählte mir die Geschichte von zwei Männern, die vor vielen Jahren auf diesem herrlichen Luftballon gelandet waren.

»Schade«, dachte ich mir, »sonst wäre ich der erste Mann auf dem Mond gewesen.«

Irgendwann schlief ich erschöpft ein. Als ich aufwachte, war der dritte Tag in meinem Leben hereingebrochen.

Ich verspürte ein eigenartiges Ziehen in der Magengegend. Vorbei die Zeit, wo ich mir dann einfach ein paar Schlucke Fruchtwasser genehmigt hatte. Jetzt und hier auf dieser Welt war ich auf Mami angewiesen, und wie ich mit Befremdung feststellen musste, schlief sie noch.

»So geht es nicht weiter«, dachte ich besorgt.

»Ich brauche dringend ein paar Tropfen Milch, sonst bin ich für das anschließende Schwimmtraining nicht fit genug.«

Und außerdem hatte ich jetzt um fünf Uhr am Morgen Anspruch darauf, gestillt zu werden.

Bevor ich noch zum Losbrüllen Luft holen konnte, erwachte Mami und lächelte mich zärtlich an. So hinreißend lieb, dass all mein Ärger über das verspätete Frühstück verflog.

Alle Mütter, die in einer Klinik ihre Kinder bekommen haben, wissen, wie es weitergeht.

Nach dem Essen kommt das Baden im Säuglingszimmer.

Bevor ich an der Reihe war, unterhielt ich mich eine Weile mit Maxi, der einen Tag später hier angekommen war und dessen Bettchen jetzt neben meinem stand.

Wie sich herausstellte, lag seine Mami zwei Zimmer weit von unserem entfernt. Wir beschlossen, uns bei nächster Gelegenheit einmal zu treffen. Ich brachte noch rasch das Gespräch auf Schnuller, monologisierte über die Gefährlichkeit dieser Dinger und spürte Maxis bewundernde Blicke auf mir.

Dies alles wäre ihm noch nie zu Ohren gekommen. Er erkundigte sich, wie es mir möglich gewesen sei, in nur drei Tagen so ein enormes Wissen anzuhäufen, und schlug mir allen Ernstes vor, ich sollte demnächst meine Dissertation darüber schreiben.

Bescheidenheit ist eine Zier, sagt Papi, so blieb mir also nichts anderes übrig, als mit gleichmütigem Gesichtsausdruck abzuwinken.

Trotzdem, ich gestehe es im Geheimen, beschloss ich, mir die Idee durch den Kopf gehen zu lassen.

Dann wurde unsere Diskussion plötzlich von einer Säuglingsschwester unterbrochen, weil Maxi zum Baden musste.

In der Zwischenzeit malte ich mir in Gedanken aus, was Papi zu einem Sohn sagen würde, der es zuwege brachte, mit nur ein paar Monaten eine Dissertation zu schaffen.

Nach einiger Zeit kam Maxi zurück. Und mit was im Gesicht, glauben Sie, kam er zurück? Sie werden nie darauf kommen, nie im Leben! Bestimmt nicht!

Um jetzt keine Ungeduld aufkommen zu lassen, werde ich es euch rasch erzählen: mit sage und schreibe – einem Schnuller!

Angewidert wandte ich mich ab und beschloss, Maxi von der Liste meiner Bekannten zu streichen. Ich hatte ihm doch lang und breit erklärt, wie gefährlich diese Dinger waren, und er hatte nicht einmal den Mut gezeigt, dieses Gebilde abzulehnen.

Mit mir konnten sie das nicht machen, dachte ich entschlossen, entschied mich aber erst einmal dafür abzuwarten, bevor ich ernsthafte Schritte in die Wege leiten wollte.

Baden ist herrlich, Anziehen weniger. Ich nörgelte herum, vor allem an der Art und Weise, wie hurtig alles geschah.

Zuerst verpasste mir die Schwester eine winzige Fertigwindel, zack, ein Baumwollhemdchen, in Windeseile ein Pulloverchen, hastig wurde ich in eine Strampelhose gepackt und schwups, auch das schien zur Ausstattung eines eleganten Herrn von Welt zu gehören, die Blume, nicht etwa ins Knopfloch eines eleganten Clubjacketts, sondern, wie durch flinke Zauberhand, zwischen die Lippen geschoben.

Ich erstarrte zur Salzsäule, sekundenlang, dann erst reagierte ich entschlossen und ließ diesen gefährlichen Gegenstand aus meinem Mund gleiten. Er rutschte zur Seite.

Die Schwester starrte mich mit leicht schief gelegtem Kopf an.

»Uups«, sagte sie kichernd, »sind wir heute ein wenig dösig?«

Vermutlich, um mir einen großen Gefallen zu tun, schob sie mir entschlossen den Plastikgegenstand wieder in den Mund zurück.

»So«, sagte sie zufrieden und strich sich ihre hübschen herumfliegenden Löckchen aus dem Gesicht, die ihr während der Anstrengung, mich im Sekundentakt zu baden, anzuziehen, fertig, der Nächste bitte, aus dem praktischen Haarknoten gerutscht waren. Ich bin überzeugt, dass wir das Spiel noch heute spielen würden, wäre da nicht ein rettender Engel aufgetaucht in der Gestalt eines Kollegen meines Papis.

Er sah der Schwester über die Schultern, und als er bemerkte, welche Abneigung ich für diese sogenannten Beruhigungssauger zeigte, nahm er ihn der Schwester einfach weg und warf ihn wortlos in eine Schüssel mit vielen Schnullern seiner Art.

Ich bedankte mich wortreich und versprach ihm, dass seine gute Tat nicht umsonst gewesen sein sollte.