Der Schatten hinter dem Lächeln - Monika Rieger - E-Book

Der Schatten hinter dem Lächeln E-Book

Monika Rieger

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Beschreibung

Sarah und Felix – zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich dennoch in einer Intensität begegnen, die alles Bekannte überstrahlt. Sie ist älter, geerdet, geprägt von Erfahrungen und klaren Werten. Er ist jünger, impulsiv, charismatisch – voller Licht, aber auch voller Schatten, die er sorgfältig vor der Welt verbirgt. Was als leidenschaftliche Verbindung beginnt, verwandelt sich allmählich in ein Geflecht aus widersprüchlichen Gefühlen. Kontrolle, Eifersucht und unausgesprochene Wahrheiten schleichen sich ein und beginnen die Beziehung zu verändern. Sarah spürt früh, dass Felix mehr in sich trägt, als er zeigt – doch wie viel Wahrheit kann eine Liebe aushalten? Ein unerwarteter Abend in einer Szene-Bar, die für ihre offene und bunte Atmosphäre bekannt ist, bringt schließlich etwas ans Licht, das Sarah nie für möglich gehalten hätte. Eine Seite von Felix, die er bisher hinter Mauern aus Schweigen und Ausflüchten verborgen hatte. Plötzlich steht sie vor Fragen, die ihre Beziehung, ihre Hingabe und ihr eigenes Selbstbild erschüttern. Dieser Roman erzählt von einer Liebe, die betört und verletzt, von leidenschaftlichen Höhen und zerstörerischen Tiefen. Von der Kraft, Grenzen zu setzen, und der Erkenntnis, dass Selbstachtung und Sehnsucht manchmal Hand in Hand gehen müssen. Eine Geschichte über Mut, Vertrauen und das Risiko, das Herz zu öffnen – selbst dann, wenn jede Wahrheit gleichzeitig ein neuer Abgrund sein könnte.

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Seitenzahl: 219

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Mona

Der Schatten hinter dem Lächeln

Roman

Mona

DER SCHATTEN

HINTER DEM

LÄCHELN

„Manchmal ist das schönste Lächeln

nur der Schleier über den dunkelsten Schatten.“

Über die Autorin:

Mona schreibt mit Herz und Hingabe Geschichten, die das Leben selbst geschrieben haben könnte gepaart mit etwas Phantasie – nahbar, berührend und manchmal voller Geheimnisse.

Als Hypnose Coach und Life Coach bringt sie ein feines Gespür für Emotionen, Wendepunkte und menschliche Tiefe mit – und schenkt Leserinnen das Gefühl, verstanden zu werden.

Texte: © Copyright by Monika Rieger

Umschlaggestaltung: © Copyright by Monika Rieger

Verlag: Monika Rieger

Arnold Böcklinstr 30, 89520 Heidenheim

Email: [email protected]

https://mona-lifecoaching.de

Herstellung: Herstellung: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

dies ist die Geschichte von Sarah und Felix – eine Liebe, die mit einem Lächeln begann und sich zu einem Sturm aus Leidenschaft, Sehnsucht und Geheimnissen entwickelte. Was anfangs leicht und verlockend schien, entpuppte sich als Reise in die Tiefe zweier Seelen, die sich fanden und zugleich verloren.

Sarah – reifer, erfahren, fest im Leben – begegnet Felix, einem jüngeren Mann voller Energie, Charme und Rätsel. Zwischen ihnen entsteht etwas, das Grenzen sprengt: eine Verbindung aus Nähe und Distanz, Vertrauen und Kontrolle, Verlangen und Zweifel. Doch wo Liebe so intensiv brennt, bleiben Schatten nicht fern.

Dieses Buch erzählt von der Macht der Gefühle, von der Zerbrechlichkeit des Vertrauens und davon, wie schwer es ist, loszulassen, wenn das Herz längst gefangen ist.

Es ist die Geschichte einer Frau, die liebt, zweifelt, hofft – und am Ende sich selbst wiederfindet.

Willkommen in der Welt von Sahra und Felix

Kapitel 1 – Abschied

Es war wieder einer dieser Tage. Einer, an denen mein Herz zerrissen wurde zwischen den Orten, an denen es lebte. Ich stand am kleinen, fast verschlafenen Flughafen irgendwo im Westen, die Koffer neben mir, und lächelte gequält durch einen Tränenschleier. Meine Tochter hatte mich hergefahren, die Kinder hatten mich umarmt, warm, fest, mit dieser unschuldigen Liebe, die mehr sagt als tausend Worte.

Wie jedes Mal sagte ich, dass es ja nicht für lange sei. Dass ich wiederkommen würde. Bald. Doch wie jedes Mal war da auch der Stich. Der Moment des Loslassens.

Ich stieg ins Flugzeug wie in eine andere Haut – ruhig, gesammelt, doch innerlich aufgewühlt. Ich mochte es nicht, wenn Menschen mir beim Einsteigen ins Gesicht sahen. Ich wusste, meine Augen waren rot, meine Miene zu weich für die Öffentlichkeit. Also setzte ich mich still, zog mir die Kapuze tiefer ins Gesicht, und ließ mich von den Stunden tragen.

Wie immer in solchen Momenten flüchtete ich mich in Filme. Zwei, manchmal drei. Schlaf fand ich nie. Nicht, wenn ein Teil meines Herzens noch irgendwo auf dem Rücksitz eines Autos saß, winkend, liebend.

Zwischenlandung in einer fremden Stadt – einer dieser gesichtslosen Knotenpunkte, wo sich Leben kurz kreuzen, um sich wieder zu verlieren. Die Zeit zog sich zäh. Ich rief meine Schwester an, beantwortete Mails, versuchte mich zu sammeln.

Irgendwann ging es weiter, und als ich schließlich in der Stadt ankam, die ich offiziell Heimat nannte, wartete sie schon auf mich – meine Schwester, mein Fels in dieser Version meines Lebens. Wir fielen uns in die Arme, wie immer. Es war wie Heimkommen in einem anderen Zuhause. Im Auto redeten wir über die Reise, über Kleinigkeiten, über das Leben. Und doch lag etwas in der Luft.

Leichtigkeit. Vorfreude. Denn es war auch unser Ritual: Wenn ich zurückkam, gingen wir tanzen. Immer. Wir lachten beim Aussuchen unserer Outfits. Schminkten uns nebeneinander am Badezimmerspiegel, tauschten Ohrringe, stritten über Schuhe. Zwei erwachsene Frauen, die sich für einen Abend wieder wie Teenager fühlen durften. Dass dieser Abend mein Leben verändern würde – das konnte ich nicht ahnen. Wir waren längst fertig, standen noch eine Weile vor dem Spiegel, betrachteten uns aus verschiedenen Winkeln und lachten leise. Es war dieses Lachen, das nicht laut sein muss, weil es tief sitzt. In der Brust. Im Bauch. Im Herzen. Meine Schwester hielt mir ihre Hand hin. „Bist du bereit für ein kleines Abenteuer?“ Ich nickte. Und mit einem Hauch Vorfreude, Neugier und etwas Nervosität machten wir uns auf den Weg.

Die Luft draußen war lau, trug noch Reste des Tages mit sich, während die Straßen in ein weiches Nachtblau übergingen. Wir liefen ein Stück zu Fuß, unsere Absätze klackten über das Pflaster, begleitet vom Duft eines nahen Restaurants, irgendwo fuhren Menschen nach Hause, irgendwo ging das Leben schlafen. Aber wir nicht. Nicht heute. „Ich habe ein Gefühl“, sagte meine Schwester plötzlich, ohne mich anzusehen. „Heute passiert was.“ Ich lachte. „Ach, du wieder mit deinen Vorahnungen.“ Doch tief in mir regte sich etwas. Als wir schließlich vor der Bar standen, blieb ich kurz stehen. Sie wirkte von außen unscheinbar – nur ein schmales Schild über einer dunklen Tür, golden schimmernd im Licht einer alten Laterne. Aber ich spürte sofort: Das hier war kein gewöhnlicher Ort. „Komm“, sagte meine Schwester leise.

Und ich trat ein.

Kapitel 2 – Die Begegnung

Die Bar war mehr als nur ein Ort. Sie war Atmosphäre, Musik, Licht. Ein Raum zwischen Welten. Dunkles Holz, weiche Polster, flackernde Kerzen auf kleinen Tischen, eine Ecke mit einer Tanzfläche, kaum beleuchtet, durchzogen von sanften Lichtkegeln, als würde die Nacht selbst tanzen. Es war einer dieser Abende, an denen alles stimmen musste. Mein Glas funkelte im Licht, die Musik schwebte leicht durch den Raum, meine Schwester tanzte ausgelassen, während ich kurz an der Theke verschnaufte.

Ich war zufrieden – aber nicht ganz angekommen. In mir war immer ein Raum, der offen blieb. Und dann passierte es. Ein Blick. Nicht flüchtig. Nicht tastend. Nein, er war da – wie ein stiller Ruf. Er stand nicht nah, und doch fühlte ich, wie etwas sich bewegte zwischen uns. Keine Worte. Nur Wahrnehmung. Er kam nicht sofort zu mir. Ich spürte nur, wie sein Präsenz näher rückte, wie ein Strom, der mich umhüllte.

Und als er schließlich neben mir stand, war es, als hätte sich etwas in mir beruhigt. „Du hast eine starke Ausstrahlung… als würde Licht in dir wohnen.“ Seine Stimme war tief, weich, nicht auf Wirkung bedacht. Ich lächelte. „Und du wirkst, als würdest du zwischen zwei Welten stehen.“ Wir sahen uns an. Kein Spiel. Keine Maske. Er nannte sich Felix. Ich sagte: Sarah. Zwei Namen im Raum – neu, unbeschrieben, und doch voller Ahnung.

Wir redeten. Über das, was Menschen selten aussprechen. Über Bücher, Träume, das leise Ziehen im Herzen, das man nicht erklären kann. Er hatte diese ruhige Art, die Dinge zu benennen, die andere nur fühlen. Er erzählte mir nicht viel über sich – aber genug. Dass er spürte, wenn Menschen unausgesprochene Geschichten in sich trugen. Dass er manchmal Farben sah um Menschen herum. Dass Musik ihn manchmal weinen ließ, obwohl kein Ton erklang. Ich sagte nichts von meiner Arbeit – nicht sofort. Doch irgendwann, vorsichtig, erzählte ich, dass ich mit Menschen arbeite. Mit ihrer Seele. Mit dem, was verborgen liegt. Er wurde still. Nicht erschrocken – sondern offen. „Ich habe geträumt“, sagte er, „von einer Frau, die Licht in den Händen trägt. Heute erkenne ich sie wieder.“ Es war kitschig. Es war wunderschön. Es war echt. Wir tanzten später. Nicht körperlich nah – sondern seelisch. Wie zwei, die wussten, dass Nähe mehr ist als Berührung. Später gingen Felix und ich gemeinsam die dunkle Straße entlang, die Lichter der Stadt spiegelten sich in den nassen Pflastersteinen. Die kühle Luft roch nach Regen und Asphalt, und irgendwo spielte leise eine Gitarre in der Ferne. Unsere Schatten tanzten miteinander, ohne dass wir uns wirklich berührten. Es war, als wollten unsere Schritte das Geschehene nachhallen lassen, es in die Nacht tragen, die uns umgab. Er zog den Kragen seines Mantels höher, und ich spürte, wie mein Herz schneller schlug – nicht aus Nervosität, sondern aus einer wachsenden Erwartung. Und als wir am Ende des Abends angekommen waren, ohne ein weiteres Wort, wusste ich: Etwas war geschehen. Noch wussten wir nichts von der Geschichte, die wir gemeinsam schreiben würden. Noch ahnten wir nicht, wie eng unsere Wege sich bald verweben würden. Ich dachte an all die Abende, die ich bisher erlebt hatte – an die, die bleiben, und an die, die wie Schatten verblassen. Und jetzt war da etwas Neues, das so vielversprechend war, dass ich es kaum in Worte fassen konnte. Ohne ein Wort zu verlieren, teilten wir diesen Moment der Stille, der voller Bedeutung war. Die Stadt war unser Zeuge, und ich war bereit, mich von diesem Gefühl treiben zu lassen.

Kapitel 3 – Die Nacht voller Zauber

Das hier war kein Abschied, das war ein Anfang. Langsam kehrten wir zurück zum Auto, das Licht der Straßenlaternen zeichnete Linien auf seine Haut, die ich kaum in den Blick fassen konnte, ohne zu lächeln. Die Reise hatte gerade erst begonnen. Es sollte ein ganz besonderer Abend werden – das hatte er mir versprochen. Doch was er mir nicht verraten hatte, war wohin es ging. Und genau das war es, was mein Herz schon beim Einsteigen schneller schlagen ließ. Ich liebe Überraschungen. Sie sind wie kleine Reisen in das Unbekannte und wenn man dabei von jemandem begleitet wird, dessen Nähe sich vertraut anfühlt, dann entsteht daraus etwas, das bleibt.

Schon auf dem Weg lachten wir wieder so viel – diese Art von Lachen, die zwischen zwei Menschen entsteht, wenn nichts gespielt ist. Es war, als hätten sich unsere Energien ineinander verwoben und würden jetzt wie ein warmer Strom durch das Auto fließen. Die Straßen führten uns hinaus aus der Stadt, immer weiter, bis sich die Silhouetten der Häuser verflüchtigten und die Lichter hinter uns lagen. Vor uns stieg die Straße an, schlängelte sich durch ein kleines Waldstück, bis sich plötzlich ein breites Plateau öffnete. Und dort – wie aus dem Nichts – stand ein Gebäude, das aussah, als gehöre es nicht ganz in diese Welt. Ein altes Haus, aus dunklem Holz, umgeben von Laternen, deren Licht in der Nacht flackerte. Hinter den Fenstern leuchtete warmes Licht, und aus dem Inneren klang leise Musik – melancholisch, beinahe träumerisch. „Da sind wir“, sagte Felix leise. Ich war sofort verzaubert.

Drinnen empfing uns eine Atmosphäre, die sich schwer beschreiben lässt. Die Luft roch nach alten Büchern, nach Wildkräutern und Kaminholz. Die Wände waren aus dunklem Stein, der mit violettem Licht akzentuiert war, und zwischen den Tischen flackerten Kerzen. Der Raum wirkte wie ein Zwischenort – irgendwo zwischen Realität und Märchen. Der Kellner, der uns zu unserem Platz führte, war ruhig, seine Bewegungen flossen. Etwas an ihm war ungewöhnlich – nicht bedrohlich, aber… fremd. Seine Augen wirkten fast durchsichtig, als hätte er alles schon einmal gesehen, was zwischen zwei Menschen geschehen kann. Er sprach wenig, aber wenn er es tat, klang seine Stimme wie aus einer anderen Zeit.

„Vier, fünf oder sechs Gänge?“ fragte Felix mich schließlich. Ich sah ihn an und schmunzelte. „Du hast mich eingeladen. Es ist deine Überraschung. Du entscheidest.“ Er hielt mir die Karte hin. „Ich kann sie ohne Brille nicht lesen.“ Ich lachte. „Dann wähl mit dem Herzen.“ Der Kellner stand wartend neben uns, doch anstatt zu drängen, sah er uns einfach an, als würde er mehr verstehen, als Worte je ausdrücken könnten. Schließlich sprach Felix ein Menü aus, und mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken verschwand der Mann wieder im Halbdunkel. Jeder Gang war ein kleines Kunstwerk – nicht nur kulinarisch, sondern auch wie er serviert wurde. Als würde jemand mit Bedacht und Gefühl die Welt kurz anhalten wollen.

Mir fiel auf, dass Felix mich den ganzen Abend immer wieder ansah – nicht mit dem Blick eines Mannes, der etwas will. Sondern wie jemand, der etwas gefunden hat, von dem er kaum glauben kann, dass es ihm gehört. In seinen Augen lag Wärme, aber auch so etwas wie Staunen. Ich spürte, wie er nicht nur mein Lachen genoss, sondern wie sehr es ihn berührte, wenn ich mich einfach wohlfühlte. Das war neu für mich. Und schön. Es gab einen Moment – mitten im dritten Gang – da hielt ich inne und fragte: „Bewegt sich eigentlich das Licht da draußen? Oder ist das nur meine Wahrnehmung?“ Felix sah ebenfalls hinaus. „Vielleicht ist es das Feuer im Kamin draußen“, meinte er.

Aber ich war mir nicht sicher. Irgendetwas schien sich zu verändern – nicht dramatisch, sondern sachte. Wie ein Übergang, wie ein Hauch von Magie. Ich sagte nichts mehr. Ich wollte, dass dieser Zauber blieb. Als wir das Restaurant schließlich verließen, war es längst tief in der Nacht. Doch anstatt uns auf direktem Weg zurückzubringen, fuhren wir noch stundenlang durch die ruhigen Straßen. Die Stadt hatte sich längst schlafen gelegt. Er fragte, ob wir noch irgendwo etwas trinken wollten. Und ich, voller warmer Gedanken, sagte nur: „Gerne. Wenn du weißt, wo man um diese Zeit noch eine gute Bar findet.“ Natürlich wusste er es.

Es war ein kleiner, fast versteckter Ort. Eine Bar mit schweren Samtvorhängen, tiefen Sesseln und Jazzmusik, die so leise spielte, dass man fast glauben konnte, sie sei nur für uns. Wir nahmen Platz in einer dunklen Ecke, bestellten zwei Gläser Wein, und versanken in Gespräche, die wie fliegende Teppiche waren – wir reisten durch unsere Gedanken, unsere Wünsche, unsere Vergangenheit. Seine Blicke waren weich, aber wach. Immer wieder legte sich ein Lächeln auf seine Lippen, wenn ich sprach, und ich wusste, dass er nicht nur hörte, sondern wirklich zuhörte. Der Morgen kam schleichend. Erst durch die Fenster, dann durch das Bewusstsein. Und ich wollte nicht, dass dieser Moment je endet.

Kapitel 4 – Vertraute Nähe

Wir verließen die Bar, als die Welt draußen bereits ihre ersten Farben sammelte – ein sanftes Blau, durchzogen von goldenen Rändern. Die Stadt atmete noch langsam, verschlafen, und wir schwiegen auf dem Weg zum Auto. Nicht aus Unsicherheit – sondern, weil es nichts mehr zu sagen gab. Weil alles, was wir spürten, zwischen uns stand, leicht wie Nebel und doch spürbar wie Haut. Er brachte mich zu meiner Schwester zurück. Kein langer Abschied. Kein großes Versprechen. Nur ein Blick, eine Umarmung, und ein leises „Gute Nacht“ – und etwas in seiner Stimme, das nachhallte.

Ich ging leise ins Haus, zog meine Schuhe aus, tastete mich durch den dunklen Flur, als wollte ich den Zauber der Nacht nicht stören. Und als ich endlich im Bett lag, breitete sich ein stilles Lächeln auf meinem Gesicht aus. Nicht weil etwas geschehen war. Sondern weil etwas begonnen hatte. Ich dachte an seine Stimme. An die Art, wie er mich ansah. An die Worte, die wie kleine Boote über die Wasser meiner Gedanken segelten. Und ich wusste: Dieser Mann war anders. Und was zwischen uns war – das würde nicht einfach verschwinden.

Nach diesem besonderen Abend, der sich wie ein warmer Schleier um mein Herz gelegt hatte, vergingen die nächsten Tage beinahe schwerelos – und doch voller Sehnsucht. Wir telefonierten oft. Manchmal waren es lange Gespräche, die sich tief unter die Haut schoben. Manchmal waren es nur wenige Sätze – aber selbst die schienen immer etwas mitzuschwingen, das weit mehr bedeutete als das Gesagte.

Unsere Nachrichten flogen zwischen uns hin und her wie Papierflieger mit kleinen Botschaften darin, geschrieben mit Herz. Keine Stunde verging, ohne dass wir ein Zeichen voneinander suchten. Ich war erstaunt, wie leicht es mit ihm war – dieses Miteinander, das nicht krampfhaft wirkte, sondern selbstverständlich, fast wie ein Tanz der Gedanken. Immer, wenn das Handy vibrierte und sein Name aufleuchtete, wurde es hell in mir. Nicht laut – sondern still-leuchtend, wie Kerzenlicht in einem dunklen Raum.

Irgendwann – zwischen einem dieser Gespräche über Träume, Kindheitserinnerungen, Lieblingsorte und komischen Angewohnheiten – fiel das Wort Tanzen. Ich weiß nicht mehr, ob ich es war, die es erwähnte, oder ob er es zwischen zwei Sätzen wie zufällig fallen ließ. Jedenfalls war es da. Und sofort war da auch dieses Kribbeln – wie ein leiser Stromstoß, der durch den Körper geht, wenn Vorfreude sich mit einer Ahnung von Nähe vermischt. „Standardtänze“, sagte ich. Und er schwieg einen Moment, bevor er mit diesem vertrauten, tiefen Ton in der Stimme antwortete: „Das klingt gut.“ Es war kein gewöhnliches „gut“. Es war dieses leise „gut“, dass etwas anderes meinte. Etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt, aber trotzdem fühlbar ist. Ein Hauch von Berührung, ohne sich zu berühren. Aus einem Wort wurde ein Gedanke. Aus einem Gedanken ein Plan. Und aus einem Plan eine neue Verabredung. Wir wollten tanzen. Gemeinsam. Nicht irgendwo zwischen Tür und Angel. Sondern richtig. Bewusst. Und mit Musik, die das Herz berührt. Die Vorfreude darauf war seltsam prickelnd. Vielleicht, weil Tanzen etwas ist, das keine Maske zulässt. Man kann sich verstellen in Worten, in Gesten – aber nicht in einem Tanz. Entweder man ist im Moment. Oder man ist es nicht. Und wir wussten beide: Wenn wir tanzen, dann tanzen wir nicht nur mit den Füßen.

Kapitel 5 – Tanz und Zweifel

In den Tagen davor schrieben wir uns über alles – über Musik, über Rhythmen, über Szenen aus alten Filmen, über Lieblingslieder. Es war, als würden wir uns auf etwas einstimmen, das weit über das Physische hinausging. Und dabei kamen wir uns näher. Wieder ein bisschen mehr. Nicht auf die laute, grelle Art. Sondern in diesen stillen, zarten Zwischentönen, in denen sich wahre Verbindungen formen. So kam es, dass wir uns wieder verabredeten. Und auch wenn der Ort noch nicht feststand – unser gemeinsames Ziel war schon längst klar: Tanzen. Leben. Spüren. Und sehen, wohin uns der nächste Takt führen würde.

Die Tage vergingen wie in Zeitlupe, aber sie fühlten sich an wie Musik. Jeder Austausch zwischen uns war wie ein Ton, der in mir nachhallte. Wir schrieben uns morgens, abends, manchmal mitten in der Nacht. Unsere Nachrichten waren kein Smalltalk. Sie waren fein gewoben – wie Noten in einem Lied, das sich langsam entfaltete. Wir erzählten uns von Liedern, die uns in Kindheitstagen berührt hatten, und von Textzeilen, die uns in dunklen Momenten Trost gespendet hatten. Es war erstaunlich, wie vertraut sich das alles anfühlte – und wie sehr es mich bewegte, dass ein Mensch, den ich erst vor Kurzem kennengelernt hatte, plötzlich so viel Raum in mir einnahm. Und je mehr wir teilten, desto klarer wurde mir: Zwischen uns ging es nicht nur um das, was war – sondern um das, was werden könnte. Als er mir vorschlug, tanzen zu gehen, schlug mein Herz ein wenig schneller. Nicht, weil ich überrascht war – sondern weil ich wusste, dass dieser Abend anders sein würde. Tiefer. Vielleicht auch fordernder. Denn manchmal ist es nicht der Tanz, der uns aus dem Takt bringt – sondern das, was er in uns aufwühlt.

Unsere Tanzstunden waren nicht mehr dieselben. Es war, als ob jeder Takt uns enger zueinander zog und dabei gleichzeitig neue Fragen aufwarf, die zwischen den Schritten tanzten. Wir lachten viel, manchmal fast zu laut, als wollten wir beide für einen Moment vergessen, dass sich hinter dem Lachen kleine Unsicherheiten verbargen. Die Nähe war da. Unverkennbar. Und wuchs. Aber eines Abends, noch bevor wir uns erneut trafen, spürte ich, dass ich etwas aussprechen musste. Es war kein leichtes Thema, kein einfacher Satz, der sich so nebenbei in ein Gespräch einfügt. Ich tastete mich heran.

„Ich muss dir etwas sagen. Etwas, das mir nicht leichtfällt…“ Er sah mich an. Offen. Ruhig. „Ich kämpfe ein wenig mit mir selbst, wenn ich ehrlich bin. Wegen dem Altersunterschied. Ich weiß, das klingt vielleicht altmodisch oder unnötig, aber... es ist einfach da. Diese Hemmschwelle. Diese Angst, dass du es dir vielleicht anders überlegst, wenn du erfährst, wie alt ich wirklich bin.“ Ich erwartete eine Reaktion. Vielleicht Erstaunen. Vielleicht ein Ausweichen. Aber er lächelte nur sanft, als ob er längst geahnt hatte, was in mir vorgeht. „Glaubst du, ich hätte das nicht gespürt? Oder nicht längst gewusst?“ Ich schwieg. Seine Gelassenheit beruhigte mich, aber sie löste die innere Unruhe nicht auf. Denn in derselben Woche war da noch etwas gewesen. Ein kurzer Nebensatz, den er scheinbar beiläufig in ein Gespräch eingewoben hatte, ohne dass ich sofort wusste, wie ich ihn einordnen sollte. „Ich bin übrigens noch verheiratet – also, nur auf dem Papier...“

Wie sehr ich mir gewünscht hätte, dieser Satz wäre nie gefallen. Oder wenigstens in einem anderen Moment. In einer anderen Phase. Irgendwo zwischen distanzierter Bekanntschaft und emotionalem Rückzug. Aber nicht jetzt. Nicht inmitten all der Nähe, der Berührungen, der stillen Vertrautheit. Natürlich kam schnell der Zusatz: getrennt, jeder lebt sein Leben, es ist nur noch eine Wohngemeinschaft – alles so, wie man es kennt. So, wie man es schon öfter gehört hat. Ich wollte glauben. Ich wollte vertrauen. Und doch nistete sich der Zweifel ganz leise ein. Wie ein flüchtiger Schatten in einem sonnendurchfluteten Raum. Von außen sah alles harmonisch aus. Zwei Menschen, die tanzen, lachen, sich einlassen. Aber innerlich begann ein ganz zartes Kippen. Die Realität zog nach. Es war dieser Moment, in dem man langsam begreift: Man verliebt sich nicht nur in einen Menschen – sondern auch in seine Geschichte. Und die ist nicht immer einfach.

Ich beobachtete mich dabei, wie ich auf kleine Signale achtete. Auf Zwischenzeilen, auf Pausen im Gespräch, auf Dinge, die er nicht sagte. Und während ich versuchte, ruhig zu bleiben, wuchs in mir diese leise Unruhe. Wie eine Welle, die erst weit draußen auf dem Meer entsteht – kaum sichtbar, aber unausweichlich.

Kapitel 6 – Heimkehr ins Landleben

Ich begann, nachts wach zu liegen. Nicht, weil ich misstraute. Sondern, weil ich fühlte, dass da ein Ungleichgewicht entstand zwischen dem, was ich gab, und dem, was ich riskierte. Ich war schon etwas verliebt. Und in dieser Verliebtheit lag plötzlich auch Schmerz

Die ersten Tage nach unserem letzten Tanzabend waren stiller. Nicht nach außen – wir schrieben weiterhin, telefonierten, lachten auch – aber innerlich war etwas ins Rutschen gekommen. Ich konnte nicht mehr schlafen. In meinem Kopf drehte sich alles um eine Frage, die ich so lange zur Seite geschoben hatte: Wie soll das funktionieren – er und ich? Zwei Jahrzehnte Altersunterschied?

Ich hatte es ihm noch nicht gesagt. Nicht, wie alt ich wirklich bin. Nur angedeutet, dass mich etwas hemmt, dass ich nicht unbefangen sein kann. Ich hatte Angst davor, was passieren würde, wenn ich es ihm sage. Würde er dann gehen? Würde er mich plötzlich mit anderen Augen sehen?

Und dann war da diese Bemerkung von ihm, fast beiläufig, zwischen zwei Sätzen:

Dass er noch verheiratet sei, aber es sei längst vorbei. Sie leben nur noch nebeneinander.

So etwas hört man, und doch bleibt es hängen. Ich wollte keine Vorwürfe machen, ich war ja auch nicht frei von Zweifeln – aber plötzlich stand alles in Frage. Waren wir nur eine Flucht?

Ein Moment?

Oder doch mehr?

Zwei Welten, ein Gefühl

Ich hatte gelernt, Dinge zu ertragen. Meine Schattenseite kann sehr ruhig sein. Man sieht es mir nicht an, wenn ich innerlich schreie. Aber ich konnte es nicht ganz verbergen: Meine Worte wurden vorsichtiger, meine Nachrichten kühler. Nur eine kleine Schutzmauer, dachte ich. Nur bis ich weiß, woran ich bin.

Aber Felix spürte es. Er wich nicht aus, stellte keine direkten Fragen – aber seine Nähe blieb. Er versuchte mich zum Lachen zu bringen. Manchmal tat er einfach so, als wäre nichts. Und doch war da dieses tiefe Verständnis. Als hätte er längst gemerkt, dass ich nicht nur mit ihm kämpfte – sondern vor allem mit mir selbst.

Eine Nachricht, die alles veränderte

Eines Abends, als ich spät von der Arbeit kam, lag eine Nachricht auf meinem Handy. Kein großes Geständnis. Kein „Wir müssen reden“. Nur ein paar einfache Worte:

"Ich weiß, dass dir gerade vieles zu viel wird. Ich will dich nicht verlieren. Nicht wegen der Dinge, die du noch nicht gesagt hast. Ich bin hier. Und ich warte, bis du bereit bist."

Ich musste weinen. Nicht laut. Nur still – erleichtert. Weil da jemand war, der nicht drängte, aber blieb.

Und dann kam die Nähe zurück

Wir sahen uns wieder. Und obwohl alles unausgesprochen noch zwischen uns lag, war es wie ein langsames Wiederfinden. Keine großen Erklärungen. Nur ein Blick, ein Lächeln, eine Berührung an der Hand, die etwas versprach, ohne zu fordern.

An diesem Abend tanzten wir nicht. Es lief Musik, ja – etwas Sanftes, Instrumentales. Doch wir standen nur nah beieinander, wie in einer Umarmung, die nicht mehr fragte, sondern einfach sein durfte.

Der Moment hatte nichts mit Knistern zu tun, sondern mit Vertrauen. Mit diesem Gefühl, das nicht nach Worten sucht, weil es längst verstanden hat. Wir sprachen kaum. Und doch sagte alles etwas. Die Art, wie er mich ansah. Die Ruhe in seinem Atem. Die Stille, die nicht drückte, sondern trug. Vielleicht war es genau das, was ich gebraucht hatte: Nicht noch mehr Erklärungen, nicht noch mehr Antworten. Sondern jemanden, der aushalten konnte, dass manches noch unklar war – und trotzdem blieb.

Ich fuhr später heim mit einem warmen Gefühl in der Brust und einer leisen Hoffnung, dass manche Nähe nicht lauter werden muss, um wahr zu sein.

Es war einer dieser warmen Spätsommerabende, an denen die Luft noch nach Sonnenlicht duftet und das Licht über den Feldern in goldenem Schein liegt. Ich war für ein paar Tage zu Besuch bei meiner Schwester, raus aus der Stadt, raus aus allem, was mir manchmal zu laut und zu schnell vorkam. Es war die perfekte Gelegenheit, einfach durchzuatmen. Und vielleicht auch, um Dinge klarer zu sehen.

Ich hatte Felix gefragt, ob er nicht für ein Wochenende kommen wollte. Ganz unaufgeregt. „Wenn du Lust hast – ich bin bei meiner Schwester, ein paar Tage am Land. Ruhig, schön, gute Luft. Vielleicht hättest du ja Zeit…“

Seine Antwort kam noch am selben Abend:

„Wenn du da bist, will ich auch da sein.“

Er kam. Und er brachte etwas mit, das viel mehr war als Worte: Er brachte eine tiefe Zärtlichkeit mit, die zwischen uns schon länger schwelte – aber an diesem Ort, zu dieser Zeit, schien sie sich ganz leise Raum zu nehmen.

Meine Schwester und ihr Mann hatten für den Abend ein kleines Grillfest im Garten geplant. Wir saßen unter Lichterketten, hörten Musik, tranken leichten Wein. Alles war einfach, natürlich – und trotzdem war da diese stille Spannung zwischen uns. Immer wieder berührten sich unsere Blicke, blieben einen Moment zu lang aneinanderhängen. Und als es später dunkler wurde, sagte er plötzlich leise:

„Komm mal kurz mit. “Wir gingen ein Stück die kleine Landstraße entlang. Über uns der Sternenhimmel, unter uns der knirschende Kies. Und dann, ganz ohne Vorbereitung, blieb er stehen. Draußen, mitten in dieser sommerwarmen Nacht.

„Sarah…“

Seine Stimme war plötzlich ruhig. Tief.

„Ich habe nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde. Aber ich muss das jetzt loswerden.“

Ich drehte mich zu ihm. Und in diesem Moment war da nichts als Offenheit zwischen uns. Keine Masken. Keine Zweifel. Nur dieser Augenblick – und sein Herz, das sprach.